Kurskorrektur

Der „liebste Award“ hält mich fest im Griff, obwohl ich noch immer die ausstehenden Fragen nicht beantwortet habe, oder vielleicht deshalb?

Nun habe ich auch noch eine zweite Nominierung erhalten und eine dritte könnte ich mir nehmen, wenn ich denn die Fragen von Luise Kakadu beantworten möchte.

Das reizt mich. Und es war eine ihrer Fragen, die mich genau dort traf, wo es derzeit in mir arbeitet.

… interessant, ich habe die Frage nicht dort gelesen, sondern irgendwo anders, oder ich habe sie mir zusammengereimt?

Die Frage, die ich dachte gelesen zu haben lautete:

Liest du lieber Blogs oder schreibst zu lieber?

Und diese Frage machte mir klar, wie sehr es ∑mich stresst alle Blogs zu lesen, denen ich selbst folge und das bereits seit mehreren Wochen.

Eindeutig bin ich in meinem Herzen eine Person mit Sendungsbewusstsein. Ich schreibe gerne. Ich hoffe, etwas mitteilen zu haben. Und um Texte schreiben zu können, die mir wichtig sind, gehört Recherche zum Teil dazu, aber auch Bildung. D.h. das Lesen von Büchern. Allerdings lese ich ausgesprochen langsam. Alles in ∑meinem Leben verläuft langsam. ∑Ich brauche viel Zeit für ∑mich. Sehr viel Zeit.

Nun dieses langsame Lesen hat selbstverständlich auf Einfluss darauf, wieviele Blogs ich lesen kann. Zudem ist ∑mir wichtig, die Personen hinter dem geschriebenen Wort zu erfassen. ∑Ich fühle Beiträge, spüre zwischen die Zeilen. Reflektiere, was es mit ∑mir macht – vor allem, wenn sehr intime oder belastende Begebenheiten und Gefühle berichtet werden. Jeder Text, den ich lese hat etwas mit mir zu tun. So möchte ich das. ∑Ich möchte keine Blogs lesen, die mir nicht so nahe gehen, wie ich es mir wünsche.

Ich möchte nicht oberflächlich mitlesen und letztendlich denken, o.k. ich habe alle Artikel gelesen. Und, Asche auf mein Haupt, ich gestehe, dass ich eben in dieses Fahrwasser geraten bin. Nun wird mich niemals jeder Beitrag eines Blogs dem ich folge tief bewegen können, das erwarte ich nicht. … Ich bringe es auf den Punkt. Ich führe meinen Blog nun ca. 6 Monate regelmäßig und war anfangs vielen gefolgt, die mir folgten, oder habe auch schnell gedacht, dass ich mitlesen mag, wenn ich einen neuen Blog entdeckt hatte. Wenn ich später merkte, dass die Bloglinie mir doch nicht so entsprach, wie ich es erwartet hatte, hatte ich Skrupel zu „entfolgen“. ∑Ich weiß, wie sehr ich mich freue, wenn mir jemand folgt. Ich wollte es niemandem antun, mein Interesse zu entziehen. Allerdings hatte ∑ich mein Interesse ja bereits entzogen. ∑Ich war bloß zu feige es mir selbst und letztendlich der Autorin einzugestehen. Ich lese mehrheitlich Blogs von Frauen, da die Erfahrung sexueller Gewalt sich meist dort findet. Und jenen Frauen, die Gewalt, Ablehnung und Zurückweisung in ihrem Leben erfahren haben und vielleicht noch erfahren, die noch immer darunter leiden und darum kämpfen wahrgenommen zu werden – jene Frauen soll ich „entfolgen“?

Der Gedanke alleine bricht mir fast das Herz. Immer möchte ich soviel Kraft haben, zu helfen wo es nur geht. Und das tue ich auch. Allerdings ist meine Kraft begrenzt. Wenn ich merke, dass ich darunter leide, dass ich andere Bedürfnisse – wieder einmal – wichtiger nehme als meine eigenen, ist es höchste Zeit für Veränderung.

Zudem leidet meine reale Umgebung an der Überforderung, die ich ∑mir selbst geschaffen habe.

Fazit: Ich werde die Liste jener Blogs denen ich folge in den nächsten Tagen dezimieren. ∑Ich werde Menschen „entfolgen“, deren Lebensweg sich von ∑meinem so sehr unterscheidet, dass ich ihn nicht nachvollziehen kann und nicht die Kraft dafür aufbringe mich darin zu vertiefen. Verdient hat es jede/r Frau/Mann von anderen Menschen gesehen zu werden. Glücklicherweise muss ich das nicht alles alleine machen. 😉

∑Ich möchte all jenen, denen ich auf diesem Wege adieu sage, herzlich danken, dass ich einige Zeit Gästin in ihrem virtuellen Wohnzimmer sein durfte. Was auch immer ich las, es hat mich weiter gebracht. Ich habe Erkenntnisse über und Einblicke in andere Weltsichten nehmen dürfen. Das schätze ich sehr. Ich durfte eine bunte Vielfalt besonderer Menschen kennenlernen. Bei manchen werde ich vielleicht in unregelmäßigen Abständen auf Stippvisite vorbei kommen, um zu sehen, wo ihr dann steht. Bei anderen ist es evtl. ein Abschied für immer. Lasst es euch gut gehen. Ich wünsche allen viel Kraft und alles, was es braucht, dass ihr ein glückliches Leben führen könnt. Heute oder morgen am besten so schnell und so ausdauernd wie möglich.

Wenn einige von euch – oder alle – weiterhin bei mir mitlesen wollen, seid ihr selbstverständlich herzlich eingeladen und vielleicht begegnen wir einander ja bei dem einen oder anderen Kommentar?

Jenen, denen ich weiter folge, hoffe ich nun die Aufmerksamkeit geben zu können, die ich mir im Kontakt mit meinem Gegenüber wünsche, egal, ob eine Internetverbindung, eine Telefonleitung oder bloß Luft zwischen uns liegt.

Herzlichen Dank an alle für eure Zeilen, die mein Leben bislang bereichert haben und ich freue mich auf weitere inspirierende Worte, die mir, wie euch geschenkt werden um sie niederzuschreiben.

Frau/Mann liest sich.

 

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11 Gedanken zu „Kurskorrektur“

  1. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Mich hat das in letzter Zeit auch beschäftigt. es ist außerdem nicht nur das Lesen, sondern das vor dem PC sitzen, was eine Rolle spielt, wie ich finde. Da das rechte Maß zu finden, ist sicherlich auch Erfahrungssache. Freut mich, dass Du bei der „Hafenmöve“ vorbeigeschaut hast, und ich wünsche Dir guten Flug, wohin auch immer!

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    1. Liebe Doris,

      ja, das Ausmaß vor dem PC zu sitzen spielt eine bedeutende Rolle, noch dazu möchte ich mein Buch voran bringen und schreibe wieder auf dem PC.
      Übrigens ich hatte dzt. nicht vor, dich zu entfolgen, allerdings kann es sein, dass ich nicht mehr so regelmäßig lese. Mir gefällt deine Lyrik. Es steht dir natürlich auch frei, ob du weiterhin bei mir liest. Ich denke weiterfliegen ist für alle immer möglich!
      Liebe Grüße

      Gefällt 2 Personen

          1. Oh du musst mir ganz sicher nicht folgen. Ich poste oft zehn mal an tag. Ich tue das zu dokumentationszwecken. Wer weiß, Vielleicht kann ich mit meinem Blog mal beweisen, was uns angetan wurde und es hilft noch etwas. Ich dokumentier auch für mich selbst, in zu verstehen. Das macht meinen Blog teilweise aber sehr langweilig. Ich möchte aber nicht zu blogs führen, engen zum lesen und einen langweiligen…

            Über meine früheren Gewalterfahrungen poste ich nicht, aus Sicherheitsgründen. 🙂

            Gabz liebe grüße an dich :-*

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            1. Ja, genau es waren die vielen Posts täglich, die unter anderen Umständen mitunter wohl keine Zeile wert wären. Zur Dokumentation ist es etwas anderes. Ich schau ja immer wieder bei dir vorbei.

              Über Gewalterfahrungen posten ist eine eigene Entscheidung, ich habe gemerkt, dass die Angst, dass es zu unsicher ist bei mir eine verinnerlichte Bedrohung ist, die mit dem Berichten und erkennen, dass nichts passiert, von mir abfällt . Aber viel schreibe ich ja nicht konkret. Vielmehr weil es oft sehr intime Erfahrungen sind, die ich so nicht preisgeben möchte.

              Liebe Grüße 🙂

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              1. Oh Nein. Ich meinte die Unsicherheit nur bei mir. Mein Blog könnte sehr schnell deanonymisiert werden. Wenn ich dann schreibe dass ich gewählt erlebt habe wäre das für das Jugendamt wir ein gefundenes fressen. Sie sagen dann immer: das ist der Beweis, deshalb kann sich die Person nicht kümmern.

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                1. Das ist selbstverständlich. Das gehört nicht auf deinen Blog. Da bräuchte es ein extra Blog unter anderem Nickname und vermutlich verschlüsselter IP-Adresse, damit ja nichts passiert wg. der Anonymität. Aber zwei Blogs sind zuviel. Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

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