Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit

Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele, wiewohl ich selbst ausreichend Ausgrenzungserfahrungen habe, finde ich genug Identifikation, um ihn zu teilen.

Selbst fehlt mir derzeit die Kraft etwas dazu zu verfassen. Eigenes (abgebrochenes) Studium der Politikwissenschaft hin oder her. Neben privater Schwäche, schwächen mich auch die weltpolitischen Um- und Zustände.

Herzlichen Dank, liebe Nunu, dass du in Worte gefasst hast, wozu ich derzeit nicht in der Lage bin.

Ich erinnere genau, wie ich selbst dem Abriss der Berliner Mauer mit Anfang 20 im TV folgte. Ein Besuch in der Slowakei. Betroffen von deren Armut. Jahre der Unfähigkeit irgendetwas außerhalb des eigenen Überlebens zu verfolgen, folgten. Ohnmacht, ein Trigger, der mich nun auch im Politischen einholt.

Nunu schreibt am Ende: „Wir brauchen eine menschlichere Politik. Mehr denn je.“ … Dazu ist nichts hinzuzufügen! Danke!

Ich kauf nix!

So, ich muss jetzt mal was Politisches loswerden. Als Greenpeace-Mitarbeiterin, die in der Öffentlichkeit steht, durfte ich bisher nicht dezitiert eine Partei unterstützen (ich hab mich nicht immer dran gehalten, zugegeben) – und ich verstehe das auch. Umweltschutz MUSS überparteilich sein, und die explizite Nähe zu einer bestimmten Partei kann am Weg zum Erlobbyieren eines neuen Umweltgesetzes schaden. Aber nur so nebenbei: Am Tag von Van der Bellens Wahlsieg war einer der Ersten, den ich erleichtert umarmte, mein Chef 🙂 Weil es diesmal einfach um viel mehr ging als Politstrategie: Es geht um die Wahl zwischen Vergangenheit und Zukunft, es geht darum, einen Rechtsruck im Land zu verhindern, an dessen mögliche Auswirkungen ich gar nicht denken will. Einen Mann zu verhindern, dessen Frauenbild wahrscheinlich noch verzopfter und eingestaubter ist als das meines 100-jährigen Großvaters. Daher wollte ich vor der Wahl nächsten Sonntag unbedingt noch einen brennenden Beitrag pro Van der…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.247 weitere Wörter

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16 Gedanken zu „Zerreißt den Mantel der Gleichgültigkeit“

    1. Ich denke, dass die Ambitionen durchaus positiv sind bei den Menschen, die in die Politik gehen. Aber die Kraft etwas zu ändern bleibt oft dort stecken, wo auf die nächste Wahl geschielt wird, statt auf langfristige Projekte. Ich halte es zudem für schlecht, wenn Menschen mehr als 10 Jahre in leitenden politischen Ämtern sind. Macht macht korrupt. … Das gilt vermutlich ebenso für jene hohen Beamten, die hinter den Politikern die Fäden ziehen. … Kopf hoch. 😊 … Die Frage bleibt auch, was haben wir als Bevölkerung, als Generation damit zu tun, die Politiker zu haben, die wir haben? Wir sind dekadent geworden. Unser Reichtum, das Bewahren geht über alles, um jeden Preis! (Umwelt, Nachfahren, ärmere Länder …) … Empathie ist gefragt und Engagement. … Wenn alle bloß ein wenig an ihrem Verhalten zu ändern bereit sind, bewegt sich vieles, davon bin ich überzeugt.
      Alles Liebe dir 😊 ❤

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      1. DANKE für´s Mutmachen! ❤ Ich war ich vielen Dingen schon sehr konsequent und bin noch konsequenter geworden (das Buch von Nunu habe ich gelesen und es hat mich sehr inspiriert), ABER ich möchte noch viel viel viel konsequenter sein.
        Ja, es geht hauptsächlich um die Wählerstimmen und leider wird der, der am lautesten kräht, gehört und der, der in einer so komplexen Welt mit so komplexen Problemen die einfachste Lösung anbietet wird bejubelt und leider geht es auch um Machtgier und dafür sind einige Politiker zu ziemlich allem bereit. Das aber ein Trump jetzt zurückrudert (mein Mann liest online sehr viel Zeitung und hat mir erzählt, dass der ultrarechte Flügel Amerikas entsetzt ist) ist meiner Meinung nach ein gutes Zeichen. Heute als ich meinen Mann in die Arbeit gefahren habe, habe ich ein zerrissenes Van der Bellen Plakat und ein beschmiertes Hofer Plakat gesehen. Das ist das, was mich betroffen macht. Das Miteinander geht verloren. Das Aufeinanderzugehen und den anderen verstehen wollen. Das Pauschalisieren, das Verurteilen, das DU hast ja sowieso keine Ahnung wird gestärkt – auch mittels Internet – da ist durch die Anonymität ein großer Spielraum für das Ego geschaffen worden. Dein letzter Satz macht Hoffnung! Mögen ihn viele beherzigen!

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        1. Oje, ich finde kein Ende. 😉 😊 Die zerrissenen und angeschmierten Plakate der Gegenseite gab es seit ich denken kann und bei allen Wahlkämpfen, das irritiert mich weniger. Aber es stimmt, dass sie von jeher ein Ausdrucks sind, die andere Meinung nicht einmal hören zu mögen, eine Verweigerung des Dialogs.

          Über das Internet habe ich das Problem der Algorithmen auch in der Politik bei „Im Zentrum“ zur Wahl von Trump gehört. Es werden Statements, die viele Reaktionen hervorrufen an 1. Stelle als WICHTIG in den Suchmaschinen gereiht. Das sind aber dann stets hetzerische, aggressive Äußerungen, die sowohl boshaft zustimmende als auch ablehnende Kommentare hervorrufen. Gemäßigte Aussagen locken niemanden hervor dazu die eigene Meinung abzugeben, daher meint die Suchmaschine, das ist ganz unwichtig und reiht es so weit hinten, dass sie von niemandem mehr gelesen werden. … Dabei kommt heraus, dass alle denken die Stimmung ist extrem aufgeheizt. Viele schließen sich dann dem einen oder anderen Lager an (Menschen sind Herdentiere!) und die gemäßigten, vernünftigen Stimmen werden überhaupt nicht mehr gehört, bekommen keinerlei Möglichkeit mehr sich darzustellen. DAS BEUNRUHIGT MICH! Allerdings ist das Problem zumindest bekannt. Wichtig ist es noch bekannter zu machen, damit wir die Nachrichten, die über das Netz kommen richtig lesen können, statt es für bare Münze zu nehmen was da steht!!! Kritisches Denken und Hinterfragen ist im Netz noch viel wichtiger als bei Medien, die von ausgebildeten Journalisten gemacht werden.

          Alles Liebe ❤

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  1. Liebe Benita! Danke für’s Teilen. Ich muss gestehen, dass ich bei der ersten Wahl Gänsehaut hatte (ist mit bis jetzt noch nie passiert) und mich danach wieder eine lange Zeit intensiv mit Politik befasst habe, ABER es hat mich zermürbt und zornig gemacht. Der Hass auf BEIDEN Seiten, das GEGENEINANDER SEIN, das VORVERURTEILEN und das Schüren des Ganzen seitens der Medien (unabhängig ja genau! Wenn du eine unabhängige Zeitung in Österreich kennst BITTE sag mir Bescheid) Ich wähle den, der dem Dialog nahesteht. Alles Liebe! Ps: im Übrigen glaube ich mittlerweile die Regierungsmitglieder sind die Marionetten der Lobbyisten.

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    1. Liebe Melli,
      Ich beginne mit deinem letzten Satz. Vor einer Woche gab es auf ORF III eine gute Doku von Armin Assinger moderiert (hätte ich ihm gar nicht zugetraut 😉 ), über das derzeitige Geldsystem und wie es in die Politik einwirkt und dann noch über den Hypo-Skandal. Hast du es gesehen? … Demnach ist deine Analyse leider 100% richtig. Marionetten des Geldadels. Mit einer unabhängigen Zeitung kann ich auch nicht dienen, vor allem in Österreich wo der Zeitungsmarkt derart klein und verwoben ist. Vielleicht ist es gut ins benachbarte Ausland zu schauen? Die neue Züricher Zeitung hat einen guten Ruf kenne sie aber selbst nicht. Hier die Österreichausgabe: https://nzz.at/oesterreich/ Ich lese wenig Zeitung, meine liebste Quelle ist Ö1. Bei Zeitungen ist wohl das Beste, viele zu lesen und zu vergleichen! Dafür fehlt mir die Kraft. … Bzgl. Wahl kann ich nur sagen, dass es einen Spruch bzgl. Demokratie gibt: „Use it or loose it!“ Selbst wenn wir keine wirkliche Demokratie haben, möchte ich das wenige an Freiheiten nicht noch mehr eingeschränkt wissen! Es bräuchte viel mehr Leute, die auf die Straße gehen, auch im Internetzeitalter!

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      1. Guten Morgen liebe Benita! Ich sehe so gut wie nie fern (außer es ist eine Sportveranstaltung und mein Mann sieht sich das an, dann schau ich meist mit), deswegen habe ich den Beitrag nicht gesehen. Die heuteshow sehe ich mir mit meinem Mann online an und da bin ich danach meistens ziemlich bestürzt. Mein Mann meint immer, es ist gut solange man über Politik Satire machen kann. Danke für deine Tipps! Ja zum Vergleichen fehlt mir auch die Kraft. Der Spruch ist gut! Ich sehe das so wie du. Ja, es sollten Leute auf die Straße gehen – die, die den Dialog wollen, und die Extremen (von allen Seiten) dürfen gerne mal zuhause bleiben. 🙂

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  2. Hey, danke fürs verweisen auf diesen klugen Artikel. Mut, ich möchte gerne Mut hinzufügen zu eurer Niedergeschlagenheit.
    Ich stecke momentan in dem Studium das du abgebrochen hast und erkenne mich gut in deinem und ihrem Artikel wieder. Ähnliche Gefühle haben mich dazu gebracht meinen Blog zu starten. Schau doch mal vorbei. Ich habe für mich eine etwas andere Antwort als den Rückzug ins private gefunden. Gib nicht auf und lass dich an schubsen um selber wieder in Fahrt zu kommen und etwas beizutragen gegen die Trumps und Erdogans dieser Welt, von unserer Abneigung werden sie nicht aufhören Leid zu verursachen, aber ganz machtlos sind wir nicht.
    Nunu zitiert die weiße Rose, ich denke der Mut der Geschwister Scholl muss uns ein Beispiel sein, damit es nicht umsonst war!

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    1. Hallo,
      danke für deinen netten Kommentar. Aufgeben ist ein Vokabel, das generell in meinem Wortschatz nicht vorkommt. Es freut mich, dass du diesen Beitrag auf meinem Blog gefunden hast. Ich schließe aus deinem Kommentar aber, dass du noch nicht näher in meinen Blog hineingelesen hast. Ich gelte als schwersttraumatisiert aufgrund der schweren Gewalt, die ich in meiner Kindheit erlebte. Erlebte von Eltern die im Krieg zerbrochen sind als Kinder und Nazi-Ideologien weiterlebten in ihrer Familie und anderen verinnerlichten Hass. Diese Traumata ließen mich auch schwersten Herzens mein Studium abbrechen, da ich nicht ausreichend Kraft dafür hatte (Panikattacken, Flashbacks etc.). Seither bin ich mittlerweile 20 Jahre in Berufsunfähigkeitspension (Rente seit meinem 30 Lebensjahr). Ich bringe mich ein, wo ich kann. Seien es Avaaz, SumOfUs, Amnesty u.a.m. … Aber ich spüre täglich, wie begrenzt meine Ressourcen sind und wie die Kraft schwindet. Ich muss von diesem Sozialsystem leben und die Entwicklung macht mir Angst, was nicht bedeutet, dass ich nicht bis zum letzten Atemzug kämpfe für eine bessere Welt oder auch nur für den Erhalt dessen, was auch heute gut ist hier in Österreich, in Europa. Auch darum schreibe ich diesen Blog. Auch darum Beiträge wie diese.

      Es ist wunderbar, dass es junge Leute wie dich gibt. (Aufgrund dessen, dass du noch im Studium bist unterstelle ich jetzt, dass du ein junger Mensch bist, was ja nicht unbedingt sein muss.) Das macht mir Mut und ich werde sicher öfters bei dir vorbeischauen und mich „auftanken“ an deinen Gedanken. Danke dir für den Verweis auf deinen Blog und alles Gute dafür! 😊

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