„Vererbte Narben“ – Doku zu Traumafolgestörungen über Generationen

Eine liebe Freundin hat mich auf eine sehr interessante Dokumentation hingewiesen, die am 2. September auf Arte lief. Ich mag sie für Betroffene wie Interessierte an den gesellschaftlichen Folgen von Kriegstraumata oder/und häuslicher Gewalt sehr empfehlen.

„Vererbte Narben – Generationsübergreifende Traumafolgen“

Vieles davon wusste ich bereits, da ich mich seit gut 15 Jahren mit der Thematik befasse bzw. als Kind bereits erkannte, dass die Gewalt, die ich erfuhr, nicht aus dem Nichts aufgetaucht war, sondern Zusammenhänge wahrnahm. So tat es einfach gut eine Bestätigung zu erfahren, ging uns aber auch teilweise recht nahe.

Der Film zeigt die neuesten Erkenntnisse auf diesem sehr wichtigen Gebiet auf, wie beispielsweise Traumafolgen bis in die Erbsubstanz nachweisbar sind und zwar von nachweislich nicht selbst traumatisierten Nachkommen. Wobei natürlich das Aufwachsen mit einem traumatisierten Erwachsenen bereits eine Veränderung in der Entwicklung bringen kann. Allerdings geht die Forschung weit darüber hinaus. Manche Tests befinden sich jedoch noch im Stadium von Experimenten mit Versuchsmäusen.

Oft kommt es auch zu einer Vermischung der selbst erfahrenen Traumata mit den evtl. seit Generationen weitergegebenen Leiden, die quasi als Zeug*in/e ebenso im Körper abgespeichert sind. Dies kann bis zu Albträumen gehen über Erlebnisse die Vorfahren erlebten.

Die Dokumentation ist noch bis 9. September auf Arte zu sehen, bzw. wer es nicht schafft, wurde sie dankenswerter weise auch auf YouTube hoch geladen.

15 Gedanken zu „„Vererbte Narben“ – Doku zu Traumafolgestörungen über Generationen“

  1. Ich habe die Dokumentation vor kurzer Zeit auch gesehen und fand sie sehr gut aufbereitet und ich kann nun noch besser verstehen, wie unsere Familienstruktur und Ereignisse auch auf mich gewirkt haben können. Leider ist es nicht mehr möglich, Familiengeheimnisse direkt zu besprechen und wahrscheinlich ist das für mich selbst auch besser so. Ich fand es stark und irgendwie auch bewundernswert, dass die junge Frau sich mit ihrer Mutter gemeinsam darüber auseinandergesetzt hat und beide versuchen das Erlebte aufzuarbeiten… Vielleicht gelingt es so, weitere Traumatisierungen auf die nächste Generationen abzumildern…

    Ganz liebe Grüße

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    1. Oh ja, diese junge Frau war sehr inspirierend in ihrem handeln. … Ich hoffe und denke, dass sprechen (oder z. B. am Blog schreiben) auch hilft, dass sexualisierte Gewalt bzw. Gewalt in der Familie abnimmt. Ich bin Optimistin und bin überzeugt, dass das Weitergeben von Gewalt so minimiert wird.

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  2. …die Doku hat mich erleichtert und ich wünschte mir, dass möglichst viele Menschen sie sehen…nach zwei Weltkriegen im letzten Jahrhundert dürfte es in Deutschland viele traumatisierte Menschen geben…ich bin Kind von solch traumatisierten Eltern, Vater als Kindersoldat nach Russland an die Front, Mutter unter Bombenhagel in Berlin aufgewachsen, Großvater hat zwei Weltkriege überlebt usw… Das muss sich auf die nachfolgenden Generationen auswirken, zweifach gleich, denn traumatisierte Eltern geben ihre Erlebnisse durch Gene weiter und zusätzlich durch ihr Verhalten den Kindern gegenüber. Mir hat bei der Aufarbeitung meiner eigenen Geschichte geholfen, alles in den geschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Mein Vater hat mich schon früh vergewaltigt, geschlagen, gedemütigt und seelisch misshandelt wurde ich von beiden Elternteilen. Ich habe in ständiger Angst gelebt, 18 Jahre lang. Das kann man nicht heilen, denke ich, man kann auch an solchen Erlebnissen wachsen und seelische Stärke entwickeln, wenn man Glück hat. Und man kann lernen, damit zu leben, mit der Zeit.
    Aber…was zeichnet eigentlich einen seelisch Gesunden aus? Gibt es das überhaupt? Die Erlebnisse eines Menschen gehören zu ihm wie seine Augenfarbe, es ist nicht zu trennen. Und ohne eine solche schreckliche Kindheit wäre ich heute ein anderer Mensch, vielleicht sogar ein oberflächlicher, herzloser und dummer Mensch geworden, wer weiß das schon…
    Ich habe meine Erlebnisse auch in einem Buch aufgearbeitet, es hilft, und es ist völlig normal, aus sogenannten egoistischen Gründen zu schreiben. Alle Schriftsteller, die nur etwas in die Tiefe gehen, schreiben aus persönlicher Betroffenheit heraus. Ich wünsche Dir alles Gute!

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    1. Liebe TeggyTiggs,
      Danke für deine Zeilen.
      Mit der Änderung, dass alles in Österreich stattfand bei mir und mein Vater gerade noch zu jung für die Front war, hätte ich diesen Kommentar schreiben können. … gibt es seelisch Gesunde? Eine wichtige Frage, was das ausmacht.
      Auch ich mag den schrecklichen Erlebnissen gerne Gutes zuweisen bzgl. Charakter finde es aber problematisch. Da ist so ein Denken drinnen, das die Täter entschuldigt und ihnen Recht gibt. Auch so katholisches Denken, dass Strafe bessere Menschen macht. So ist das NIE. Vielmehr bist du ein wundervoller Mensch GEBLIEBEN – trotz all der Erlebnisse. Ich sehe es mittlerweile so, dass ich eine alte Seele bin, die eine neue Herausforderung brauchte um weiter zu wachsen. Darum kam ich in eine Familie, wo die Gefahr groß war. Meine Eltern hätten an mir lernen können und sich ändern. Oder ich lerne an der Situation. Das ist heute mein Zugang.
      Das mit dem Buch ist super!!!! Das will ich auch noch schaffen. 😀
      Und ja der geschichtliche Zusammenhang ist sehr wichtig.
      Alles Liebe und Gute auch dir. ☺
      „Benita“

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      1. „Ich sehe es mittlerweile so, dass ich eine alte Seele bin, die eine neue Herausforderung brauchte um weiter zu wachsen.“ …so ist es…ich denke, Täter sind so etwas wie „Erfüllungsgehilfen“, sie sind unglückliche Menschen, gestört und seelisch krank, die sich anders nicht verhalten können, entsprechend ihren eigenen Erfahrungen und der eigenen charakterlichen Veranlagung, ihrer Schwäche…und sie können nicht anders handeln, insofern ist es entschuldbar, in der Hoffnung, sie lernen ebenso aus allem…es ist wie es ist und jeder Mensch gibt in jeder Situation das Beste, zu dem er gerade in der Lage ist, mehr geht eben nicht…der eigene „freie“ Wille ist eben nicht frei…aber, es sollte in das Bewusstsein der Menschen eindringen, dass Vergewaltigung das Schlimmst ist, was einem Menschen passieren kann und um so schlimmer, je jünger der Mensch ist, dem es geschieht…
        …insofern ist es super, dass auch Du darüber schreibst…
        liebe Grüße
        TeggyTiggs

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    1. Danke dir für deine Gedanken. Wir denken nicht, dass nur Menschen ohne Trauma Kinder haben dürfen. Kommt im Film auch zur Sprache, dass (fast) alle betroffen sind, wie du richtig sagst. Wobei das Ausmaß schon wichtig ist. Ich denke, es geht darum, dass es mir bewußt ist, wie Kinder reagieren können und um einen anderen Umgang mit Trauma. Reden statt schweigen, selbst daran arbeiten zu heilen, statt zu verdrängen.
      Liebe Grüße
      „Benita“

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      1. Hm. Schwierig. Ich hätte mich ganz sicher gegen Kinder entschieden, wenn ich damals meine Diagnose(n) schon gehabt hätte (damals bestand mein Leben aus Superchecker-ANPs). Andererseits ist mein Kind (wie ich finde) herrlich gut gelungen, also am Ergebnis würde ich jetzt nicht ablesen, dass traumatisierte Menschen IMMER Schaden an der nächsten Generation anrichten (aber: ich hatte auch hunderte Therapiestunden begleitend).
        Mit dem offend drüber reden – finde ich ein schwieriges Thema. Ich habe meine DIS-Dagnose seit Juni. Und sowas einem pubertierenden Kind zu sagen, ist vielleicht auch nicht so schlau? Ich habe sie (im Scherz) einmal gefragt: „Was wäre, wenn Tara aus United States of Tara deine Mutter wäre?“ – „Cool! Das würde ich allen in der ganzen Schule erzählen, weil das ist ja voll abgefahren.“ Ähäm. Ja. Genau darum würd ich das erst nach der Pubertät erzählen wollen.

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  3. Ich habe mir das Video angeschaut und bin jetzt ziemlich verwirrt, wie alles, die Geschichte der Eltern, Großeltern und Kindern zusammenhängt. An einigen Stellen habe ich auch die Geschichte meiner Eltern mit mir und meinem dem Umgang mit meiner Tochter wiedererkannt. Lässt mich aber insgesamt etwas ratlos zurück, ob und wie ich etwas ändern, sagen, aufklären sollte und mit wem.

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    1. Es tut mir leid, dass ich so lange für eine Reaktion brauchte.
      Ich denke, dass es schon ein großer Schritt ist, über die Zusammenhänge bescheid zu wissen. Dadurch verändert sich der Kontakt bereits, ohne viel aufzuklären. Es macht Platz für ein anderes Verständnis. Allerdings, denke ich, dass es wichtig ist offen sprechen zu können und dass es keine „Familiengeheimnisse“ gibt. Damit meine ich Themen, die verschwiegen werden, auch um die Tochter nicht zu belasten, dabei spüren Kinder, dass etwas nicht stimmt und beziehen es mitunter auf sich. Das wird dann oft verdrängt und an die nächste Generation weiter gegeben.
      Wie darüber sprechen, hängt natürlich immer auch mit dem Alter der Tochter zusammen. Aber es hängt auch damit zusammen, wie nahe ihr einander seid.
      Ich denke die Doku ist doch ein guter Start für ein Gespräch?! Was wenn du ihr von deinen Zweifeln erzählst, die diese Doku in dir ausgelöst hat? … Wie gesagt, ich nehme jetzt auch aufgrund deines Blogs an, dass deine Tochter bereits erwachsen ist. Ihr könnt euch ja die Doku auch gemeinsam nochmals ansehen. Das wäre vielleicht ein Gesprächsbeginn? Ihr das anzubieten, sie vielleicht darum zu bitten, weil es dich beschäftigt? … Ich weiß nicht, ob du mit meinen Ideen zu deiner Irritation etwas anfangen kannst. Vielleicht würde ich es so versuchen, wie ich es beschrieben habe. Mit wem? Gibt es noch andere Kinder? Gibt es Geschwister von dir, mit denen ein Austausch auch möglich ist? Das kann auch dir helfen mit deiner Geschichte mit deinen Eltern klarer zu werden. Einfach mutig und ehrlich darauflos reden. … stelle ich mir gar nicht einfach vor. … wie gesagt, ich hoffe meine Ideen sind für dich etwas hilfreich.
      Liebe Grüße
      „Benita“

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  4. Gibt mir sehr zu denken, nicht nur was vergangene Zeiten betrifft.
    Digital halten wir derzeit ja viel fest … doch wie ist es wenn Menschen alles los lassen, neu beginnen? Es wird Zeit sich diesem Thema zu nähern. Fand die Doku auch sehr sehenswert. Liebe Grüße

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