Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns

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ACHTUNG: Dieser Beitrag kann Betroffene evtl. in einzelnen Passagen triggern! Bitte passt auf euch auf, wenn ihr ihn lesen mögt.


Die Erinnerung ist nicht neu, sie ist nicht unbekannt, aber sie quält mich seit einer Woche.

Gestern haben wir über neun Stunden an einem Beitrag geschrieben und versucht sie in Worte zu fassen und schrieben doch nur darüber hinweg, daran vorbei.

Die Kräuter und der Tee helfen zur Ruhe zu kommen. Das ist wunderbar. Muss ich jetzt schreiben, dass Erinnern wunderbar ist? Im Grunde ist es das, wenn ich zulassen kann, was aus den Tiefen der Verdrängung hervorkommt.

Stress hilft sich nicht zu erinnern. Es ist DAS Mittel um Abzuspalten und zu Verdrängen. Der innere Friede ist damit verknüpft, anzunehmen, was ist, was war.

Darf ich es äußern? Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, vor fast einem Jahr. Es ist wieder soweit. Kurz vor dem Veröffentlichen des Artikels habe ich es erst entdeckt. So wiederhole ich mich etwas, wie sich die Erinnerungen wiederholen. Sie sind wieder da.

Als ich vor Jahren einer „Freundin“ darüber etwas anklingen ließ, verbot sie mir ihr davon zu erzählen. Eine andere Freundin meinte, dass sie es nicht erträgt es zu hören. Entschuldigte sich, aber sie war nach meiner Erzählung zusammengebrochen und hatte nur geweint. Auch meinen Yoga-Lehrer hatte ich schon zum Weinen gebracht, als er mir zuhörte. Danach, daheim. Er hat sich nie beschwert, nie etwas anklingen lassen. Seine Ex-Freundin hatte es mir erzählt.

In Therapie habe ich wohl darüber gesprochen, aber wir kommen nicht an jene Innenwesen heran, die es betrifft. Innenkinder, die ab Ende Oktober mehr und mehr die Kontrolle über den Körper übernehmen. Diese Lähmung ist bereits wesentlich besser als noch vor fünf Jahren, aber sie ist noch immer spürbar. Ihre Schmerzen und ihre Trauer belasten uns Woche für Woche mehr, bis sie am 24. Dezember schließlich alle Schwere, die sie seit Jahrzehnten mit sich tragen im gesamten System „Benita“ verteilen und das Leben prägen. Jahr für Jahr, versuchen sie sich mitzuteilen. Jahr für Jahr geben sie am 7. Jänner auf und verschwinden bis Ende Oktober. Dazwischen ist die Zeit vorbei an der sie leiden. Die Zeit in der es damals geschah. Wie oft geschah es? Wie viele Jahre hintereinander? Ich weiß es nicht.

Jene Freundinnen, die mich nicht darüber sprechen ließen bestätigten bloß was wir denken. Es ist so ungeheuerlich, dass wir das behaupten – ohne Beweise. Aber woher Beweise nehmen? Ich war ein Kleinkind. Ich kenne die Männer nicht zu denen unser Vater uns führte. Damals im Advent. Das Weihnachtsgeld aufbessern? Das habe ich bereits einmal erinnert. Und immer diese schreienden kleinen Kinder im Kopf. Eine Erinnerung, die uns damals 1991 auf die Psychiatrie brachte. Zu unerträglich. Es war auch damals in der dunklen Jahreszeit, als sie erstmals kam, die Erinnerung. Damals wussten wir noch überhaupt nichts von Gewalt. Damals war alles verdrängt und wir ein Nervenbündel, wie auch unsere Umgebung feststellte. Um dem entgegenzuwirken begannen wir erstmals Yoga. (Dazu habe ich gestern lange geschrieben und verlor mich darin, daher lasse ich das ohne Erläuterung hier so stehen.) Dies spülte dann die Erinnerung herauf. Nur das Gefühl. Und es ließ uns nicht mehr schlafen, bis wir wegen Schlafmangel und Erschöpfung in eine Psychose schlitterten. Heute weiß ich, es war ein Flashback. Damals wusste ich nicht einmal, dass es einen Begriff für diese Symptome gibt.

Und wieder drücke ich mich vor der Erinnerung zu berichten. Darf ich meinem Vater eine solche Ungeheuerlichkeit anlasten? Es tut mir leid, es tut mir enorm leid, dass ich es tue. Tun muss! Weshalb sollte ich mir so etwas ausdenken? Weshalb sollte ich mich seit Jahrzehnten quälen. Mein Vater ist seit über 15 Jahren tot. Ich schade nur mir, wenn ich denn so wahnsinnig wäre, mir so etwas zu fantasieren. Aber schreiende Kinder? Kinder, die verkauft werden für sexualisierte Gewalt schreien nicht mehr. Hörte ich meine Seele schreien und die Seelen der anderen? Hörte ich die Qualen der verstummten Kinder, die dort waren, wo ich war? Gestern hatte ich die Idee, als ob sich diese Erinnerung mit einem generationsübergreifendem Trauma vermischt. Als ich diese Schreie im Kopf (erstmals) wahrnahm, war der Balkan-Krieg in vollem Gange. Und er erschütterte uns enorm, da wir eine starke Bindung an Ex-Yugoslavien hatten. Hörte ich die Schreie, die meine Mutter als Kleinkind bei Bombenangriffen gehört haben mag und ihr weinen von damals, als sie als 3jährige in Luftschutzkeller gezerrt wurde? Ich weiß es einfach nicht. Dennoch ist das Leid da. Ich möchte die Wahrheit so gerne wissen.

Letzen Freitag war es dann so greifbar, so wahr, so nahe. Es war ein Moment, sogar länger. Ich war am Weg zu meiner praktischen Ärztin. Durch die Pukka-Produkte konnten jene Innenwesen, die bereits im November soviel Kraft haben ihren Schmerz auf alle auszudehnen beruhigt werden und sogar Freude und Heiterkeit konnte Raum finden. Innenwesen, die mit der kalten Jahreszeit schon ewig nicht in Kontakt gekommen waren wunderten sich über unsere Kleidung und wie lustig die Bäume aussehen und dass sie ihr Laub verlieren. Dann kam es zu einem Co-Bewusstseinsstatus. Eine Erkenntnis, dass es stimmt, dass unser Vater uns als Kleinkind verkauft hatte. Darf ich es glauben? Darf ich es mir selbst glauben? Ein Vater, der sein kleines Mädchen – ich war damals ca. 4 Jahre – zu Männern bringt, die für sexuelle Gewalt an einem Kleinkind bezahlen! Es ist zu brutal, zu grausam. Aber die Erinnerung kommt immer wieder. Ich werde sie nicht los, so sehr ich mich bemühe. Ich weiß, dass solche schlimmen Erinnerungen an Macht verlieren, wenn ich sie annehmen kann. Wenn ich sagen kann: „So war es!“ Aber darf ich das tun?

Ich weiß, dass mein Vater Frauen hasste. Jede erfolgreiche Frau, die in einem Interview im Fernsehen auftrat – und in den 1970ern waren das nur ganz wenige, wurde beschimpft und herunter gemacht. Vor allem Feministinnen der aufkeimenden Frauenbewegung beflegelte er aufs Gröbste. Ich erinnere es erst ab Mitte der 1970er Jahre. Vermutlich hätte ich diesen Frauen in so frühen Jahren gar nicht so intensiv zugehört, hätte er nicht so beleidigend über sie gesprochen. Ich fand sie hatten Recht. So wurde ich zur Feministin, zunächst innerlich. Bis ich dazu stehen konnte, dauerte es noch länger. Diese Frauen gaben mir Kraft die Gewalt zu überleben. Ich war nicht mehr alleine, wenn unser Vater uns niedermachte und demütigte, wenn er mir täglich zeigte, dass ich keinerlei Wert hatte und nur für Sklavendienste für ihn gut genug war. Da ich mich nicht unterwarf wie meine Mutter das tat, war seine Aggression mir gegenüber größer.

Wenn ich daheim als „Strafe“ dafür seinen Zorn fühlte und vergewaltigt wurde, das kann ich annehmen. Das war krank, das war eine emotionale Reaktion seines kranken Wesens. Aber ein Kleinkind anderen Männern für sexuelle Gewalt zur Verfügung zu stellen, das braucht einen Vorsatz, das braucht Planung. Umso mehr als es eine Zeit war, die noch lange keine digitalen Medien kannte. Nicht einmal ein Mobiltelefon gab es damals, dass er an meiner Mutter vorbei Kontakte knüpfen konnte. Gut, meine Mutter nahm nichts wahr. Sie spaltete Bedrohliches ab.

Erst bei unserem letzten Treffen konnte ich mich davon überzeugen. Ich bin relativ sicher, dass meine Mutter ebenso eine dissoziative Störung hat, wie wir. Bei jenem Mittagessen vor einigen Wochen fragte sie mich tatsächlich, ob es da Übergriffe von unserem Zahnarzt gegeben hätte. Eigentlich war er Dentist und ein Freund unseres Vaters. „Du hast da einmal etwas angedeutet!“, meinte sie. Das hatte ich bereits vergessen. Und ja, es stimmt, auch dazu gibt es Erinnerungen. In uns geht es rund. Einerseits die Freude, dass meine Mutter nachfragt. Dafür sind wir unendlich dankbar. Wie schwierig diese Begegnung für uns war und wie Angst besetzt, kann ich nicht in Kürze beschreiben. Viele Innenwesen wurden im Inneren auf sog. „sichere Plätze“ gebracht. Das ist eine Möglichkeit drohenden Triggern zu entgehen und im Erwachsenen-Ich zu bleiben – als kurze Erklärung für meine lieben Leser*innen, die wenig über Traumatherapie wissen. Ich empfinde diese Methode aber als außerordentlich anstrengend und nutze sie nur höchst ungern und selten. Bei diesem Treffen mit meiner Mutter war es unumgänglich. Und es hat sich gelohnt. Ich konnte ruhig bleiben, spitze Anspielungen mit Gelassenheit und Freundlichkeit parieren und ihr letztendlich jene Sicherheit geben, dass sie uns diese Frage stellen konnte. Wir sprachen über unseren Zahnarzt und darüber was ich erinnere. Sie war betroffen. Mehr möchte ich darauf hier nicht eingehen. Nachdem meine Mutter noch angemeldet hatte, dass sie ja Papa nicht mehr fragen kann, sagte sie etwas Bemerkenswertes. Ich habe diese erste Aussage ignoriert. Wenn sie ihn fragen könnte, würde er es nicht zugeben, davon bin ich überzeugt. Sie meinte also: „Es tut mir sehr leid, dass ich es nicht wahrgenommen habe.“ Sie sagte das in einem abgespaltenen Zustand. Gefühle waren da, aber sehr distanziert spürbar, dennoch meinte sie es ernst, vorsichtig ernst, aber dennoch. Das war der zweite Meilenstein an jenem Tag.

Vielleicht haben auch diese Begegnung und ihre unerwarteten Worte dazu beigetragen, dass nun Gefühle und nähere Erinnerungen auftauchen? Hatte mein Vater über seinen Freund, den Dentisten jene Kontakte an die er mich weitergab, an die er mich verkaufte? Wobei es gibt in diesem Zusammenhang noch weitere Erinnerungssplitter, die ich nicht genau zuordnen kann.

Jetzt hab ich geschrieben, was uns quält. Das macht es leichter.

Ich danke euch sehr, dass ihr da seid und meine Beiträge lest. 🌻🌺🌿🦋

 

 

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38 Gedanken zu „Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns“

  1. Ich bin gerade wirklich sehr bewegt von deinem Beitrag. Es ist so ehrenhaft, dass du dich traust darüber zu sprechen! Ich finde es bewundernswert, dass du alles reflektierst und versuchst, keine grausame Gefühle für ihn zu haben (auch wenn ich leider finde, dass sie berechtigt sind). Es lässt sich keinesfalls rechtfertigen, aber er war wirklich krank und es ist unfair, dass du in einem so einem unfairen Zustand einer solchen Situation ausgesetzt wurdest!
    Von Herzen alles gute für dich!❤️

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  2. Ich bin… betroffen. So viele Parallelen. Auch Dich hat „nur“ (haha) eine Erinnerung auf die Akutpsychiatrie gebracht. Ich wusste nicht, dass es noch einen Menschen am Planeten gibt, bei dem das so war.
    Ich wünsche Dir das aller Beste fürs Durchtauchen durch die dunklen Tage… Für mich ist der 23.12. immer ein toller Tage, weil dann die Tage wieder länger werden. 🙂
    LG s.

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    1. Liebe Sonrisa,
      Das ist gut, wenn du entdeckst, dass du mit einer schweren Erfahrung nicht alleine bist. Da hat sich mein Beitrag bereits dreifach gelohnt. Für mich, weil es manches leichter machte zu berichten und so liebe Kommentare zu erhalten und auch für dich. 😀😊 Das freut mich sehr und gibt mir Kraft weiter zu gehen und zu schreiben. Eindeutige win-win-win Situation. 😊*Jippie*
      Herzlichen Dank, dass du mir davon berichtet hast. 🍀🌼💖
      … Ja, ich dachte auch schon daran, die Wintersonnwende als positiven Aspekt in dieser Zeit zu sehen. Sehen, dass es heller wird ist aber meist erst so ab 10.1. Kann aber an einer inneren Finsternis liegen bei uns. Ein guter Hinweis den 21.12. als Hilfestellung zu etablieren. Danke dafür und deine lieben Wünsche. ☺
      Alles Liebe
      „Benita“

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Benita,
    danke dass du deine Geschichte mit uns teilst. Es tut mir leid, dass du so viel Schmerzhaftes erleben musstest. Am liebsten würde ich euch in den Arm nehmen und ganz fest drücken (wenn ihr das überhaupt annehmen könntet). Ich glaube, dass es Dinge gibt, die kann man nicht vergeben, sondern höchstens akzeptieren. Ich wünsche dir, dass du einen Umgang damit findest. Es wird bestimmt nicht einfach. Ich habe dich gelesen und wollte dir ein bisschen Mut hier lassen…
    Ganz liebe Grüsse
    Ut

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    1. Liebe Ut,
      herzlichen Dank, sehr gerne nehme ich deine Umarmung an. Virtuell kannst ja nicht zu fest drücken 😉, da sind wir sehr sensibel. Aber vorsichtig und zärtlich tut es uns sehr gut. 😊 … der Mut ist angekommen und hilft sehr, danke.
      Alles Liebe dir
      „Benita“

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  4. Liebe „Benita“,
    auch ich habe deinen Beitrag gelesen und wünsche dir viel Kraft und alles Liebe.
    Was mir zu den schreienden Kindern einfiel: Ich höre sehr oft, welche Innen schreien und ich habe sehr sehr viele Träume, in denen wir nur am Schreien sind oder in denen wir verzweifelt versuchen zu schreien, aber es kommt kein Ton heraus. Bei uns liegt es daran, dass es verboten war im Außen zu schreien, aber es sehr notwendig gewesen wäre zu schreien, weil es alles so schlimm war. Daher wurde alles „nach Innen geschrien“, sodass es im Außen unbemerkt blieb und keine Strafen nach sich zog. Ich kann es leider gerade nicht besser erklären und weiß auch nicht, ob es für dich passen könnte, da deine Ideen dazu in eine andere Richtung gehen. Ich wollte es dir dennoch gerne da lassen und hoffe, das ist okay.
    Alles Liebe
    Bunte Sterne

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Bunte Sterne,
      Vielen lieben Dank für deine Wünsche und Zeilen.
      Doch, deine Erfahrung mit den schreienden Kindern ist sehr wichtig für uns. Wir dachten das lange, dass das in uns war, auch wir durften niemals schreien. Beim schreiben dann fanden wir das unlogisch und suchten nach anderen Erklärungen. Wenn du das auch so erlebst ist das außerordentlich hilfreich für uns. Es ist also viel mehr als bloß okay, es ist sehr hilfreich. Herzlichen Dank fürs berichten. Falls es für uns nicht gepasst hätte wäre es selbstverständlich ebenso okay gewesen. Ich freue mich immer über Erfahrungen und Anregungen von jenen, die meinen Blog lesen. Von so treuen Leserinnen wie ihr es seid, freue ich mich besonders. Eure Meinung ist mir sehr wertvoll.
      Alles Liebe 😊💖 und einen wunderschönen Sonntag
      „Benita“

      Gefällt 2 Personen

  5. Liebe Benita – ich freu mich für dich, dass deine Mutter diese Dinge sagte. Ich glaube das kann vielleicht ein kleines bisschen heilen. Es ist schwierig die richtigen Worte zu finden und es gelingt mir auch nicht – aber ich werde weiter lesen! Eine Umarmung!

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Elefantenblau,
      oh ja, es kann heilen helfen. Es war ein weiter Weg dorthin und ich bin dankbar für die Kraft, dass ich ihn gehen konnte und für alle Hilfe die ich erhielt.
      Herzlichen Dank, dass du weiter liest, obwohl es manchmal ganz schwer ist zu ertragen, was ich schreibe. Danke für die liebe Umarmung. Diese vielen lieben Worte von dir und allen anderen tun unendlich gut. Es sind die richtigen Worte, keine Worte zu haben. Jedes liebe Gefühl tut mir gut. Herzlichen Dank.
      Alles Liebe dir
      „Benita“

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  6. Auch ich hab dich gelesen und finde es gut, dass Du es geschafft hast, es aufzuschreiben, sichtbar zu machen – für dich und andere.
    Ja, Du darfst das.
    Und nein, es macht niemals DICH schlimm.
    Ich wünsche dir viel Kraft und Liebe weiterhin und dass Du nach und nach erfährst. ❤
    Luise

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    1. Liebe Luise,
      Herzlichen Dank 💖, ja, du siehst den positiven Aspekt, das Heilsame es heraus zu schreiben, mit allen Zweifeln und Schmerzen. Du bist Expertin darin. 😊 Da hab ich schon einiges von dir gelernt und beim Schreiben an dich gedacht und allen Mut zusammen genommen. Es tat wahrlich gut und tut es noch. Danke dir für dein Vorbild, deine Worte und Wünsche. 💚💓 🎓🌞
      Alles Liebe und einen wunderschönen Sonntag
      „Benita“

      Gefällt 2 Personen

  7. Mehrmals fragst Du, ob Du Deinen Vater beschuldigen darfst!!!
    Ja, Ja, Ja Du darfst – Ja Du sollst sogar alles, alles hier niederschreiben.
    Doch bitte, bitte versuche ihn NICHT zu hassen.
    Denn damit machst Du Dich kaputt.
    Dieser Mann wurde so erzogen und von seiner Umgebung geprägt.
    Er hatte niemals gelernt zu lieben.
    Gott bewahre, das soll keine Entschuldigung sein.
    Doch auch er war ein Gefangener seiner Erziehung und seiner Umwelt…..vergib ihm, wenn Du irgend kannst.
    ❤ ❤ ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke dir für deine Worte. Deinen ersten Satz hätte ich wohl ebenso schreiben können, auf jedem anderen Blog. Wenn es mich selbst betrifft, ist die Lage so viel schwieriger. Aber es berührt mich sehr, dein „du darfst!“ , die Scham ist über alle Maßen groß. Danke dir!

      Ich bin überzeugt, dass nicht alles von der Erziehung und der Umgebung abhängt, was wir tun. JedeR ist selbst für das eigene Tun verantwortlich. Das andere ist zu einfach. Und nein ihm muss ich nicht vergeben, mir selbst möchte ich vergeben, dass ich mich schäme und wie schwierig es ist, damit zu leben, zu mir zu stehen. Früher hatte ich Verachtung für meinen Vater übrig, in der Pubertät auch Hass, das ist lange vorbei. Ich müsste mal suchen, welches Gefühl ich derzeit für ihn habe. Im Grunde ist da eine Leere – tja, kann sein, dass noch Hass da ist. Ich bin keine Heilige und der Weg zur Vergebung führt durch ganz viel Trauer, Zorn und viele andere Gefühle, mal sehen, wie weit ich in diesem Leben komme. Ich habe mich Jahrzehnte damit befasst, wie er so werden konnte, es ist besser zu sagen, er war wie er war. Warum er so wurde, weiß ich nicht und es ist nicht meine Angelegenheit. Er ist tot, ich kann es nicht mehr in Erfahrung bringen. Er war ein Sadist und Psychopath und das Aufwachsen im Nazi-Österreich hat sicher seine Tendenz zur Aggression noch verstärkt, aber wir haben täglich mehrmals die Wahl, ob wir andere verletzen wollen oder nicht. Es ist und bleibt eine eigene Entscheidung.

      Gefällt 5 Personen

      1. Ich bin gläubige Jüdin, und trotzdem der Meinung, dass wir nur den „freien Willen“ haben zu glauben oder nicht zu glauben.
        Doch ganz sicher nicht, was unser Verhalten betrifft.
        Das lenkt der Fürst dieser Welt.

        Gefällt 1 Person

        1. Ich akzeptiere deine Ansicht, ich sehe es anders, da ich es anders erlebe. Ich weiß wie Yoga und Meditaton zum Beispiel helfen ausgeglichener zu sein und somit auch eine Änderung des Verhaltens möglich ist. Hätte ich gedacht, dass ich mein Verhalten nicht ändern kann, wäre ich noch auf der Psychiatrie in einem Zustand der Psychose verblieben. … Und auch ich glaube an göttliche Energie und Hilfe.

          Gefällt 3 Personen

          1. Ganz zweifellos gehörte Dein Vater zu den Menschen, die man bedenkenlos als „das Böse in Person“ bezeichnen kann. Und dieser Charakter war vermutlich auch noch mit Primitivität par excellance gekoppelt.
            So ein Mensch hat keine Chance an sich zu arbeiten, weil er die Wege dazu nicht kennt.
            Doch wie immer auch – er ist tot und Du lebst und ich wünsche Dir alles nur erdenklich Gute, und viel Kraft zum Weitermachen.
            God bless You

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            1. pass bitte auf, wie du über jemanden sprichst, den du nicht kanntest. Was ich über ihn sagen darf und was andere über ihn sagen dürfen sind zwei paar Schuhe. Primitiv war er sicher nicht. Er war krank, vielleicht ein böser Mensch, aber er war mein Vater und Kinder lieben ihre Eltern, das geht gar nicht anders. Würde ich ihn nicht auch geliebt haben müsste ich ihn nicht hassen. … Danke für deine Wünsche.

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