„Mein“ Körper

∑Ich führe einen Kampf gegen meinen Körper. Das geht so weit, dass ich ihn nicht als „mein“ bezeichnen mag. Die Osteoporose, die als Folge der Krebserkrankung und erblich bedingt an meinen Knochen nagt, ist weiter fortgeschritten. Die Medikamente, die laut Testmethoden helfen haben eine Vielzahl an Nebenwirkungen, die uns enorm ängstigen. Einige davon haben wir bekommen. Acht Jahre haben wir unterschiedliche Präparate verabreicht bekommen, mit leichten Verbesserungen, ohne Krafttraining, das am besten für den Knochenaufbau sein soll. Seit 1 ½ Jahren haben wir die Therapie beendet, auf eigenes betreiben. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile glücklicherweise verschwunden, leider wurde die Knochendichte wieder geringer. Es gibt Hinweise, dass das der Effekt des Medikaments sein kann. Ein Suchtmittel für den Knochen?

Der Körper, der uns trägt tagaus, tagein muss funktionieren. Zuvor wollte ich zum Krafttraining gehen, um gegen diese Krankheit anzukämpfen. Aber meine Seele war nicht dabei, ich war nicht dabei. Als wir den Körper aus der Wohnung bewegen wollten – entweder jetzt sofort, oder es geht sich heute nicht mehr aus – da rief es in uns: „Ich hasse diesen Körper, der Männer nur immer geil gemacht hat, uns aber niemals Liebe brachte.“

Ja, das war die Wahrheit. Dieser entsetzliche Kampf gegen diesen Körper in Worte gefasst. Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich einen für sein Alter ansehnlichen Körper, aber lieben kann ich ihn kaum. Ganz selten nur. Meist ekelt mir und mir kommen Tränen. Der Schmerz ist nahezu unerträglich und es wundert mich nicht, dass der Körper an diesem nun langsam zerbricht, sich auflöst.

Gestern führten wir ein langes Telefonat mit einer Notrufnummer, weil wir verzweifelten an dem Befund, den wir Mittwoch abends aus dem Postkasten zogen. Wir verzweifelten, weil wir keinesfalls wieder diese grausamen Osteoporosemedikamente nehmen wollen. Weil aber Wirbelbrüche und Knochenbrüche als Folge der Osteoporose entsetzlich schmerzhaft sind, die wir uns so lange wie möglich ersparen wollen. Wir hatten noch niemals einen Knochen gebrochen. Außer einer angeknacksten Rippe.

Gestern dachten wir, dass wir evtl. nicht sehr alt werden. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Gestern hatten wir keinen Lebenswillen mehr, die Kraft zu kämpfen ist wirklich gering. Aber vielleicht geht es nicht mehr darum zu kämpfen? Sollen wir das kämpfen lassen? Lieben statt kämpfen?

Dieser Körper, der nichts, absolut gar nichts dafür kann, dass sich erwachsene Menschen an ihm vergriffen und ihn benutzten, bräuchte Liebe. Alles schreit aus ihm heraus: „Hab mich lieb!“

Leicht möglich, dass dann sogar Selbstheilungskräfte erwachen, die auch Krankheiten stabilisieren, vielleicht sogar heilen können, für welche die pharmazeutisch ausgerichtete Medizin nur sehr brutale Medikation kennt, die immer wieder als Körperverletzung beschrieben wird, wegen der Nebenwirkungen.

Wieder mehr auf meine Ernährung sehen, dankbar sein für diesen Körper, der uns trotz allem noch gute Dienste leistet. Weiter Krafttraining, Sport und alternative Therapien suchen. Er ordiniert noch unser TCM-Arzt, der uns bereits einmal so sehr geholfen hat. Und so lange es geht, wird es gehen. Wer weiß, vielleicht werde ich auf diese Art älter als eingespannt in ein straffes Therapieprogramm das mich unter pharmakologische „Drogen“ setzt?

Die Herausforderung heißt Urvertrauen. Vertrauen in das Leben selbst, dass dieses es gut mit mir meint. Gott ist das schwierig. Loslassen und Lieben statt kämpfen.

… möge ∑ich genug Mut dafür aufbringen können, das wünsche ich mir für uns.

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15 Gedanken zu „„Mein“ Körper“

  1. Liebe Benita,
    ich finde es sehr bewegend was du schreibst. Vielleicht kannst du auch damit anfangen deine Ablehnung dem Körper gegenüber zu mögen und als eine Hilfe zu sehen, die bislang notwendig war zu überleben. Im Sinne von alles ist gut an mir, auch die Seite die abwehrt. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du deinen Weg findest und Stabilität in Seele und Körper entsteht.
    Liebe Grüße,
    Sofie

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Sofie,
      Herzlichen Dank für deine wertvollen Gedanken zu meinem Text. Das ist eine so wichtige Anregung. Wir werden versuchen es so zu sehen.

      Danke für deine lieben Wünsche, wie schön. 😊

      Ich möchte dir gerne wünschen, was dir dzt. am meisten hilft und Freude bereitet oder gut tut. Auch falls du selbst das vielleicht gar nicht so genau sagen kannst, mag es sich verwirklichen. Und dann stehst du da und freust dich, dass es so gekommen ist.

      Herzliche Grüße
      „Benita“

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  2. Liebe Benita,
    diesen Gedanken von Luise finde ich sehr gut und ich wünsche dir von Herzen, dass es dir so gelingt, irgendwann deinen ganzen Körper und alles an dir und in dir zu lieben. Das hat er bitter nötig, und vielleicht geht es ihm/dir/euch dann wirklich besser?
    Herzliche Grüße
    Rosa

    Gefällt 4 Personen

  3. Liebe Benita 🙂
    Da wünsche ich aus innigstem Herzen mit dir mit.

    Wir hatten ja schon öfter darüber geredet. Und ich kenne solches Fühlen von mir selbst. Auch bzgl. der Bildung/Heilung von Krankheitssymptomen sind wir uns wohl nah.
    Vielleicht hilft es dir, zu Anfang einen Finger; einen Zeh; einen Leberfleck oder etwas anderes „Kleineres“ so zu lieben, wie Du dir wünschst, einmal den gesamten Körper zu lieben. Und es einfach wachsen zu lassen, wenn und wann es mag und kann.
    Nein, er kann nichts dafür.
    Fühl dich umarmt, wenn Du magst. ❤
    Luise

    Gefällt 6 Personen

    1. Liebe Luise,
      Herzlichen Dank 🙂 für die Umarmung, die ich gerne annehme.
      Ja, das ist eine gute Idee, mal klein zu beginnen. Da ist so ein Widerspruch. Generell finde ich den Körper ganz „hübsch“, also ich bin keine Schönheit, aber guter Durchschnitt. (Aus innerer Distanz gesehen!) Aber wenn ich lieben will, dann fällt alles ein, wo er zu Gewalt gezwungen wurde. Aber du hast schon sehr recht. Wenn so Erinnerungen hochkommen ist das doch gut. Mich so anzunäheren und dem Körper zu verzeihen, wofür er nichts kann!!!
      Vielleicht kann ich mir ja jede Woche ein Teil vornehmen, oder so?! Aber wenn eine Woche zu kurz ist halt länger, kein Muss, jede Woche. Vielleicht geht es leichter, wenn mal ein Teil geliebt werden kann? Training eben.

      Alles, alles Liebe und ein wunderschönes Wochenende ❤
      "Benita"

      Gefällt 4 Personen

      1. Hallo Benita, vielen Dank für diesen Artikel… und auch für diesen Kommentar hier… Ich finde das sehr spannend, wie unterschiedlich sich das entwickeln kann… Gemeinsam haben wir, dass ich auch einen (verdrehten?) Zugang zu meinem Körper habe (der objektiv vielleicht sogar oberer Durchschnitt ist), aber sich „nicht meiner“ anfühlt, ich kann LÄnge der Arme/Beine oft schlecht einschätzen. Radikal anders bei mir ist, dass „lieben und Nähe“ definitiv jemand aus ∑ich ganz normal gelernt hat, und jemand anders aus ∑ich denselben Körper mit Gewalterfahrungen in Verbindung bringt. Sauberst getrennt bei mir. Ich hab dazu auch vor kurzem einen Blogbeitrag geschrieben, der irgendwann nach Weihnachten online geht (solange feile ich noch dran rum…)
        Danke für Deine Erfahrungen… Ich fühle mich beim Lesen nicht mehr ganz so ungewöhnlich… LG s.

        Gefällt 3 Personen

        1. Liebe Sonrisa,
          vielen Dank für deinen Kommentar. Interessant, wie du das erlebst. Ich merke bei mir, wie sich die Dissozation zurück entwickelt, d.h. heilt. Das hat zur Folge, dass ich eben immer weniger spalten kann und will, d.h. ich fühle immer mehr, bzw. ich bin einigen anderen Innenwesen näher und sie mir. (Co-Bewusstsein) Bzw. umgekehrt, glaube ich, dass immer weniger – wenn überhaupt – ganz abgespalten sind. Folglich spüre ich den Schmerz. Das ist der Weg zur Heilung, aber tlw. kaum erträglich. Und ich war niemals so „getrennt“, wie du es beschreibst, denke ich.
          Es freut mich, dass du dich nicht mehr so ungewöhnlich erlebst, dadurch, dass ich geschrieben habe. Das bist du auch nicht! Es sind eben DIS-Symptome, die vorkommen können. Da gibt es leider zu viele, die wohl Ähnliches kennen.
          Alles Liebe dir
          „Benita“

          Gefällt 4 Personen

          1. … macht mir gerade Hoffnung, dass Du sagst: Die Dissoziation entwickelt sich zurück, heilt.
            Wie schön.
            Hätte ich auch gern. 🙂 Ich denk mir sooo oft, ich würde meinen Alltag ohne Dissoziation überhaupt nciht schaffen. Wenn man mir die ausknipsen würde, würde alles auseinander fallen, ich könnte nciht mal mehr vor die Haustür, ich könnte nicht mit anderen in derselben Wohnung leben. Hm.

            Gefällt 1 Person

            1. Liebe Sonrisa,
              … naja, so von alleine geht die Dissoziation nicht zurück, da sind Jahrzehnte Arbeit drinnen. Aber es geht, dass es besser wird, diese Hoffnung kann und mag ich sehr gerne bestärken. Und du hast tatsächlich Recht, mit deiner Befürchtung, wenn die Dissoziation von jetzt auf sofort weg gewesen wäre, hätte ich es auch nicht ertragen und wohl auch mein Umfeld nicht, weil ich noch nicht gewusst hätte, wie Leben ohne DIS gehen kann. Aber wir haben gelernt zu dissoziieren, das lässt sich auch wieder verlernen, bzw. es lässt sich lernen, ohne dissoziieren zu müssen zu leben, ganz langsam, Schritt für Schritt, dann ist es auch für die Umgebung erträglich! 😊
              Übrigens ich hab dein Mail erhalten, Antwort braucht noch.
              Liebe Grüße
              „Benita“

              Gefällt 2 Personen

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