Das Dilemma und mein Weg hinaus

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Fotoausstellung Baden bei Wien

Oder: Darf es mir/uns gut gehen und was bedeutet „gut gehen“ für uns?

Seit das Trampolin Einzug in mein Leben gehalten hat, hat sich so vieles verändert. Das ist langsam nicht mehr neu und dennoch wundere ich mich jeden einzelnen Tag, wenn ich erwache und nicht mehr von dieser Schwermut geplagt bin, die mir noch vor drei Monaten täglich „Wozu lebe ich überhaupt?!“ in mein Gehirn schrie kaum dass ich die Augen öffnete. Stattdessen zu erwachen und zu denken: „Mein Leben ist in Ordnung!“ oder „Es ist gut!“ mit einem zarten Lächeln im Gesicht, ist eine Freiheit, die uns dennoch überlegen lässt.

So von einen Tag auf den anderen, ein neues Leben? Aber ist es ein neues Leben? Natürlich nicht! Darf es uns denn gut gehen? Das war stets die Frage unseres Lebens. Und so arbeiten wir uns auch hier am Blog an dieser plötzlich neuen Wahrnehmung ab. Bereits die letzten Beiträge handelten von nichts anderem.

Plötzlich geänderte Wahrnehmungen bei Leuten mit DIS/DDNOS sind auch mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja gar nichts anders und nur eine andere Person heraußen, die den Alltag übernommen hat? Das kann auch mehrere Monate andauern, dass sich eine Person oder mehrere in den Vordergrund kämpft bzw. kämpfen und genau dort bleiben. Die dunklen Monate von Mitte Oktober bis Mitte Jänner war das über viele, viele Jahre so bei uns.

Nein, so fühlt es sich nicht an. Es fühlt sich ganzer an, kompletter. Das Wohlfühlen scheint vielleicht nicht alle, aber doch viele zu betreffen.

Eine weitere Änderung in meinem Alltag ergibt das Lesen anderer Blogs von jenen, die Gewalt erlebten. Jene Blogs zu lesen erzeugte in mir immer wieder das Gefühl verstanden zu werden. Ein Empfinden von Verbundenheit. Ich fand mich vor allem dort wieder, wenn es darum ging mit schwierigen Gefühlslagen zurande zu kommen. Seit einiger Zeit ist das anders. Es fällt uns schwer, diese Blogs zu lesen. Es ist nicht so, dass wir plötzlich keinerlei Zugang mehr zu den Emotionen und Seelenzuständen hätten, vielmehr haben sie nur als Erinnerung mit uns zu tun. Ob das auf ein anderes Innenwesen in der Außenwelt spricht, oder „bloß“ auf mehr Distanz zu anderen Personen, was ein großer Heilungsschritt wäre? Ein mich nicht mehr auflösen in den Geschichten der anderen, sondern meine eigenen Grenzen wahren. Die ersten Gedanken beim lesen eines anderen Blogs mit dieser veränderten Wahrnehmung waren: „Ja, das ist alles ganz schrecklich, aber es ist nicht meine Geschichte. Es muss MIR nicht schlecht gehen deswegen!“ Früher war es so, dass Mitgefühl mit anderen für uns vor allem Mit-LEID hieß, was uns nicht bewusst war. Wir litten tatsächlich mit vielen schmerzhaften Blogartikeln mit und es gab uns eine Existenzberechtigung!

Als Kind war ich verantwortlich für das Wohlbefinden der gesamten Familie. Meine Mutter und mein Bruder waren zu ängstlich, sich gegen den sadistischen Vater zur Wehr zu setzen. Diese beiden galt es zu trösten und stärken, damit sie sich nicht schwach fühlten mit ihrem Unvermögen, obwohl sie es waren.

Und den Vater hatte ich auf vielfältigste Weise zufrieden zu stellen. Ich hatte ihm zu dienen, als Sklavin im Haushalt, als Sexsklavin, als intellektuelle Gesprächspartnerin (das war wohl das woraus ich tatsächlich auch profitierte), die jedoch niemals widersprechen durfte und ihn bloß stellen, auch wenn er Unsinn sprach. Letztendlich hatte ich bei allen dreien die Aufgabe ihre Probleme anzuhören und ihnen Mut zu zusprechen.

Wir haben nun den Verdacht, dass uns jenes Muster Probleme anzuhören und Mut zu zusprechen das Gefühl der Geborgenheit vermittelte beim Lesen schlimmer Erfahrungen auf anderen Blogs. Das Gefühl des wiedererkennen, des dazu gehören. Es war ein Gefühl von früher. Jetzt wo es uns besser geht, erscheint dieses Muster nicht mehr hilfreich für uns. Selbstverständlich werden uns die Qualen, die Menschen mit Gewalterfahrungen in der Kindheit auch während ihrer mühsamen Heilung erleiden niemals egal sein, aber wem sollte es nutzen, wenn ich so sehr mitleide, dass ich mich fast auflöse im Lesen der Schilderungen? Vielleicht oder gar vermutlich kann ich doch viel besser helfen, wenn ich meinen Weg gehe, wenn es uns gelingt ein glückliches Leben zu leben. Wenn ich kräftig bin, ohne zu vergessen, wo ich herkam und wie schwierig es sein kann und oft tatsächlich ist, zu heilen.

Mein Wunsch wirklich zu helfen ist so groß. Immer wieder denken wir daran, wie schön es wäre genug Geld zu haben, um geeignete Therapien für Gewaltüberlebende zu ermöglichen. Wenn ich hinausgehen könnte und meinen Beitrag leisten, dass das Tabu gegen sexualisierte Gewalt und Gewalt in der Kindheit weniger wird, wenn ich mich gegen Strömungen, die Frauenrechte wieder beschneiden wollen wehre?  In diesem Zusammenhang steht auch unser Buch, das ganz laut „bitte schreib!“ ruft. Dieses war ja der ursprüngliche Anlass für den Blog. Es sollte hier bloß ein Anker für die Gegenwart werden, während ich am Buch arbeite. Nun hat es sich anders entwickelt. Vor allem, wenn ich weiter all jene Blogs regelmäßig lese, die mir ans Herz gewachsen sind, verbrauche ich zu viel Zeit und Kraft. Allerdings habe ich so viel gelernt, geheilt und Mut erhalten zu schreiben durch meinen Blog, die vielen hilfreichen und liebevollen Kommentare und die intelligenten und zärtlichen Beiträge der anderen auf ihren Blogs. Ich habe das Schreiben trainiert und mehr und mehr entwickelte sich die Form, wie ich das Buch verfassen möchte. Es ist aber langweilig darüber zu schreiben, was ich tun will, es gilt zu beginnen.

Auch das hängt mit Wohlfühlen zusammen, damit auf mich selbst zu sehen, meinen Weg zu gehen.

Aber es gibt noch ein Hindernis. Ich dachte immer, dass mir doch niemals jemand glauben kann, wenn ich nicht diese Opferhaltung habe, wenn ich nicht leidend durch die Straßen schlurfe. Schließlich war es ein Erfahrungswert. Bevor ich mir dieses Verhalten an trainiert hatte, war Hilfe zu erhalten aussichtslos. Später betrachteten wir es als Verrat an ∑mir selbst, wenn es uns jetzt gut erginge. Dabei ist es doch die Vorgabe der anderen, die uns einreden „einmal Opfer, immer Opfer!“, was ja stimmt, allerdings anders als es oft gemeint ist. ∑Ich kann es niemals ungeschehen machen, dass ich als Kind und Jugendliche Opfer sexualisierter Gewalt und Vernachlässigung wurde. Ich werde dies stets bleiben. Aber Opfer sein bedeutet nicht auf ewig zer- und gebrochen zu sein. Schon einmal habe ich den folgenden Absatz von Sophie zitiert. Er ist so wahr und hilft uns so sehr, dass ich dies nochmals tue.

„Opfer sind nicht beschmutzt. Sie haben keine Makel. Sie sind nicht auf ewig zerstört, zerbrochen, in das normale Leben nicht mehr integrierbar und durch die Tat zu unliebenswerten psychisch Kranken mutiert. Sie sind nicht ansteckend und man darf sich ihnen ganz normal nähern. Sie sind Menschen. Ohne (Anm.: unterstellte) Fehler (Anm.: hinsichtlich der Vergewaltigungen)! Den den hat der Täter begangen. Sie verdienen die Wertschätzung für das, was sie durchgestanden haben und für unsere Gesellschaft durch ihre Bereitschaft zur Heilung leisten.“ zit.: Sophie und die bunten Schmetterlinge / Scham und ihre Opfer

Heute haben wir noch einen hindernden Gedanken in uns entlarvt. Unsere Mutter meinte stets, dass es doch vorbei ist und wir uns „nicht so aufführ’n“ sollten, wenn ich als Kleinkind fiel und mich verletzte oder sonst irgendwie Schmerzen hatte. Ich wurde weiter gezerrt, ohne Trost, ohne Zuwendung. „Vorbei!“ und „Nicht so aufführ’n!“ waren Trigger-Worte. Sie waren gleichbedeutend mit „Halt den Mund!“, „Deine Bedürfnisse und Schmerzen interessieren mich nicht, sie stören mich!“, „Du störst mich!“ Wenn wir nun beschließen weiter zu gehen und das Leid hinter uns zu lassen, wann immer dies möglich ist, bedeutet es niemals, dass wir unsere Schmerzen missachten wollen und ignorieren was da ist. Wir wollen jedoch auch nicht ignorieren, wenn es uns gut geht. Und wir wollen den Fokus verschieben, von dem schwierigen Erlebten auf das Positive, das noch kommen mag. Im letzten Monat haben wir einen Online-Kurs zu Meditation gemacht, der uns aufgeweckt hat. Nicht dass die Inhalte neu gewesen wären, die Erklärung und die Vermittlung wie das Gehirn auf den Fokus reagiert waren es, die uns aufhorchen ließ. Wenn wir uns stets mit dem Schmerz und den vergangenen Qualen befassen, kreieren wir uns selbst eine Zukunft mit Qual und Schmerz, weil wir anziehen, was wir aussenden. Nicht neu, aber wahr. Es geht nicht darum, den Schmerz zu übersehen, ich möchte jedoch die Gegenwart real bewerten. Und mein heutiges Leben läuft gut. Nicht sehr gut, aber gut! Das Heute zählt. Ich möchte schauen, dass es morgen ebenso gut läuft oder besser. Ich möchte die Straße sehen und nicht nur die Steine im Blick haben, die mir ebenso im Weg liegen.

Wir haben es verdient zu leben, heute und nicht dann, wenn wir alles erinnert haben, oder die Mehrzahl aller Menschen endlich einmal anerkennen, dass es sexualisierte Gewalt gegen Kinder gibt und dass sie schlimme Folgen hat. Wir haben lange genug an diesen Folgen gelitten und sie werden auch weiter da sein, aber wir wollen sie nicht mehr anstarren und vor ihnen erstarren, wie das Kaninchen vor der Schlange.

Ich lasse euch wissen, ob mein Plan gelingt und wie. Wenn ich schreibend oder lesend hier am Blog weniger präsent bin, bedeutet es, dass es gut läuft mit meinem Vorhaben. Herzliche Grüße und viel Kraft allen lieben Leser_inne_n. Es ist schön, dass es euch gibt. Danke für alles, das ich bislang mit eurer Hilfe lernen durfte. 🌞🌈😊💖💚

 

 

35 Gedanken zu „Das Dilemma und mein Weg hinaus“

  1. Liebe Benita, deine Beiträge berühren mich sehr. Du hast schreckliches Leid erfahren und bist doch sooo eine tapfere Frau. Ich kann dir nur meine Hochachtung schenken und dir für die Zukunft alles alles Liebe wünschen. Denn nichts als LIEBE soll dir zu Teil werden. Herzliche Grüße Tete

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        1. Nein, wusste ich nicht, liebe Tete. Danke für die Information. Wie schön! 😊 Ich hab mir diesen Namen als Pseudonym gewählt, weil ich als Kinderbetreuerin vor sehr vielen Jahren ein Mädchen gleichen Namens in der Gruppe hatte, die am selben Tag wie ich Geburtstag hatte. Sie hat mich so an mich als Kind erinnert. Das ging uns sehr nahe und hat uns so berührt, weil natürlich will ich sagen glücklicherweise ganz anders von ihrer Mutter (und von mir selbstverständlich auch) mit ihren „Eigenheiten“ umgegangen wurde.
          Herzliche Grüße
          „Benita“

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          1. Das ist rührend… und dieses Zusammentreffen hat dir sozusagen diesen Namen gegeben. Die Gesegnete… vielleicht solltest du das bei all den schmerzlichen Verletzungen u. Erinnerungen nicht vergessen. Schoenen Abend Benita…

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            1. ……. das kann ich gar nicht vergessen. Das ist ein Gefühl, das ich in mir trug schon bevor dieser Name in mein Leben trat, bzw. lange bevor ich diesen Namen für mein Pseudonym wählte. Dennoch ist wirklich interessant, dass „Benita“ „die Gesegnete“ bedeutet. Es ist wirklich sehr passend!
              Auch dir einen schöen Abend. 🙂

              Gefällt 1 Person

                1. …… ich weiß! …… aber es ist irgendwie, wie mit dem Grubenunglück oder Flugzeugabsturz etc., wo nur einer überlebt und sich fragt: „Warum ich?“ …… diese Frage hab ich in mir und hab ich eine besondere Aufgabe zu erfüllen, dass ich meinen Weg so gehen kann und darf, wie ich es tue? ….. und schon bin ich wieder bei diesem Beitrag, Buch schreiben etc.
                  Danke dir, für dein Interesse und auch dir eine gute Nacht.
                  „Benita“

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  2. Ich bin in deinem Beitrag ganz bei dir. Halte es ähnlich mit der gelenkten Aufmerksamkeit.
    Und ich wünsche dir den Mut, ruhig all die anderen Beiträge nicht mehr zu lesen, wenn es für deinen Weg gut ist!
    Mir geht es ähnlich mit der veränderten Anteilnahme beim Lesen anderer.
    Alles gute für euch und das Buch. ❤

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  3. Liebe Benita,
    ich finde es schön und wundervoll, solche Worte von Euch zu lesen. Sie zeigen Selbstvertrauen und Klarheit – ein tiefes Verständnis und Mitgefühl für Euch selbst.
    Ich wünsche Euch auch weiterhin alles gute auf Eurem Weg und das noch viele bereichernde Erkenntnisse und positive Erfahrungen Euch zeigen, wie wertvoll Ihr für die Welt seid – gleich, ob Ihr aktiv etwas tut oder passiv nur da seid.
    🙏🍀💚

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Benita! Wie schön!! Ich wünsche dir von Herzen das Allerbeste für deinen Weg! Ein herzliches Namaste (Meditation, achtsames Yoga und besonders die dazugehörige Philosophie sind auch für mich so überaus hilfreich) 🙏🏻🙌🏻❤️💕🌻

    Gefällt 1 Person

  5. Liebe Benita,
    ich mache es kurz – irgendwie bin ich gerade sehr wortlos und gab den anderen Kommentaren hier meine Stimme ebenfalls.
    Ich wünsche dir für deinen Weg das Allerbeste.
    Und alles ist gut, das getan ist.
    Fühle dich herzlich umarmt und geistig unterstützt.
    Liebe Grüße, Luise

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Luise ❤️,
      Danke für deine lieben Worte, Wünsche und deine geistige Unterstützung. 😊
      Ich kann deine Sprachlosigkeit gut verstehen. Momentan scheinen wir an ganz unterschiedlichen Lebensbereichen zu stehen. Mir ergeht es dzt. öfter so mit deinen Texten, die ich leider mitunter nicht lesen kann. Du weißt schon, was ich meine. 😏
      Auch ich wünsche dir das Allerbeste für deinen Weg und alles, was sich für dich zeigt.
      Ich umarme dich gerne ebenso herzlich, wenn du magst. Mal sehen wie unsere Wege sich weiter entwickeln. Ich bin neugierig. Bin immer wieder erstaunt, wie nahe du mir in Kommentaren kommst und wie unterschiedlich unsere Beiträge und Lebensweisen sind.
      Von Herzen alles Liebe und Gute für dich und ganz viel Kraft. 💖🍀🍀🍀🌟🌼🌻🐦🕊️
      „Benita“

      Gefällt 1 Person

  6. Liebe „Benita“,

    es hat mich wirklich gefreut deine Worte zu lesen, weil sie trotz allem so voller Hoffnung und Zuversicht sind.
    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du deinen Weg findest und immer wieder aufstehst, wenn du mal auf die Nase fällst (denn das gehört wohl dazu) ❤
    Ich freue mich weiterhin darauf von dir zu lesen, von deinen Erfolgen, den Stolpersteinen und dem "ganz normalen Alltag".

    Alles Liebe 🙂
    Bunte Sterne

    Gefällt 4 Personen

    1. Liebe Bunte Sterne,
      Vielen lieben Dank, das freut mich sehr. 🙂 Es ist nicht lange her, dass ich an dich dachte, wie es dir wohl ergeht. Schreibst du noch, oder kommt es bloß nicht bei mir an, oder habe ich vergessen, dass du berichtet hast, dich zurück zu ziehen?
      Ich werde auf alle Fälle berichten, vielleicht bzw. vermutlich in größeren Abständen.
      Alles Liebe und Gute 💖😊🌼
      „Benita“

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe „Benita“,

        wie lieb von dir. 🙂
        Es geht mir insgesamt ganz gut, auch wenn Höhen und Tiefen natürlich dazugehören. Wir sind auf einem guten Weg 🙂
        Wir schreiben tatsächlich seit einiger Zeit nicht mehr und ich habe den Blog auf „privat“ gestellt. Momentan fühlt sich das so richtig für mich an, mal schauen was daraus wird.

        Alles Liebe und Gute ❤
        Bunte Sterne

        Gefällt 2 Personen

  7. Ich möchte gerne meine Gedanken dazu mitteilen. Ich hoffe, das ist in Ordnung.
    Also das ist doch eine ganzpersönliche Entscheidung wie man damit umgehen will, was geschehen ist. Und alles hängt davon ab, ob man von Innen heraus weiter und weiter von Flashbacks und Intrusionen und undefinierbarem Schmerz weiter getrieben wird, oder nicht.
    Denn mit diesen DIngen, ist die Fokussierung auf „Heute“ ziemlich schwierig. Dann bleibt einem nichts anderes übrig, als sich damit auseinander zu setzen.
    Das hängt eben nicht nur davon ab, wie sehr man sich an Schmerz gewöhnt oder wie sehr man bei anderen Geschichten wahrlich mitleidet denn das, natürlich – ist nicht gesund.
    Wenn man von Innen heraus die Wahl hat, auf was man sich fokussiert, dann ist das doch tollund ich hoffe, wir alle kommen mal an diesen Punkt, wo die Flut der Erinnerungen, dem Heute, das uns ins Gestern spült, abreißt und wir das Heute auch als Heute wahrnehmen können. Konstanter als mal ein paar Millisekunden lang.

    Wir haben es alle verdient zu leben.
    Und in meinen Augen bedeutet sich damit auseinander zu setzen nicht, dass man Opfer bleibt.
    Auch das ist ein Weg der hoffentlich in ein gutes Heute führen wird.
    Jedoch ist immer zu beachten, dass man sich eben nicht dazu zwingt. Denn nur Verdrängung und ein ich will aber im Heute leben, das bringt nichts, außer, dass es gärt.
    damit will ich nicht sagen, dass du das tust. ich sage es für andere. Vielleicht auch für mich selbst.
    Ich finde deinen Plan gut und ich wünsche dir von Herzen, dass er gelingt.

    Gefällt 4 Personen

    1. Liebe A/Part,
      vielen Dank für deine Wünsche aber auch für deine wichtigen ergänzenden Zeilen!
      Genau so ist es, wir alle, ihr alle haben es verdient zu leben, glücklich zu leben. Ich weiß bzw. wusste, dass es eben mein Weg ist, jetzt weiterzugehen und auch, dass es evtl. jenen Leserinnen, die noch in diesem Flashback getrieben sein stecken weh tun kann, oder sie sich nicht darin finden mögen. Bitte sieh es als Möglichkeit dorthin zu kommen, als Mut-mach-Geschichte, das wünsche ich dir von Herzen. Ich wünsche auch mir, dass dieses Flashback-Chaos-Schmerz tatsächlich der Vergangenheit angehört und nicht noch einmal retour kommt. Wer weiß das schon?! Aber ich bin überzeugt, dass es wieder schwierigere Zeiten geben wird, das gehört dazu. Heute habe ich die Möglichkeit zu wählen und ich möchte diese Chance ergreifen, selbst wenn es mich auch etwas ängstigt, weil auch die Flashbacks für mich (und ich kann immer nur für uns sprechen) eine Gewohnheit wurden. Und ja, dieser Weg Flashbacks und Schmerzen ansehen, immer wieder, führt in ein gutes Heute. Ich ging diesen Weg bereits sehr lange, jetzt ist es Zeit weiterzugehen für mich ohne Zwang, da stimme ich dir absolut zu. Und niemals verdrängen für den Preis eines vermeintlichen Heute, denn es ist nicht das heute, das glücklich macht, da hast du vollkommen recht.
      Von Herzen alles Liebe und Gute für dich
      „Benita“

      Gefällt 3 Personen

  8. Das klingt aber gut, liebe Benita!
    Immer wieder muss man sich daran erinnern, dass Mitleid die negative Seite von Mitgefühl ist. Mittlerweile ist ja auch die Wissenschaft dahintergekommen, dass es nicht gut ist, Schmerzen zu ertragen, statt Schmerzmittel zu nehmen, weil sich das Gehirn an den Schmerz gewöhnt und er leicht chronisch werden kann ohne dass es noch einen physischen Grund für den Schmerz gibt.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Myriade! 😊
      Das mit der Gewöhnung an Schmerz war die Aussage, die mir bei diesem Online-Kurs am meisten zu denken und in der Meditation zu fühlen gab. Die Chronifizierung von psychischem Schmerz und dass sich eine Sucht nach Schmerz entwickeln kann, sich zu sehr darauf und auf das Trauma zu fokusieren. Da gibt es in der Traumatherapie auch unterschiedliche Zugänge, wie viel und intensiv mit erzählen und Schmerz gearbeitet werden soll oder auch nicht. Ich hatte immer beide Seiten in mir, berichten, aber mir nicht allzu leid tun. ….. Der mittlere Weg, da passt auch die Meditation dazu. ….. Jetzt geht mein Weg weiter …… Ich freu mich drauf.
      Einen schönen Abend dir und alles Liebe
      „Benita“

      Gefällt 2 Personen

  9. Ja, es ist ein Prozess den man durchläuft. Erst denkt man, man ist der Verschulder, dann lernt man durch Hilfe (bei mir waren es meine Freunde) sich als Opfer wahrzunehmen. Und dann kommt der schwerste Schritt: aus der Opfersituation wie Phönix aus der Asche zu steigen.
    Dazu bedarf es der Liebe.
    Liebe anzunehmen, Liebe weiterzugehen , und Liebe zu leben.
    Diese schlimmen Erlebnisse sind nun mal Teil unseres Lebens und wir müssen lernen damit umzugehen.
    Es sind viele kleine Schritte, aber der wichtigste ist, sich mitzuteilen, drüber zu reden um damit anderen Mut zu machen sich zu öffnen.
    Ich kann heute darüber reden und schreiben weil ich viel Liebe, Wärme, Fürsorge und Geborgenheit geschenkt bekam.
    Und genau DAS muss man weitergeben und aufzeigen.
    Alles Liebe zu dir und weiterhin viel Kraft deinen persönlichen Weg positiv weiter zu gehen.❤❤❤
    Gabi

    Gefällt 5 Personen

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