Leben mit DIS #29: Suchtverhalten

Ich sitze am Bett und spiele irgendein bescheuertes Handy-Spiel, statt ein Buch zu lesen oder schlafen zu gehen. Dialog innen: „Wozu leben wir?“ „Weil es Menschen gibt, die sich um uns bemühen?“ Haben heute mit einer Freundin gemailt zur Frage des DU oder IHR. Durchaus positiv, scheint uns. Und wir dürfen bereits viele Jahre gratis im Haus einer anderen Freundin/Bekannten wohnen im Sommer um der Hitze der Stadt zu entkommen und ein bisschen zu entspannen. Das kann sie geben. Verstehen wird sie uns vermutlich nie, obwohl sie als Künstlerin sogar eine Arbeit zu DIS gemacht hat. „Vielleicht ist unser großer Lebenswunsch, den unsere Therapeutin sieht nur die Unfähigkeit sterben zu können?” geht der Gedanken-Dialog weiter: „Vielleicht ist auch beides das gleiche?” Das bedeutet, dass wir klarerweise unfähig zu sterben sind, weil wir leben wollen.

Wir schämen uns Handy zu spielen. Wie schön war die Zeit, als es dieses blöde Handy nicht gab. Da war es einfacher sich wohl zu fühlen. Als Ausgleich hätte ich damals malen können, oder …. Welch Selbstbetrug! Wir haben mit Spielkarten Patiencen gelegt. Genauso unnötig und Zeitverschwendung.

Suchtverhalten ist der Versuch nicht zu fühlen, also tot zu sein obwohl wir leben. „Irgendwie schade“, denkt eine, aber es zu fühlen wage ich nicht.

Gestern nach einer langen Behandlung in unserem Kristallbett hatten wir ganz tief gefühlt, wie abgrundtief schlimm alles gewesen sein muss. Alles, das noch so zerstückelt in unzugänglichen Erinnerungen in uns schlummert zusammengefasst zu einer unerträglichen emotionalen Erkenntnis.

Es tat weh und tut es noch. Dieser Einblick in das große Ganze der seelischen Zerstörung hat uns an eine Akupunktur-Behandlung erinnert, die uns ein Arzt vor vielen Jahren geschenkt hatte, weil er uns damals helfen wollte, als wir noch kaum erinnerten.

Diese Behandlung löste einen ebensolchen Einblick aus, der zu einem Gedanken führte: ”Wenn es wirklich so schlimm war, bring ich mich genau jetzt um!“

Wir haben es nicht getan. Logisch, wie könnten wir sonst hier schreiben. Stattdessen haben wir den Arzt angerufen und der versicherte uns, dass diese intensiven Gefühle nach spätestens 24 Stunden abgeklungen sein werden. Das war überschaubar und möglich auszusitzen. Das können wir, schlimme Gefühle aussitzen.

Vielleicht tun wir das auch gerade jetzt?

14 Gedanken zu „Leben mit DIS #29: Suchtverhalten“

          1. Es ist also tatsächlich derselbe Stein. Freut mich, dass ich ihn erkannt habe😊 Videos habe i h noch nie ausprobiert, obwohl ich seit einer Weile wegen dem Speicherplatz auf eine bezahlte Version umgestiegen bin.

            Gefällt 1 Person

            1. Gratuliere, weiß nicht ob uns das gelungen wäre. Das ist dein Foto-Blick. 😀👏
              Bei unserem Theme als Basis für den Blog geht’s nur ab der Bezahlversion. Bei manchen ist es aber auch in der Gratisversion dabei, glaube ich.
              Es hat uns bei diesem Stein gereizt, weil der im Video besser herauskommt. Das war das erste Mal, wo wir die Videofunktion gerne gehabt hätten.

              Gefällt 1 Person

    1. Danke 💖 Schreiben hilft. Kaum ist es geschrieben, geht’s uns besser. Und so absurd es evtl. klingt, es ist gut einen Einblick zu haben, wie tief die Verletzung ist. Es erklärt das Chaos unseres Lebens. Aber es ist hart es zu fühlen. Darum nehmen wir eure Hand dankend an. 😊
      Herzliche Grüße
      „Benita“

      Gefällt 2 Personen

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