Im Spiegel #3: Der „böse Blick“

Wir dachten, es wäre die Traurigkeit und der Schmerz über das Bewusstsein der Tiefe erlittener Verletzungen, die uns seit einigen Tagen begleiten, die es uns aktuell schwer machen anderen Menschen in die Augen zu sehen und sie uns. Diesem Gefühl wollten wir uns beim Blick in unsere Augen stellen.

Als wir das vor wenigen Tagen im Spiegel prüften, sahen wir Angst, sehr viel Angst.

Nach kurzem kam ein Innenkind zum Vorschein, das weinte. „Bitte schau mich nicht so (böse) an!” wimmerte es. Und es meinte unseren Erzeuger.

Als wir als Kind bzw. Jugendliche zum ersten Mal den Ausdruck: „Der böse Blick“ hörten, wussten wir sofort, was er bedeutet. Wir begegneten ihm täglich in unserem damaligen Zuhause in Gestalt unseres Vaters. Auch wenn der Begriff mythologisch eine andere Bedeutung hat, hatten wir endlich eine Bezeichnung für diesen Ausdruck in seinen Augen.

„Der zieht dich aus wenn er dich ansieht!”, waren die wahren Worte unserer Schwägerin über die einmalige Begegnung mit meinem Vater vor seinem Tod.

Wir sind ihr für diese Aussage so sehr dankbar. Es hilft uns einzuordnen, weshalb sein Blick für uns als Kind bereits so gefährlich und bedrohlich war. Er zog nicht nur erwachsene Frauen mit Blicken aus, er hat auch vor uns als Mädchen mit diesen lüsternen Betrachtungen nie halt gemacht.

Bis heute wagen wir kaum Menschen anzusehen und fürchten diesen Blick auch in uns zu tragen.

Es gab eine Zeit, als wir die Kräuter aus Brasilien einnahmen, wo wir uns mit Blickkontakt relativ leicht taten. Aktuell ist es wieder außerordentlich schwierig. Es macht das Leben traurig eine für zwischenmenschliche Kommunikation so essentielle Fähigkeit immer wieder nicht zu ertragen oder gespiegelt zu erhalten, dass unser Blick nicht ertragen wird.

Wenn es für uns nur einen Wunsch an eine gute Fee gäbe, dann wäre es von der Seelenqual dieser in uns gespeicherten Blicke befreit zu sein. Für immer – BITTE!

4 Gedanken zu „Im Spiegel #3: Der „böse Blick““

  1. Liebe Benita, danke für diesen Beitrag – hat mich erinnert, dass ich da auch noch was zu tun habe…. Bei mir ist es der lieblose Blick meiner Mutter, den ich immer noch nicht losgeworden bin und durch den ich mich immer noch betrachte. Liebe Grüße Melina

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  2. So berührend liebe Benita Deine Zeilen! Ich kenne das selbst so gut, sich selbst die ganze Zeit mit dem „bösen“ Blick anzusehen. Für mich ist es gut, mir dessen gewahr zu sein, damit zu bleiben, dann bekomme ich eine Beziehung dazu, bin nicht mehr so identifiziert und kann mich dadurch distanzieren.Alles Liebe – Wort-wörtlich gemeint Dr. Beatrix Teichmann-Wirth Personzentrierte Psychotherapie Paletzgasse 22-24/30 A-1160 Wien Tel. 0043676 612 24 07

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    1. Liebe Beatrix,
      es freut uns von dir zu lesen. Danke für den lieben Gruß. 😊 Hm, so sehen wir das nicht. Sind aber ein bisschen unsicher, ob wir deinen Kommentar richtig verstehen? Mit „bösem Blick“ meinen wir den lüsternen Blick des Erzeugers. Mit dem betrachtet sich hier niemand. Aber im Kontakt mit anderen (vor allem mit Männern) kommt dieser Blick immer wieder hervor. Bzw. jeder männliche Blick, auch wenn einfach freundlich gemeint ist und auch so herüberkommt, triggert und führt zu Flashbacks mit diesen erinnerten Blicken. Allerdings stimmt natürlich, dass wir niemals liebevoll bzw. geliebt angesehen wurden, einfach so. Doch einmal von unserer Mutter. Liebevoll, aber doch nur oberflächlich. Das war etwas Besonderes. Beim Vater war immer der sexuelle Übergriff im Blick. Aber aggressiv war sein Blick nicht unbedingt? Oder doch auch? Warum die Todesangst, wenn er uns ansah? …. Das müssen wir weiter beobachten, was davon innen ist. Danke für die Anregung.
      Ganz herzliche Grüße dir.
      „Benita“

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