Wir haben ein Kontaktproblem!

Mit wenigen Worten hat Julia hier eine überaus wichtige Aussage getroffen, die wir gerne rebloggen, da uns das Fehlen der Bindung bzw. das Fehlen des Beobachtens was im Kontakt zwischen uns und dem/der jeweiligen Gesprächspartner*in stattfindet in nahezu jedem Kontakt, vor allem in näheren außerordentlich fehlt.

Dafür braucht es den Willen zur Reflexion und den Mut hinzusehen bzw. zu fühlen.

Danke liebe Julia für diesen so wichtigen Beitrag.

Was wir jedoch leider überhaupt nicht teilen ist, dass der Herr Gopal Norbert Klein in dem Video-Mitschnitt von Frankfurt aufgrund dessen, dass wir Menschen Bindung brauchen die Maßnahmen gegen Corona als falsch darstellt und jene, die sich daran halten als von Angst besetzt. Dabei sind es einfach unterschiedliche Ängste zwischen den verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft in Bezug auf Covid-Maßnahmen und -Erkrankung, was er später durchaus aussagt und für ein Miteinander bzw. in Kontakt treten der unterschiedlichen Parteien aufruft, was wir sehr schätzen.

Wer das verlinkte Video differenziert hören kann, mag es anhören. Für uns war es vor allem zu Beginn schwierig anzuhören, weil wir uns abgewertet gefühlt haben.

Warum wir den Beitrag dennoch teilen? Weil wir die Grundaussage wie enorm wichtig es für unsere Gesellschaft ist miteinander in Kontakt zu treten und wirkliche Bindung zu fühlen, unterstützen. Diese Bindung fehlte vor Covid und fehlt auch jetzt. Als hätte die Pandemie diese Problematik nur mehr ins Rampenlicht gerückt. Es wird aufgezeigt, woran es wirklich mangelt in der Gesellschaft, in den meisten Kontakten. Es mangelt an einer Kommunikation in der wir uns wirklich für einander öffnen.

Hochsensibel und Multipassioniert

Und die Lösung ist nur im Bindungskontext zu finden.

„Was wir Menschen am Dringendsten brauchen – nach Sauerstoff, Wasser, Essen und Trinken – ist BINDUNG.“

Was Arno Gruen als Theorie in all seinen Büchern bis ins kleinste Detail beschrieben hat als auch Stephen Porges und Gabor Maté über die Polyvagaltheorie und Entwicklungstrauma, überführt nun Gopal Nanzer-Klein mit dem Lokalen-Gruppen-Projekt und dem Ehrlichen Mitteilen in die Praxis – gestern z.B. in Frankfurt vor dem Römer.

Wir müssen dort hinschauen, wo wir sonst nie hinschauen: auf das, was gerade jetzt im Kontakt zwischen uns stattfindet.

Der Körper ist die Wiege des Verstandes und nicht umgekehrt.

Alles Liebe, Julia

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11 Gedanken zu „Wir haben ein Kontaktproblem!“

  1. Man muss aber auch bedenken, dass ständiges Reflektieren in menschlichen Begegnungen zu einer totalen Erstarrung des Verhaltens führen kann. Eine einfache Sache wie ein Gespräch wird dann zu einer Theaterinszenierung ohne jede Möglichkeit zu Spontaneität. Wie Reflexion über jede Geste, jedes Wort, jede Regung zu Bindungen führen soll, ist mir unklar. Was genau ist mit „Bindung“ überhaupt gemeint? Du musst entschuldgen, ich kenne mich in der Theorie nicht aus.
    Für mich erzeugt die Vorstellung während der Kommunikation mit jemandem jedes Wort zu reflektieren und jede Regung zu analysieren ziemliche Unlust. Ich wünsche mir von meinem Gegenüber Authentizität. Genauso finde ich es wichtig, mich selbst authentisch zu verhalten.
    Natürlich immer im Rahmen von Höflichkeit und eines grundlegenden Mitgefühls von Mensch zu Mensch. Authentizität sieht aber für jeden Menschen anders aus und daher kann man doch auch keine Choreographie eines Gesprächs erstellen. Eine „Verpflichtung“ der ständigen sofortigen Reflexion über alles und jedes und eine Erwartung, jederzeit das Innere nach Außen zu kehren, finde ich eher lähmend. Wenn sich so etwas ergeben sollte, gut, aber wenn nicht ist es für mich auch in Ordnung. Auch mitfühlendes Zuhören beinhaltet nicht, dass die/der Zuhörende sich in den Schmerz der/des anderen hineinfallen lässt.
    Ich denke, dass jeder Mensch für sein Wohlbefinden verantwortlich ist. Wenn ich mich also nicht wohlfühle, dann muss ich die Situation verändern, indem ich Stopp sage oder etwas erkläre oder klar stelle oder, oder …. Dem Gegenüber die volle Verantwortung für das eigene Befinden zu übertragen, ist nicht fair und führt letztendlich nicht zu Bindung sondern zu Abhängigkeit.
    Es braucht doch eine Unterscheidung zwischen einem Alltagskontakt und einem therapeutischen Gespräch. Bei letzterem ist das Reflektieren der Zweck der Übung. Einen Gesprächspartner/eine Gesprächspartnerin in einer therapeutischen Rolle zu sehen, kann aber keine Beziehung auf Augenhöhe hervorbringen.
    Ein ausufernder Kommentar. Wenn du ihn nicht veröffentlichen möchtest, ist das OK er ist ja für dich bestimmt. Ich würde es aber auch interessant finden, was andere dazu meinen.
    ganz liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Wir haben gerade ein Problem auf deinen Kommentar einzugehen, weil uns scheint, dass du auch auf unser Mail damit indirekt antwortest. Bitte schicke uns auch eine Antwort auf diesem Weg.
      Wir versuchen uns nun auf den Beitrag zu beschränken, werden aber vermutlich dennoch ausholen müssen. Wir hoffen, dass der Austausch für andere dennoch interessant und nachvollziehbar bleibt.
      Wir können verstehen, was du mit Erstarrung meinst. Wir würden das Wort „Bindung“ auch lieber durch das Wort „Kontakt“ ersetzen und zwar in dem Sinne, dass es nicht zu einem aneinander vorbei reden kommen sollte, wenn ein Thema schwierig und emotional aufgeladen ist. Bei einer eher oberflächlichen Plauderei stets zu reflektieren ist nicht nötig. Kann aber durchaus zu Erkenntnissen führen, wenn sich Gespräche immer nur auf dieser Ebene bewegen und emotionale Tiefe vermieden wird. Das hat ja auch Gründe. Bei tieferen Gesprächen, vor allem mit hoch emotionalem Inhalt kommt es ohne Reflexion unserer Ansicht und Erfahrung nach zu einem Schlagabtausch von unbewussten oft verdrängten Themen und Gefühlen, oder auch zu Projektionen der eigenen Erfahrungen auf die andere Person. So löst z.B das erzählen von Gewalterfahrungen oft unbewusste Abwehr aus, die vermutlich mit eigenen verdrängten schweren Erlebnissen steht. Dabei ist es nicht nötig, dass sich die Erfahrung gleicht oder sehr ähnelt. Sie kann auch komplett anders sein und nur ein ähnliches Gefühl beim Gegenüber auslösen. Nahezu jeder Mensch hat wohl im eigenen Leben belastende, vielleicht auch sehr belastende Erfahrungen gemacht und Gefühle der Ohnmacht erlebt. Wenn diese nicht reflektiert werden, auch in der Situation, dann kehren sie sich gegen die Person, die von der eigenen Erfahrung erzählt. Empathie ist dann nicht mehr möglich. Mitleiden möchte niemand von uns, das hilft nicht weiter, aber Mitgefühl ist wichtig. Das geht aber leicht verloren, wenn die Reflexion fehlt. Jetzt kann man freilich sagen, sprechen wir nicht darüber und es ist gut. Das ist es nicht, weil wir dann in das Tabu Gewalterfahrung kommen. Dann bleibt die Person, die es erlebte damit alleine und im Grunde aus der Gesellschaft ausgestoßen.
      So und jetzt sind wir bei der Verantwortung für das eigene Wohlbefinden. Die hat jede*r freilich sowieso, denn irgendwann ist jedes Gespräch beendet und man ist alleine mit sich und muss mit den vielleicht auch retraumatisierenden Folgen und dem Gefühlschaos zurecht kommen. Dann kann auch im Nachhinein ein Stopp gesagt oder geschrieben werden. Und hier würde ich es gerne privat noch ausführlicher besprechen. …. Weil es auch nicht ganz fair ist es hierher zu holen, wo wir nur indirekt und allgemein antworten können. Allerdings sehen wir deinen Kommentar als einen ersten Austausch, der sich eben ergeben hat und dafür sind wir dankbar.
      Aber ja, es ist schwierig mit jemandem zu kommunizieren, die eben genau nicht „Stopp“ sagen kann oder die Situation verändern kann. Genau das ist die „Behinderung“ bei DIS von der wir uns schon ausgetauscht haben. Und nein, das muss nicht zu Abhängigkeit im Sinne von Hilflosigkeit führen. Aber ganz ehrlich, alle Menschen sind doch von einander abhängig. Niemand kann vollkommen ohne andere Kontakte existieren. Und niemand kann existieren ohne dass auf die eigene Emotionalität vom Gegenüber liebevoll eingegangen wird. Das ist keinesfalls ein Übertragen sämtlicher Verantwortung auf die Gesprächspartnerin. Dennoch haben wir in einem Gespräch auch bei einem Alltagskontakt nicht nur Verantwortung für uns selbst, sondern auch für jene mit denen wir sprechen. Das Ausmaß der Verantwortung, die man für das Gegenüber trägt, hängt mit den Möglichkeiten der/des anderen zusammen. Zumeist gleicht es sich aus. Hat eine Person hier ein Problem, hat es die andere an anderer Stelle und Menschen helfen einander. Im Krankheitsfall ist es so, dass Kranke mehr Aufmerksamkeit und Übernahme von Verantwortung erfordern als Gesunde. Das ist normal. Weshalb das bei einer schweren bzw. komplexen Traumafolgesituaton nicht sein darf, erschließt sich uns nicht. Wenn wir dieses Mehr an Zuwendung nicht bräuchten, wären wir gesund und würden arbeiten gehen.
      Reflektieren im Gespräch ist auch kein Therapiegespräch. Denn in einem Therapiegespräch leitet die Therapeutin/der Therapeut die Patienten an in der Reflexion. Da geht’s auch um Übertragung, Gegenübertragung, Techniken der Traumatherapie etc. Die Emotionen und Hintergründe des/der Therapeut/in sind nie Thema in einem Therapiegespräch. Das macht diese Form des Gesprächs aus, dass der/die Therapeut/in mit allen Problemen, Hintergründen im Grunde kaum einfließen, sondern als quasi „Moderatorin“ des Selbst der Klient*innen wirkt und auch Hilfestellungen gibt, wie es möglich ist sich an verdrängte, belastende Inhalte heran zu wagen, etc.
      Reflexion in einem Alltagskontakt bedeutet ja genau bei mir(uns) zu bleiben emotional und eben NICHT das Gegenüber zu manipulieren (oft eben unbewusst) oder andere unbewusste Abwehrstrategien und Projektionen im Gespräch anzuwenden, und so einen Kontakt bzw. Bindung zu vermeiden. …. Es sind unbewusste Strategien, die uns aus Gesprächen aussteigen lassen, die unangenehm aber für uns nicht bedrohlich sind. Dieses Unwohlsein zu ignorieren, sei es aus Höflichkeit oder anderen gut gemeinten Motiven oder aber weil es gar nicht bewusst ist, führt zu einem Abbruch von Kontakt oder Bindung.
      Wir sind ja generell keine Freundin von Höflichkeit. Ein Begriff, der vermutlich auch einer Definition bedarf. Wir mögen Empathie, Freundlichkeit und Sanftmut, liebevolles Verhalten. Das gelingt uns nicht immer, aber wir bemühen uns darum. Reflektieren und analysieren, das bei dir Unlust erzeugt, ist für uns ein großes Vergnügen. Es tut uns einfach sehr gut. Wir finden in der Reflexion unsere Authentizität und verstehen im Grunde nicht, wie es möglich sein soll, authentisch zu sein, ohne zu reflektieren.
      Übrigens auch bei anderen emotional aufgeladenen Themen ist es wichtig zu reflektieren, was uns nun besonders stört. Bzw. was es genau ist, was stört. Nur „Stopp“ sagen und damit das Wort verbieten führt ja zu keiner Auflösung der Problematik.
      Das war jetzt eine noch längere Antwort. Für uns ist das schon in Ordnung. Danke für deine Gedanken und Gefühle zu diesem Thema.
      Ganz liebe Grüße
      „Benita“

      Gefällt 1 Person

    2. Hallo 🙂

      Ich fühle mich gerade etwas überfordert und erschöpft. Mein Kopf denkt gerade, dass ich nicht deinen kompletten Kommentar lesen konnte, weil ich heute zu vieles und kompliziertes nicht aufnehmen und verdauen kann.

      Es ist ganz einfach.
      Wenn ich an Beziehungsvertiefung mit einem Menschen interessiert bin, muss ich mich ehrlich mitteilen.
      Es geht nicht darum, das Gesagte zu analysieren. Es geht darum, deine inneren Bewegungen in die Kommunikation zu bringen. Der andere auch. Und beide hören einander zu.
      Das wars.

      Wenn du mehr Informationen dazu brauchst, suche einfach nach „Ehrliches Mitteilen“ und „Lokale Gruppen“.

      Wir haben all das einfach nicht gelernt bzw. uns wurde diese Fähigkeit der Kommunikation bereits ganz früh genommen – meist im vorsprachlichen Alter von 0-3 Jahren. Deshalb wurden all diese Bewegungen in Form von hohen Spannungen in unserem Körper „gespeichert“. Darum geht es hier auch mehr um die Physiologie/Interozeption als um mentale „Herumschwurbelei“.

      Alles Liebe,
      Julia

      Gefällt 1 Person

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