Leben mit DIS #35: Soziales Miteinander in der Kindheit? ….. Fehlanzeige!

Hannah Arendt – dt. amerik. Philosophin und politische Denkerin

Unsere Therapeutin tätigte letzte Therapiestunde eine Aussage, die uns ins Mark traf, weil sie so wahr ist!

Wir sprachen darüber, weshalb uns „Freund*innen“ das „ihr“ (Mehrzahl) in der Ansprache verweigern, was aktuell oft geschieht und weshalb dadurch, dass wir uns nicht mehr verbiegen mögen, langjährige „Freundschaften“ nun demaskiert werden und weil wir Trigger erkennen aber in der Beziehung nicht klären können, nicht wissen ob bzw. wie diese Freundschaften weitergeführt werden können.

Weshalb es auch keine Basis der Kommunikation zu geben scheint und wir mitunter immer nur gehen können, um uns zu schützen. Und dann wieder neue Freundschaften suchen und auf Verständnis hoffen.

Auch weshalb es so enorm schwierig für und mit uns ist in Freundschaften zu kommunizieren war ein Thema.

Sie meinte, dass Menschen mit durchschnittlichen Biographien, wo auch manches Leid erlebt wurde und/oder schief ging in der Kindheit, einfach keine Ahnung haben, wie es ist, wenn nahezu alles, selbst die Basis an sozialem Miteinander in der Kindheit nicht gelernt werden konnte und nun nachgelernt werden muss.

Diese Aussage bringt das Ausmaß unseres alltäglichen Leides klar auf den Punkt.

Als Kind haben wir versucht über TV-Serien zu lernen, wie Menschen miteinander umgehen sollten, weil wir nur wussten, dass das was wir von den Eltern erfahren falsch ist, aber doch nicht wussten, wie es richtig geht.

Wir lernten sehr schnell, die Art unseres Gegenübers im Gespräch zu kopieren, wenn wir dachten, dass wir gerne so wären, oder wir meinten, dass es uns schützt.

Wir erkannten mit 25 Jahren, nach unserem kompletten Zusammenbruch und Psychiatrie-Aufenthalt mit dem Beginn von Therapien, dass es einfach kein liebevolles Miteinander gegeben hatte. Dass alles was wir als Kind gelernt hatten unbrauchbar war, um in dieser Welt zu bestehen.

Es erklärt auch die Aussage eines Bekannten in jungen Jahren, vor diesem Zusammenbruch, der einmal sagte, dass wir ja lebensunfähig wären, weil wir so überaus wehrlos in der Gesellschaft stehen, wie ein Kleinkind. Immer wieder meinten Leute zu erkennen, dass wir über alle Maßen zerbrechlich wären. Dabei waren wir bereits zerbrochen, es war schon geschehen.

Seit 30 Jahren versuchen wir nicht mehr, als diese Bruchstücke zusammen zu suchen und so fest aneinander zu kitten, dass sie nicht beim geringsten Widerstand neuerdings auseinander fallen.

Das Ausmaß dieses Elends zu überblicken und zu fühlen ist ein sehr großer Schritt.

Ob wir Leute finden werden, die uns die Chance geben, so mit uns zu kommunizieren, dass wir als Erwachsene geachtet werden und doch unsere sozialen Lücken im Miteinander verstanden werden, ohne uns als Kind zu behandeln? Wenn auch noch unsere Fähigkeiten anerkannt würden, die wir uns aneignen mussten um zu überleben, aber auch unsere Talente, damit dies überhaupt möglich gewesen war, dann sind wir vielleicht im Leben angekommen? Wir vermuten, dass es so sein könnte.

Es gibt Zeitfenster in der Kindheit für das Erlernen unterschiedlicher Fähigkeiten. Sind diese mit unbrauchbarem Müll „verplempert“ worden, ist die Zeit nicht zurückzudrehen. Es ist wie der Unterschied zwischen dem Erlernen der Muttersprache und einer neuen Sprache im Erwachsenen-Alter. Die Mühe als Erwachsene ist um ein Vielfaches größer und höchstwahrscheinlich wird ein Akzent immer hörbar sein, selbst wenn man/frau in dem Land lebt, in dem diese Sprache gesprochen wird.

Wir bemühen uns wirklich sehr die Sprache der UNOs zu erlernen, ob und wie gut wir das in unserer Lebenszeit schaffen werden, hängt wohl auch von der Hilfe ab, die wir bekommen, ob Menschen im Alltag mit uns so „üben“ wollen, dass es uns nicht überfordert.

10 Gedanken zu „Leben mit DIS #35: Soziales Miteinander in der Kindheit? ….. Fehlanzeige!“

    1. Danke dir! Wir fanden die Aussage der Therapeutin auch sehr erhellend, dass sie das so wahrnimmt. Wir selbst konnten ja Mangels Wissen darüber, was denn Kinder „normalerweise“ an sozialen Umgangsformen in der Familie lernen, das überhaupt nicht realisieren und damit nicht vermitteln. Jetzt tut es einfach nur sehr weh.

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