Psychisch Erkrankte als Corona-Risikogruppe anerkannt | kurier.at

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Seit Beginn der Corona-Pandemie haben wir uns sehr bedroht gefühlt. Aus unterschiedlichen Gründen, die teils in der Vergangenheit liegen und klar zu fassen sind. Es gab aber auch ein diffuses Bedrohungsgefühl, dass wir einfach nicht die Kraft besitzen gegen diese Erkrankung kämpfen zu können, dass die Gefahr zu sterben, falls wir erkranken sehr groß wäre.

Mit Behindertenpass erhielten wir diese Woche die erste Teilimpfung und sind sehr froh darüber, dass unsere Panik, unsere Selbstisolierung hoffentlich bald ein bisschen geringer werden kann, sobald durch den Impfstoff Antikörper gebildet werden.

Dabei hatten wir echte Schuldgefühle uns eine Impfung zu „erschwindeln“, weil wir doch weder Diabetes, noch massives Übergewicht oder andere körperliche Erkrankungen haben. (Am Übergewicht arbeiten wir leider in den Lockdowns.) Selbst unsere Krebserkrankung vor mittlerweile 15 Jahren gilt nicht mehr. Nur die Panik war da.

Krotesk, aber es tut tatsächlich gut zu lesen, dass es Zahlen gibt, die unsere düstere Vorahnung bestätigen. Auch wenn freilich DIS bzw. komplexe Traumatisierungen nicht angeführt werden. Das sind wir gewohnt, nicht aufzuscheinen. Allerdings ist es ja ein Krankheitsbild mit vielen Co-Morbiditäten. Depressionen sind eine davon.

Wir wissen, dass viele Leute, die selbst eine dissoziative Identitätsstruktur leben, es ungern als Krankheitsbild sehen mögen, sondern eher als kreative Überlebenstechnik in ausweglosen Situationen seit der frühesten Kindheit. Und das ist auch der Fall!!

Allerdings haben wir beschlossen DIS ebenso als reaktive Erkrankung zu sehen, dort, wo wir beeinträchtigt sind und über alle Maßen belastet. Wir bemühen den Vergleich, der reaktiven Erkrankung eines Knochenbruchs, wenn eine zu große Kraft auf den Knochen einwirkt und er zersplittert. Also ein wirklich komplizierter Trümmerbruch.

Ebenso hatte in unserer Kindheit eine zu große Gewalt auf unsere Psyche eingewirkt und sie ist zersplittert. Der Vergleich hinkt etwas, da ja in der Psyche bei DIS viel mehr passiert als reines Zerbrechen. Es werden hoch funktionale und komplexe Parallelstrukturen geschaffen, die ein Überleben trotz der vielen Anteile, die teils zu Innenwesen werden, ermöglichen. Das wäre im Vergleich zum Knochenbruch, als würde es den mehrfach gebrochenen Arm geben und parallel dazu wächst ein zweiter Arm, der einfach die Funktion des gebrochenen versucht zu übernehmen. Das gelingt zum Teil, aber teils auch nicht, da der gebrochene, unversorgte Arm immer und immer wieder große Schmerzen bereitet und zudem einfach in der Bewegungseinschränkung, aber auch im Kontakt mit anderen behindert, einfach weil auch er da ist. Umarmungen schmerzen z.B. in dieser Hypothese.

Aber der kranke Arm muss da sein, weil er an diesen Akt der physischen Gewalt auf den Körper erinnern muss und zwar so lange, bis er versorgt wird und heilen kann. Dann könnte sich auch der zusätzlich gewachsene „Behelfsarm“, der auf den ersten Eindruck bereits so produktiv erscheint, wie der ursprüngliche,  wieder in den nun Geheilten zurückziehen.

Um das Bild noch zu vervollständigen müsste der mehrfach gebrochene Arm in den Körper verschwinden und damit unsichtbar sein für andere Menschen. Was aber die Schmerzen nicht reduziert sondern im Gegenteil auch Probleme im zwischenmenschlichen Kontakt verursacht! Wer bitte sollte der betroffenen Person so eine Geschichte und die permanent gefühlten Schmerzen glauben?

Lange Rede kurzer Sinn: Oh ja, wir hatten und haben ein Anrecht darauf schon vor unserer Altersgruppe geimpft worden zu sein. ….. Traurig, dass die Situation hinsichtlich der geringen Impfstoffmengen so ist, dass wir (und auch andere) überhaupt auf die Idee kommen, es (noch) nicht zu verdienen geimpft zu werden.

Jetzt freuen wir uns auf das Wochenende und dass die geringen Schmerzen an der Impfstelle als einzige Nebenwirkung bisher nach zwei Tagen nahezu weg sind. So ein Glück. Ganz ernsthaft — Jippieh!!!

23 Gedanken zu „Psychisch Erkrankte als Corona-Risikogruppe anerkannt | kurier.at“

      1. Ja, leider scheint eine Möglichkeit zur Impfung für mich noch sehr weit weg zu sein. Aber mittlerweile _kenne_ ich zumindest Menschen, die geimpft sind (weil sie eine Impfpriorisierung haben). Das ist schon ein Fortschritt.
        Aber ich warte sehnlichst darauf.

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        1. Wir halten dir die Daumen, dass du bald geimpft werden kannst.

          Darum hat uns der geteilte Zeitungsartikel auch so gefreut. Wir denken, dass das tatsächlich viele betreffen wird. Vor allem von denen, die unseren Blog lesen. …… Lt. Rückmeldung in den Kommentaren scheint es auch für Deutschland zu gelten. Wie lange es dauert, bis es umgesetzt wird, wissen wir aktuell noch nicht.
          Es ist wirklich eine Erleichterung bereits eine erste Teilimpfung zu haben.
          Alles, alles Gute für dich, dass es bald soweit ist.

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        1. Ja, aber psychisch Kranke sind in seltensten Fällen „behindert“, sprich haben einen Behindertenpass. Viele Menschen auch mit DIS gehen einer Erwerbsarbeit nach, viele auch nicht. Aber solange man arbeiten kann ist der Behindertenpass eher hinderlich, weil es kaum möglich ist eine Anstellung zu bekommen mit einer (offiziellen) Behinderung, wegen des Kündigungsschutzes etc.

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    1. Danke für die lieben Worte. Es wundert uns, wenn das nur für Österreich gilt, denn im Normalfall hinken wir hinter Deutschland hinterher. Und die zugrunde liegende Studie für diese Entscheidung stammt ja aus den USA. Vielleicht sind wir zufälligerweise hier in Österreich etwas schneller, aber wir denken dass das auch bald in anderen EU-Ländern gelten wird, falls das noch nicht so ist. Wir drücken die Daumen. Auf alle Fälle beruhigt es uns, wie du schreibst. 🙂

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