Sind wir okay?

Wenn nur nicht stets die Frage wäre, ob wir in Ordnung sind.

Erst vor Kurzem mussten wir von einer künftigen Mitbewohnerin, die keine Psychiaterin oder klinische Psychologin ist, hören, dass Leute mit einer Angststörung (die nicht unsere Hauptdiagnose ist), doch nicht andere Leute in der Gruppe in Geiselhaft nehmen können. Deren Angst ist doch deren Problem, die können dann halt nicht in einem Wohnprojekt wohnen.

Naja, das zu sagen, nachdem sie Leute in der Gruppe beschimpft hat, ist zumindest bemerkenswert. Der Charakter dieser Frau ist hier nebensächlich, wichtig ist, dass wir sofort wieder unsere Existenz in Frage stellen, denken eine zu große Belastung für die Gemeinschaft zu sein. Dieser Gedanke treibt uns ohnedies seit Beginn in diesem Projekt.

Vielleicht sollten wir gerade nachdem wir wissen von welcher Seite dieser Wunsch uns aus der Gruppe zu entfernen (das hat sie schon einmal dezidiert angesprochen) kommt, uns genau nicht in Frage stellen?

Es ist eine Darstellung, weshalb wir uns überhaupt in Frage stellen. Es ist ein Gedankengut von Menschen, die nicht zu Empathie fähig und willig sind. Gedanken, die wir als Kind hörten. Wenn wir nicht so funktionieren, wie es die Eltern mögen haben wir keine Existenzberechtigung, oder sollen, wie im diesem Fall uns gefälligst isolieren und andere mit unserem Sein nicht belästigen.

Spannend finden wir, dass derlei Angriffe und Anwürfe erst jetzt kommen, wo sich unsere Angst im vergangenen Jahr massiv gebessert hat und wir uns deshalb vermehrt in der Gruppe einbringen können und sagen können, was wir als zutiefst problematisch sehen. Übrigens sind wir mit der Kritik nicht alleine. Es kritisieren auch Leute, die von Angststörungen weit entfernt sind.

Diese Gruppe ist anstrengend, aber auch heilsam, denn sie spiegelt viele Facetten unseres Lebens ebenso, wie sie uns Wege in ein heileres Leben zeigt. Die Dosis für uns zu finden, mit der wir uns diesem Lernen aussetzen und wo wir scharfe Grenzen ziehen müssen, ist unsere Herausforderung.

5 Gedanken zu „Sind wir okay?“

  1. Ich denke:

    Ihr seid okay!

    Ich könnte jetzt einige, vielleicht viele Begründungen anführen, warum ich so denke. Aber das wären alles nur rationale Begründungen, einige vielleicht auch nur Rechtfertigungen. Aber ich möchte mich nicht rechtfertigen. Ich möchte es einfach nur so sagen.
    Das Bewerten möchte ich jenen überlassen, die glauben, ein Urteil über einen anderen Menschen abgeben zu können und zu müssen. Ich für mich kann nicht sagen, ob ein Mensch gut ist oder nicht, ob es eine Existenzberechtigung gibt oder nicht. Ihr seid da. Das ist für mich Existenzberechtigung genug – genau so, wie Ihr seid.
    Und ich bin dabei absolut egoistisch:
    Hättet Ihr kein Recht Euch am Leben zu beteiligen, Euch einzubringen und Eure Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, welches Recht hätte ich dann? Oder irgendjemand anderer? Wie perfekt müsste man sein? Wer ist überhaupt perfekt? Wer dürfte überhaupt sagen, was er/sie braucht, wenn nicht jeder? Und so auch Ihr?!
    Noch ist Freiheit und Würde bei uns ein sehr hohes Gut. Und diese Freiheit und Würde gestehe ich auch Euch zu. Und wer das nicht tut – und sei es nur verbal – der spricht sich diese Freiheit und Würde am Ende selbst ab. Weil: Niemand ist perfekt. Und alle sind da, und dürfen es sein – so wie auch Ihr!
    👍🍀💚

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    1. Lieber Ankordanz,
      Das sind genau die Worte, die alles sagen, ohne uns zu schmeicheln, weil sie es nicht müssen. Sie sind wahrhaftig und gerade deshalb so wirksam und sind direkt bei uns angekommen. Von Herz zu Herz. Ein Kommentar zum ausdrucken und immer wieder lesen. Danke dafür. 💜😊🙏

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Bettina Wiese,
    Ihr seid Okay!
    Es wird leider immer wieder Menschen geben, die irgendeinen Grund finden, andere Menschen nicht okay zu finden. Eure Einstellung dazu ist genau die richtige: dagegen halten, deren Verhalten kritisieren.

    Neulich sah ich eine Dokumentation in unserem Zweiten Fernsehen (ZDF) über eine Frau mit mehreren Persönlichkeiten. Das fand ich für mich sehr aufschlussreich und interessant. Falls es Euch interessiert, man kann den Film noch in der Mediathek aufrufen:
    https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-ich-bin-viele-100.html

    Ich wünsche Euch alles Gute! Und bleibt so stark gegen solche Vorwürfe!
    Herzlichen Gruß, Michael

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Michael,
      Vielen lieben Dank für deine Worte. Es hat sehr weh getan und wir konnten leichter stark sein, weil jemand in der Gruppe aufgestanden ist und diejenige offen kritisiert hat. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.
      Das ist das Heilsame an der Erfahrung.
      Danke für den Link und auch dein Mail mit dem Link. Wir wollen es uns ansehen. Es gibt auch bereits einige Rezensionen zu der Doku, die wir noch nicht gelesen haben, in Blogs, die wir lesen.
      Aktuell ist es noch sehr eng zeitlich, weil das Siedeln bevor steht. Darum bitte um Verständnis, dass wir auf dein Mail nicht reagiert hatten.
      Danke dir für deine lieben Wünsche.
      Herzliche Grüße
      „Benita“

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