Gedanken in der U-Bahn

„Was bedeutet leben? Wir Menschen haben aufgrund unserer Schutzlosigkeit vor anderen Tieren und der Natur hochkomplexe Strukturen aufgebaut in die wir uns einfügen. Ob uns dies mehr nutzt oder schadet bleibt dahingestellt.“

Dieser Gedanke kam uns als wir vor einigen Wochen in der U-Bahn saßen und beobachteten wie automatisiert Menschen ein- und ausstiegen und nach unserer Wahrnehmung überhaupt nicht wirklich bei sich waren. Sie funktionierten, so wie auch wir das sehr oft tun. Vor allem in der U-Bahn. Weil das Fahren damit zwar praktisch, weil schnell, aber emotional sehr unangenehm und belastend ist. Und das zu jeder Zeit und nicht nur aktuell.


Das Foto ist im ersten Lockdown vor einem Jahr entstanden. Heute sind die U-Bahnen fast wieder so voll, wie vor Corona.

Sicher machen wir auch Fehler, wie alle …..

Gestern wurden wir hier am Blog  als „Arschloch“ beschimpft und als unterschwellig aggressiv, sowie besserwisserisch bezeichnet. Und der Kraftausdruck gegen uns wurde als authentisch und gerechtfertigt begründet.

Und es ging auch noch weiter. Ja, besserwisserisch kann sein, aber als Reaktion auf den letzten Beitrag?

Vielmehr hatten wir den Kommentar als untergriffig empfunden und haben durchaus mit einer gewissen Ironie reagiert.

Aber all dies ist egal, weil es hier niemand nachvollziehen kann. Wir haben den kurzen Dialog und weitere nachfolgende Kommentare gelöscht und den betreffenden Blog blockiert und wollen hier auch Nichts davon zitieren, schließlich könnten wir uns sogar rechtlich dagegen wehren, was nicht dafür steht. Pikanter Weise wurde uns eine Anzeige angedroht als wir meinten weitere beleidigende Kommentare zu löschen. Täter-Opfer-Umkehr? Wer weiß? Tun wir uns leid, dass wir das erlebt haben? Schon irgendwie. Warum eigentlich? Geben wir dem Kommentar dann nicht zuviel Bedeutung?

Die Frage, wie mit solchen Kommentaren umzugehen ist bleibt. Und nachdem wir das Gefühl haben uns aktuell noch mehr zu öffnen, weil wir zu „uns“ stehen wollen, aufrecht, sind wir angreifbarer als wir es in unserem Kokon des selbst-Betrugs waren. Die Überlebensstrategie sich zu verstecken bot vielleicht wenig Angriffsfläche, machte keine Lust auf Kampf? Denn in den mittlerweile fünf Jahren, die wir diesen Blog führen, kam ein solcher Wutausbruch eines Lesers in einer Kommentar-Suada noch niemals vor.

Das liegt bestimmt an den vielen wundervollen Leser*innen die wir haben. Das meinen wir sehr ernst. Danke dass es euch gibt, wir durften so viel mit und von euch lernen und auch mit eurer Hilfe heilen.

Dennoch ist es erstaunlich, dass es bisher keinen solchen Vorfall gab, da das Thema doch generell polarisiert und manche sich durchaus belästigt fühlen. Dafür, dass wir bislang verschont geblieben sind von dergleichen, sind wir sehr dankbar und glücklich.

Dabei wissen wir, dass unsere Art nicht bei allen gut ankommt. Das ist ja in Ordnung. So ist das Leben. Wir werden lernen müssen damit zu leben, dass man die „Benita“ nicht lieb haben muss.

„Die „Benita“ muss man lieb haben!“, sagte vor ca. 30 Jahren eine Bekannte zu uns und wir fühlten uns nicht geschmeichelt sondern nicht gesehen und verkannt, sogar gekränkt.

Es war für uns eine Bankrotterklärung, eine Bloßstellung dessen, was wir versuchten zu verbergen, nämlich dass wir Angst vor Menschen haben. So große Angst, dass wir uns verstecken und nicht widersprechen wagen oder gar eine eigene Meinung gegen Widerstand vertreten versuchen. Unser Sanftmut war oft einfach Angst und die Wut gärte innerlich. Mitunter loderte und lodert auch der Zorn innerlich lichterloh. Vor allem der Zorn auf die Täter. Mittlerweile hat sich aber Vieles geändert und wir wissen, dass es wichtig ist geeignete Worte zu finden, damit Kritik beim Gegenüber ankommen kann und Kontakt möglich bleibt. Wir können Trigger immer besser von aktuellen Angriffen unterscheiden. Das bedingt die ständige Kontrolle der Emotionen. Ist das immer gut, oder ist es einfach auch ein sich Erheben über andere?

Was bedeutet es aufrecht zu sich/uns zu stehen? Wir sind dabei es zu lernen. Gefühlsmäßig sind wir am richtigen Weg, auch wenn er Angst macht, aber wer weiß, ob und wie es uns möglich ist hier offen zu schreiben, ohne unser Versteck?

Wir wollen Ecken und Kanten haben und dennoch bzw. damit oder vielleicht sogar dafür gemocht werden. Ob uns das gelingen kann? Ist es nicht das was ein würdevolles Leben ausmacht? Oder wünschen wir uns zu viel, oder das Falsche?

Lockdown über Monate als Single = Einsamkeit ¹⁰⁰

Ohne Nähe und Liebe lebte es sich im Alltag vor Corona bereits ziemlich schwierig und belastet. Der Lockdown treibt uns langsam zum Wahnsinn.

Ich habe Angst um uns. Wirklich große Angst. ….

Statt Schlafen laufen wieder einmal nur Tränen.

Nur einmal wöchentlich mit einem Menschen, nämlich der Therapeutin, zu sprechen ist einfach zu wenig.

Zwei, drei Worte beim zahlen an der Kasse des Supermarkt zählen wir nicht als Gespräch.

Verzeihung, ich weiß, dass es vielen schlecht geht und wir wollen nicht jammern, aber wir sind so erschöpft.

Auch wenn dieser Beitrag entbehrlich ist zu lesen, bitte verzeiht ihn uns.

Offtopic oder auch nicht? Gegen Gewalt! „Leg die Waffen weg und setz dich her zu mir“: Irmgard P. erinnert sich an eines der Opfer des Terroranschlags von Wien – ihre Schwester – Kommentare der anderen – der Standard

Nochmals zum Anschlag in Wien vergangenen Montag und warum die gehypte Reaktion „Schleich di, Oaschloch“ KEINE Antwort auf das Geschehene ist und zumindest einem Todesopfer überhaupt nicht gerecht wird!

Ein wichtiger Aufruf den Blick darauf zu richten, was meist junge Menschen die auch in Österreich geboren sind dazu bringt sich zu radikalisieren. Es gilt sich damit zu befassen, warum sie keine Zukunft für sich in diesem Land sehen und ihre Verzweiflung in Wut und Aggression umschlägt.

Die trotzige Antwort der politischen Verantwortlichen: „Das lassen wir uns nicht gefallen!“ ist so daneben, weil sie das Problem weiter leugnet! Härte ohne Liebe kann niemals das Ziel sein!!!

Hier der berührende Nachruf der Schwester eines Todesopfers:

https://www.derstandard.at/story/2000121476639/leg-die-waffen-weg-und-setz-dich-her-zu-mir

Bitte lasst uns mit mehr Liebe auf solche Gewalttaten antworten! Mit Klarheit, dass Gewalt kein Weg ist, aber auch mit Liebe und Geduld und Bereitschaft einen Weg zu finden. Und das durchaus ohne naiv zu sein.

R. i. P. allen, die so aus dem Leben gerissen wurden. Ganz viel Kraft den Verletzten und all jenen, die diese traumatische Erfahrung nun verarbeiten müssen.

💐🎶🎵☮️🕯️💖🍀🕯️

Der „Fels in der Brandung“

Wir wissen, dass der Titel irritiert. Kein Fels sondern ein moosbewachsener Stein, kein Wellengang sondern ein Mini-mini-Wasserfall sind die „Protagonisten“ dieses kurzen Videos. Angeregt vom Kommentar-Austausch mit  Myriade kommt es hier als Ergänzung zum Bild des letzten Beitrags. 😀

Der „Fels in der Brandung“ im Mini Wasserfall – Baden bei Wien

Leben mit DIS #27: Was für ein Traum!

Wir träumen sehr selten bewusst. Heute gab es einen dieser seltenen Fälle, bei denen ein Traum so sehr im Bewusstsein blieb, dass wir überlegen mussten, wo die Geschichte herkam. War es aus einem Film gewesen oder irgendetwas Erlebtes gar? Ja, dass wir es selbst erlebt hatten klingt nach der Lektüre des Traum-Inhalts höchst absurd, aber der Gedanke war dennoch da, weil es so nahe war.

Es war in einem Haus in dem ich wohnte, in dem es eine verbotene Türe gab, die ich nicht öffnen sollte. Von wem diese Einschränkung ausgesprochen wurde, war im Traum nicht thematisiert.

Sie dennoch zu öffnen würde Unglück bringen. Nun, eine solche Ankündigung ist dazu gemacht Neugier zu wecken. Also machte ich mich daran, die Türe zu öffnen. Eigentlich war es eine doppelte Türe. Zunächst gab es eine hinter der sich bloß ein sehr kleiner Raum befand, der zur zweiten Türe führte, die fest verschlossen schien. Es war beängstigend, also drehte ich um, schloss die erste Türe wieder und war froh, dass trotz meiner Missachtung des Verbots nichts Schlimmes geschehen war.

Der innere Friede hielt nicht lange an, sodass ich mich nun in Begleitung nochmals zu dieser Türe auf machte. Meine Begleiterin fragte noch ob ich das wirklich will. Ja, klar wollte ich, alles andere zu antworten wäre peinlich gewesen. Flugs hatte ich die erste Türe geöffnet. Hier wusste ich mich ja auf der sicheren Seite. Dann kam die zweite Türe. Ich zitterte und meine Begleitung half nur insofern, als ich nun nicht so einfach davonlaufen wollte. Mit ihrer Angst im Rücken öffnete ich also diese Türe und erschrak, als ein Gespenst an uns vorbei hinausflog, das wie aus einem Comic gezeichnet aussah. Es kicherte, sprach eine Drohung aus, die ich nicht verstand und verschwand. Dann stand ich da, die Begleiterin ebenso mit offenen Mündern. Nein, das konnten wir nicht mehr rückgängig machen. War das der Wunsch? Einfach einmal nachsehen und wieder schließen und alles wäre wie davor?  Hier war der Traum zu ENDE.

Als wir erwachten, war alles verwirrend. Erst später erkannte ich, dass es ein Traum gewesen sein muss. Ein Traum, der so enorm plakativ war, dass es wirklich langweilig war, ihn zu deuten.

In der letzten Therapiestunde kamen erstmals zwei Kinder hervor, die mit der Therapeutin sprachen. Das hatte im System danach viel Unruhe erzeugt. Da gab es eine Drohung, dass derlei nicht sein darf. ….. Nun aber war das Gespenst befreit und ich konnte es nicht mehr weg sperren. Und ja, es macht uns Angst, welche Enthüllungen nun noch zum Vorschein kommen werden.

Das sagt ein Onlineportal zur Traumdeutung über Gespenster im Traum: http://www.traumdeuter.ch/texte/2127.htm

Berührungsmangel-Wahnsinn

Ende von Woche 6 der Corina bedingten Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen:

Wie schon die letzten Beiträge beweisen, kennt unser Denken derzeit kaum einen anderen Inhalt als Berührungen und deren Entbehrung. Während wir folglich überlegen, ob wir uns nicht auf einem öffentlichen Ort so sehr aufführen sollten, dass wir zwangsweise in die Psychiatrie eingeliefert werden, erschien ein bemerkenswerter Beitrag von Beatrix, in dem wir uns wieder fanden. (Link siehe unten)

Also der Plan mit der Psychiatrie war als Gedanke kurz da, weil uns dann nolens volens wohl jemand berühren müsste. Wobei diese Berührung bis zum Niederspritzen vermutlich wenig tröstlich und freundlich erfolgen würde. Gleich ob die Berührung von Polizei oder Krankenpfleger*innen käme. In unserem Fall am Besten von beiden.

Unsere Erfahrungen mit Psychiatrie erlauben uns auch nicht dort Hilfe zu suchen. Wobei wir brauchen ja keine Medikation sondern nur eine liebevolle oder zumindest respektvolle Berührung oder Umarmung. Wenn dieser massive Wunsch aktuell ein pathologisches Geschehen darstellen sollte, müssten wir sehr am Geisteszustand jener zweifeln, die solches attestieren.

Berührungsmangel-Wahnsinn weiterlesen

Berührungen und COVID 19

Ich möchte diesen Beitrag sehr gerne teilen, weil er nochmals die Notwendigkeit der Berührungen für die körperliche und geistige Gesundheit darstellt. Herzlichen Dank dafür.
In Österreich dürfen Gesundheitsberufe, die Berührungen ausüben meines Wissens derzeit nicht tätig sein. Falls jemand gegenteiliges weiß, bitte ich sehr um Information darüber in den Kommentaren.

Ich wünsche euch allen von Herzen liebevolle Berührungen und ganz viel Kraft und Zuversicht. 🍀🍀🍀🤗

Rebalancing

Die COVID 19 Pandemie bringt uns Menschen aus dem Berührungs-Gleichgewicht: Viele sind unsicher – das erfahre ich auch bei Anrufen in meiner Praxis – denn keiner weiß, ob oder wenn, wie gefährlich oder bedrohlich es ist, sich in diesen Zeiten berühren zu lassen.
Andererseits: wer weiß denn um die Gefährlichkeit für unser Leben, ob des Mangels an Berührungen?

Einsamkeit ist Lebensgefährlich

Das neben Viren und Bakterien auch Rauchen, Bewegungsmangel etc. schädlich sein können, weiß heutzutage jedes Schulkind. Schon bedeutend weniger wissen, dass auch Einsamkeit lebensbedrohlich ist. Eine Studie von Holt-Lunstad, Smith und Layton mit dem Namen „Social Relationships and Mortality Risk“ stellt den Zusammenhang zwischen menschlichen Beziehungen und Sterblichkeit in den Mittelpunkt. Das Ergebnis:
Die Beziehungsqualität und Quantität ist für unser Überleben von großer Bedeutung. Für unser Leben sind Rauchen und Alkoholismus von gleichwertiger Gefahr, wie die Einsamkeit. Diese Metastudie verwendete 148 Einzelstudien mit über 300 000 teilnehmenden Menschen.

Nun…

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Danke Corona …..

Ich/wir können gar nicht sagen, wie sehr wir uns darauf freuen, dass sich das Land, eigentlich vor allem diese Stadt, ab Montag im Schlafmodus befinden wird. Wir versäumen nichts, brauchen keine Termine aus Überforderung abzusagen und uns schlecht fühlen, weil wir so wenig Ressourcen und Kraft für Sozialkontakte haben.

Und wenn dann auch noch die Straßen leer sind und kaum Autos fahren, beginnen wir zu feiern. Wir hoffen so sehr auf Ruhe, die wir dringend benötigen. Und noch dazu leben wir dann für (hoffentlich) kurze Zeit nicht mehr das Leben einer Außenseiterin. Endlich sind wir in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Rückzug für alle!

Wie jemand im Forum des STANDARD geschrieben hat, sind es ideale Zustände für Sozialphobiker*innen. ….. So ist es.

Wenn da nicht diese Vision gewesen wäre, dass wir bald sterben werden. Diese Eingebung war plötzlich da. Und zwar zu einer Zeit als es in Wien noch gar keine Corona Fälle gegeben hatte. …… Wir haben innerlich so darauf reagiert, dass wir gerne noch weiterleben wollen. …… Zur Risikogruppe für das Virus gehören wir jedenfalls nicht. ….. Vielleicht brauchten wir wieder einmal das bewusste Bekenntnis zu unserem Leben? …… Jetzt wollen wir die für uns hoffentlich ruhigen kommenden Wochen dafür nutzen in eben diesem Leben weiter anzukommen.

∑Ich will nicht mehr immer lieb sein …

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© lebendigwerden: Sonnenuntergang Brasilien – Abadiania

… und doch weiß ∑ich, dass es die einzige Art ist in dieser uns fremden Welt akzeptiert zu werden.

Andere versuchen zu verstehen, obwohl wir selbst niemals verstanden werden und sich kaum jemand die Mühe macht es zu versuchen!

Also ich meine, dass wirklich ernsthaft und über Jahre jemand versucht zu erfahren, welche Art Frau wir sind.

Unsere Stärken wahrnehmen möchte, unsere Schwächen verzeihen will und mit uns daran arbeiten will erstere zu kultivieren und letztere zu minimieren. Jenen, die es tun sind wir zutiefst verbunden.

Wir wissen, dass es dafür sehr viel Kraft und Mut benötigt und vermutlich auch Liebe.

Wir haben sie in uns für andere und auch für uns. Auch darum möchten wir nicht mehr immer nur lieb sein, weil es uns unsere Lebenskraft, unsere Lebendigkeit raubt.

Wir möchten so gerne mit mehr Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit leben statt immer nur schaumgebremst mit angezogener Handbremse durch unser Leben schleichen.

Wir möchten die Angst anzuecken und die Angst vor „Strafe“ dafür ∑ICH zu sein so gerne entsorgen. Am besten auf dem Sondermüll, denn sie ist durch und durch toxisch!

Aber ob wir diese Welt so ungebremst ertragen?

Ob wir einen anderen Schutz finden als den uns in uns selbst zu verstecken oder aufzusplittern?

Wir werden daran basteln, ihn entwickeln. Vielleicht gibt’s irgendeinen Weg, den wir erst finden müssen?! Ja, davon sind wir überzeugt! …. Weil es schon so viele Wege gab in unserem Leben, die wir uns niemals vorstellen konnten, dass sie für uns Realität werden könnten.