Ein Experiment zu Diskriminierung!

Durch Zufall sind wir auf die Aufzeichnung dieses Experiments gestoßen, das im ORF im vergangenen Herbst gesendet wurde. Wir hatten es damals verpasst und nun die ungekürzte Fassung über fast 4 Stunden angesehen. Und wir denken es lohnt sich mit zu verfolgen, wie sich die Gruppendynamik entwickelt und wie diese dann in der letzten Stunde aufgelöst wird. Es lohnt sich, sich selbst in beiden Rollen wieder zu erkennen.

Wir sind wirklich dankbar für diese Dokumentation und dieses Experiment.

Als sichtbare Angehörige der Mehrheitsgesellschaft, kennen wir vor allem die Position der jungen Frau, die weinend sitzt und nicht reagieren kann und nur still protestiert in ihrer inneren Weigerung mitzumachen. Sie ist eine Ausgeschlossene innerhalb der Gruppe, ohne als ausgeschlossen wahrgenommen zu werden, obwohl es ganz klar gemacht wurde. Bei aller Sichtbarkeit wird sie unsichtbar, ist nirgends zugehörig. So fühlen wir uns oft mit DIS und auch als Frau mit Gewalterfahrungen. Der Ausschluss ist vorhanden, wenn Witze über „Multiple Persönlichkeiten“ (veralteter Ausdruck von Dissoziativer Identitätsstruktur) gemacht werden, in Medien oder auch in unserer Gegenwart und es kann nicht reagiert werden außer innerlich weinen, weil es so weh tut. Die Witze schmerzen, der Ausschluss schmerzt und auch die Einsamkeit. Zugleich fehlt die Kraft, sich in einer solchen Situation zu exponieren und zu sich zu stehen. Übrig bleibt das bekannte Gefühl von Ohnmacht und Bedrohung.

https://tvthek.orf.at/profile/Archiv/7648449/Sind-wir-Rassisten-Das-Experiment-in-voller-Laenge/14070231/Sind-wir-Rassisten-Das-Experiment-in-voller-Laenge/14788171

Für jene, denen die gesamte Länge zu viel ist, gibt es auch die gekürzte Fassung über weniger als 1h23min. Die haben wir aber nicht gesehen und können dazu nichts sagen, wie aussagekräftig diese dennoch ist.

https://tvthek.orf.at/profile/Archiv/7648449/Sind-wir-Rassisten-Der-Test/14070183/Sind-wir-Rassisten-Der-Test/14788153

One billion rising 2021 – Live auf YouTube

Dieses Jahr ist ONE Billion Rising Austria 2021 Online. Auf YouTube ist es möglich dabei zu sein. Es hat schon begonnen. Bis 19h gibt’s Programm.

Für ein Ende der Gewalt an Frauen und Mädchen! Viel Kraft und Liebe und Lebendigkeit für alle Frauen und Mädchen und alle Menschen, die sie unterstützen.

Der Beitrag wird aufgezeichnet und ist auch im Nachhinein anzusehen.

Ergänzung:

Kunst – Stream – After – Party 18h – 19h

Offtopic oder auch nicht? Gegen Gewalt! „Leg die Waffen weg und setz dich her zu mir“: Irmgard P. erinnert sich an eines der Opfer des Terroranschlags von Wien – ihre Schwester – Kommentare der anderen – der Standard

Nochmals zum Anschlag in Wien vergangenen Montag und warum die gehypte Reaktion „Schleich di, Oaschloch“ KEINE Antwort auf das Geschehene ist und zumindest einem Todesopfer überhaupt nicht gerecht wird!

Ein wichtiger Aufruf den Blick darauf zu richten, was meist junge Menschen die auch in Österreich geboren sind dazu bringt sich zu radikalisieren. Es gilt sich damit zu befassen, warum sie keine Zukunft für sich in diesem Land sehen und ihre Verzweiflung in Wut und Aggression umschlägt.

Die trotzige Antwort der politischen Verantwortlichen: „Das lassen wir uns nicht gefallen!“ ist so daneben, weil sie das Problem weiter leugnet! Härte ohne Liebe kann niemals das Ziel sein!!!

Hier der berührende Nachruf der Schwester eines Todesopfers:

https://www.derstandard.at/story/2000121476639/leg-die-waffen-weg-und-setz-dich-her-zu-mir

Bitte lasst uns mit mehr Liebe auf solche Gewalttaten antworten! Mit Klarheit, dass Gewalt kein Weg ist, aber auch mit Liebe und Geduld und Bereitschaft einen Weg zu finden. Und das durchaus ohne naiv zu sein.

R. i. P. allen, die so aus dem Leben gerissen wurden. Ganz viel Kraft den Verletzten und all jenen, die diese traumatische Erfahrung nun verarbeiten müssen.

💐🎶🎵☮️🕯️💖🍀🕯️

Offtopic: Unsere Antwort auf die Terroranschläge in Wien gestern Abend ….

Falls sich das Video im Reader nicht abspielen lässt, bitte auf meine Website wechseln. Dort sollte es gehen.

Alles Gute euch allen. 💖

Der Verlust der Worte

Alles, was für ihn je gezählt hatte, waren Worte. Etwas existierte erst wirklich, wenn es benannt und besprochen wurde.


Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Tränen überfallen uns, als wir dies lesen. Es ist so wahr, ja wahrhaftig. Es betrifft uns. Wir fühlen uns gesehen, obwohl der Autor uns nicht kennt.

Er hatte es sich nicht ausgesucht, es war ihm zugestoßen und von Anfang an so gewesen. Oft hatte er sich gewünscht, ohne Worte bei den Sachen zu sein, bei den Sachen und den Menschen und den Gefühlen und den Träumen – und dann waren ihm doch wieder die Worte dazwischen gekommen. Er erlebe die Dinge erst, wenn er sie in Worte gefasst habe, sagte er manchmal, und dann sahen ihn die Leute ungläubig an.

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Nun, was Mercier hier weiter ausführt, trifft auf uns nicht mehr zur Gänze zu – oder doch?

Aktuell finden wir uns immer wieder in dem altbekannten Gefühl wieder, dankbar sein zu müssen, wenn überhaupt jemand mit uns spricht. Seit wir versuchten einer Freundin und einem Freund, die uns seit vielen Jahren begleiten, unseren Wunsch nahezulegen in Mehrzahl angesprochen zu werden, ist dieses Empfinden wieder da. Wir versuchten zu erklären, dass sie uns sonst nicht kennen, dass es eben nicht so ist, dass sie nur mit einer sprechen. Auch jetzt schon nicht. Die Ablehnung, das Erschrecken waren groß. Gehen unsere Freundschaften (wieder einmal) verloren, wenn wir aufhören uns anzubiedern und wir selbst sind? Nur damit jemand mit uns spricht, ist die Gefahr uns aufzugeben und nur beim Gegenüber zu sein groß, zu groß. So groß wie die Einsamkeit, die manchmal wie ein Fass ohne Boden wirkt. Bloß welche Freundschaft ist es, die derlei erfordert? Vielleicht verstehen wir das Konzept Freundschaft nicht? Vielleicht sind es bloß Bekannte? Vielleicht kann man mit uns nicht befreundet sein, wie es einst aus einer Freundin hervorbrach? Wir sind selten so beleidigt worden in unserem erwachsenen Leben. Aber vielleicht war es nur ehrlich?

Dabei war es lange so, dass wir einfach keine Worte mehr hatten, weil es niemanden gab mit der/dem wir sie wechseln hätten können. Zu viele unausgesprochene Worte, zu viel Unbenanntes ließ uns die Worte, die uns so wichtig sind, in uns ausradieren. Hoffentlich wird es niemals wieder so!

Es waren Bücher, die uns das Leben retteten und zwar in dem Sinne, dass sie uns davor bewahrten wahnsinnig zu werden oder uns umzubringen. Auch und vor allem als Kind. Nicht umsonst lernten wir autodidaktisch lesen bevor wir in die Schule kamen. In den Büchern, in der Schrift waren und sind die Menschen, die mit uns sprachen, die uns verstanden ohne uns zu kennen und sie sind noch heute dort zu finden.

Selbst wenn wir so viele Bücher, die wir besitzen noch nicht gelesen haben, weil oft die Kraft fehlt, oder die Ruhe, so ist ein Leben ohne von Büchern umgeben zu sein unvorstellbar. Sie beruhigen uns, haben eine besondere Schönheit, die im e-reader ihren Glanz verliert.

Vielleicht ist das erst das wirklich einsame Leben? Der Verlust der Worte ist es, der so einsam macht!

Das macht mir/uns Mut …..

….. wir hoffen auf mehr Sichtbarkeit und einen Abbau von Tabu und Diskriminierung aufgrund von psychischer Erkrankung.

Das wird nicht heute und nicht morgen umgesetzt werden können, aber wie Frau Beate Wimmer-Puchinger sagte, es ist das erste Mal, dass im Gesundheitsministerium das Augenmerk überhaupt auf einen Abbau dieses Tabus gesetzt wird!

https://tvthek.orf.at/profile/Pressekonferenz-Psychische-Gesundheit-und-Auswirkungen-durch-Corona/13891855/Pressekonferenz-Psychische-Gesundheit-und-Auswirkungen-durch-Corona/14057163

Schau dir „Dissoziative Identitätsstörung: Interview mit Psychotherapeutin Michaela Huber“ auf YouTube an

Es tut sich so viel in unserem Leben, dass wir aktuell nicht wissen, wie und was wir hier am Blog schreiben wollen.

Haben aber soeben dieses Interview mit Michaela Huber zu DIS gesehen und möchten es gerne teilen. ….. Falls du selbst DIS hast mag ich ausnahmsweise einmal wieder eine Triggerwarnung geben, denn es gibt eine längere Sequenz ab ca. 20 min., wo Fr. Huber schon sehr deutlich wird mit Beispielen. Da wollten wir fast aufhören es anzusehen.

Also passt bitte auf euch auf.

Bis hoffentlich demnächst und ich fast fertig gestellte Beiträge vervollständigen und veröffentlichen kann. Sagen können wir derzeit leider nicht, wie lange es dauern wird.

Wir ersuchen euch uns dennoch treu zu bleiben.

Alles Gute allen meinen/unseren lieben Leser*inne*n. 🍀🍀🍀🌻💚

Berührungsmangel-Wahnsinn

Ende von Woche 6 der Corina bedingten Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen:

Wie schon die letzten Beiträge beweisen, kennt unser Denken derzeit kaum einen anderen Inhalt als Berührungen und deren Entbehrung. Während wir folglich überlegen, ob wir uns nicht auf einem öffentlichen Ort so sehr aufführen sollten, dass wir zwangsweise in die Psychiatrie eingeliefert werden, erschien ein bemerkenswerter Beitrag von Beatrix, in dem wir uns wieder fanden. (Link siehe unten)

Also der Plan mit der Psychiatrie war als Gedanke kurz da, weil uns dann nolens volens wohl jemand berühren müsste. Wobei diese Berührung bis zum Niederspritzen vermutlich wenig tröstlich und freundlich erfolgen würde. Gleich ob die Berührung von Polizei oder Krankenpfleger*innen käme. In unserem Fall am Besten von beiden.

Unsere Erfahrungen mit Psychiatrie erlauben uns auch nicht dort Hilfe zu suchen. Wobei wir brauchen ja keine Medikation sondern nur eine liebevolle oder zumindest respektvolle Berührung oder Umarmung. Wenn dieser massive Wunsch aktuell ein pathologisches Geschehen darstellen sollte, müssten wir sehr am Geisteszustand jener zweifeln, die solches attestieren.

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Auf Ö1 zitiert

Mit großer Freude möchten wir darauf hinweisen, dass die liebe Beatrix Teichmann-Wirth aus unserem Beitrag „Widersprüche“ am 21.4.2020 in der Radiosendung „Alles auf Abstand“* der Sendereihe Punkt eins  des Senders Ö1 zitiert hat.

Die Sendung ist noch bis 27. April bzw. 28. April nachzuhören oder noch vier Wochen herunterzuladen.

Auch hier herzlichen Dank, liebe Beatrix, für das Zitieren, was uns sehr viel bedeutet und das so manches in Gang gesetzt hat.

….. wir haben wundervolle Leser*innen. Danke euch allen, dass ihr da seid.

Sein dürfen #3: Wer bin ich(wir)?

Nachdem wir oder ich als Gesamtes dieses Portrait der Schriftstellerin Marjana Gaponenko* gesehen haben, kroch von ganz unten eine Wahrheit über uns hervor:

„Mein Leben ist nichts anderes, als zu versuchen normal zu werden, ohne wirklich zu wissen, wie das sein soll!“

Vielleicht sollten wir darauf verzichten dies anzustreben?

* https://tvthek.orf.at/profile/kulturMontag/1303/kulturMontag/14045695/Marjana-Gaponenko-Die-Zauberin-von-Oz/14666932