Leben mit DIS #43: Umzugschaos und Rührung

Wir müssen jammern und uns freuen.

Die Gefühlsachterbahn fährt mit voller Geschwindigkeit hinauf und hinunter. Uns ist nur mehr schwindlig. Hatten wir je geschrieben, dass wir Achterbahn fahren nicht leiden können und das lieben, was andere vielleicht als Langeweile beschreiben würden?

Wir brauchen ganz viel Ruhe. Vor allem jetzt, wo überall leere und volle Kartons herum stehen und das Packen kein Ende nehmen mag. In neun Tagen bekommen wir die Schlüssel zur neuen Wohnung. Wir haben keine Ahnung, wie wir das Siedeln schaffen sollen.

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Sind wir okay?

Wenn nur nicht stets die Frage wäre, ob wir in Ordnung sind.

Erst vor Kurzem mussten wir von einer künftigen Mitbewohnerin, die keine Psychiaterin oder klinische Psychologin ist, hören, dass Leute mit einer Angststörung (die nicht unsere Hauptdiagnose ist), doch nicht andere Leute in der Gruppe in Geiselhaft nehmen können. Deren Angst ist doch deren Problem, die können dann halt nicht in einem Wohnprojekt wohnen.

Naja, das zu sagen, nachdem sie Leute in der Gruppe beschimpft hat, ist zumindest bemerkenswert. Der Charakter dieser Frau ist hier nebensächlich, wichtig ist, dass wir sofort wieder unsere Existenz in Frage stellen, denken eine zu große Belastung für die Gemeinschaft zu sein. Dieser Gedanke treibt uns ohnedies seit Beginn in diesem Projekt.

Vielleicht sollten wir gerade nachdem wir wissen von welcher Seite dieser Wunsch uns aus der Gruppe zu entfernen (das hat sie schon einmal dezidiert angesprochen) kommt, uns genau nicht in Frage stellen?

Es ist eine Darstellung, weshalb wir uns überhaupt in Frage stellen. Es ist ein Gedankengut von Menschen, die nicht zu Empathie fähig und willig sind. Gedanken, die wir als Kind hörten. Wenn wir nicht so funktionieren, wie es die Eltern mögen haben wir keine Existenzberechtigung, oder sollen, wie im diesem Fall uns gefälligst isolieren und andere mit unserem Sein nicht belästigen.

Spannend finden wir, dass derlei Angriffe und Anwürfe erst jetzt kommen, wo sich unsere Angst im vergangenen Jahr massiv gebessert hat und wir uns deshalb vermehrt in der Gruppe einbringen können und sagen können, was wir als zutiefst problematisch sehen. Übrigens sind wir mit der Kritik nicht alleine. Es kritisieren auch Leute, die von Angststörungen weit entfernt sind.

Diese Gruppe ist anstrengend, aber auch heilsam, denn sie spiegelt viele Facetten unseres Lebens ebenso, wie sie uns Wege in ein heileres Leben zeigt. Die Dosis für uns zu finden, mit der wir uns diesem Lernen aussetzen und wo wir scharfe Grenzen ziehen müssen, ist unsere Herausforderung.

Leben mit DIS #41: „Die Therapie muss zu Ende gehen“

„Die Therapie muss langsam zu Ende gehen!“,  meinte der uns wirklich seit Jahren freundlich gesonnene Gutachter der Gesundheitskasse. In Anbetracht der Namensänderung von Wiener Gebietskrankenkasse auf Österreichische Gesundheitskasse scheint uns die Aussage fast zynisch. Eine Wahrnehmung, derer auch wir uns erst im Nachhinein klar wurden.

Tatsache ist, dass die Menschen unser Leid nicht sehen. Unsere Therapeutin nicht, die uns ein Schreiben mitgegeben hat, das viel zu optimistisch war und der Gutachter auch nicht. Tja, und paradoxerweise schämen wir uns viel zu sehr zu sagen, wie es uns wirklich geht. Also wird die Therapie halt zu Ende gehen und wir werden alleine zurück bleiben, ohne Hilfe.

Viele innen meinen, das haben wir eh verdient. Wir sind es nicht wert Hilfe zu bekommen.

Wie schön wäre das, wenn es einfach gut wäre, wie die erste Reaktion von den Innenwesen, die im außen agieren, war. „Ja, er hat ja Recht, es geht uns bereits viel besser, als z.B. vor 10 Jahren und ja, wir machen schon seit 30 Jahren Therapie.“ Das alles stimmt ja. Geht’s uns aber deshalb so gut, dass wir keine Therapie mehr bräuchten????

Wenn es so wäre, weshalb überlegen wir dann heute, ob wir hoffentlich bald sterben, damit wir tot sind, bevor die Therapie von der GESUNDHEITSKasse nicht mehr bezahlt wird? Weil es eine Illusion wäre, uns Therapie selbst bezahlen zu können.

Das wird das letzte Jahr, in dem Therapie einmal wöchentlich bezahlt wird. Also ein Zuschuss von €28,42 pro Stunde wird freilich nur von der Kasse übernommen, den Rest haben wir erkämpft, dass wir an anderer Stelle als Verbrechens Opfer zusätzlich Geld erhalten. Es geht also um den lächerlichen Betrag von ca. € 1.400,- im Jahr. Ein einziger Tag auf der Psychiatrie würde dem Staat mehr kosten, wenn wir mangels professioneller Hilfe zusammen brechen. Sobald die Kasse aber nicht mehr bezahlt, fällt auch die Unterstützung für Therapie als Verbrechens Opfer weg. Also entscheidet die Gesundheitskasse, ob wir Therapie bezahlt bekommen oder eben nicht, auch wenn sie nur einen vergleichsweise geringen Betrag bezahlen.

Ja, wir wissen, dass wir tatsächlich auf hohem Niveau jammern, denn von so langer Unterstützung können sehr viele Leute mit DIS nur träumen. Aber es ist trotzdem noch nicht gut. Es ist einfach nicht so gut, dass wir es alleine schaffen.

Er meinte, dass wir ja dann in dem Wohnprojekt wohnen.

Wie lustig! Er sollte doch den Unterschied kennen zwischen Therapie und Bekannten und Freundschaften. Was wo besprochen werden kann und was eben im Alltag IMMER, IMMER, IMMER ausgespart werden muss, weil die Leute nicht damit umgehen können, weil es eben auch nicht in ein Alltags Gespräch gehört, was Flashbacks wirklich bedeuten und was wir tatsächlich erlebt haben, wie tief unser Schmerz ist. All das findet sich in unseren Gesprächen nicht wieder, also höchstens in kurzen Anklängen, die der Realität nicht im Entferntesten gerecht werden. Nur immer wieder kurze Erinnerungen, dass die Leute vielleicht ein ganz kleines bisschen nur auf unsere Bedürfnisse eingehen. Bitte nur ganz, ganz wenig. Mehr erwarten wir uns ohnedies nicht. Und selbst das ist niemals selbstverständlich, sondern ein großes Glück.

Aber der Gutachter versteht Nichts diesmal. Er fragt im Plauderton ob wir Kinder haben. Wir antworten „Nein!“. Innen schreien welche auf und beginnen zu weinen, weil wir von unserem toten Kind nicht sprechen, es verleugnen, wie uns selbst.

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Geschützt: Das Drama geht weiter

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Geschützt: Was tun?

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Wir müssen eine Entscheidung treffen ….

von pixabay

aber wir sind wie gelähmt.

Und worum es genau geht können wir hier auch nicht besprechen, das ist besonders schlimm und belastet uns sehr.

Vielleicht können wir uns aufraffen und werden gegen unsere Überzeugung einen Passwort geschützten Beitrag schreiben. Immer noch besser als gar nichts.

Wärt ihr liebe Leserinnen und Leser bereit so einen Text zu lesen? Denn nur für uns brauchen wir HIER nicht zu schreiben.

Leben in einem Wohnprojekt

Es bleibt die Frage offen, ob die Last, die wir mit uns tragen zuviel für die Gruppe wird, was wir spüren werden.

Oder auch ob die Anforderungen eines Zusammenlebens mit so vielen Menschen, in näherem Austausch zuviel für uns wird.

Werden wir uns abgrenzen können? Was aktuell oft sehr schwierig ist. Werden wir unsere Bedürfnisse nach Rückzug leben können? Werden wir uns auf ein liebevolles Miteinander einlassen können, ohne permanent getriggert zu werden? Denn erst dadurch, dass uns liebevoll und verständnisvoll begegnet wird, erkennen wir das Ausmaß der erlittenen Gewalt. Und das ist oft kaum zu ertragen.

So kam es letzten Donnerstag dazu, dass wir bei 37 Grad Hitze einfach eine Moderation eines Arbeitstreffens völlig vergeigt hatten. Was bei diesen Temperaturen schon verzeihlich ist. Ein Wunder, dass wir als Gruppe überhaupt irgendetwas klären und beschließen konnten.

Dennoch, es war für uns unverzeihlich, dass wir versagten. Was auch mit ein Trigger war, dem ein zweiter folgte. Und dem allem folgte ein Nervenzusammenbruch über drei Tage. Einen Tag weinten wir durch. Die folgenden zwei gab es glücklicherweise immer längere Pausen zwischen den Weinattacken. Und wir erkannten den ursprünglichen Trigger.

Fehler waren als Kind und Jugendliche verboten. Mehr noch, sie waren lebensgefährlich. Jeder Fehler konnte dazu führen, dass wir nicht überlebten, weil der Vater die Kontrolle zu verlieren drohte und uns im Affekt töten könnte.

Das war der Trigger mit dem wir konfrontiert waren, als wir merkten, dass uns die Moderation mehr als entgleitet. Wir hatten Todesangst. In einer solchen Gemütslage kann jedes Wort einen zusätzlichen Zusammenbruch bewirken. Und es entlud sich dann auch an einem anderen Thema, da wir unsere Todesangst ja selbst vor unseren Außenpersonen verstecken gewohnt sind. Normal ist das hilfreich, um die Situation zu verlassen, was irgendwie auch nicht ging. Wir moderierten ja ein Meeting.

Es waren die anderen Teilnehmerinnen des Treffens, die uns beruhigten so gut sie es konnten. Was beruhigend und aufwühlend war, denn es zeigte uns unser Leid der Kindheit so klar auf. Trost gab es damals niemals. Im besten Fall geschah nicht noch mehr Gewalt und Ablehnung. Das kam aber selten vor. Dieser Versuch aller uns beizustehen war so enorm viel an Glück.

Sich diesen Emotionen zu stellen war und ist eine große Herausforderung. Aber wir sind dankbar in diese Lage zu gelangen. Die Zeiten der Flucht werden geringer. Wir haben NICHT geswitcht. Welch enorme Leistung.

Wir haben noch niemals etwas so Großes zu erreichen versucht, wie dieses Wohnprojekt. Es ist so viel größer und intensiver als wir erwartet hatten. Und auch so viel komplexer.

Vermutlich war es gut, all dies nicht von Anfang an zu erfassen, sonst hätten wir es nicht gewagt.

Die große Herausforderung bleibt, dass wir nicht wegziehen können, falls es nicht passen sollte. Das erlaubt unser Budget nicht. Und jetzt wird es wirklich konkret. Im Herbst wird der Mietvertrag unterzeichnet.

Ein Rätsel, das uns betroffen macht

Die Arbeit mit der Baugruppe wird nicht weniger. Seit Baustart Anfang März folgt ein Treffen dem nächsten. Gemeinschaftsräume wollen geplant und eingerichtet werden. Dazu braucht es einen Überblick über die Finanzen der Gruppe, was für niemanden wirklich eine Lieblingsbeschäftigung darstellt. Es ist ein ungeliebter und undankbarer Job auf finanzielle oder steuerliche Problematiken hinzuweisen.

Unsere Erfahrung als Jugendliche mit dem Konkurs des elterlichen Unternehmens und einigen gröberen Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit daraus folgenden gerichtlichen Exekutionen …. Ohje, das ist ein Thema, das tief geht und schlimme Erinnerungen auslöst. Erinnerungen an eine Delogierung noch während unserer Schulzeit bzw. kurz danach. Wir vergessen immer das Datum. Diese Situation zog sich über Jahre. Plötzlich standen wir quasi auf der Straße und die Eltern fanden keine Notwendigkeit eine Wohnmöglichkeit für uns zu finden. Schließlich waren wir bereits 19 Jahre alt. Das Fazit war, dass wir jemanden heirateten, nur um irgendwo wohnen zu können. Eine schreckliche Zeit, vielleicht schreiben wir ein andermal darüber weiter.

Auf alle Fälle ist dieses Erlebnis mit ein Grund, weshalb wir mit drei anderen in der Baugruppe uns des Themas Finanzen annehmen, obwohl wir dazu überhaupt keine Lust haben. Wir wissen um die Notwendigkeit finanzieller Transparanz und Sicherheit.

Und es ist ein weiterer Grund, weshalb die Arbeit hier kein Ende findet. Dabei geht es uns aber wirklich ganz gut. Anerkennung hat eine große Heilkraft, wogegen Isolation, die wir davor erlebten nicht nur kränkend ist, sondern tatsächlich krank macht.

Darüber wollten wir jedoch gar nicht schreiben, obwohl der letzte Absatz die Brücke zu unserem Thema darstellen kann.

Aufgrund all der Arbeit und auch Aufregung passierte es uns, dass wir Briefe nicht sofort geöffnet haben, wenn nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, dass es sich um eine Rechnung handeln könnte.

So haben wir heute einen geschlossenen Brief mit einem dezenten schwarzen Kreuz unter Werbeprospekten gefunden. Hätten wir diesen Brief früher gesehen, wir hätten ihn geöffnet!

Wir erschraken. Es war ganz klar eine Todesanzeige. Wer war gestorben? Unser Herz pochte. Der Name der Absenderin sagte uns nichts, was ja nichts aussagen muss. Wer kennt schon alle nächsten Verwandten von Freund*innen oder Bekannten?

Als wir den Brief öffneten, fanden wir darin die Parte von keiner Geringeren als Friederike Mayröcker! Freilich wussten wir um den Tod der großen Schriftstellerin, aber weshalb wurden wir zu ihrem Begräbnis eingeladen? Wir kannten sie nicht persönlich. Der Brief war tatsächlich persönlich an uns mit vollständigem Namen und Adresse geschrieben. Mehrmals überprüften wir, ob der Brief an uns adressiert ist. Es ist so und in unserem Chaos hatten wir nun diesen Termin der Verabschiedung verpasst.

Wir dachten, dass wir evtl. bei irgendeiner Lesung uns auf einen Newsletter eingetragen haben könnten. Aber da hätten wir nicht unsere vollständige Adresse angegeben, sondern nur einen E-Mail-Kontakt. Vielleicht in Zusammenhang mit unserem Interesse für Literatur? Da bekommen wir mehrere Aussendungen.

Auch wenn es ein großes Begräbnis war mit Anwesenheit des offiziellen Österreich und Ehrengrab, werden doch nicht Leute eingeladen, die in irgendeinem Verzeichnis angeführt sind um Einladungen zu Literaturveranstaltungen zu erhalten?!

Es bleibt ein Rätsel, wie gerade wir zu einer solchen Einladung kommen und dann diese Trauerfeier auch noch verpassen, weil wir nicht in der Lage waren einen Brief rechtzeitig zu öffnen, mit dem wir nicht rechnen konnten.

Wir werden wohl an ihr Grab gehen und im Nachhinein Abschied von einer uns persönlich Unbekannten nehmen.

Es ist, als hätte sie aus dem Jenseits zu uns gesprochen und uns an unser Buch erinnert. Mysteriös und berührend.

Danke Friederike Mayröcker. Auf eine besondere Art sind wir ihr jetzt verbunden.

Leben mit DIS #36: „Warum müssen wir immer arbeiten?“

Wir haben beschlossen, dass wir strukturierter an unseren Projekten dranbleiben wollen und sind ganz beseelt von dieser Entscheidung.

Ein Erfolgsjournal soll uns dabei unterstützen.

Allein ein Innenkind weint und es entspannt sich folgender Dialog: „Warum müssen wir immer arbeiten?“

Das Kind meint damit Hausarbeit, Baugruppe, Arzttermine, also im Grunde alles was so ein Erwachsenenleben ausmacht im Vergleich zu Kleinkindern, die in der Gegenwart und in den Tag hinein leben.

Antwort: „Weil wir erwachsen sind.“

Das Kind versteht es nicht. Es ist ja nicht erwachsen, auch wenn der Körper das ist. Die Tatsache, dass der Körper eigentlich schon ziemlich lange erwachsen ist, ist für das Innenkind fremd. Für das Kind und andere Innenkinder kommen Traumata hoch, als es viel zu früh für den Haushalt verantwortlich gemacht wurde und bestraft wurde oder zumindest gedemütigt wenn es nicht so funktionierte, wie ein geführter Haushalt sein sollte. Und es hatte niemals funktioniert, weil es eine enorme Überforderung war.

Uns Erwachsenen kommt der Gedanke, ob es einfach damals nur eine Schikane war, um einen Grund zu finden uns zu quälen? Es steht für uns ohne Zweifel, dass der Vater ein Tyrann und Sadist war. Dazu würde es passen.

Ich versuche die Antwort zu präzisieren, weshalb wir arbeiten müssen bzw. wollen: „Wir wollen doch alleine in einer Wohnung leben. Da fühlen wir uns sicher(er). Dann müssen wir eben einiges arbeiten, damit wir so leben können.“

Die Tränen hängen dem Innenkind noch immer in den Wimpern. Es schaut traurig.

Wir verstehen, dass wir in unserem Erfolgsjournal die Bedürfnisse der Innenkinder unbedingt beachten müssen. Es muss genügend Zeit bleiben zum in den Himmel schauen oder in die Baumkrone vor dem Fenster und evtl. einen Buntspecht beobachten oder andere Vögel. Es sollten auch andere Bedürfnisse zur Erholung einfließen. Das brauchen wir Erwachsenen auch.

Ja, wir haben Angst vor dem Leben. Das war wieder einmal der erste Satz nach dem Erwachen, den wir im Kopf hatten.

Dann haben wir nachgedacht, worüber wir glücklich und dankbar sind. Und es ist uns manches eingefallen.

Gedanken lassen sich lenken. Davon sind wir überzeugt und haben es schon oft genug praktiziert. Aus Angst vor Veränderung kann Freude über den Erfolg werden, das wissen wir.

Wir gehen weiter ….

Zwischen massiver Überförderung und Glücksgefühl ….

Oder: Über den Wunsch wo dazu zu gehören und sich einzubringen.

Ob es je möglich ist über diesen Blog oder auch in einem Buch tatsächlich vermitteln zu können, was es bedeutet mit komplexen Traumatisierungen zu leben und versuchen zu heilen? Wir zweifeln immer mehr.

Wir denken es kann einen Einblick geben, es kann helfen jene Angst des Unbekannten ein wenig abzubauen und damit eine erste kleine Brücke darstellen zu Menschen, die schwere und schwerste auch sexualisierte Gewalt erlebten oder eher erlitten. Vielleicht kann es auch neugierig machen und für manche das Thema komplexe Traumatisierung überhaupt erst ins Bewusstsein rücken. Das Leben damit, die Hürden und Besonderheiten, die Wünsche und Bedürfnisse, die immer nur unser Leben beschreiben, finden sich bei aller Unterschiedlichkeit dennoch in ähnlicher Form im Alltag anderer DIS-Personen wieder. Wenn uns gelingt das Interesse zu wecken, dann haben wir bereits viel erreicht. Auch wenn wir so viel mehr erreichen woll(t)en. Vor allem möchten wir an dieser Gesellschaft teilhaben als die, die wir sind, auch wenn uns das immer wieder selbst nicht so klar ist. Wenn dieses nach sich Suchen auch einen Platz hätte, das wäre wundervoll.

Eine Beschreibung kann jedoch jene Erfahrung des Kennenlernens und persönlichen Austausches niemals ersetzen, das erkennen wir immer mehr. Das gilt für beide Seiten. Sowohl komplex Traumatisierte, als auch Menschen mit geringen Traumatisierungen ohne langfristige Folgen, können das System (schwerer und schwerster) Traumafolgen nur in der Begegnung begreifen und miteinander wachsen. Wir meinen mit „Menschen mit geringen Traumatisierungen“ die Mehrzahl der Menschen, da wir davon ausgehen, dass es kein Leben ohne die eine oder andere Zäsur gibt, die traumatisch wahrgenommen wird und Nachwirkungen hat.

Dieser über alle Maßen große Wunsch irgendwo dazu gehören zu dürfen, ohne uns verstellen zu müssen begleitet uns auch in der Baugruppe. Nach und nach „outen“ wir uns mit dem Wunsch in Mehrzahl angesprochen zu werden. Das hat mehrere Gründe. Nachdem man uns unser Leid nicht ansieht, ist es eine Möglichkeit etwas zu thematisieren, das sonst unsichtbar bliebe. Zum anderen soll diese Nachbarschaft ein Umfeld sein, in dem wir uns erholen können müssen. Wir können uns dort nicht ebenso verstecken, wie wir es in unserem gesamten Alltag machen mit Ausnahme unserer Therapeutin.

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