Leben mit DIS #1

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Ich habe den Blog online gestellt und gedacht, dass bereits ganz viele Innenwesen integriert sind. Auf alle Fälle sind sie bereits mehrere Jahre im Alltag nicht aufgetaucht.

Ich habe mich sicher gefühlt. Und dann die ersten Texte online. Das interne Chaos brach los. Nachdem ich selten Zeitlücken habe – glücklicherweise – fühlt es sich an, als würden mehrere durch meine Augen durchsehen. Das ist enorm anstrengend im Kopf. Die Augen verengen sich und ich meine, dass ich schiele, aber nicht wirklich. Es fühlt sich an, als ob die Innenwesen aus den Augenwinkeln heraus sehen. Manchmal wirklich eine lange Zeit. Und das Gehirn wird bleiern und dabei wie Watte. (Bleierne Watte, eigenartiges Bild. Es trifft es dennoch.) Ich merkte, dass „mehrere“ auf der Straße gehen, wenn ich unterwegs bin. Was einerseits angenehm ist, weil es sich „ganzer“ anfühlt, anderseits ist es irritierend, da Menschen offenbar merken, dass etwas nicht stimmt? Vielleicht auch Einbildung. Eine kurze Zeitlücke hatte ich auch zu verzeichnen. Plötzlich im Yoga eine Übung gemacht – offenbar – und keine Ahnung davon. (Das war bevor ich beschloss alleine daheim zu üben.) Die anderen in der Gruppe waren erstaunt, als ich die Übung die wir immer machen einforderte. Dabei hatte sie mein Körper gerade eben mitgemacht. Ja, so ist das mit DIS bei mir.

Das Selbstbild, dass ich in den letzten Jahren gewonnen hatte, mit einem mal in Stücke gerissen. Sie sind noch da. Hallo. Die Innenwesen haben ein lautes Erkennungszeichen von sich gegeben und Texte veröffentlicht, die ich so nicht in den virtuellen Raum gelassen hätte. Ich nicht! Ein Innendialog, oder bloß ein Versehen? Haben Innenleute das Ruder übernommen und den Text publiziert, oder doch ich in einem emotionalen Ausnahmezustand? Es ist so einfach, Handlungen, die ich setze aber nicht wirklich dahinter stehe, als Aktion von Innenwesen abzutun. Ist es so, oder spreche ich damit den Innenleuten ihre Existenz ab? Das ist der Grat zwischen normaler oder doch „verrückt“? Ich mag kein exklusives Dasein, im Kuriositätenkabinett. Aber so werden Multiple Persönlichkeiten = Menschen mit dissoziativer Identität (DIS) gesellschaftlich behandelt.  DIS ist eine normale Reaktion auf massive gewalttätige Übergriffe, die zumeist vor dem 3. Lebensjahr beginnen. Also vor einer Zeit, in der Kinder eine eigene Identität entwickeln. Damit zu leben ist irritierend.

„Nicht alle Kinder, die massiver Gewalt ausgesetzt sind, entwickeln eine DIS, aber alle Erwachsenen mit DIS erlebten massive Gewalt ab dem frühen Kindesalter.“

Dieser Satz ist nicht von mir, aber ich erinnere mich nicht mehr, wo ich ihn gelesen habe. (Nehme Hinweise dankend entgegen.) Allerdings findet er sich auch in einem Befundbericht, den ich einmal vom allgemeinen Krankenhaus in Wien ausgestellt bekam, allerdings mit komplizierterem Wortlaut.

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