Beziehungen ohne Gewalt: Ein schwieriger Lernprozess

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Ich muss ordnen, was in meinem Inneren tobt. *switch*, das Gefühl spaltet sich ab, sobald ich es ausdrücken versuche. Das Innenwesen versteckt sich? Betrifft es nicht uns alle? Wurde jemand getriggert?

Seit mehreren Tagen folgt ein Trigger auf den anderen. Vielleicht hätten wir mehrere Beiträge von anderen nicht lesen dürfen. Es ging auf mehreren unterschiedlichen Blogs um Beziehungen, Familie und die Frage ob Menschen die komplex traumatisiert sind Kinder haben sollten. Es waren schwierige Gedanken oder glückliche Darstellungen harmonischer Situationen. Beides triggerte gleichermaßen.

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sexuelle Konditionierung

Am Wochenende hatte ich nach fast einem Jahr wieder Besuch von meinem lieben Neffen. Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag. Groß ist er und im Auftreten schon so erwachsen, obwohl er gerade erst dreizehn geworden ist.

Getrübt wurde der schöne Tag nur durch seinen Vater. Als er sich von seiner Frau trennte, hatte ich meinem Bruder gesagt, dass ich schon sehe, dass sie nicht zusammen passen und dass ich zu ihm stehe, auch wenn die Art wie er sich getrennt hatte nicht in Ordnung war. Und ich fügte an, sobald du jedoch deinen Sohn verletzt will ich nichts mit dir zu tun haben. Tatsache ist, dass er offenbar nicht anders kann, als andere Leute immer wieder zu verletzen. Sein Kind im Besonderen. Ich merke, dass ich meinen Bruder zu hassen beginne. Das ist unfassbar traurig. Er verweigert jegliche Therapie, will nichts von der Gewalt wissen, die auch er erlebte, weil es ihn ängstigt hinzusehen. Stattdessen wird er immer mehr wie unser Vater, lebt seine seelische Verkümmerung aus und kultiviert sie noch, damit ja nichts mehr weh tut. Das Kranke wird für gesund erklärt durch ihn. Die anderen sind falsch. Das ist immer der einfache Weg. sexuelle Konditionierung weiterlesen

Fühlen lernen

Zitternd liegen meine Finger auf der Tastatur. In mir vibriert es. Habe heute zwei Tage nacheinander Pukka-Kräuterkapseln genommen. Wir sind ausgeschlafener als in den letzten Wochen und die Dissoziation geht (dadurch?) zurück, das ist zum Teil kaum zu ertragen. Irgendwo stehen wir zwischen dem Wunsch, dass die Spaltung weniger wird und der Erlösung durch die Spaltung und dem Wunsch, weniger zu fühlen.

Seit einiger Zeit begleitet uns emotionales Kopfschütteln. Die Worte fehlen, nur der Kopf geht kaum sichtbar von rechts nach links und retour. Als wollte ich kontinuierlich sagen: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Tränen und Unwissen, was genau nicht wahr sein kann.

Es gibt ein frühes Kindheitsfoto von mir, als ich im Gitterbett liegend meinen Kopf auf meine Hände stütze. Wenn ich es heute ansehe, sieht es aus, als hätte ich genau dies gedacht. „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder auch „Was geht denn hier ab?!“ Vielleicht auch: „Ich bin im falschen Film, das kann nicht sein!“ Natürlich habe ich als Baby/Kleinkind all dies nicht gedacht, aber das Entsetzen, das Entsetzen von damals ist so nahe. Fühlen lernen weiterlesen

Leben mit DIS #13: „Papa ist tot!“

„Er ist tot. Papa ist tot.“ Diese Worte gehen seit der letzten Therapiestunde in unserem Kopf herum. Werden als Mantra der Erleichterung und Bestätigung immer wieder betont. Selbst wenn es für uns keine Neuigkeit darstellt, schließlich ist er bereits vor über 16 Jahren verstorben, ist es sehr schwierig diese Tatsache wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Das liegt daran, dass es Innenwesen gibt, die noch immer in ihrer Angst vor ihm feststeckten?!!! Darf ich es tatsächlich als Vergangenheit bezeichnen? Es wäre so schön. Eine Erleichterung, die ihresgleichen sucht! Eine sehr hilfreiche Brainspotting Sitzung brachte uns einen entscheidenden Schritt näher an dieses Ziel.

Es war ein Kommentar auf unseren letzten Beitrag, der eine Retraumatisierung und ein Flashback auslösten. Nun, das ist unser Risiko, bei den Themen mit denen ich mich an die Öffentlichkeit wage. Wir hatten überlegt, ob wir die Kommentarfunktion für den Artikel Leben mit DIS #12 ausschalten sollten, da er uns sehr nahe ging und es äußerst schwierig war zu schreiben. Wir haben es nicht getan und ich bin froh darüber. Zum einen herzlichen Dank für all jene stützenden und liebevollen Kommentare, die so gut taten, zum anderen kam da dieser schwierige Dialog, der uns aus der Bahn warf. So stark, dass eine telefonische Krisenintervention mit unserer Therapeutin notwendig wurde. Aber jeder Kommentar, der uns so destabilisieren kann, hat etwas mit uns zu tun. Selbst wenn wir nur nicht erkennen können, dass nicht alles in jenem Kommentar mit mir zu tun hat, sondern auch eine Bearbeitung eigener Schwierigkeiten ist, die mir mitunter übergestülpt werden.

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Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns

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ACHTUNG: Dieser Beitrag kann Betroffene evtl. in einzelnen Passagen triggern! Bitte passt auf euch auf, wenn ihr ihn lesen mögt.


Die Erinnerung ist nicht neu, sie ist nicht unbekannt, aber sie quält mich seit einer Woche.

Gestern haben wir über neun Stunden an einem Beitrag geschrieben und versucht sie in Worte zu fassen und schrieben doch nur darüber hinweg, daran vorbei.

Die Kräuter und der Tee helfen zur Ruhe zu kommen. Das ist wunderbar. Muss ich jetzt schreiben, dass Erinnern wunderbar ist? Im Grunde ist es das, wenn ich zulassen kann, was aus den Tiefen der Verdrängung hervorkommt.

Stress hilft sich nicht zu erinnern. Es ist DAS Mittel um Abzuspalten und zu Verdrängen. Der innere Friede ist damit verknüpft, anzunehmen, was ist, was war.

Darf ich es äußern? Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, vor fast einem Jahr. Es ist wieder soweit. Kurz vor dem Veröffentlichen des Artikels habe ich es erst entdeckt. So wiederhole ich mich etwas, wie sich die Erinnerungen wiederholen. Sie sind wieder da.

Als ich vor Jahren einer „Freundin“ darüber etwas anklingen ließ, verbot sie mir ihr davon zu erzählen. Eine andere Freundin meinte, dass sie es nicht erträgt es zu hören. Entschuldigte sich, aber sie war nach meiner Erzählung zusammengebrochen und hatte nur geweint. Auch meinen Yoga-Lehrer hatte ich schon zum Weinen gebracht, als er mir zuhörte. Danach, daheim. Er hat sich nie beschwert, nie etwas anklingen lassen. Seine Ex-Freundin hatte es mir erzählt.

In Therapie habe ich wohl darüber gesprochen, aber wir kommen nicht an jene Innenwesen heran, die es betrifft. Innenkinder, die ab Ende Oktober mehr und mehr die Kontrolle über den Körper übernehmen. Diese Lähmung ist bereits wesentlich besser als noch vor fünf Jahren, aber sie ist noch immer spürbar. Ihre Schmerzen und ihre Trauer belasten uns Woche für Woche mehr, bis sie am 24. Dezember schließlich alle Schwere, die sie seit Jahrzehnten mit sich tragen im gesamten System „Benita“ verteilen und das Leben prägen. Jahr für Jahr, versuchen sie sich mitzuteilen. Jahr für Jahr geben sie am 7. Jänner auf und verschwinden bis Ende Oktober. Dazwischen ist die Zeit vorbei an der sie leiden. Die Zeit in der es damals geschah. Wie oft geschah es? Wie viele Jahre hintereinander? Ich weiß es nicht.

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Wunder geschehen: „Psychopharmaka“ aus dem Bio-Supermarkt

oder: Über die Kraft der Kräuter – richtig kombiniert und unsere Ablehnung von chemischen Psychopillen

ACHTUNG: Dieser Beitrag ist keine Empfehlung Psychopharmaka abzusetzen oder ärztliche Verordnungen zu ändern. Diese mögen bei anderen Menschen und anderen Krankheitsbildern ihre Berechtigung und Nützlichkeit haben. Für mich sind sie nicht geeignet, was ich auch mit einer Psychiaterin mit DIS-Erfahrung abgesprochen habe. Ich berichte hier nur über meine Erfahrungen und kann keinerlei Empfehlungen für andere Personen erteilen. Im Zweifelsfall ersuche ich euch ärztliche Hilfe einzuholen.

Es war an einem Tag vor etwas mehr als einer Woche, als sich zwei Begebenheiten ereigneten, die etwas in meinem Leben veränderten, das ich vielleicht als Meilenstein bezeichnen könnte.

Ich bin sehr vorsichtig mit solch großen Bezeichnungen. Leben und Heilung ereignen sich in einer Spirale, die sich langsam, ganz langsam nach oben dreht. Immer wieder gibt es Aufschwung und Verzweiflung. Sie wechseln sich ab. Dennoch wage ich diesen Begriff, weil sich quasi über Nacht Großes verändert hat.

Zunächst war dieser Tag als ein schwieriger in meinem Kalender eingetragen. Ein gemeinsames Mitagessen mit meiner Mutter war vereinbart. Dieses verdient es wohl, dass ich extra darüber berichte, weil es sonst diesen Beitrag sprengen würde. Nur so viel an dieser Stelle, ich konnte davor gegen allen Erwartungen tatsächlich für meine Verhältnisse gut schlafen.

Nachdem ich mich von meiner Mutter getrennt hatte, ging ich etwas spazieren. Der Regen hatte glücklicherweise gestoppt und alle Sicherheitsvorkehrungen, die in Therapie für diese Begegnung besprochen wurden griffen gut. Bewegung im Anschluss war einer jener Mechanismen, die helfen sollten das Erlebte gut zu verarbeiten. Ich entdeckte wie angespannt und dissoziiert ich gewesen war und langsam beruhigten sich die Innenwesen im Körper wieder und unser gewohntes Körpergefühl kehrte zurück.

Auch Kraftraining hatten wir uns vorgenommen, da es ebenso hilft Anspannungen abzuarbeiten. Auf unserem Weg zum Fitness-Studio kommen wir an einem Bio-Supermarkt vorbei, in dem wir selten aber mitunter doch einkaufen. Weshalb nicht noch einen Sprung hineinschauen und eine Kleinigkeit mitnehmen, dann haben wir ein anderes Mal weniger zu tragen.

Aha, eine Produktpräsentation nahe des Eingangs. „Pukka“ Tee wurde vorgestellt und zur Verkostung eingeladen. Ich hatte von dieser Firma bereits einmal Kräutertee gekauft und genossen. Ja, ich mag die ausgewählte Zusammenstellung der Kräuter sehr gerne, wie sie Pukka anbietet.

Nach dem anstrengenden Termin, den wir an diesem Tag bereits hinter uns hatten, lenkte die Verkäuferin unsere Aufmerksamkeit auf Tee und Kapseln mit dem klingenden Namen „night time“, welche beide mit unterschiedlicher Zusammensetzung an Kräutern eine friedliche Nachtruhe versprechen. „Es ist auch möglich, diese zu kombinieren, das ist aber viel zu stark.“, meinte die Vertriebsangestellte der Firma. Ich nicke und lächle in mir, „die hat ja keine Ahnung, wie schlecht ich schlafe, gut zu wissen, dass das geht!“

Davor wurde mir berichtet, dass eine Frau sogar ihre Psychopharmaka absetzen konnte, nachdem sie regelmäßig diesen Tee getrunken hatte. Klingt fast unglaublich, aber nachdem ich eine ganz besonders tiefe Abneigung gegenüber Psychopharmaka hege, die Resultat meiner schlechten Erfahrungen ist, war ich zwar skeptisch, aber doch geneigt ihre Worte zumindest einer Prüfung zu unterziehen.

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Leben mit DIS # 11: Wenn die Tränen nicht stoppen …

… bis irgendein Innenwesen im Kopf Worte findet, die helfen.

Genervte Worte höre ich beim Geschirr spülen, das ich unter Tränen verrichte: „Will sie jetzt nicht irgendjemand einmal in den Arm nehmen und trösten!!!“

Nein ICH bin nicht gemeint. Diejenige die Trost braucht ist ein Innenwesen, das die Kontrolle über den Körper hat und aufgrund ihrer Aufregung seit Tagen keine andere mehr ganz heraus kommt. Um den Alltag noch irgendwie zu erledigen, schieben wir uns in Arme und Beine des Körpers, sehen durch die Augen durch, an ihr vorbei, aber die tiefe Verzweiflung und die Tränen sind trotz Ablenkung nicht zu stoppen. Dass es SIE ist, die Trost benötigt höre ich im Kopf, eigentlich fühle ich es mehr und es fühlt sich richtig an. Weshalb die Ruferin es nicht selbst erledigt, bevor sie versucht die anderen aufzurütteln ist einfach erklärt. Sie kommt nicht an die Erschütterte heran!

Aber WELCHE ruft, WELCHE weint?

Es gibt keine Namen für Innenwesen. Obwohl es Unterschriften mit Namen gibt, wenn wir jährlich einen Anti-Suizid-Vertrag bei unserer Therapeutin unterschreiben. Aber ich habe keine Ahnung, wer, wer ist. Ich höre sie, fühle sie, habe selten Amnesien, bei denen ich keinerlei Erinnerung mehr habe. Aber ich kenne die Innenwesen nicht mit Namen und ich kann sie selten unterscheiden.

Ob es daran liegt, dass unser Vater stets unseren Namen als Kind „vergessen“ hat? Wie bitte kann ich als Vater den Namen meiner Tochter nicht erinnern? Nein, er hat ihn nicht vergessen, es war eine seiner Methoden mich zu demütigen und zu zeigen, dass wir keinen Wert haben. Nicht einmal Wert seien, dass er sich meinen Namen merkt. Mitunter sprach er uns auch mit dem Namen meiner Mutter an. Vielleicht waren die Vergewaltigungen so einfacher für ihn, wenn ich entweder namenlos oder aber in seiner kranken Phantasie seine Frau war?!

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„Vererbte Narben“ – Doku zu Traumafolgestörungen über Generationen

Eine liebe Freundin hat mich auf eine sehr interessante Dokumentation hingewiesen, die am 2. September auf Arte lief. Ich mag sie für Betroffene wie Interessierte an den gesellschaftlichen Folgen von Kriegstraumata oder/und häuslicher Gewalt sehr empfehlen.

„Vererbte Narben – Generationsübergreifende Traumafolgen“

Vieles davon wusste ich bereits, da ich mich seit gut 15 Jahren mit der Thematik befasse bzw. als Kind bereits erkannte, dass die Gewalt, die ich erfuhr, nicht aus dem Nichts aufgetaucht war, sondern Zusammenhänge wahrnahm. So tat es einfach gut eine Bestätigung zu erfahren, ging uns aber auch teilweise recht nahe.

Der Film zeigt die neuesten Erkenntnisse auf diesem sehr wichtigen Gebiet auf, wie beispielsweise Traumafolgen bis in die Erbsubstanz nachweisbar sind und zwar von nachweislich nicht selbst traumatisierten Nachkommen. Wobei natürlich das Aufwachsen mit einem traumatisierten Erwachsenen bereits eine Veränderung in der Entwicklung bringen kann. Allerdings geht die Forschung weit darüber hinaus. Manche Tests befinden sich jedoch noch im Stadium von Experimenten mit Versuchsmäusen.

Oft kommt es auch zu einer Vermischung der selbst erfahrenen Traumata mit den evtl. seit Generationen weitergegebenen Leiden, die quasi als Zeug*in/e ebenso im Körper abgespeichert sind. Dies kann bis zu Albträumen gehen über Erlebnisse die Vorfahren erlebten.

Die Dokumentation ist noch bis 9. September auf Arte zu sehen, bzw. wer es nicht schafft, wurde sie dankenswerter weise auch auf YouTube hoch geladen.

„lebendig werden …“ in Zeitschrift an.schläge VI/2017

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Ich fühle mich geehrt. Heißt es. Tue ich es? Gerade eben stresst es mich. Eigentlich freue ich mich sehr. Aber dann sind da noch ∑meine Ansprüche. Jene Ansprüche, die so hoch sind, wie meine Therapeutin uns immer wieder vermitteln versucht und dabei lächelt, weil wir es wieder einmal mit einer Handbewegung vom Tisch wischen. „So bin ich!“, heißt es dann aus unserem Mund. Und wir lachen mittlerweile mit ihr.

Aber jetzt? Was tun?

Worum es geht?

Unser Blog wird in der aktuellen Ausgabe der feministischen Zeitschrift an.schläge VI/2017 erwähnt. ∑Mein Blog als Lese-Empfehlung in einer Printausgabe eines Magazins. Hui, das ist etwas gaaanz Großes für uns.

Am Blog der an.schläge ein Einblick – Bloggen gegen das Tabu.

Ja genau, darum geht es uns – auch. Als wir gefragt wurden, ob das für uns in Ordnung ist, ob wir das wollen, wurden wir auch nach einem Begleittext gefragt, den wir verfassen können. Haben wir auch getan und erbaten uns den Artikel vor der Veröffentlichung lesen zu dürfen. Das gehört so. Also, wir wollten doch wissen, in welchem Zusammenhang wir da genannt werden. Wir gaben unser o.k. – was sonst.

In der erwähnten Ausgabe der an.schläge gibt es den Themenschwerpunkt Psyche & Gesundheit und in Rahmen dessen wird unter anderem dieser Blog vorgestellt.

Wir kennen die Zeitschrift aus unserer aktiveren feministischen Zeit. Es war jene Zeit vor unserer Krebs Erkrankung in der wir die erfahrene Gewalt heilen wollten, indem wir uns für ein Ende der Gewalt in der Gesellschaft über feministisches Engagement einsetzten. Bloß nicht an dem inneren Schmerz anstreifen. Abspalten half und im Kopf bleiben. Nur nicht zuviel fühlen. Denken ging besser, aber nicht gut genug. Unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit durch Flashbacks und Traumafolgen, sowie die Einführung von Studiengebühren zwangen uns zunächst unser Studium der Politikwissenschaft und Frauenforschung abzubrechen. Das war ein außerordentlich schmerzlicher Schritt. Davor hatten wir bereits um Berufsunfähigkeitspension ansuchen müssen. Dann kam die körperliche Krankheit und mit ihr das zurückgeworfen werden auf das verdrängte innere Leid. Seit der Krebs-Diagnose sind über elf Jahre vergangen und unser Leben hat sich in vielen Bereichen geändert. Ich bin feministischem Denken weiterhin verbunden und teile die Linie dieses Magazins. Zudem erwacht mit zunehmender Genesung auch wieder mein Wunsch nach politischem Engagement. Hinsichtlich Krebs gelte ich als geheilt, bzgl. Traumafolgen hat sich in den letzten Jahren vieles zum Positiven verändert. „lebendig werden …“ in Zeitschrift an.schläge VI/2017 weiterlesen

Gedanken – noch immer „Helfer“ und auch Gefühle

Luise Kakadu benennt in diesem Beitrag in ihrer direkten Art das Problem schonungslos. Und weil es so sehr das Wesen des Hilfssystems trifft, wie sie es beschreibt, teile ich es gerne auf meinem Blog.

Weil es eben nicht immer nur möglich ist sich auf das System auszureden und weil es nicht sein kann dass die Opfer alles verstehen und verzeihen müssen. Und es kann auch nicht sein, dass die Opfer eine Verbesserung des Systems erkämpfen müssen!!!

Ich habe immer sehr viel Verständnis, weil es eben nicht anders geht, überhaupt Hilfe zu erhalten, aber es retraumatisiert oft. Auch wenn es sehr wichtig ist die Selbstverantwortung der Opfer einzufordern und zu fördern, aber das passiert oft nicht bzw. nicht so, dass es hilfreich wäre.

Selbstverständlich ist es ein Problem, dass sich Menschen vielleicht einen Hilfsjob viel romantischer vorstellen als er ist. Tatsache ist auch, dass über Trauma und Hilfe für Traumaopfer einfach viel zu wenig bekannt ist. Dass z.B. PTBS erst in den 1980ern erstmals als Diagnose auftaucht. Andere Bezeichnungen gab es davor wohl, aber alle Forschungen bezogen sich auf Kriegsheimkehrer. Vergewaltigung und Gewalt gegen Kinder in der Familie waren davor zwar auch erkannt, aber nicht anerkannt. Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. (Sigmund Freud erkannte das Ausmaß von Gewalt an Frauen, war jedoch so erschüttert, dass er seine Studie umschrieb. Frauen wurden fortan hysterisch genannt.) Es bedeutet, dass die Traumaforschung noch immer fast in den Kinderschuhen steckt.

Die Opfer können dafür aber nichts und ein ehrlicher Umgang mit ihnen auch über das fehlende Wissen bzw. die Angst der Helfer ist eine Frage des Repekts gegenüber der Hilfe suchenden Person.

Bevor ich in Berufsunfähigkeitspension ging, arbeitete ich zehn Jahre mit wöchentlich einer Packung Schmerztabletten, weil der psychische Stress so stark war, dass es ohne tägliche massive Kopfschmerzen nicht ging berufstätig zu sein. Einmal rechtfertigte ich mich wegen eines Fehlers mit: „Das habe ich aber nicht gewusst!“ Mein damaliger Chef antwortete mir darauf: „Information ist eine Holschuld!“

In keinem Beruf in der Privatwirtschaft ist es möglich zu sagen, dass ich etwas nicht wisse und darum die Arbeit schlecht mache oder die Kunden Verständnis dafür haben müssten. Aber Opfer haben eben keine Lobby und sie sind psychisch schwach, besonders wenn sie auf Hilfe dringend angewiesen sind. Und meist haben sie auch keine Angehörigen die in diesem Fall helfend für sie ihre Angelegenheit durchkämpfen. Ich erinnere Gewalt als Kind in der Familie bedeutet, dass die eigenen Eltern Täter sind statt Unterstützung und das zieht sich auch in andere Beziehungen der Opfer.

So jetzt endlich der Text von Luise Kakadu. Herzlichen Dank, liebe Luise für deine klaren Worte, die mich immer wieder unangenehm aufrütteln. Da liegt soviel Kraft in dir. 🙂 ❤

Da ich nur den gesamten Text rebloggen konnte, möchte ich daruf hinweisen, dass der Teil mit der Auseinandersetzung mit Helfenden und dem Hilfssystem erst weiter unten beginnt.

Ab diesem Satz: „Gestern, der Austausch in den Kommentaren mit Isa (weiter unten), gab mir einiges zum Nachdenken.“

 

Missbrauch, Folgen und der Weg

Guten Morgen, ihr Lieben 🙂

Es ist noch keine 12 und ich habe heute schon fast alles fertig.
War schon einkaufen und so gesehen, geht es mir und uns gut.
Sicher – mein Mann wußte heute nicht, ob er wütend werden soll, oder einfach mit mir gemeinsam drüber lachen.

Ich bin maulig, nörgelig und völlig fixiert darauf, jeden Mangel wahrzunehmen; alles, das nicht getan wird oder ist
und darauf, was besser wäre.

Garnicht mal nur auf mich selbst bezogen – sondern irgendwie im Blick auf ein Gemeinsam.
Wer tut was, damit die Arbeit verteilt ist nach Fähigkeiten und Zeitaufwand.
Und wie ist das eigentlich mit der Wertschätzung?!

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