Leben mit DIS #5: Fremde(?) bei meiner Feier!

Jetzt habe ∑ich es also geschafft. 50plus! Es hat sich davor schlimmer angefühlt als nun, wo es Realität ist.

Geburtstage sind schwierig. Sie sind entsetzlich — eigentlich. Was bislang nicht daran lag, dass eine höhere Zahl die körperlichen Verfallserscheinungen legitimiert, sondern daran, dass sie unangenehme Gefühle machen. Wenn ich nicht feiere noch schrecklichere, als wenn ich „feiere“, oder?

MEIN Geburtstag war niemals MEINER! Nein, das liegt nicht an DIS, wo streng genommen doch ganz viele Innenwesen unterschiedliche „Geburtstage“ haben. Das bedeutet, dass Innenwesen eigentlich ihren „Geburtstag“ mit dem Tag ihrer Entstehung hätten. Diese „Erscheinungstage“ sind aber generell mit schwerer Gewalt und Traumata verbunden. Das wirft dann ein noch entsetzlicheres Bild auf die Feier eines „Geburtstages“.

Also weg mit diesem Gedankengang und ∑ich fokussiere auf den Geburtstag des Körpers. Diesen Weg aus dem unwirtlichen mütterlichen Körper in die noch bedrohlichere Welt. Es ist lange her, als ich meine ersten Flashbacks als solche wahrnahm, dass ich erinnerte, dass meine Mutter in der Schwangerschaft in den Bauch geboxt wurde. Zumindest meinte ich schwere Schläge auf den Bauch zu erinnern, in dem ich schwebend und schwimmend meine Tage fristete. Vielleicht kommt diese Erinnerung auch von einem schwereren Autounfall, von dem meine Mutter mir, glaube ich, erzählt hat. War das während sie mit mir schwanger war? In Zeiten als es weder Sicherheitsgurten noch Airbags in laut dröhnenden motorisierten Metallkisten auf Rädern gab. Leben mit DIS #5: Fremde(?) bei meiner Feier! weiterlesen

Brainspotting, Wut, Trigger und warum ich ohne Yoga nicht leben kann oder will!

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Yoga im Garten (Sommerurlaub) – der schönste Ort für Yoga!

Diese Woche hat sich in einer interessanten Abfolge des heutigen Tages quasi entladen. Bemerkenswert wurde diese Woche besonders ab Mittwoch. Da hatten wir in der Therapie unsere erste Brainspotting – Sitzung. Brainspotting als Form der Traumatherapie hat uns interessiert. Ich erspare mir eine genauere Beschreibung der Methode. Bei Interesse bitte dem Link folgen. Nachdem wir vor Jahren einmal in EMDR hineingeschnuppert hatten, hat sich nun Brainspotting ergeben. Wir einigten uns mit unserer Therapeutin auf ein Trauma, das uns belastet, aber nicht zu sehr aufwühlen würde hinzusehen. Sie holte ihren Zeigestab und wir suchten den Punkt im Gesichtsfeld, wo die Erfahrung am meisten spürbar war. Das bedeutet, dass wir dem Zeigestab, den sie von rechts nach links und zurück schwenkte mit den Augen folgten. Als ein Punkt gefunden war, sollten wir Gedanken, Körperwahrnehmungen oder Gefühle äußern, die auftauchen würden. Das ging wirklich gut. Die Situation war gegenwärtig aber nicht angsteinflößend. Die Erinnerung kam, sogar mit Gefühlen dazu, ohne dass wir uns überfordert fühlten. Während des Fokus auf diesen einen Punkt regte die Therapeutin an, wir könnten noch einen zweiten Punkt dazu nehmen, als sich unser Körper unbedingt in eine Richtung neigen wollte und ich so nach links fallend im Sessel saß, mir aber nicht recht erlauben wollte so zu sitzen, da es immer die Devise gab (und scheinbar noch gibt), mir nur nichts anmerken zu lassen, wie es mir geht. Diesen Widerstand so bleiben zu dürfen fand ich in einem zweiten Punkt. Da entwickelte sich ein interessanter Zusammenhang zwischen der Situation, die mit dem ersten Punkt fokussiert wurde und jener mit dem zweiten Punkt.

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Leben mit DIS #3: Hohe Frustrationstoleranz

Hohe Frustrationstoleranz wurde mir stets attestiert. Anscheinend gilt sie bloß im Umgang mit anderen Menschen. Oder vielmehr, wie sich andere Menschen mir gegenüber verhalten. Wie ich reagiere, wenn ich nicht verstanden werde oder wie sehr ich grobes Verhalten anderer ertrage?!

Gegenüber mir selbst scheine ich keinerlei Frustrationstoleranz zu besitzen. Wenn etwas nicht gelingt, ich nicht so funktioniere, wie ich es mir erwünschte. Aber auch wenn andere nicht so funktionieren, kann ich nur nicht zeigen, wie sehr es mich verletzt. Ich kann meine Wut nicht zeigen, meine Wut nicht fühlen.

Es ist nicht tolerant, wenn ich mich selbst verletze, wenn ich selbst oder andere nicht so sind, wie ich es mir wünsche. Wenn sie oder ich nicht so perfekt sind, alles „richtig“ machen, wie ich es erwarte.

Meine mir/uns attestierte Frustrationstoleranz ist ein Verstummen, ein sich nicht wehren können, eine Gefühlsverkrüppelung, die sich nicht anders zu helfen weiß, als zu verstehen. Andere Seelenzustände analysieren, deren Mängel verstehen ist meine/unsere Art uns zu schützen vor deren Lebendigkeit, die mich über alle Maßen ängstigt und überfordert. Selbige Angst überwältigt mich, wenn meine Lebendigkeit aus dem Korsett meines Fühlens hervorbricht. Wenn meine Wut über mich oder andere in mir fühlbar wird, beginne ich mich selbst zu verletzen. Das Verbot meines Vaters, die Bedrohung durch seinen Jähzorn sobald ich Wut in mir fühle. Die stete Angst, dass meine Wut mich tötet, weil die Gewalt meines Vaters nicht einschätzbar ist – weil sein Verhalten jederzeit Totschlag nach sich ziehen kann, wenn ich ihn auf irgendeine Art provoziere. Nein, nicht ich provoziere ihn! Er fühlt sich provoziert. Durch NICHTS. Es ist nicht NICHTS, es sind die gesunden Gefühle eines Babys, durch die er sich provoziert fühlt, die ihn so sehr ängstigen, dass er unwillkürlich und unbeherrscht schlägt und würgt. *) s.u.

Ich habe etwas verstanden. Nach Austausch mit einer verwandten Seele. Ausgelöst durch die Banalität eines missglückten Kuchens, der mich so traurig und wütend machte, dass ich vor mir flüchtete. Meine Gefühle im Computerspiel über Stunden betäubte. Wegen einer Lächerlichkeit. Überbordende Wut auf mich, auf das Kuchenrezept, weil wir die Zutaten für den Kuchen vergeudet haben. Auch das war als Kind verboten. Essen zu vergeuden.

Gezwungen von klein auf aufzuessen, ob es mich ekelt oder nicht. Geschoppt wie eine Weihnachtsgans, wenn ich nicht essen wollte. Wenn ich nicht essen wollte von Menschen, die mir Nahrung lieblos fütterten. Lebensmittel die für mich nicht nährend, sondern ekelhaft schmeckten. Oder schmeckten sie ekelhaft, weil keine Liebe in ihnen war, wenn ich sie serviert bekam?

Ein derart verpatzter Kuchen, der mich überforderte, weil ich ihn nicht essen mochte, es aber keinesfalls geht Nahrungsmittel wegzuwerfen. Selbst wenn es verdorbene Speisen sind, muss ich sie essen.

Ist es ein Flashback? Ja! Es hat mich weiter geführt zu verschüttetem Wissen, verdrängten Ängsten. Unterstützt durch meinen Heiler auf vier Samtpfoten.

Ich befinde mich dzt. nicht in meiner Wohnung. Habe auch das Backrohr schmutzig gemacht. Es war nicht mein Backrohr. Ich sitte Haus, Garten und Kater einer Bekannten. Sie erinnert mich immer wieder an meine Eltern, mit dem Unterschied, dass ich hier lernen kann, mich mit Triggern zu konfrontieren und gegebenenfalls Übergriffe zurück zu weisen. Ähnliche Verhaltensweisen, aber ich darf mich wehren. Das ist eine große Chance für uns. Eine Chance wieder ein Stück zu heilen.

(Anmerkung zum Beitragsbild. Mein geliebter „Heiler“ hier auf der Terrasse meines wunderschönen Urlaubsdomizils, das mir ermöglicht dem Lärm meiner Wohnung und dem Stress der Stadt zu entkommen. Mein Paradies, das hilft Freude und Glück zu lernen. Wieder ein Anlass zu Dankbarkeit.)

*) Mir fiel eben die Gegenwart auf in der ich diese bereits bis zu 49 Jahre alte Begebenheit beschrieb und dass es sich nicht um einen Grammatikfehler handelt, sondern dass ∑ich es scheinbar noch immer so wahrnehme, als wäre es jetzt! ABER es ist Vergangenheit und darf heilen.

Was alles Zeit braucht: Leben mit DIS #2

Oder: Trauma schränkt Ressourcen ein – verlagert sie bloß?

Anfang Mai:

Ein Kommentar einer Therapeutin hat mich verstummen lassen am Blog, ein Kommentar einer anderen Therapeutin hat mich wieder zurückgeholt.

Bin ∑ich so fremd bestimmt?

Es war mir nicht aufgefallen, dass dieser (nicht veröffentlichte – es braucht also niemand zu suchen!) Kommentar mich derart nachhaltig belastet hat. Ich hatte es in der Therapie besprochen und es war erledigt. Dachte ich. Dann heute der liebe Wunsch von therapeutenseele und die Schleusen öffneten sich. Da war ein Gefühl, dass ich evtl. jemandem hier am Blog abgehen könnte. Das ist sicher übertrieben, aber doch eine Nachdenklichkeit? Vermutlich war es wohl Zufall – wenn’s den gibt. Das richtige Wort zum richtigen Zeitpunkt.

Ich bin frustriert. Habe eben fast 2 Stunden an diesem Beitrag geschrieben, dann ist Firefox abgestürzt und hat fast alle mir wichtigen Worte und Sätze in ein Datengrab befördert. Weg. Fort. Ich fasse es nicht. Das müsste doch irgendwo am Server von WordPress liegen. Oder im Arbeitsspeicher. Rekonstruierbar. Ich bin müde wollte eben Schluss machen und jetzt das.

 Am Tag nach dem Verschwinden meiner niedergeschriebenen Gedanken und Gefühle:

Selbstverständlich ist es viel zu einfach, die Belastungen der vergangenen Wochen (plus Altlasten meines Lebens) auf diese beiden virtuellen Begegnungen zu reduzieren.

Unser Leben ist komplex, wie jedes andere Leben. Vieles ereignet sich. Im virtuellen Raum und im Alltagsleben. Mein Dasein also um eine virtuelle Existenz erweitert, braucht diese auch Zeit, Zuwendung, Energie, Kreativität. Und das alles während der Alltag gnadenlos weiter läuft.

 9. Juni 2016

Wieder ist es therapeutenseele, die mich bewegt zu schreiben. Sie hat einem alten Kommentar von mir auf ihrem Blog ein „Gefällt mir“ geschenkt. (Nachträgliche Anmerkung: Es war Lysander, der auf obiger Seite seine „Gefällt mir“ für mich setzte, das habe ich erst jetzt bemerkt.) Das hat mir heute sehr gut getan. Dazu noch der Beitrag von Luise Kakadu, der mir teilweise aus dem Herzen spricht. Das hinaus Gehen wollen, das etwas Bewegen wollen – auch mit dem Schreiben – aber absolut überfordert damit zu sein. Ebenfalls auch mit dem Schreiben hier am Blog. Entweder ich lese andere Blogs oder ich schreibe selbst. Wenn ich andere lese und kommentiere, damit ist bereits unser Kraftpotential ausgeschöpft. Meine Autobiographie zu schreiben, das mir wichtigste Projekt liegt seit einem Jahr auf Eis. Der Blog hätte mich motivieren sollen. Tut er auch, weil ich nicht mehr so einsam bin, aber er kostet mich auch Kraft.

∑Ich bin erschöpft und verzweifelt, weil scheinbar nicht gehen mag, was ich mir so sehr wünsche.

Was alles Zeit braucht: Leben mit DIS #2 weiterlesen

Perspektiven von Muttertag

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Zitat von Hannah Arendt

Der Muttertag hat mich selten so stark getroffen wie dieses Jahr. Vielleicht funktioniert meine Verdrängung nicht mehr so wie früher? Sicher, und es ist Vieles vorgefallen seit letztem Jahr. Begebenheiten, die ihre Auswirkungen auf meine Wahrnehmung von Muttertag  heuer intensivierten. Vor allem er scheint diesmal kein Ende zu nehmen.

Vor einer Woche mein bislang letzter Trigger zum Ehrentag der Mütter.

Ich war auf der Buchpräsentation einer lieben Freundin. Sie hat ihre Erfahrungen mit dem Verlust ihrer Tochter zu Papier gebracht. Keine Ahnung woran wir bei der Vorbereitung auf diesen Abend gedacht hatten? Vor allem nicht daran, dass uns die Lesung so derart treffen könnte. Obwohl? —  Genaugenommen wäre dies vorhersehbar gewesen.

∑Ich hatte mich bloß mit ihr gefreut, dass sie es geschafft hatte alles niederzuschreiben. Wie sie aus der Trauer gewachsen war. Dass sie einen Verlag gefunden hatte. Und dann die Präsentation getragen von ihren vielen Talenten: Gesang, schauspielerische Lesung und die eigenen Texte. Irgendwie war ich auch stolz gewesen, eine derart begabte Frau Freundin nennen zu dürfen. Gut gemacht und ich vergönne es ihr, aber da war dieser Stich. Mein Schmerz mit meiner Geschichte in der der Verlust eines Kindes nur einen Bruchteil der schlimmen Erfahrungen meines Lebens ausmacht. Einen sehr belastenden, aber eben bloß ein Teil und nicht die Zäsur meines Lebens. Oder doch auch. Eine Zäsur von mehreren!  Ich bin verwirrt, verletzt. Es ist etwas aufgerissen, das ich dachte besser verdrängt zu haben. Denn verarbeitet habe ich es nicht. Noch immer nicht. Nach  33 Jahren.

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Stillhalten?: Wenn’s genug ist!

Habe Angst zu schreiben. Tue es dennoch. Um die Furcht zu besiegen? Vielleicht ist es unvernünftig?

„Es ist gefährlich!“, hallt es von innen. Ja, das ist es. Bloggen ist auch gefährlich, weil es viel auslösen kann, aber nicht nur.

Balanciere zwischen zwei Wolkenkratzern – wohl gesichert. „Lieber auf die nächste Therapiestunde warten und inzwischen untertauchen?“  Wir sind auf Tauchstation seit der Debatte um „Leben mit DIS#1a“. Wir fürchten uns weiterzuschreiben.

Innen hat es Vieles ausgelöst, das noch nicht verarbeitet ist, ja nur teilweise eingeordnet. Ich denke, ich muss weiter tun um nicht wieder in mein Muster zu flüchten zu verfallen.

Unter Angst dann den nächsten Beitrag publiziert. Mich gut gefühlt. In der Nacht einen Text zu den inneren Auslösern geschrieben – noch unvollständig. Für uns. Für die Therapie. Ein verletzender Kommentar zum zuletzt veröffentlichten Artikel am nächsten Tag. Vermutlich Unverständnis, vielleicht gut gemeint. Der wackelige Boden wird unter den Füßen weggezogen.

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Leben mit DIS #1a

mit Gedanken zu H.C.Rosenblatts These im Umgang mit eigenen Opferschaftserfahrungen

In meinem Beitrag „Leben mit DIS #1“ brachte ich gegen Ende ein Zitat von Hannah C. Rosenblatt.

Dieser Beitrag im Gesamten, wie auch der Ausschnitt den ich in meinem Text verlinkte beschäftigten mich lange. Eine stichwortartige Replik auf den Beitrag lag bereits nach Kurzem in meinem Ordner für Entwürfe. Die gelesenen Worte hatten mehrere in meinem System getroffen. Von ganz jung bis zum aktuellen Alter war für viele Innenpersonen etwas dabei und das in einer für mich damals aufgewühlten Grundstimmung.

Die Koinzidenz aus Leseerlebnis und labiler Gemütslage, auch durch eine vielleicht zu gut gemeinte Kombination von Yoga, Klangschalen und anderen meditativen Techniken, sowie zusätzliche familiäre Probleme, taten das Ihre um mich lange an den Inhalt zu binden. Einige Tage machten wir nahezu nichts anderes, als zu versuchen Ordnung in Gedanken und System zu bringen. Wir lagen viel und dachten, räumten in der Wohnung herum, meditierten und versuchten uns abzulenken – das war es dann schon. Und wir weinten viel, sehr viel.

Was aber hatte uns so mitgenommen? Nun lässt sich wie oben beschrieben unsere Verfassung keinesfalls nur auf den gelesenen Beitrag zurückführen. Dennoch erkannten wir, dass in Inhalt und Schreibweise Trigger für unterschiedliche unserer Lebensphasen verpackt waren. Zugleich inspirierte uns der Gedankengang sehr und wir hatten Spaß an der intellektuellen Auseinandersetzung. Das machte es so schwierig zu erkennen, dass der Beitrag triggerte und wo.

Wir möchten hier nochmals nachdrücklich klarstellen, dass es alleine in unserer Verantwortung lag, dass wir uns nicht aus dem Sog, den das Lesen für UNS auslöste distanzieren zu können. Wir hätten uns dem Inhalt zu einem anderen – stabileren – Zeitpunkt widmen können.

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2. Geburtstag – Alter: 10 Jahre

und damit meine ich kein Innenkind.

Zum Bild: Besser das Leben hängt am eisernen Faden statt am seidenen.

Heute vor 10 Jahren hatte ich meine Krebs-Operation. Damals wollte ich nicht mehr. Wir wollten nicht mehr. Wir wünschten uns ein Ende des Leides und meinten damit ein Ende zu leben. Denn anders hatten wir keine Vorstellung davon, dass das Leid beendet werden könnte.

Dann kam die Diagnose. Eierstockkrebs. Ich sollte sofort operiert werden. Das sofort war binnen 6 Tagen. Und dann im Spital. Wir wollten leben. Damals im Angesicht des Todes war es uns unvorstellbar, nicht mehr zu sein. So viele Ideen hatten wir noch nicht umgesetzt. Der Plan unser Buch zu schreiben war bereits viele Jahre davor entstanden und noch nicht verwirklicht. Und nicht einmal ein halbes Jahr davor hatten wir unseren Neffen kennengelernt. Er war zum Zeitpunkt der Operation etwas über ein Jahr alt. Wir hatten noch nicht gelebt, wie konnten wir da bereits sterben? Wir waren so tapfer im Spital und so mutig. In diesem Moment war es der Mut der Verzweiflung gewesen, der keine Ruhe lässt nachzudenken. Denn Zeit zu überlegen hätten wir möglicherweise gehabt, wenn uns bewusst gewesen wäre, dass wir uns diese nehmen können.

Hier griff sofort ein frühes Überlebensmuster. In der Organisation und Bewältigung existenzieller Krisen bin ∑ich geeicht. Da gibt es keine Schockstarre, keinen Moment der Überlegung, wie es weitergehen soll. Dafür war nie Zeit gewesen, als ich Kind war. Es musste gehandelt werden – sofort, andernfalls wäre ich gestorben. Vor zehn Jahren, in meinen späten 30ern hatte ich dieses Muster noch nicht abgelegt. ∑Ich hoffe von Herzen nicht herausfinden zu müssen, ob ich noch immer so handeln würde. Aber es gibt Sicherheit, diese Fähigkeit in sich zu wissen, in politisch und gesellschaftlich unsicheren Zeiten, wie den momentanen.

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Bloggen, Trigger und Lernen

Der Schock, der durch das Bloggen an die Oberfläche drängte ist noch nicht überwunden, aber …

∑ich lerne sehr viel (auch) im virtuellen Raum.

Darüber, dass es auf anderen Blogs Trigger für mich geben kann, die keinesfalls auf den ersten Blick erkennbar sind.

∑Ich lerne, dem/der  Autor/in des Textes dafür keine Verantwortung über zu wälzen, da die Person beim besten Willen nicht wissen kann, was mich triggert und was nicht und in diesem Moment wohl gar nicht anders schreiben kann, als sie schreibt.

Darüber wie sehr Menschen einander verletzen, ohne es zu wollen. Egal, ob Gewalterfahrung oder nicht. Egal ob vielleicht ähnliche Geschichte oder nicht. Auch ich bin davor nie gefeit.

Ich lerne, dass der Beitrag dennoch inhaltlich sehr interessant und hilfreich für mich sein kann.

∑Ich lerne, immer mehr bei mir zu bleiben, oder immer schneller wieder zu mir zu finden. Bewusst atmen, trotz Schmerzen und aus der Irritation heraus und Hilfe suchen, wenn nötig.

Darüber, was ich noch alles lernen muss, über das Schreiben.

Ich lerne mir/uns Zeit zu geben, damit umzugehen und weiter zu machen, sobald ich dazu bereit bin.

Ich lerne mich weiter zu analysieren und meine Position in dieser Gesellschaft. Aber auch die Gesellschaft in der ich lebe.

Darüber, zu mir/uns zu stehen, wie auch immer es ankommen mag.

Ich lerne, dass ich puncto Integration noch (lange?) nicht dort bin, wo ich dachte bereits zu sein.

Darüber, dass meine Art zu leben vermutlich ein Minderheitenprogramm ist.

Ich lerne uns zu lieben und dankbar zu sein, dass ∑ich die Fähigkeit besitze, diese Lernerfahrungen zu machen.

ICH/WIR LERNEN, ALSO LEBEN WIR.

 

positives Chaos im System

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Seit Montag geht es intern rund. Ich habe meinen Blog online etwas bekannter gemacht und neue Follower gefunden.

Mein Herz schlägt bis zum Hals. Diesen Schritt in die unbekannte Öffentlichkeit zu gehen habe ich nun schon lange vor mir her geschoben. Komisch, dabei bin ich ja sonst nicht mehr so ängstlich, wenn ich über mich erzähle. Allerdings kann ich in einem persönlichen Gespräch spüren, was und wieviel ich von mir preisgebe. Ich/wir kann/können die GesprächspartnerInnen einschätzen, die Atmosphäre wahrnehmen und danach handeln. 

Beim Schreiben im virtuellen Raum habe ich scheinbar keine Kontrolle über das Geschehen – so ∑mein Gefühl (das Summenzeichen vor einem Pronomen bedeutet hier, dass das gesammte System betroffen ist und ein Zusammengehörigkeitsgefühl besteht. Das „wir“ ist in diesem Fall für uns unpassend.). Die vollständige Kontrolle über das Geschehen in meinem Leben zu bewahren ist scheinbar noch immer beruhigend, selbst wenn es ein Trugschluss ist. Das Leben ist nicht kontrollierbar, auch meines nicht und das ist gut so, denn einige Heilungen haben sich erst durch das Wagnis die Kontrolle aufzugeben einstellen können.

Nicht ∑ich bin es, die sich verstecken muss, es sind die Gewaltverbrecher, die uns all dies antaten. Wenn es um Vergewaltigung geht ist eben leider nicht nur das Persönliche politisch, sondern sogar das Intime.

Das Überlebensmuster der Kontrolle möchte ich aber durchaus wertschätzen. Als (Klein-)Kind war es für uns unumgänglich die Situation und damit unser Verhalten dahingehend zu kontrollieren, dass wir im richtigen Moment switchen oder untertauchen konnten. Heute lerne ich zwischen Kontrolle und Vertrauen zu unterscheiden. Ich/wir können nicht alles kontrollieren, das schränkt mich auch ein. Die Kontrolle loszulassen und dem in mir wohnenden Heilungswillen (ist das die Heilkraft des Universums, von Gott, oder wie auch immer es genannt werden mag, oder sind das unterschiedliche Bereiche?) und der Fähigkeit zu genesen zu vertrauen und natürlich auch etwas dafür zu tun hat für mich sehr viel „wunderbares“ ermöglicht. … Über meinen Weg mit einer unvollständigen(?)  DIS und was mir hilft an anderer Stelle. …  positives Chaos im System weiterlesen