Geteilt: Warum wir oftmals weder Empathie noch Hilfe bekommen – Traumaheilung

Hier ein ganz wichtiger Beitrag von Dami Charf den wir sehr gerne teilen möchten. Das ist im Grunde DIE alltägliche Erfahrung in unserem Leben seit Jahrzehnten. Solange wir NICHT darüber sprechen, was wir erlebten, wie es uns geht, sind Menschen in unserem Leben. Wenn wir aber „gesehen werden“ als Voraussetzung für eine Freundschaft festlegen, wären bzw. sind wir sehr einsam, weil dann selbst wenige, die bleiben obwohl sie von der Gewalt hören wegfallen müssten?!

Allerdings wissen auch wir, dass wir mitunter nicht hinhören können und abweisend reagieren, wenn eine Erzählung von einem Schicksal uns zu nahe geht.

Und bitte, vor allem jene Freundinnen, die hier lesen sind nicht gemeint, weil sie sich tatsächlich versuchen einzulassen.

Dami Charf sagt, dass Kinder, die sexualisierte Gewalt erlebten noch vor wenigen Jahren zumindest ca. 7 Leute ansprechen mussten, um Hilfe zu erhalten. In den 1970ern und frühen 1980ern war es nahezu unmöglich Hilfe zu erhalten. Vielleicht ist es diese Erfahrung, dass wir alleine gelassen wurden, die hier noch so tief in uns steckt. Dieser abgrundtiefe Schmerz auch außerhalb dieser gefährlichen Familie keine Rettung zu erhalten.

Hier der Text und das Video von Dami Charf:

https://traumaheilung.de/warum-wir-keine-hilfe-bekommen/

Leben mit DIS/DDNOS #25: Retraumatisierung, Scham und Verwirrung

Es war der 78. Geburtstag unserer Mutter. Wir hatten seitdem die Wohnung der Großtante geräumt war unsere Mutter nicht mehr gesehen. Es war der Plan, dass wir nach der Verlassenschaft das auf einander treffen wieder auf das gewohnte, einigermaßen erträgliche Maß von einmal jährlich zurückstufen werden.

Und nachdem wir ohnedies nicht viel mit ihr sprechen können, ohne in Streit zu geraten, war es uns lieber uns der Familienfeier mit meinem Bruder und dessen Familie anzuschließen, wenn sie zu Besuch fahren. Soweit ein kluger Plan, der auch einigermaßen zu gelingen schien. In größerer Runde bleibt jedes Gespräch so schön an der Oberflächlichkeit und im Grunde ist es ohnedies für alle ein Pflichtbesuch. Gerne und von Herzen fährt dort niemand hin. Wir sind alle käuflich. Die Mutter zahlt allen ein Jahr dafür, dass sie irgendwann Besuch bekommt bzw. dass der Kontakt nicht ganz abreißt und um sich selbst vorlügen zu können, dass sie eine gute Mutter war und ist. Sehr traurig und ich bekäme lieber Liebe als Geld, aber die hat sie nicht anzubieten. Vielmehr geht es ihr wohl darum den Schein zu wahren und darauf zu dringen endlich die ersehnte Absolution von ihren Kindern zu erhalten, ohne jedoch einzusehen, dass sie Fehler gemacht haben könnte. Und so sind die Treffen ein Absitzen der Zeit, ein an einander vorbei reden oder von einer Oberflächlichkeit getragen, die kaum zu ertragen ist, nur um heikle Themen zu umgehen.

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Die Ware Frau

Diesen sehr wichtigen Beitrag über die Notwendigkeit eines Verbots von Prostitution möchte ich hier sehr gerne teilen.

Wir können all dem nur zustimmen. Vielen Dank liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge für diese kluge Analyse und eure klare Positionierung!

über Die Ware Frau

Zurück in „meinem“ Leben?!

 

 

Ein Loch in der Wand und eine renovierungsbedürftige Wohnung sind geblieben von dem Ort, den meine Großtante 45 Jahre bewohnte.

Anfang Februar habe ich die Wohnung an die Hausverwaltung zurück gegeben. Seit dieser Zeit versuche ich langsam wieder Fuß zu fassen in ∑meinem Leben, obwohl es weiterging wie zuvor, war doch vieles anders geworden.

Einen Monat, höchstens zwei dachten wir würde uns die Verlassenschaft unserer Großtante in Anspruch nehmen. Daraus geworden sind dann über ein halbes Jahr Arbeit, die uns zum Teil weder Zeit noch Kraft für anderes ließ. Und noch sind wir nicht ganz fertig. Ein halbes Jahr in dem wir unsere Mutter mitunter einmal wöchentlich gesehen haben, was eine Ausnahmesituation für uns darstellte. Der Kontakt zu unserer Mutter ist im Normalfall auf ein Treffen jährlich beschränkt, was gut für uns war. Es galt ihre Angriffe zurück zu weisen, was uns gut gelungen ist. Und als das Thema Gewalt in der Kindheit als Gesprächsthema endlich ausgespart wurde, weil ich sonst den Kontakt nicht halten hätte können, war es sogar ein brauchbares Arbeitsklima. Ja, ein Arbeitsklima und nicht mehr, aber zumindest dieses. Die Aussicht Geld für ∑meine neue Wohnung zu erwirtschaften gab uns viel Kraft.

Es kamen irgendwo auch Innenwesen hervor, die Mama ganz gern haben, was für alle anderen belastend war. Wie auch immer, wir haben etwas geleistet, das uns viel Selbstvertrauen gab. Selbstvertrauen, das enorm gelitten hat, seit wir in Berufsunfähigkeitspension sind. Es war eine Zeit, die anstrengend und stressig war, in der wir meist über unsere Grenzen gingen, aber es war auch fast Urlaub von uns selbst. In Therapie ging es meist um Stabilisierung, um die Aufgaben so gut es ging zu bewältigen. Traumatherapie hatte hier keinen Platz. Das war eine große Belastung und zugleich erholsam. Ein halbes Jahr in der Gegenwart leben und nicht in der Vergangenheit herumstochern hat etwas sehr erdendes. Obwohl dies auch nicht stimmt. Mit den Habseligkeiten der verstorbenen Großtante konfrontiert, kam es ebenso zu einer Konfrontation mit der Vergangenheit. Es kam zur Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb hat sie uns nicht geholfen, wo war sie und letztlich zu einer Versöhnung mit ihr.

Es tat einfach gut gebraucht zu werden. Es war eine Zeit, in der ich tatsächlich Anerkennung in meiner Familie erlebte, was für uns einem Wunder gleichkommt. Unsere Mutter wusste, dass sie es nicht geschafft hätte, diese Verlassenschaft abzuwickeln. Ich habe ihr dieses Erbe ermöglicht. Wer war bzw. ist dieses ICH, die dies mitunter souverän erledigt hat?

Da war ein Innenwesen, das uns fremd war? Oder doch nicht? War sie es, die früher berufstätig war? Tatsache ist auch, dass wir uns derzeit gespaltener erleben als vor dieser Tätigkeit. Vielleicht weil Innenwesen, die in den Tiefen des Körpers schlummerten aktiv werden mussten? Gibt es welche, die in unserem von Therapie und Selbstbespiegelung geprägten Alltag keinerlei Aufgaben haben, oder denken keine Aufgaben zu haben? Wollen sie von diesem erforschen der Seele einfach nichts wissen?

Während dieser Phase der Räumung hatte unser Leben einen Sinn. Es war so einfach allen unsere Erschöpfung zu erklären und wir konnten einfach darüber sprechen was wir täglich erlebten. Wir waren Teil einer Gesellschaft zu der wir sonst wenig Zugang haben. Jetzt haben wir wieder einen Job, der psychisch um so vieles anstrengender ist, als jener eine Verlassenschaft abzuwickeln, vor allem deshalb, weil unsere Therapie-Arbeit meist nicht geschätzt oder verstanden wird. Und wir leben wieder in größerer Isolation. Wie unser Alltag aussieht, kann nur mit Vorsicht vermittelt werden.

Dass wir diese Verlassenschaft jedoch abwickelten und die Traumafolgen dieses halbe Jahr verdrängen mussten und wieviel Anstrengung das kostete, konnten wir auch nur wenigen ausgewählten Personen erklären. Diese besonderen Freund*innen und die Therapie waren es auch, die uns halfen diesen Job zufriedenstellend zu erledigen. Dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar.

∑Mein Leben geht so sehr bergauf. Wir haben schon viel erreicht.

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One billion rising 2019 in Wien

Jedes Jahr am 14. Februar – am Valentinstag finden seit 2012 weltweit Flashmobs gegen Gewalt an Frauen statt. Bereits vor einigen Jahren bin ich auf One billion rising aufmerksam geworden und ich finde die Idee mit tanzen gegen Gewalt aufzutreten nur wunderschön. Tanzen gibt so viel Kraft und Lebensfreude und genau daran mangelt es ja nach dem Erleben von sexueller Gewalt besonders.

Endlich hatte ich wieder Zeit und Kraft und bin zur Veranstaltung gefahren.

Bei einem kurzen Statement erzählte Aiko Kazuko Kurosaki, die seit nunmehr sieben Jahren die künstlerische Leitung und auch Gesamtkoordination von One Billion Rising in Wien innehat, dass ihr vor allem an Tanz gegen Gewalt an Frauen gefällt, dass betroffene Frauen wieder lernen können ihren Körper wahrzunehmen und zu bewegen. Die Kundgebung ermöglicht ein gesehen werden in der Öffentlichkeit auf eine positive Art. Dem kann ich nur zustimmen. In vielen Ländern ist Frauen tanzen im öffentlichen Raum überhaupt verboten. Der Tanz „break the chain“ tritt kraftvoll dagegen auf. Musik und Text schenken so viel Mut, Kraft und Glücksgefühle, dass ich mich frage, weshalb ich nicht jedes Jahr dort bin. Immer wenn ich dort bin (es war erst das zweite Mal), denke ich dass ich mich dort gerne engagieren würde. Mithelfen, dass OBR weiter bestehen kann.

Derart wichtiges Engagement zu unterstützen, das den von Gewalt betroffenen Frauen Kraft und Mut schenkt und wichtige Aufklärungs- bzw. Öffentlichkeitsarbeit macht ist unserer Regierung nicht wichtig. OBR wurden für 2019 sämtliche Fördergelder seitens des Bundes gestrichen. Ebenso wurde die langjährig positive Zusammenarbeit von Polizei und Frauenschutzorganisationen im NGO Bereich derzeit ersatzlos beendet. Ein neues Konzept wurde von der Regierung versprochen. Die Helferinnen, die langjährige Erfahrung haben, welche Hilfe von Gewalt betroffene Frauen dringend benötigen, haben keinerlei Zusage, dass sie dabei eingebunden werden.

Obwohl die Anzahl der Frauenmorde hierzulande in diesem noch sehr kurzen Jahr wirklich nur noch erschreckend ist, ist unserer Regierung scheinbar der Schutz der Frauen nicht so wichtig. Wichtiger ist es, den Strafrahmen für Täter zu erhöhen mit dem Wissen, dass selbst der bereits aktuell bestehende Strafrahmen nicht ausgeschöpft wird, da die wenigsten Gewalttäter verurteilt werden. Und ohne die Frauen zu unterstützen, die Gewalt erlitten, werden sie auch nicht angezeigt werden. Dieses frauenfeindliche Verhalten und die Doppelmoral bei Gewalt gegen Frauen unserer Regierung regt mich enorm auf.

Hier gute Artikel dazu:

https://derstandard.at/2000097907691/Aktionstag-gegen-Gewalt-an-Frauen-Kritik-an-Regierungsplaenen

https://kurier.at/leben/wieso-maenner-angst-vor-psychologischer-beratung-haben/400385240

Zurück zu dieser wunderbaren Kundgebung am 14.2. Vor dem Tanz gab es eine künstlerische Intervention, bei der Gewalt an Frauen und deren Folgen durch blutrot bemalte Frauenschuhe und Tänzerinnen dargestellt wurde. (siehe die wenigen Fotos oben, die ich machte.) Leider kann ich mein Video nicht hochladen, darum habe ich auf You Tube einige schöne Videos vom Tanz „break the chain“ herausgesucht.

Es gibt noch unzählige andere und alle sind auf ihre Art wunderschön und kraftvoll. Einfach „One billion rising“ im Suchfeld eingeben.

Hier ein Flashmob in San Francisco, der mich aufgrund der Menschenmenge begeistert. So könnte es auch in Wien und anderen europäischen Städten aussehen. Leider waren wir viel zu wenige bei der Kundgebung.

Hier der wunderschöne Text:

Eine deutsche Version von „break the chain“:

 

One billion Rising Österreich:

https://1billionrising.at/rising-vienna/rising-2019/

(hier findet sich auch die Möglichkeit zu spenden, um diese heilsamen Veranstaltungen weiterhin durchführen zu können! – Wem immer es möglich ist. – Danke!)

https://www.facebook.com/OneBillionRisingAustria/

https://www.youtube.com/channel/UCRPktp6uSpvwzf_9gE6M4Gg/featured

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

 

 

Ein Abschied mit Schmerzen

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Letzte Woche kam es zu einem Eklat. Ja, es stimmt, ich wollte einen Blog bereits länger nicht mehr wirklich lesen. Ja, vielleicht bin ich ein ekelhafter, falscher Mensch. Belüge alle, spiele Dinge vor. Vielleicht ist mein freundlich sein nur aufgesetzt. Ich sehe es nicht so. Ich bemühe mich Menschen nicht zu verletzen. Aber es geht nicht niemals verletzend zu sein, auch wenn es ungewollt ist. Ich bin eben auch ein Mensch und nicht perfekt.

Ich hatte einfach tatsächlich solche Angst vor dieser Frau, die den Blog schreibt, weil ihre immer wieder so derbe Sprache bei uns soviel triggert. Und diese Angst war uns nicht bewusst. Erst seit diesem Vorkommnis, erkennen wir langsam den Hintergrund. Unser Vater, der uns enorm viel (sexualisierte und andere) Gewalt antat, hatte eine solche Sprache. Ja, es tut uns nicht gut, dies zu lesen. Ich verstehe es nicht, weshalb jemand so über Menschen schreiben oder sprechen muss. Ich verstehe auch nicht, weshalb sie so über sich selbst schreibt. Immer wieder sich selbst abwertend und verstärkend, was ihr andere immer und immer gewaltsam antaten.

Aber sie tut es und es tut uns weh, es zu lesen. Vor allem, weil sie es so möchte. Weil es ihr offenbar hilft, so zu schreiben. Viele Kommentare und auch immer wieder Debatten hatten wir in den vergangenen fast 3 Jahren dazu geführt. Sie ist so. Dabei kann sie sehr zärtlich sein. Sie kann kluge, liebevolle zarte Beiträge schreiben, die ans Herz gehen. Sie schreibt intelligente, feinfühlige Kommentare. Es irritiert uns. Es beutelt uns hin und her. Was ist gemeint? Ich jedenfalls hätte ihr schon lange nicht mehr folgen sollen. Vielleicht hätten wir ihr von Anbeginn nicht folgen sollen? Dieses hin und her gerissen werden ….. Es gibt einfach Menschen, die kann ich nicht verstehen, selbst wenn ich mich bemühe. Da ist auch dieses Gefühl es nicht richtig machen zu können. Das ließ uns nicht gehen. Es ist wie ein Rätsel, das ich glaube lösen zu müssen und nicht aufgebe, bis ich es geschafft habe. So sind wir. Oder ist es ein Versuch, die Ohnmacht zu ignorieren, wenn ich mir nicht eingestehe an einer Aufgabe zu scheitern, die ich mir stelle? Ist es Überheblichkeit zu glauben, dass ich verstehen könnte, wenn ich mich nur bemühe? Das war das Motto unserer Kindheit. War es in diesem Fall nur eine Erinnerung an die Ohnmacht unserer Kindheit; die uns diesem Blog folgen ließ? Im Grunde wissen wir bis heute nicht, wie wir in der Kindheit etwas richtig machen hätten können? War es schlicht ein ewiges Flashback diesen Blog zu lesen? Oder bloß ein Trigger? Unsere Therapeutin meint oft, dass es nicht nötig ist, alles zu verstehen, was andere Menschen bewegt. Wir versuchen das zu lernen, aber irgendwie ist es in uns, verstehen zu wollen. Das gibt uns Sicherheit.

Als wir damals ihrem Blog folgten, hatte uns ihre Herkunft, ihr Lebensweg interessiert. Und wir hatten relativ zeitgleich mit dem Bloggen begonnen. Sodass, es noch wenige Follower für mich gab und noch wenige Blogs, die ich las. Es interessierte uns also der Zusammenhang zwischen sexualisierter Gewalt an Kindern und Prostitution. Da habe ich mich wieder gefunden, in den ganz frühen Erfahrungen, als wir als Kleinkind verkauft wurden. Diese sexualisierte Gewalt, die wollten wir vielleicht verstehen dadurch. Das Milieu verstehen, verstehen, warum sich Menschen andere Menschen kaufen um sexuelle (?) Befriedigung zu erlangen. Oder was es bedeutet, dass es Männer gibt, die sich andere Menschen kaufen um über sexuelle Handlungen ihr Minderwertigkeitsgefühl und ihre eigene Ohnmacht zu vergessen, indem sie sich anderer ausgelieferter mehrheitlich Frauen und Kinder als Sexsklaven bedienen.

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Alarmierend: Zu wenig Frauenrechtswissen bei Jugendlichen

Gerade weil sich bei mir so enorm viel tut, kommen wir nicht zum berichten. Die Verlassenschaft nach meiner Großtante fordert viel Kraft und schenkt zugleich viele Erkenntnisse.

Ich freue mich darauf Zeit zu haben darüber schreiben zu können.

Inzwischen habe ich eine arlamierende E-Mail der NGO SOS-Mitmensch erhalten. Beim Wissen um Frauenrechte und deren Übertretung und wo Mädchen und Frauen Hilfe bekommen im Anlassfall besteht großer Verbesserungsbedarf!

https://www.sosmitmensch.at/action/mlr/pv?&idx=453078&cid=142&uid=56761&sid=1&cks=e69485be

Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren!

Das Thema Scham spielt derzeit eine sehr große Rolle in unserem Leben. Also eine bewusst sehr große Rolle. Denn latent vorhanden und behindernd ist dieses Gefühl kontinuierlich. Es ist so sehr mit uns verbunden, dass es schon als Teil unseres Selbst, als Charaktereigenschaft von ∑mir empfunden wird.

Dass Scham generell an die Oberfläche tritt und dann noch hinterfragt werden darf, hat bereits einen Aspekt von Heilung, denn im Normalfall ist sie einfach da – von früh bis spät, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Oder eben nicht da, denn es geht darum, sie so gut als möglich zu verstecken. Nur nichts anmerken lassen bedeutet verdrängen oder abspalten. Was vor allem im näheren Kontakt mit anderen Menschen mitunter sehr schlecht funktioniert und dann wieder einen Grund gibt, sich zu schämen. Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren! weiterlesen

„Vererbte Narben“ – Doku zu Traumafolgestörungen über Generationen

Eine liebe Freundin hat mich auf eine sehr interessante Dokumentation hingewiesen, die am 2. September auf Arte lief. Ich mag sie für Betroffene wie Interessierte an den gesellschaftlichen Folgen von Kriegstraumata oder/und häuslicher Gewalt sehr empfehlen.

„Vererbte Narben – Generationsübergreifende Traumafolgen“

Vieles davon wusste ich bereits, da ich mich seit gut 15 Jahren mit der Thematik befasse bzw. als Kind bereits erkannte, dass die Gewalt, die ich erfuhr, nicht aus dem Nichts aufgetaucht war, sondern Zusammenhänge wahrnahm. So tat es einfach gut eine Bestätigung zu erfahren, ging uns aber auch teilweise recht nahe.

Der Film zeigt die neuesten Erkenntnisse auf diesem sehr wichtigen Gebiet auf, wie beispielsweise Traumafolgen bis in die Erbsubstanz nachweisbar sind und zwar von nachweislich nicht selbst traumatisierten Nachkommen. Wobei natürlich das Aufwachsen mit einem traumatisierten Erwachsenen bereits eine Veränderung in der Entwicklung bringen kann. Allerdings geht die Forschung weit darüber hinaus. Manche Tests befinden sich jedoch noch im Stadium von Experimenten mit Versuchsmäusen.

Oft kommt es auch zu einer Vermischung der selbst erfahrenen Traumata mit den evtl. seit Generationen weitergegebenen Leiden, die quasi als Zeug*in/e ebenso im Körper abgespeichert sind. Dies kann bis zu Albträumen gehen über Erlebnisse die Vorfahren erlebten.

Die Dokumentation ist noch bis 9. September auf Arte zu sehen, bzw. wer es nicht schafft, wurde sie dankenswerter weise auch auf YouTube hoch geladen.

Ö1 – Diagonal zum Thema: Gewalt

Nachdem ich es derzeit nicht schaffe, jene Beiträge fertig zu schreiben, die in meinem Ordner für Entwürfe liegen, hilft mir glücklicherweise mein Lieblings-Radiosender Ö1 abermals mit einer Sendung aus, die ich als Hinweis in einen Beitrag packen kann.
Ich bitte weiter um Geduld, denn eigentlich fehlt mir das Schreiben schon. 🙂
Ich bedauere, dass es mir nicht gelingt Absätze zu setzen, weshalb ist mir unerklärlich. Ich hoffe, es ist dennoch lesbar.
Diese Sendung über Gewalt aus der Sendereihe „Diagonal – Radio für Zeitgenoss/innen“ wurde vergangenen Samstag ausgestrahlt und ist noch bis Samstag, 17. Juni 2017 vor 17h nachzuhören unter folgendem Link:
Der Friedensforscher Werner Wintersteiner sagt in dem Beitrag ab 17:53h im Interview mit Johann Kneihs eine für mich bemerkenswerte und logische These, die ich hier deshalb transkribiere:
J.Kneihs: „Würden Sie sagen Gewalt ist Teil der menschlichen Natur?“
W. Wintersteiner: „Man kann sowohl Ja wie Nein sagen. Es kommt darauf an, was man wie definiert. Wenn man damit sagen will, der Mensch ist in diesem Sinn zur Gewalt verdammt, dass es immer Kriege geben wird, dann ist das eine Neutralisierung, die völlig wissenschaftlich unkorrekt ist. Denn selbstverständlich ist es möglich, dass die Menschen bestimmte Probleme die sie haben bewältigen. Das hat die Menschheit ja immer wieder gezeigt. Und eines der entscheidenden Phänomene in Bezug auf die Gewalt ist die institutionalisierte Gewalt des Krieges. Und diese institutionalisierte Gewalt des Krieges kann bei gutem Willen, und das ist auch eine These oder das ist auch belegt von der Friedensforschung, sie kann eingeschränkt werden und es können ja Kriege, wenn der politische Wille gegeben wäre auch abgeschafft werden als Institution – ähnlich wie die Sklaverei.
J. K.: „Werner Wintersteiner, vielen Dank für das Gespräch!“
Außer diesem interessanten Interview hat mich selbstverständlich auch jener Beitrag über häusliche Gewalt besonders interessiert. Er beginnt ab 17:39h und ich habe ihn ebenso unten hervorgehoben.
Auf der Homepage von Ö1, können die einzelnen Beiträge unter 7-Tage Ö1 am Sa, 10.6. / 17:05 h direkt angewählt werden oder auch direkt aus der Auflistung der Beiträge unten im Text.
Es lohnt allerdings durchaus die gesamte Sendung anzuhören. Wenn zwei Stunden am Stück zuviel sind, geht es eben auch auf Raten. 🙂
Triggerwarnung: Jener Beitrag um 18:26 h Faszination Gewalt: Skandinavische Krimis, TV-Serien, Computer-Games bringt einen angekündigten Beitrag einer Leseprobe von fast 2 Minuten Dauer. Von 18:27 h – 18:29 h. Diese Passage ist tatsächlich äußerst grausam und kann übersprungen werden.

Ö1 – Diagonal zum Thema: Gewalt weiterlesen