Das innere vibrieren! Und wie weiter?

Langsam kommen wir ein klein wenig zur Ruhe hier in unserem Sommerfrische-Domizil.

Die letzte Aufregung rund um unser Wohnprojekt ist vier Tage her und seit drei Wochen beantworten wir zwei offene Mails der Baugruppe nicht.

Die massive Überforderung des vergangenen Jahres mit der Verlassenschaft der Großtante und sehr viel Engagemant (für unsere Möglichkeiten) in der Baugruppe sind derzeit entweder weitgehend erledigt oder im Urlaubsmodus. Das ständige Gefühl wieder auseinander zu fallen, das sich immer einstellte wenn wir die Kräuterkapseln von unserem brasilianischen Heiler nicht oder sehr reduziert nahmen wurde mittlerweile zum Alltag. Schon wenn wir statt einmal wöchentlich zwei Kapseln mit einem Tag Unterbrechung nehmen, so wie vergangene Woche, geht es uns um Vieles besser. Nervosität und Angst vor Menschen verringern sich so massiv, dass der Kontakt mit anderen Menschen um so vieles einfacher und befriedigender ist.

Auch aufgrund dieses so anstrengenden Hintergrundes ist die Frage, „wie weiter“ mit dem Wohnprojekt, mit uns in dem Wohnprojekt, mit uns ohne Kräuter aus Brasilien in dem Wohnprojekt etc., in jedem stillen Moment bei uns. Sie begleitet uns beim Einschlafen und beim Erwachen. Und sie stürzt uns in eine tiefe Traurigkeit, die uns wie ein Schatten verfolgt. Zusätzlich ist die Situation in der Baugruppe derzeit, euphemistisch gesagt, schwierig. Aber wo ist es mein Wahnsinn und wo der Wahnsinn der derzeit im Wohnprojekt herrscht?

Es ist schlimm diverse Symptome komplexer Traumata im Leben zu fühlen. Ist es jedoch härter, wenn ein Symptom, dass als erledigt galt plötzlich wieder auftaucht, oder ist es schmerzhafter überhaupt nicht zu wissen, dass dieses Symptom überhaupt weg gehen könnte? Irgendwie hilft es zu wissen, wohin ich möchte. Es ist angenehmer als daran zu verzweifeln, dass diese Distanz zu anderen Menschen niemals ein Ende finden kann.

Früher haben wir uns einfach versteckt, weil die psychischen Schmerzen im Kontakt mit anderen Menschen zu groß waren. Wir sind kaum hinaus gegangen. Das minimierte die Trigger enorm. Es war lange Zeit die einzige Möglichkeit zu überleben, maximal zweimal pro Woche anderen Menschen zu begegnen. Dann wurde Kontakt mit Menschen angenehmer und wir fühlten uns so einsam daheim. Wir suchten den Kontakt und kamen in die Baugruppe. Und jetzt? Uns zu verstecken geht nun kaum.

Wir können nicht aufgrund einer fehlenden Medikation alles hinwerfen. Das wollen wir auch nicht! Permanent fürchten wir, dass unsere Wahrnehmung nicht stimmt. Anderseits sind wir überzeugt, dass die Situation in der Baugruppe tatsächlich in einem Zustand ist, der so nicht hingenommen werden sollte.

Wir sind nun seit fast 2 ½ Jahren in der Baugruppe und haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten, die uns so ungenügend erscheinen, auch stets engagiert. Auch oft über unsere Belastungsgrenze hinaus. Wir wollten, dass dieses Projekt funktioniert und wollten daher auch gerne Verantwortung für dessen Gelingen übernehmen. Seit sich jedoch der Baubeginn mittlerweile massiv verzögert und wir keine definitive Aussage für einen Baustart erhalten, ist das Interesse vieler zukünftiger Nachbarn sich selbst einzubringen, oder auch nur in Kontakt mit den anderen zu bleiben meiner Ansicht nach minimal bis nicht vorhanden. Das ist unser Eindruck. Auch dass bereits vier Leute aus der Baugruppe wieder ausgetreten sind, hilft nicht die Zuversicht zu erhöhen. Weder jene der anderen, noch die eigene.

Die aktuelle Situation triggert an allen Ecken und Enden. Kommt das permanente innere Vibrieren und Zittern auch daher?

…… Schreibpause mit durch den Garten schlendern, Kater streicheln und drinken einer „goldenen Milch“ (2 TL Kurkuma, etwas Pfeffer in warmer Reismilch), was die Symptome wesentlich verbessert hat. Besonders die „goldene Milch“ hat die Traurigkeit gelindert. ….. Ob Kurkuma hochdosiert tatsächlich gegen Depressionen helfen kann, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Allerdings hatten wir zuvor ganz vergessen gehabt, dass es helfen könnte und plötzlich ging es uns besser. …… Uns ist es egal, ob es eine eingebildete Besserung der depressiven Symptome ist, oder der Wirkstoff wirklich Erleichterung bringen kann. Hauptsache es geht uns etwas besser! …..

Zurück zu den Triggern. Immer wieder fühlen wir uns ausgenutzt von jenen, die nichts zur Gemeinschaft beitragen und nicht einmal per Mail ihr Interesse bekunden und auf Aussendungen reagieren. Dieses ausgenutzt und benutzt fühlen kennen wir doch so gut. „Benita“ hatte als Kind sämtliche Hausarbeit zu machen und einen Dank gab es nie dafür. Vielmehr Aufregung, wenn es nicht so geschehen war, wie erwartet. Da sind wir beim Trigger Überforderung durch Tätigkeiten, die ohnedies auf kein Interesse stoßen, obwohl ich mich sehr bemühe.

Vielleicht aber ist auch uns die Freude am Projekt abhanden gekommen, aufgrund der Verzögerungen und fehlenden Information. Vielleicht wollten wir es uns nur bloß nicht eingestehen. Wollten stark sein, wollten in dieser „freien“ Zeit eine Gemeinschaft formen und sind nun massiv enttäuscht, dass zu Viele dies so nicht möchten. Nein, alleine können wir keine (harmonische) Gemeinschaft erschaffen! Das können wir alleine nicht stemmen. — Schon wieder ein Trigger. Der Versuch mit aller Kraft aus unserer kaputten Familie eine Familie zu machen, wo Respekt und Liebe vorherrschen. Wir sind daran gescheitert! Fürchten wir nun, dass wir auch an der Gemeinschaftsbildung der Baugruppe scheitern werden? Vermutlich ist ein solcher Vergleich nicht hilfreich. Hilfreich ist jedoch, dass wir nun die Zeit hatten, diesen Trigger zu erkennen. Bewusstsein darüber wo es in uns hakt, ist der erste Schritt zur Lösung des inneren Chaos.

Nein, eine Baugruppe ist nicht nur ein Ende der Vereinsamung, es ist auch sehr viel Arbeit, Reibung und auch Enttäuschung. Und oft ist es vermutlich ein Abwarten, wie sich das Miteinander entwickeln wird. Gewalt sollte es nicht werden. Die herrschte jedoch in unserer Familie vor. Nein, Gewalt traue ich jenen künftigen Nachbar_innen, die wir kennen aus heutiger Sicht nicht zu. Und selbst wenn es solches geben sollte, könnten wir reagieren, uns wehren, für andere aufstehen. Die Zeit der Ohnmacht ist vorbei! Ich sehe die Gefahr der Gewalt in unmittelbarer Nachbarschaft in diesem Wohnprojekt wesentlich geringer als in anderen Wohnformen, wo Menschen in Miete in Häusern fast anonym nebeneinander wohnen.

Wichtig bleibt, kann ich ∑mich in der Gruppe wohl fühlen? Kann ich ∑mich in dieser Umgebung erholen? Finden WIR unseren Platz des Rückzugs? Können wir sein, wie wir sind? All diese Fragen sind für uns offen.

Und ja, wir haben auch große Angst, dass wir uns letztendlich dort nicht wohl fühlen werden, jedoch das Geld fehlt dort weg zu ziehen. DER Trigger unseres Lebens in Zusammenhang mit Wohnen. Haben wir jemals anders gewohnt, als in einer solchen Situation? Bislang nicht! Früher hatten wir jedoch keine Wahl. Im Grunde ist es das erste Mal, dass wir unsere Wohnung tatsächlich wählen können, ohne Zeitdruck und nach der kleinen Erbschaft auch mit einem für unsere Verhältnisse großem Budget. Eine Wahl zu haben, kann auch die Befürchtung Fehler zu machen erhöhen. Um diese Angst zu entkräften, bleibt nur die Frage: „Kann es schlechter werden, als es derzeit ist?“ Wir hoffen nicht, aber ist das zum jetzigen Zeitpunkt abzuschätzen? Es gibt nur eines, das uns an unserer derzeitigen Wohnung hält, das ist die Nähe des Waldes und der Natur. Allerdings zieht uns die Wohnung soviel Energie aus den Adern, dass für den Genuss der schönen Umgebung kaum Kraft übrig bleibt. Wie auch immer, wir müssen aus unserer derzeitigen Wohnung weg. Ob es die Baugruppe bleibt, in die wir hinziehen werden, haben wir noch nicht festgelegt und das müssen wir derzeit auch noch nicht.

Auch wenn das Leben mit offenen Entscheidungen immer wieder schwierig ist, so haben wir schon viele Fortschritte gemacht offenen Prozessen gelassener zu begegnen. Diese Baugruppe ist ein Prozess. Der nächste Lernschritt wir sein, uns früher zurück zu ziehen und uns Ruhe zu gönnen, bevor wir vor Überforderung ver- und an allem zweifeln!

Was uns ausmacht ist reflektiertes Verhalten. Es schenkt uns Kraft und zeigt uns den Weg auf, den wir weitergehen wollen. Uns DAFÜR Zeit und Raum zu nehmen, heißt für uns sorgen!!!

 

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Zurück in „meinem“ Leben?!

 

 

Ein Loch in der Wand und eine renovierungsbedürftige Wohnung sind geblieben von dem Ort, den meine Großtante 45 Jahre bewohnte.

Anfang Februar habe ich die Wohnung an die Hausverwaltung zurück gegeben. Seit dieser Zeit versuche ich langsam wieder Fuß zu fassen in ∑meinem Leben, obwohl es weiterging wie zuvor, war doch vieles anders geworden.

Einen Monat, höchstens zwei dachten wir würde uns die Verlassenschaft unserer Großtante in Anspruch nehmen. Daraus geworden sind dann über ein halbes Jahr Arbeit, die uns zum Teil weder Zeit noch Kraft für anderes ließ. Und noch sind wir nicht ganz fertig. Ein halbes Jahr in dem wir unsere Mutter mitunter einmal wöchentlich gesehen haben, was eine Ausnahmesituation für uns darstellte. Der Kontakt zu unserer Mutter ist im Normalfall auf ein Treffen jährlich beschränkt, was gut für uns war. Es galt ihre Angriffe zurück zu weisen, was uns gut gelungen ist. Und als das Thema Gewalt in der Kindheit als Gesprächsthema endlich ausgespart wurde, weil ich sonst den Kontakt nicht halten hätte können, war es sogar ein brauchbares Arbeitsklima. Ja, ein Arbeitsklima und nicht mehr, aber zumindest dieses. Die Aussicht Geld für ∑meine neue Wohnung zu erwirtschaften gab uns viel Kraft.

Es kamen irgendwo auch Innenwesen hervor, die Mama ganz gern haben, was für alle anderen belastend war. Wie auch immer, wir haben etwas geleistet, das uns viel Selbstvertrauen gab. Selbstvertrauen, das enorm gelitten hat, seit wir in Berufsunfähigkeitspension sind. Es war eine Zeit, die anstrengend und stressig war, in der wir meist über unsere Grenzen gingen, aber es war auch fast Urlaub von uns selbst. In Therapie ging es meist um Stabilisierung, um die Aufgaben so gut es ging zu bewältigen. Traumatherapie hatte hier keinen Platz. Das war eine große Belastung und zugleich erholsam. Ein halbes Jahr in der Gegenwart leben und nicht in der Vergangenheit herumstochern hat etwas sehr erdendes. Obwohl dies auch nicht stimmt. Mit den Habseligkeiten der verstorbenen Großtante konfrontiert, kam es ebenso zu einer Konfrontation mit der Vergangenheit. Es kam zur Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb hat sie uns nicht geholfen, wo war sie und letztlich zu einer Versöhnung mit ihr.

Es tat einfach gut gebraucht zu werden. Es war eine Zeit, in der ich tatsächlich Anerkennung in meiner Familie erlebte, was für uns einem Wunder gleichkommt. Unsere Mutter wusste, dass sie es nicht geschafft hätte, diese Verlassenschaft abzuwickeln. Ich habe ihr dieses Erbe ermöglicht. Wer war bzw. ist dieses ICH, die dies mitunter souverän erledigt hat?

Da war ein Innenwesen, das uns fremd war? Oder doch nicht? War sie es, die früher berufstätig war? Tatsache ist auch, dass wir uns derzeit gespaltener erleben als vor dieser Tätigkeit. Vielleicht weil Innenwesen, die in den Tiefen des Körpers schlummerten aktiv werden mussten? Gibt es welche, die in unserem von Therapie und Selbstbespiegelung geprägten Alltag keinerlei Aufgaben haben, oder denken keine Aufgaben zu haben? Wollen sie von diesem erforschen der Seele einfach nichts wissen?

Während dieser Phase der Räumung hatte unser Leben einen Sinn. Es war so einfach allen unsere Erschöpfung zu erklären und wir konnten einfach darüber sprechen was wir täglich erlebten. Wir waren Teil einer Gesellschaft zu der wir sonst wenig Zugang haben. Jetzt haben wir wieder einen Job, der psychisch um so vieles anstrengender ist, als jener eine Verlassenschaft abzuwickeln, vor allem deshalb, weil unsere Therapie-Arbeit meist nicht geschätzt oder verstanden wird. Und wir leben wieder in größerer Isolation. Wie unser Alltag aussieht, kann nur mit Vorsicht vermittelt werden.

Dass wir diese Verlassenschaft jedoch abwickelten und die Traumafolgen dieses halbe Jahr verdrängen mussten und wieviel Anstrengung das kostete, konnten wir auch nur wenigen ausgewählten Personen erklären. Diese besonderen Freund*innen und die Therapie waren es auch, die uns halfen diesen Job zufriedenstellend zu erledigen. Dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar.

∑Mein Leben geht so sehr bergauf. Wir haben schon viel erreicht.

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One billion rising 2019 in Wien

Jedes Jahr am 14. Februar – am Valentinstag finden seit 2012 weltweit Flashmobs gegen Gewalt an Frauen statt. Bereits vor einigen Jahren bin ich auf One billion rising aufmerksam geworden und ich finde die Idee mit tanzen gegen Gewalt aufzutreten nur wunderschön. Tanzen gibt so viel Kraft und Lebensfreude und genau daran mangelt es ja nach dem Erleben von sexueller Gewalt besonders.

Endlich hatte ich wieder Zeit und Kraft und bin zur Veranstaltung gefahren.

Bei einem kurzen Statement erzählte Aiko Kazuko Kurosaki, die seit nunmehr sieben Jahren die künstlerische Leitung und auch Gesamtkoordination von One Billion Rising in Wien innehat, dass ihr vor allem an Tanz gegen Gewalt an Frauen gefällt, dass betroffene Frauen wieder lernen können ihren Körper wahrzunehmen und zu bewegen. Die Kundgebung ermöglicht ein gesehen werden in der Öffentlichkeit auf eine positive Art. Dem kann ich nur zustimmen. In vielen Ländern ist Frauen tanzen im öffentlichen Raum überhaupt verboten. Der Tanz „break the chain“ tritt kraftvoll dagegen auf. Musik und Text schenken so viel Mut, Kraft und Glücksgefühle, dass ich mich frage, weshalb ich nicht jedes Jahr dort bin. Immer wenn ich dort bin (es war erst das zweite Mal), denke ich dass ich mich dort gerne engagieren würde. Mithelfen, dass OBR weiter bestehen kann.

Derart wichtiges Engagement zu unterstützen, das den von Gewalt betroffenen Frauen Kraft und Mut schenkt und wichtige Aufklärungs- bzw. Öffentlichkeitsarbeit macht ist unserer Regierung nicht wichtig. OBR wurden für 2019 sämtliche Fördergelder seitens des Bundes gestrichen. Ebenso wurde die langjährig positive Zusammenarbeit von Polizei und Frauenschutzorganisationen im NGO Bereich derzeit ersatzlos beendet. Ein neues Konzept wurde von der Regierung versprochen. Die Helferinnen, die langjährige Erfahrung haben, welche Hilfe von Gewalt betroffene Frauen dringend benötigen, haben keinerlei Zusage, dass sie dabei eingebunden werden.

Obwohl die Anzahl der Frauenmorde hierzulande in diesem noch sehr kurzen Jahr wirklich nur noch erschreckend ist, ist unserer Regierung scheinbar der Schutz der Frauen nicht so wichtig. Wichtiger ist es, den Strafrahmen für Täter zu erhöhen mit dem Wissen, dass selbst der bereits aktuell bestehende Strafrahmen nicht ausgeschöpft wird, da die wenigsten Gewalttäter verurteilt werden. Und ohne die Frauen zu unterstützen, die Gewalt erlitten, werden sie auch nicht angezeigt werden. Dieses frauenfeindliche Verhalten und die Doppelmoral bei Gewalt gegen Frauen unserer Regierung regt mich enorm auf.

Hier gute Artikel dazu:

https://derstandard.at/2000097907691/Aktionstag-gegen-Gewalt-an-Frauen-Kritik-an-Regierungsplaenen

https://kurier.at/leben/wieso-maenner-angst-vor-psychologischer-beratung-haben/400385240

Zurück zu dieser wunderbaren Kundgebung am 14.2. Vor dem Tanz gab es eine künstlerische Intervention, bei der Gewalt an Frauen und deren Folgen durch blutrot bemalte Frauenschuhe und Tänzerinnen dargestellt wurde. (siehe die wenigen Fotos oben, die ich machte.) Leider kann ich mein Video nicht hochladen, darum habe ich auf You Tube einige schöne Videos vom Tanz „break the chain“ herausgesucht.

Es gibt noch unzählige andere und alle sind auf ihre Art wunderschön und kraftvoll. Einfach „One billion rising“ im Suchfeld eingeben.

Hier ein Flashmob in San Francisco, der mich aufgrund der Menschenmenge begeistert. So könnte es auch in Wien und anderen europäischen Städten aussehen. Leider waren wir viel zu wenige bei der Kundgebung.

Hier der wunderschöne Text:

Eine deutsche Version von „break the chain“:

 

One billion Rising Österreich:

https://1billionrising.at/rising-vienna/rising-2019/

(hier findet sich auch die Möglichkeit zu spenden, um diese heilsamen Veranstaltungen weiterhin durchführen zu können! – Wem immer es möglich ist. – Danke!)

https://www.facebook.com/OneBillionRisingAustria/

https://www.youtube.com/channel/UCRPktp6uSpvwzf_9gE6M4Gg/featured

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

 

 

Sein dürfen #2: Zwischen Wollen und Können!

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Eigentlich wollte ich einen Beitrag schreiben, weshalb ich es nicht verstehen kann, dass sich Unos die — wenn auch veraltete — Krankheitsbezeichung „Multiple Persönlichkeit“ immer wieder freiwillig geben. Ich wollte schriftlich erforschen, was denn wirklich dahinter stecken könnte. Ich wollte darlegen, wieso ich dies jenen gegenüber als respektlos empfinde, die es weder hip noch lustig finden, eine Dissoziative Identität nach schwerer Gewalt beginnend in der frühen Kindheit entwickelt zu haben und die mal schlechter und mal besser aber viel zu oft ganz nahe am Abgrund balancierend ihr Leben versuchen zu verbessern. Anlass war ein Kommentar von mir auf einem Blog, den ich bereits lange lese, wo ich einen launigen Beitrag fand mit dem Titel „multiple Persönlichkeit“ und dem Inhalt der persönlichen Zerrissenheit im Alltag einer Selbständigkeit. Der Autor liest meinen Blog auch bereits seit geraumer Zeit, daher hat es mich erschüttert, auf einen solchen Beitrag zu stoßen. Sein dürfen #2: Zwischen Wollen und Können! weiterlesen

öffentlich- ja, nein, vielleicht? — Geteilte Ansichten

Ich habe das Gefühl, es gibt manchmal kein „dazwischen“, wenn man als Mensch mit dissoziativer Identitätsstruktur Öffentlichkeitsarbeit machen will: Entweder man präsentiert sich als total fittes, kontrolliertes, „echt weit gekommenes“ Viele-System (und verschweigt/versteckt dabei die Verletzung, die Not, die Krisenzeiten), oder man wird in der öffentlichen Auseinandersetzung einfach nicht für voll genommen. Die starken Seiten […]

über öffentlich- ja, nein, vielleicht? — Geteilte Ansichten

In diesem Beitrag von Pauline-s finden wir uns sehr wieder und es ist sicher der größte Hemmschuh für ein öffentliches Auftreten mit DIS, für ein zu ∑mir stehen oder gar zu uns. Es macht Heilung auch schwierig, weil es uns so infrage stellt.

Sehr interessant finde ich bei diesem Beitrag auch die Kommentare. Hier möchte ich gerne auf den Dialog von Pauline-s mit Hannah C. Rosenblatt hinweisen, den ich als sehr hilfreich empfinde.

Herzlichen Dank liebe Pauline-s für deine Darstellung und dafür, dass ich deinen Beitrag hier teilen darf.

Die Schwimmerin

Meditieren hat nicht nur Vorteile. Das könnte ich denken, wenn ich meinen momentanen Schmerz ansehe.

Dein Schmerz ….. ha, ha, du fühlst es doch eh nur mit, abgeschwächt, wenn überhaupt!

Ja, ich Erzählerinstimme. Wer bin ich denn?

Gestern waren wir das erste Mal in diesem Sommer im Schwimmbad. Es ist mein Lieblingsbad. Jugendstilambiente mit wunderschönem Ausblick. Und danach waren wir sehr müde, ja fast erschöpft, wie immer. Da es ein Thermalbad mit hohem Schwefelgehalt ist, ist auch dies für den Körper anstrengend, dachte ich immer.

Dennoch war an Schlafen nicht zu denken. Wir schauten fern. Noch dazu einen Film, wo es um eine Vergewaltigung und daraus folgende Schwangerschaft ging. …. Keine gute Idee, gar keine gute Idee!? Oder doch? Denn im Grunde war der Boden schon durch das Schwimmen aufbereitet. Jedes Jahr dieselbe Situation. Der Körper schwimmt. Es tut so sehr gut und  wir tun es sehr gerne. Wir kommen zurück und der Tag danach ist eine Katastrophe.

Nun beim Meditieren hatten wir klar gespürt, dass wir nicht wissen, wer diese Person ist, die da schwimmt. Ich kann mich an den gesamten Tag erinnern. An umgängliche Gespräche im Schwimmbad. Eine leutselige Person, die etwas angeberisch ist. Sie weiß, dass sie viel besser schwimmt als die meisten Badegäste.

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Leben mit DIS/DDNOS #18: Der Unterschied

Es gibt sie die Möglichkeit zu fühlen, dass da niemals Liebe war in meinem Leben. Also von Menschen. Ich wurde geschätzt, gemocht, von meinem Bruder (vielleicht auch von anderen?) ob meiner Fähigkeiten beneidet. Mein Bruder beneidet mich jedoch vor allem dafür, dass ich mich von den Eltern denen er hörig war und ist trennen konnte. Das war stets ∑mein Überlebenstrieb, ∑mein Wunsch zu leben. Ich tat was Not-wendig war, um zu leben statt zu vegetieren.

Das ist es, was uns immer wieder antreibt. Jetzt hat es uns offenbar zu dieser Meditation geführt, von der wir zuletzt berichteten.

Es geht momentan um das meditieren zum Thema Liebe. Den Unterschied, wenn ich mir bewusst mache, dass da keine Liebe war in meiner Kindheit und auch in meinem Leben als Erwachsene. Wenn ich mir das bewusst mache, tut es weh. Es tut so sehr weh, dass ich um dem Schmerz zu entgehen wütend werde. Ich benenne alle Schuldigen, die ich für meinen Schmerz verantwortlich mache. Ich hadere, vielleicht zurecht, aber was bringt es mir? Finde ich dadurch Liebe? Kann ich mich so lieben lernen? Eher nein! Ich tue mir leid, dass all dies so gekommen ist. Und weil meine Kindheit und Jugend so schrecklich war — und es war schrecklich ohne jeden Zweifel!!! — ist auch klar, dass ich heute keine Liebe in meinem Leben habe. Fazit: Ich tue mir leid und finde mich ab!!????

Und das habe ich lange getan. Ich dachte, dass ∑ich ja ohnedies nichts zu bieten habe für eine Liebe. Ich habe den überwältigenden Schmerz verdrängt und weg gelächelt. Als uns eine liebe Freundin vor einem Jahr fragte, wie ich denn ohne Beziehung, ohne Liebe leben könne, brach mir die Stimme. Ich winkte mit den Händen ab und antwortete nur: „anderes Thema, bitte!“ Das bedeutet, ich lebe damit. Nicht gut, sogar eher sehr schlecht, aber ich habe keine Wahl – dachte ich!

Jetzt meditiere ∑ich also seit einigen Tagen mit dem Fokus auf die Liebe in meinem Leben. Ich soll mir in dieser Meditation ja vorstellen, dass ich ein glückliches Leben führe und ich habe niemals gerne alleine gelebt. Dafür tue ich es bereits seit 27 Jahren. Es war die Entscheidung, besser alleine zu leben, als weiter Gewalt zu erfahren. Ich musste erst meine Erfahrungen ansehen, wollte nicht weiterhin in Beziehungen eine Fortsetzung unserer Kindheit/Jugend erleiden.

Ein glückliches Leben imaginieren bedeutet für mich in aller erster Linie geliebt zu sein. Was auch immer ich tue: Buch, Engagement, alles was ich mir an Tätigkeiten erträume, liegt Lichtjahre hinter diesem Wunsch.

Also üben wir uns in der Vorstellung geliebt zu sein. Täglich. Und wir fühlen den tiefsten Schmerz, ohne ihm zu entfliehen. Weil es in dieser Meditation keinen Ausweg des Zornes gibt UND DAS IST WUNDERVOLL! Also sehe ich diese geschundene Seele, spüre meine Übelkeit und das Würgen und begleite mich im Prozess mich selbst lieben zu lernen und eine Liebe in meinem Leben visualisieren zu wagen.

Was habe ich (mir) zu bieten? Vieles! ∑Ich bin es wert geliebt zu sein. Amen! (Ist nicht ironisch gemeint, seht es als Gebet?!)

Tröstliche Tränen

und ∑meine unterschiedlichen Methoden zur Heilung.

Von ganz tief unten formen sich Tränen und rollen leise und sanft die Wangen hinunter. Unaufdringlich und zärtlich tröstend streicheln sie die zarte Haut im Gesicht. Sie sind Zeichen von Schmerz und Trost zugleich. Trost, weil wir sehen dürfen, weil wir fühlen dürfen, was ganz tief begraben ist, was nur seltenst gefühlt werden darf und kann. Zuletzt und als bislang einziger schaffte es der geliebte verstorbene Kater uns dieses Gefühl zu schenken. Geliebt werden, einfach so.

Seit einer Woche meditieren wir täglich 23 Min. Davor hatten wir die Meditation vielleicht zweimal wöchentlich gemacht. Es ist eine geführte Meditation bei der es gilt den Fokus auf die Zukunft zu richten, zu imaginieren, wie es sein könnte.(*)  Mir vorzustellen, was ich mir wünsche. Anfangs war es einfach und erleichternd. Jetzt scheinen wir in tiefere Schichten vorzudringen. Die Wünsche verändern sich. Zumeist ist Heilung der Wunsch. Heute war es geliebt zu werden. Und es war anfangs nicht möglich mir dieses Gefühl vorzustellen. Da war nur diese Leere. Ein Nichts. Bis wir Timmis Liebe (der Kater) als einzigen Bezugspunkt fanden. Als Erinnerung geliebt worden zu sein. So ein Glück!

Obwohl das Einfühlen nun intensiver zu werden scheint, fühle ich mich sehr wohl mit dieser Meditation und wenn ich sie nur einen Tag aussetze, fehlt mir etwas.

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Das Dilemma und mein Weg hinaus

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Fotoausstellung Baden bei Wien

Oder: Darf es mir/uns gut gehen und was bedeutet „gut gehen“ für uns?

Seit das Trampolin Einzug in mein Leben gehalten hat, hat sich so vieles verändert. Das ist langsam nicht mehr neu und dennoch wundere ich mich jeden einzelnen Tag, wenn ich erwache und nicht mehr von dieser Schwermut geplagt bin, die mir noch vor drei Monaten täglich „Wozu lebe ich überhaupt?!“ in mein Gehirn schrie kaum dass ich die Augen öffnete. Stattdessen zu erwachen und zu denken: „Mein Leben ist in Ordnung!“ oder „Es ist gut!“ mit einem zarten Lächeln im Gesicht, ist eine Freiheit, die uns dennoch überlegen lässt.

So von einen Tag auf den anderen, ein neues Leben? Aber ist es ein neues Leben? Natürlich nicht! Darf es uns denn gut gehen? Das war stets die Frage unseres Lebens. Und so arbeiten wir uns auch hier am Blog an dieser plötzlich neuen Wahrnehmung ab. Bereits die letzten Beiträge handelten von nichts anderem.

Plötzlich geänderte Wahrnehmungen bei Leuten mit DIS/DDNOS sind auch mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja gar nichts anders und nur eine andere Person heraußen, die den Alltag übernommen hat? Das kann auch mehrere Monate andauern, dass sich eine Person oder mehrere in den Vordergrund kämpft bzw. kämpfen und genau dort bleiben. Die dunklen Monate von Mitte Oktober bis Mitte Jänner war das über viele, viele Jahre so bei uns.

Nein, so fühlt es sich nicht an. Es fühlt sich ganzer an, kompletter. Das Wohlfühlen scheint vielleicht nicht alle, aber doch viele zu betreffen.

Eine weitere Änderung in meinem Alltag ergibt das Lesen anderer Blogs von jenen, die Gewalt erlebten. Jene Blogs zu lesen erzeugte in mir immer wieder das Gefühl verstanden zu werden. Ein Empfinden von Verbundenheit. Ich fand mich vor allem dort wieder, wenn es darum ging mit schwierigen Gefühlslagen zurande zu kommen. Seit einiger Zeit ist das anders. Es fällt uns schwer, diese Blogs zu lesen. Es ist nicht so, dass wir plötzlich keinerlei Zugang mehr zu den Emotionen und Seelenzuständen hätten, vielmehr haben sie nur als Erinnerung mit uns zu tun. Ob das auf ein anderes Innenwesen in der Außenwelt spricht, oder „bloß“ auf mehr Distanz zu anderen Personen, was ein großer Heilungsschritt wäre? Ein mich nicht mehr auflösen in den Geschichten der anderen, sondern meine eigenen Grenzen wahren. Die ersten Gedanken beim lesen eines anderen Blogs mit dieser veränderten Wahrnehmung waren: „Ja, das ist alles ganz schrecklich, aber es ist nicht meine Geschichte. Es muss MIR nicht schlecht gehen deswegen!“ Früher war es so, dass Mitgefühl mit anderen für uns vor allem Mit-LEID hieß, was uns nicht bewusst war. Wir litten tatsächlich mit vielen schmerzhaften Blogartikeln mit und es gab uns eine Existenzberechtigung!

Als Kind war ich verantwortlich für das Wohlbefinden der gesamten Familie. Meine Mutter und mein Bruder waren zu ängstlich, sich gegen den sadistischen Vater zur Wehr zu setzen. Diese beiden galt es zu trösten und stärken, damit sie sich nicht schwach fühlten mit ihrem Unvermögen, obwohl sie es waren.

Und den Vater hatte ich auf vielfältigste Weise zufrieden zu stellen. Ich hatte ihm zu dienen, als Sklavin im Haushalt, als Sexsklavin, als intellektuelle Gesprächspartnerin (das war wohl das woraus ich tatsächlich auch profitierte), die jedoch niemals widersprechen durfte und ihn bloß stellen, auch wenn er Unsinn sprach. Letztendlich hatte ich bei allen dreien die Aufgabe ihre Probleme anzuhören und ihnen Mut zu zusprechen.

Wir haben nun den Verdacht, dass uns jenes Muster Probleme anzuhören und Mut zu zusprechen das Gefühl der Geborgenheit vermittelte beim Lesen schlimmer Erfahrungen auf anderen Blogs. Das Gefühl des wiedererkennen, des dazu gehören. Es war ein Gefühl von früher. Das Dilemma und mein Weg hinaus weiterlesen

Geh hinaus und leb dein Leben

Meine lieben Leserinnen und Leser,
Dieses Gedicht von Seelenkarussell fühlt sich für mich/uns so gut an. Es nimmt Bezug auf Gefühle, die knebeln und dennoch hinausgehen, und das eigene Leben leben.
Tatsächlich muss ich auch sagen, dass sich Vieles bei mir ändern momentan. Das tägliche Trampolin schwingen bzw. hüpfen und nun auch meditieren. Positives kommt in mein Leben und ich bin unendlich dankbar und freue mich. Es knebelt noch Vieles, aber da ist die Zuversicht einen Platz zu schaffen, wo ich glücklich sein kann. Selbst wenn es sogar ängstigt so etwas zu denken, gilt es diese Furcht loszulassen. Das ist mein Weg.
Diesen Platz wo ihr glücklich seid, wünsche ich euch allen und geht weiter, es ist möglich, das will ich sagen, auch dann wenn’s grad schwierig ist. Ich schicke euch ganz viel Kraft und Mut. Ich kann verstehen, wenn die eine oder der andere diesen Beitrag vielleicht sogar als zynisch empfinden mag in dunklen Augenblicken. Das ist nie meine Absicht. Habt Mut es gibt Zeiten wo es leichter wird, vielleicht sogar ganz leicht. Das darf sein.
Danke Gabi für dieses schöne Gedicht, das so schön beschreibt, lebendig zu sein.
Herzliche Grüße an euch. 🌼🍀🍀🍀❤️

Einen Moment innehalten

LebenGeh hinaus und leb dein Leben,
ohne Angst vor Niederlagen,
lass deinen Geist zum Himmel schweben,
und scheu dich nicht, stell deine Fragen.
Lass ab von allem Überfluss,
von dem, was deinen Geist vernebelt,
bring alles zu ’nem guten Schluss,
lös auf, was deine Seele knebelt.
Begegne Menschen mit Respekt,
sei hilfsbereit und fair,
halt die Gefühle nie bedeckt,
denn ohne sie wird’s Leben schwer.
Behandle Freunde wie ein Schatz,
was hilflos ist, beschütze,
such in der Liebe deinen Platz,
sie ist dir Halt und Stütze.
So geh hinaus, und leb dein Leben,
in dieser Welt bist du daheim,
du findest nicht den Garten Eden,
doch deinen Platz zum Glücklichsein.

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