Psychisch Erkrankte als Corona-Risikogruppe anerkannt | kurier.at

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Seit Beginn der Corona-Pandemie haben wir uns sehr bedroht gefühlt. Aus unterschiedlichen Gründen, die teils in der Vergangenheit liegen und klar zu fassen sind. Es gab aber auch ein diffuses Bedrohungsgefühl, dass wir einfach nicht die Kraft besitzen gegen diese Erkrankung kämpfen zu können, dass die Gefahr zu sterben, falls wir erkranken sehr groß wäre.

Mit Behindertenpass erhielten wir diese Woche die erste Teilimpfung und sind sehr froh darüber, dass unsere Panik, unsere Selbstisolierung hoffentlich bald ein bisschen geringer werden kann, sobald durch den Impfstoff Antikörper gebildet werden.

Dabei hatten wir echte Schuldgefühle uns eine Impfung zu „erschwindeln“, weil wir doch weder Diabetes, noch massives Übergewicht oder andere körperliche Erkrankungen haben. (Am Übergewicht arbeiten wir leider in den Lockdowns.) Selbst unsere Krebserkrankung vor mittlerweile 15 Jahren gilt nicht mehr. Nur die Panik war da.

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Ein virtueller Wohnungsrundgang ….

in unserer neuen Wohnung macht Freude.

Gestern und heute haben wir unsere gerade in Bau befindliche neue Wohnung virtuell eingerichtet. Und weil das Online-Tool, das in der Basic-Version gratis verwendet werden kann, so grandios einfach zu nutzen ist, machen wir ein bisschen Werbung dafür (freilich ohne etwas dafür gezahlt zu erhalten, noch darum gebeten worden zu sein).

Wir haben zwar kaum geschlafen, weil’s irgendjemand innen gleich auf einen Rutsch fertigstellen wollte und sich dann nicht mit so „Unnötigem“ wie schlafen und essen aufhalten lässt. Dazu müsste ja jemand anderes herauskommen?!

Aber bei aller Übermüdung macht es nun große Freude einen möblierten Wohnungsplan unserer neuen Wohnung über ein Jahr vor dem Einzug in Händen zu halten. Damit lässt sich wunderbar planen.

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Ist Abspalten von und in unangenehmen oder schwierigen Situationen ”normaler” Alltag?

Wir kommen immer wieder zu der Überzeugung, dass wir als DIS-Frau zwar extrem abspalten können in unterschiedliche Innenwesen, aber nach all den Jahren Traumatherapie uns dessen zumindest bewusst sind und die Situation wann wir spalten zumindest im Nachhinein wahrnehmen können und auch ohne Reflexion der Situation nicht überleben können.

Aber wir sind nicht alleine mit dem Spalten bei schwierigen Gefühlen und Situationen. Wir kommen vermehrt zur Überzeugung, dass die Tatsache, dass wir unser Abspalten reflektieren und versuchen uns dem zu stellen ein Problem im Alltag darstellt, wo ganz viele Menschen natürlich in einem viel geringerem Ausmaß als DIS-Leute spalten und verdrängen. Es scheint so sehr zum Alltag und zum zwischenmenschlichen Kontakt zu gehören, dass wir Menschen überfordern in unserem Wunsch nicht zu spalten bzw. in dem Glauben, dass Unos das im Griff haben, was uns so sehr quält.

Das scheint nicht der Fall zu sein.

Wir wünschen uns so sehr, dass ein reflektieren von Brüchen im zwischenmenschlichen Kontakt selbstverständlich würde. Oder Kontaktabbrüche im Gespräch zumindest nicht ignoriert werden und drüber gegangen wird, sondern ein solcher Bruch ein Nachfragen, ein Innehalten, Aufmerksamkeit bewirkt.

Wir haben schon öfters gehört, dass wir uns selbst sehr viel abverlangen. Mag sein, wir haben noch keinen anderen Weg gefunden zu überleben und leben zu lernen als enorm reflektiert zu sein. Wir wissen noch nicht, ob wir zuviel von anderen wollen. Wir können nicht anders existieren. Vielleicht gibt’s irgendwo Menschen, die das schätzen und mögen, vielleicht sogar lieben? Wer weiß?

Leben mit DIS/DDNOS #33: Widersprechen wagen und lernen

Heilung geht langsam und es braucht Mut, Kraft und Zuversicht dafür.

Was es in uns auslöst, gegenüber Menschen, die uns wichtig oder sympathisch sind andere Meinungen zu vertreten, obwohl wir wissen, dass es ein heikles Thema ist und dem Gegenüber unangenehm, ist extrem.

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Leben mit DIS/DDNOS #32  : Hallo neues Du im Wir

Momentan entdecken wir gerade eine enorm zarte und verletzliche Seite an uns. Wurde ein Innenwesen integriert, oder nach außen geholt, das mehr verletztes Kind ist als Erwachsene ohne Erinnerung bzw. wenig emotionales Co-Bewusstsein?

Auf alle Fälle ist es gerade sehr anstrengend in dieser Welt zu bestehen. Allerdings lieben wir diese Seite sehr an uns. Sie fühlt sich so echt und authentisch an.

Alle Jahre wieder ….

Friedlich? Das wäre schön!

Gestern war die Panik so stark wie lange nicht.

Das schreiben wir selten, weil Trigger nicht vorhersehbar sind, aber bitte passt auf euch auf beim Lesen.

Der 24.12. ist jedes Jahr ein tiefer Schmerz. So tief, dass wir schon Wochen davor abspalten um ihn nicht zu fühlen, um den gesamten Advent nicht zu fühlen.  Meist bis nach dem 6.1. Das Ende der Weihnachtsferien (in normalen Jahren). „Die schönste Zeit des Jahres!“, hören wir in Radio, TV, Werbeberieselung beim Einkaufen der notwendigen Lebensmittel. Unerträglich und es ist schwierig nicht durchgehend zu weinen.

Darum gibt’s die Innenwesen, die von Mitte November bis 6.1. unser Leben übernehmen. Mitlächeln oder zumindest die Fassade aufrecht erhalten und es schaffen nicht zusammen zu brechen. Da bekommen wir, die das restliche Jahr leben, nichts mit. Das macht die Zeit überlebbar, das war uns aber bisher nicht bewusst.

Heuer haben wir die Zeit wahrgenommen. Wir sind hier geblieben. Ich kann nicht sagen, wo die für Weihnachten Zuständigen dieses Jahr waren oder sind. Sie waren auch in den letzten Jahren bereits schwächer geworden. Dennoch ist es heuer nochmals anders. So Vieles ändert sich gerade, dass wir es ganz schwer in Worte fassen können und daher im letzten Monat auch hier am Blog stumm geworden sind.

Dafür haben wir viel geweint. Auch heute bzw. gestern. Mit extremer Panik und Kopfweh sind wir am 24.12. erwacht. Und beides ließ sich nicht abschütteln, nicht verdrängen. Wir konnten uns nicht ablenken.

Schließlich haben wir es gewagt, uns unter das Kristallbett zu legen. Im Grunde ist es eine Form der Meditation, eine Art hinzusehen, wo es wehtut. Das braucht Mut mitunter. Gestern war es eine Überwindung, obwohl wir wissen, dass es uns besser geht, wenn wir die in uns schlummernde Wahrheit zulassen wahrzunehmen.

Kaum hatten wir uns hingelegt, kamen Tränen und die Herzschmerzen, die uns seit zwei bis drei Wochen nun immer wieder begleiten wurden von ihnen abgelöst.

Und dann kam die Erinnerung, die uns nur vage bekannt war, sehr vage. Mehr im Kopf war diese Erinnerung bewusst, aber nicht fühlbar, weil es zu entsetzlich ist, es zu ertragen. ….

Die Vergewaltigung wurde fühlbar, die Vergewaltigung-en damals. Es war im Advent, aber auch am 24.? Nein, klar kam es auch gestern nicht zutage. Nur wer wohl beteiligt war?!! Es war nicht der Vater alleine. Wir waren eher ein “Weihnachts-Präsent“ für andere. Wobei der Vater wohl Geld dafür bekommen hat. Und wir waren sehr jung, noch kein Schulkind. Eher gerade im Kindergarten-Alter. Aber in den Kindergarten durften wir ja nicht gehen. Das ist logisch, die Gewalt wäre aufgefallen. Wir waren zu jung zum funktionieren, waren noch nicht genug „abgerichtet“.

Es geht nur mit wenig Gefühlsbeteiligung dies niederzuschreiben. Es ist zu unfassbar. Jetzt kommen doch Tränen.

Die Wunde ist tief, sehr tief. Wie können Erwachsene so etwas tun? Wie? Ich weiß, dass wir uns das nicht einbilden, aber es ist so absurd grausam, dass es schwierig ist, dies als Tatsache zu akzeptieren. Es WAR (in diesem Fall passt die Bedeutung von Krieg im Englischen gut in den Satz.).  Ein Krieg gegen uns ist es gewesen, ein Überfall eines übermächtigen Gegners.

Weihnachten, die friedlichste Zeit des Jahres? Das wäre schön. Uns kommt das Speiben, wenn wir daran denken, wie diese Erlebnisse neben Weihnachtsliedern, Lamettabaum und Bescherung seinen Platz hatte.

Dennoch sind wir dankbar für das Geschenk des Erinnerns, für das Durchbrechen der Mauer der Verdrängung. Es ist ein Teil unseres Lebens, den wir uns zurückerobern. Das Weihnachtsgeschenk der anderen Art. Da es nun einmal war, unsere Wahrheit ist, ist es vielleicht eines der kostbarsten Geschenke überhaupt, das wir uns schenken können.

Leben mit DIS#31: I C H???

Seit einigen Wochen fehlen uns die Worte. Im Grunde seit Anfang bzw. Mitte September. Oder doch schon davor?

Die Frage, ob es in Ordnung ist uns als UNS zu bezeichnen oder eben nicht beschäftigt uns nahezu täglich. Je nach freier Zeit und Gefühlslage mehrere Stunden am Tag oder kürzer.

Freilich wissen wir, dass dieses Leben mit mehreren Innenwesen eine Kopfgeburt ist die aus der Not entstanden ist. Das menschliche Gehirn bietet offensichtlich so viele Möglichkeiten sich zu strukturieren und in lebensgefährdeten Situationen eine Lösung zu bieten, die ein Weiterleben ermöglicht.

Es ist die Verunsicherung, die wir in den anderen auslösen, wenn wir uns als WIR bezeichnen und ebendiese Mehrzahl von Freund*innen erbitten, die uns doch sehr stresst.

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Im Spiegel #3: Der „böse Blick“

Wir dachten, es wäre die Traurigkeit und der Schmerz über das Bewusstsein der Tiefe erlittener Verletzungen, die uns seit einigen Tagen begleiten, die es uns aktuell schwer machen anderen Menschen in die Augen zu sehen und sie uns. Diesem Gefühl wollten wir uns beim Blick in unsere Augen stellen.

Als wir das vor wenigen Tagen im Spiegel prüften, sahen wir Angst, sehr viel Angst.

Nach kurzem kam ein Innenkind zum Vorschein, das weinte. „Bitte schau mich nicht so (böse) an!” wimmerte es. Und es meinte unseren Erzeuger.

Als wir als Kind bzw. Jugendliche zum ersten Mal den Ausdruck: „Der böse Blick“ hörten, wussten wir sofort, was er bedeutet. Wir begegneten ihm täglich in unserem damaligen Zuhause in Gestalt unseres Vaters. Auch wenn der Begriff mythologisch eine andere Bedeutung hat, hatten wir endlich eine Bezeichnung für diesen Ausdruck in seinen Augen.

„Der zieht dich aus wenn er dich ansieht!”, waren die wahren Worte unserer Schwägerin über die einmalige Begegnung mit meinem Vater vor seinem Tod.

Wir sind ihr für diese Aussage so sehr dankbar. Es hilft uns einzuordnen, weshalb sein Blick für uns als Kind bereits so gefährlich und bedrohlich war. Er zog nicht nur erwachsene Frauen mit Blicken aus, er hat auch vor uns als Mädchen mit diesen lüsternen Betrachtungen nie halt gemacht.

Bis heute wagen wir kaum Menschen anzusehen und fürchten diesen Blick auch in uns zu tragen.

Es gab eine Zeit, als wir die Kräuter aus Brasilien einnahmen, wo wir uns mit Blickkontakt relativ leicht taten. Aktuell ist es wieder außerordentlich schwierig. Es macht das Leben traurig eine für zwischenmenschliche Kommunikation so essentielle Fähigkeit immer wieder nicht zu ertragen oder gespiegelt zu erhalten, dass unser Blick nicht ertragen wird.

Wenn es für uns nur einen Wunsch an eine gute Fee gäbe, dann wäre es von der Seelenqual dieser in uns gespeicherten Blicke befreit zu sein. Für immer – BITTE!

Leben mit DIS #29: Suchtverhalten

Ich sitze am Bett und spiele irgendein bescheuertes Handy-Spiel, statt ein Buch zu lesen oder schlafen zu gehen. Dialog innen: „Wozu leben wir?“ „Weil es Menschen gibt, die sich um uns bemühen?“ Haben heute mit einer Freundin gemailt zur Frage des DU oder IHR. Durchaus positiv, scheint uns. Und wir dürfen bereits viele Jahre gratis im Haus einer anderen Freundin/Bekannten wohnen im Sommer um der Hitze der Stadt zu entkommen und ein bisschen zu entspannen. Das kann sie geben. Verstehen wird sie uns vermutlich nie, obwohl sie als Künstlerin sogar eine Arbeit zu DIS gemacht hat. „Vielleicht ist unser großer Lebenswunsch, den unsere Therapeutin sieht nur die Unfähigkeit sterben zu können?” geht der Gedanken-Dialog weiter: „Vielleicht ist auch beides das gleiche?” Das bedeutet, dass wir klarerweise unfähig zu sterben sind, weil wir leben wollen.

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Der Verlust der Worte

Alles, was für ihn je gezählt hatte, waren Worte. Etwas existierte erst wirklich, wenn es benannt und besprochen wurde.


Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Tränen überfallen uns, als wir dies lesen. Es ist so wahr, ja wahrhaftig. Es betrifft uns. Wir fühlen uns gesehen, obwohl der Autor uns nicht kennt.

Er hatte es sich nicht ausgesucht, es war ihm zugestoßen und von Anfang an so gewesen. Oft hatte er sich gewünscht, ohne Worte bei den Sachen zu sein, bei den Sachen und den Menschen und den Gefühlen und den Träumen – und dann waren ihm doch wieder die Worte dazwischen gekommen. Er erlebe die Dinge erst, wenn er sie in Worte gefasst habe, sagte er manchmal, und dann sahen ihn die Leute ungläubig an.

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Nun, was Mercier hier weiter ausführt, trifft auf uns nicht mehr zur Gänze zu – oder doch?

Aktuell finden wir uns immer wieder in dem altbekannten Gefühl wieder, dankbar sein zu müssen, wenn überhaupt jemand mit uns spricht. Seit wir versuchten einer Freundin und einem Freund, die uns seit vielen Jahren begleiten, unseren Wunsch nahezulegen in Mehrzahl angesprochen zu werden, ist dieses Empfinden wieder da. Wir versuchten zu erklären, dass sie uns sonst nicht kennen, dass es eben nicht so ist, dass sie nur mit einer sprechen. Auch jetzt schon nicht. Die Ablehnung, das Erschrecken waren groß. Gehen unsere Freundschaften (wieder einmal) verloren, wenn wir aufhören uns anzubiedern und wir selbst sind? Nur damit jemand mit uns spricht, ist die Gefahr uns aufzugeben und nur beim Gegenüber zu sein groß, zu groß. So groß wie die Einsamkeit, die manchmal wie ein Fass ohne Boden wirkt. Bloß welche Freundschaft ist es, die derlei erfordert? Vielleicht verstehen wir das Konzept Freundschaft nicht? Vielleicht sind es bloß Bekannte? Vielleicht kann man mit uns nicht befreundet sein, wie es einst aus einer Freundin hervorbrach? Wir sind selten so beleidigt worden in unserem erwachsenen Leben. Aber vielleicht war es nur ehrlich?

Dabei war es lange so, dass wir einfach keine Worte mehr hatten, weil es niemanden gab mit der/dem wir sie wechseln hätten können. Zu viele unausgesprochene Worte, zu viel Unbenanntes ließ uns die Worte, die uns so wichtig sind, in uns ausradieren. Hoffentlich wird es niemals wieder so!

Es waren Bücher, die uns das Leben retteten und zwar in dem Sinne, dass sie uns davor bewahrten wahnsinnig zu werden oder uns umzubringen. Auch und vor allem als Kind. Nicht umsonst lernten wir autodidaktisch lesen bevor wir in die Schule kamen. In den Büchern, in der Schrift waren und sind die Menschen, die mit uns sprachen, die uns verstanden ohne uns zu kennen und sie sind noch heute dort zu finden.

Selbst wenn wir so viele Bücher, die wir besitzen noch nicht gelesen haben, weil oft die Kraft fehlt, oder die Ruhe, so ist ein Leben ohne von Büchern umgeben zu sein unvorstellbar. Sie beruhigen uns, haben eine besondere Schönheit, die im e-reader ihren Glanz verliert.

Vielleicht ist das erst das wirklich einsame Leben? Der Verlust der Worte ist es, der so einsam macht!