Liebe zwischen Flashbacks

Dieser Beitrag ist bereits vor einer Woche entstanden und beschreibt eine Gefühlslage, die sich über mehrere Wochen aufgebaut hat, jedoch nach der letzten Therapie etwas Erleichterung gefunden hat. ….. Vieles geht derzeit durcheinander innen. ….


Tief im Herzen ist ein unerträglicher Schmerz, der auf- und abschwillt. Vieles ist geschehen und hat Erfahrungen ins Bewusstsein gedrängt, die als latente Ahnung im Hinterkopf darauf warteten hervor zu brechen.

Sind es die CBD-Tropfen, die Zugang zu neuen Schichten des Unterbewusstseins schafften oder Innenwesen, die lange geschlafen hatten wach geküsst haben? Letzteres fühlt sich öfter plausibel an, wenn wir durch die Straßen unserer näheren langjährigen Wohnumgebung gehen und immer wieder blitzen Gedanken der Verwunderung auf, noch nie hier gewesen zu sein und dies und jenes noch nie gesehen zu haben. Vielleicht sind auch beide Beschreibungen wahr?

Manchmal scheint es bloß ein anderer Blickwinkel zu sein, ein Blick in die Ferne, der noch niemals gewagt oder eingenommen wurde zuvor, der unsere Aufmerksamkeit fesselt.

Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und es sind beide Pole des Gefühlsspektrums so ungewohnt nahe(?!!) spürbar. Schmerz und Leid, die in bodenlose Tiefen ziehen und auch die Freude und Liebe im Herzen, beim Anblick der Knospen an den Ästen der Linde vor unserem Fenster.

…. UND….

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Lebendigkeit – ja, aber ….. Angst!

Ist es möglich sich gedämpft und überdreht zugleich zu fühlen? Mir erscheinen beide Beschreibungen korrekt. Heißt „gedämpft sein“, dass wir einfach nicht so überempfindsam sind? Was weiß ich? Irgendwie komisch derzeit.

Auf der Suche nach einem Ersatz für die Kräuterkapseln, die wir fünf Jahre aus der Casa Dom Inacio bekamen und die uns so gut halfen, griffen wir auf die Anregung einer Bekannten zurück, unsere Schlafprobleme und Nervosität etwas in Griff zu bekommen.

„CBD Öl soll schon so gut geholfen haben bei Schlafstörungen!“, hörte ich. Nachdem wir enorm empfindsam auf alle Substanzen reagieren, nahmen wir ein 5%iges Öl, obwohl uns unsere langjährige Hausärztin zum 10%igen riet.

Davon haben wir nun 4 Tage 1 Tropfen abends und dreimal auch noch vormittags 1 Tropfen genommen. Fazit bislang: Wir wissen nicht, ob es uns beruhigt oder aufregt. Im Vergleich zu unseren so hilfreichen Kräuterkapseln fühlen wir uns auf alle Fälle weniger geerdet. Heute haben wir ausgesetzt, da uns auch 1 Tropfen dieses Öls etwas zu stark erscheint. Prompt war es jedoch wieder sehr schwierig aufzustehen. Das Gefühl „Oh, es ist schon Tag, was soll ich im Bett!“ war wieder verschwunden. Dennoch fühlen wir uns ruhiger — weil gewohnt schwermütig? Obwohl wir gestern beim Einkauf so leicht mit völlig fremden Menschen ins Gespräch gekommen waren und alle so freundlich waren und uns offensichtlich sympathisch fanden. Lauter Widersprüche!

Zu CBD haben wir nun im www Erfahrungsberichte gesucht und folgende Information zum Thema CBD bei PTBS gefunden: https://cbd360.de/ptbs/

Am Freitag, als wir den dritten Tag hintereinander jeweils 2 Tropfen am Tag genommen hatten, floss der folgende Text aus unserer Feder auf Papier: Lebendigkeit – ja, aber ….. Angst! weiterlesen

Leben mit DIS/DDNOS #19: Meine verdrehte Welt

Situation 1: Aufgrund einer Verlassenschaft habe ich derzeit vermehrten Kontakt zu meiner Mutter. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil je selbstverständlicher ich für sie erreichbar bin, desto eher behandelt sie mich wie früher. Das bedeutet ich muss bei jedem Treffen darum kämpfen, dass sie respektvoll mit mir umgeht. Sonst behandelt sie mich wie ein Ding, ihr Eigentum mit dem sie machen kann, was sie will. Ihre Antwort zu ihrem Lebensgefährten, der meinte: „Wie sprichst du denn mit „Benita“?“: „Ich darf mit ihr reden, wie ich will, das ist meine Tochter!“ Ja, ich kann mich heute dagegen wehren und habe es getan! Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Zusätzlich ist sie nämlich mittlerweile wieder dazu übergegangen mir bei jedem Telefonat oder Aufeinandertreffen zu erklären, welch wunderbarer Mensch mein verstorbener Vater war, der mich meine gesamte Kindheit bereits als Baby beginnend vergewaltigte, verkaufte für sexuelle Dienstleistungen und die gesamte Familie quälte mit seinem Sadismus und Jähzorn. Als ich ihr zuletzt sagte, sie solle damit aufhören, weil ich ihre Worte nicht so stehen lassen kann und wir dann nur streiten können, meinte sie: „Zu mir war er ja immer gut!“

Ich brauchte mehrere Tage und eine weitere Lobeshymne über ihn, die sie am Telefon sang, um zu erkennen, welch große Mutterliebe es bedeutet, wenn der Vater meine Kinder misshandelt und ihnen Gewalt antut, zu sagen, dass er zu mir als Mutter „immer gut war!“ Mir graut, wie wenig Liebe unsere Mutter für meinen Bruder und mich jemals hatte und bis heute hat.

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Tröstliche Tränen

und ∑meine unterschiedlichen Methoden zur Heilung.

Von ganz tief unten formen sich Tränen und rollen leise und sanft die Wangen hinunter. Unaufdringlich und zärtlich tröstend streicheln sie die zarte Haut im Gesicht. Sie sind Zeichen von Schmerz und Trost zugleich. Trost, weil wir sehen dürfen, weil wir fühlen dürfen, was ganz tief begraben ist, was nur seltenst gefühlt werden darf und kann. Zuletzt und als bislang einziger schaffte es der geliebte verstorbene Kater uns dieses Gefühl zu schenken. Geliebt werden, einfach so.

Seit einer Woche meditieren wir täglich 23 Min. Davor hatten wir die Meditation vielleicht zweimal wöchentlich gemacht. Es ist eine geführte Meditation bei der es gilt den Fokus auf die Zukunft zu richten, zu imaginieren, wie es sein könnte.(*)  Mir vorzustellen, was ich mir wünsche. Anfangs war es einfach und erleichternd. Jetzt scheinen wir in tiefere Schichten vorzudringen. Die Wünsche verändern sich. Zumeist ist Heilung der Wunsch. Heute war es geliebt zu werden. Und es war anfangs nicht möglich mir dieses Gefühl vorzustellen. Da war nur diese Leere. Ein Nichts. Bis wir Timmis Liebe (der Kater) als einzigen Bezugspunkt fanden. Als Erinnerung geliebt worden zu sein. So ein Glück!

Obwohl das Einfühlen nun intensiver zu werden scheint, fühle ich mich sehr wohl mit dieser Meditation und wenn ich sie nur einen Tag aussetze, fehlt mir etwas.

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Geh hinaus und leb dein Leben

Meine lieben Leserinnen und Leser,
Dieses Gedicht von Seelenkarussell fühlt sich für mich/uns so gut an. Es nimmt Bezug auf Gefühle, die knebeln und dennoch hinausgehen, und das eigene Leben leben.
Tatsächlich muss ich auch sagen, dass sich Vieles bei mir ändern momentan. Das tägliche Trampolin schwingen bzw. hüpfen und nun auch meditieren. Positives kommt in mein Leben und ich bin unendlich dankbar und freue mich. Es knebelt noch Vieles, aber da ist die Zuversicht einen Platz zu schaffen, wo ich glücklich sein kann. Selbst wenn es sogar ängstigt so etwas zu denken, gilt es diese Furcht loszulassen. Das ist mein Weg.
Diesen Platz wo ihr glücklich seid, wünsche ich euch allen und geht weiter, es ist möglich, das will ich sagen, auch dann wenn’s grad schwierig ist. Ich schicke euch ganz viel Kraft und Mut. Ich kann verstehen, wenn die eine oder der andere diesen Beitrag vielleicht sogar als zynisch empfinden mag in dunklen Augenblicken. Das ist nie meine Absicht. Habt Mut es gibt Zeiten wo es leichter wird, vielleicht sogar ganz leicht. Das darf sein.
Danke Gabi für dieses schöne Gedicht, das so schön beschreibt, lebendig zu sein.
Herzliche Grüße an euch. 🌼🍀🍀🍀❤️

Einen Moment innehalten

LebenGeh hinaus und leb dein Leben,
ohne Angst vor Niederlagen,
lass deinen Geist zum Himmel schweben,
und scheu dich nicht, stell deine Fragen.
Lass ab von allem Überfluss,
von dem, was deinen Geist vernebelt,
bring alles zu ’nem guten Schluss,
lös auf, was deine Seele knebelt.
Begegne Menschen mit Respekt,
sei hilfsbereit und fair,
halt die Gefühle nie bedeckt,
denn ohne sie wird’s Leben schwer.
Behandle Freunde wie ein Schatz,
was hilflos ist, beschütze,
such in der Liebe deinen Platz,
sie ist dir Halt und Stütze.
So geh hinaus, und leb dein Leben,
in dieser Welt bist du daheim,
du findest nicht den Garten Eden,
doch deinen Platz zum Glücklichsein.

Copyright seelenkaurssell

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Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren!

Das Thema Scham spielt derzeit eine sehr große Rolle in unserem Leben. Also eine bewusst sehr große Rolle. Denn latent vorhanden und behindernd ist dieses Gefühl kontinuierlich. Es ist so sehr mit uns verbunden, dass es schon als Teil unseres Selbst, als Charaktereigenschaft von ∑mir empfunden wird.

Dass Scham generell an die Oberfläche tritt und dann noch hinterfragt werden darf, hat bereits einen Aspekt von Heilung, denn im Normalfall ist sie einfach da – von früh bis spät, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Oder eben nicht da, denn es geht darum, sie so gut als möglich zu verstecken. Nur nichts anmerken lassen bedeutet verdrängen oder abspalten. Was vor allem im näheren Kontakt mit anderen Menschen mitunter sehr schlecht funktioniert und dann wieder einen Grund gibt, sich zu schämen. Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren! weiterlesen

Sein dürfen #1b: Auf dem Podest!

Folgenden Beitrag haben wir am selben Tag wie den zuletzt veröffentlichten geschrieben. Er ist also über einen Monat alt. Dann kam der Stress mit DSGVO und anderer und wir hatten keine Kraft und Worte übrig. Der Blog ist angepasst und das erleichtert.

Manches in diesem Beitrag beschriebene ist bereits mit meiner Therapeutin besprochen. Dennoch erachte ich den Text noch für interessant. Schäme mich zwar für manche Stellen, stehe aber dazu.

Ein wunderschönes Wochenende euch allen. Das Chaos um die DSGVO hat mir die Gemeinschaft der Blogger_innen noch näher gebracht. Ihr seid wunderbar. 😃❤️🌞🍀 Wie schön, dass es euch gibt. 💖🌻


Zitternd ging ich zur Psychotherapie. Ich erinnere nicht, ob ich schon einmal solche Angst davor hatte hinzugehen. Die Furcht begann erst als ich aus der Straßenbahn ausgestiegen war und die Straße zur Therapeutin entlang ging. Wir wollten nicht hin. Wir fürchteten, dass sie uns unser Erfolgserlebnis, unser Glücksgefühl wegnimmt.

Ich glaube wir haben meist Angst vor Therapie. Traumatherapie ist alles andere als angenehm. Sie tut weh, immer wieder und wer will das schon. Allein die Tatsache, dass sich mit den Jahren doch sehr vieles zum besseren geändert hat, gibt uns die Kraft es auf uns zu nehmen. Auch das Gefühl dieses Leben alleine (noch) nicht zu schaffen und was meine aktuelle langjährige Therapeutin betrifft auch die Tatsache, dass sie die beste Begleitung ist, die wir bislang hatten, wenn ich auch aufzählen könnte, was mir nicht passt. Das tue ich nicht gerne, schließlich liest sie mit (auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin – herzlichen Dank dafür!) und ich könnte ja eine andere Hilfe suchen, wenn ich unzufrieden wäre. Wenn ich die Hoffnung – oder sollte ich Phantasie schreiben ? – auf wirklich perfekte Therapie, die mich flugs heilt, am besten ohne Heilungsschmerz nicht bereits verworfen hätte. …. Da ist dieser unbändige Wunsch, dass irgendjemand das alles doch gut machen kann. Ganz gut, so als hätte ich eine andere Lebensgeschichte. Wann ich akzeptieren kann, dass mein Leben eben so ist, wie es ist? Es ist so schwierig anzunehmen!

Zudem habe ich zu viele Erfahrungen mit Therapien gemacht, die viel mehr schadeten als halfen. Diese hilft, auch wenn es mich immer wieder anwidert, wie mühsam es ist und wie lange es dauert, und, und, und.

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Sein dürfen #1a: Die Angst überwinden

und wie der „Zufall“ dabei mitunter hilft!

Was für eine Zeit, im positivsten Sinne — letztendlich! Soviel Angst und soviel Überwindung eben dieser. Und es ist mir passiert, sie zu überwinden. Bewusst wäre ich viel lieber davon gelaufen.

Zuerst war der Termin mit der Reperatur meiner Heizung zu überstehen. Das war die leichteste Übung, obwohl ich sie seit Monaten vor mir her schob, weil ich solche Angst hatte. Angst nicht bloß vor dem Handwerker der in meine Wohnung kommt, sondern auch davor, was alles kaputt sein könnte.  Die schlimmsten Horrorszenarien malten wir uns aus. Waren überzeugt, dass die Leitung etwas hat und wir den großen Kasten irgendwie von der Wand weg bekommen,  abbauben müssen. Letztendlich war es eine Kleinigkeit und der nette Handwerker war binnen 15 Minuten wieder aus der Wohnung draußen.

Die Heizugsreparatur geschafft zu haben trotz starker Belastung, die uns ein Treffen der Baugruppe nur drei Tage davor bescherte, war ein Grund zu großer Freude.

Wir trafen einige Leute der Baugruppe auf der Baustelle um zu sehen wie die Arbeiten voran gehen. Es war einer der ersten wärmeren Tage. Vielleicht lag es daran, dass viele meinten mich umarmen zu müssen.

Wir fühlten es bereits und sahen auch, dass einige Männer von unserer Gruppe anwesend waren. Ein Innenwesen meinte noch erschrocken: „So viele Männer!“ Noch bevor es gelang manche in Sicherheit zu bringen, passierte bereits ein Umarmungs-Marathon, gegen den wir keinerlei Chance hatten uns zu wehren. Umarmungen oder Berührungen von Männern sind enorm schwierig bis unerträglich für uns. Das geht nur langsam mit Vorwarnung und viel Achtsamkeit. Und es sollte bereits ein Vertrauensverhältnis bestehen. Sonst kann ich sehr gut darauf verzichten. Schon die Situation, dass sich ein zumeist wesentlich größerer Mann zu mir herunter beugt lässt einen Film von Gewalterinnerungen ablaufen, der einen Fluchtinstinkt auslöst. Leider bedeutet Flucht bei uns in den meisten Fällen dissoziieren, selbst wenn ein zurückweichen leicht möglich wäre. Bei diesen Umarmungen hätte uns wahrscheinlich sogar ein bloßes zurück zucken vor dieser unerträglichen Situation gerettet. Das konnten wir nicht. Wir haben keinen Impuls für angebrachte Reaktionen, wenn etwas triggert. In unserer Kindheit war Dissoziieren angebracht um die Gewalt zu minimieren. Heute erschwert es die Lage.

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Reblogg: die Ausnahmesituation

Hannah C. Rosenblatt hat bereits vor 14 Tagen den Beitrag die Ausnahmesituation veröffentlicht. Ich habe bereits vor 9 Tagen gemeint, dass ich ihn gerne auf meinem Blog teilen möchte.

Wie das Leben so spielt, durchkreuzten mehrere andere Auslöser und Situationen meinen Plan bislang. Themen über die ich auch gerne schreiben würde. Wie bereits öfters kann ich nicht sagen, ob es dazu kommen wird. Ob die Kraft reicht, ob die Ruhe dafür da sein wird. Und wann die Ruhe für eigene Beiträge wieder kommt. Ich hoffe sehr, dass es bald sein wird.

Inzwischen freue ich mich euch folgende Beiträge von einblogvonvielen zeigen zu dürfen, die mir nahe gingen. Insbesondere der erste Beitrag „die Ausnahmesituation“ ist mir besonders wichtig. Den zweiten Beitrag „Heim, Klapse, Knast“ möchte ich als Ergänzung dazu ebenso teilen.

Die Wichtigkeit eines anderen Umganges mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen und Psychiatriekritik sind mir große Anliegen.

Ich denke mittlerweile, dass das Problem großteils in der Unreflektiertheit des Großteils der Bevölkerung liegt. Wer sich selbst nicht kennt, erschrickt vor dem eigenen „Verrückten“ wenn die Person es in anderen gespiegelt sieht. Ich denke, dass es wohl ein politisches Anliegen ist, diese Unreflektiertheit aufrecht zu erhalten. Nicht von allen politischen Richtungen und Parteien, aber doch tendenziell von mehreren. Sei es, weil Angst vor eigener Reflexion besteht und daher vielleicht der Gedanke vorherrscht, dass derlei der „Masse der Bevölkerung“ nicht zugemutet werden könne, oder einfach weil sich Menschen mit Feindbildern leichter lenken lassen? Verständnis und Empathie geben so wenig her für politische Parolen. Ein AUS den Parolen, ein offenes Herz und Mut zum Hinsehen, das wünsche ich mir sehr.

Hier die wunderbaren, reflektierten und empathischen Beiträge von Hannah C. Rosenblatt. Viel Freude beim Lesen und reflektieren.

über die Ausnahmesituation

Heim, Klapse, Knast

 

Festhalten und doch loslassen, …

… weil es sein darf und nicht festgehalten werden muss. Ein Moment, der gut tut, inneren Frieden schenkt. Loslassen, damit wieder ein solcher kommen darf. Daran gewöhnen, dass mein Leben solches für uns bereit hält. Danke!

„Du bist so ein lieber Mensch!“ — „Ich hab dich so lieb!“ … Worte, die ich höre, als ich sie bitte mich festzuhalten, weil der Boden schwankt unter unseren Füßen und ich mich bemühe, das Plenartreffen der Baugruppe meiner zukünftigen Wohnung zu überstehen. Es zu überstehen, ohne in Tränen auszubrechen oder davonzulaufen. Davor der Versuch ein Innenwesen, das vollends überfordert ist an einen sicheren inneren Ort zu bringen. Handkante klopfen, um im Körper zu bleiben oder dorthin zurück zu kehren, zumindest weitgehend.

Das Treffen ist sehr interessant. Ein Workshop über Soziokratie als Technik der Entscheidungsfindung und des Miteinander auf Augenhöhe plätschert an uns vorüber, während wir versuchen zuzuhören und zugleich Innenwesen zu beruhigen, die wahlweise davonlaufen oder hemmungslos weinen mögen, oder sogar beides.

Endlich Pause. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Dann die Frage: „Wie geht es dir?“ G. unsere Vertraute in der Gruppe der zukünftigen Nachbar*innen und Mitbewohner*innen fragt. Sieht sie unsere Anspannung? Spürt sie den inneren Tumult? Sie ist sehr feinfühlig, eine sehr zarte, wundervolle Seele. Wir haben uns angefreundet und bereits einige schöne und tiefsinnige Gespräche geführt. Sie weiß von DIS und sie kennt diesen Blog.

Ich antworte, dass wir gegen Flashbacks kämpfen derzeit. Es ist eine schwierige Zeit, wie jedes Jahr. Anfang Jänner wird es wieder leichter, ergänze ich. Sie meint: „Jahrestage, die es schwierig machen?“ Sie erzählt etwas über sich, nur kurz. Wir hören, können aber dennoch schlecht zuhören.

Dann fragt sie, ob sie etwas tun kann, das uns jetzt helfen kann, und wir bitten sie uns festzuhalten, was sie dann gerne tut.

Es ist das erste Mal, dass jemand fragt, was ich brauche, damit es uns besser geht. Das erste Mal außerhalb der Therapie wohlgemerkt. Das erste Mal in meinem Leben. Eine Frage, kein scheinbares Wissen, was ich brauchen könnte, das uns von außen drüber gestülpt wird, damit alles schnell wieder gut ist – scheinbar.

Und dann später diese zärtlichen Worte. Ich sage, dass ich sie auch sehr lieb hab. Ich denke, dass ich das jetzt sagen muss. Und es stimmt was ich sage, dennoch tue ich mir gar nicht leicht so etwas zu sagen.

Sie wiederholt ihre Worte nochmals, weil ich sie mit meiner Zuwendung an sie wegzuwischen drohe und ergänzt: „Ja, du bist so ein lieber Mensch, aber du weißt es nicht, weil du es viel zu selten gehört hast.“ Tränen laufen über meine Wangen. Wie recht sie hat. Wieder hält sie uns umarmt. Ganz sanft.

Als ich meine, dass ich solche Angst habe, dass diese (Wohn-)Gemeinschaft mein Sein mit der Schwere nicht tragen kann, dass ich nicht weiß, ob das gehen wird, sagt sie es ist für sie Voraussetzung, dass das gehen wird. Das gehört für sie zu den Grundregeln, dass das geht. Grundregeln, die wir als Gruppe uns erst geben wollen. Ich sage noch: „Aber ich habe auch viel zu geben.“ Sie lacht und nickt überzeugend: „Oh, ja!“

So fühlt sich Freundschaft richtig an. Das wäre so schön, wenn ich ein zu Hause finden kann in einer wohlwollenden Umgebung.

Und es ist so schön, dass ich G. kennenlernte und sie wenn alles so läuft, wie wir uns das wünschen ganz nahe wohnen wird.

Das ist ein Glücksmoment … ein ganz großer … das ist AUCH Wirklichkeit, meine Wirklichkeit 2017!

Musste es erzählen, um es zu glauben, mir zu glauben. Was für ein Tag!

 

Bild: pixabay Johnhain