sexuelle Konditionierung

Am Wochenende hatte ich nach fast einem Jahr wieder Besuch von meinem lieben Neffen. Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag. Groß ist er und im Auftreten schon so erwachsen, obwohl er gerade erst dreizehn geworden ist.

Getrübt wurde der schöne Tag nur durch seinen Vater. Als er sich von seiner Frau trennte, hatte ich meinem Bruder gesagt, dass ich schon sehe, dass sie nicht zusammen passen und dass ich zu ihm stehe, auch wenn die Art wie er sich getrennt hatte nicht in Ordnung war. Und ich fügte an, sobald du jedoch deinen Sohn verletzt will ich nichts mit dir zu tun haben. Tatsache ist, dass er offenbar nicht anders kann, als andere Leute immer wieder zu verletzen. Sein Kind im Besonderen. Ich merke, dass ich meinen Bruder zu hassen beginne. Das ist unfassbar traurig. Er verweigert jegliche Therapie, will nichts von der Gewalt wissen, die auch er erlebte, weil es ihn ängstigt hinzusehen. Stattdessen wird er immer mehr wie unser Vater, lebt seine seelische Verkümmerung aus und kultiviert sie noch, damit ja nichts mehr weh tut. Das Kranke wird für gesund erklärt durch ihn. Die anderen sind falsch. Das ist immer der einfache Weg. sexuelle Konditionierung weiterlesen

Fühlen lernen

Zitternd liegen meine Finger auf der Tastatur. In mir vibriert es. Habe heute zwei Tage nacheinander Pukka-Kräuterkapseln genommen. Wir sind ausgeschlafener als in den letzten Wochen und die Dissoziation geht (dadurch?) zurück, das ist zum Teil kaum zu ertragen. Irgendwo stehen wir zwischen dem Wunsch, dass die Spaltung weniger wird und der Erlösung durch die Spaltung und dem Wunsch, weniger zu fühlen.

Seit einiger Zeit begleitet uns emotionales Kopfschütteln. Die Worte fehlen, nur der Kopf geht kaum sichtbar von rechts nach links und retour. Als wollte ich kontinuierlich sagen: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Tränen und Unwissen, was genau nicht wahr sein kann.

Es gibt ein frühes Kindheitsfoto von mir, als ich im Gitterbett liegend meinen Kopf auf meine Hände stütze. Wenn ich es heute ansehe, sieht es aus, als hätte ich genau dies gedacht. „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder auch „Was geht denn hier ab?!“ Vielleicht auch: „Ich bin im falschen Film, das kann nicht sein!“ Natürlich habe ich als Baby/Kleinkind all dies nicht gedacht, aber das Entsetzen, das Entsetzen von damals ist so nahe. Fühlen lernen weiterlesen

Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns

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ACHTUNG: Dieser Beitrag kann Betroffene evtl. in einzelnen Passagen triggern! Bitte passt auf euch auf, wenn ihr ihn lesen mögt.


Die Erinnerung ist nicht neu, sie ist nicht unbekannt, aber sie quält mich seit einer Woche.

Gestern haben wir über neun Stunden an einem Beitrag geschrieben und versucht sie in Worte zu fassen und schrieben doch nur darüber hinweg, daran vorbei.

Die Kräuter und der Tee helfen zur Ruhe zu kommen. Das ist wunderbar. Muss ich jetzt schreiben, dass Erinnern wunderbar ist? Im Grunde ist es das, wenn ich zulassen kann, was aus den Tiefen der Verdrängung hervorkommt.

Stress hilft sich nicht zu erinnern. Es ist DAS Mittel um Abzuspalten und zu Verdrängen. Der innere Friede ist damit verknüpft, anzunehmen, was ist, was war.

Darf ich es äußern? Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, vor fast einem Jahr. Es ist wieder soweit. Kurz vor dem Veröffentlichen des Artikels habe ich es erst entdeckt. So wiederhole ich mich etwas, wie sich die Erinnerungen wiederholen. Sie sind wieder da.

Als ich vor Jahren einer „Freundin“ darüber etwas anklingen ließ, verbot sie mir ihr davon zu erzählen. Eine andere Freundin meinte, dass sie es nicht erträgt es zu hören. Entschuldigte sich, aber sie war nach meiner Erzählung zusammengebrochen und hatte nur geweint. Auch meinen Yoga-Lehrer hatte ich schon zum Weinen gebracht, als er mir zuhörte. Danach, daheim. Er hat sich nie beschwert, nie etwas anklingen lassen. Seine Ex-Freundin hatte es mir erzählt.

In Therapie habe ich wohl darüber gesprochen, aber wir kommen nicht an jene Innenwesen heran, die es betrifft. Innenkinder, die ab Ende Oktober mehr und mehr die Kontrolle über den Körper übernehmen. Diese Lähmung ist bereits wesentlich besser als noch vor fünf Jahren, aber sie ist noch immer spürbar. Ihre Schmerzen und ihre Trauer belasten uns Woche für Woche mehr, bis sie am 24. Dezember schließlich alle Schwere, die sie seit Jahrzehnten mit sich tragen im gesamten System „Benita“ verteilen und das Leben prägen. Jahr für Jahr, versuchen sie sich mitzuteilen. Jahr für Jahr geben sie am 7. Jänner auf und verschwinden bis Ende Oktober. Dazwischen ist die Zeit vorbei an der sie leiden. Die Zeit in der es damals geschah. Wie oft geschah es? Wie viele Jahre hintereinander? Ich weiß es nicht.

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Helfen und Hilfe annehmen: schwierig – beides!

Weil es mich immer in meinem Leben begleitet. Weil es jedes Leben begleitet, aber traumatisierte Personen, die sich jahrzehntelang in sog. Hilfssystemen bewegen betrifft es umso mehr.

Dazu kommt, dass das permanente Misstrauen da ist. Das gelernte Misstrauen gegenüber allen Menschen wurde uns ja mit der Muttermilch mitgegeben. Nicht Urvertrauen, dass wir Hilfe verdienen und auch erhalten wurde uns gelehrt, sondern das genaue Gegenteil.

Niemand da, der unsere Bedürftigkeit sieht, was ein Baby dringend braucht um sich zu regulieren, sich zu beruhigen oder für etwas zu interessieren. Niemand da, die oder der Interesse an meinem Wohlergehen hat, nein mein Wohlergehen hat sich danach zu richten, was die anderen mögen, nicht wie ich mich fühle. Ich habe für die anderen da zu sein, für mich ist niemand da.

Diese Tatsache als Baby und Kleinkind, wo die eigenen Bedürfnisse zwar artikuliert werden jedoch auf höchstes Wohlwollen der nahen Bezugspersonen angewiesen sind um Erfüllung zu erhalten, rächt sich als traumatisierte Erwachsene. Wenn nicht gelernt werden konnte, dass das Leben sicher ist, weil andere Menschen helfen die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, wenn ich es nicht kann, ist es schwierig, dies als Erwachsene zu erlernen. Helfen und Hilfe annehmen: schwierig – beides! weiterlesen

Täter_in – Opfer – Umkehr

Oder: Über das Wesen von Gewalt in der Familie anhand eines Beispiels

Dieser Beitrag wiederholt in anderen Worten manches vom vorherigen Artikel. Ich belasse es dennoch der Vollständigkeit halber so für jene, die vielleicht nicht beide Texte lesen. Es ist nicht viel Wiederholung. Ich bitte um Verständnis.

Ich sehe meine Mutter etwa einmal jährlich. Öfter schaffe ich es nicht, so zu tun, als wäre alles gut und ihre verbalen Angriffe zu verkraften.

Aber wehe, dieses Konstrukt der Lüge wird hinterfragt. Dann gibt es Streit, dann gibt es Schuldzuweisungen auf beiden Seiten, die zu keinem Erfolg führen. Dann werden die tiefe innere Kluft, im Grunde der Hass aufeinander als Personen und zugleich der tiefe verinnerlichte Wunsch danach, eine Familie zu haben sichtbar.

Aber Familie sind wir nur, wenn wir die Gene betrachten und vermutlich trage ich etliche Verhaltensmuster meiner Eltern in mir, selbst wenn ∑ich mich dafür zutiefst schäme. Viele dieser Verhaltensweisen sind auch abgespalten.

Ich besitze ein Handy, dessen Telefon Nummer nur meine Mutter besitzt. Es ist immer ausgeschaltet. Sie kann also nur Nachrichten hinterlassen. Meine Adresse und Telefonnummer, die ich im Alltag benutze kennt sie nicht. Nur so fühle ich mich einigermaßen sicher vor ihr.

Folgender SMS-Kontakt ergab sich nun in den letzten Tagen:

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Mama

Diesen Beitrag habe ich vor dem Besuch bei meiner Mutter Anfang Februar geschrieben. Ich veröffentliche ihn heute als Einleitung zum nachfolgenden Text, der die Folgen des Treffens beschreibt.

Ich hatte keinen Kontakt zu meiner Mutter. 20 Jahre lang. Es waren gute Jahre, was die Tatsache betrifft, dass Kontakt zu meiner Familie enorm viel Kraft kostet, die ich besser einsetzen und so Freundschaften schließen konnte.. Sie fehlte mir nicht und sie fehlt mir heute nicht, wenn ich sie nicht sehe, obwohl wir seit 2010 wieder Kontakt haben.

Seit 2011 unterstützt sie mich finanziell mit einer monatlichen Überweisung. Am Samstag ist ein Treffen vereinbart. Eigentlich ist es mein Neffe, der Brückenbauer ist, obwohl er es nicht weiß. Er wird wegen seines Geburtstags zur Oma fahren, das hat seine Mutter so ausgemacht. Ich hatte mit ihm telefoniert und gemeint, ob er am Samstag zu mir kommen möchte und er hatte sich gefreut. Dann die Enttäuschung, dass er zur Oma muss.

Nachdem meine Mutter mir seit November in den Ohren liegt, dass sie mich sehen mag und es mir angenehm ist nicht alleine bei ihr zu sein, schloss ich mich diesem Treffen an. Ich telefonierte mit meiner Mutter.

Meine Mutter leugnet alle Gewalterfahrungen. Alles das der Mann der mein genetischer Vater ist mir antat. Alles nur von Therapeutinnen eingeredet. Er war ein guter Mensch, der mich liebte, sagt sie. Dass er auch sie nicht liebte, vergessen. Dass er ein Despot war und ein Sadist.

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