Corona-Depression

Mit den aktuell stärker steigenden Corona-Fallzahlen in Wien gelangte eine neue Erkenntnis ins Bewusstsein.

Wir leben zwischen Atemnot-Todesangst und Berührungsmangel-Todesangst. Ersteres weil die Symptome der Erkrankung vor allem mit Atemnot einen massiven Trigger darstellen. Zu gut kennen wir starke Atemnot die wir mit Nahtoderfahrungen verbinden und fehlende Hilfe in mehreren Situationen unseres Lebens. Verwahrlosung und Desinteresse der Eltern an unserem Wohlergehen bei Gesundheit und Krankheit.

Der Berührungsmangel ist mittlerweile abgespalten, weil wir sonst das Leben nicht ertragen könnten.

Auch dies ein Trigger, verbrachten wir doch die meiste Zeit unserer sehr frühen Kindheit ohne Berührungen im Gitterbett eingesperrt. Und wenn dann eine Berührung kam, als Reaktion auf unser weinen und schreien, war sie mitunter mit Atemnot verbunden. Das Würgen des Vaters bis zur Bewusstlosigkeit. Wir hatten es nie vergessen, obwohl wir damals ein Baby waren. Es war als „Alptraum“  über Jahrzehnte abgespeichert bis wir den „Traum“ als Erinnerung erkannten. Dann tauchte er in unserem Schlaf nicht mehr auf.

Zuvor eine ganz geringe zufällige Berührung, als ich jemandem etwas überreichte. Mehr Ahnung als bewusste Berührung zuckten wir zusammen. Es war eine von uns sehr gemochte Person die unsere Haut streifte. Und wir erkannten, wie sehr uns Umarmungen fehlen. Oder zumindest ein Händedruck. Es ist ca. vier Wochen her, dass wir einmalig umarmt wurden.

Traurig, genau sagen zu können wann und wo wir zuletzt umarmt wurden. Und es braucht nicht einmal die Finger einer Hand um die Anzahl für zwei Monate zu zeigen.

Es ist aktuell wie seelisch und körperlich verkümmern.

Wir möchten so gerne wieder einen positiven Beitrag hier schreiben, aber es gelingt irgendwie nicht. Verzeiht uns bitte.

Leben mit DIS #30a: Berufsunfähigkeitspension

Es ist so wichtig, dass es dieses Angebot unseres Sozialstaates, die Berufsunfähigkeitspension (-rente) gibt, aber es gibt kaum etwas Beschämenderes, als es bereits in jungen Jahren  annehmen zu müssen und sich viele Jahre, ja Jahrzehnte nicht daraus befreien zu können!

Als wir 1997 erstmals die Pension auf zwei Jahre befristet zuerkannt bekamen, ohne Probleme, aber auch ohne Angebot einer Rehabilitation, diese wurde vielmehr am Bescheid explizit ausgeschlossen, war es wohl der größte Schock in unserem Erwachsenenleben.

Wir sollten von nun an die folgenden 14 Jahre damit verbringen, stets nur zwei weitere Jahre befristet die Sozialleistung zu erhalten, ohne eine Unterstützung zu bekommen wieder ins Berufsleben einsteigen zu können. „Werd‘ gesund, aber wir helfen dir nicht dabei!“, so kommt uns diese Haltung vor. Das war zynisch und hat eine tiefe Wunde in unsere Seele geschlagen.

Wir schäm(t)en uns so sehr mit allen Bemühungen von alleine nicht wieder herauszukommen von dieser Zuwendung. Wir wollten die Pension niemals haben, sahen und sehen allerdings keine andere Möglichkeit zu überleben.

Dafür erhielten wir fast selbstverständlich bei allen Ämtern und immer dann, wenn wir unseren Beruf angeben mussten Ablehnung bzw. süffisante Kommentare von den unterschiedlichsten Menschen.

Wir waren und sind es noch, eine Ausgestoßene aus weiten Teilen der Gesellschaft. Es gibt nur wenige, die davon wissen und uns dennoch anerkennen.

Sich selbst die Schuld zu geben für die Folgen der erlittenen Gewalt ist Teil einer komplexen Traumafolgestörung wie DIS. In dieser falschen Selbstwahrnehmung noch kontinuierlich von weiten Teilen der Gesellschaft bestätigt zu werden hemmt und erschwert alle Anstrengungen zu heilen und ist retraumatisierend. Leider ist dies nicht ein Ausnahmefall sondern Teil des gesellschaftlichen Systems.

Mittlerweile sind die Zugangsvoraussetzungen zur Berufsunfähigkeitspension andere geworden über die wir keine Auskunft geben können, wir kennen sie selbst und die Folgen für die Betroffenen zu wenig.

Nach diesen 14 Jahren Befristung hatte auch die Pensionsversicherungsanstalt aufgegeben, dass wir wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen werden und diese beendet.

Auch wenn das eine Erleichterung war, war es auch das Gefühl jetzt komplett aufgegeben zu werden.

Jahre lang hatten wir uns das Gehirn zermartert, wie wir es von komplett berufsunfähig auf 100% leistungsfähig ohne Übergangsfrist und Eingliederungshilfen schaffen könnten. Wir haben bis heute keine Antwort dafür! Vielleicht werden wir einen Einstieg ins Berufsleben erst dann schaffen können, wenn die Berufsunfähigkeitspension in eine Alterspension umgewandelt wurde. Denn mit dieser dürfen wir auch arbeiten ohne die Sozialleistung zu verlieren. Anders mit der Berufsunfähigkeitspension. Hier besteht die Gefahr die Zuwendung zu verlieren und in noch geringer dotierte Sozialleistungen wie die Mindestsicherung abzustürzen.

Hilfreich ist das alles nicht. Nicht für uns und nicht fürs Sozialsystem!

Im Spiegel #3a: ad „Der böse Blick“

Wir sind erwacht wie erschlagen. Kopfschmerzen quälen uns. Die Angst ist omnipräsent. Wovor jetzt genau?

Plötzlich ein Flashback: Der Erzeuger hält uns mit einer Hand am Oberarm fest. Wir sind vielleicht zwischen zweieinhalb und vier Jahren alt und brüllt uns an: „Schau mir in die Augen wenn ich mit dir spreche!“ Die andere Hand dreht unseren Kopf gegen unseren Widerstand in seine Richtung. Haben wir deshalb heute 2020 so extreme Nackenschmerzen? Als Bestandteil des Flashbacks? Wo ist die Mutter? Wieder einmal weggegangen um nicht zusehen zu müssen, wenn er mir Gewalt antut? Eingegriffen hätte sie ohnedies nicht. Wäre ja auch ihr nicht gut bekommen. 1970 hatte der Mann als Familienoberhaupt noch die Gewalt über die Familie. Sie fehlt uns als Hilfe. Durch ihre Abwesenheit bzw. ihr nicht eingreifen stimmt sie ihm zu.

Wir kommen nicht aus. Er zwingt uns ihn anzusehen. In seine Augen. Diese Augen, die wir so fürchten. In diesem Alter. Später werden wir sie hassen und jeden Blickkontakt mit ihm abspalten. Sonst wäre es nicht zu ertragen gewesen. ….. Er ist tot. Diese Augen wurden verbrannt. Sie sehen niemanden mehr an!

So ein Glück!

Leben mit DIS #29: Suchtverhalten

Ich sitze am Bett und spiele irgendein bescheuertes Handy-Spiel, statt ein Buch zu lesen oder schlafen zu gehen. Dialog innen: „Wozu leben wir?“ „Weil es Menschen gibt, die sich um uns bemühen?“ Haben heute mit einer Freundin gemailt zur Frage des DU oder IHR. Durchaus positiv, scheint uns. Und wir dürfen bereits viele Jahre gratis im Haus einer anderen Freundin/Bekannten wohnen im Sommer um der Hitze der Stadt zu entkommen und ein bisschen zu entspannen. Das kann sie geben. Verstehen wird sie uns vermutlich nie, obwohl sie als Künstlerin sogar eine Arbeit zu DIS gemacht hat. „Vielleicht ist unser großer Lebenswunsch, den unsere Therapeutin sieht nur die Unfähigkeit sterben zu können?” geht der Gedanken-Dialog weiter: „Vielleicht ist auch beides das gleiche?” Das bedeutet, dass wir klarerweise unfähig zu sterben sind, weil wir leben wollen.

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Der Verlust der Worte

Alles, was für ihn je gezählt hatte, waren Worte. Etwas existierte erst wirklich, wenn es benannt und besprochen wurde.


Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Tränen überfallen uns, als wir dies lesen. Es ist so wahr, ja wahrhaftig. Es betrifft uns. Wir fühlen uns gesehen, obwohl der Autor uns nicht kennt.

Er hatte es sich nicht ausgesucht, es war ihm zugestoßen und von Anfang an so gewesen. Oft hatte er sich gewünscht, ohne Worte bei den Sachen zu sein, bei den Sachen und den Menschen und den Gefühlen und den Träumen – und dann waren ihm doch wieder die Worte dazwischen gekommen. Er erlebe die Dinge erst, wenn er sie in Worte gefasst habe, sagte er manchmal, und dann sahen ihn die Leute ungläubig an.

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Nun, was Mercier hier weiter ausführt, trifft auf uns nicht mehr zur Gänze zu – oder doch?

Aktuell finden wir uns immer wieder in dem altbekannten Gefühl wieder, dankbar sein zu müssen, wenn überhaupt jemand mit uns spricht. Seit wir versuchten einer Freundin und einem Freund, die uns seit vielen Jahren begleiten, unseren Wunsch nahezulegen in Mehrzahl angesprochen zu werden, ist dieses Empfinden wieder da. Wir versuchten zu erklären, dass sie uns sonst nicht kennen, dass es eben nicht so ist, dass sie nur mit einer sprechen. Auch jetzt schon nicht. Die Ablehnung, das Erschrecken waren groß. Gehen unsere Freundschaften (wieder einmal) verloren, wenn wir aufhören uns anzubiedern und wir selbst sind? Nur damit jemand mit uns spricht, ist die Gefahr uns aufzugeben und nur beim Gegenüber zu sein groß, zu groß. So groß wie die Einsamkeit, die manchmal wie ein Fass ohne Boden wirkt. Bloß welche Freundschaft ist es, die derlei erfordert? Vielleicht verstehen wir das Konzept Freundschaft nicht? Vielleicht sind es bloß Bekannte? Vielleicht kann man mit uns nicht befreundet sein, wie es einst aus einer Freundin hervorbrach? Wir sind selten so beleidigt worden in unserem erwachsenen Leben. Aber vielleicht war es nur ehrlich?

Dabei war es lange so, dass wir einfach keine Worte mehr hatten, weil es niemanden gab mit der/dem wir sie wechseln hätten können. Zu viele unausgesprochene Worte, zu viel Unbenanntes ließ uns die Worte, die uns so wichtig sind, in uns ausradieren. Hoffentlich wird es niemals wieder so!

Es waren Bücher, die uns das Leben retteten und zwar in dem Sinne, dass sie uns davor bewahrten wahnsinnig zu werden oder uns umzubringen. Auch und vor allem als Kind. Nicht umsonst lernten wir autodidaktisch lesen bevor wir in die Schule kamen. In den Büchern, in der Schrift waren und sind die Menschen, die mit uns sprachen, die uns verstanden ohne uns zu kennen und sie sind noch heute dort zu finden.

Selbst wenn wir so viele Bücher, die wir besitzen noch nicht gelesen haben, weil oft die Kraft fehlt, oder die Ruhe, so ist ein Leben ohne von Büchern umgeben zu sein unvorstellbar. Sie beruhigen uns, haben eine besondere Schönheit, die im e-reader ihren Glanz verliert.

Vielleicht ist das erst das wirklich einsame Leben? Der Verlust der Worte ist es, der so einsam macht!

Im Spiegel ….

….. Beim Zähneputzen einen Blick in den Spiegel zu wagen, riet uns die Therapeutin einmal um zu erkennen, dass die Gewalt im Zusammenhang damit der Vergangenheit angehört.

Der Zwang, die Grobheit als Kleinkind Zähne zu putzen, wie es uns gelehrt wurde, wie uns der Vater die Zähne putzte, rücksichtslos und aggressiv, macht die tägliche Körperhygiene zur Überwindung und nötigt uns diese Tätigkeit abzuspalten.

Heute wagten wir kurz den Blick in den Spiegel. Blieben danach beim Spiegelbild. Wollten erkunden, ob wir nicht vielleicht doch „nur“ ein ICH in den Augen erkennen.

Zunächst der Blick ins Gesicht. Da ist und bleibt bloß ein Körper, das muss ein ICH sein, oder doch nicht? „Wir reden uns nur das WIR ein!”, blitzte als Gedanke durch den Kopf.

Dann der Blick in die Augen. Zwei Minuten maximal mögen es gewesen sein. Zwei Minuten, die UNS klar machten, dass es kein ICH geben kann für uns. Der Schmerz ist viel zu groß für eine Person. Untragbar. Er muss(te) aufgeteilt werden. Tränen können erst kommen als wir den Spiegel verlassen und uns aus den Augen lassen.

Mit Blick in unsere Augen ist da zuviel Entsetzen und Schmerz. Eine Grimasse der verletzten Seele.

Verkaufsgespräch mit musikalischem Ausklang

Unsere Zahnärztin möchte uns eine Brücke verkaufen. Das versucht sie schon seit ungefähr drei Jahren. Wir wissen aber nicht, ob wir das wollen. Eigentlich wollen wir nicht, aber die Alternativen sind leider auch nicht überzeugend. Zahnlücke, die wie sie sagt für das Gebiss nicht von Vorteil ist oder noch viel schlimmer: Teilprothese – grässlicher Gedanke und unvorstellbar.

Nun haben wir also bereits den zweiten Kostenvoranschlag innerhalb dieser drei Jahre für ihre Arbeit an unserem Gebiss daheim und können uns nicht entschließen. Die Panik war und ist groß. Ein nicht zu uns gehörendes Teil in unserem Mund zu haben ist ein riesiger Trigger. Günstig ist so eine Brücke auch nicht. Wir müssen uns also ganz sicher sein, dass wir das wollen und können, um zu vermeiden, dass wir danach in solche Panikreaktionen geraten, dass sie die Brücke wieder herausnehmen muss. Und was dann? Viel Geld in den Müll geworfen und Zähne beschliffen. Als wir das erkannt hatten, haben wir einen Beratungstermin mit der Ärztin vereinbart, den wir gestern hinter uns gebracht haben. Klar war, dass nichts körperlich schmerzhaftes geschehen wird, dennoch war die Panik riesig.

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Wien entdecken ….

… ein neues Hobby.

Dieser Text ist vor 10 Tagen im Stehen am Handy getippt worden. Mit Blick auf die Hofburg und auch die Spanische Hofreitschule. Voller eben erlebter Eindrücke.

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Hofburg Wien

 

Jetzt leben wir über 5 Jahrzehnte in dieser Stadt, die in weiten Teilen einem gratis Freiluftmuseum gleicht und wir haben so Vieles nicht gesehen.

Ja, die Stadt in die man geboren wurde ist oft jene, deren Sehenswürdigkeiten Menschen am wenigsten kennen.

Ich hab sie so gehasst, für alles Erlittene, war blind für ihre Schönheit. Sie ist auch dekadent, sich der Schönheit so bewusst, dass die hier Lebenden es oft nicht wahrhaben.

Wir hatten keine Zeit und keine Kraft. Ist das der Grund? …. Wir waren mit uns beschäftigt, mit überleben.

Und jetzt ist es anders? Corona-„pay as you wish“-Eintritt im Kunsthistorischen Museum. Den wollten wir unbedingt noch nutzen. Am vorletzen Tag ist es uns gelungen. Welches Erlebnis! Durch die Gemälde alter Meister und Meisterinnen – ja, die gab es auch, wenn auch nur vereinzelt zu finden – längst vergangene Zeiten und Schicksale von Menschen, die damals lebten, kennenlernen. …. Falls es in 500 Jahren noch Menschen geben sollte, werden diese dann ebenso verwundert und staunend vor Relikten aus der heutigen Zeit stehen, wie wir heute? Jedes Gemälde erzählt eine Geschichte. Menschen, die sehr schwer an ihrer samtenen Kleidung trugen. Was machte diese physische Last mit jenen, die zu dieser Zeit die Begüterten waren? Sich mit Statussymbolen zu belasten scheint ein menschlicher Irrweg zu sein, der seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden gelebt wird.

Das Gebäude alleine ließ uns nicht aufhören mit großen Augen umherzulaufen, zu erforschen und es auf uns wirken zu lassen. Zweieinhalb Stunden waren dafür viel zu wenig Zeit.

Kunsthisorisches Museum – Wien
Kunsthisorisches Museum – Wien
wp-15943314624928860157782975191175.jpgKunsthisorisches Museum – Wien (leider verwackelt, aber mir gefällt der Balkon so gut, dass das Foto dennoch drinnen bleibt ….. muss also wieder hin, um ein schöneres Bild mitzubringen)
Kunsthisorisches Museum – Wien

Das Leben ist so bunt. Welches Glück, dass wir dies erkennen können!

Zuvor der Gedanke, ich will hier nicht wegziehen, aus dieser Stadt. Ein neuer Gedanke!

Und während ich schwärmend durch die Innenstadt bummle, geht unser Bürgermeister im Gespräch an mir vorbei. Man mag von ihm halten, was man will, es passte zum Szenario. Eine sichere Stadt. Kein Bodyguard weit und breit. Nur kitschige Walzerseeligkeit. Zumindest heute hier und jetzt für uns.

Leben mit DIS #27: Was für ein Traum!

Wir träumen sehr selten bewusst. Heute gab es einen dieser seltenen Fälle, bei denen ein Traum so sehr im Bewusstsein blieb, dass wir überlegen mussten, wo die Geschichte herkam. War es aus einem Film gewesen oder irgendetwas Erlebtes gar? Ja, dass wir es selbst erlebt hatten klingt nach der Lektüre des Traum-Inhalts höchst absurd, aber der Gedanke war dennoch da, weil es so nahe war.

Es war in einem Haus in dem ich wohnte, in dem es eine verbotene Türe gab, die ich nicht öffnen sollte. Von wem diese Einschränkung ausgesprochen wurde, war im Traum nicht thematisiert.

Sie dennoch zu öffnen würde Unglück bringen. Nun, eine solche Ankündigung ist dazu gemacht Neugier zu wecken. Also machte ich mich daran, die Türe zu öffnen. Eigentlich war es eine doppelte Türe. Zunächst gab es eine hinter der sich bloß ein sehr kleiner Raum befand, der zur zweiten Türe führte, die fest verschlossen schien. Es war beängstigend, also drehte ich um, schloss die erste Türe wieder und war froh, dass trotz meiner Missachtung des Verbots nichts Schlimmes geschehen war.

Der innere Friede hielt nicht lange an, sodass ich mich nun in Begleitung nochmals zu dieser Türe auf machte. Meine Begleiterin fragte noch ob ich das wirklich will. Ja, klar wollte ich, alles andere zu antworten wäre peinlich gewesen. Flugs hatte ich die erste Türe geöffnet. Hier wusste ich mich ja auf der sicheren Seite. Dann kam die zweite Türe. Ich zitterte und meine Begleitung half nur insofern, als ich nun nicht so einfach davonlaufen wollte. Mit ihrer Angst im Rücken öffnete ich also diese Türe und erschrak, als ein Gespenst an uns vorbei hinausflog, das wie aus einem Comic gezeichnet aussah. Es kicherte, sprach eine Drohung aus, die ich nicht verstand und verschwand. Dann stand ich da, die Begleiterin ebenso mit offenen Mündern. Nein, das konnten wir nicht mehr rückgängig machen. War das der Wunsch? Einfach einmal nachsehen und wieder schließen und alles wäre wie davor?  Hier war der Traum zu ENDE.

Als wir erwachten, war alles verwirrend. Erst später erkannte ich, dass es ein Traum gewesen sein muss. Ein Traum, der so enorm plakativ war, dass es wirklich langweilig war, ihn zu deuten.

In der letzten Therapiestunde kamen erstmals zwei Kinder hervor, die mit der Therapeutin sprachen. Das hatte im System danach viel Unruhe erzeugt. Da gab es eine Drohung, dass derlei nicht sein darf. ….. Nun aber war das Gespenst befreit und ich konnte es nicht mehr weg sperren. Und ja, es macht uns Angst, welche Enthüllungen nun noch zum Vorschein kommen werden.

Das sagt ein Onlineportal zur Traumdeutung über Gespenster im Traum: http://www.traumdeuter.ch/texte/2127.htm

Inside out

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Dieser Beitrag wurde am 28. Mai 2020 nahezu fertig verfasst. Damals waren wir noch tief in dem Prozess Scham zu erkennen, inneres nach außen zu kehren, nicht wissend wohin uns all diese Introspektion führen wird. Heute sind wir  – bin ich – einige Erkenntnisprozesse weiter. Um den Weg etwas nachvollziehen zu können, den wir gegangen sind, möchte ich auch diesen älteren Text veröffentlichen.

Es geht uns heute um Vieles besser als vor diesen zwei Wochen. Ich bitte das bei möglichen Kommentaren zu berücksichtigen.

Wenn wir eine besondere Fähigkeit besitzen, dann ist es jene, ganz tief in die Untiefen unserer Seele einzutauchen. Oft benötigen wir Hilfe dafür, aber wenn diese vorhanden ist, scheuen wir nicht, diesen Weg zu gehen, zu reflektieren und zu transformieren. Bei jedem Tauchgang wird mehr Müll hochgeholt und einer „nachhaltigen Entsorgung“ zugeführt. Dies zu können ist ein großes Glück, wofür wir sehr dankbar sind.

Hier kommt der erste Beitrag für all jene, die gerne verfolgen, wie wir unseren Weg gehen und sich vielleicht gefragt haben, warum wir doch längere Zeit so schweigsam waren. Herzlichen Dank für euer Interesse. Jene, die vielleicht nur sporadisch hier sind, oder diese Seite gar zum ersten Mal besuchen, auch ihr seid freilich herzlich willkommen.


Wenn dieses Gefühl das letzte Stück Dreck zu sein an die Oberfläche schwappt, ist das einerseits hilfreich, weil sich Verdrängtes und Abgespaltenes nicht dazu eignet heil zu werden, aber es ist auch so schmerzhaft, dass es kaum zu ertragen ist.

Dieses Gefühl nichts wert zu sein ist eines, das uns von ganz klein auf gelehrt wurde. Ich/wir habe/n es übernommen. Das ging damals auch gar nicht anders.

Klein machen, ja sich selbst unsichtbar machen war erforderlich um zu überleben. Als Kind war es niemals hilfreich diesen Schmerz zu zeigen. Aber auch die abgrundtiefe Scham durfte niemals auch nur zu erahnen sein. Die Scham keine andere Lösung gefunden zu haben, als sich aufzuspalten um zu überleben. Es fühlt sich an, als hätten wir uns aufgegeben, selbst wenn die Spaltung genau das Gegenteil bewirkte.

Daher kam ein Mäntlein drüber, welches dieses Gefühl unter sich verbirgt, und noch eins und noch eins und zwar so lange, bis alles perfekt verborgen war. So perfekt, dass es nicht zu erkennen ist und damit niemanden stört. Diese früh erlernte Strategie haben wir als Erwachsene beibehalten. Noch mehr Mäntlein wurden übergezogen und Folien über das ICH gelegt. Stets versuchend es anderen recht zu machen, damit wir nicht stören, aber nicht weil wir in unserem Wesen so zurückhaltend wären, sondern vielmehr weil es ein Garant dafür war, keiner Gewalt oder nur aggressiverem Widerspruch ausgesetzt zu werden, den wir fürchteten und gewohnheitsmäßig erwarteten. Wir erkannten nicht, dass es erlaubt war zu leben und was leben, so wie ICH bin, bedeuten könnte! Nur nicht (zu unangenehm) auffallen. Allein das Ziel „unsichtbar sein“ als Kind vs. „“normal“ selbstsicher erscheinen im Kontakt“ heute als Erwachsene ist diametral entgegen gesetzt. — Was für ein Kraftakt permanent zwei konträre Erwartungen erfüllen zu wollen. Denn das alte Glaubensmuster des mich/uns Versteckens war zum Selbstverständnis geworden. Selbstsicherheit als Rolle, die zwar das alte Glaubensmuster stets infrage stellt und auch erodiert, blieb bislang als Verkleidung nur die äußere Hülle.

Irgendwann vor vielen Jahren, hatten wir einmal in ein Tagebuch geschrieben, dass wir unsere Rollen so perfekt spielen, dass wir uns verloren haben und sie unser Verhängnis geworden sind.

Wen wundert folglich, dass wir so wenig Kraftreserven übrig haben zu leben, was wir glauben tatsächlich zu sein, oder wie wir sein wollen?

Schade um diese Energieverschwendung. Jahrzehntelange Angewohnheiten abstreifen, — es wird mir/uns schon gelingen – nach und nach. Ein erster Schritt der Erkenntnis ist gemacht.


….. Fortsetzungstext zur Arbeit der letzten Wochen folgt hoffentlich in Kürze 😉