Schreiben bedeutet ….

Gedanken zum Schreiben an meiner/unserer Autobiographie:

„Schreiben bedeutet Transformation meiner/unserer Vergangenheit in eine Form, die für uns erträglich ist und mit der wir leben können.“ Benita Wiese

Ein Mann hat eine Erfahrung gemacht, jetzt sucht er eine Geschichte dazu — man kann nicht leben mit einer Erfahrung, die ohne Geschichte bleibt, scheint es, und manchmal stellte ich mir vor, ein anderer habe genau die Geschichte meiner Erfahrung. ….

Max Frisch: „Mein Name sei Gantenbein“, S 897

Sie verhalten sich nicht zur Gegenwart, sondern zu einer Erinnerung. Das ist es. Sie meinen die Zukunft schon zu kennen durch Ihre Erfahrung. Drum wird es jedesmal dieselbe Geschichte.

Max Frisch: „Biographie“, S 639

Werbeanzeigen

Liebe zwischen Flashbacks

Dieser Beitrag ist bereits vor einer Woche entstanden und beschreibt eine Gefühlslage, die sich über mehrere Wochen aufgebaut hat, jedoch nach der letzten Therapie etwas Erleichterung gefunden hat. ….. Vieles geht derzeit durcheinander innen. ….


Tief im Herzen ist ein unerträglicher Schmerz, der auf- und abschwillt. Vieles ist geschehen und hat Erfahrungen ins Bewusstsein gedrängt, die als latente Ahnung im Hinterkopf darauf warteten hervor zu brechen.

Sind es die CBD-Tropfen, die Zugang zu neuen Schichten des Unterbewusstseins schafften oder Innenwesen, die lange geschlafen hatten wach geküsst haben? Letzteres fühlt sich öfter plausibel an, wenn wir durch die Straßen unserer näheren langjährigen Wohnumgebung gehen und immer wieder blitzen Gedanken der Verwunderung auf, noch nie hier gewesen zu sein und dies und jenes noch nie gesehen zu haben. Vielleicht sind auch beide Beschreibungen wahr?

Manchmal scheint es bloß ein anderer Blickwinkel zu sein, ein Blick in die Ferne, der noch niemals gewagt oder eingenommen wurde zuvor, der unsere Aufmerksamkeit fesselt.

Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und es sind beide Pole des Gefühlsspektrums so ungewohnt nahe(?!!) spürbar. Schmerz und Leid, die in bodenlose Tiefen ziehen und auch die Freude und Liebe im Herzen, beim Anblick der Knospen an den Ästen der Linde vor unserem Fenster.

…. UND….

Liebe zwischen Flashbacks weiterlesen

Dazu gehören!

all human rights for all - best one

Seit Tagen fliehen wir davor zu schreiben. Alles mögliche und unmögliche wird gemacht, nur um nicht nieder zu schreiben, was uns seit einer guten Woche alles durch den Kopf geht und unsere Gefühle okkupiert. Wir haben Angst. Dabei ist es doch gar nicht so schlimm, denken wir, was wir schreiben wollen. Aber es zerreißt uns fast das Herz.

In der vergangenen Woche kam das Thema sich irgendwo zugehörig fühlen zu wollen so geballt auf uns zu. Zuerst war wie im letzten Beitrag bereits beschrieben die Debatte auf einem anderen Blog und danach die Erfahrung in der Baugruppe.

Nach der Verzweiflung und der kurzfristigen Beruhigung kam nach und nach die Reflexion hinzu.

Immer wieder ging es um diese Einsamkeit unter Menschen. Es ging darum sich niemals zugehörig zu fühlen und dass es eine enorme Belastung ist, so große Angst macht, anderen Menschen das Herz zu öffnen. Dass es so einfach ist, alleine einsam zu sein. Dass die Isolation eine Erholung ist und Menschen immer nur Gefahr bedeuten. Dass ich nicht weiß wie und ob wir aus dieser Qual aussteigen können.

Begegnung als Sehnsuchtsort und Horrorszenario zugleich.

Als Kind uns Jugendliche war das wichtigste rechtzeitig flüchten zu können. Vor den Übergriffen rechtzeitig zu switchen um den Schmerz nicht zu fühlen, vor Papas Jähzorn so schnell wie möglich abtauchen oder deeskalieren und kalmieren um einem möglichen Totschlag zu entgehen. Immer war alles möglich. Unser Ziel war, dass ich niemals eine Schlagzeile in der Kronen-Zeitung (größte Boulvard-Zeitung des Landes) werden wollte: „Familiendrama! Mann tötet Frau und Tochter und richtet sich selbst!“ ….. so ungefähr dachte ich wäre es möglich in der Zeitung zu landen. All unser Streben war es, dies zu verhindern. Alle Kraft, alle Ressourcen waren gebunden an dieses Ziel. Alle Bedürfnisse wurden diesem Ziel untergeordnet. Nur überleben, mehr wollte ich nicht. Dazu gehören! weiterlesen

Alarmierend: Zu wenig Frauenrechtswissen bei Jugendlichen

Gerade weil sich bei mir so enorm viel tut, kommen wir nicht zum berichten. Die Verlassenschaft nach meiner Großtante fordert viel Kraft und schenkt zugleich viele Erkenntnisse.

Ich freue mich darauf Zeit zu haben darüber schreiben zu können.

Inzwischen habe ich eine arlamierende E-Mail der NGO SOS-Mitmensch erhalten. Beim Wissen um Frauenrechte und deren Übertretung und wo Mädchen und Frauen Hilfe bekommen im Anlassfall besteht großer Verbesserungsbedarf!

https://www.sosmitmensch.at/action/mlr/pv?&idx=453078&cid=142&uid=56761&sid=1&cks=e69485be

Leben mit DIS/DDNOS #19: Meine verdrehte Welt

Situation 1: Aufgrund einer Verlassenschaft habe ich derzeit vermehrten Kontakt zu meiner Mutter. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil je selbstverständlicher ich für sie erreichbar bin, desto eher behandelt sie mich wie früher. Das bedeutet ich muss bei jedem Treffen darum kämpfen, dass sie respektvoll mit mir umgeht. Sonst behandelt sie mich wie ein Ding, ihr Eigentum mit dem sie machen kann, was sie will. Ihre Antwort zu ihrem Lebensgefährten, der meinte: „Wie sprichst du denn mit „Benita“?“: „Ich darf mit ihr reden, wie ich will, das ist meine Tochter!“ Ja, ich kann mich heute dagegen wehren und habe es getan! Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Zusätzlich ist sie nämlich mittlerweile wieder dazu übergegangen mir bei jedem Telefonat oder Aufeinandertreffen zu erklären, welch wunderbarer Mensch mein verstorbener Vater war, der mich meine gesamte Kindheit bereits als Baby beginnend vergewaltigte, verkaufte für sexuelle Dienstleistungen und die gesamte Familie quälte mit seinem Sadismus und Jähzorn. Als ich ihr zuletzt sagte, sie solle damit aufhören, weil ich ihre Worte nicht so stehen lassen kann und wir dann nur streiten können, meinte sie: „Zu mir war er ja immer gut!“

Ich brauchte mehrere Tage und eine weitere Lobeshymne über ihn, die sie am Telefon sang, um zu erkennen, welch große Mutterliebe es bedeutet, wenn der Vater meine Kinder misshandelt und ihnen Gewalt antut, zu sagen, dass er zu mir als Mutter „immer gut war!“ Mir graut, wie wenig Liebe unsere Mutter für meinen Bruder und mich jemals hatte und bis heute hat.

Leben mit DIS/DDNOS #19: Meine verdrehte Welt weiterlesen

Geh hinaus und leb dein Leben

Meine lieben Leserinnen und Leser,
Dieses Gedicht von Seelenkarussell fühlt sich für mich/uns so gut an. Es nimmt Bezug auf Gefühle, die knebeln und dennoch hinausgehen, und das eigene Leben leben.
Tatsächlich muss ich auch sagen, dass sich Vieles bei mir ändern momentan. Das tägliche Trampolin schwingen bzw. hüpfen und nun auch meditieren. Positives kommt in mein Leben und ich bin unendlich dankbar und freue mich. Es knebelt noch Vieles, aber da ist die Zuversicht einen Platz zu schaffen, wo ich glücklich sein kann. Selbst wenn es sogar ängstigt so etwas zu denken, gilt es diese Furcht loszulassen. Das ist mein Weg.
Diesen Platz wo ihr glücklich seid, wünsche ich euch allen und geht weiter, es ist möglich, das will ich sagen, auch dann wenn’s grad schwierig ist. Ich schicke euch ganz viel Kraft und Mut. Ich kann verstehen, wenn die eine oder der andere diesen Beitrag vielleicht sogar als zynisch empfinden mag in dunklen Augenblicken. Das ist nie meine Absicht. Habt Mut es gibt Zeiten wo es leichter wird, vielleicht sogar ganz leicht. Das darf sein.
Danke Gabi für dieses schöne Gedicht, das so schön beschreibt, lebendig zu sein.
Herzliche Grüße an euch. 🌼🍀🍀🍀❤️

Einen Moment innehalten

LebenGeh hinaus und leb dein Leben,
ohne Angst vor Niederlagen,
lass deinen Geist zum Himmel schweben,
und scheu dich nicht, stell deine Fragen.
Lass ab von allem Überfluss,
von dem, was deinen Geist vernebelt,
bring alles zu ’nem guten Schluss,
lös auf, was deine Seele knebelt.
Begegne Menschen mit Respekt,
sei hilfsbereit und fair,
halt die Gefühle nie bedeckt,
denn ohne sie wird’s Leben schwer.
Behandle Freunde wie ein Schatz,
was hilflos ist, beschütze,
such in der Liebe deinen Platz,
sie ist dir Halt und Stütze.
So geh hinaus, und leb dein Leben,
in dieser Welt bist du daheim,
du findest nicht den Garten Eden,
doch deinen Platz zum Glücklichsein.

Copyright seelenkaurssell

Ursprünglichen Post anzeigen

Sein dürfen #1a: Die Angst überwinden

und wie der „Zufall“ dabei mitunter hilft!

Was für eine Zeit, im positivsten Sinne — letztendlich! Soviel Angst und soviel Überwindung eben dieser. Und es ist mir passiert, sie zu überwinden. Bewusst wäre ich viel lieber davon gelaufen.

Zuerst war der Termin mit der Reperatur meiner Heizung zu überstehen. Das war die leichteste Übung, obwohl ich sie seit Monaten vor mir her schob, weil ich solche Angst hatte. Angst nicht bloß vor dem Handwerker der in meine Wohnung kommt, sondern auch davor, was alles kaputt sein könnte.  Die schlimmsten Horrorszenarien malten wir uns aus. Waren überzeugt, dass die Leitung etwas hat und wir den großen Kasten irgendwie von der Wand weg bekommen,  abbauben müssen. Letztendlich war es eine Kleinigkeit und der nette Handwerker war binnen 15 Minuten wieder aus der Wohnung draußen.

Die Heizugsreparatur geschafft zu haben trotz starker Belastung, die uns ein Treffen der Baugruppe nur drei Tage davor bescherte, war ein Grund zu großer Freude.

Wir trafen einige Leute der Baugruppe auf der Baustelle um zu sehen wie die Arbeiten voran gehen. Es war einer der ersten wärmeren Tage. Vielleicht lag es daran, dass viele meinten mich umarmen zu müssen.

Wir fühlten es bereits und sahen auch, dass einige Männer von unserer Gruppe anwesend waren. Ein Innenwesen meinte noch erschrocken: „So viele Männer!“ Noch bevor es gelang manche in Sicherheit zu bringen, passierte bereits ein Umarmungs-Marathon, gegen den wir keinerlei Chance hatten uns zu wehren. Umarmungen oder Berührungen von Männern sind enorm schwierig bis unerträglich für uns. Das geht nur langsam mit Vorwarnung und viel Achtsamkeit. Und es sollte bereits ein Vertrauensverhältnis bestehen. Sonst kann ich sehr gut darauf verzichten. Schon die Situation, dass sich ein zumeist wesentlich größerer Mann zu mir herunter beugt lässt einen Film von Gewalterinnerungen ablaufen, der einen Fluchtinstinkt auslöst. Leider bedeutet Flucht bei uns in den meisten Fällen dissoziieren, selbst wenn ein zurückweichen leicht möglich wäre. Bei diesen Umarmungen hätte uns wahrscheinlich sogar ein bloßes zurück zucken vor dieser unerträglichen Situation gerettet. Das konnten wir nicht. Wir haben keinen Impuls für angebrachte Reaktionen, wenn etwas triggert. In unserer Kindheit war Dissoziieren angebracht um die Gewalt zu minimieren. Heute erschwert es die Lage.

Sein dürfen #1a: Die Angst überwinden weiterlesen

„Die Lebensende-Klinik“ – TV Doku

in memoriam C.

In der Nacht auf den 8. Dezember 2016 nahm sich C. das Leben. Sie war noch keine 40 Jahre alt.

Damals konnte ich es nicht verstehen, es tat mir unsagbar weh und das machte mich ärgerlich, auf mehrere Betroffene und auch auf C. Auch, dass ich nicht helfen konnte, dass ihr nicht geholfen wurde, von Stellen, die dafür eingerichtet wurden schmerzte so sehr. Auf Psychiatrien und bei anderen Kriseninterventionen fand sie keine Ruhe. Sie kämpfte um ihren Seelenfrieden und fand ihn nicht.

Auch die verordneten Psychopharmaka und Alternativmedizin brachten ihr nicht die ersehnte Erleichterung ihres Leides.

Mehrere Wochen war ich letztes Jahr von dieser tragischen Realität, dass sie gegangen war belastet. Gestern und heute ist uns diese Begebenheit wieder sehr nahe. Zuvor beim Yoga weinten wir um C., wieder einmal. Es ist so traurig, wenn eine so junge, kluge, körperlich gesunde und in sich sanfte Frau nicht weiter weiß und ihr Leben beendet.

Einen Tag vor ihrem ersten Todestag wurde im ORF eine Dokumentation zu Sterbehilfe ausgestrahlt. Vor einem Jahr habe ich einen Beitrag geschrieben, weshalb Suizid keine Option ist. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob das immer so ist. Ich möchte, dass es keine Option ist, aber ich akzeptiere, dass dies nicht für alle Menschen immer so gelten muss. Ich musste vor einem Jahr für mich Stellung beziehen, um mit der Situation umgehen zu können.

Die oben angekündigte TV-Doku zu einer „Lebensende-Klinik“ in Den Haag, wo der Wunsch nach selbst bestimmten Sterben von mehr als 40 Sterbehilfeteams geprüft wird und Sterbehilfe geleistet wird, hat uns sehr aufgewühlt. Es ist eine zärtliche Doku, die den Menschen ihre Würde lässt. Wünsche, die verstanden werden können oder nicht. Es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, sein Leben vorzeitig zu beenden.

Zuvor, als beim Yoga die Tränen kamen, war es nicht, weil C. gegangen war. Schmerzlich war, mir vorzustellen, dass sie diesen Weg alleine gehen musste, einsam, ohne Beistand. Vielleicht sogar mit Schuldgefühlen, bevor sie einschlief für immer!

DAS hatte sie nicht verdient. Niemand sollte so sterben müssen.

Hier geht’s zur Doku, die noch 4 Tage in der ORF/tvthek abrufbar ist:

http://tvthek.orf.at/profile/Weltjournal/5298609/WELTjournal-Die-Lebensende-Klinik-Sterben-auf-Wunsch/13956213

Ich möchte diese Doku teilen, weil ich die Debatte als schwierig, aber wichtig empfinde. Sie macht mir Angst und ich habe noch keine endgültige Meinung dazu.

Bitte passt auf euch auf, wenn ihr sie anseht.

Liebe C., ich hoffe sehr, dass es dir nun gut geht, wo du jetzt bist. R.i.P 🌻

Leben mit DIS #10: „Warum immer so schüchtern?!“

Mit einer Tonlage zwischen Anklage und Ermunterung stellte der 88jährige Vater einer Freundin uns heute diese Frage.

Seit ungefähr 10 Jahren verbringen wir im Sommer mehrere Tage bis Wochen im Haus von C. Davor war es das Haus von O., der es bereits zu Lebzeiten an seine Tochter weitergab, so wie auch er es geerbt hatte. Es ist ein großes Haus. Sowohl O. mit seiner Frau als auch C. und deren Familie lebten hier. Nun sind C.’s Kinder ausgezogen. Neben den Haushalten der Eltern und der Tochter gibt es noch eine Gästewohnung, in der ich im Sommer unentgeltlich der Stadt mit Hitze und Lärm entfliehen darf.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen die es sich leisten können so großzügig agieren. Viele erkennen den eigenen Wohlstand nicht. So bin ich dankbar hier sein zu dürfen. Nachdem ich das gratis Haus sitten beendet habe, mach ich heuer einfach nur Urlaub.

Leben mit DIS #10: „Warum immer so schüchtern?!“ weiterlesen

Leben mit DIS #7: Quo vadis, „Benita“? Wer bin ∑ich?

Alles in meinem Leben ist im Umbruch. Es ist so schwierig zu beschreiben, was momentan in ∑mir vorgeht. Daher langes Schweigen. Angst vor dem Neuen oder Neugierde auf neue Erfahrungen? Ich bin derzeit chronisch erschöpft. Obwohl – langsam, ganz, ganz langsam bekomme ich endlich wieder Boden unter die Füße.

∑Meine Welt, wie ich sie noch Anfang Oktober 2016 als sicher und stabil bzw. stabilisierend für mich erachtete ist zusammengebrochen. Zwei unerwartete Todesfälle haben uns in einem Ausmaß irritiert, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Der Schock war stark, so stark und eindrücklich, dass es unmöglich geworden war, manche Gewohnheit weiter zu verfolgen. Ich wurde auf ∑mich zurückgeworfen und nun stehe ich da. Angesicht in Angesicht mit ∑mir selbst! Tatsächlich? War es Authentizität, die sich aus dem Schutthaufen erhob, wie Phönix aus der Asche?

Leben mit DIS #7: Quo vadis, „Benita“? Wer bin ∑ich? weiterlesen