Geteiltes Leid ist halbes Leid?!

Dieser Beitrag entstand als Reaktion auf ein Gespräch mit meiner Liebsten:

Habe ihn vor einigen Tagen beim Bügeln nochmals angesehen, den Film: „24 Wochen“.  Ich will an deiner Seite sein und dann sind sie da, die Fragen, die ich nicht zu stellen wage.

Wir wagen sie nicht zu stellen, weil wir nicht wissen, ob wir mit der Antwort oder vor allem mit der Emotion dahinter umgehen können, ob wir so reagieren können, dass es dir gut tut und weiterhilft.

Und das sagen gerade wir, die wir immer darunter litten, dass uns niemand fragt, weil diese Angst bei anderen so sehr besteht. Und wir erkennen, wie tief, diese Angst in uns ist. Ist es auch die Furcht vor den eigenen Gefühlen, vor unserer nur zum Teil zugänglichen Erfahrung der ehemaligen Schwangerschaft, die vielleicht von deinem Erleben angetriggert werden könnte. Wo wir bis heute nicht erinnern, ob wir zu einer Abtreibung gezwungen wurden. Wir möchten keine Angst haben, wir wollen hinsehen, gemeinsam, alleine, gleich in welche Untiefen es uns führt. Wir wissen, dass wir schwimmen können und durchtauchen, egal was kommt!

Deine Worte: „Ich hab mein Kind umgebracht!“ sitzen tief in uns. Sehen wir das auch so? Machen wir dir Vorwürfe deshalb? Können wir diese, deine Entscheidung mittragen, verstehen oder akzeptieren, dass wir vermutlich niemals wirklich eine Meinung dazu haben können oder dürfen, da wir nicht in dieser Situation waren. Können wir dein Leid mittragen? Können wir Trost spenden für eine Lebenserfahrung, die vielleicht nicht zu trösten ist? Das beginnen wir erst zu verstehen!

Dieser Satz von dir hat es so sehr auf den Punkt gebracht, dass du nochmals in einer so viel schwierigeren Lage warst, als es eine Freundin war, deren Kind „bloß“ zu einem späten Zeit der Schwangerschaft im Mutterleib verstarb. Dass das nicht vergleichbar ist!!!

Wir sind es, die stets nach Gutem suchen in entsetzlichen Lebenslagen. Es rettet unser Leben, im Misthaufen unserer Kindheit und unseren Lebens, in dem größten Leid, die Stecknadel des Guten zu suchen. Was kann nur gut daran sein, sich in einer solchen Situation zu befinden? Wir haben dich danach gefragt, nach dem Guten in diesem Erleben. War das in Ordnung? Du hast uns einmal erzählt, dass es nicht die Behinderung gewesen wäre, die dich zu diesem Schritt bewogen hätte. Es war die Erklärung der Ärzte gewesen, dass dieses Kind wohl in seinem gesamten Leben mit starken Schmerzen leben müsste. Das war der Grund, dich für diese Spätabtreibung zu entscheiden. Welche Ohnmacht, Erklärungen von Ärzten ausgeliefert zu sein und auf dieser Basis eine Entscheidung über ein Menschenleben treffen zu müssen. Über mindestens ein Menschenleben, wo doch die Entscheidung unmittelbar ebenso das Leben der größeren Schwester, deiner Erstgeborenen betrifft, wie deines. Mindestens diese beiden Leben der Kinder lagen in deiner Hand. Ist es das Gute daran, dass du dich entscheiden durftest für eine Abtreibung nach medizinischer Indikation, wie du es getan hast in unserer Gesellschaft, oder ist es vielleicht sogar schlecht?

Welch große Entscheidung ist das? Eine Entscheidung, die zu groß für die Seele erscheint, gleich wie sie ausfällt. Und wie ist es möglich, diese Entscheidung loszulassen? Zu sagen, ich habe das getan und stehe dazu. Niemand kann jemals wissen, ob es die richtige Entscheidung war. Gibt es ein richtig und falsch in diesem Zusammenhang überhaupt? Gibt es nicht nur ein: „Ich muss eine Entscheidung treffen und das ist meine Entscheidung, nach bestem Wissen und Gewissen zu diesem Zeitpunkt!“ Und danach mit den Folgen leben.

Du sagtest, heute ist es gut. Das Leben ist gut so, wie es ist. Dennoch ist da noch immer diese tiefe Wunde, die ich fühle. Was sagt dein Sohn? Ich wüsste es so gerne. Ich weiß, dass es möglich ist mit Verstorbenen zu kommunizieren. Wir konnten es, oder glaubten es zu können. Wie können wir bei dir sein, ohne dich in eine Richtung zu drängen, die vielleicht unsere wäre und nicht deine. Wir wollen bei dir sein und deinen Weg, dein Leben begleiten. Mehr steht uns nicht zu und es ist eine große Ehre, wenn wir das dürfen.

Wir respektieren deinen Weg immer mehr, fühlen immer mehr mit dir, auch wenn es Trauer und Tränen sind, die wir teilen. Du öffnest uns deine Seele, dafür sind wir unendlich dankbar. Es gibt kein größeres Geschenk.

Leben mit DIS #9: Selbstdarstellung?

Ich / wir waren Sonntag bei einem Frauentreff, den eine langjährige Freundin in unregelmäßigen Abständen organisiert. Da ruft sie ihre Freundinnen zu einem zwanglosen Plausch zusammen.

Es ist lange her, dass wir dabei waren. Die letzten Jahre denke ich, fanden wir keine Zeit (?) hinzugehen. Und auch diesmal gab es Innenwesen, die unser dabeisein offenbar verhindern wollten. Wir haben die Nacht durchgemacht, fanden erst gegen 6h früh ins Bett und um 11h war der Beginn angesetzt. Als wir um 11.30h aufstanden nach viel zuwenig Schlaf, sandten wir ein SMS, dass wir wohl so gegen 13h da sind, ob sie denn noch dort wären.

Sie waren dort. Was ich angekommen vorfand war eine kleine Gruppe Frauen, die ums Wort rangen. Zwei davon waren lauter, sprachen fast unentwegt. Es war schwierig sich gegen diese durchzusetzen. Und was mir fehlte war das Herz in der Debatte. Das Herz beim Sprechen und Zuhören der anderen. War dafür überhaupt Zeit? Wollte sich eine dafür Zeit nehmen und Kraft? Und ich entdeckte wohl, dass wenn eine Stillere zu Wort kam diese Empathie dabei war, aber sie kamen nicht oft zu Wort.

Es erschreckt mich, dass diese Freundin solche Frauen um sich schart. Und ja, ich / wir haben uns verändert, seit wir diesen Blog schreiben. Die Organisatorin ist eine Freundin, die bei meinem letzten verunglückten Geburtstag dabei war. Ihr lastete ich keine Teilhabe am Scheitern an, da sie später gekommen war. Allerdings weiß ich seit Jahren von ihrer Flucht vor ihrem Inneren, vor ihrem sich beschäftigen. Aber ich schätze sie für ihre Sozialprojekte, für ihre Intelligenz und für die Jahre die ich sie bereits kenne. Sie ist da und nicht da zugleich, das ist ganz eigenartig für mich seit jeher. Ich mag sie trotz aller Irritationen zwischen uns. Leben mit DIS #9: Selbstdarstellung? weiterlesen

Zorn: Ein „neues“ Gefühl?! … / Erinnerungen an Psychiatrie u.a.m.

Dieser Text wurde am 3. und 4.1.2017 geschrieben und ich konnte ihn bislang nicht veröffentlichen. Er ist sehr persönlich.

Der Bericht über den Suizid von C. hat zunächst etwas Ruhe, aber vor allem viel Erschöpfung gebracht. Oder eher das Wahrnehmen der bereits vorhandenen Erschöpfung. Den Jahreswechsel haben wir dann soso la la verbracht, was wohl auch an meiner Verfassung lag.

Dann endlich wieder Therapie, die auch innerlich etwas beruhigte. Für einige Stunden. Tags darauf wieder mit Unruhe erwacht. Ausreichend Schlaf führt nicht zur Erholung.

Meine Skills zur Beruhigung wirken nur mäßig. Derzeit ist alles zu viel. Der Tod von C. triggert an so vielen Stellen zugleich. Zeitgleich mögen sich Menschen mit mir treffen. Meine Mutter nervt seit meinem Geburtstag wegen eines Treffens, wo es ohnedies nur um sie geht. Dass ich ihr bereits zwei mal sagte, dass es mir derzeit schlecht geht, kann sie nicht auffassen. So bat ich sie bereits zweimal, dass ich vor Jänner nicht kann. Aber sie macht Druck und Schuldgefühle. Wollte unbedingt ein Treffen zu Weihnachten. … „Wer weiß, ob es mich dann noch gibt, bis du kommst!“ mit leidender Stimme vorgetragen. Vermutlich scheint sie sich wieder zu sicher zu sein, dass sie mich überhaupt noch sieht. Erst wenn ich mit Kontaktabbruch drohe, ist sie bereit meine Grenzen zu achten.

Moment! DAS ist also ein Trigger: Dieses Fordern, ich möge für Mama da sein und C.’s fordern sind sich irgendwie ähnlich. Hier die Androhung des evtl. nahenden Todes und dort der Suizid. Hängen also evtl. Schuldgefühle nicht ausreichend für C. dagewesen zu sein, ihr Ende verhindern hätte zu können damit zusammen, dass es stets meine Mutter war, die jede Energie aus mir heraus saugte um ihre Speicher aufzufüllen? Mamas Bedürftigkeit und zugleich ihr Unwille irgendetwas an ihrem Leben zu ändern? Zorn: Ein „neues“ Gefühl?! … / Erinnerungen an Psychiatrie u.a.m. weiterlesen

Leben mit DIS #6: Erinnerungsfetzen

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Fetzen zu Fremdtätern begleiten seit Jahren die therapeutische Kommunikation.

In der Adventszeit tauchen sie vermehrt aus dem Dunkel der inneren Verließe.

Österreich und seine Keller. Hatte ich auch Keller-Erfahrungen? So eine Erinnerung der letzten Tage. Es macht Angst darüber zu berichten!

Darf man sein Kind verkaufen um sich ein wenig Luxus zu ermöglichen? Habe ich für die Boote bezahlt, die es in meiner frühen Kindheit gab? Kinderprostitution, was für ein Wort? Und wieder etwas, wofür ich keine Beweise habe. Wie auch? War unter fünf Jahren, als es begann, unter vier, vielleicht sogar unter drei Jahren. Es gibt Erinnerungen dazu. Erinnerungsfetzen. Bruchstücke bloß. Durfte ich deshalb nicht in den Kindergarten gehen? Damit niemand etwas merken kann? Damit ich nichts erzählen kann? Hätte wohl eh niemand geglaubt, oder? Die Befürchtung scheint es dennoch gegeben zu haben.

In der Adventszeit tauchen sie aus den Untiefen auf. Früher schob sich ein Parallelsystem über jene Alltagspersonen, welche das restliche Jahr gute Dienste verrichten. Weggetreten, schleichend verdrängt. Es begann stets um Allerheiligen oder wenige Tage davor, wo ich begann mich zu verlieren. Es steigerte sich bis Weihnachten, wo mir das eigene Verschwinden nicht mehr bewusst war. Nur die Unruhe, der Nebel um mich herum und das Gefühl in Watte gepackt zu sein. Fremd selbst in der mir sonst bewussten Fremdheit ∑meines Lebens. Nach den Weihnachtsfeiertagen wurde es leichter und verlässlich mit Ende der Weihnachtsferien machte es „plopp“ und das Parallelsystem zerplatzte wie eine Seifenblase. Als wäre es nicht gewesen, wachte ich aus dem Schleier um mich herum auf, plötzlich vom goldenen Herbst ins Neujahr katapultiert. Allein wenige schleimige Seifenspuren blieben im Bewusstsein. Eine vage Erkenntnis als Gruß bis nächsten Herbst.  Leben mit DIS #6: Erinnerungsfetzen weiterlesen

Leben mit DIS #4: „Das will ich mir gar nicht vorstellen!“

Oder: Über die Macht der Worte!

Ein Satz, wie ein Schuß aus einer Pistole. Ein Satz, der mir seit Donnerstag mit Widerhaken im Fleisch steckt. Ein Satz der Schmerzen in uns hervorrief, den wir wirklich nicht fühlen wollten und wollen! Er verbindet einen Wimpernschlag des gesehen werdens mit der Entscheidung dieses Gesehene von sich zu weisen. Und es geht ja immer so einfach! Nicht sehen wollen oder vielmehr nicht mitfühlen wollen ist in unserer Gesellschaft eine akzeptierte und geförderte Strategie das Leben zu bewältigen. Flüchtlingsschicksale, Sexuelle Gewalt an Frauen und Kindern, Kinderprostitution, Menschenhandel und wie sie alle heißen, die aktuellen Menschenrechtsverletzungen, die „Sich niemand vorstellen möchte!“ Die Liste ließe sich noch um vieles verlängern.

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Bei diesem Satz handelt es sich um eine Sentenz des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno aus dessen Minima Moralia. (zit. Wikipedia)

Um sich etwas vorstellen zu können, müssen wir fühlen können, uns selbst spüren können. Wir müssten verlernen mit dem Verstand, das von uns zu weisen, das uns unsere Empathiefähigkeit präsentiert. Wenn wir uns die Folgen all dieser Brutalität und Grausamkeit vorstellten, müssten die Politiker/innen nämlich etwas dagegen unternehmen, weil die Menschen auf die Straße gingen und einforderten, dass Taten gesetzt werden gegen die Schmerzen die sie fühlen. Dann gäbe es Druck von der Bevölkerung dem Leid ein Ende zu setzen, das die Unbeteiligten MITFÜHLEN und das im Nachvollziehen und Mitfühlen bereits solchen Schmerz erzeugt, dass es kaum zu ertragen ist! Aber sie müssten es gar nicht einfordern, denn auch die Politiker/innen könnten nicht anders als alles tun, um das Leid zu ändern, das ihnen Seelennot erzeugt.

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Familiengeheimnisse: The next generation?

Nicht mit ∑mir!

Als wir unseren Neffen kennenlernten, hatte er bereits 9 Monate Leben hinter sich gebracht. Also eigentlich 18 Monate. Die Hälfte davon im geschützten Raum. Ich hatte es gefühlt Tante zu sein und meinen Bruder kontaktiert, nach neun Jahren nahezu kompletter Funkstille, die bloß von der Nachricht des Todes meines Vaters unterbrochen worden war.

Es war nett von meinem Bruder, dass er mir dies persönlich sagen wollte. Ein amtliches Schreiben erreichte ∑mich damals nur Tage später.

Nach meinem Anruf und der Bestätigung, dass ich Tante bin, wurde es schwierig. Mein Bruder hatte Angst gehabt mir von seiner Vaterschaft zu berichten, da ich immer wieder meinte, dass er Therapie bräuchte und besser nicht Vater wäre, wenn er dies verweigert. Gemeinsame Therapiestunden um einander nach fast einem Jahrzehnt wieder zu finden und das erste Kennenlernen mit meinem Neffen folgten.

Das hatte ich mir gut überlegt. Ich war von allen Verwandten verlassen worden, als ich ein Kind war. Die Familie brach den Kontakt zu meinen Eltern ab – oder war es umgekehrt? – zu dem Zeitpunkt, als sie erkannten, wieviel Gewalt es bei uns gab? Oder hatten sie es nicht erkannt, sondern nur das Weite gesucht da meinen Eltern niemand so recht nahe sein wollte, der einigermaßen liebesfähig und einfühlsam war. Jene Verwandten fehlten mir. Verzeihen wollte ich diesen frühen und sehr existentiellen Verlust Jahrzehnte nicht. Ich konnte es nicht verstehen, dass sie uns Kinder mit diesen Eltern alleine ließen.

Das wollte ich niemals machen. Bei allen Schwierigkeiten mit meinem Bruder, war mir klar, dass ich das Vertrauen und die Liebe meines Neffen gewinnen möchte. Dass dies jedoch von mir Verantwortung für dieses junge Leben bedeutet. Zumindest solange er mich sehen möchte, werde ich da sein, schwor ∑ich mir. Mit dem Buben war es stets einfach für mich. Wir standen einander nahe, obwohl ich stets haderte, ihn nicht genug lieben zu können. Nicht die Leichtigkeit zu haben, die ein unbeschwerteres Leben mit sich gebracht hätte. Dennoch er besuchte mich stets gerne. Familiengeheimnisse: The next generation? weiterlesen

Eine Liebe! – Wie ?

Angeregt durch Blogs die ich lese, entstand dieser Text. Eigentlich nur als Stichwortsammlung gedacht, finde ich, dass genau diese Ansammlung von Gedanken bereits etwas aussagt über das für uns Unaussprechliche.

Angst davor.
Unwissenheit welche sexuelle Orientierung.
Horror vor Sexualität generell.
Unvorstellbar ohne Ekelgefühle.
Das Wort aus dem Sprachschatz
gestrichen.
Es bleibt die Einsamkeit und eine dumpfe
Sehnsucht nach etwas, das in
unerreichbarer Ferne liegt.
In einer Ferne, die sich wohl in meinem
Leben nicht mehr ausgehen wird.
Ewiger Schmerz darüber.
Rot die Farbe der Liebe und des Blutes.
So fühlt es sich an.
Liebe ist Leid in mir.

Was ich (nicht) weiß

Dieser Beitrag von regenbogentänzerin hat mich zu Tränen gerührt. Sie hat mich mit ihren Worten tief getroffen, weil sie so wahrhaftig sind. Ich kann so sehr nachempfinden, was sie meint. Manches trifft auf mich ebenso zu, anderes nicht mehr oder anders.

Was bleibt, ist die Überforderung damit erwachsen sein zu sollen ohne jemals Kind zu sein gedurft zu haben.

Mich immer wieder erklären?

Erklären, was Trauma bedeutet, dass endlich etwas gegen sexuelle und sexualisierte Gewalt gemacht werden muss? Immer wieder? Ja, es nervt, ja es überfordert auch und es ist unerträglich, dass stets den Betroffenen die Bringschuld gegeben wird.

Vor vielen Jahren, als ich noch gearbeitet habe. Was nur ging indem ich wöchentlich ca. 30 Schmerztabletten und ausreichend Zigaretten konsumierte, um die Schmerzen und Trigger wegzudrücken, die mich/uns täglich quälten und es uns noch möglich war aufgesplittert zu arbeiten durch den Medikamentenmissbrauch. Also damals, sagte mir mein Chef als ich einmal eine Information nicht zeitgerecht erhalten hatte: „Information ist eine HOLSCHULD!“ Heißt, wenn ich etwas nicht weiß, liegt es an mir. Ich muss mich darum kümmern.

Es war der Beitrag von Pauline-S und die Kommentare dazu, welche mich wieder daran erinnerten und nachdenklich machten. In Deutschland wurde also eine Kommission installiert, die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen untersuchen soll.

„Wir untersuchen sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik Deutschland und in der ehemaligen DDR. Darunter fällt zum Beispiel Missbrauch in Institutionen, in Familien, im sozialen Umfeld, durch Fremdtäter oder im Rahmen von organisierter sexueller Ausbeutung. Wir wollen Ausmaß, Art und Folgen der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche aufzeigen und damit eine breite politische und gesellschaftliche Debatte zu einem Thema anstoßen, das noch immer tabuisiert wird.

Wir werden Menschen anhören, die sexuellen Missbrauch in Kindheit oder Jugend erlebt haben und möchten somit die Möglichkeit schaffen, auch verjährtes Unrecht mitzuteilen. Zudem werden wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie zum Beispiel Eltern, sonstige Verwandte, Lehrerinnen oder Lehrer von Betroffenen anhören. Mit ihrer Hilfe wollen wir aufdecken, wodurch sexuelle Gewalt in der Kindheit ermöglicht wird und herausfinden, was Hilfe und Intervention verhindert hat. Wir müssen herausfinden, was Politik und Gesellschaft verändern müssen, damit Kinder und Jugendliche in Zukunft besser vor Missbrauch geschützt sind.(…)

Aus unseren Erkenntnissen können wir Handlungsempfehlungen an die Politik ableiten und in die gesellschaftliche Debatte einbringen.(…)„
Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (Homepage )

Nun wie auskunftsfreudig die angeführten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sein werden, lasse ich einmal dahingestellt und welche Form der Debatte es wird.

In Österreich tut sich dazu ja derzeit nichts. Hier wurde sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche und  in Heimen der Stadt Wien untersucht. Es gab Abschlussberichte und Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft. Auch Vorschläge an die katholische Kirche und zum Teil Entschädigungen für die Betroffenen. Häusliche sexualisierte Gewalt an Kindern oder organisierte sexuelle Gewalt waren noch kein Anlass irgendeine Kommission damit zu beauftragen.

Es hat mich bei den Untersuchungen damals sehr verletzt, dass ich mit meiner Gewalterfahrung gar kein Thema war. Es interessierte nicht. Allerdings war es mir/uns  mithilfe einer Opferanwältin vor einigen Jahren gelungen als Verbrechensopfer anerkannt zu werden und somit Therapiekosten bezahlt zu erhalten. An Verdienstentgang war nicht zu denken, da es nicht möglich ist vom Täter Geld zu erhalten. Aber es ist Gold wert, sich um die Therapie (fast) keine Sorgen mehr zu machen. Naja, ganz ohne Aufregung geht es auch nicht. Dennoch bin ich sehr dankbar im „richtigen Land“ geboren worden zu sein.

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Heureka! – ∑Ich hab einen Job

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Hm — „Warum Job? Du bist doch in Berufsunfähigkeitspension!“, höre ich meine geneigten Leser/innen argumentieren.

Genau DAS ist der Anlass zu obiger Erkenntnis und Feststellung. Fast schon 20 Jahre in „Rente“. Als Österreicherin kann ich das nur unter Anführungsstrichen schreiben. „Pension“, wie es bei uns heißt, hat etwas viel Gemütlicheres. Klingt wie Urlaub. Eine kleine Pension mit netten, bequemen Zimmern an einem Ort fernab des Alltags. Gerne mit Familienanschluss und in schöner Umgebung. Viel Wald, viel Ruhe, vielleicht Berge rundum und ein herrlich klarer See. Was will Frau mehr zum Entspannen.

„Berufsunfähigkeitspension“ ist also Urlaub, Entspannung pur und damit Grund mir diese im unteren Einkommenssegment angesiedelte Sozialleistung zu neiden. Wie oft habe ich schon Aussagen gehört wie: „Wie haben Sie denn das geschafft!“ – eine Pension zu erhalten, also eine geniale Gaunerei. Oder „Warum, Sie sind doch gesund!“ – von Menschen, die mich nicht kennen, die mein Äußeres beurteilen. Die schwierigsten Bemerkungen sind: „Du hast ja Zeit, du arbeitest ja nicht!“, oder bloß „Du arbeitest ja nicht!“ quasi als Vorwurf. Aber auch „Willst du denn gar nichts mehr arbeiten?“ Am Schmerzvollsten war das „Du arbeitest ja nicht!“ aus dem Mund meines damals 6jährigen Neffen. Es zeigte mir, wie meine Ex-Schwägerin und deren Familie aber auch meine Familie über mich denken.

Um diese und andere „Missverständnisse“ zu parieren und innerlich nicht daran kaputt zu gehen, habe ich mir zurecht gelegt, dass ich arbeite. Sogar viel arbeite, wie mir meine Therapeutin und auch andere Menschen, die sich mit meiner Geschichte und meinem Leben ernsthaft befassen bislang glaubhaft vermittelten. Allerdings ist es recht schlecht bezahlt.

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