Zurück in „meinem“ Leben?!

 

 

Ein Loch in der Wand und eine renovierungsbedürftige Wohnung sind geblieben von dem Ort, den meine Großtante 45 Jahre bewohnte.

Anfang Februar habe ich die Wohnung an die Hausverwaltung zurück gegeben. Seit dieser Zeit versuche ich langsam wieder Fuß zu fassen in ∑meinem Leben, obwohl es weiterging wie zuvor, war doch vieles anders geworden.

Einen Monat, höchstens zwei dachten wir würde uns die Verlassenschaft unserer Großtante in Anspruch nehmen. Daraus geworden sind dann über ein halbes Jahr Arbeit, die uns zum Teil weder Zeit noch Kraft für anderes ließ. Und noch sind wir nicht ganz fertig. Ein halbes Jahr in dem wir unsere Mutter mitunter einmal wöchentlich gesehen haben, was eine Ausnahmesituation für uns darstellte. Der Kontakt zu unserer Mutter ist im Normalfall auf ein Treffen jährlich beschränkt, was gut für uns war. Es galt ihre Angriffe zurück zu weisen, was uns gut gelungen ist. Und als das Thema Gewalt in der Kindheit als Gesprächsthema endlich ausgespart wurde, weil ich sonst den Kontakt nicht halten hätte können, war es sogar ein brauchbares Arbeitsklima. Ja, ein Arbeitsklima und nicht mehr, aber zumindest dieses. Die Aussicht Geld für ∑meine neue Wohnung zu erwirtschaften gab uns viel Kraft.

Es kamen irgendwo auch Innenwesen hervor, die Mama ganz gern haben, was für alle anderen belastend war. Wie auch immer, wir haben etwas geleistet, das uns viel Selbstvertrauen gab. Selbstvertrauen, das enorm gelitten hat, seit wir in Berufsunfähigkeitspension sind. Es war eine Zeit, die anstrengend und stressig war, in der wir meist über unsere Grenzen gingen, aber es war auch fast Urlaub von uns selbst. In Therapie ging es meist um Stabilisierung, um die Aufgaben so gut es ging zu bewältigen. Traumatherapie hatte hier keinen Platz. Das war eine große Belastung und zugleich erholsam. Ein halbes Jahr in der Gegenwart leben und nicht in der Vergangenheit herumstochern hat etwas sehr erdendes. Obwohl dies auch nicht stimmt. Mit den Habseligkeiten der verstorbenen Großtante konfrontiert, kam es ebenso zu einer Konfrontation mit der Vergangenheit. Es kam zur Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb hat sie uns nicht geholfen, wo war sie und letztlich zu einer Versöhnung mit ihr.

Es tat einfach gut gebraucht zu werden. Es war eine Zeit, in der ich tatsächlich Anerkennung in meiner Familie erlebte, was für uns einem Wunder gleichkommt. Unsere Mutter wusste, dass sie es nicht geschafft hätte, diese Verlassenschaft abzuwickeln. Ich habe ihr dieses Erbe ermöglicht. Wer war bzw. ist dieses ICH, die dies mitunter souverän erledigt hat?

Da war ein Innenwesen, das uns fremd war? Oder doch nicht? War sie es, die früher berufstätig war? Tatsache ist auch, dass wir uns derzeit gespaltener erleben als vor dieser Tätigkeit. Vielleicht weil Innenwesen, die in den Tiefen des Körpers schlummerten aktiv werden mussten? Gibt es welche, die in unserem von Therapie und Selbstbespiegelung geprägten Alltag keinerlei Aufgaben haben, oder denken keine Aufgaben zu haben? Wollen sie von diesem erforschen der Seele einfach nichts wissen?

Während dieser Phase der Räumung hatte unser Leben einen Sinn. Es war so einfach allen unsere Erschöpfung zu erklären und wir konnten einfach darüber sprechen was wir täglich erlebten. Wir waren Teil einer Gesellschaft zu der wir sonst wenig Zugang haben. Jetzt haben wir wieder einen Job, der psychisch um so vieles anstrengender ist, als jener eine Verlassenschaft abzuwickeln, vor allem deshalb, weil unsere Therapie-Arbeit meist nicht geschätzt oder verstanden wird. Und wir leben wieder in größerer Isolation. Wie unser Alltag aussieht, kann nur mit Vorsicht vermittelt werden.

Dass wir diese Verlassenschaft jedoch abwickelten und die Traumafolgen dieses halbe Jahr verdrängen mussten und wieviel Anstrengung das kostete, konnten wir auch nur wenigen ausgewählten Personen erklären. Diese besonderen Freund*innen und die Therapie waren es auch, die uns halfen diesen Job zufriedenstellend zu erledigen. Dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar.

∑Mein Leben geht so sehr bergauf. Wir haben schon viel erreicht.

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öffentlich- ja, nein, vielleicht? — Geteilte Ansichten

Ich habe das Gefühl, es gibt manchmal kein „dazwischen“, wenn man als Mensch mit dissoziativer Identitätsstruktur Öffentlichkeitsarbeit machen will: Entweder man präsentiert sich als total fittes, kontrolliertes, „echt weit gekommenes“ Viele-System (und verschweigt/versteckt dabei die Verletzung, die Not, die Krisenzeiten), oder man wird in der öffentlichen Auseinandersetzung einfach nicht für voll genommen. Die starken Seiten […]

über öffentlich- ja, nein, vielleicht? — Geteilte Ansichten

In diesem Beitrag von Pauline-s finden wir uns sehr wieder und es ist sicher der größte Hemmschuh für ein öffentliches Auftreten mit DIS, für ein zu ∑mir stehen oder gar zu uns. Es macht Heilung auch schwierig, weil es uns so infrage stellt.

Sehr interessant finde ich bei diesem Beitrag auch die Kommentare. Hier möchte ich gerne auf den Dialog von Pauline-s mit Hannah C. Rosenblatt hinweisen, den ich als sehr hilfreich empfinde.

Herzlichen Dank liebe Pauline-s für deine Darstellung und dafür, dass ich deinen Beitrag hier teilen darf.

Sein dürfen #1b: Auf dem Podest!

Folgenden Beitrag haben wir am selben Tag wie den zuletzt veröffentlichten geschrieben. Er ist also über einen Monat alt. Dann kam der Stress mit DSGVO und anderer und wir hatten keine Kraft und Worte übrig. Der Blog ist angepasst und das erleichtert.

Manches in diesem Beitrag beschriebene ist bereits mit meiner Therapeutin besprochen. Dennoch erachte ich den Text noch für interessant. Schäme mich zwar für manche Stellen, stehe aber dazu.

Ein wunderschönes Wochenende euch allen. Das Chaos um die DSGVO hat mir die Gemeinschaft der Blogger_innen noch näher gebracht. Ihr seid wunderbar. 😃❤️🌞🍀 Wie schön, dass es euch gibt. 💖🌻


Zitternd ging ich zur Psychotherapie. Ich erinnere nicht, ob ich schon einmal solche Angst davor hatte hinzugehen. Die Furcht begann erst als ich aus der Straßenbahn ausgestiegen war und die Straße zur Therapeutin entlang ging. Wir wollten nicht hin. Wir fürchteten, dass sie uns unser Erfolgserlebnis, unser Glücksgefühl wegnimmt.

Ich glaube wir haben meist Angst vor Therapie. Traumatherapie ist alles andere als angenehm. Sie tut weh, immer wieder und wer will das schon. Allein die Tatsache, dass sich mit den Jahren doch sehr vieles zum besseren geändert hat, gibt uns die Kraft es auf uns zu nehmen. Auch das Gefühl dieses Leben alleine (noch) nicht zu schaffen und was meine aktuelle langjährige Therapeutin betrifft auch die Tatsache, dass sie die beste Begleitung ist, die wir bislang hatten, wenn ich auch aufzählen könnte, was mir nicht passt. Das tue ich nicht gerne, schließlich liest sie mit (auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin – herzlichen Dank dafür!) und ich könnte ja eine andere Hilfe suchen, wenn ich unzufrieden wäre. Wenn ich die Hoffnung – oder sollte ich Phantasie schreiben ? – auf wirklich perfekte Therapie, die mich flugs heilt, am besten ohne Heilungsschmerz nicht bereits verworfen hätte. …. Da ist dieser unbändige Wunsch, dass irgendjemand das alles doch gut machen kann. Ganz gut, so als hätte ich eine andere Lebensgeschichte. Wann ich akzeptieren kann, dass mein Leben eben so ist, wie es ist? Es ist so schwierig anzunehmen!

Zudem habe ich zu viele Erfahrungen mit Therapien gemacht, die viel mehr schadeten als halfen. Diese hilft, auch wenn es mich immer wieder anwidert, wie mühsam es ist und wie lange es dauert, und, und, und.

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Leben mit DIS #15: Der Zusammenbruch

Ein kurzes Lebenszeichen von mir, selbst wenn ich mich insbesondere in den letzten Tagen wenig lebendig fühle.

Dem Titel entsprechend möchte ich mich entschuldigen, dass ich nicht in der Lage war, jene lieben Kommentare vom letzten Beitrag freizuschalten, geschweige denn zu beantworten. Es war mir kaum möglich sie zu lesen. Habe sie nur überflogen, was dann für ein freischalten zu wenig war, weil ich unfähig war zu denken.

Ich vergesse aber nicht darauf. ….. hoffentlich!!! Es ist ganz gut, mir wesentlich weniger Perfektionismus zu erlauben. Vielen herzlichen Dank an alle, die noch auf ihre Kommentare warten, dass ihr mir eure lieben Worte geschenkt habt.


Und wieder ist eine Woche vergangen, seit ich die einleitenden Zeilen geschrieben habe. Ich hatte gedacht, jetzt wo ich mit Erkältung daheim bin, muss das doch gehen.

Nein, das war mehr als eine Erkältung. Meine praktische Ärztin eröffnete mir vor drei Tagen, dass es sich vermutlich um eine echte Grippe gehandelt haben muss, bei den Symptomen.

Am Mittwoch vor 11 Tagen ging ich zwar müde aber körperlich fit schlafen und erwachte mit einem Husten, bei dem ich dachte ich huste mir alle Eingeweide heraus und zudem mit hohem Fieber (ca. 39 Grad) und Gliederschmerzen die ich in meinem Erwachsenenleben so noch niemals erlebt hatte. Leben mit DIS #15: Der Zusammenbruch weiterlesen

Leben mit (unvollständiger) DIS # 14: Angst und Dissoziation

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Oder: Das Drama mit dem Schlaf.

Ist meine Angst vor dem Schlafen eine Angst vor der Lebendigkeit oder dem Leben im Allgemeinen, oder ist es „bloß“ das tägliche Flashback, das nicht weichen will?

Es ist logisch und doch einigermaßen grotesk. Die Ängste werden weniger und dennoch fühle ich sie so viel mehr, dass es teilweise kaum zu ertragen ist. Wie das?

Wir experimentieren weiter mit den „night time“ – Kapseln und dem Tee der Firma Pukka. Die Wirkung ist, dass die Ängste zurückgehen und damit die Dissoziation. Ja, ich glaube, das ist die Reihenfolge und nicht umgekehrt.

Dadurch fühle ich die Ängste, die ich zuvor sofort abgespalten habe viel mehr. (Ängste anderer Innenwesen? Sind sie mir näher? Sind wir doch viel mehr eins, als ich dachte?) Ich fühle mehr, wie oft ich in einem dissoziierten Zustand gewesen sein muss im Alltag. Nicht im Körper, aber auch nicht vollständig zu einem Innenwesen gewechselt, denn Zeitlücken habe ich sehr selten, vielleicht max. eine Minute, sodass sie sich der Wahrnehmung fast entziehen. Solche Zustände des nicht Wahrnehmens habe ich selten, aber doch erlebt. Daher bin ich immer wieder so unsicher, bin ich DIS, oder DDNOS bzw. DSNNS oder DSNNB. Gemäß einer psychologischen Testung vor etlichen Jahren wäre DSNNS (also eine Dissoziative Störung nicht näher spezifiziert oder bezeichnet) die für uns geeignete Diagnose. Soll sein. Allerdings gibt es ja auch die Amnesie für die Amnesie. Und tatsächlich ist bereits öfters aufgetreten, dass mich jemand auf etwas ansprach, wo ich keinerlei Erinnerung daran hatte. Allerdings glaube ich, dass auch Leute mit dissoziativer Störung sich einfach an Menschen nicht erinnern dürfen, also ganz normal jemanden vergessen, weil die Begegnung offenbar nicht so interessant war, dass sie im Gedächtnis geblieben wäre. Klingt jetzt vielleicht überheblich. Ich denke, dass aufgrund des alltäglichen Stresses auch tendenziell unwichtige Begegnungen oder Erlebnisse eher in Vergessenheit geraten können, als bei Menschen mit weniger Alltagsstress. Leben mit (unvollständiger) DIS # 14: Angst und Dissoziation weiterlesen

Hinweis auf Blog: „Sofies viele Welten“

Die liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge hat auf ihrem Blog in den letzten Tagen mehrere sehr bemerkenswerte Beiträge veröffentlicht.

Am 12. Jänner schrieb sie

über PTBS bei DIS

Dieser Beitrag wurde von Melinas Schreibfamilie rebloggt und ergänzt und diese Ergänzung nochmals bei Sofie geteilt.

über Therapie von DIS – Melinas Schreibfamilie – Ergänzung zu PTBS bei DIS

 

Und nun am 17. Jänner veröffentlichte sie den wunderbar stärkenden und Mut machenden Beitrag

über Die Dimension der Heilung

Ich könnte etwas dazu sagen, wenn ich könnte. Mir fehlt die Kraft an allen Ecken und Enden um zu schreiben.

Ein gestern begonnener Beitrag hat nach einigen Stunden Schreibarbeit noch kein Ende gefunden. Vielleicht wird er noch?

Darum bin ich einerseits außerordentlich dankbar für diese so wichtigen und wundervollen Gedanken, die Sofie in Worte gefasst hat. Und ebenso für die Ergänzung von Melinas.

Ich ersuche euch Sofie und die bunten Schmetterlinge und Melinas um Nachsicht, dass ich mich bei euch so einfach bediene und hoffe, dass ihr meine lieben Leser_innen von dem Geschriebenen manches davon mitnehmen könnt.

Ich verstehe, dass einige von euch die Beiträge bereits kennen und hoffe, dennoch bei euch auf Interesse zu stoßen.

Es lohnt sich sehr diese Artikel zu lesen!

Herzliche Grüße an alle 🌺🧡🌺

Fühlen lernen

Zitternd liegen meine Finger auf der Tastatur. In mir vibriert es. Habe heute zwei Tage nacheinander Pukka-Kräuterkapseln genommen. Wir sind ausgeschlafener als in den letzten Wochen und die Dissoziation geht (dadurch?) zurück, das ist zum Teil kaum zu ertragen. Irgendwo stehen wir zwischen dem Wunsch, dass die Spaltung weniger wird und der Erlösung durch die Spaltung und dem Wunsch, weniger zu fühlen.

Seit einiger Zeit begleitet uns emotionales Kopfschütteln. Die Worte fehlen, nur der Kopf geht kaum sichtbar von rechts nach links und retour. Als wollte ich kontinuierlich sagen: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Tränen und Unwissen, was genau nicht wahr sein kann.

Es gibt ein frühes Kindheitsfoto von mir, als ich im Gitterbett liegend meinen Kopf auf meine Hände stütze. Wenn ich es heute ansehe, sieht es aus, als hätte ich genau dies gedacht. „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder auch „Was geht denn hier ab?!“ Vielleicht auch: „Ich bin im falschen Film, das kann nicht sein!“ Natürlich habe ich als Baby/Kleinkind all dies nicht gedacht, aber das Entsetzen, das Entsetzen von damals ist so nahe. Fühlen lernen weiterlesen

„Die Lebensende-Klinik“ – TV Doku

in memoriam C.

In der Nacht auf den 8. Dezember 2016 nahm sich C. das Leben. Sie war noch keine 40 Jahre alt.

Damals konnte ich es nicht verstehen, es tat mir unsagbar weh und das machte mich ärgerlich, auf mehrere Betroffene und auch auf C. Auch, dass ich nicht helfen konnte, dass ihr nicht geholfen wurde, von Stellen, die dafür eingerichtet wurden schmerzte so sehr. Auf Psychiatrien und bei anderen Kriseninterventionen fand sie keine Ruhe. Sie kämpfte um ihren Seelenfrieden und fand ihn nicht.

Auch die verordneten Psychopharmaka und Alternativmedizin brachten ihr nicht die ersehnte Erleichterung ihres Leides.

Mehrere Wochen war ich letztes Jahr von dieser tragischen Realität, dass sie gegangen war belastet. Gestern und heute ist uns diese Begebenheit wieder sehr nahe. Zuvor beim Yoga weinten wir um C., wieder einmal. Es ist so traurig, wenn eine so junge, kluge, körperlich gesunde und in sich sanfte Frau nicht weiter weiß und ihr Leben beendet.

Einen Tag vor ihrem ersten Todestag wurde im ORF eine Dokumentation zu Sterbehilfe ausgestrahlt. Vor einem Jahr habe ich einen Beitrag geschrieben, weshalb Suizid keine Option ist. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob das immer so ist. Ich möchte, dass es keine Option ist, aber ich akzeptiere, dass dies nicht für alle Menschen immer so gelten muss. Ich musste vor einem Jahr für mich Stellung beziehen, um mit der Situation umgehen zu können.

Die oben angekündigte TV-Doku zu einer „Lebensende-Klinik“ in Den Haag, wo der Wunsch nach selbst bestimmten Sterben von mehr als 40 Sterbehilfeteams geprüft wird und Sterbehilfe geleistet wird, hat uns sehr aufgewühlt. Es ist eine zärtliche Doku, die den Menschen ihre Würde lässt. Wünsche, die verstanden werden können oder nicht. Es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, sein Leben vorzeitig zu beenden.

Zuvor, als beim Yoga die Tränen kamen, war es nicht, weil C. gegangen war. Schmerzlich war, mir vorzustellen, dass sie diesen Weg alleine gehen musste, einsam, ohne Beistand. Vielleicht sogar mit Schuldgefühlen, bevor sie einschlief für immer!

DAS hatte sie nicht verdient. Niemand sollte so sterben müssen.

Hier geht’s zur Doku, die noch 4 Tage in der ORF/tvthek abrufbar ist:

http://tvthek.orf.at/profile/Weltjournal/5298609/WELTjournal-Die-Lebensende-Klinik-Sterben-auf-Wunsch/13956213

Ich möchte diese Doku teilen, weil ich die Debatte als schwierig, aber wichtig empfinde. Sie macht mir Angst und ich habe noch keine endgültige Meinung dazu.

Bitte passt auf euch auf, wenn ihr sie anseht.

Liebe C., ich hoffe sehr, dass es dir nun gut geht, wo du jetzt bist. R.i.P 🌻

Leben mit DIS #13: „Papa ist tot!“

„Er ist tot. Papa ist tot.“ Diese Worte gehen seit der letzten Therapiestunde in unserem Kopf herum. Werden als Mantra der Erleichterung und Bestätigung immer wieder betont. Selbst wenn es für uns keine Neuigkeit darstellt, schließlich ist er bereits vor über 16 Jahren verstorben, ist es sehr schwierig diese Tatsache wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Das liegt daran, dass es Innenwesen gibt, die noch immer in ihrer Angst vor ihm feststeckten?!!! Darf ich es tatsächlich als Vergangenheit bezeichnen? Es wäre so schön. Eine Erleichterung, die ihresgleichen sucht! Eine sehr hilfreiche Brainspotting Sitzung brachte uns einen entscheidenden Schritt näher an dieses Ziel.

Es war ein Kommentar auf unseren letzten Beitrag, der eine Retraumatisierung und ein Flashback auslösten. Nun, das ist unser Risiko, bei den Themen mit denen ich mich an die Öffentlichkeit wage. Wir hatten überlegt, ob wir die Kommentarfunktion für den Artikel Leben mit DIS #12 ausschalten sollten, da er uns sehr nahe ging und es äußerst schwierig war zu schreiben. Wir haben es nicht getan und ich bin froh darüber. Zum einen herzlichen Dank für all jene stützenden und liebevollen Kommentare, die so gut taten, zum anderen kam da dieser schwierige Dialog, der uns aus der Bahn warf. So stark, dass eine telefonische Krisenintervention mit unserer Therapeutin notwendig wurde. Aber jeder Kommentar, der uns so destabilisieren kann, hat etwas mit uns zu tun. Selbst wenn wir nur nicht erkennen können, dass nicht alles in jenem Kommentar mit mir zu tun hat, sondern auch eine Bearbeitung eigener Schwierigkeiten ist, die mir mitunter übergestülpt werden.

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Festhalten und doch loslassen, …

… weil es sein darf und nicht festgehalten werden muss. Ein Moment, der gut tut, inneren Frieden schenkt. Loslassen, damit wieder ein solcher kommen darf. Daran gewöhnen, dass mein Leben solches für uns bereit hält. Danke!

„Du bist so ein lieber Mensch!“ — „Ich hab dich so lieb!“ … Worte, die ich höre, als ich sie bitte mich festzuhalten, weil der Boden schwankt unter unseren Füßen und ich mich bemühe, das Plenartreffen der Baugruppe meiner zukünftigen Wohnung zu überstehen. Es zu überstehen, ohne in Tränen auszubrechen oder davonzulaufen. Davor der Versuch ein Innenwesen, das vollends überfordert ist an einen sicheren inneren Ort zu bringen. Handkante klopfen, um im Körper zu bleiben oder dorthin zurück zu kehren, zumindest weitgehend.

Das Treffen ist sehr interessant. Ein Workshop über Soziokratie als Technik der Entscheidungsfindung und des Miteinander auf Augenhöhe plätschert an uns vorüber, während wir versuchen zuzuhören und zugleich Innenwesen zu beruhigen, die wahlweise davonlaufen oder hemmungslos weinen mögen, oder sogar beides.

Endlich Pause. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Dann die Frage: „Wie geht es dir?“ G. unsere Vertraute in der Gruppe der zukünftigen Nachbar*innen und Mitbewohner*innen fragt. Sieht sie unsere Anspannung? Spürt sie den inneren Tumult? Sie ist sehr feinfühlig, eine sehr zarte, wundervolle Seele. Wir haben uns angefreundet und bereits einige schöne und tiefsinnige Gespräche geführt. Sie weiß von DIS und sie kennt diesen Blog.

Ich antworte, dass wir gegen Flashbacks kämpfen derzeit. Es ist eine schwierige Zeit, wie jedes Jahr. Anfang Jänner wird es wieder leichter, ergänze ich. Sie meint: „Jahrestage, die es schwierig machen?“ Sie erzählt etwas über sich, nur kurz. Wir hören, können aber dennoch schlecht zuhören.

Dann fragt sie, ob sie etwas tun kann, das uns jetzt helfen kann, und wir bitten sie uns festzuhalten, was sie dann gerne tut.

Es ist das erste Mal, dass jemand fragt, was ich brauche, damit es uns besser geht. Das erste Mal außerhalb der Therapie wohlgemerkt. Das erste Mal in meinem Leben. Eine Frage, kein scheinbares Wissen, was ich brauchen könnte, das uns von außen drüber gestülpt wird, damit alles schnell wieder gut ist – scheinbar.

Und dann später diese zärtlichen Worte. Ich sage, dass ich sie auch sehr lieb hab. Ich denke, dass ich das jetzt sagen muss. Und es stimmt was ich sage, dennoch tue ich mir gar nicht leicht so etwas zu sagen.

Sie wiederholt ihre Worte nochmals, weil ich sie mit meiner Zuwendung an sie wegzuwischen drohe und ergänzt: „Ja, du bist so ein lieber Mensch, aber du weißt es nicht, weil du es viel zu selten gehört hast.“ Tränen laufen über meine Wangen. Wie recht sie hat. Wieder hält sie uns umarmt. Ganz sanft.

Als ich meine, dass ich solche Angst habe, dass diese (Wohn-)Gemeinschaft mein Sein mit der Schwere nicht tragen kann, dass ich nicht weiß, ob das gehen wird, sagt sie es ist für sie Voraussetzung, dass das gehen wird. Das gehört für sie zu den Grundregeln, dass das geht. Grundregeln, die wir als Gruppe uns erst geben wollen. Ich sage noch: „Aber ich habe auch viel zu geben.“ Sie lacht und nickt überzeugend: „Oh, ja!“

So fühlt sich Freundschaft richtig an. Das wäre so schön, wenn ich ein zu Hause finden kann in einer wohlwollenden Umgebung.

Und es ist so schön, dass ich G. kennenlernte und sie wenn alles so läuft, wie wir uns das wünschen ganz nahe wohnen wird.

Das ist ein Glücksmoment … ein ganz großer … das ist AUCH Wirklichkeit, meine Wirklichkeit 2017!

Musste es erzählen, um es zu glauben, mir zu glauben. Was für ein Tag!

 

Bild: pixabay Johnhain