Die Ware Frau

Diesen sehr wichtigen Beitrag über die Notwendigkeit eines Verbots von Prostitution möchte ich hier sehr gerne teilen.

Wir können all dem nur zustimmen. Vielen Dank liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge für diese kluge Analyse und eure klare Positionierung!

über Die Ware Frau

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Leben mit DIS/DDNOS #21: der lange Weg geliebt zu werden

Liebe braucht einen langen Atem. Vermutlich braucht sie das immer. Wir haben so wenig Ahnung davon.

Unsere Erfahrungen mit Liebesbeziehungen sind ein halbes Leben her und eigentlich waren es niemals Liebesbeziehungen sondern sexuelle Übergriffe allesamt. Und es waren Männer in unserem Leben mit denen wir die Vergewaltigungen unserer Kindheit und Jugend wiederholten, immer und immer wieder, bis wir erkannten, dass wir so nicht weitermachen können und wollen. Geliebt hatten wir diese Männer nicht, mit denen wir zusammen waren. Denn jede sogenannte Liebesbeziehung begann mit einer Grenzüberschreitung, mit sexuellen Übergriffen, die uns eben bekannt waren und die wir mit Liebe verwechselten. Wir wussten einfach nicht, dass es erlaubt war derlei zurückzuweisen. Dass es sogar mehr als nur erlaubt war, sondern sogar notwendig, um die eigene Würde zu wahren oder, in unserem Fall, diese langsam zurück zu erobern.

Unsere Mutter meint bis heute, dass unser Erzeuger ∑mir doch bloß zeigen wollte, dass er uns liebt, wenn er uns gegen unseren Willen und gegen unseren Widerstand zu sich zog und uns zwang auf seinem Schoß zu sitzen mit 16, 17 Jahren und sogar bis zu unserem 25 Lebensjahr und ihn zu küssen. Dann brachen wir den Kontakt zu ihm ab. Das geschah vor den Augen ∑meiner Mutter. Die Vergewaltigungen, die dann in der Nacht folgten und doch schon in viel jüngeren Jahren begonnen hatten, sah sie nicht. Vielleicht stellte sie sich schlafend, als er das Bett neben ihr verließ und zu uns kam, ich weiß es nicht. Vielleicht schlief sie tatsächlich. Vielleicht war beides dabei?

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Geteiltes Leid ist halbes Leid?!

Dieser Beitrag entstand als Reaktion auf ein Gespräch mit meiner Liebsten:

Habe ihn vor einigen Tagen beim Bügeln nochmals angesehen, den Film: „24 Wochen“.  Ich will an deiner Seite sein und dann sind sie da, die Fragen, die ich nicht zu stellen wage.

Wir wagen sie nicht zu stellen, weil wir nicht wissen, ob wir mit der Antwort oder vor allem mit der Emotion dahinter umgehen können, ob wir so reagieren können, dass es dir gut tut und weiterhilft.

Und das sagen gerade wir, die wir immer darunter litten, dass uns niemand fragt, weil diese Angst bei anderen so sehr besteht. Und wir erkennen, wie tief, diese Angst in uns ist. Ist es auch die Furcht vor den eigenen Gefühlen, vor unserer nur zum Teil zugänglichen Erfahrung der ehemaligen Schwangerschaft, die vielleicht von deinem Erleben angetriggert werden könnte. Wo wir bis heute nicht erinnern, ob wir zu einer Abtreibung gezwungen wurden. Wir möchten keine Angst haben, wir wollen hinsehen, gemeinsam, alleine, gleich in welche Untiefen es uns führt. Wir wissen, dass wir schwimmen können und durchtauchen, egal was kommt!

Deine Worte: „Ich hab mein Kind umgebracht!“ sitzen tief in uns. Sehen wir das auch so? Machen wir dir Vorwürfe deshalb? Können wir diese, deine Entscheidung mittragen, verstehen oder akzeptieren, dass wir vermutlich niemals wirklich eine Meinung dazu haben können oder dürfen, da wir nicht in dieser Situation waren. Können wir dein Leid mittragen? Können wir Trost spenden für eine Lebenserfahrung, die vielleicht nicht zu trösten ist? Das beginnen wir erst zu verstehen!

Dieser Satz von dir hat es so sehr auf den Punkt gebracht, dass du nochmals in einer so viel schwierigeren Lage warst, als es eine Freundin war, deren Kind „bloß“ zu einem späten Zeit der Schwangerschaft im Mutterleib verstarb. Dass das nicht vergleichbar ist!!!

Wir sind es, die stets nach Gutem suchen in entsetzlichen Lebenslagen. Es rettet unser Leben, im Misthaufen unserer Kindheit und unseren Lebens, in dem größten Leid, die Stecknadel des Guten zu suchen. Was kann nur gut daran sein, sich in einer solchen Situation zu befinden? Wir haben dich danach gefragt, nach dem Guten in diesem Erleben. War das in Ordnung? Du hast uns einmal erzählt, dass es nicht die Behinderung gewesen wäre, die dich zu diesem Schritt bewogen hätte. Es war die Erklärung der Ärzte gewesen, dass dieses Kind wohl in seinem gesamten Leben mit starken Schmerzen leben müsste. Das war der Grund, dich für diese Spätabtreibung zu entscheiden. Welche Ohnmacht, Erklärungen von Ärzten ausgeliefert zu sein und auf dieser Basis eine Entscheidung über ein Menschenleben treffen zu müssen. Über mindestens ein Menschenleben, wo doch die Entscheidung unmittelbar ebenso das Leben der größeren Schwester, deiner Erstgeborenen betrifft, wie deines. Mindestens diese beiden Leben der Kinder lagen in deiner Hand. Ist es das Gute daran, dass du dich entscheiden durftest für eine Abtreibung nach medizinischer Indikation, wie du es getan hast in unserer Gesellschaft, oder ist es vielleicht sogar schlecht?

Welch große Entscheidung ist das? Eine Entscheidung, die zu groß für die Seele erscheint, gleich wie sie ausfällt. Und wie ist es möglich, diese Entscheidung loszulassen? Zu sagen, ich habe das getan und stehe dazu. Niemand kann jemals wissen, ob es die richtige Entscheidung war. Gibt es ein richtig und falsch in diesem Zusammenhang überhaupt? Gibt es nicht nur ein: „Ich muss eine Entscheidung treffen und das ist meine Entscheidung, nach bestem Wissen und Gewissen zu diesem Zeitpunkt!“ Und danach mit den Folgen leben.

Du sagtest, heute ist es gut. Das Leben ist gut so, wie es ist. Dennoch ist da noch immer diese tiefe Wunde, die ich fühle. Was sagt dein Sohn? Ich wüsste es so gerne. Ich weiß, dass es möglich ist mit Verstorbenen zu kommunizieren. Wir konnten es, oder glaubten es zu können. Wie können wir bei dir sein, ohne dich in eine Richtung zu drängen, die vielleicht unsere wäre und nicht deine. Wir wollen bei dir sein und deinen Weg, dein Leben begleiten. Mehr steht uns nicht zu und es ist eine große Ehre, wenn wir das dürfen.

Wir respektieren deinen Weg immer mehr, fühlen immer mehr mit dir, auch wenn es Trauer und Tränen sind, die wir teilen. Du öffnest uns deine Seele, dafür sind wir unendlich dankbar. Es gibt kein größeres Geschenk.

Liebe zwischen Flashbacks

Dieser Beitrag ist bereits vor einer Woche entstanden und beschreibt eine Gefühlslage, die sich über mehrere Wochen aufgebaut hat, jedoch nach der letzten Therapie etwas Erleichterung gefunden hat. ….. Vieles geht derzeit durcheinander innen. ….


Tief im Herzen ist ein unerträglicher Schmerz, der auf- und abschwillt. Vieles ist geschehen und hat Erfahrungen ins Bewusstsein gedrängt, die als latente Ahnung im Hinterkopf darauf warteten hervor zu brechen.

Sind es die CBD-Tropfen, die Zugang zu neuen Schichten des Unterbewusstseins schafften oder Innenwesen, die lange geschlafen hatten wach geküsst haben? Letzteres fühlt sich öfter plausibel an, wenn wir durch die Straßen unserer näheren langjährigen Wohnumgebung gehen und immer wieder blitzen Gedanken der Verwunderung auf, noch nie hier gewesen zu sein und dies und jenes noch nie gesehen zu haben. Vielleicht sind auch beide Beschreibungen wahr?

Manchmal scheint es bloß ein anderer Blickwinkel zu sein, ein Blick in die Ferne, der noch niemals gewagt oder eingenommen wurde zuvor, der unsere Aufmerksamkeit fesselt.

Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und es sind beide Pole des Gefühlsspektrums so ungewohnt nahe(?!!) spürbar. Schmerz und Leid, die in bodenlose Tiefen ziehen und auch die Freude und Liebe im Herzen, beim Anblick der Knospen an den Ästen der Linde vor unserem Fenster.

…. UND….

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Mich in Beziehungen anpassen, auf Kosten meiner Selbst

Dieser Beitrag von Sophie geht uns sehr nahe, weil er so viel in uns trifft, das uns seit sehr vielen Jahren – vielleicht unser gesamtes Leben – beschäftigt oder auch zeitweise verdrängt wird. Die Frage, darf ich einfach nur sein, mit dem was da ist, ohne mich zu erklären, ohne entschuldigen zu müssen, dass ich so bin, wie ich bin, oder so zu tun, als wäre alles viel einfacher als es ist? Dieses mir/uns keine Bedürfnisse erlauben zu dürfen nur um nicht (wieder) alleine zu sein. Diese Verlustangst wenn ich Bedürfnisse wahrnehme und sie auch noch äußere ist dzt. sehr stark. Der Wunsch mit jemandem zu sein, ohne irgendeinen immaginierten Wunsch der/s anderen glauben erfüllen zu müssen. In folgendem Kommentar auf Sophies Blog habe ich auch etwas über unsere Hintergründe geschrieben:
https://tagebuchhierundjetzt.wordpress.com/2019/04/22/mich-in-beziehungen-anpassen-auf-kosten-meiner-selbst/#comment-2687
Hier der Kommentar:
„Liebe Sophie,
Du sprichst uns aus dem Herzen und beschreibst eine Situation, die wir so gut kennen. Wir sehen den Ursprung darin, dass wir als Kind keinerlei Bedürfnisse haben durften, dass schlicht genau niemand für uns da war, wenn es uns schlecht erging und wir Hilfe oder Trost oder Stütze gebraucht hätten. Um nicht zu sterben, war es dann besser uns anzupassen und weiter zu gehen, vor zu geben es wäre alles in Ordnung, bevor wir gestorben wären. Das war zumindest die Angst bei uns. Dass sich niemand sorgt, wenn es uns schlecht geht, bis ihnen irgendwann (vielleicht weil der Körper mittlerweile verwest? *Zynismus Off*) auffällt, dass wir tot sind. …. Dein Beitrag trifft so genau unsere Erfahrung. Dankeschön fürs teilen. (…)“

Vielen herzlichen Dank, liebe Sophie. Du hast in wenigen Worten zusammengefasst, was wir so oft fühlen.

Leben im Wandel

Ein riesen Thema bei mir!

Gerade mal einen Zipfel davon erwischt.


Wenn ich mich nicht mehr in der Lage fühle, etwas zu geben, nichts mehr zu geben habe, mich aber so verloren fühle, dass ich mich nach Halt sehne, dass jemand da ist. Einfach nur jemand da sein. Ich aber gar nicht mehr die Kraft habe, irgendetwas zu präsentieren, zu bieten, irgendwie zu sei.

Das ist schwierig zusammen. Dieses Loslassen. Einfach zu sein wie ich bin, auch wenn ich dann nicht für den anderen da sein kann, nicht mehr reden kann, nicht auf ihn reagieren kann.

Das habe ich noch nie zulassen können. Ich bin dann weiter über meine ich-kann-nicht-mehr-Grenzen gelatscht, habe funktioniert, geredet, zugehört, reagiert.

Ich müsste dann so in der Art etwas sagen, wie: Kannst du einfach nur da sein, dich mit dir selbst beschäftigen. Nicht so Erwartungen an ein Gespräch haben?

Da steckt sooo viel Angst vor…

Ursprünglichen Post anzeigen 102 weitere Wörter

Dazu gehören!

all human rights for all - best one

Seit Tagen fliehen wir davor zu schreiben. Alles mögliche und unmögliche wird gemacht, nur um nicht nieder zu schreiben, was uns seit einer guten Woche alles durch den Kopf geht und unsere Gefühle okkupiert. Wir haben Angst. Dabei ist es doch gar nicht so schlimm, denken wir, was wir schreiben wollen. Aber es zerreißt uns fast das Herz.

In der vergangenen Woche kam das Thema sich irgendwo zugehörig fühlen zu wollen so geballt auf uns zu. Zuerst war wie im letzten Beitrag bereits beschrieben die Debatte auf einem anderen Blog und danach die Erfahrung in der Baugruppe.

Nach der Verzweiflung und der kurzfristigen Beruhigung kam nach und nach die Reflexion hinzu.

Immer wieder ging es um diese Einsamkeit unter Menschen. Es ging darum sich niemals zugehörig zu fühlen und dass es eine enorme Belastung ist, so große Angst macht, anderen Menschen das Herz zu öffnen. Dass es so einfach ist, alleine einsam zu sein. Dass die Isolation eine Erholung ist und Menschen immer nur Gefahr bedeuten. Dass ich nicht weiß wie und ob wir aus dieser Qual aussteigen können.

Begegnung als Sehnsuchtsort und Horrorszenario zugleich.

Als Kind uns Jugendliche war das wichtigste rechtzeitig flüchten zu können. Vor den Übergriffen rechtzeitig zu switchen um den Schmerz nicht zu fühlen, vor Papas Jähzorn so schnell wie möglich abtauchen oder deeskalieren und kalmieren um einem möglichen Totschlag zu entgehen. Immer war alles möglich. Unser Ziel war, dass ich niemals eine Schlagzeile in der Kronen-Zeitung (größte Boulvard-Zeitung des Landes) werden wollte: „Familiendrama! Mann tötet Frau und Tochter und richtet sich selbst!“ ….. so ungefähr dachte ich wäre es möglich in der Zeitung zu landen. All unser Streben war es, dies zu verhindern. Alle Kraft, alle Ressourcen waren gebunden an dieses Ziel. Alle Bedürfnisse wurden diesem Ziel untergeordnet. Nur überleben, mehr wollte ich nicht. Dazu gehören! weiterlesen

Leben mit DIS/DDNOS #20: Einsam unter Menschen, wenn alles auseinander fällt

Es war eine anstrengende Woche gewesen. So mancher Trigger hier am Blog, das ist das Risiko und die Chance des Schreibens über ein so intimes Thema, ein Thema, das so nahe geht, dass es aufwühlen kann, was andere schreiben, was andere kommentieren, die ähnliches erlebten. Es kann das Unterste nach oben kehren und uns komplett durcheinander würfeln. Und doch ist eine solche Erfahrung immer bloß eine Erinnerung an mitunter lebensbedrohliche Begebenheiten und Menschen. Die Chance daran ist, dass die Reflexion zeigt, dass es eine neue, eine andere Situation ist. Und wenn eine kontroverse Debatte, näher mag ich hier nicht darauf eingehen, wie in diesem Fall so positiv ausgeht, dass es einander am Blog durchaus auch mit mehreren, die mitschrieben näherbringt, dann ist das Risiko sich hier zu öffnen zu einer heilsamen Erfahrung geworden. Heilsam, weil jene Trigger nicht so endeten, wie wir es ehedem erlebten. Ebenso wie heilsam und beglückend zu erkennen, dass am anderen Ende der Datenautobahn Menschen sitzen, denen nicht egal ist, wenn es einer Bloggerin, mit der es schon längeren Kontakt und Austausch gibt in einer verzweifelten Situation ist und dass es ein – wenn auch nur virtuelles – „gemeinsam“ gibt.

Und da ist es, das Stichwort „gemeinsam“.

Ja, da war zuwenig Zeit gewesen, die Trigger die entstanden waren einzuordnen, die Innenwesen, die dadurch aus ihren Verstecken hervor gelockt worden waren zu beruhigen und zu trösten oder auch nur ausreichend anzuhören, bevor wir heute (Sonntag) zum Treffen der Baugruppe gingen.

Dann noch vor dem Weggehen ein Mail, dass unsere Mutter ins Spital musste. Damit hatten wir gerechnet, lag sie doch bereits 14 Tage mit starken Schmerzen daheim, dennoch kam die Benachrichtigung zur Unzeit.

Gerne wären wir nicht zum Treffen der Baugruppe gegangen. Es war einfach alles zuviel. Und dann hatten wir auch noch die Aufgabe übernommen die Ergebnisse eines Arbeitskreises der Gruppe zu präsentieren.

Auch das machte sehr nervös. Nicht unbedingt, weil wir solche Probleme haben vor Menschen zu sprechen …… also WIR haben sogar enorme Schwierigkeiten vor Menschen zu sprechen. Aber wir haben ein Innenwesen, das das gerne macht UND DAMIT HATTEN WIR DAS PROBLEM.

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Zurück in „meinem“ Leben?!

 

 

Ein Loch in der Wand und eine renovierungsbedürftige Wohnung sind geblieben von dem Ort, den meine Großtante 45 Jahre bewohnte.

Anfang Februar habe ich die Wohnung an die Hausverwaltung zurück gegeben. Seit dieser Zeit versuche ich langsam wieder Fuß zu fassen in ∑meinem Leben, obwohl es weiterging wie zuvor, war doch vieles anders geworden.

Einen Monat, höchstens zwei dachten wir würde uns die Verlassenschaft unserer Großtante in Anspruch nehmen. Daraus geworden sind dann über ein halbes Jahr Arbeit, die uns zum Teil weder Zeit noch Kraft für anderes ließ. Und noch sind wir nicht ganz fertig. Ein halbes Jahr in dem wir unsere Mutter mitunter einmal wöchentlich gesehen haben, was eine Ausnahmesituation für uns darstellte. Der Kontakt zu unserer Mutter ist im Normalfall auf ein Treffen jährlich beschränkt, was gut für uns war. Es galt ihre Angriffe zurück zu weisen, was uns gut gelungen ist. Und als das Thema Gewalt in der Kindheit als Gesprächsthema endlich ausgespart wurde, weil ich sonst den Kontakt nicht halten hätte können, war es sogar ein brauchbares Arbeitsklima. Ja, ein Arbeitsklima und nicht mehr, aber zumindest dieses. Die Aussicht Geld für ∑meine neue Wohnung zu erwirtschaften gab uns viel Kraft.

Es kamen irgendwo auch Innenwesen hervor, die Mama ganz gern haben, was für alle anderen belastend war. Wie auch immer, wir haben etwas geleistet, das uns viel Selbstvertrauen gab. Selbstvertrauen, das enorm gelitten hat, seit wir in Berufsunfähigkeitspension sind. Es war eine Zeit, die anstrengend und stressig war, in der wir meist über unsere Grenzen gingen, aber es war auch fast Urlaub von uns selbst. In Therapie ging es meist um Stabilisierung, um die Aufgaben so gut es ging zu bewältigen. Traumatherapie hatte hier keinen Platz. Das war eine große Belastung und zugleich erholsam. Ein halbes Jahr in der Gegenwart leben und nicht in der Vergangenheit herumstochern hat etwas sehr erdendes. Obwohl dies auch nicht stimmt. Mit den Habseligkeiten der verstorbenen Großtante konfrontiert, kam es ebenso zu einer Konfrontation mit der Vergangenheit. Es kam zur Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb hat sie uns nicht geholfen, wo war sie und letztlich zu einer Versöhnung mit ihr.

Es tat einfach gut gebraucht zu werden. Es war eine Zeit, in der ich tatsächlich Anerkennung in meiner Familie erlebte, was für uns einem Wunder gleichkommt. Unsere Mutter wusste, dass sie es nicht geschafft hätte, diese Verlassenschaft abzuwickeln. Ich habe ihr dieses Erbe ermöglicht. Wer war bzw. ist dieses ICH, die dies mitunter souverän erledigt hat?

Da war ein Innenwesen, das uns fremd war? Oder doch nicht? War sie es, die früher berufstätig war? Tatsache ist auch, dass wir uns derzeit gespaltener erleben als vor dieser Tätigkeit. Vielleicht weil Innenwesen, die in den Tiefen des Körpers schlummerten aktiv werden mussten? Gibt es welche, die in unserem von Therapie und Selbstbespiegelung geprägten Alltag keinerlei Aufgaben haben, oder denken keine Aufgaben zu haben? Wollen sie von diesem erforschen der Seele einfach nichts wissen?

Während dieser Phase der Räumung hatte unser Leben einen Sinn. Es war so einfach allen unsere Erschöpfung zu erklären und wir konnten einfach darüber sprechen was wir täglich erlebten. Wir waren Teil einer Gesellschaft zu der wir sonst wenig Zugang haben. Jetzt haben wir wieder einen Job, der psychisch um so vieles anstrengender ist, als jener eine Verlassenschaft abzuwickeln, vor allem deshalb, weil unsere Therapie-Arbeit meist nicht geschätzt oder verstanden wird. Und wir leben wieder in größerer Isolation. Wie unser Alltag aussieht, kann nur mit Vorsicht vermittelt werden.

Dass wir diese Verlassenschaft jedoch abwickelten und die Traumafolgen dieses halbe Jahr verdrängen mussten und wieviel Anstrengung das kostete, konnten wir auch nur wenigen ausgewählten Personen erklären. Diese besonderen Freund*innen und die Therapie waren es auch, die uns halfen diesen Job zufriedenstellend zu erledigen. Dafür bin ich ihnen von Herzen dankbar.

∑Mein Leben geht so sehr bergauf. Wir haben schon viel erreicht.

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One billion rising 2019 in Wien

Jedes Jahr am 14. Februar – am Valentinstag finden seit 2012 weltweit Flashmobs gegen Gewalt an Frauen statt. Bereits vor einigen Jahren bin ich auf One billion rising aufmerksam geworden und ich finde die Idee mit tanzen gegen Gewalt aufzutreten nur wunderschön. Tanzen gibt so viel Kraft und Lebensfreude und genau daran mangelt es ja nach dem Erleben von sexueller Gewalt besonders.

Endlich hatte ich wieder Zeit und Kraft und bin zur Veranstaltung gefahren.

Bei einem kurzen Statement erzählte Aiko Kazuko Kurosaki, die seit nunmehr sieben Jahren die künstlerische Leitung und auch Gesamtkoordination von One Billion Rising in Wien innehat, dass ihr vor allem an Tanz gegen Gewalt an Frauen gefällt, dass betroffene Frauen wieder lernen können ihren Körper wahrzunehmen und zu bewegen. Die Kundgebung ermöglicht ein gesehen werden in der Öffentlichkeit auf eine positive Art. Dem kann ich nur zustimmen. In vielen Ländern ist Frauen tanzen im öffentlichen Raum überhaupt verboten. Der Tanz „break the chain“ tritt kraftvoll dagegen auf. Musik und Text schenken so viel Mut, Kraft und Glücksgefühle, dass ich mich frage, weshalb ich nicht jedes Jahr dort bin. Immer wenn ich dort bin (es war erst das zweite Mal), denke ich dass ich mich dort gerne engagieren würde. Mithelfen, dass OBR weiter bestehen kann.

Derart wichtiges Engagement zu unterstützen, das den von Gewalt betroffenen Frauen Kraft und Mut schenkt und wichtige Aufklärungs- bzw. Öffentlichkeitsarbeit macht ist unserer Regierung nicht wichtig. OBR wurden für 2019 sämtliche Fördergelder seitens des Bundes gestrichen. Ebenso wurde die langjährig positive Zusammenarbeit von Polizei und Frauenschutzorganisationen im NGO Bereich derzeit ersatzlos beendet. Ein neues Konzept wurde von der Regierung versprochen. Die Helferinnen, die langjährige Erfahrung haben, welche Hilfe von Gewalt betroffene Frauen dringend benötigen, haben keinerlei Zusage, dass sie dabei eingebunden werden.

Obwohl die Anzahl der Frauenmorde hierzulande in diesem noch sehr kurzen Jahr wirklich nur noch erschreckend ist, ist unserer Regierung scheinbar der Schutz der Frauen nicht so wichtig. Wichtiger ist es, den Strafrahmen für Täter zu erhöhen mit dem Wissen, dass selbst der bereits aktuell bestehende Strafrahmen nicht ausgeschöpft wird, da die wenigsten Gewalttäter verurteilt werden. Und ohne die Frauen zu unterstützen, die Gewalt erlitten, werden sie auch nicht angezeigt werden. Dieses frauenfeindliche Verhalten und die Doppelmoral bei Gewalt gegen Frauen unserer Regierung regt mich enorm auf.

Hier gute Artikel dazu:

https://derstandard.at/2000097907691/Aktionstag-gegen-Gewalt-an-Frauen-Kritik-an-Regierungsplaenen

https://kurier.at/leben/wieso-maenner-angst-vor-psychologischer-beratung-haben/400385240

Zurück zu dieser wunderbaren Kundgebung am 14.2. Vor dem Tanz gab es eine künstlerische Intervention, bei der Gewalt an Frauen und deren Folgen durch blutrot bemalte Frauenschuhe und Tänzerinnen dargestellt wurde. (siehe die wenigen Fotos oben, die ich machte.) Leider kann ich mein Video nicht hochladen, darum habe ich auf You Tube einige schöne Videos vom Tanz „break the chain“ herausgesucht.

Es gibt noch unzählige andere und alle sind auf ihre Art wunderschön und kraftvoll. Einfach „One billion rising“ im Suchfeld eingeben.

Hier ein Flashmob in San Francisco, der mich aufgrund der Menschenmenge begeistert. So könnte es auch in Wien und anderen europäischen Städten aussehen. Leider waren wir viel zu wenige bei der Kundgebung.

Hier der wunderschöne Text:

Eine deutsche Version von „break the chain“:

 

One billion Rising Österreich:

https://1billionrising.at/rising-vienna/rising-2019/

(hier findet sich auch die Möglichkeit zu spenden, um diese heilsamen Veranstaltungen weiterhin durchführen zu können! – Wem immer es möglich ist. – Danke!)

https://www.facebook.com/OneBillionRisingAustria/

https://www.youtube.com/channel/UCRPktp6uSpvwzf_9gE6M4Gg/featured

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

 

 

Die Schwimmerin

Meditieren hat nicht nur Vorteile. Das könnte ich denken, wenn ich meinen momentanen Schmerz ansehe.

Dein Schmerz ….. ha, ha, du fühlst es doch eh nur mit, abgeschwächt, wenn überhaupt!

Ja, ich Erzählerinstimme. Wer bin ich denn?

Gestern waren wir das erste Mal in diesem Sommer im Schwimmbad. Es ist mein Lieblingsbad. Jugendstilambiente mit wunderschönem Ausblick. Und danach waren wir sehr müde, ja fast erschöpft, wie immer. Da es ein Thermalbad mit hohem Schwefelgehalt ist, ist auch dies für den Körper anstrengend, dachte ich immer.

Dennoch war an Schlafen nicht zu denken. Wir schauten fern. Noch dazu einen Film, wo es um eine Vergewaltigung und daraus folgende Schwangerschaft ging. …. Keine gute Idee, gar keine gute Idee!? Oder doch? Denn im Grunde war der Boden schon durch das Schwimmen aufbereitet. Jedes Jahr dieselbe Situation. Der Körper schwimmt. Es tut so sehr gut und  wir tun es sehr gerne. Wir kommen zurück und der Tag danach ist eine Katastrophe.

Nun beim Meditieren hatten wir klar gespürt, dass wir nicht wissen, wer diese Person ist, die da schwimmt. Ich kann mich an den gesamten Tag erinnern. An umgängliche Gespräche im Schwimmbad. Eine leutselige Person, die etwas angeberisch ist. Sie weiß, dass sie viel besser schwimmt als die meisten Badegäste.

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