Leben mit DIS/DDNOS #18: Der Unterschied

Es gibt sie die Möglichkeit zu fühlen, dass da niemals Liebe war in meinem Leben. Also von Menschen. Ich wurde geschätzt, gemocht, von meinem Bruder (vielleicht auch von anderen?) ob meiner Fähigkeiten beneidet. Mein Bruder beneidet mich jedoch vor allem dafür, dass ich mich von den Eltern denen er hörig war und ist trennen konnte. Das war stets ∑mein Überlebenstrieb, ∑mein Wunsch zu leben. Ich tat was Not-wendig war, um zu leben statt zu vegetieren.

Das ist es, was uns immer wieder antreibt. Jetzt hat es uns offenbar zu dieser Meditation geführt, von der wir zuletzt berichteten.

Es geht momentan um das meditieren zum Thema Liebe. Den Unterschied, wenn ich mir bewusst mache, dass da keine Liebe war in meiner Kindheit und auch in meinem Leben als Erwachsene. Wenn ich mir das bewusst mache, tut es weh. Es tut so sehr weh, dass ich um dem Schmerz zu entgehen wütend werde. Ich benenne alle Schuldigen, die ich für meinen Schmerz verantwortlich mache. Ich hadere, vielleicht zurecht, aber was bringt es mir? Finde ich dadurch Liebe? Kann ich mich so lieben lernen? Eher nein! Ich tue mir leid, dass all dies so gekommen ist. Und weil meine Kindheit und Jugend so schrecklich war — und es war schrecklich ohne jeden Zweifel!!! — ist auch klar, dass ich heute keine Liebe in meinem Leben habe. Fazit: Ich tue mir leid und finde mich ab!!????

Und das habe ich lange getan. Ich dachte, dass ∑ich ja ohnedies nichts zu bieten habe für eine Liebe. Ich habe den überwältigenden Schmerz verdrängt und weg gelächelt. Als uns eine liebe Freundin vor einem Jahr fragte, wie ich denn ohne Beziehung, ohne Liebe leben könne, brach mir die Stimme. Ich winkte mit den Händen ab und antwortete nur: „anderes Thema, bitte!“ Das bedeutet, ich lebe damit. Nicht gut, sogar eher sehr schlecht, aber ich habe keine Wahl – dachte ich!

Jetzt meditiere ∑ich also seit einigen Tagen mit dem Fokus auf die Liebe in meinem Leben. Ich soll mir in dieser Meditation ja vorstellen, dass ich ein glückliches Leben führe und ich habe niemals gerne alleine gelebt. Dafür tue ich es bereits seit 27 Jahren. Es war die Entscheidung, besser alleine zu leben, als weiter Gewalt zu erfahren. Ich musste erst meine Erfahrungen ansehen, wollte nicht weiterhin in Beziehungen eine Fortsetzung unserer Kindheit/Jugend erleiden.

Ein glückliches Leben imaginieren bedeutet für mich in aller erster Linie geliebt zu sein. Was auch immer ich tue: Buch, Engagement, alles was ich mir an Tätigkeiten erträume, liegt Lichtjahre hinter diesem Wunsch.

Also üben wir uns in der Vorstellung geliebt zu sein. Täglich. Und wir fühlen den tiefsten Schmerz, ohne ihm zu entfliehen. Weil es in dieser Meditation keinen Ausweg des Zornes gibt UND DAS IST WUNDERVOLL! Also sehe ich diese geschundene Seele, spüre meine Übelkeit und das Würgen und begleite mich im Prozess mich selbst lieben zu lernen und eine Liebe in meinem Leben visualisieren zu wagen.

Was habe ich (mir) zu bieten? Vieles! ∑Ich bin es wert geliebt zu sein. Amen! (Ist nicht ironisch gemeint, seht es als Gebet?!)

Tröstliche Tränen

und ∑meine unterschiedlichen Methoden zur Heilung.

Von ganz tief unten formen sich Tränen und rollen leise und sanft die Wangen hinunter. Unaufdringlich und zärtlich tröstend streicheln sie die zarte Haut im Gesicht. Sie sind Zeichen von Schmerz und Trost zugleich. Trost, weil wir sehen dürfen, weil wir fühlen dürfen, was ganz tief begraben ist, was nur seltenst gefühlt werden darf und kann. Zuletzt und als bislang einziger schaffte es der geliebte verstorbene Kater uns dieses Gefühl zu schenken. Geliebt werden, einfach so.

Seit einer Woche meditieren wir täglich 23 Min. Davor hatten wir die Meditation vielleicht zweimal wöchentlich gemacht. Es ist eine geführte Meditation bei der es gilt den Fokus auf die Zukunft zu richten, zu imaginieren, wie es sein könnte.(*)  Mir vorzustellen, was ich mir wünsche. Anfangs war es einfach und erleichternd. Jetzt scheinen wir in tiefere Schichten vorzudringen. Die Wünsche verändern sich. Zumeist ist Heilung der Wunsch. Heute war es geliebt zu werden. Und es war anfangs nicht möglich mir dieses Gefühl vorzustellen. Da war nur diese Leere. Ein Nichts. Bis wir Timmis Liebe (der Kater) als einzigen Bezugspunkt fanden. Als Erinnerung geliebt worden zu sein. So ein Glück!

Obwohl das Einfühlen nun intensiver zu werden scheint, fühle ich mich sehr wohl mit dieser Meditation und wenn ich sie nur einen Tag aussetze, fehlt mir etwas.

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Das Dilemma und mein Weg hinaus

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Fotoausstellung Baden bei Wien

Oder: Darf es mir/uns gut gehen und was bedeutet „gut gehen“ für uns?

Seit das Trampolin Einzug in mein Leben gehalten hat, hat sich so vieles verändert. Das ist langsam nicht mehr neu und dennoch wundere ich mich jeden einzelnen Tag, wenn ich erwache und nicht mehr von dieser Schwermut geplagt bin, die mir noch vor drei Monaten täglich „Wozu lebe ich überhaupt?!“ in mein Gehirn schrie kaum dass ich die Augen öffnete. Stattdessen zu erwachen und zu denken: „Mein Leben ist in Ordnung!“ oder „Es ist gut!“ mit einem zarten Lächeln im Gesicht, ist eine Freiheit, die uns dennoch überlegen lässt.

So von einen Tag auf den anderen, ein neues Leben? Aber ist es ein neues Leben? Natürlich nicht! Darf es uns denn gut gehen? Das war stets die Frage unseres Lebens. Und so arbeiten wir uns auch hier am Blog an dieser plötzlich neuen Wahrnehmung ab. Bereits die letzten Beiträge handelten von nichts anderem.

Plötzlich geänderte Wahrnehmungen bei Leuten mit DIS/DDNOS sind auch mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja gar nichts anders und nur eine andere Person heraußen, die den Alltag übernommen hat? Das kann auch mehrere Monate andauern, dass sich eine Person oder mehrere in den Vordergrund kämpft bzw. kämpfen und genau dort bleiben. Die dunklen Monate von Mitte Oktober bis Mitte Jänner war das über viele, viele Jahre so bei uns.

Nein, so fühlt es sich nicht an. Es fühlt sich ganzer an, kompletter. Das Wohlfühlen scheint vielleicht nicht alle, aber doch viele zu betreffen.

Eine weitere Änderung in meinem Alltag ergibt das Lesen anderer Blogs von jenen, die Gewalt erlebten. Jene Blogs zu lesen erzeugte in mir immer wieder das Gefühl verstanden zu werden. Ein Empfinden von Verbundenheit. Ich fand mich vor allem dort wieder, wenn es darum ging mit schwierigen Gefühlslagen zurande zu kommen. Seit einiger Zeit ist das anders. Es fällt uns schwer, diese Blogs zu lesen. Es ist nicht so, dass wir plötzlich keinerlei Zugang mehr zu den Emotionen und Seelenzuständen hätten, vielmehr haben sie nur als Erinnerung mit uns zu tun. Ob das auf ein anderes Innenwesen in der Außenwelt spricht, oder „bloß“ auf mehr Distanz zu anderen Personen, was ein großer Heilungsschritt wäre? Ein mich nicht mehr auflösen in den Geschichten der anderen, sondern meine eigenen Grenzen wahren. Die ersten Gedanken beim lesen eines anderen Blogs mit dieser veränderten Wahrnehmung waren: „Ja, das ist alles ganz schrecklich, aber es ist nicht meine Geschichte. Es muss MIR nicht schlecht gehen deswegen!“ Früher war es so, dass Mitgefühl mit anderen für uns vor allem Mit-LEID hieß, was uns nicht bewusst war. Wir litten tatsächlich mit vielen schmerzhaften Blogartikeln mit und es gab uns eine Existenzberechtigung!

Als Kind war ich verantwortlich für das Wohlbefinden der gesamten Familie. Meine Mutter und mein Bruder waren zu ängstlich, sich gegen den sadistischen Vater zur Wehr zu setzen. Diese beiden galt es zu trösten und stärken, damit sie sich nicht schwach fühlten mit ihrem Unvermögen, obwohl sie es waren.

Und den Vater hatte ich auf vielfältigste Weise zufrieden zu stellen. Ich hatte ihm zu dienen, als Sklavin im Haushalt, als Sexsklavin, als intellektuelle Gesprächspartnerin (das war wohl das woraus ich tatsächlich auch profitierte), die jedoch niemals widersprechen durfte und ihn bloß stellen, auch wenn er Unsinn sprach. Letztendlich hatte ich bei allen dreien die Aufgabe ihre Probleme anzuhören und ihnen Mut zu zusprechen.

Wir haben nun den Verdacht, dass uns jenes Muster Probleme anzuhören und Mut zu zusprechen das Gefühl der Geborgenheit vermittelte beim Lesen schlimmer Erfahrungen auf anderen Blogs. Das Gefühl des wiedererkennen, des dazu gehören. Es war ein Gefühl von früher. Das Dilemma und mein Weg hinaus weiterlesen

Emotionale Hochschaubahn oder: Wird Depression zur Erinnerung für uns?

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Erstaunliches geschieht. Die letzten Monate waren mit Arbeit überhäuft. Seit unserer Entscheidung für eine neue Wohnung in Gemeinschaft vor über einem Jahr, geht es innen rund. Vor allem seit Anfang dieses Jahres laufen die Planungsarbeiten für die Errichtung der Gebäude auch für die Baugemeinschaft voll an. Garten und Gemeinschaftsräume wollen geplant werden. Die Zeit des Beschnupperns ist ebenso Vergangenheit, wie die Zeit des sehr zurückhaltenden Umgangs miteinander. Befindlichkeiten und Eigeninteressen drängen an die Oberfläche und reiben sich an ebensolchen der anderen.

Gute 20 Jahre leben in Zurückgezogenheit und auch Isolation haben ein nahezu abruptes Ende für uns genommen. Fast möchten wir sagen ein zu abruptes. Nichts ist selbstverständlich für uns. Das ist es auch für andere in der Gruppe nicht, aber für uns ist es vielleicht noch außergewöhnlicher?! Ein dazu gehören, obwohl wir in Berufsunfähigkeitspension sind, obwohl wir immer wieder sehr ängstlich sind oder uns gegen Umarmungen vor allem von Männern aussprechen. Auch, dass wir bei Gruppentreffen aufgrund immer wieder auftretender Überforderung weinen, ist kein Grund uns ablehnend zu begegnen. Vielmehr bekommen wir immer wieder Zuspruch, Unterstützung und Trost. All das ist besonders für uns. Langsam lernen die anderen uns kennen. Über unsere DIS/DDNOS wissen nur zwei zukünftige Mitbewohnerinnen Bescheid. Oder sollte ich schreiben: „Über unsere DIS/DDNOS wissen SOGAR zwei zukünftige Mitbewohnerinnen Bescheid?“ Wir sind sehr dankbar, dass es sich entwickelt, wie es sich entwickelt. Trotz aller Anstrengung und dem immer wieder auftretendem Gedanken, dass wir das nicht schaffen und überlegen, ob wir aussteigen sollten. Langsam aber merken wir, dass jene Aufgaben, die wir von uns selbst erwarten ohne Überforderung lösen zu können, auch diejenigen überfordern, die nicht an einer Traumafolgestörung leiden. Es liegt nicht an uns, dass wir nichts schaffen. Manches ist einfach zu viel. Menschen überfordern sich. Nicht nur wir! Heureka!!! Es nutzt eben nichts, dass uns unsere Therapeutin dergleichen seit bereits einer gefühlten Ewigkeit vermitteln will. Wir haben es nicht verstanden oder ihr nicht geglaubt.

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Sein dürfen #1b: Auf dem Podest!

Folgenden Beitrag haben wir am selben Tag wie den zuletzt veröffentlichten geschrieben. Er ist also über einen Monat alt. Dann kam der Stress mit DSGVO und anderer und wir hatten keine Kraft und Worte übrig. Der Blog ist angepasst und das erleichtert.

Manches in diesem Beitrag beschriebene ist bereits mit meiner Therapeutin besprochen. Dennoch erachte ich den Text noch für interessant. Schäme mich zwar für manche Stellen, stehe aber dazu.

Ein wunderschönes Wochenende euch allen. Das Chaos um die DSGVO hat mir die Gemeinschaft der Blogger_innen noch näher gebracht. Ihr seid wunderbar. 😃❤️🌞🍀 Wie schön, dass es euch gibt. 💖🌻


Zitternd ging ich zur Psychotherapie. Ich erinnere nicht, ob ich schon einmal solche Angst davor hatte hinzugehen. Die Furcht begann erst als ich aus der Straßenbahn ausgestiegen war und die Straße zur Therapeutin entlang ging. Wir wollten nicht hin. Wir fürchteten, dass sie uns unser Erfolgserlebnis, unser Glücksgefühl wegnimmt.

Ich glaube wir haben meist Angst vor Therapie. Traumatherapie ist alles andere als angenehm. Sie tut weh, immer wieder und wer will das schon. Allein die Tatsache, dass sich mit den Jahren doch sehr vieles zum besseren geändert hat, gibt uns die Kraft es auf uns zu nehmen. Auch das Gefühl dieses Leben alleine (noch) nicht zu schaffen und was meine aktuelle langjährige Therapeutin betrifft auch die Tatsache, dass sie die beste Begleitung ist, die wir bislang hatten, wenn ich auch aufzählen könnte, was mir nicht passt. Das tue ich nicht gerne, schließlich liest sie mit (auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin – herzlichen Dank dafür!) und ich könnte ja eine andere Hilfe suchen, wenn ich unzufrieden wäre. Wenn ich die Hoffnung – oder sollte ich Phantasie schreiben ? – auf wirklich perfekte Therapie, die mich flugs heilt, am besten ohne Heilungsschmerz nicht bereits verworfen hätte. …. Da ist dieser unbändige Wunsch, dass irgendjemand das alles doch gut machen kann. Ganz gut, so als hätte ich eine andere Lebensgeschichte. Wann ich akzeptieren kann, dass mein Leben eben so ist, wie es ist? Es ist so schwierig anzunehmen!

Zudem habe ich zu viele Erfahrungen mit Therapien gemacht, die viel mehr schadeten als halfen. Diese hilft, auch wenn es mich immer wieder anwidert, wie mühsam es ist und wie lange es dauert, und, und, und.

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Sein dürfen #1a: Die Angst überwinden

und wie der „Zufall“ dabei mitunter hilft!

Was für eine Zeit, im positivsten Sinne — letztendlich! Soviel Angst und soviel Überwindung eben dieser. Und es ist mir passiert, sie zu überwinden. Bewusst wäre ich viel lieber davon gelaufen.

Zuerst war der Termin mit der Reperatur meiner Heizung zu überstehen. Das war die leichteste Übung, obwohl ich sie seit Monaten vor mir her schob, weil ich solche Angst hatte. Angst nicht bloß vor dem Handwerker der in meine Wohnung kommt, sondern auch davor, was alles kaputt sein könnte.  Die schlimmsten Horrorszenarien malten wir uns aus. Waren überzeugt, dass die Leitung etwas hat und wir den großen Kasten irgendwie von der Wand weg bekommen,  abbauben müssen. Letztendlich war es eine Kleinigkeit und der nette Handwerker war binnen 15 Minuten wieder aus der Wohnung draußen.

Die Heizugsreparatur geschafft zu haben trotz starker Belastung, die uns ein Treffen der Baugruppe nur drei Tage davor bescherte, war ein Grund zu großer Freude.

Wir trafen einige Leute der Baugruppe auf der Baustelle um zu sehen wie die Arbeiten voran gehen. Es war einer der ersten wärmeren Tage. Vielleicht lag es daran, dass viele meinten mich umarmen zu müssen.

Wir fühlten es bereits und sahen auch, dass einige Männer von unserer Gruppe anwesend waren. Ein Innenwesen meinte noch erschrocken: „So viele Männer!“ Noch bevor es gelang manche in Sicherheit zu bringen, passierte bereits ein Umarmungs-Marathon, gegen den wir keinerlei Chance hatten uns zu wehren. Umarmungen oder Berührungen von Männern sind enorm schwierig bis unerträglich für uns. Das geht nur langsam mit Vorwarnung und viel Achtsamkeit. Und es sollte bereits ein Vertrauensverhältnis bestehen. Sonst kann ich sehr gut darauf verzichten. Schon die Situation, dass sich ein zumeist wesentlich größerer Mann zu mir herunter beugt lässt einen Film von Gewalterinnerungen ablaufen, der einen Fluchtinstinkt auslöst. Leider bedeutet Flucht bei uns in den meisten Fällen dissoziieren, selbst wenn ein zurückweichen leicht möglich wäre. Bei diesen Umarmungen hätte uns wahrscheinlich sogar ein bloßes zurück zucken vor dieser unerträglichen Situation gerettet. Das konnten wir nicht. Wir haben keinen Impuls für angebrachte Reaktionen, wenn etwas triggert. In unserer Kindheit war Dissoziieren angebracht um die Gewalt zu minimieren. Heute erschwert es die Lage.

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Leben mit DIS #13: „Papa ist tot!“

„Er ist tot. Papa ist tot.“ Diese Worte gehen seit der letzten Therapiestunde in unserem Kopf herum. Werden als Mantra der Erleichterung und Bestätigung immer wieder betont. Selbst wenn es für uns keine Neuigkeit darstellt, schließlich ist er bereits vor über 16 Jahren verstorben, ist es sehr schwierig diese Tatsache wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Das liegt daran, dass es Innenwesen gibt, die noch immer in ihrer Angst vor ihm feststeckten?!!! Darf ich es tatsächlich als Vergangenheit bezeichnen? Es wäre so schön. Eine Erleichterung, die ihresgleichen sucht! Eine sehr hilfreiche Brainspotting Sitzung brachte uns einen entscheidenden Schritt näher an dieses Ziel.

Es war ein Kommentar auf unseren letzten Beitrag, der eine Retraumatisierung und ein Flashback auslösten. Nun, das ist unser Risiko, bei den Themen mit denen ich mich an die Öffentlichkeit wage. Wir hatten überlegt, ob wir die Kommentarfunktion für den Artikel Leben mit DIS #12 ausschalten sollten, da er uns sehr nahe ging und es äußerst schwierig war zu schreiben. Wir haben es nicht getan und ich bin froh darüber. Zum einen herzlichen Dank für all jene stützenden und liebevollen Kommentare, die so gut taten, zum anderen kam da dieser schwierige Dialog, der uns aus der Bahn warf. So stark, dass eine telefonische Krisenintervention mit unserer Therapeutin notwendig wurde. Aber jeder Kommentar, der uns so destabilisieren kann, hat etwas mit uns zu tun. Selbst wenn wir nur nicht erkennen können, dass nicht alles in jenem Kommentar mit mir zu tun hat, sondern auch eine Bearbeitung eigener Schwierigkeiten ist, die mir mitunter übergestülpt werden.

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Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns

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ACHTUNG: Dieser Beitrag kann Betroffene evtl. in einzelnen Passagen triggern! Bitte passt auf euch auf, wenn ihr ihn lesen mögt.


Die Erinnerung ist nicht neu, sie ist nicht unbekannt, aber sie quält mich seit einer Woche.

Gestern haben wir über neun Stunden an einem Beitrag geschrieben und versucht sie in Worte zu fassen und schrieben doch nur darüber hinweg, daran vorbei.

Die Kräuter und der Tee helfen zur Ruhe zu kommen. Das ist wunderbar. Muss ich jetzt schreiben, dass Erinnern wunderbar ist? Im Grunde ist es das, wenn ich zulassen kann, was aus den Tiefen der Verdrängung hervorkommt.

Stress hilft sich nicht zu erinnern. Es ist DAS Mittel um Abzuspalten und zu Verdrängen. Der innere Friede ist damit verknüpft, anzunehmen, was ist, was war.

Darf ich es äußern? Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, vor fast einem Jahr. Es ist wieder soweit. Kurz vor dem Veröffentlichen des Artikels habe ich es erst entdeckt. So wiederhole ich mich etwas, wie sich die Erinnerungen wiederholen. Sie sind wieder da.

Als ich vor Jahren einer „Freundin“ darüber etwas anklingen ließ, verbot sie mir ihr davon zu erzählen. Eine andere Freundin meinte, dass sie es nicht erträgt es zu hören. Entschuldigte sich, aber sie war nach meiner Erzählung zusammengebrochen und hatte nur geweint. Auch meinen Yoga-Lehrer hatte ich schon zum Weinen gebracht, als er mir zuhörte. Danach, daheim. Er hat sich nie beschwert, nie etwas anklingen lassen. Seine Ex-Freundin hatte es mir erzählt.

In Therapie habe ich wohl darüber gesprochen, aber wir kommen nicht an jene Innenwesen heran, die es betrifft. Innenkinder, die ab Ende Oktober mehr und mehr die Kontrolle über den Körper übernehmen. Diese Lähmung ist bereits wesentlich besser als noch vor fünf Jahren, aber sie ist noch immer spürbar. Ihre Schmerzen und ihre Trauer belasten uns Woche für Woche mehr, bis sie am 24. Dezember schließlich alle Schwere, die sie seit Jahrzehnten mit sich tragen im gesamten System „Benita“ verteilen und das Leben prägen. Jahr für Jahr, versuchen sie sich mitzuteilen. Jahr für Jahr geben sie am 7. Jänner auf und verschwinden bis Ende Oktober. Dazwischen ist die Zeit vorbei an der sie leiden. Die Zeit in der es damals geschah. Wie oft geschah es? Wie viele Jahre hintereinander? Ich weiß es nicht.

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Wenn die Gefühle zurückkommen

Wenn Gefühle zurückkommen wird das Leben leichter und schwieriger zugleich.

Früher war es praktisch, einfach ein Gefühl abspalten und den Alltag fast wie ein Roboter weiter zu erledigen.

Wenn Gefühle zurückkommen, erkenne ich das Ausmaß des Erlittenen ebenso, wie ganz langsam die Kraft, die in mir wohnt.

Früher war das Leben wie ein Film, der vor unseren Augen ablief. Nahezu täglich verwundert darüber was das ganze soll, was der Tag mir liefert. Es hatte gefühlt nichts mit mir zu tun und doch war dieses Leben alles, was ich damals hatte.

Wenn Gefühle zurückkommen lässt sich die Perfektion nicht mehr aufrecht erhalten. Es gelingt nicht mehr Tränen zu stoppen, weil das Geschirr gespült werden muss. Mitunter gelingt es nicht einmal mehr die Post zu öffnen. Vor weniger als 10 Jahren hätte ich Personen verachtet, die sich so wenig in Griff haben.

Früher war ich einsam, weil ich andere Menschen nur im Kopf fühlen konnte. Wie fühle ich im Kopf? Ich bekam von irgendeinem Innenwesen Informationen darüber, wie sich jemand anfühlt. Ich spürte das Gegenüber nicht. Alle Menschen – Männer viel mehr als Frauen – erschreckten uns enorm. In schlechten Phasen ist unsere Angst vor Männern auch heute noch enorm. In guten Phasen ertrage ich sie und es gibt sogar Männer mit denen ich quasi befreundet bin und lerne zu widersprechen. Ein enormes Wagnis, das meist nur am Telefon gelingt. Da bin ich in Sicherheit vor potentieller körperlicher Gewalt, die ich demjenigen, den ich vor allem meine niemals zutraue.

Wenn Gefühle zurückkommen wird das Leben schwieriger, weil es noch unplanbarer erscheint aber einfacher, weil die Distanz zu den Mitmenschen sich verringert. Leute, die nicht automatisch im Alltag dissoziiert sind, können uns besser wahrnehmen und wir sie und öfters sogar intuitiv reagieren UND bei uns bleiben. Kommunikation wird so erst wirklich möglich – im Moment.

Wenn Gefühle zurückkommen glaube ich zu ahnen, wie ein Leben ohne DIS sein könnte, wie Personen ohne DIS die Umwelt wahrnehmen könnten. Eine interessante Lernerfahrung.

Wir / Ich lerne weiter.

 

Leben mit DIS # 11: Wenn die Tränen nicht stoppen …

… bis irgendein Innenwesen im Kopf Worte findet, die helfen.

Genervte Worte höre ich beim Geschirr spülen, das ich unter Tränen verrichte: „Will sie jetzt nicht irgendjemand einmal in den Arm nehmen und trösten!!!“

Nein ICH bin nicht gemeint. Diejenige die Trost braucht ist ein Innenwesen, das die Kontrolle über den Körper hat und aufgrund ihrer Aufregung seit Tagen keine andere mehr ganz heraus kommt. Um den Alltag noch irgendwie zu erledigen, schieben wir uns in Arme und Beine des Körpers, sehen durch die Augen durch, an ihr vorbei, aber die tiefe Verzweiflung und die Tränen sind trotz Ablenkung nicht zu stoppen. Dass es SIE ist, die Trost benötigt höre ich im Kopf, eigentlich fühle ich es mehr und es fühlt sich richtig an. Weshalb die Ruferin es nicht selbst erledigt, bevor sie versucht die anderen aufzurütteln ist einfach erklärt. Sie kommt nicht an die Erschütterte heran!

Aber WELCHE ruft, WELCHE weint?

Es gibt keine Namen für Innenwesen. Obwohl es Unterschriften mit Namen gibt, wenn wir jährlich einen Anti-Suizid-Vertrag bei unserer Therapeutin unterschreiben. Aber ich habe keine Ahnung, wer, wer ist. Ich höre sie, fühle sie, habe selten Amnesien, bei denen ich keinerlei Erinnerung mehr habe. Aber ich kenne die Innenwesen nicht mit Namen und ich kann sie selten unterscheiden.

Ob es daran liegt, dass unser Vater stets unseren Namen als Kind „vergessen“ hat? Wie bitte kann ich als Vater den Namen meiner Tochter nicht erinnern? Nein, er hat ihn nicht vergessen, es war eine seiner Methoden mich zu demütigen und zu zeigen, dass wir keinen Wert haben. Nicht einmal Wert seien, dass er sich meinen Namen merkt. Mitunter sprach er uns auch mit dem Namen meiner Mutter an. Vielleicht waren die Vergewaltigungen so einfacher für ihn, wenn ich entweder namenlos oder aber in seiner kranken Phantasie seine Frau war?!

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