Ein Rätsel, das uns betroffen macht

Die Arbeit mit der Baugruppe wird nicht weniger. Seit Baustart Anfang März folgt ein Treffen dem nächsten. Gemeinschaftsräume wollen geplant und eingerichtet werden. Dazu braucht es einen Überblick über die Finanzen der Gruppe, was für niemanden wirklich eine Lieblingsbeschäftigung darstellt. Es ist ein ungeliebter und undankbarer Job auf finanzielle oder steuerliche Problematiken hinzuweisen.

Unsere Erfahrung als Jugendliche mit dem Konkurs des elterlichen Unternehmens und einigen gröberen Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit daraus folgenden gerichtlichen Exekutionen …. Ohje, das ist ein Thema, das tief geht und schlimme Erinnerungen auslöst. Erinnerungen an eine Delogierung noch während unserer Schulzeit bzw. kurz danach. Wir vergessen immer das Datum. Diese Situation zog sich über Jahre. Plötzlich standen wir quasi auf der Straße und die Eltern fanden keine Notwendigkeit eine Wohnmöglichkeit für uns zu finden. Schließlich waren wir bereits 19 Jahre alt. Das Fazit war, dass wir jemanden heirateten, nur um irgendwo wohnen zu können. Eine schreckliche Zeit, vielleicht schreiben wir ein andermal darüber weiter.

Auf alle Fälle ist dieses Erlebnis mit ein Grund, weshalb wir mit drei anderen in der Baugruppe uns des Themas Finanzen annehmen, obwohl wir dazu überhaupt keine Lust haben. Wir wissen um die Notwendigkeit finanzieller Transparanz und Sicherheit.

Und es ist ein weiterer Grund, weshalb die Arbeit hier kein Ende findet. Dabei geht es uns aber wirklich ganz gut. Anerkennung hat eine große Heilkraft, wogegen Isolation, die wir davor erlebten nicht nur kränkend ist, sondern tatsächlich krank macht.

Darüber wollten wir jedoch gar nicht schreiben, obwohl der letzte Absatz die Brücke zu unserem Thema darstellen kann.

Aufgrund all der Arbeit und auch Aufregung passierte es uns, dass wir Briefe nicht sofort geöffnet haben, wenn nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, dass es sich um eine Rechnung handeln könnte.

So haben wir heute einen geschlossenen Brief mit einem dezenten schwarzen Kreuz unter Werbeprospekten gefunden. Hätten wir diesen Brief früher gesehen, wir hätten ihn geöffnet!

Wir erschraken. Es war ganz klar eine Todesanzeige. Wer war gestorben? Unser Herz pochte. Der Name der Absenderin sagte uns nichts, was ja nichts aussagen muss. Wer kennt schon alle nächsten Verwandten von Freund*innen oder Bekannten?

Als wir den Brief öffneten, fanden wir darin die Parte von keiner Geringeren als Friederike Mayröcker! Freilich wussten wir um den Tod der großen Schriftstellerin, aber weshalb wurden wir zu ihrem Begräbnis eingeladen? Wir kannten sie nicht persönlich. Der Brief war tatsächlich persönlich an uns mit vollständigem Namen und Adresse geschrieben. Mehrmals überprüften wir, ob der Brief an uns adressiert ist. Es ist so und in unserem Chaos hatten wir nun diesen Termin der Verabschiedung verpasst.

Wir dachten, dass wir evtl. bei irgendeiner Lesung uns auf einen Newsletter eingetragen haben könnten. Aber da hätten wir nicht unsere vollständige Adresse angegeben, sondern nur einen E-Mail-Kontakt. Vielleicht in Zusammenhang mit unserem Interesse für Literatur? Da bekommen wir mehrere Aussendungen.

Auch wenn es ein großes Begräbnis war mit Anwesenheit des offiziellen Österreich und Ehrengrab, werden doch nicht Leute eingeladen, die in irgendeinem Verzeichnis angeführt sind um Einladungen zu Literaturveranstaltungen zu erhalten?!

Es bleibt ein Rätsel, wie gerade wir zu einer solchen Einladung kommen und dann diese Trauerfeier auch noch verpassen, weil wir nicht in der Lage waren einen Brief rechtzeitig zu öffnen, mit dem wir nicht rechnen konnten.

Wir werden wohl an ihr Grab gehen und im Nachhinein Abschied von einer uns persönlich Unbekannten nehmen.

Es ist, als hätte sie aus dem Jenseits zu uns gesprochen und uns an unser Buch erinnert. Mysteriös und berührend.

Danke Friederike Mayröcker. Auf eine besondere Art sind wir ihr jetzt verbunden.

Das Ende der Baugruppe für uns?

Verzeiht, aber wir brauchen jetzt eine Meinung von euch lieben DIS Leuten, die uns lesen, aber auch von allen anderen lieben Leser*innen.

Es ist eben etwas geschehen, das unseren weiteren Verbleib in der Baugruppe und damit unsere neue Wohnung in Frage stellt.

Unser Architekt hat ohne vorherige Rückfrage einen Instagram Account für das Projekt angelegt und neben Fotos vom Baufortschritt auch mehrere Gruppenfotos hochgeladen auf denen wir zu sehen sind. Auch falls dieser Account nur privat wäre (wie er meinte), was er zeitweilig nicht war, sind die Fotos im Facebook-Konzern nun gespeichert. Jede*r weiß, wie Facebook Fotos verkauft etc.

Es ist ein extremer Trigger, es ist als würden wir wieder gegen unseren Willen und ohne zu fragen verkauft. Fotos von uns einfach der Öffentlichkeit gezeigt, ohne uns zu fragen.

Zudem wollten wir nie, dass unser Wohnort bekannt ist. Schon gar nicht auf Instagram oder Facebook. Wie sollen wir uns dort jetzt sicher fühlen?

Vielleicht haben wir jetzt alles verloren, was wir uns in den letzten vier Jahren schwer erarbeitet haben?!!

Wir wissen gerade nicht, was wir tun sollen. Haben ihm schon ein Mail geschrieben, dass wir ihm untersagen Fotos von uns unverpixelt ins Netz zu stellen.

Könnt ihr uns verstehen? Was würdet ihr tun? ….. Verzeiht diesen Hilferuf. Wir wissen nicht, wo wir uns hinwenden können. Hier seid ihr lieben DIS Frauen, die das hoffentlich nachvollziehen können.

Danke fürs lesen. Herzliche Grüße und noch einen schönen Sonntag. 💖🕊️🎶🍀🍀🍀🌷

Ein virtueller Wohnungsrundgang ….

in unserer neuen Wohnung macht Freude.

Gestern und heute haben wir unsere gerade in Bau befindliche neue Wohnung virtuell eingerichtet. Und weil das Online-Tool, das in der Basic-Version gratis verwendet werden kann, so grandios einfach zu nutzen ist, machen wir ein bisschen Werbung dafür (freilich ohne etwas dafür gezahlt zu erhalten, noch darum gebeten worden zu sein).

Wir haben zwar kaum geschlafen, weil’s irgendjemand innen gleich auf einen Rutsch fertigstellen wollte und sich dann nicht mit so „Unnötigem“ wie schlafen und essen aufhalten lässt. Dazu müsste ja jemand anderes herauskommen?!

Aber bei aller Übermüdung macht es nun große Freude einen möblierten Wohnungsplan unserer neuen Wohnung über ein Jahr vor dem Einzug in Händen zu halten. Damit lässt sich wunderbar planen.

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Off topic: Weihnachtsbaum-Recycling für gefiederte Freunde

Vermutlich sind zwar schon die meisten Christbäume entsorgt, aber diese Idee finden wir so schön, dass wir sie gerne teilen wollen.

Vielleicht ein Projekt für nächstes Jahr?

https://wp.me/p1Nssw-2v8

Abschied nehmen!

Seit gestern ist er vermehrt an unserer Seite.

Gerade als beim meditieren diese Depression hochstieg und Innenwesen mit Tränen in den Augen riefen: ”Ich will nicht nach Wien!” und durch nichts zu beruhigen waren, kam er, einer der beiden Kater des Hauses. Er half beim zur Ruhe kommen und spendet Trost. Auch jetzt liegt er in unserer Nähe.

Oft fühlen wir uns in dieser Stadt gefangen, die seit einigen Jahren bereits die Auszeichnung trägt, die lebenswerteste Stadt der Welt zu sein. Oh ja, sie ist schön. Zum Teil ein Freilichtmuseum, umrahmt von Natur. Aber sie trägt eine ansteckende Negativität im Herzen, die deren Bewohner*innen heimsucht. Der Wiener Grant war uns sogar als geborene Wienerin stets zuwider. Wir können und wollen im Jammern nichts Charmantes erkennen.

Aber wir können nicht weg. Nur in dieser Stadt, die uns in ihren Krallen festhält können wir uns eine Wohnung leisten. Oft und oft haben wir es durchgerechnet. Ohne soziale Zuschüsse gibt’s keine Wohnung für uns und dafür müssen wir einige Jahre ohne staatliche Unterstützung an einem Ort in Österreich leben, wenn wir aus Wien fortziehen wollten. Unmöglich! Es ist die Kleinteiligkeit dieses kleinen Staates, der bis ins Letzte in politische Zuständigkeiten unterteilt ist mit eigenen Gesetzen. Das hat einige Vor- und viele Nachteile. Dennoch bin ich dankbar, dass Wien politisch anders tickt, als weite Teile des Landes. …… „Jeder noch so schöne Ort ändert sich, wenn du dort lebst.“, wirft eine innen in die Debatte ein.

Stimmt! Ob ich hier leben wollte, wo ich meine Sommer verbringe? Wohl eher nicht. Das Wesen der Einwohner ist auch hier oft schwierig.

Wien hat viele Vorteile. Von der Kultur über die Anonymität der Großstadt und die grüne Lunge den Wienerwald, ist diese Stadt tatsächlich lebenswert. Vielleicht, so hoffen wir, wird es besser – vor allem ruhiger – in der neuen Wohnung, die am anderen Ende der Stadt liegt. Dort, wo wir kaum Kindheitserinnerungen haben, das könnte Trigger minimieren — hoffentlich! Fast eine uns fremde Stadt in der großen Metropole, die eigentlich zu klein scheint für eine solche Bezeichnung.

Wenn die Wohnung endlich gebaut würde und wir dann eingezogen sind, dann ….. Dann nehme ich mir eine Katze oder einen Kater, die uns trösten, so hoffen wir, wenn es zuviel wird rundherum. 🐱

Das innere vibrieren! Und wie weiter?

Langsam kommen wir ein klein wenig zur Ruhe hier in unserem Sommerfrische-Domizil.

Die letzte Aufregung rund um unser Wohnprojekt ist vier Tage her und seit drei Wochen beantworten wir zwei offene Mails der Baugruppe nicht.

Die massive Überforderung des vergangenen Jahres mit der Verlassenschaft der Großtante und sehr viel Engagemant (für unsere Möglichkeiten) in der Baugruppe sind derzeit entweder weitgehend erledigt oder im Urlaubsmodus. Das ständige Gefühl wieder auseinander zu fallen, das sich immer einstellte wenn wir die Kräuterkapseln von unserem brasilianischen Heiler nicht oder sehr reduziert nahmen wurde mittlerweile zum Alltag. Schon wenn wir statt einmal wöchentlich zwei Kapseln mit einem Tag Unterbrechung nehmen, so wie vergangene Woche, geht es uns um Vieles besser. Nervosität und Angst vor Menschen verringern sich so massiv, dass der Kontakt mit anderen Menschen um so vieles einfacher und befriedigender ist.

Auch aufgrund dieses so anstrengenden Hintergrundes ist die Frage, „wie weiter“ mit dem Wohnprojekt, mit uns in dem Wohnprojekt, mit uns ohne Kräuter aus Brasilien in dem Wohnprojekt etc., in jedem stillen Moment bei uns. Sie begleitet uns beim Einschlafen und beim Erwachen. Und sie stürzt uns in eine tiefe Traurigkeit, die uns wie ein Schatten verfolgt. Zusätzlich ist die Situation in der Baugruppe derzeit, euphemistisch gesagt, schwierig. Aber wo ist es mein Wahnsinn und wo der Wahnsinn der derzeit im Wohnprojekt herrscht?

Es ist schlimm diverse Symptome komplexer Traumata im Leben zu fühlen. Ist es jedoch härter, wenn ein Symptom, dass als erledigt galt plötzlich wieder auftaucht, oder ist es schmerzhafter überhaupt nicht zu wissen, dass dieses Symptom überhaupt weg gehen könnte? Irgendwie hilft es zu wissen, wohin ich möchte. Es ist angenehmer als daran zu verzweifeln, dass diese Distanz zu anderen Menschen niemals ein Ende finden kann.

Früher haben wir uns einfach versteckt, weil die psychischen Schmerzen im Kontakt mit anderen Menschen zu groß waren. Wir sind kaum hinaus gegangen. Das minimierte die Trigger enorm. Es war lange Zeit die einzige Möglichkeit zu überleben, maximal zweimal pro Woche anderen Menschen zu begegnen. Dann wurde Kontakt mit Menschen angenehmer und wir fühlten uns so einsam daheim. Wir suchten den Kontakt und kamen in die Baugruppe. Und jetzt? Uns zu verstecken geht nun kaum.

Wir können nicht aufgrund einer fehlenden Medikation alles hinwerfen. Das wollen wir auch nicht! Permanent fürchten wir, dass unsere Wahrnehmung nicht stimmt. Anderseits sind wir überzeugt, dass die Situation in der Baugruppe tatsächlich in einem Zustand ist, der so nicht hingenommen werden sollte.

Wir sind nun seit fast 2 ½ Jahren in der Baugruppe und haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten, die uns so ungenügend erscheinen, auch stets engagiert. Auch oft über unsere Belastungsgrenze hinaus. Wir wollten, dass dieses Projekt funktioniert und wollten daher auch gerne Verantwortung für dessen Gelingen übernehmen. Seit sich jedoch der Baubeginn mittlerweile massiv verzögert und wir keine definitive Aussage für einen Baustart erhalten, ist das Interesse vieler zukünftiger Nachbarn sich selbst einzubringen, oder auch nur in Kontakt mit den anderen zu bleiben meiner Ansicht nach minimal bis nicht vorhanden. Das ist unser Eindruck. Auch dass bereits vier Leute aus der Baugruppe wieder ausgetreten sind, hilft nicht die Zuversicht zu erhöhen. Weder jene der anderen, noch die eigene.

Die aktuelle Situation triggert an allen Ecken und Enden. Kommt das permanente innere Vibrieren und Zittern auch daher?

…… Schreibpause mit durch den Garten schlendern, Kater streicheln und drinken einer „goldenen Milch“ (2 TL Kurkuma, etwas Pfeffer in warmer Reismilch), was die Symptome wesentlich verbessert hat. Besonders die „goldene Milch“ hat die Traurigkeit gelindert. ….. Ob Kurkuma hochdosiert tatsächlich gegen Depressionen helfen kann, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Allerdings hatten wir zuvor ganz vergessen gehabt, dass es helfen könnte und plötzlich ging es uns besser. …… Uns ist es egal, ob es eine eingebildete Besserung der depressiven Symptome ist, oder der Wirkstoff wirklich Erleichterung bringen kann. Hauptsache es geht uns etwas besser! …..

Zurück zu den Triggern. Immer wieder fühlen wir uns ausgenutzt von jenen, die nichts zur Gemeinschaft beitragen und nicht einmal per Mail ihr Interesse bekunden und auf Aussendungen reagieren. Dieses ausgenutzt und benutzt fühlen kennen wir doch so gut. „Benita“ hatte als Kind sämtliche Hausarbeit zu machen und einen Dank gab es nie dafür. Vielmehr Aufregung, wenn es nicht so geschehen war, wie erwartet. Da sind wir beim Trigger Überforderung durch Tätigkeiten, die ohnedies auf kein Interesse stoßen, obwohl ich mich sehr bemühe.

Vielleicht aber ist auch uns die Freude am Projekt abhanden gekommen, aufgrund der Verzögerungen und fehlenden Information. Vielleicht wollten wir es uns nur bloß nicht eingestehen. Wollten stark sein, wollten in dieser „freien“ Zeit eine Gemeinschaft formen und sind nun massiv enttäuscht, dass zu Viele dies so nicht möchten. Nein, alleine können wir keine (harmonische) Gemeinschaft erschaffen! Das können wir alleine nicht stemmen. — Schon wieder ein Trigger. Der Versuch mit aller Kraft aus unserer kaputten Familie eine Familie zu machen, wo Respekt und Liebe vorherrschen. Wir sind daran gescheitert! Fürchten wir nun, dass wir auch an der Gemeinschaftsbildung der Baugruppe scheitern werden? Vermutlich ist ein solcher Vergleich nicht hilfreich. Hilfreich ist jedoch, dass wir nun die Zeit hatten, diesen Trigger zu erkennen. Bewusstsein darüber wo es in uns hakt, ist der erste Schritt zur Lösung des inneren Chaos.

Nein, eine Baugruppe ist nicht nur ein Ende der Vereinsamung, es ist auch sehr viel Arbeit, Reibung und auch Enttäuschung. Und oft ist es vermutlich ein Abwarten, wie sich das Miteinander entwickeln wird. Gewalt sollte es nicht werden. Die herrschte jedoch in unserer Familie vor. Nein, Gewalt traue ich jenen künftigen Nachbar_innen, die wir kennen aus heutiger Sicht nicht zu. Und selbst wenn es solches geben sollte, könnten wir reagieren, uns wehren, für andere aufstehen. Die Zeit der Ohnmacht ist vorbei! Ich sehe die Gefahr der Gewalt in unmittelbarer Nachbarschaft in diesem Wohnprojekt wesentlich geringer als in anderen Wohnformen, wo Menschen in Miete in Häusern fast anonym nebeneinander wohnen.

Wichtig bleibt, kann ich ∑mich in der Gruppe wohl fühlen? Kann ich ∑mich in dieser Umgebung erholen? Finden WIR unseren Platz des Rückzugs? Können wir sein, wie wir sind? All diese Fragen sind für uns offen.

Und ja, wir haben auch große Angst, dass wir uns letztendlich dort nicht wohl fühlen werden, jedoch das Geld fehlt dort weg zu ziehen. DER Trigger unseres Lebens in Zusammenhang mit Wohnen. Haben wir jemals anders gewohnt, als in einer solchen Situation? Bislang nicht! Früher hatten wir jedoch keine Wahl. Im Grunde ist es das erste Mal, dass wir unsere Wohnung tatsächlich wählen können, ohne Zeitdruck und nach der kleinen Erbschaft auch mit einem für unsere Verhältnisse großem Budget. Eine Wahl zu haben, kann auch die Befürchtung Fehler zu machen erhöhen. Um diese Angst zu entkräften, bleibt nur die Frage: „Kann es schlechter werden, als es derzeit ist?“ Wir hoffen nicht, aber ist das zum jetzigen Zeitpunkt abzuschätzen? Es gibt nur eines, das uns an unserer derzeitigen Wohnung hält, das ist die Nähe des Waldes und der Natur. Allerdings zieht uns die Wohnung soviel Energie aus den Adern, dass für den Genuss der schönen Umgebung kaum Kraft übrig bleibt. Wie auch immer, wir müssen aus unserer derzeitigen Wohnung weg. Ob es die Baugruppe bleibt, in die wir hinziehen werden, haben wir noch nicht festgelegt und das müssen wir derzeit auch noch nicht.

Auch wenn das Leben mit offenen Entscheidungen immer wieder schwierig ist, so haben wir schon viele Fortschritte gemacht offenen Prozessen gelassener zu begegnen. Diese Baugruppe ist ein Prozess. Der nächste Lernschritt wir sein, uns früher zurück zu ziehen und uns Ruhe zu gönnen, bevor wir vor Überforderung ver- und an allem zweifeln!

Was uns ausmacht ist reflektiertes Verhalten. Es schenkt uns Kraft und zeigt uns den Weg auf, den wir weitergehen wollen. Uns DAFÜR Zeit und Raum zu nehmen, heißt für uns sorgen!!!

 

Dazu gehören!

all human rights for all - best one

Seit Tagen fliehen wir davor zu schreiben. Alles mögliche und unmögliche wird gemacht, nur um nicht nieder zu schreiben, was uns seit einer guten Woche alles durch den Kopf geht und unsere Gefühle okkupiert. Wir haben Angst. Dabei ist es doch gar nicht so schlimm, denken wir, was wir schreiben wollen. Aber es zerreißt uns fast das Herz.

In der vergangenen Woche kam das Thema sich irgendwo zugehörig fühlen zu wollen so geballt auf uns zu. Zuerst war wie im letzten Beitrag bereits beschrieben die Debatte auf einem anderen Blog und danach die Erfahrung in der Baugruppe.

Nach der Verzweiflung und der kurzfristigen Beruhigung kam nach und nach die Reflexion hinzu.

Immer wieder ging es um diese Einsamkeit unter Menschen. Es ging darum sich niemals zugehörig zu fühlen und dass es eine enorme Belastung ist, so große Angst macht, anderen Menschen das Herz zu öffnen. Dass es so einfach ist, alleine einsam zu sein. Dass die Isolation eine Erholung ist und Menschen immer nur Gefahr bedeuten. Dass ich nicht weiß wie und ob wir aus dieser Qual aussteigen können.

Begegnung als Sehnsuchtsort und Horrorszenario zugleich.

Als Kind uns Jugendliche war das wichtigste rechtzeitig flüchten zu können. Vor den Übergriffen rechtzeitig zu switchen um den Schmerz nicht zu fühlen, vor Papas Jähzorn so schnell wie möglich abtauchen oder deeskalieren und kalmieren um einem möglichen Totschlag zu entgehen. Immer war alles möglich. Unser Ziel war, dass ich niemals eine Schlagzeile in der Kronen-Zeitung (größte Boulvard-Zeitung des Landes) werden wollte: „Familiendrama! Mann tötet Frau und Tochter und richtet sich selbst!“ ….. so ungefähr dachte ich wäre es möglich in der Zeitung zu landen. All unser Streben war es, dies zu verhindern. Alle Kraft, alle Ressourcen waren gebunden an dieses Ziel. Alle Bedürfnisse wurden diesem Ziel untergeordnet. Nur überleben, mehr wollte ich nicht. Dazu gehören! weiterlesen

Sein dürfen #2: Zwischen Wollen und Können!

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Eigentlich wollte ich einen Beitrag schreiben, weshalb ich es nicht verstehen kann, dass sich Unos die — wenn auch veraltete — Krankheitsbezeichung „Multiple Persönlichkeit“ immer wieder freiwillig geben. Ich wollte schriftlich erforschen, was denn wirklich dahinter stecken könnte. Ich wollte darlegen, wieso ich dies jenen gegenüber als respektlos empfinde, die es weder hip noch lustig finden, eine Dissoziative Identität nach schwerer Gewalt beginnend in der frühen Kindheit entwickelt zu haben und die mal schlechter und mal besser aber viel zu oft ganz nahe am Abgrund balancierend ihr Leben versuchen zu verbessern. Anlass war ein Kommentar von mir auf einem Blog, den ich bereits lange lese, wo ich einen launigen Beitrag fand mit dem Titel „multiple Persönlichkeit“ und dem Inhalt der persönlichen Zerrissenheit im Alltag einer Selbständigkeit. Der Autor liest meinen Blog auch bereits seit geraumer Zeit, daher hat es mich erschüttert, auf einen solchen Beitrag zu stoßen. Sein dürfen #2: Zwischen Wollen und Können! weiterlesen

Leben mit DIS/DDNOS #19: Meine verdrehte Welt

Situation 1: Aufgrund einer Verlassenschaft habe ich derzeit vermehrten Kontakt zu meiner Mutter. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil je selbstverständlicher ich für sie erreichbar bin, desto eher behandelt sie mich wie früher. Das bedeutet ich muss bei jedem Treffen darum kämpfen, dass sie respektvoll mit mir umgeht. Sonst behandelt sie mich wie ein Ding, ihr Eigentum mit dem sie machen kann, was sie will. Ihre Antwort zu ihrem Lebensgefährten, der meinte: „Wie sprichst du denn mit „Benita“?“: „Ich darf mit ihr reden, wie ich will, das ist meine Tochter!“ Ja, ich kann mich heute dagegen wehren und habe es getan! Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Zusätzlich ist sie nämlich mittlerweile wieder dazu übergegangen mir bei jedem Telefonat oder Aufeinandertreffen zu erklären, welch wunderbarer Mensch mein verstorbener Vater war, der mich meine gesamte Kindheit bereits als Baby beginnend vergewaltigte, verkaufte für sexuelle Dienstleistungen und die gesamte Familie quälte mit seinem Sadismus und Jähzorn. Als ich ihr zuletzt sagte, sie solle damit aufhören, weil ich ihre Worte nicht so stehen lassen kann und wir dann nur streiten können, meinte sie: „Zu mir war er ja immer gut!“

Ich brauchte mehrere Tage und eine weitere Lobeshymne über ihn, die sie am Telefon sang, um zu erkennen, welch große Mutterliebe es bedeutet, wenn der Vater meine Kinder misshandelt und ihnen Gewalt antut, zu sagen, dass er zu mir als Mutter „immer gut war!“ Mir graut, wie wenig Liebe unsere Mutter für meinen Bruder und mich jemals hatte und bis heute hat.

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Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren!

Das Thema Scham spielt derzeit eine sehr große Rolle in unserem Leben. Also eine bewusst sehr große Rolle. Denn latent vorhanden und behindernd ist dieses Gefühl kontinuierlich. Es ist so sehr mit uns verbunden, dass es schon als Teil unseres Selbst, als Charaktereigenschaft von ∑mir empfunden wird.

Dass Scham generell an die Oberfläche tritt und dann noch hinterfragt werden darf, hat bereits einen Aspekt von Heilung, denn im Normalfall ist sie einfach da – von früh bis spät, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Oder eben nicht da, denn es geht darum, sie so gut als möglich zu verstecken. Nur nichts anmerken lassen bedeutet verdrängen oder abspalten. Was vor allem im näheren Kontakt mit anderen Menschen mitunter sehr schlecht funktioniert und dann wieder einen Grund gibt, sich zu schämen. Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren! weiterlesen