Höhenflug: nicht hoch genug?

Und wieder ein Albtraum. Es ist der dritte Traum in kurzen Intervallen. Ungewöhnlich für uns.

Wir träumten von einem Flugzeugabsturz, oder eigentlich gar keinem Absturz, denn noch bevor es dazu nahezu zwingend kommen musste, fuhr ich erschrocken hoch und war munter.

Aber der Reihe nach.

In dem Traum sitze ich in einem Linienflugzeug. Ich weiß nicht wohin ich fliegen möchte, aber ich beobachte mit großem Unbehagen, dass der/die Pilot_in zwischen der Häuserflucht durchfliegt. Viel zu nahe an hohen Gebäuden. Alles irreal, denn wir sind nicht so niedrig, dass hier schon Gebäude wären. Dennoch sind sie da. Diese Bauwerke sind zwar hoch, aber keine Wolkenkratzer. Ich merke nur, dass wir uns immer wieder mit viel zu hoher Geschwindigkeit den Häusern nähern, dass eine Kollision unumgänglich erscheint. Und tatsächlich streift der Korpus des Flugzeuges eine Fassade nahe meines Fensterplatzes. Auch das ist im Wachzustand real so gar nicht möglich, denn um dies zu ermöglichen hätte davor ein Tragflügel abreißen müssen und bereits das hätte zu einem Absturz geführt.

Mir ist übel vor Angst, dennoch ist im Passagierraum alles ruhig. Keine aufgeregten Reisenden, keine Panik. Ich realisiere die anderen Menschen auch gar nicht. Ich überlege mir die Augen zuzuhalten, damit ich nicht sehen muss, wie gefährlich dieser Flug ist. Dann denke ich, warum bitte fliegen wir denn so tief? Warum wird die Maschine nicht in die Höhe gerissen?

Da geschieht das Unausweichliche, das aber auch irreal ist. Von einem Haus bricht ein großes Stück Fassade ab. Und es stürzt nicht zu Boden, sondern schwebt ähnlich einem riesigen Meteoriten, als wären wir im Weltall von aller Schwerkraft befreit auf das Flugzeug zu und schlägt in die Passagierkabine ein. Viele Sitze vor mir, da ich recht weit hinten sitze. Ich spüre den Luftzug und versuche mich erst jetzt anzuschnallen, um nicht hinausgeschleudert zu werden. Es gelingt mir/uns. In der ganzen Maschine nehme ich keine Menschen wahr. Weder Passagiere noch Flugbegleiter_innen. Aber ich nehme auch nicht wahr, ob ich vielleicht alleine hier bin. Ich denke nicht, denn beim Gedanken an das nun vorhandene Loch in der Kabine, bin ich froh, dass es nicht mich getroffen hatte, die ich auf derselben Seite saß. Ich überlege, dass diese Menschen jetzt wohl tot sind. Noch immer gespenstische Stille. Höhenflug: nicht hoch genug? weiterlesen

Leben mit DIS #7: Quo vadis, „Benita“? Wer bin ∑ich?

Alles in meinem Leben ist im Umbruch. Es ist so schwierig zu beschreiben, was momentan in ∑mir vorgeht. Daher langes Schweigen. Angst vor dem Neuen oder Neugierde auf neue Erfahrungen? Ich bin derzeit chronisch erschöpft. Obwohl – langsam, ganz, ganz langsam bekomme ich endlich wieder Boden unter die Füße.

∑Meine Welt, wie ich sie noch Anfang Oktober 2016 als sicher und stabil bzw. stabilisierend für mich erachtete ist zusammengebrochen. Zwei unerwartete Todesfälle haben uns in einem Ausmaß irritiert, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Der Schock war stark, so stark und eindrücklich, dass es unmöglich geworden war, manche Gewohnheit weiter zu verfolgen. Ich wurde auf ∑mich zurückgeworfen und nun stehe ich da. Angesicht in Angesicht mit ∑mir selbst! Tatsächlich? War es Authentizität, die sich aus dem Schutthaufen erhob, wie Phönix aus der Asche?

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Zorn: Ein „neues“ Gefühl?! … / Erinnerungen an Psychiatrie u.a.m.

Dieser Text wurde am 3. und 4.1.2017 geschrieben und ich konnte ihn bislang nicht veröffentlichen. Er ist sehr persönlich.

Der Bericht über den Suizid von C. hat zunächst etwas Ruhe, aber vor allem viel Erschöpfung gebracht. Oder eher das Wahrnehmen der bereits vorhandenen Erschöpfung. Den Jahreswechsel haben wir dann soso la la verbracht, was wohl auch an meiner Verfassung lag.

Dann endlich wieder Therapie, die auch innerlich etwas beruhigte. Für einige Stunden. Tags darauf wieder mit Unruhe erwacht. Ausreichend Schlaf führt nicht zur Erholung.

Meine Skills zur Beruhigung wirken nur mäßig. Derzeit ist alles zu viel. Der Tod von C. triggert an so vielen Stellen zugleich. Zeitgleich mögen sich Menschen mit mir treffen. Meine Mutter nervt seit meinem Geburtstag wegen eines Treffens, wo es ohnedies nur um sie geht. Dass ich ihr bereits zwei mal sagte, dass es mir derzeit schlecht geht, kann sie nicht auffassen. So bat ich sie bereits zweimal, dass ich vor Jänner nicht kann. Aber sie macht Druck und Schuldgefühle. Wollte unbedingt ein Treffen zu Weihnachten. … „Wer weiß, ob es mich dann noch gibt, bis du kommst!“ mit leidender Stimme vorgetragen. Vermutlich scheint sie sich wieder zu sicher zu sein, dass sie mich überhaupt noch sieht. Erst wenn ich mit Kontaktabbruch drohe, ist sie bereit meine Grenzen zu achten.

Moment! DAS ist also ein Trigger: Dieses Fordern, ich möge für Mama da sein und C.’s fordern sind sich irgendwie ähnlich. Hier die Androhung des evtl. nahenden Todes und dort der Suizid. Hängen also evtl. Schuldgefühle nicht ausreichend für C. dagewesen zu sein, ihr Ende verhindern hätte zu können damit zusammen, dass es stets meine Mutter war, die jede Energie aus mir heraus saugte um ihre Speicher aufzufüllen? Mamas Bedürftigkeit und zugleich ihr Unwille irgendetwas an ihrem Leben zu ändern? Zorn: Ein „neues“ Gefühl?! … / Erinnerungen an Psychiatrie u.a.m. weiterlesen

Sie ist gegangen! R.i.P. … und was es mit mir macht!

BITTE PASST GUT AUF EUCH AUF BEIM LESEN DIESES BEITRAGES!

Möglicherweise enthält er Trigger!? ∑Ich habe lange versucht nicht darüber zu schreiben, um andere in dieser für viele schweren Zeit rund um Weihnachten und Neujahr nicht zu belasten, aber es zerreißt mich fast. Ich/Wir gehe/n im Kreis. Es ist zuviel für ∑mich, es bei mir zu behalten. Ein Kommentar-Austausch mit Luise Kakadu hat mich überzeugt, dass ich schreiben muss. FÜR MICH! Ich hoffe, es ist auch FÜR EUCH/SIE liebe Leser/in etwas dabei. – Jetzt am Ende des Beitrages, denke ich sagen zu können, dass es nicht so schlimm wird, wie wir anfangs dachten. Zu meiner Sicherheit lasse ich den Warnhinweis dennoch!

 

Ich beginne meinen Beitrag mit einer Interpretation des bekannten Songs aus dem Musicalfilm „The Wizard of Oz“. Die unvergessene Monika Trotz (Jazzsängerin und Komponistin – hier gibt es weitere Beispiele ihrer Musik anzuhören), die leider aufgrund ihrer Erkrankung 2012 viel zu früh aus diesem Leben abberufen wurde, singt eindrucksvoll und berührend.

Ich möchte dieses Lied C. widmen, die Anfang Dezember keinen Ausweg für sich fand, als ihrer irdischen Präsenz ein Ende zu bereiten. R.i.P.

Als ich von ihrem Suizid erfuhr, zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Ich fand keine Worte, nur Chaos. Klares Denken war unmöglich. Dabei stand sie mir nicht so nahe. Ich lernte C. als Freundin meines Yoga-Lehrers kennen, als sie fortan ebenso jede Yoga-Stunde besuchte. Bald sah ich ihre grenzenlose Bedürftigkeit, die sie sehr übergriffig machte. Sie versuchte krampfhaft mir zu zeigen, dass sie mich mag, obgleich sie mich noch gar nicht kannte. Diese Anhänglichkeit, dieses Eindringen in meine Intimität, da sie persönliche Grenzen nicht wahren konnte verstörte mich. Ich sah mich genötigt, sie von mir zu weisen. Bat sie um Abstand und da ich wahrnahm, dass sie es als persönliche Zurückweisung, ja als existentiell und ihr gesamtes Wesen für immer etc. betrachtete, sagte ich:“Bitte, das hat mit mir zu tun, darum sage ich, dass ich ein langsames Kennenlernen bevorzuge. Es liegt nicht an dir.“ Bald zog ich mich weitgehend aus dem Yoga zurück, da ∑ich die Atmosphäre nicht ertrug.

Hätte ich damals nicht lügen sollen? War es gelogen? Es lag AUCH an mir. Ich war und bin stolz auf mich, dass ich auf mich achtete und meine Grenzen, die so oft übertreten wurden, wahrte.

Leider kannte sie kein langsames kennenlernen, kein sich aneinander herantasten, sehen, ob es passt. Sie wollte alles sofort, fordernd, oder zog sich komplett zurück. Zurück in ihre Überzeugung, dass sie niemand mochte. Zu ihrem Ende führte wohl ihr Bewusstsein, dass sie falsch auf Menschen zuging, dass sie diese wegstieß von sich, ohne erkennen zu können, wie sie es ändern könne.

Vielleicht belastet mich ihr Ende auch so, weil ich mich manchmal darin erkenne. Glaube zu erkennen, dass ich nicht wahrnehmen kann, dass ich gemocht werde. Allerdings sind es die Menschen, wo ich den Eindruck habe, sie mögen eine Oberfläche, sie mögen mich so, wie sie mich sehen wollen. Dann, wenn gemocht sein von Leuten kommt, wo ich das Gefühl nicht los werde, dass sie bis zu einem Punkt gehen, der für sie offensichtlich der Punkt ist, wie sie mich sehen mögen und nicht weiter gehen, nicht weiter sehen mögen, dann stelle ich dieses „Gemocht werden“ infrage.

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Brainspotting, Wut, Trigger und warum ich ohne Yoga nicht leben kann oder will!

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Yoga im Garten (Sommerurlaub) – der schönste Ort für Yoga!

Diese Woche hat sich in einer interessanten Abfolge des heutigen Tages quasi entladen. Bemerkenswert wurde diese Woche besonders ab Mittwoch. Da hatten wir in der Therapie unsere erste Brainspotting – Sitzung. Brainspotting als Form der Traumatherapie hat uns interessiert. Ich erspare mir eine genauere Beschreibung der Methode. Bei Interesse bitte dem Link folgen. Nachdem wir vor Jahren einmal in EMDR hineingeschnuppert hatten, hat sich nun Brainspotting ergeben. Wir einigten uns mit unserer Therapeutin auf ein Trauma, das uns belastet, aber nicht zu sehr aufwühlen würde hinzusehen. Sie holte ihren Zeigestab und wir suchten den Punkt im Gesichtsfeld, wo die Erfahrung am meisten spürbar war. Das bedeutet, dass wir dem Zeigestab, den sie von rechts nach links und zurück schwenkte mit den Augen folgten. Als ein Punkt gefunden war, sollten wir Gedanken, Körperwahrnehmungen oder Gefühle äußern, die auftauchen würden. Das ging wirklich gut. Die Situation war gegenwärtig aber nicht angsteinflößend. Die Erinnerung kam, sogar mit Gefühlen dazu, ohne dass wir uns überfordert fühlten. Während des Fokus auf diesen einen Punkt regte die Therapeutin an, wir könnten noch einen zweiten Punkt dazu nehmen, als sich unser Körper unbedingt in eine Richtung neigen wollte und ich so nach links fallend im Sessel saß, mir aber nicht recht erlauben wollte so zu sitzen, da es immer die Devise gab (und scheinbar noch gibt), mir nur nichts anmerken zu lassen, wie es mir geht. Diesen Widerstand so bleiben zu dürfen fand ich in einem zweiten Punkt. Da entwickelte sich ein interessanter Zusammenhang zwischen der Situation, die mit dem ersten Punkt fokussiert wurde und jener mit dem zweiten Punkt.

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Leben mit DIS #4b: Resonanz & Erkenntnisse

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Bevor wir den Beitrag Leben mit DIS #4 veröffentlicht hatten, waren wir so unendlich traurig nach einer Meditation. Dieses Gefühl und alles, das in uns losgebrochen war, konnten wir unmöglich in einem Text einfangen.

Wir erhielten auch viele Kommentare, die uns in unseren Emotionen weiterführten. Es war eine Reise, die uns zu manchen vergessenen wohl noch nicht so gefestigten und auch neuen Erkenntnissen führte. Herzlichen Dank allen, die sich an der Debatte beteiligt haben und uns ihre Eindrücke mitteilten. Ihr habt uns sehr geholfen. Auch ein Dialog, der sich in den Kommentaren entwickelte erscheint ∑mir für manch andere/n Leser/in interessant. Damit er nicht übersehen wird, haben wir ihn mit Einverständnis der Dialogpartnerin(nen) Bunte Sterne hier veröffentlicht. Herzlichen Dank dafür an Bunte Sterne!

Nach diesem Beitrag  haben wir einen Folgebeitrag, Leben mit DIS #4a, in einem nächtlichen Marathon verfasst. Die Einleitung dieses Beitrages haben wir oben übernommen. Viele Erkenntnisse sind uns zugeflogen. Sie sind nicht für die Öffentlichkeit. Nicht jetzt, nicht heute.

Ein klärendes Gespräch mit dem Yoga-Lehrer hat mittlerweile stattgefunden. Er fand es „cool“, dass ich Wut (auf ihn) fühlen und ausdrücken konnte und dass ich souverän auf seine Aussage reagiert hatte. Auch, dass er immer bedauert, wenn er mich triggert, meinte er und dass es gut ist, dass wir offen mit unseren Erfahrungen umgehen. Ich/wir dürfen bei ihm ALLES sagen, bekräftigte er. Seine Sicht, dass er in der Gruppe (die ja sehr klein war) nicht so auf uns eingehen kann, wie in einem Vier-Augen-Gespräch ist für uns verständlich und auch dass er sich in einer besonderen Rolle befindet in diesem Moment. Dennoch hakt es in uns derzeit ins Yoga zu gehen. Wir werden beobachten und nachfühlen, wie wir weiter damit umgehen werden. Ein Leben ohne Yoga ist für uns unvorstellbar. Immer alleine praktizieren ebenso.

Sehr vieles entwickelt sich in uns. Der Plural ist uns derzeit näher als der ∑Singular. Zersplittern wir? Ich denke nicht, im Gegenteil wir kommen uns näher! Wir haben Mitte Juli ein Gerät gekauft, dass uns gegen unsere Osteoporose helfen soll. Es simuliert das Schnurren und Vibrieren einer Katze über zwei Massagekissen. Seither legen wir es täglich auf und lassen uns „beschnurren“. Ob die Osteoporose schon besser ist, lässt sich heute noch nicht feststellen, aber es löst psychisch einiges aus. Es tut gut, dass Vergessenes und Verdrängtes hervorkommt. Unser Verhalten ändert sich. Allerdings dachten wir schon, dass wir noch nicht ganz im Griff haben, wie lange wir es täglich anwenden sollten, dass es uns nicht überfordert. Trotz großer Herausforderung macht es auch ein inneres Lächeln, eine Lebensfreude in uns, wie auch die tiefste Trauer, die wir je gefühlt hatten. Tore, die über Jahrzehnte verschlossen waren, scheinen sich zu öffnen. Auch Innenwesen, die Jahrzehnte kein Tageslicht gesehen haben, schauen durch die Augen hindurch auf eine für sie fremde und beängstigende Welt. Irritationen über das Alter des Körpers lassen uns kalten Angstschweiß fühlen. Das Leben mit neuen Co-Bewusstseinszuständen ist eine anstrengende Zeit zwischen Annäherung und beruhigender Distanz für das ganze System „Benita“. Es fällt uns schwer jetzt genug Geduld aufzubringen, die sich öffnenden Tore nicht sofort aufzureißen und hineinzusehen, sondern sich dennoch langsam anzunähern. Den Staub nach und nach zu entfernen, nachreifen zu lassen, in dem Wissen, dass unsere Seele (ja, ich denke die gibt es nur im Singular und sie verbindet alle Innenwesen!) uns zeigt, wie wir auf uns aufpassen können und sollen. Auf unser Inneres hören und dem Gehörten auch nachgehen!

So experimentieren wir, erkennen wir, stolpern und stehen wieder auf. Dankbarkeit ist es, das in uns ist, für unseren Weg. Auch dafür, ausreichend Mut und Kraft in uns zu finden.

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Leben mit DIS #4: „Das will ich mir gar nicht vorstellen!“

Oder: Über die Macht der Worte!

Ein Satz, wie ein Schuß aus einer Pistole. Ein Satz, der mir seit Donnerstag mit Widerhaken im Fleisch steckt. Ein Satz der Schmerzen in uns hervorrief, den wir wirklich nicht fühlen wollten und wollen! Er verbindet einen Wimpernschlag des gesehen werdens mit der Entscheidung dieses Gesehene von sich zu weisen. Und es geht ja immer so einfach! Nicht sehen wollen oder vielmehr nicht mitfühlen wollen ist in unserer Gesellschaft eine akzeptierte und geförderte Strategie das Leben zu bewältigen. Flüchtlingsschicksale, Sexuelle Gewalt an Frauen und Kindern, Kinderprostitution, Menschenhandel und wie sie alle heißen, die aktuellen Menschenrechtsverletzungen, die „Sich niemand vorstellen möchte!“ Die Liste ließe sich noch um vieles verlängern.

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Bei diesem Satz handelt es sich um eine Sentenz des deutschen Philosophen Theodor W. Adorno aus dessen Minima Moralia. (zit. Wikipedia)

Um sich etwas vorstellen zu können, müssen wir fühlen können, uns selbst spüren können. Wir müssten verlernen mit dem Verstand, das von uns zu weisen, das uns unsere Empathiefähigkeit präsentiert. Wenn wir uns die Folgen all dieser Brutalität und Grausamkeit vorstellten, müssten die Politiker/innen nämlich etwas dagegen unternehmen, weil die Menschen auf die Straße gingen und einforderten, dass Taten gesetzt werden gegen die Schmerzen die sie fühlen. Dann gäbe es Druck von der Bevölkerung dem Leid ein Ende zu setzen, das die Unbeteiligten MITFÜHLEN und das im Nachvollziehen und Mitfühlen bereits solchen Schmerz erzeugt, dass es kaum zu ertragen ist! Aber sie müssten es gar nicht einfordern, denn auch die Politiker/innen könnten nicht anders als alles tun, um das Leid zu ändern, das ihnen Seelennot erzeugt.

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Nachrichten, Trigger: Und dann?

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Vieles wäre zu schreiben.

Ich schweige.

Zu voll der Kopf, keine Zeit zu verarbeiten, das Herz zu schwer.

Tränen – Nizza, Türkei, Würzburg, München, Kabul in kaum mehr als einer Woche.

Zu viel Mord und Gewalt in zu kurzer Zeit.

Diktaturen und Gewaltregime andernorts zur Selbstverständlichkeit mutiert.

Häusliche Gewalt schwielt täglich im Verborgenen.

Ein sonniger Sommertag. Blauer Himmel und grüne Blätter vor dem Fenster.

Die Sonne lacht dem Wahnsinn ins Gesicht.

Wohin entwickelt sich die Gesellschaft in der ich lebe?

Bin ein Teil davon.

Telefonieren und  Sprechen zu Gott, was mir am Herzen liegt.

Bitte um Hilfe für Menschen in Not.

Seelische Not und andere.

Meditation.

Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen.

Zur Ruhe kommen.

Musik, Yoga, welch Glück all diese Möglichkeiten zu haben.

 

 

2. Geburtstag – Alter: 10 Jahre

und damit meine ich kein Innenkind.

Zum Bild: Besser das Leben hängt am eisernen Faden statt am seidenen.

Heute vor 10 Jahren hatte ich meine Krebs-Operation. Damals wollte ich nicht mehr. Wir wollten nicht mehr. Wir wünschten uns ein Ende des Leides und meinten damit ein Ende zu leben. Denn anders hatten wir keine Vorstellung davon, dass das Leid beendet werden könnte.

Dann kam die Diagnose. Eierstockkrebs. Ich sollte sofort operiert werden. Das sofort war binnen 6 Tagen. Und dann im Spital. Wir wollten leben. Damals im Angesicht des Todes war es uns unvorstellbar, nicht mehr zu sein. So viele Ideen hatten wir noch nicht umgesetzt. Der Plan unser Buch zu schreiben war bereits viele Jahre davor entstanden und noch nicht verwirklicht. Und nicht einmal ein halbes Jahr davor hatten wir unseren Neffen kennengelernt. Er war zum Zeitpunkt der Operation etwas über ein Jahr alt. Wir hatten noch nicht gelebt, wie konnten wir da bereits sterben? Wir waren so tapfer im Spital und so mutig. In diesem Moment war es der Mut der Verzweiflung gewesen, der keine Ruhe lässt nachzudenken. Denn Zeit zu überlegen hätten wir möglicherweise gehabt, wenn uns bewusst gewesen wäre, dass wir uns diese nehmen können.

Hier griff sofort ein frühes Überlebensmuster. In der Organisation und Bewältigung existenzieller Krisen bin ∑ich geeicht. Da gibt es keine Schockstarre, keinen Moment der Überlegung, wie es weitergehen soll. Dafür war nie Zeit gewesen, als ich Kind war. Es musste gehandelt werden – sofort, andernfalls wäre ich gestorben. Vor zehn Jahren, in meinen späten 30ern hatte ich dieses Muster noch nicht abgelegt. ∑Ich hoffe von Herzen nicht herausfinden zu müssen, ob ich noch immer so handeln würde. Aber es gibt Sicherheit, diese Fähigkeit in sich zu wissen, in politisch und gesellschaftlich unsicheren Zeiten, wie den momentanen.

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Leben mit DIS #1

Anmerkung: Ich/Wir freuen uns über Kommentare und haben die Kommentarfunktion vereinfacht. Es ist jetzt ganz leicht vom eigenen Blog aus oder über ein Facebook oder Twitter Account zu kommentieren. Allerdings, auch das ist uns wichtig: Wir veröffentlichen nur respektvolle Kommentare. Die aber gerne, auch wenn sie kritisch sind. Freue mich von euch zu lesen. 🙂


Ich habe den Blog online gestellt und gedacht, dass bereits ganz viele Innenwesen integriert sind. Auf alle Fälle sind sie bereits mehrere Jahre im Alltag nicht aufgetaucht.

Ich habe mich sicher gefühlt. Und dann die ersten Texte online. Das interne Chaos brach los. Nachdem ich selten Zeitlücken habe – glücklicherweise – fühlt es sich an, als würden mehrere durch meine Augen durchsehen. Das ist enorm anstrengend im Kopf. Die Augen verengen sich und ich meine, dass ich schiele, aber nicht wirklich. Es fühlt sich an, als ob die Innenwesen aus den Augenwinkeln heraus sehen. Manchmal wirklich eine lange Zeit. Und das Gehirn wird bleiern und dabei wie Watte. (Bleierne Watte, eigenartiges Bild. Es trifft es dennoch.) Ich merkte, dass „mehrere“ auf der Straße gehen, wenn ich unterwegs bin. Was einerseits angenehm ist, weil es sich „ganzer“ anfühlt, anderseits ist es irritierend, da Menschen offenbar merken, dass etwas nicht stimmt? Vielleicht auch Einbildung. Eine kurze Zeitlücke hatte ich auch zu verzeichnen. Plötzlich im Yoga eine Übung gemacht – offenbar – und keine Ahnung davon. (Das war bevor ich beschloss alleine daheim zu üben.) Die anderen in der Gruppe waren erstaunt, als ich die Übung die wir immer machen einforderte. Dabei hatte sie mein Körper gerade eben mitgemacht. Ja, so ist das mit DIS bei mir.

Das Selbstbild, dass ich in den letzten Jahren gewonnen hatte, mit einem mal in Stücke gerissen. Sie sind noch da. Hallo. Die Innenwesen haben ein lautes Erkennungszeichen von sich gegeben und Texte veröffentlicht, die ich so nicht in den virtuellen Raum gelassen hätte. Ich nicht! Ein Innendialog, oder bloß ein Versehen? Haben Innenleute das Ruder übernommen und den Text publiziert, oder doch ich in einem emotionalen Ausnahmezustand? Es ist so einfach, Handlungen, die ich setze aber nicht wirklich dahinter stehe, als Aktion von Innenwesen abzutun. Ist es so, oder spreche ich damit den Innenleuten ihre Existenz ab? Das ist der Grat zwischen normaler oder doch „verrückt“? Ich mag kein exklusives Dasein, im Kuriositätenkabinett. Aber so werden Multiple Persönlichkeiten = Menschen mit dissoziativer Identität (DIS) gesellschaftlich behandelt.  DIS ist eine normale Reaktion auf massive gewalttätige Übergriffe, die zumeist vor dem 3. Lebensjahr beginnen. Also vor einer Zeit, in der Kinder eine eigene Identität entwickeln. Damit zu leben ist irritierend.

„Nicht alle Kinder, die massiver Gewalt ausgesetzt sind, entwickeln eine DIS, aber alle Erwachsenen mit DIS erlebten massive Gewalt ab dem frühen Kindesalter.“

Dieser Satz ist nicht von mir, aber ich erinnere mich nicht mehr, wo ich ihn gelesen habe. (Nehme Hinweise dankend entgegen.) Allerdings findet er sich auch in einem Befundbericht, den ich einmal vom allgemeinen Krankenhaus in Wien ausgestellt bekam, allerdings mit komplizierterem Wortlaut.

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