Alles Lüge?

Oder: Über die Darstellung von einem Leben nach der Gewalt.

Seit Monaten gibt es das Phänomen, dass das von mir so geschätzte Yoga mir keine oder wenig Erleichterung bringt. Und da es

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 einfacher ist, liegt das Problem sicher nicht bei mir. … Aber selbst wenn das Problem bei mir liegt. Nicht ich BIN das Problem, sondern ich habe eines. Welches, ist nicht greifbar für mich. DAS ist das Schlimmste für uns.

Dachte zunächst, dass es uns wohl dzt. nicht gut tut in der Yoga-Gruppe zu praktizieren. Also gestern daheim 2 Stunden „yogiert“ und es ging mir danach blendend. … Und heute … tiefes Elend.

Irgendetwas steckt in mir, wozu ich keinen Zugang finde. Und jetzt noch das. Ich schreibe darüber. Ich habe stets gedacht, dass es doch wahrlich uninteressant ist, zu berichten, wie es mir ergeht. Es ist wichtig weiterzugeben, was mir hilft und darzustellen, wie weit ich bereits gekommen bin. Wir wollten uns den Rücken stärken. Über 18 Jahre in Berufsunfähigkeitspension. Das muss ich doch rechtfertigen. Da muss ich doch etwas geschafft haben in dieser Zeit.

Und ∑ich habe viel geschafft:

∑Ich bin in einem Zustand der Heilung, der von Personen, die mich bereits viele Jahre begleiten als unerwartet positiv beschrieben wird. Selbst ÄrztInnen dachten niemals, dass es mir je so „gut“ gehen würde. FreundInnen sehen ebenso enorme Fortschritte.

In Phasen wie diesen deute ich selbst derart klar positive Aussagen negativ. Advocatus Diaboli meldet sich und meint:

„Was bedeutet unerwartet positiv? Hat denn niemand je an mich geglaubt? Glaubt denn hier niemand an meine Heilung? Bin ich denn so kaputt, dass es ohnedies nie um Heilung gehen kann? Ist das Ziel bloß Schadensminimierung, oder Besserung der Lebensqualität so gut es eben möglich ist?“

Und wenn ∑ich über Trauma und  DIS lese, scheint es als wäre Genesung nicht im Wortschatz von PsychotherapeutInnen, PsychiaterInnen oder PsychologInnen (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel), wenn es um frühkindliche Gewalterfahrungen geht. Und wenn es um Zuschuss der Krankenkasse zur Therapie geht, dann muss ich ganz schnell heilen, oder einen Grund liefern, dass sie mich aufgeben können. Das wäre noch besser.

Ich muss dankbar sein, wenn ich alleine leben kann. Dankbar für das Sozialsystem, das mich auffängt, da ich mich doch nicht selbst erhalten könnte. Und ich bin dankbar dafür, aber zugleich fühle ich unendlich viel Scham darüber, dass es so ist. ∑Ich habe mir niemals gewünscht, bereits mit 30 Jahren in Berufsunfähigkeitspension zu gehen. ∑Ich hatte Ziele, wie sie junge Menschen haben. Habe viele Ausbildungen gemacht. Neben der Berufstätigkeit Abendschulen besucht und einige Semester mit gutem Erfolg studiert. Musste mir jedoch eingestehen, dass mein Körper und meine Psyche den Stress der Verdrängung nicht ertragen können.

Ich/Wir leben/n alleine und hasse/n es alleine zu leben. Es war eine Entscheidung, die ich/wir treffen musste/n, als ich feststellte, dass ich mich in Beziehungen stets nur vergewaltigt fühle. Ich wollte niemals mehr eine Partnerschaft haben, in der ich nicht sein darf. Nach über 20 Jahren alleine leben überfordert mich der Gedanke an eine Liebe immer mehr. Ich habe mich eingerichtet, ich lächle ein totes Lächeln, wenn es darum geht. Ich mache Witze, dass ich wohl die Falsche bin, wenn mir jemand von Liebes- oder Beziehungsproblemen erzählt. Dennoch bekomme ich stets die Bestätigung, dass meine Worte sehr hilfreich sind. ∑Ich die Beraterin mit dem Blick von außen. Von ganz weit außen. Als hätte das Thema Liebe nichts mit mir zu tun.

Vielleicht hat es das auch nicht. Oder hat es mehr mit mir zu tun, als irgendein anderes Thema in meinem Leben? Ist es auch in meinem Leben DAS zentrale Thema? Geliebt werden! Wer will es nicht? Dafür leben wir doch alle, oder? Aber wer liebt mich. Mich mit allem, das ich/wir sind?

Nein, da fällt mir niemand ein. Nicht einmal mein Neffe, obwohl der es wohl noch am ehesten tut. Oder der Kater einer Freundin den ich immer wieder sitte. Ja, ich werde gemocht. Oft wundere ich mich wie sehr. Aber, wann bin ich schon ich? Wann sieht jemand, all den Kummer, der in mir liegt? Im Yoga war das früher einmal. Und mein Yoga-Lehrer kennt Vieles von mir und schätzt und mag mich dennoch. Freundinnen, die viel von mir wissen. Dennoch weiß ich, dass ich alleine bin, mit all dem Leid, das in mir ist. Da ist soviel versteckt, vergraben. Ich schürfe alleine und erschrecke stets vor jedem neuen Gerümpel, dass ich aus der Tiefe berge. Ich spreche in der Therapie darüber und spreche doch nicht darüber, da ich das Gefühl kaum in Worte fassen kann.

… Und jetzt tue ich mir furchtbar leid. … Nein, so mag ich mich nicht darstellen. Wenn es etwas gibt, das mir nie jemand nehmen konnte, dann ist es meine Würde. Und diese Würde werde ich auch virtuell nicht opfern. Das ist auch ein Teil von mir. Das Aufrichtig sein und mich nicht brechen lassen. Ich lasse mich nicht demütigen. Das ließ ich niemals zu. Früher musste ich abspalten, Teile von mir diesen Demütigungen aussetzen, solange Flucht nicht möglich war. Sobald ich alt genug war, floh ich von daheim. Ab meinem 14. Lebensjahr wusste ich, dass ich von meinen Eltern weg muss, um zu überleben. Aber ich wollte maturieren (für deutsche LeserInnen: Abitur machen) und wagte den Absprung nicht alleine. …. SORRY … jetzt geht es zu sehr in die Biographie, das wird für mein Buch aufgespart. Sprengt den Rahmen hier. … Das ist Spaltung. Mitten im Gefühl einen Bruch machen. Die Emotion einfach so abschneiden, weil sie zu tief wurde, zu verletzt. Ist das das Bewahren von Würde? Oder Selbstschutz? Vielleicht auch Selbstbetrug?

Ich habe mich verrannt. Ich wollte darstellen, was ich alles geschafft habe. Doch nicht verrannt. ∑Ich habe es geschafft, mich von meiner Familie zu distanzieren und zwar in einem für mich verträglichem Ausmaß. Also nahezu auf Null. (Das liest niemand von ihnen und wenn doch, keine Angst ich schreibe ja anonym.)

… und wieder habe ich einen Beitrag zu früh veröffentlicht. Ich bin erschöpft. Vielleicht gibt es ein Fortsetzung. Mal sehen.

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4 Gedanken zu „Alles Lüge?“

  1. “ Nicht ich BIN das Problem, sondern ich habe eines“ Nichts für ungut, ich denke wenn ein Problem so übermächtig ist, dann bist Du zwangsläufig selbst Problem geworden. Es ist kein leichtfertiges Gelaber, ich selbst habe verdammt schwer zu Kämpfen mit meinen Traumas, kann dein Problem durchaus nachvollziehen….

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    1. Danke für deinen Einwand. Darauf in einem Kommentar kurz zu antworten ist schwierig. Ich versuch’s. Sich selbst als Problem zu bezeichnen ist eine Art der Abwertung und damit der Gewalt, die ich gegen mich selbst nicht anwende. Niemand wird zu einem Problem, selbst wenn selbiges das gesamte Leben bestimmt. Die Seele bleibt davon frei, wenn ich das möchte. Allerdings ist es leider sehr oft so, dass diese Abwertung von außen kommt. Dass eine/n Menschen vielleicht als Problem sehen. Dadurch erfolgt dann eine Retraumatisierung, denn genau diese Abwertungen waren es mitunter, die die Traumata verbal noch zementierten. Menschen machen das, wenn sie sich nicht einlassen mögen auf sich und andere, denke ich. Vielleicht ist das nun abgehoben und sicher ist immer wieder diese Unsicherheit da, ob ich nicht das Problem wäre, allerdings ist es für mich hilfreich, diese düsteren Gedanken zu negieren und wegzuschreiben. Ich bin überzeugt, dass die Täter/innen diese Demütigungen einpflanzen, das ziehe ich mir nicht selbst an. Und ich bin froh, dies unterscheiden zu können. Das wünsche ich auch dir. Dass ich schwierig bin, mit all dem Müll den ich herumschleppe, steht ohne Zweifel. Aber ein Problem bin ich keinesfalls, als Mensch. …

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      1. Jeder versucht sich irgendwie zu arangieren.. Ich persönlich habe das ganze immer aus der Warte zu betrachten versucht: ich muss selbst das Problem lösen. Es beruht sicherlich darauf das ich so gut wie niemanden traue. Hatte viel zu oft das gefühl die Therapeuten machen nur einen Pauschaljob….deshalb meine Aussage / Ansicht. Es gibt sicherlich Situationen wo die Täter als bewusste Täter identifizieren kann, wass aber wenn der Täter selbst Opfer war ?Opfer und Täter zugleich ? Wenn der/ die Täter/in fast 50 jahre später sich immer noch keine Schuld bewusst ist ? Jeder Fall für sich hat seine eigene Komplexität , ich weiss..Ich wollte nur eine andere Sicht der Dinge präsentieren. Gruß

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