Wenn Liebe erschüttert!

Wenn Liebe heute weh tut, weil sie alles erschüttert, was ich einst unter Aufbringung all meiner Kräfte und darüber hinaus lernen musste, um zu überleben, was dann?

Sind es „Wachstumsschmerzen“ am Weg zu verlernen, ….

…. dass ich keinen Wert habe; keine Rechte, etwas zu erbitten; keine Bedürfnisse zu haben!

Dies war es, was ich lernen musste und nur als „wir“ erfüllen konnte.

Nichts war für uns als Kind und Jugendliche selbstverständlich, niemals! Keine Zuwendung war jemals selbstverständlich oder gratis! Jedes liebe Wort musste mit dem eigenen Körper oder bzw. und der eigenen Seele erkauft werden. Sogar die Nahrung oder Versorgung bei Krankheit.

Es waren Akte der Selbstverkrüppelung, ein Suizid auf Raten ohne Sterben zu dürfen, um zu überleben, damals.

Ein unwürdiger Tanz auf dem Hochseil, ohne Sicherung, zur Belustigung derer, die mich hätten schützen sollen!

Mein potentieller Tod war im Spektakel einkalkuliert und gewollt gleichermaßen wie verboten und befürchtet! Der Nervenkitzel der besonderen Art für sadistisch veranlagte Eltern!

Das Drama durfte ich nicht einmal beenden!

Es ist schwierig, heute zu verstehen, warum sich eine so sehr auf uns einlässt, zuhört und versucht unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen und sogar zu erfüllen! Warum?

Vielleicht weil unser Selbstbild voll Selbsthass nicht mit der Wahrnehmung von außen überein stimmt?

Vielleicht, weil wir gar nicht so widerlich sind, dass wir uns am Besten vor dieser Welt verstecken um niemanden zu belästigen? Vielleicht sind wir es nicht mehr?! Aber waren wir es je?

Schaffen wir es zu verlernen, was wir verdient hätten niemals lernen zu müssen?

As time goes by?!

Abschied nehmen!

Seit gestern ist er vermehrt an unserer Seite.

Gerade als beim meditieren diese Depression hochstieg und Innenwesen mit Tränen in den Augen riefen: ”Ich will nicht nach Wien!” und durch nichts zu beruhigen waren, kam er, einer der beiden Kater des Hauses. Er half beim zur Ruhe kommen und spendet Trost. Auch jetzt liegt er in unserer Nähe.

Oft fühlen wir uns in dieser Stadt gefangen, die seit einigen Jahren bereits die Auszeichnung trägt, die lebenswerteste Stadt der Welt zu sein. Oh ja, sie ist schön. Zum Teil ein Freilichtmuseum, umrahmt von Natur. Aber sie trägt eine ansteckende Negativität im Herzen, die deren Bewohner*innen heimsucht. Der Wiener Grant war uns sogar als geborene Wienerin stets zuwider. Wir können und wollen im Jammern nichts Charmantes erkennen.

Aber wir können nicht weg. Nur in dieser Stadt, die uns in ihren Krallen festhält können wir uns eine Wohnung leisten. Oft und oft haben wir es durchgerechnet. Ohne soziale Zuschüsse gibt’s keine Wohnung für uns und dafür müssen wir einige Jahre ohne staatliche Unterstützung an einem Ort in Österreich leben, wenn wir aus Wien fortziehen wollten. Unmöglich! Es ist die Kleinteiligkeit dieses kleinen Staates, der bis ins Letzte in politische Zuständigkeiten unterteilt ist mit eigenen Gesetzen. Das hat einige Vor- und viele Nachteile. Dennoch bin ich dankbar, dass Wien politisch anders tickt, als weite Teile des Landes. …… „Jeder noch so schöne Ort ändert sich, wenn du dort lebst.“, wirft eine innen in die Debatte ein.

Stimmt! Ob ich hier leben wollte, wo ich meine Sommer verbringe? Wohl eher nicht. Das Wesen der Einwohner ist auch hier oft schwierig.

Wien hat viele Vorteile. Von der Kultur über die Anonymität der Großstadt und die grüne Lunge den Wienerwald, ist diese Stadt tatsächlich lebenswert. Vielleicht, so hoffen wir, wird es besser – vor allem ruhiger – in der neuen Wohnung, die am anderen Ende der Stadt liegt. Dort, wo wir kaum Kindheitserinnerungen haben, das könnte Trigger minimieren — hoffentlich! Fast eine uns fremde Stadt in der großen Metropole, die eigentlich zu klein scheint für eine solche Bezeichnung.

Wenn die Wohnung endlich gebaut würde und wir dann eingezogen sind, dann ….. Dann nehme ich mir eine Katze oder einen Kater, die uns trösten, so hoffen wir, wenn es zuviel wird rundherum. 🐱

Leben mit DIS/DDNOS #22: Die Tänzerin aus lange vergangenen Zeiten

Looking in these eyes now / Virginia Ernst und Alexandra Scheriau

KISS – Virginia Ernst

Wenn sich eine Türe in eine Vergangenheit öffnet, die noch niemals zuvor bewusst geöffnet wurde um vorsichtig dahinter zu blicken, wird es zumeist sehr, sehr anstrengend. Meist fühlt es sich als massive Überforderung an. Dann, wenn das Staunen vorbei ist, wenn die Situation, die das Wesen aus der Vergangenheit ins Heute gespült hat auch bereits vergangen ist. Bei uns ist es zusätzlich so, dass wir alleine daheim sein müssen, an einem sicheren Ort, wo uns niemand beobachtet, um uns des Triggers bewusst zu werden und in Folge langsam Schritt für Schritt das Chaos in geordnetere Bahnen zu lenken.

Wie wir in der Chaossituation auf andere wirken, können wir nicht abschätzen. Zwar haben wir nur in besonderen Ausnahmefällen Blackouts bzw. Zeitverluste, dennoch ist es uns in einer Triggersituation unmöglich die Reaktionen anderer Personen auf uns einzuordnen, auch wenn wir jeden Augenblick bewusst erleben. Vielmehr sind alle nur verfügbaren Ressourcen damit beschäftigt, uns nichts anmerken zu lassen. Der Energieaufwand, den wir selbst mit einer solchen Aktion haben, kann unserer Ansicht nach nicht unerkannt bleiben. Aber wie es auf andere Menschen außerhalb unseres Systems, die uns in einem solchen Zustand begegnen wirkt, wissen wir nicht. Ich nehme stark an, dass die Reaktion oder das Erkennen im Außen sehr davon abhängt, wie gut uns ein Gegenüber kennt. Jemand die bzw. der uns kaum oder überhaupt nicht in anderen Zuständen kennt wird vielleicht wenig irritiert sein. ….. Die ist halt so. Etwas überdreht, vielleicht komisch oder so? ….. Leute, die uns aber in anderen Verfassungen als selbstverständlich erleben werden womöglich in unser Gefühlschaos mit hinein gezogen, weil wir plötzlich anders sind. Weil sie, wenn sie sensibel genug sind, vielleicht auch einen erhöhten Energielevel spüren, ohne ihn wirklich zuordnen zu können. Dies mag noch vermehrt zutreffen, wenn dieses Gegenüber auch noch Körperkontakt in der Triggersituation mit uns hat.

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Das innere vibrieren! Und wie weiter?

Langsam kommen wir ein klein wenig zur Ruhe hier in unserem Sommerfrische-Domizil.

Die letzte Aufregung rund um unser Wohnprojekt ist vier Tage her und seit drei Wochen beantworten wir zwei offene Mails der Baugruppe nicht.

Die massive Überforderung des vergangenen Jahres mit der Verlassenschaft der Großtante und sehr viel Engagemant (für unsere Möglichkeiten) in der Baugruppe sind derzeit entweder weitgehend erledigt oder im Urlaubsmodus. Das ständige Gefühl wieder auseinander zu fallen, das sich immer einstellte wenn wir die Kräuterkapseln von unserem brasilianischen Heiler nicht oder sehr reduziert nahmen wurde mittlerweile zum Alltag. Schon wenn wir statt einmal wöchentlich zwei Kapseln mit einem Tag Unterbrechung nehmen, so wie vergangene Woche, geht es uns um Vieles besser. Nervosität und Angst vor Menschen verringern sich so massiv, dass der Kontakt mit anderen Menschen um so vieles einfacher und befriedigender ist.

Auch aufgrund dieses so anstrengenden Hintergrundes ist die Frage, „wie weiter“ mit dem Wohnprojekt, mit uns in dem Wohnprojekt, mit uns ohne Kräuter aus Brasilien in dem Wohnprojekt etc., in jedem stillen Moment bei uns. Sie begleitet uns beim Einschlafen und beim Erwachen. Und sie stürzt uns in eine tiefe Traurigkeit, die uns wie ein Schatten verfolgt. Zusätzlich ist die Situation in der Baugruppe derzeit, euphemistisch gesagt, schwierig. Aber wo ist es mein Wahnsinn und wo der Wahnsinn der derzeit im Wohnprojekt herrscht?

Es ist schlimm diverse Symptome komplexer Traumata im Leben zu fühlen. Ist es jedoch härter, wenn ein Symptom, dass als erledigt galt plötzlich wieder auftaucht, oder ist es schmerzhafter überhaupt nicht zu wissen, dass dieses Symptom überhaupt weg gehen könnte? Irgendwie hilft es zu wissen, wohin ich möchte. Es ist angenehmer als daran zu verzweifeln, dass diese Distanz zu anderen Menschen niemals ein Ende finden kann.

Früher haben wir uns einfach versteckt, weil die psychischen Schmerzen im Kontakt mit anderen Menschen zu groß waren. Wir sind kaum hinaus gegangen. Das minimierte die Trigger enorm. Es war lange Zeit die einzige Möglichkeit zu überleben, maximal zweimal pro Woche anderen Menschen zu begegnen. Dann wurde Kontakt mit Menschen angenehmer und wir fühlten uns so einsam daheim. Wir suchten den Kontakt und kamen in die Baugruppe. Und jetzt? Uns zu verstecken geht nun kaum.

Wir können nicht aufgrund einer fehlenden Medikation alles hinwerfen. Das wollen wir auch nicht! Permanent fürchten wir, dass unsere Wahrnehmung nicht stimmt. Anderseits sind wir überzeugt, dass die Situation in der Baugruppe tatsächlich in einem Zustand ist, der so nicht hingenommen werden sollte.

Wir sind nun seit fast 2 ½ Jahren in der Baugruppe und haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten, die uns so ungenügend erscheinen, auch stets engagiert. Auch oft über unsere Belastungsgrenze hinaus. Wir wollten, dass dieses Projekt funktioniert und wollten daher auch gerne Verantwortung für dessen Gelingen übernehmen. Seit sich jedoch der Baubeginn mittlerweile massiv verzögert und wir keine definitive Aussage für einen Baustart erhalten, ist das Interesse vieler zukünftiger Nachbarn sich selbst einzubringen, oder auch nur in Kontakt mit den anderen zu bleiben meiner Ansicht nach minimal bis nicht vorhanden. Das ist unser Eindruck. Auch dass bereits vier Leute aus der Baugruppe wieder ausgetreten sind, hilft nicht die Zuversicht zu erhöhen. Weder jene der anderen, noch die eigene.

Die aktuelle Situation triggert an allen Ecken und Enden. Kommt das permanente innere Vibrieren und Zittern auch daher?

…… Schreibpause mit durch den Garten schlendern, Kater streicheln und drinken einer „goldenen Milch“ (2 TL Kurkuma, etwas Pfeffer in warmer Reismilch), was die Symptome wesentlich verbessert hat. Besonders die „goldene Milch“ hat die Traurigkeit gelindert. ….. Ob Kurkuma hochdosiert tatsächlich gegen Depressionen helfen kann, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Allerdings hatten wir zuvor ganz vergessen gehabt, dass es helfen könnte und plötzlich ging es uns besser. …… Uns ist es egal, ob es eine eingebildete Besserung der depressiven Symptome ist, oder der Wirkstoff wirklich Erleichterung bringen kann. Hauptsache es geht uns etwas besser! …..

Zurück zu den Triggern. Immer wieder fühlen wir uns ausgenutzt von jenen, die nichts zur Gemeinschaft beitragen und nicht einmal per Mail ihr Interesse bekunden und auf Aussendungen reagieren. Dieses ausgenutzt und benutzt fühlen kennen wir doch so gut. „Benita“ hatte als Kind sämtliche Hausarbeit zu machen und einen Dank gab es nie dafür. Vielmehr Aufregung, wenn es nicht so geschehen war, wie erwartet. Da sind wir beim Trigger Überforderung durch Tätigkeiten, die ohnedies auf kein Interesse stoßen, obwohl ich mich sehr bemühe.

Vielleicht aber ist auch uns die Freude am Projekt abhanden gekommen, aufgrund der Verzögerungen und fehlenden Information. Vielleicht wollten wir es uns nur bloß nicht eingestehen. Wollten stark sein, wollten in dieser „freien“ Zeit eine Gemeinschaft formen und sind nun massiv enttäuscht, dass zu Viele dies so nicht möchten. Nein, alleine können wir keine (harmonische) Gemeinschaft erschaffen! Das können wir alleine nicht stemmen. — Schon wieder ein Trigger. Der Versuch mit aller Kraft aus unserer kaputten Familie eine Familie zu machen, wo Respekt und Liebe vorherrschen. Wir sind daran gescheitert! Fürchten wir nun, dass wir auch an der Gemeinschaftsbildung der Baugruppe scheitern werden? Vermutlich ist ein solcher Vergleich nicht hilfreich. Hilfreich ist jedoch, dass wir nun die Zeit hatten, diesen Trigger zu erkennen. Bewusstsein darüber wo es in uns hakt, ist der erste Schritt zur Lösung des inneren Chaos.

Nein, eine Baugruppe ist nicht nur ein Ende der Vereinsamung, es ist auch sehr viel Arbeit, Reibung und auch Enttäuschung. Und oft ist es vermutlich ein Abwarten, wie sich das Miteinander entwickeln wird. Gewalt sollte es nicht werden. Die herrschte jedoch in unserer Familie vor. Nein, Gewalt traue ich jenen künftigen Nachbar_innen, die wir kennen aus heutiger Sicht nicht zu. Und selbst wenn es solches geben sollte, könnten wir reagieren, uns wehren, für andere aufstehen. Die Zeit der Ohnmacht ist vorbei! Ich sehe die Gefahr der Gewalt in unmittelbarer Nachbarschaft in diesem Wohnprojekt wesentlich geringer als in anderen Wohnformen, wo Menschen in Miete in Häusern fast anonym nebeneinander wohnen.

Wichtig bleibt, kann ich ∑mich in der Gruppe wohl fühlen? Kann ich ∑mich in dieser Umgebung erholen? Finden WIR unseren Platz des Rückzugs? Können wir sein, wie wir sind? All diese Fragen sind für uns offen.

Und ja, wir haben auch große Angst, dass wir uns letztendlich dort nicht wohl fühlen werden, jedoch das Geld fehlt dort weg zu ziehen. DER Trigger unseres Lebens in Zusammenhang mit Wohnen. Haben wir jemals anders gewohnt, als in einer solchen Situation? Bislang nicht! Früher hatten wir jedoch keine Wahl. Im Grunde ist es das erste Mal, dass wir unsere Wohnung tatsächlich wählen können, ohne Zeitdruck und nach der kleinen Erbschaft auch mit einem für unsere Verhältnisse großem Budget. Eine Wahl zu haben, kann auch die Befürchtung Fehler zu machen erhöhen. Um diese Angst zu entkräften, bleibt nur die Frage: „Kann es schlechter werden, als es derzeit ist?“ Wir hoffen nicht, aber ist das zum jetzigen Zeitpunkt abzuschätzen? Es gibt nur eines, das uns an unserer derzeitigen Wohnung hält, das ist die Nähe des Waldes und der Natur. Allerdings zieht uns die Wohnung soviel Energie aus den Adern, dass für den Genuss der schönen Umgebung kaum Kraft übrig bleibt. Wie auch immer, wir müssen aus unserer derzeitigen Wohnung weg. Ob es die Baugruppe bleibt, in die wir hinziehen werden, haben wir noch nicht festgelegt und das müssen wir derzeit auch noch nicht.

Auch wenn das Leben mit offenen Entscheidungen immer wieder schwierig ist, so haben wir schon viele Fortschritte gemacht offenen Prozessen gelassener zu begegnen. Diese Baugruppe ist ein Prozess. Der nächste Lernschritt wir sein, uns früher zurück zu ziehen und uns Ruhe zu gönnen, bevor wir vor Überforderung ver- und an allem zweifeln!

Was uns ausmacht ist reflektiertes Verhalten. Es schenkt uns Kraft und zeigt uns den Weg auf, den wir weitergehen wollen. Uns DAFÜR Zeit und Raum zu nehmen, heißt für uns sorgen!!!

 

Leben mit DIS/DDNOS #21: der lange Weg geliebt zu werden

Liebe braucht einen langen Atem. Vermutlich braucht sie das immer. Wir haben so wenig Ahnung davon.

Unsere Erfahrungen mit Liebesbeziehungen sind ein halbes Leben her und eigentlich waren es niemals Liebesbeziehungen sondern sexuelle Übergriffe allesamt. Und es waren Männer in unserem Leben mit denen wir die Vergewaltigungen unserer Kindheit und Jugend wiederholten, immer und immer wieder, bis wir erkannten, dass wir so nicht weitermachen können und wollen. Geliebt hatten wir diese Männer nicht, mit denen wir zusammen waren. Denn jede sogenannte Liebesbeziehung begann mit einer Grenzüberschreitung, mit sexuellen Übergriffen, die uns eben bekannt waren und die wir mit Liebe verwechselten. Wir wussten einfach nicht, dass es erlaubt war derlei zurückzuweisen. Dass es sogar mehr als nur erlaubt war, sondern sogar notwendig, um die eigene Würde zu wahren oder, in unserem Fall, diese langsam zurück zu erobern.

Unsere Mutter meint bis heute, dass unser Erzeuger ∑mir doch bloß zeigen wollte, dass er uns liebt, wenn er uns gegen unseren Willen und gegen unseren Widerstand zu sich zog und uns zwang auf seinem Schoß zu sitzen mit 16, 17 Jahren und sogar bis zu unserem 25 Lebensjahr und ihn zu küssen. Dann brachen wir den Kontakt zu ihm ab. Das geschah vor den Augen ∑meiner Mutter. Die Vergewaltigungen, die dann in der Nacht folgten und doch schon in viel jüngeren Jahren begonnen hatten, sah sie nicht. Vielleicht stellte sie sich schlafend, als er das Bett neben ihr verließ und zu uns kam, ich weiß es nicht. Vielleicht schlief sie tatsächlich. Vielleicht war beides dabei?

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Leben mit DIS/DDNOS #20: Einsam unter Menschen, wenn alles auseinander fällt

Es war eine anstrengende Woche gewesen. So mancher Trigger hier am Blog, das ist das Risiko und die Chance des Schreibens über ein so intimes Thema, ein Thema, das so nahe geht, dass es aufwühlen kann, was andere schreiben, was andere kommentieren, die ähnliches erlebten. Es kann das Unterste nach oben kehren und uns komplett durcheinander würfeln. Und doch ist eine solche Erfahrung immer bloß eine Erinnerung an mitunter lebensbedrohliche Begebenheiten und Menschen. Die Chance daran ist, dass die Reflexion zeigt, dass es eine neue, eine andere Situation ist. Und wenn eine kontroverse Debatte, näher mag ich hier nicht darauf eingehen, wie in diesem Fall so positiv ausgeht, dass es einander am Blog durchaus auch mit mehreren, die mitschrieben näherbringt, dann ist das Risiko sich hier zu öffnen zu einer heilsamen Erfahrung geworden. Heilsam, weil jene Trigger nicht so endeten, wie wir es ehedem erlebten. Ebenso wie heilsam und beglückend zu erkennen, dass am anderen Ende der Datenautobahn Menschen sitzen, denen nicht egal ist, wenn es einer Bloggerin, mit der es schon längeren Kontakt und Austausch gibt in einer verzweifelten Situation ist und dass es ein – wenn auch nur virtuelles – „gemeinsam“ gibt.

Und da ist es, das Stichwort „gemeinsam“.

Ja, da war zuwenig Zeit gewesen, die Trigger die entstanden waren einzuordnen, die Innenwesen, die dadurch aus ihren Verstecken hervor gelockt worden waren zu beruhigen und zu trösten oder auch nur ausreichend anzuhören, bevor wir heute (Sonntag) zum Treffen der Baugruppe gingen.

Dann noch vor dem Weggehen ein Mail, dass unsere Mutter ins Spital musste. Damit hatten wir gerechnet, lag sie doch bereits 14 Tage mit starken Schmerzen daheim, dennoch kam die Benachrichtigung zur Unzeit.

Gerne wären wir nicht zum Treffen der Baugruppe gegangen. Es war einfach alles zuviel. Und dann hatten wir auch noch die Aufgabe übernommen die Ergebnisse eines Arbeitskreises der Gruppe zu präsentieren.

Auch das machte sehr nervös. Nicht unbedingt, weil wir solche Probleme haben vor Menschen zu sprechen …… also WIR haben sogar enorme Schwierigkeiten vor Menschen zu sprechen. Aber wir haben ein Innenwesen, das das gerne macht UND DAMIT HATTEN WIR DAS PROBLEM.

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Ein Abschied mit Schmerzen

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Letzte Woche kam es zu einem Eklat. Ja, es stimmt, ich wollte einen Blog bereits länger nicht mehr wirklich lesen. Ja, vielleicht bin ich ein ekelhafter, falscher Mensch. Belüge alle, spiele Dinge vor. Vielleicht ist mein freundlich sein nur aufgesetzt. Ich sehe es nicht so. Ich bemühe mich Menschen nicht zu verletzen. Aber es geht nicht niemals verletzend zu sein, auch wenn es ungewollt ist. Ich bin eben auch ein Mensch und nicht perfekt.

Ich hatte einfach tatsächlich solche Angst vor dieser Frau, die den Blog schreibt, weil ihre immer wieder so derbe Sprache bei uns soviel triggert. Und diese Angst war uns nicht bewusst. Erst seit diesem Vorkommnis, erkennen wir langsam den Hintergrund. Unser Vater, der uns enorm viel (sexualisierte und andere) Gewalt antat, hatte eine solche Sprache. Ja, es tut uns nicht gut, dies zu lesen. Ich verstehe es nicht, weshalb jemand so über Menschen schreiben oder sprechen muss. Ich verstehe auch nicht, weshalb sie so über sich selbst schreibt. Immer wieder sich selbst abwertend und verstärkend, was ihr andere immer und immer gewaltsam antaten.

Aber sie tut es und es tut uns weh, es zu lesen. Vor allem, weil sie es so möchte. Weil es ihr offenbar hilft, so zu schreiben. Viele Kommentare und auch immer wieder Debatten hatten wir in den vergangenen fast 3 Jahren dazu geführt. Sie ist so. Dabei kann sie sehr zärtlich sein. Sie kann kluge, liebevolle zarte Beiträge schreiben, die ans Herz gehen. Sie schreibt intelligente, feinfühlige Kommentare. Es irritiert uns. Es beutelt uns hin und her. Was ist gemeint? Ich jedenfalls hätte ihr schon lange nicht mehr folgen sollen. Vielleicht hätten wir ihr von Anbeginn nicht folgen sollen? Dieses hin und her gerissen werden ….. Es gibt einfach Menschen, die kann ich nicht verstehen, selbst wenn ich mich bemühe. Da ist auch dieses Gefühl es nicht richtig machen zu können. Das ließ uns nicht gehen. Es ist wie ein Rätsel, das ich glaube lösen zu müssen und nicht aufgebe, bis ich es geschafft habe. So sind wir. Oder ist es ein Versuch, die Ohnmacht zu ignorieren, wenn ich mir nicht eingestehe an einer Aufgabe zu scheitern, die ich mir stelle? Ist es Überheblichkeit zu glauben, dass ich verstehen könnte, wenn ich mich nur bemühe? Das war das Motto unserer Kindheit. War es in diesem Fall nur eine Erinnerung an die Ohnmacht unserer Kindheit; die uns diesem Blog folgen ließ? Im Grunde wissen wir bis heute nicht, wie wir in der Kindheit etwas richtig machen hätten können? War es schlicht ein ewiges Flashback diesen Blog zu lesen? Oder bloß ein Trigger? Unsere Therapeutin meint oft, dass es nicht nötig ist, alles zu verstehen, was andere Menschen bewegt. Wir versuchen das zu lernen, aber irgendwie ist es in uns, verstehen zu wollen. Das gibt uns Sicherheit.

Als wir damals ihrem Blog folgten, hatte uns ihre Herkunft, ihr Lebensweg interessiert. Und wir hatten relativ zeitgleich mit dem Bloggen begonnen. Sodass, es noch wenige Follower für mich gab und noch wenige Blogs, die ich las. Es interessierte uns also der Zusammenhang zwischen sexualisierter Gewalt an Kindern und Prostitution. Da habe ich mich wieder gefunden, in den ganz frühen Erfahrungen, als wir als Kleinkind verkauft wurden. Diese sexualisierte Gewalt, die wollten wir vielleicht verstehen dadurch. Das Milieu verstehen, verstehen, warum sich Menschen andere Menschen kaufen um sexuelle (?) Befriedigung zu erlangen. Oder was es bedeutet, dass es Männer gibt, die sich andere Menschen kaufen um über sexuelle Handlungen ihr Minderwertigkeitsgefühl und ihre eigene Ohnmacht zu vergessen, indem sie sich anderer ausgelieferter mehrheitlich Frauen und Kinder als Sexsklaven bedienen.

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Die Schwimmerin

Meditieren hat nicht nur Vorteile. Das könnte ich denken, wenn ich meinen momentanen Schmerz ansehe.

Dein Schmerz ….. ha, ha, du fühlst es doch eh nur mit, abgeschwächt, wenn überhaupt!

Ja, ich Erzählerinstimme. Wer bin ich denn?

Gestern waren wir das erste Mal in diesem Sommer im Schwimmbad. Es ist mein Lieblingsbad. Jugendstilambiente mit wunderschönem Ausblick. Und danach waren wir sehr müde, ja fast erschöpft, wie immer. Da es ein Thermalbad mit hohem Schwefelgehalt ist, ist auch dies für den Körper anstrengend, dachte ich immer.

Dennoch war an Schlafen nicht zu denken. Wir schauten fern. Noch dazu einen Film, wo es um eine Vergewaltigung und daraus folgende Schwangerschaft ging. …. Keine gute Idee, gar keine gute Idee!? Oder doch? Denn im Grunde war der Boden schon durch das Schwimmen aufbereitet. Jedes Jahr dieselbe Situation. Der Körper schwimmt. Es tut so sehr gut und  wir tun es sehr gerne. Wir kommen zurück und der Tag danach ist eine Katastrophe.

Nun beim Meditieren hatten wir klar gespürt, dass wir nicht wissen, wer diese Person ist, die da schwimmt. Ich kann mich an den gesamten Tag erinnern. An umgängliche Gespräche im Schwimmbad. Eine leutselige Person, die etwas angeberisch ist. Sie weiß, dass sie viel besser schwimmt als die meisten Badegäste.

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Das Dilemma und mein Weg hinaus

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Fotoausstellung Baden bei Wien

Oder: Darf es mir/uns gut gehen und was bedeutet „gut gehen“ für uns?

Seit das Trampolin Einzug in mein Leben gehalten hat, hat sich so vieles verändert. Das ist langsam nicht mehr neu und dennoch wundere ich mich jeden einzelnen Tag, wenn ich erwache und nicht mehr von dieser Schwermut geplagt bin, die mir noch vor drei Monaten täglich „Wozu lebe ich überhaupt?!“ in mein Gehirn schrie kaum dass ich die Augen öffnete. Stattdessen zu erwachen und zu denken: „Mein Leben ist in Ordnung!“ oder „Es ist gut!“ mit einem zarten Lächeln im Gesicht, ist eine Freiheit, die uns dennoch überlegen lässt.

So von einen Tag auf den anderen, ein neues Leben? Aber ist es ein neues Leben? Natürlich nicht! Darf es uns denn gut gehen? Das war stets die Frage unseres Lebens. Und so arbeiten wir uns auch hier am Blog an dieser plötzlich neuen Wahrnehmung ab. Bereits die letzten Beiträge handelten von nichts anderem.

Plötzlich geänderte Wahrnehmungen bei Leuten mit DIS/DDNOS sind auch mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja gar nichts anders und nur eine andere Person heraußen, die den Alltag übernommen hat? Das kann auch mehrere Monate andauern, dass sich eine Person oder mehrere in den Vordergrund kämpft bzw. kämpfen und genau dort bleiben. Die dunklen Monate von Mitte Oktober bis Mitte Jänner war das über viele, viele Jahre so bei uns.

Nein, so fühlt es sich nicht an. Es fühlt sich ganzer an, kompletter. Das Wohlfühlen scheint vielleicht nicht alle, aber doch viele zu betreffen.

Eine weitere Änderung in meinem Alltag ergibt das Lesen anderer Blogs von jenen, die Gewalt erlebten. Jene Blogs zu lesen erzeugte in mir immer wieder das Gefühl verstanden zu werden. Ein Empfinden von Verbundenheit. Ich fand mich vor allem dort wieder, wenn es darum ging mit schwierigen Gefühlslagen zurande zu kommen. Seit einiger Zeit ist das anders. Es fällt uns schwer, diese Blogs zu lesen. Es ist nicht so, dass wir plötzlich keinerlei Zugang mehr zu den Emotionen und Seelenzuständen hätten, vielmehr haben sie nur als Erinnerung mit uns zu tun. Ob das auf ein anderes Innenwesen in der Außenwelt spricht, oder „bloß“ auf mehr Distanz zu anderen Personen, was ein großer Heilungsschritt wäre? Ein mich nicht mehr auflösen in den Geschichten der anderen, sondern meine eigenen Grenzen wahren. Die ersten Gedanken beim lesen eines anderen Blogs mit dieser veränderten Wahrnehmung waren: „Ja, das ist alles ganz schrecklich, aber es ist nicht meine Geschichte. Es muss MIR nicht schlecht gehen deswegen!“ Früher war es so, dass Mitgefühl mit anderen für uns vor allem Mit-LEID hieß, was uns nicht bewusst war. Wir litten tatsächlich mit vielen schmerzhaften Blogartikeln mit und es gab uns eine Existenzberechtigung!

Als Kind war ich verantwortlich für das Wohlbefinden der gesamten Familie. Meine Mutter und mein Bruder waren zu ängstlich, sich gegen den sadistischen Vater zur Wehr zu setzen. Diese beiden galt es zu trösten und stärken, damit sie sich nicht schwach fühlten mit ihrem Unvermögen, obwohl sie es waren.

Und den Vater hatte ich auf vielfältigste Weise zufrieden zu stellen. Ich hatte ihm zu dienen, als Sklavin im Haushalt, als Sexsklavin, als intellektuelle Gesprächspartnerin (das war wohl das woraus ich tatsächlich auch profitierte), die jedoch niemals widersprechen durfte und ihn bloß stellen, auch wenn er Unsinn sprach. Letztendlich hatte ich bei allen dreien die Aufgabe ihre Probleme anzuhören und ihnen Mut zu zusprechen.

Wir haben nun den Verdacht, dass uns jenes Muster Probleme anzuhören und Mut zu zusprechen das Gefühl der Geborgenheit vermittelte beim Lesen schlimmer Erfahrungen auf anderen Blogs. Das Gefühl des wiedererkennen, des dazu gehören. Es war ein Gefühl von früher. Das Dilemma und mein Weg hinaus weiterlesen

Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren!

Das Thema Scham spielt derzeit eine sehr große Rolle in unserem Leben. Also eine bewusst sehr große Rolle. Denn latent vorhanden und behindernd ist dieses Gefühl kontinuierlich. Es ist so sehr mit uns verbunden, dass es schon als Teil unseres Selbst, als Charaktereigenschaft von ∑mir empfunden wird.

Dass Scham generell an die Oberfläche tritt und dann noch hinterfragt werden darf, hat bereits einen Aspekt von Heilung, denn im Normalfall ist sie einfach da – von früh bis spät, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Oder eben nicht da, denn es geht darum, sie so gut als möglich zu verstecken. Nur nichts anmerken lassen bedeutet verdrängen oder abspalten. Was vor allem im näheren Kontakt mit anderen Menschen mitunter sehr schlecht funktioniert und dann wieder einen Grund gibt, sich zu schämen. Leben mit DIS#17: Mich schämen zu existieren! weiterlesen