Auf Ö1 zitiert

Mit großer Freude möchten wir darauf hinweisen, dass die liebe Beatrix Teichmann-Wirth aus unserem Beitrag „Widersprüche“ am 21.4.2020 in der Radiosendung „Alles auf Abstand“* der Sendereihe Punkt eins  des Senders Ö1 zitiert hat.

Die Sendung ist noch bis 27. April bzw. 28. April nachzuhören oder noch vier Wochen herunterzuladen.

Auch hier herzlichen Dank, liebe Beatrix, für das Zitieren, was uns sehr viel bedeutet und das so manches in Gang gesetzt hat.

….. wir haben wundervolle Leser*innen. Danke euch allen, dass ihr da seid.

Widersprüche

Mitte März 2020 in der U-Bahn zur Hauptverkehrszeit

Oder: Corona Alltag der Ausgangseinschränkungen Woche 1 bis 5

Ich weiß nicht, was ich schreiben soll oder kann. Seit Wochen beginnen wir Beiträge, die keine Vollendung finden.

Üblicherweise nehmen wir etwas wahr, innen oder außen oder sowohl als auch, sortieren Emotionen und Trigger, was mehrere Tage dauert und schreiben.

Zuviele Informationen und zu wenig Erkenntnis führen derzeit zu innerem Chaos.

Das alleine sein hilft Trigger von außen zu minimieren, was durchaus mitunter auch half. Die ersten 14 Tage zumindest. Da war die Ruhe wunderbar. Und sie könnte es auch weiterhin sein, wenn es nicht diesen massiven Wahnsinn gäbe, der im Inneren wütet.

Berührungen fehlen. Auch wenn Berührungen wohl zum schwierigsten Lern- und Heilungsprozess für uns gehören fehlen sie in einem Ausmaß, das nicht beschreibbar ist.

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Ein Tag zum durchatmen

Es tut noch immer sehr weh!

Wir meinen damit das Ende dessen, was wir hofften, dass es eine tragfähige Beziehung wird.

Wir suchen die Schuld. Am Besten nicht bei uns. Aber das geht nicht und genau deshalb schmerzt es besonders. Wenn eine Beziehung nicht klappt liegt es immer an beiden. Das ist nicht neu. Und selbst wenn ich alles richtig gemacht hätte, was wir nicht haben, dann läge es dennoch in unserer Verantwortung uns auf die andere Person eingelassen zu haben, die offenbar nicht entsprach.

Nein, wir bereuen nichts. Aber wir fragen uns, wo wir falsch abgebogen sind. Und der einzige Schluss, der sich für uns ergibt ist der, dass wir versucht hatten etwas, das sich wie eine Freundschaft angefühlt hat in eine Beziehung umzuwandeln. Und zwar zu einem Zeitpunkt als unsere Verliebtheit, die zu Beginn wohl da war, bereits fast abgeklungen war.

Ein lieber Freund hatte uns in einem Gespräch, als wir uns nicht mehr wohl fühlten, eine verhängnisvolle Frage gestellt: „Bist du in SIE verliebt, oder in die Vorstellung einer Beziehung?“ Dass wir nachdenklich wurden damals, bestärkete das Ende der Zweisamkeit mit ihr. Dabei hatten wir gehofft, oder uns angelogen, dass sich das richten lässt.

Was uns beruhigt ist, dass ich denke, dass es umgekehrt ebenso war. Da ist die Vermutung, dass auch sie nicht wirklich uns meinte. Aber vielleicht täuschen wir uns auch, dann tut es uns leid.

Was uns an diesem Verliebtsein in eine Beziehung statt in die Person beunruhigt ist, dass dies ein Muster zu sein scheint. Auch, wie die Nähe entstanden ist. Es erinnert uns an manches aus Beziehungen in jungen Jahren. Über 25 Jahre Therapie haben in diesem Bereich nichts geändert. Zumindest viel zu wenig.

Und so verzweifeln wir an der Tatsache, dass es leicht möglich ist, dass wir unser Leben ohne Liebesbeziehung leben werden. Das ist hart!

Es war das einzige, dass wir uns je ersehnt haben von Therapie. Dass wir uns die Liebe zurückerobern. Jene Liebesfähigkeit zu der ein Baby so fähig ist und die in uns zersplittert ist. Und ja, auch unsere Sexualität wollten wir uns zurück erobern. Wollten den Vergewaltigern die lange Nase zeigen, dass sie uns nicht ruiniert haben.

Es sieht nicht gut aus für diese Pläne. Und das, obwohl wir uns nicht wohl fühlen mit dem alleine leben. Das haben wir nie getan. Dafür quälen wir uns schon 25 Jahre damit. So ist unser Leben.

Zumindest ist der Schmerz jetzt nicht mehr ganz tief drinnen verpackt, sondern liegt offen vor uns. Sich dieser Trauer zu stellen fällt uns außerordentlich schwer. Es ist meist Flucht vor den Gefühlen angesagt. Das geht am Besten mit Video schauen, Handy spielen und Schlafentzug. Ziemlich krankes Verhalten, leider!

Wir werden uns (wieder) finden, es braucht halt noch Zeit. Wir tun, was wir können.

∑Ich will nicht mehr immer lieb sein …

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© lebendigwerden: Sonnenuntergang Brasilien – Abadiania

… und doch weiß ∑ich, dass es die einzige Art ist in dieser uns fremden Welt akzeptiert zu werden.

Andere versuchen zu verstehen, obwohl wir selbst niemals verstanden werden und sich kaum jemand die Mühe macht es zu versuchen!

Also ich meine, dass wirklich ernsthaft und über Jahre jemand versucht zu erfahren, welche Art Frau wir sind.

Unsere Stärken wahrnehmen möchte, unsere Schwächen verzeihen will und mit uns daran arbeiten will erstere zu kultivieren und letztere zu minimieren. Jenen, die es tun sind wir zutiefst verbunden.

Wir wissen, dass es dafür sehr viel Kraft und Mut benötigt und vermutlich auch Liebe.

Wir haben sie in uns für andere und auch für uns. Auch darum möchten wir nicht mehr immer nur lieb sein, weil es uns unsere Lebenskraft, unsere Lebendigkeit raubt.

Wir möchten so gerne mit mehr Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit leben statt immer nur schaumgebremst mit angezogener Handbremse durch unser Leben schleichen.

Wir möchten die Angst anzuecken und die Angst vor „Strafe“ dafür ∑ICH zu sein so gerne entsorgen. Am besten auf dem Sondermüll, denn sie ist durch und durch toxisch!

Aber ob wir diese Welt so ungebremst ertragen?

Ob wir einen anderen Schutz finden als den uns in uns selbst zu verstecken oder aufzusplittern?

Wir werden daran basteln, ihn entwickeln. Vielleicht gibt’s irgendeinen Weg, den wir erst finden müssen?! Ja, davon sind wir überzeugt! …. Weil es schon so viele Wege gab in unserem Leben, die wir uns niemals vorstellen konnten, dass sie für uns Realität werden könnten.

Leben mit DIS/DDNOS #25: Retraumatisierung, Scham und Verwirrung

Es war der 78. Geburtstag unserer Mutter. Wir hatten seitdem die Wohnung der Großtante geräumt war unsere Mutter nicht mehr gesehen. Es war der Plan, dass wir nach der Verlassenschaft das auf einander treffen wieder auf das gewohnte, einigermaßen erträgliche Maß von einmal jährlich zurückstufen werden.

Und nachdem wir ohnedies nicht viel mit ihr sprechen können, ohne in Streit zu geraten, war es uns lieber uns der Familienfeier mit meinem Bruder und dessen Familie anzuschließen, wenn sie zu Besuch fahren. Soweit ein kluger Plan, der auch einigermaßen zu gelingen schien. In größerer Runde bleibt jedes Gespräch so schön an der Oberflächlichkeit und im Grunde ist es ohnedies für alle ein Pflichtbesuch. Gerne und von Herzen fährt dort niemand hin. Wir sind alle käuflich. Die Mutter zahlt allen ein Jahr dafür, dass sie irgendwann Besuch bekommt bzw. dass der Kontakt nicht ganz abreißt und um sich selbst vorlügen zu können, dass sie eine gute Mutter war und ist. Sehr traurig und ich bekäme lieber Liebe als Geld, aber die hat sie nicht anzubieten. Vielmehr geht es ihr wohl darum den Schein zu wahren und darauf zu dringen endlich die ersehnte Absolution von ihren Kindern zu erhalten, ohne jedoch einzusehen, dass sie Fehler gemacht haben könnte. Und so sind die Treffen ein Absitzen der Zeit, ein an einander vorbei reden oder von einer Oberflächlichkeit getragen, die kaum zu ertragen ist, nur um heikle Themen zu umgehen.

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Leben mit DIS/DDNOS #24: Freiheit hinter Wut versteckt – Umgang mit Täterintrojekten und inneren Beschützer*innen

„Wenn ich groß bin, werde ich so ein Arschloch wie mein Vater!“

Seit Jahrzehnten lebt dieses Innenkind mit der Wut, die sich in der Täteridentifizierung und Verachtung des/der Täter/s zugleich äußert.

Vor einigen Jahren(?) hat es gewagt, dies einmal in der Therapie zu thematisieren und als Antwort erhalten: „Aber das stimmt doch nicht, das willst du doch gar nicht!“ Das Kind wurde nicht als Innenwesen erkannt sondern die Antwort galt unserer Host-Persönlichkeit.

Wohin soll uns das bringen?

In dieser Wut, die nicht sein darf, weil sie sich nicht adäquat äußern kann und darf liegt unsere Lebenskraft begraben. Immer ist alles schaumgebremst, nicht frei.

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Leben mit DIS/DDNOS # 23: Ein Versuch zu verstehen ….

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Blick aus einer Lawine nach außen / Quelle: pixabay – stux

Wir ringen mit den Worten, die kontinuierlich aus unserem Gehirn heraussprudeln. Es ist kein innerer Dialog, es ist ein Gedankenkarussel. Selbst meditieren hilft nur bedingt.

Wir ringen damit zu verzeihen, was uns so weh tut. Uns selbst zu verzeihen und ihr. Reine Schuldzuweisungen wären zu einfach, eine viel zu große Lüge.

Wir ringen damit jene Opferrolle zu verlassen, in die wir uns selbst begeben haben. Jene Opferrolle, die uns von ihr so drastisch gespiegelt wurde aber auch verstärkt, die letztendlich zu einer Lawine wurde, immer größer und größer bis sie drohte uns alle unter sich zu begraben. Sie und uns. Ich/wir sind abgesprungen. Konnten den im System „Benita“ immanenten „Lawinenairbag“ rechtzeitig auslösen um an der Oberfläche zu bleiben. Andere DIS-Leute mögen „Beschützerpersönlichkeit(en)“ dazu sagen.

Dann wenn jemand auf diese Opferrolle eingeht und sie auch noch verstärkt, dann wird es gefährlich, sehr gefährlich für uns!

Was war geschehen? Es ist schwierig etwas so persönliches wie den Verlauf einer Beziehung zu formulieren. Wenn es das war? Vielleicht war es auch bloß die Phantasie von einer Beziehung die uns verband?

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Wenn Liebe erschüttert!

Wenn Liebe heute weh tut, weil sie alles erschüttert, was ich einst unter Aufbringung all meiner Kräfte und darüber hinaus lernen musste, um zu überleben, was dann?

Sind es „Wachstumsschmerzen“ am Weg zu verlernen, ….

…. dass ich keinen Wert habe; keine Rechte, etwas zu erbitten; keine Bedürfnisse zu haben!

Dies war es, was ich lernen musste und nur als „wir“ erfüllen konnte.

Nichts war für uns als Kind und Jugendliche selbstverständlich, niemals! Keine Zuwendung war jemals selbstverständlich oder gratis! Jedes liebe Wort musste mit dem eigenen Körper oder bzw. und der eigenen Seele erkauft werden. Sogar die Nahrung oder Versorgung bei Krankheit.

Es waren Akte der Selbstverkrüppelung, ein Suizid auf Raten ohne Sterben zu dürfen, um zu überleben, damals.

Ein unwürdiger Tanz auf dem Hochseil, ohne Sicherung, zur Belustigung derer, die mich hätten schützen sollen!

Mein potentieller Tod war im Spektakel einkalkuliert und gewollt gleichermaßen wie verboten und befürchtet! Der Nervenkitzel der besonderen Art für sadistisch veranlagte Eltern!

Das Drama durfte ich nicht einmal beenden!

Es ist schwierig, heute zu verstehen, warum sich eine so sehr auf uns einlässt, zuhört und versucht unsere Bedürfnisse ernst zu nehmen und sogar zu erfüllen! Warum?

Vielleicht weil unser Selbstbild voll Selbsthass nicht mit der Wahrnehmung von außen überein stimmt?

Vielleicht, weil wir gar nicht so widerlich sind, dass wir uns am Besten vor dieser Welt verstecken um niemanden zu belästigen? Vielleicht sind wir es nicht mehr?! Aber waren wir es je?

Schaffen wir es zu verlernen, was wir verdient hätten niemals lernen zu müssen?

As time goes by?!

Im Kontakt mit anderen Menschen ist das Vielesein… — Geteilte Ansichten

Eine feine Sammlung von möglichen Reaktionen auf DIS haben Pauline-s in ihrem Beitrag zusammengestellt, den wir hier sehr gerne teilen. Vielen Dank dafür.

Uns persönlich sprechen vor allem diese Definitionen an:

„… eine Behinderung. Meistens kommt das Gegenüber auf Dauer nicht mit uns klar, oder nur mit einer Handvoll unkomplizierter, netter, sozialkompatibler Innenpersonen. Wir müssen uns immer verstecken, wenn wir Beziehungen halten wollen. Sobald man mehr von uns mitbekommt, gehen Kontakte kaputt. Ab einem bestimmten Punkt werden wir zu viel.“

„… nicht das Problem. Es ist die Gewalt im Hintergrund, die unser Gegenüber nicht realisieren und mit uns in Verbindung bringen kann oder will. Unsere Biographie ist die Bruchstelle in Kontakten.“

„… bereichernd. Man knüpft einzelne Verbindungen, das Gegenüber kann einen ganzen Freundeskreis geschenkt bekommen. Man kann viel Spaß zusammen haben und viel Berührendes erleben. Und man lernt Toleranz, Geduld, Herzöffnung, Mutigsein und sowas alles. Also, beide Seiten lernen das.“

über Im Kontakt mit anderen Menschen ist das Vielesein… — Geteilte Ansichten

Und wie würden wir es selbst definieren?

„… immer wieder der Auslöser für die schwierige Frage: „Liegt das Problem bei mir/uns oder bei den anderen innen oder außen?“ und welchen „Wahnsinn“ trägt mein Gegenüber mit sich, von dem ich/wir nichts weiß/wissen oder es nicht verstehe/n oder erkenne/n?“

„… ein Aspekt, der einen sehr langen Atem und viel Einfühlungsvermögen und Selbstreflexion von allen Seiten benötigt, wenn aus dem Kontakt Freundschaft oder sogar mehr (?) werden soll!“

„… alles andere als unkompliziert, aber dafür auch nicht langweilig!“

„… immer wieder enorm schmerzhaft für uns! Und zwar egal ob wir Ablehnung oder Zuneigung erfahren.“

 

Hier geht’s zum gesamten Beitrag von Pauline-s:

„… ganz nützlich. Wenn´s zu viel wird, wechseln wir uns ab. So denken doch manche Leute über DIS, oder? Ist ja auch Konfliktprävention, wenn Streit in der Luft liegt, kommt einfach jemand Unbeteiligtes und deeskaliert. Haha, wenn´s mal so einfach wäre! Und das Gegenüber wird nicht überfordert, solange wir einfach nur unter der Tarnkappe vor […]

über Im Kontakt mit anderen Menschen ist das Vielesein… — Geteilte Ansichten