Gedanke: Erleuchtung hat ein Problem

Dieser Beitrag von Ankordanz hat uns sehr angesprochen. Selbst wenn wir nicht den Begriff „Erleuchtung“ verwenden würden, weil er uns zu fremd ist und auch nicht Teil unserer Gedanken ist, so sind doch alle Erkenntnisse, die er beschreibt oft in unserem Leben.

Aktuell sind diese Erfahrungen entweder Eremitin zu sein, oder kontinuierlich Aggression abzuwehren besonders nahe. Diese Aggression hat seine Auslöser im Grunde nur darin, dass wir vor allem Gewalt Strukturen besser erkennen als andere und daher benennen können. Es ist zu schmerzhaft für viele Menschen, wenn ihnen ein Spiegel vorgehalten wird.

Es ist zu schmerzhaft für uns unter Menschen zu sein und stets zu schweigen.

Gibt es nur den Weg der Eremitin? Wir wissen es nicht? Dieser Beitrag traf uns jedenfalls mitten ins Herz und daher teilen wir ihn gerne.

Ankordanz

Erleuchtung ist komplexes Thema, deshalb möchte ich es hier in einem Ausschnitt anhand des Zitates „Alles verstehen heißt alles verzeihen“ behandeln – was für mich eine wichtiger Schritt auf dem Weg zu Erleuchtung ist.

Wenn ein Mensch alles versteht, erkennt er, wie alles zusammenhängt, wie sich alles gegenseitig bedingt und das hinter jeder Handlung eine auslösende Handlung steht, welche ihrerseits wieder einen Auslöser hat und so fort. Er erkennt, das jeder Schmerz nicht nur einen Täter hat, sondern daß dieser Täter auch in seinem Handeln wieder Opfer seiner Umstände ist. (Das an sich entschuldigt keine Taten und macht nichts ungeschehen: Der Mensch hat einen freien Willen.) Ein Mensch, der also erkennt, das weder er selbst noch irgendjemand oder irgendetwas „perfekt“ ist, wird bei einer Schuld oder Sünde nicht mehr einfach nur auf Sühne und Vergeltung sinnen. Ein solcher Mensch wird immer versuchen, eine Lösung und einen möglichst „milden“ Ausgleich zu…

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Leben mit DIS #41: „Die Therapie muss zu Ende gehen“

„Die Therapie muss langsam zu Ende gehen!“,  meinte der uns wirklich seit Jahren freundlich gesonnene Gutachter der Gesundheitskasse. In Anbetracht der Namensänderung von Wiener Gebietskrankenkasse auf Österreichische Gesundheitskasse scheint uns die Aussage fast zynisch. Eine Wahrnehmung, derer auch wir uns erst im Nachhinein klar wurden.

Tatsache ist, dass die Menschen unser Leid nicht sehen. Unsere Therapeutin nicht, die uns ein Schreiben mitgegeben hat, das viel zu optimistisch war und der Gutachter auch nicht. Tja, und paradoxerweise schämen wir uns viel zu sehr zu sagen, wie es uns wirklich geht. Also wird die Therapie halt zu Ende gehen und wir werden alleine zurück bleiben, ohne Hilfe.

Viele innen meinen, das haben wir eh verdient. Wir sind es nicht wert Hilfe zu bekommen.

Wie schön wäre das, wenn es einfach gut wäre, wie die erste Reaktion von den Innenwesen, die im außen agieren, war. „Ja, er hat ja Recht, es geht uns bereits viel besser, als z.B. vor 10 Jahren und ja, wir machen schon seit 30 Jahren Therapie.“ Das alles stimmt ja. Geht’s uns aber deshalb so gut, dass wir keine Therapie mehr bräuchten????

Wenn es so wäre, weshalb überlegen wir dann heute, ob wir hoffentlich bald sterben, damit wir tot sind, bevor die Therapie von der GESUNDHEITSKasse nicht mehr bezahlt wird? Weil es eine Illusion wäre, uns Therapie selbst bezahlen zu können.

Das wird das letzte Jahr, in dem Therapie einmal wöchentlich bezahlt wird. Also ein Zuschuss von €28,42 pro Stunde wird freilich nur von der Kasse übernommen, den Rest haben wir erkämpft, dass wir an anderer Stelle als Verbrechens Opfer zusätzlich Geld erhalten. Es geht also um den lächerlichen Betrag von ca. € 1.400,- im Jahr. Ein einziger Tag auf der Psychiatrie würde dem Staat mehr kosten, wenn wir mangels professioneller Hilfe zusammen brechen. Sobald die Kasse aber nicht mehr bezahlt, fällt auch die Unterstützung für Therapie als Verbrechens Opfer weg. Also entscheidet die Gesundheitskasse, ob wir Therapie bezahlt bekommen oder eben nicht, auch wenn sie nur einen vergleichsweise geringen Betrag bezahlen.

Ja, wir wissen, dass wir tatsächlich auf hohem Niveau jammern, denn von so langer Unterstützung können sehr viele Leute mit DIS nur träumen. Aber es ist trotzdem noch nicht gut. Es ist einfach nicht so gut, dass wir es alleine schaffen.

Er meinte, dass wir ja dann in dem Wohnprojekt wohnen.

Wie lustig! Er sollte doch den Unterschied kennen zwischen Therapie und Bekannten und Freundschaften. Was wo besprochen werden kann und was eben im Alltag IMMER, IMMER, IMMER ausgespart werden muss, weil die Leute nicht damit umgehen können, weil es eben auch nicht in ein Alltags Gespräch gehört, was Flashbacks wirklich bedeuten und was wir tatsächlich erlebt haben, wie tief unser Schmerz ist. All das findet sich in unseren Gesprächen nicht wieder, also höchstens in kurzen Anklängen, die der Realität nicht im Entferntesten gerecht werden. Nur immer wieder kurze Erinnerungen, dass die Leute vielleicht ein ganz kleines bisschen nur auf unsere Bedürfnisse eingehen. Bitte nur ganz, ganz wenig. Mehr erwarten wir uns ohnedies nicht. Und selbst das ist niemals selbstverständlich, sondern ein großes Glück.

Aber der Gutachter versteht Nichts diesmal. Er fragt im Plauderton ob wir Kinder haben. Wir antworten „Nein!“. Innen schreien welche auf und beginnen zu weinen, weil wir von unserem toten Kind nicht sprechen, es verleugnen, wie uns selbst.

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Leben mit DIS #40: Selbstaufgabe erkennen tut fast unerträglich weh!

Wenn um zu Überleben nur bleibt sich selbst aufzugeben und in ganz viele Teile aufzusplittern, dann ist es ein Glück, wenn zumindest ein Teil die Erinnerung trägt, wer das ICH eigentlich einmal hatte werden sollen oder wollen.

Wenn dann durch ganz viel Hilfe und noch viel mehr Glück, sich dieses ICH, das weiß, dass sich eine selbst aufgeben musste, Gehör verschaffen kann, dann tut es weh, so außerordentlich weh, dass es scheint es ist nicht zu ertragen.

All die verlorenen Chancen erkennen, sich all diese Gewohnheiten, der täglichen Selbstaufgabe wieder ab zu gewöhnen, das scheint eine viel zu große Herausforderung zu sein, nach 55 Jahren Lebenszeit.

Dann, wenn der Schmerz so überhand nimmt, dass ein Weiterleben angezweifelt wird, ist es wichtig wahrzunehmen, dass das Erkennen der Selbstaufgabe ein Prozess war und ist. Es ist ein Weg, den wir seit Jahrzehnten gehen und das Gerümpel vor der Türe des ICH langsam aber doch stetig immer mehr wegräum(t)en.

In diesem Moment ist es ein Glück zu erkennen, dass das Wegräumen vielleicht zu unserer Lebensaufgabe gehört. Vielleicht gehört ja auch das Zersplittern als Möglichkeit um zu überleben zu unserer Lebensaufgabe?

Jetzt, in diesem Augenblick des nahenden Sieges über einen fast übermächtigen Gegner, der massive Gewalt seit frühester Kindheit heißt, aufzugeben, wäre die wahre Selbstaufgabe. Es wäre ein letztes Aufbäumen der Gewohnheit, die uns stets einschränkte, weil es zuerst nötig war um den Körper und damit das Überleben zu schützen und wir dann nicht sahen, dass es nicht mehr erforderlich ist, sondern zum Gefängnis wurde.

Das Allerschlimmste ist schon lange vergangen. Was wir heute fühlen, in der Erinnerung, sind jene Schmerzen, die wir damals abtrennen mussten. Mit jeder Träne, mit jedem Schmerz der Erkenntnis befreien wir das ICH aus seinem Versteck und lassen es die Luft des heute atmen.

Es sind der Atem der Lebendigkeit und die Luft der Liebe zu sich selbst.

Leben mit DIS #39: der Erfolg sich zu wehren

Leider ist aktuell zu wenig Zeit zu schreiben. Das Leben geht aber weiter und so war heute der 80. Geburtstag unserer Mutter zu feiern.

Die Atmosphäre war eigenartig. Ihr Lebensgefährte hatte zur Familienfeier einen seiner Freunde eingeladen, ohne sie davor zu fragen. Zusätzlich zur unpassenden Anwesenheit des Fremden entpuppte der sich auch noch als überaus gesprächig. Mit unserer Mutter zu sprechen war nahezu unmöglich.

Wir haben kein nahes Verhältnis zu unserer Mutter, aber diese Konstellation war uns doch sehr unangenehm. Es tat uns leid, dass ihre Feier so gestört wurde. Zudem beschimpfte ihr Lebensgefährte sie immer wieder, was sie evtl. überhört hatte oder es ohne Widerspruch hinnahm.

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Geschützt: Das Drama geht weiter

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ad „Was tun?“

jetzt haben wir also unseren ersten Passwort geschützen Beitrag nolens volens veröffentlicht.

Vielen herzlichen Dank allen, die uns bereits im Voraus zugesagt haben, dass sie diesen auch lesen mögen, das hat uns viel Mut gemacht ihn zu schreiben.

Wir werden all jenen, die es zugesagt haben und deren Mail-Adresse wir haben das Passwort zusenden. Ihr solltet es also in eurem Mail-Postfach finden. Sollten wir auf gerade dich oder Sie vergessen haben, bitte um Verzeihung, es fehlt uns irgendwie der Überblick und wir könnten da jemanden übersehen haben.

Übrigens haben wir auch auf euren Blogs nachgesehen oder über Avatare Mail Adressen von einigen gefunden, die bereits ihr Interesse bekundet haben.

Wer weiß, vielleicht ist ja das Passwort bereits im Postfach?

Jene, von denen wir keine Mail-Adresse haben oder falls wir euch übersehen haben sollten, bitte schickt uns doch ein kurzes Mail an:

lebendig_werden@gmx.at

Wir werden euch oder Ihnen dann das Passwort zusenden. Das gilt vor allem für unsere bereits bekannten Leser:innen. Bei neuen oder uns noch unbekannten Lesenden ersuchen wir um Verständnis, dass wir aktuell davon Abstand nehmen mögen, obwohl der Beitrag aus eher unüblichen Gründen geschützt ist.

Falls du oder Sie aber sehr interssiert an dem Beitrag bist, bitte auch ein Mail schicken. Wir werden auf alle Fälle antworten. 🙂

Trigger sind sehr individuell und kaum vorherzusehen. Wir können aber hier ganz klar schreiben, dass in dem Beitrag keine (sexualisierten) Gewalterfahrungen, die mit unserer komplexen Traumatisierung in Zusammenhang stehen beschrieben sind.

Wir nehmen an, dass der Beitrag nicht triggert.

Geschützt: Was tun?

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Wir müssen eine Entscheidung treffen ….

von pixabay

aber wir sind wie gelähmt.

Und worum es genau geht können wir hier auch nicht besprechen, das ist besonders schlimm und belastet uns sehr.

Vielleicht können wir uns aufraffen und werden gegen unsere Überzeugung einen Passwort geschützten Beitrag schreiben. Immer noch besser als gar nichts.

Wärt ihr liebe Leserinnen und Leser bereit so einen Text zu lesen? Denn nur für uns brauchen wir HIER nicht zu schreiben.

Leben mit DIS #38: Perfektionismus

Immer wieder hören wir von anderen Menschen, dass wir so perfektionistisch wären. Wir hören es als kritische Feststellung. Und es stimmt ja, bloß macht sich niemand die Mühe nachzuforschen weshalb es so ist. Zugegeben wir bislang auch nicht.

Nun die Erkenntnis: Wer sich in seinem Leben, vor allem in der frühen Kindheit keine Fehler erlauben darf, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit den eigenen Tod bedeuten würden, tut sich schwer locker an Aufgaben heranzugehen, denn die Todesangst steckt in den Knochen.

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Leben mit DIS #37: Warum Smalltalk für uns in die Schlaflosigkeit führt?

Es war ein netter Abend nach einer Vernissage. Wir saßen mit einigen netten Menschen beisammen in einem Lokal und plauderten. Es ging für uns als nicht-Künstlerin mehr um Smalltalk, als um künstlerischen Austausch.

Wollten wir dazugehören, ohne es zu tun? Anderseits gehörten wir dazu. Man kannte uns und hörte uns zu. Aber weshalb konnten wir einfach Nichts von uns einbringen?

Weil die Wahrheit über unser Leben die Stimmung dämpft und jedes lockere, entspannte Gespräch sprengt. Also erzählen wir von uns nichts Wichtiges. Geben nichts Preis von uns. Das erzeugt generell dann eher Misstrauen, was verständlich ist. Es ist also egal, ob wir von uns erzählen oder nicht, es ist unmöglich unbefangen zu bleiben. Es ist unmöglich, die Stimmung nicht zu ruinieren, wenn wir von uns berichten. Und es ist unmöglich, selbst wenn sich die anderen darauf einlassen nicht das Thema plötzlich zu bestimmen mit den Themen sexualisierte Gewalt und Gewalt an Kindern.

Es gibt also die Wahl zwischen selbst auferlegtem Schweigen oder Themensetzung auf das Gewaltthema und ein Zuviel an Aufmerksamkeit oder ein Ausschluss aus dem Gespräch dadurch.

Diese Auswahl ist beklemmend und kränkend alleine durch die Unmöglichkeit ein zwangloses Gespräch zu führen. Wir haben es wieder einmal versucht und sind insofern wieder einmal gescheitert, als wir uns selbst schon dadurch betrogen haben, dass wir das „ich“ gebrauchten um nicht aufzufallen. Das geht nur kurz, dann beginnen die Kopfschmerzen und die Übelkeit, die wir abspalten.

Und nachdem wir gestern sogar ein bisschen über uns und den Blog gesprochen haben, allerdings alles „brav“ in Einzahl, folgte bis jetzt eine schlaflose Nacht, trotz Müdigkeit.

Es ist zum Verzweifeln sich nicht einbringen zu können in einer Gesellschaft ohne groß aufzufallen und sofort einen Sonderstatus zu erhalten, im besten Falle. Anderenfalls folgt der Ausschluss, wenn die anderen auf den erzwungenen Sonderstatus nicht eingehen mögen. Was wir sogar verstehen.

Ein Leben mit DIS ist ein Leben als Ausgeschlossene, bis wir uns erklärt haben. Letzteres geht in einer Gruppe von ferneren Bekannten nicht. Vielleicht haben wir in solchen Gruppen nichts verloren? Rückzug aus Selbstschutz, die alt bekannte und verhasste Strategie. Wir umkreisen seit Jahren dieses Problem, ohne eine Lösung zu finden.