Leben mit DIS/DDNOS #25: Retraumatisierung, Scham und Verwirrung

Es war der 78. Geburtstag unserer Mutter. Wir hatten seitdem die Wohnung der Großtante geräumt war unsere Mutter nicht mehr gesehen. Es war der Plan, dass wir nach der Verlassenschaft das auf einander treffen wieder auf das gewohnte, einigermaßen erträgliche Maß von einmal jährlich zurückstufen werden.

Und nachdem wir ohnedies nicht viel mit ihr sprechen können, ohne in Streit zu geraten, war es uns lieber uns der Familienfeier mit meinem Bruder und dessen Familie anzuschließen, wenn sie zu Besuch fahren. Soweit ein kluger Plan, der auch einigermaßen zu gelingen schien. In größerer Runde bleibt jedes Gespräch so schön an der Oberflächlichkeit und im Grunde ist es ohnedies für alle ein Pflichtbesuch. Gerne und von Herzen fährt dort niemand hin. Wir sind alle käuflich. Die Mutter zahlt allen ein Jahr dafür, dass sie irgendwann Besuch bekommt bzw. dass der Kontakt nicht ganz abreißt und um sich selbst vorlügen zu können, dass sie eine gute Mutter war und ist. Sehr traurig und ich bekäme lieber Liebe als Geld, aber die hat sie nicht anzubieten. Vielmehr geht es ihr wohl darum den Schein zu wahren und darauf zu dringen endlich die ersehnte Absolution von ihren Kindern zu erhalten, ohne jedoch einzusehen, dass sie Fehler gemacht haben könnte. Und so sind die Treffen ein Absitzen der Zeit, ein an einander vorbei reden oder von einer Oberflächlichkeit getragen, die kaum zu ertragen ist, nur um heikle Themen zu umgehen.

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Geteilt: Die größte Heilung

An dieser Geschichte, die Pollys veröffentlicht hat, gefällt mir gar nicht so sehr der Aspekt der Verzeihung, den sie hervorhebt.

Was uns besonders begeistert ist die Tatsache, dass mit dieser Form der „Bestrafung“ Gewalt und Aggression die Grundlage entzogen wird. So wird es unmöglich mit destruktiven Methoden die Gesellschaft zu sehr zu erschüttern und zu zerstören.

Statt Aggression und Gewalt zu verstärken wird so das Gute, das ebenso in allen schlummert, betont. …… Ein Weg, der überall Beachtung finden sollte.

Liebe statt „law and order“ Politik. Wunderbar!

https://wp.me/paOM6I-sS

Die Gesellschaft verroht!

Danke liebe Lunis für diesen Beitrag, den ich sehr wichtig finde und gerne teile.

Ich weiß, zwar, dass Selbstverletzung in der Kunst z.B. bei Marina Abramovic oder auch Valie Export und anderen immer wieder auch seinen Platz hat, um der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, hier sehe ich/wir aber keine Kunst. Hier scheint es eher um Brot und Spiele zu gehen. Wie im antiken Rom wird der Bevölkerung eine Möglichkeit geboten, aufgestaute Aggressionen zu kanalisieren und dadurch nicht gegen die Regierenden und reales Unrecht aufzubegehren. Die Gladiatorenspiele unserer Zeit sind widerliche Darstellungen zwischen Größenwahn und Empathielosigkeit.

Myriade hat mich hingewiesen, dass nicht klar ist, dass das verlinkte Video von Joko und Klaas NICHT die beanstandete Show ist! Daher möchten wir kurz das eingebettete Video beschreiben:

Hier kommen Menschen zu Wort, die sich in unterschiedlichen Gebieten zivilgesellschaftlich engagieren. Es dauert ca. 15 Min. und zeigt unseres Erachtens, was Mut und Stärke tatsächlich sind. Solche Personen ins Rampenlicht zu stellen, davon wünschen wir uns definitiv mehr.

Ein:T:R:aum:A:partment

Es erschreckt mich. Es erschreckt mich zutiefst so Sendungen wie die von Joko und Klaas zu sehen.
Nein eigentlich sehen wir die nicht. Aber man entkommt den Ausschnitten in sozialen Medien, im Frühstücksfernsehen und selbst auf Spiegel online nicht.

Wenn man nur noch Schlagzeilen machen kann, indem alles härter, brutaler und abgefuckter ist.
Wie sich Menschen gegenseitig zum SPASS quälen! Und für Einschaltquoten.
Wo Menschen wie Charlotte Roche sich so etwas dermaßen krankes antun, wie gerade diese Woche.
Ich wage es fast nicht mal das in Worte zu verpacken, was sie da getan hat.
Bitte, passt auf euch auf. Das ist echt nichts für schwache Nerven. Nicht mal nur in der Beschreibung, für die ich versuche so wenig wie möglich Worte zu verwenden.
Das volle Video der „Show“ habe ich mir selbst nicht angesehen.

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Die Ware Frau

Diesen sehr wichtigen Beitrag über die Notwendigkeit eines Verbots von Prostitution möchte ich hier sehr gerne teilen.

Wir können all dem nur zustimmen. Vielen Dank liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge für diese kluge Analyse und eure klare Positionierung!

über Die Ware Frau

Das innere vibrieren! Und wie weiter?

Langsam kommen wir ein klein wenig zur Ruhe hier in unserem Sommerfrische-Domizil.

Die letzte Aufregung rund um unser Wohnprojekt ist vier Tage her und seit drei Wochen beantworten wir zwei offene Mails der Baugruppe nicht.

Die massive Überforderung des vergangenen Jahres mit der Verlassenschaft der Großtante und sehr viel Engagemant (für unsere Möglichkeiten) in der Baugruppe sind derzeit entweder weitgehend erledigt oder im Urlaubsmodus. Das ständige Gefühl wieder auseinander zu fallen, das sich immer einstellte wenn wir die Kräuterkapseln von unserem brasilianischen Heiler nicht oder sehr reduziert nahmen wurde mittlerweile zum Alltag. Schon wenn wir statt einmal wöchentlich zwei Kapseln mit einem Tag Unterbrechung nehmen, so wie vergangene Woche, geht es uns um Vieles besser. Nervosität und Angst vor Menschen verringern sich so massiv, dass der Kontakt mit anderen Menschen um so vieles einfacher und befriedigender ist.

Auch aufgrund dieses so anstrengenden Hintergrundes ist die Frage, „wie weiter“ mit dem Wohnprojekt, mit uns in dem Wohnprojekt, mit uns ohne Kräuter aus Brasilien in dem Wohnprojekt etc., in jedem stillen Moment bei uns. Sie begleitet uns beim Einschlafen und beim Erwachen. Und sie stürzt uns in eine tiefe Traurigkeit, die uns wie ein Schatten verfolgt. Zusätzlich ist die Situation in der Baugruppe derzeit, euphemistisch gesagt, schwierig. Aber wo ist es mein Wahnsinn und wo der Wahnsinn der derzeit im Wohnprojekt herrscht?

Es ist schlimm diverse Symptome komplexer Traumata im Leben zu fühlen. Ist es jedoch härter, wenn ein Symptom, dass als erledigt galt plötzlich wieder auftaucht, oder ist es schmerzhafter überhaupt nicht zu wissen, dass dieses Symptom überhaupt weg gehen könnte? Irgendwie hilft es zu wissen, wohin ich möchte. Es ist angenehmer als daran zu verzweifeln, dass diese Distanz zu anderen Menschen niemals ein Ende finden kann.

Früher haben wir uns einfach versteckt, weil die psychischen Schmerzen im Kontakt mit anderen Menschen zu groß waren. Wir sind kaum hinaus gegangen. Das minimierte die Trigger enorm. Es war lange Zeit die einzige Möglichkeit zu überleben, maximal zweimal pro Woche anderen Menschen zu begegnen. Dann wurde Kontakt mit Menschen angenehmer und wir fühlten uns so einsam daheim. Wir suchten den Kontakt und kamen in die Baugruppe. Und jetzt? Uns zu verstecken geht nun kaum.

Wir können nicht aufgrund einer fehlenden Medikation alles hinwerfen. Das wollen wir auch nicht! Permanent fürchten wir, dass unsere Wahrnehmung nicht stimmt. Anderseits sind wir überzeugt, dass die Situation in der Baugruppe tatsächlich in einem Zustand ist, der so nicht hingenommen werden sollte.

Wir sind nun seit fast 2 ½ Jahren in der Baugruppe und haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten, die uns so ungenügend erscheinen, auch stets engagiert. Auch oft über unsere Belastungsgrenze hinaus. Wir wollten, dass dieses Projekt funktioniert und wollten daher auch gerne Verantwortung für dessen Gelingen übernehmen. Seit sich jedoch der Baubeginn mittlerweile massiv verzögert und wir keine definitive Aussage für einen Baustart erhalten, ist das Interesse vieler zukünftiger Nachbarn sich selbst einzubringen, oder auch nur in Kontakt mit den anderen zu bleiben meiner Ansicht nach minimal bis nicht vorhanden. Das ist unser Eindruck. Auch dass bereits vier Leute aus der Baugruppe wieder ausgetreten sind, hilft nicht die Zuversicht zu erhöhen. Weder jene der anderen, noch die eigene.

Die aktuelle Situation triggert an allen Ecken und Enden. Kommt das permanente innere Vibrieren und Zittern auch daher?

…… Schreibpause mit durch den Garten schlendern, Kater streicheln und drinken einer „goldenen Milch“ (2 TL Kurkuma, etwas Pfeffer in warmer Reismilch), was die Symptome wesentlich verbessert hat. Besonders die „goldene Milch“ hat die Traurigkeit gelindert. ….. Ob Kurkuma hochdosiert tatsächlich gegen Depressionen helfen kann, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Allerdings hatten wir zuvor ganz vergessen gehabt, dass es helfen könnte und plötzlich ging es uns besser. …… Uns ist es egal, ob es eine eingebildete Besserung der depressiven Symptome ist, oder der Wirkstoff wirklich Erleichterung bringen kann. Hauptsache es geht uns etwas besser! …..

Zurück zu den Triggern. Immer wieder fühlen wir uns ausgenutzt von jenen, die nichts zur Gemeinschaft beitragen und nicht einmal per Mail ihr Interesse bekunden und auf Aussendungen reagieren. Dieses ausgenutzt und benutzt fühlen kennen wir doch so gut. „Benita“ hatte als Kind sämtliche Hausarbeit zu machen und einen Dank gab es nie dafür. Vielmehr Aufregung, wenn es nicht so geschehen war, wie erwartet. Da sind wir beim Trigger Überforderung durch Tätigkeiten, die ohnedies auf kein Interesse stoßen, obwohl ich mich sehr bemühe.

Vielleicht aber ist auch uns die Freude am Projekt abhanden gekommen, aufgrund der Verzögerungen und fehlenden Information. Vielleicht wollten wir es uns nur bloß nicht eingestehen. Wollten stark sein, wollten in dieser „freien“ Zeit eine Gemeinschaft formen und sind nun massiv enttäuscht, dass zu Viele dies so nicht möchten. Nein, alleine können wir keine (harmonische) Gemeinschaft erschaffen! Das können wir alleine nicht stemmen. — Schon wieder ein Trigger. Der Versuch mit aller Kraft aus unserer kaputten Familie eine Familie zu machen, wo Respekt und Liebe vorherrschen. Wir sind daran gescheitert! Fürchten wir nun, dass wir auch an der Gemeinschaftsbildung der Baugruppe scheitern werden? Vermutlich ist ein solcher Vergleich nicht hilfreich. Hilfreich ist jedoch, dass wir nun die Zeit hatten, diesen Trigger zu erkennen. Bewusstsein darüber wo es in uns hakt, ist der erste Schritt zur Lösung des inneren Chaos.

Nein, eine Baugruppe ist nicht nur ein Ende der Vereinsamung, es ist auch sehr viel Arbeit, Reibung und auch Enttäuschung. Und oft ist es vermutlich ein Abwarten, wie sich das Miteinander entwickeln wird. Gewalt sollte es nicht werden. Die herrschte jedoch in unserer Familie vor. Nein, Gewalt traue ich jenen künftigen Nachbar_innen, die wir kennen aus heutiger Sicht nicht zu. Und selbst wenn es solches geben sollte, könnten wir reagieren, uns wehren, für andere aufstehen. Die Zeit der Ohnmacht ist vorbei! Ich sehe die Gefahr der Gewalt in unmittelbarer Nachbarschaft in diesem Wohnprojekt wesentlich geringer als in anderen Wohnformen, wo Menschen in Miete in Häusern fast anonym nebeneinander wohnen.

Wichtig bleibt, kann ich ∑mich in der Gruppe wohl fühlen? Kann ich ∑mich in dieser Umgebung erholen? Finden WIR unseren Platz des Rückzugs? Können wir sein, wie wir sind? All diese Fragen sind für uns offen.

Und ja, wir haben auch große Angst, dass wir uns letztendlich dort nicht wohl fühlen werden, jedoch das Geld fehlt dort weg zu ziehen. DER Trigger unseres Lebens in Zusammenhang mit Wohnen. Haben wir jemals anders gewohnt, als in einer solchen Situation? Bislang nicht! Früher hatten wir jedoch keine Wahl. Im Grunde ist es das erste Mal, dass wir unsere Wohnung tatsächlich wählen können, ohne Zeitdruck und nach der kleinen Erbschaft auch mit einem für unsere Verhältnisse großem Budget. Eine Wahl zu haben, kann auch die Befürchtung Fehler zu machen erhöhen. Um diese Angst zu entkräften, bleibt nur die Frage: „Kann es schlechter werden, als es derzeit ist?“ Wir hoffen nicht, aber ist das zum jetzigen Zeitpunkt abzuschätzen? Es gibt nur eines, das uns an unserer derzeitigen Wohnung hält, das ist die Nähe des Waldes und der Natur. Allerdings zieht uns die Wohnung soviel Energie aus den Adern, dass für den Genuss der schönen Umgebung kaum Kraft übrig bleibt. Wie auch immer, wir müssen aus unserer derzeitigen Wohnung weg. Ob es die Baugruppe bleibt, in die wir hinziehen werden, haben wir noch nicht festgelegt und das müssen wir derzeit auch noch nicht.

Auch wenn das Leben mit offenen Entscheidungen immer wieder schwierig ist, so haben wir schon viele Fortschritte gemacht offenen Prozessen gelassener zu begegnen. Diese Baugruppe ist ein Prozess. Der nächste Lernschritt wir sein, uns früher zurück zu ziehen und uns Ruhe zu gönnen, bevor wir vor Überforderung ver- und an allem zweifeln!

Was uns ausmacht ist reflektiertes Verhalten. Es schenkt uns Kraft und zeigt uns den Weg auf, den wir weitergehen wollen. Uns DAFÜR Zeit und Raum zu nehmen, heißt für uns sorgen!!!

 

Leben mit DIS/DDNOS #21: der lange Weg geliebt zu werden

Liebe braucht einen langen Atem. Vermutlich braucht sie das immer. Wir haben so wenig Ahnung davon.

Unsere Erfahrungen mit Liebesbeziehungen sind ein halbes Leben her und eigentlich waren es niemals Liebesbeziehungen sondern sexuelle Übergriffe allesamt. Und es waren Männer in unserem Leben mit denen wir die Vergewaltigungen unserer Kindheit und Jugend wiederholten, immer und immer wieder, bis wir erkannten, dass wir so nicht weitermachen können und wollen. Geliebt hatten wir diese Männer nicht, mit denen wir zusammen waren. Denn jede sogenannte Liebesbeziehung begann mit einer Grenzüberschreitung, mit sexuellen Übergriffen, die uns eben bekannt waren und die wir mit Liebe verwechselten. Wir wussten einfach nicht, dass es erlaubt war derlei zurückzuweisen. Dass es sogar mehr als nur erlaubt war, sondern sogar notwendig, um die eigene Würde zu wahren oder, in unserem Fall, diese langsam zurück zu erobern.

Unsere Mutter meint bis heute, dass unser Erzeuger ∑mir doch bloß zeigen wollte, dass er uns liebt, wenn er uns gegen unseren Willen und gegen unseren Widerstand zu sich zog und uns zwang auf seinem Schoß zu sitzen mit 16, 17 Jahren und sogar bis zu unserem 25 Lebensjahr und ihn zu küssen. Dann brachen wir den Kontakt zu ihm ab. Das geschah vor den Augen ∑meiner Mutter. Die Vergewaltigungen, die dann in der Nacht folgten und doch schon in viel jüngeren Jahren begonnen hatten, sah sie nicht. Vielleicht stellte sie sich schlafend, als er das Bett neben ihr verließ und zu uns kam, ich weiß es nicht. Vielleicht schlief sie tatsächlich. Vielleicht war beides dabei?

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Mich in Beziehungen anpassen, auf Kosten meiner Selbst

Dieser Beitrag von Sophie geht uns sehr nahe, weil er so viel in uns trifft, das uns seit sehr vielen Jahren – vielleicht unser gesamtes Leben – beschäftigt oder auch zeitweise verdrängt wird. Die Frage, darf ich einfach nur sein, mit dem was da ist, ohne mich zu erklären, ohne entschuldigen zu müssen, dass ich so bin, wie ich bin, oder so zu tun, als wäre alles viel einfacher als es ist? Dieses mir/uns keine Bedürfnisse erlauben zu dürfen nur um nicht (wieder) alleine zu sein. Diese Verlustangst wenn ich Bedürfnisse wahrnehme und sie auch noch äußere ist dzt. sehr stark. Der Wunsch mit jemandem zu sein, ohne irgendeinen immaginierten Wunsch der/s anderen glauben erfüllen zu müssen. In folgendem Kommentar auf Sophies Blog habe ich auch etwas über unsere Hintergründe geschrieben:
https://tagebuchhierundjetzt.wordpress.com/2019/04/22/mich-in-beziehungen-anpassen-auf-kosten-meiner-selbst/#comment-2687
Hier der Kommentar:
„Liebe Sophie,
Du sprichst uns aus dem Herzen und beschreibst eine Situation, die wir so gut kennen. Wir sehen den Ursprung darin, dass wir als Kind keinerlei Bedürfnisse haben durften, dass schlicht genau niemand für uns da war, wenn es uns schlecht erging und wir Hilfe oder Trost oder Stütze gebraucht hätten. Um nicht zu sterben, war es dann besser uns anzupassen und weiter zu gehen, vor zu geben es wäre alles in Ordnung, bevor wir gestorben wären. Das war zumindest die Angst bei uns. Dass sich niemand sorgt, wenn es uns schlecht geht, bis ihnen irgendwann (vielleicht weil der Körper mittlerweile verwest? *Zynismus Off*) auffällt, dass wir tot sind. …. Dein Beitrag trifft so genau unsere Erfahrung. Dankeschön fürs teilen. (…)“

Vielen herzlichen Dank, liebe Sophie. Du hast in wenigen Worten zusammengefasst, was wir so oft fühlen.

Leben im Wandel

Ein riesen Thema bei mir!

Gerade mal einen Zipfel davon erwischt.


Wenn ich mich nicht mehr in der Lage fühle, etwas zu geben, nichts mehr zu geben habe, mich aber so verloren fühle, dass ich mich nach Halt sehne, dass jemand da ist. Einfach nur jemand da sein. Ich aber gar nicht mehr die Kraft habe, irgendetwas zu präsentieren, zu bieten, irgendwie zu sei.

Das ist schwierig zusammen. Dieses Loslassen. Einfach zu sein wie ich bin, auch wenn ich dann nicht für den anderen da sein kann, nicht mehr reden kann, nicht auf ihn reagieren kann.

Das habe ich noch nie zulassen können. Ich bin dann weiter über meine ich-kann-nicht-mehr-Grenzen gelatscht, habe funktioniert, geredet, zugehört, reagiert.

Ich müsste dann so in der Art etwas sagen, wie: Kannst du einfach nur da sein, dich mit dir selbst beschäftigen. Nicht so Erwartungen an ein Gespräch haben?

Da steckt sooo viel Angst vor…

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One billion rising 2019 in Wien

Jedes Jahr am 14. Februar – am Valentinstag finden seit 2012 weltweit Flashmobs gegen Gewalt an Frauen statt. Bereits vor einigen Jahren bin ich auf One billion rising aufmerksam geworden und ich finde die Idee mit tanzen gegen Gewalt aufzutreten nur wunderschön. Tanzen gibt so viel Kraft und Lebensfreude und genau daran mangelt es ja nach dem Erleben von sexueller Gewalt besonders.

Endlich hatte ich wieder Zeit und Kraft und bin zur Veranstaltung gefahren.

Bei einem kurzen Statement erzählte Aiko Kazuko Kurosaki, die seit nunmehr sieben Jahren die künstlerische Leitung und auch Gesamtkoordination von One Billion Rising in Wien innehat, dass ihr vor allem an Tanz gegen Gewalt an Frauen gefällt, dass betroffene Frauen wieder lernen können ihren Körper wahrzunehmen und zu bewegen. Die Kundgebung ermöglicht ein gesehen werden in der Öffentlichkeit auf eine positive Art. Dem kann ich nur zustimmen. In vielen Ländern ist Frauen tanzen im öffentlichen Raum überhaupt verboten. Der Tanz „break the chain“ tritt kraftvoll dagegen auf. Musik und Text schenken so viel Mut, Kraft und Glücksgefühle, dass ich mich frage, weshalb ich nicht jedes Jahr dort bin. Immer wenn ich dort bin (es war erst das zweite Mal), denke ich dass ich mich dort gerne engagieren würde. Mithelfen, dass OBR weiter bestehen kann.

Derart wichtiges Engagement zu unterstützen, das den von Gewalt betroffenen Frauen Kraft und Mut schenkt und wichtige Aufklärungs- bzw. Öffentlichkeitsarbeit macht ist unserer Regierung nicht wichtig. OBR wurden für 2019 sämtliche Fördergelder seitens des Bundes gestrichen. Ebenso wurde die langjährig positive Zusammenarbeit von Polizei und Frauenschutzorganisationen im NGO Bereich derzeit ersatzlos beendet. Ein neues Konzept wurde von der Regierung versprochen. Die Helferinnen, die langjährige Erfahrung haben, welche Hilfe von Gewalt betroffene Frauen dringend benötigen, haben keinerlei Zusage, dass sie dabei eingebunden werden.

Obwohl die Anzahl der Frauenmorde hierzulande in diesem noch sehr kurzen Jahr wirklich nur noch erschreckend ist, ist unserer Regierung scheinbar der Schutz der Frauen nicht so wichtig. Wichtiger ist es, den Strafrahmen für Täter zu erhöhen mit dem Wissen, dass selbst der bereits aktuell bestehende Strafrahmen nicht ausgeschöpft wird, da die wenigsten Gewalttäter verurteilt werden. Und ohne die Frauen zu unterstützen, die Gewalt erlitten, werden sie auch nicht angezeigt werden. Dieses frauenfeindliche Verhalten und die Doppelmoral bei Gewalt gegen Frauen unserer Regierung regt mich enorm auf.

Hier gute Artikel dazu:

https://derstandard.at/2000097907691/Aktionstag-gegen-Gewalt-an-Frauen-Kritik-an-Regierungsplaenen

https://kurier.at/leben/wieso-maenner-angst-vor-psychologischer-beratung-haben/400385240

Zurück zu dieser wunderbaren Kundgebung am 14.2. Vor dem Tanz gab es eine künstlerische Intervention, bei der Gewalt an Frauen und deren Folgen durch blutrot bemalte Frauenschuhe und Tänzerinnen dargestellt wurde. (siehe die wenigen Fotos oben, die ich machte.) Leider kann ich mein Video nicht hochladen, darum habe ich auf You Tube einige schöne Videos vom Tanz „break the chain“ herausgesucht.

Es gibt noch unzählige andere und alle sind auf ihre Art wunderschön und kraftvoll. Einfach „One billion rising“ im Suchfeld eingeben.

Hier ein Flashmob in San Francisco, der mich aufgrund der Menschenmenge begeistert. So könnte es auch in Wien und anderen europäischen Städten aussehen. Leider waren wir viel zu wenige bei der Kundgebung.

Hier der wunderschöne Text:

Eine deutsche Version von „break the chain“:

 

One billion Rising Österreich:

https://1billionrising.at/rising-vienna/rising-2019/

(hier findet sich auch die Möglichkeit zu spenden, um diese heilsamen Veranstaltungen weiterhin durchführen zu können! – Wem immer es möglich ist. – Danke!)

https://www.facebook.com/OneBillionRisingAustria/

https://www.youtube.com/channel/UCRPktp6uSpvwzf_9gE6M4Gg/featured

Keine Fotobeschreibung verfügbar.

 

 

Ein Abschied mit Schmerzen

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Letzte Woche kam es zu einem Eklat. Ja, es stimmt, ich wollte einen Blog bereits länger nicht mehr wirklich lesen. Ja, vielleicht bin ich ein ekelhafter, falscher Mensch. Belüge alle, spiele Dinge vor. Vielleicht ist mein freundlich sein nur aufgesetzt. Ich sehe es nicht so. Ich bemühe mich Menschen nicht zu verletzen. Aber es geht nicht niemals verletzend zu sein, auch wenn es ungewollt ist. Ich bin eben auch ein Mensch und nicht perfekt.

Ich hatte einfach tatsächlich solche Angst vor dieser Frau, die den Blog schreibt, weil ihre immer wieder so derbe Sprache bei uns soviel triggert. Und diese Angst war uns nicht bewusst. Erst seit diesem Vorkommnis, erkennen wir langsam den Hintergrund. Unser Vater, der uns enorm viel (sexualisierte und andere) Gewalt antat, hatte eine solche Sprache. Ja, es tut uns nicht gut, dies zu lesen. Ich verstehe es nicht, weshalb jemand so über Menschen schreiben oder sprechen muss. Ich verstehe auch nicht, weshalb sie so über sich selbst schreibt. Immer wieder sich selbst abwertend und verstärkend, was ihr andere immer und immer gewaltsam antaten.

Aber sie tut es und es tut uns weh, es zu lesen. Vor allem, weil sie es so möchte. Weil es ihr offenbar hilft, so zu schreiben. Viele Kommentare und auch immer wieder Debatten hatten wir in den vergangenen fast 3 Jahren dazu geführt. Sie ist so. Dabei kann sie sehr zärtlich sein. Sie kann kluge, liebevolle zarte Beiträge schreiben, die ans Herz gehen. Sie schreibt intelligente, feinfühlige Kommentare. Es irritiert uns. Es beutelt uns hin und her. Was ist gemeint? Ich jedenfalls hätte ihr schon lange nicht mehr folgen sollen. Vielleicht hätten wir ihr von Anbeginn nicht folgen sollen? Dieses hin und her gerissen werden ….. Es gibt einfach Menschen, die kann ich nicht verstehen, selbst wenn ich mich bemühe. Da ist auch dieses Gefühl es nicht richtig machen zu können. Das ließ uns nicht gehen. Es ist wie ein Rätsel, das ich glaube lösen zu müssen und nicht aufgebe, bis ich es geschafft habe. So sind wir. Oder ist es ein Versuch, die Ohnmacht zu ignorieren, wenn ich mir nicht eingestehe an einer Aufgabe zu scheitern, die ich mir stelle? Ist es Überheblichkeit zu glauben, dass ich verstehen könnte, wenn ich mich nur bemühe? Das war das Motto unserer Kindheit. War es in diesem Fall nur eine Erinnerung an die Ohnmacht unserer Kindheit; die uns diesem Blog folgen ließ? Im Grunde wissen wir bis heute nicht, wie wir in der Kindheit etwas richtig machen hätten können? War es schlicht ein ewiges Flashback diesen Blog zu lesen? Oder bloß ein Trigger? Unsere Therapeutin meint oft, dass es nicht nötig ist, alles zu verstehen, was andere Menschen bewegt. Wir versuchen das zu lernen, aber irgendwie ist es in uns, verstehen zu wollen. Das gibt uns Sicherheit.

Als wir damals ihrem Blog folgten, hatte uns ihre Herkunft, ihr Lebensweg interessiert. Und wir hatten relativ zeitgleich mit dem Bloggen begonnen. Sodass, es noch wenige Follower für mich gab und noch wenige Blogs, die ich las. Es interessierte uns also der Zusammenhang zwischen sexualisierter Gewalt an Kindern und Prostitution. Da habe ich mich wieder gefunden, in den ganz frühen Erfahrungen, als wir als Kleinkind verkauft wurden. Diese sexualisierte Gewalt, die wollten wir vielleicht verstehen dadurch. Das Milieu verstehen, verstehen, warum sich Menschen andere Menschen kaufen um sexuelle (?) Befriedigung zu erlangen. Oder was es bedeutet, dass es Männer gibt, die sich andere Menschen kaufen um über sexuelle Handlungen ihr Minderwertigkeitsgefühl und ihre eigene Ohnmacht zu vergessen, indem sie sich anderer ausgelieferter mehrheitlich Frauen und Kinder als Sexsklaven bedienen.

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Alarmierend: Zu wenig Frauenrechtswissen bei Jugendlichen

Gerade weil sich bei mir so enorm viel tut, kommen wir nicht zum berichten. Die Verlassenschaft nach meiner Großtante fordert viel Kraft und schenkt zugleich viele Erkenntnisse.

Ich freue mich darauf Zeit zu haben darüber schreiben zu können.

Inzwischen habe ich eine arlamierende E-Mail der NGO SOS-Mitmensch erhalten. Beim Wissen um Frauenrechte und deren Übertretung und wo Mädchen und Frauen Hilfe bekommen im Anlassfall besteht großer Verbesserungsbedarf!

https://www.sosmitmensch.at/action/mlr/pv?&idx=453078&cid=142&uid=56761&sid=1&cks=e69485be