Sein dürfen #3: Wer bin ich(wir)?

Nachdem wir oder ich als Gesamtes dieses Portrait der Schriftstellerin Marjana Gaponenko* gesehen haben, kroch von ganz unten eine Wahrheit über uns hervor:

„Mein Leben ist nichts anderes, als zu versuchen normal zu werden, ohne wirklich zu wissen, wie das sein soll!“

Vielleicht sollten wir darauf verzichten dies anzustreben?

* https://tvthek.orf.at/profile/kulturMontag/1303/kulturMontag/14045695/Marjana-Gaponenko-Die-Zauberin-von-Oz/14666932

Geteilt: Die größte Heilung

An dieser Geschichte, die Pollys veröffentlicht hat, gefällt mir gar nicht so sehr der Aspekt der Verzeihung, den sie hervorhebt.

Was uns besonders begeistert ist die Tatsache, dass mit dieser Form der „Bestrafung“ Gewalt und Aggression die Grundlage entzogen wird. So wird es unmöglich mit destruktiven Methoden die Gesellschaft zu sehr zu erschüttern und zu zerstören.

Statt Aggression und Gewalt zu verstärken wird so das Gute, das ebenso in allen schlummert, betont. …… Ein Weg, der überall Beachtung finden sollte.

Liebe statt „law and order“ Politik. Wunderbar!

https://wp.me/paOM6I-sS

Abschied nehmen!

Seit gestern ist er vermehrt an unserer Seite.

Gerade als beim meditieren diese Depression hochstieg und Innenwesen mit Tränen in den Augen riefen: ”Ich will nicht nach Wien!” und durch nichts zu beruhigen waren, kam er, einer der beiden Kater des Hauses. Er half beim zur Ruhe kommen und spendet Trost. Auch jetzt liegt er in unserer Nähe.

Oft fühlen wir uns in dieser Stadt gefangen, die seit einigen Jahren bereits die Auszeichnung trägt, die lebenswerteste Stadt der Welt zu sein. Oh ja, sie ist schön. Zum Teil ein Freilichtmuseum, umrahmt von Natur. Aber sie trägt eine ansteckende Negativität im Herzen, die deren Bewohner*innen heimsucht. Der Wiener Grant war uns sogar als geborene Wienerin stets zuwider. Wir können und wollen im Jammern nichts Charmantes erkennen.

Aber wir können nicht weg. Nur in dieser Stadt, die uns in ihren Krallen festhält können wir uns eine Wohnung leisten. Oft und oft haben wir es durchgerechnet. Ohne soziale Zuschüsse gibt’s keine Wohnung für uns und dafür müssen wir einige Jahre ohne staatliche Unterstützung an einem Ort in Österreich leben, wenn wir aus Wien fortziehen wollten. Unmöglich! Es ist die Kleinteiligkeit dieses kleinen Staates, der bis ins Letzte in politische Zuständigkeiten unterteilt ist mit eigenen Gesetzen. Das hat einige Vor- und viele Nachteile. Dennoch bin ich dankbar, dass Wien politisch anders tickt, als weite Teile des Landes. …… „Jeder noch so schöne Ort ändert sich, wenn du dort lebst.“, wirft eine innen in die Debatte ein.

Stimmt! Ob ich hier leben wollte, wo ich meine Sommer verbringe? Wohl eher nicht. Das Wesen der Einwohner ist auch hier oft schwierig.

Wien hat viele Vorteile. Von der Kultur über die Anonymität der Großstadt und die grüne Lunge den Wienerwald, ist diese Stadt tatsächlich lebenswert. Vielleicht, so hoffen wir, wird es besser – vor allem ruhiger – in der neuen Wohnung, die am anderen Ende der Stadt liegt. Dort, wo wir kaum Kindheitserinnerungen haben, das könnte Trigger minimieren — hoffentlich! Fast eine uns fremde Stadt in der großen Metropole, die eigentlich zu klein scheint für eine solche Bezeichnung.

Wenn die Wohnung endlich gebaut würde und wir dann eingezogen sind, dann ….. Dann nehme ich mir eine Katze oder einen Kater, die uns trösten, so hoffen wir, wenn es zuviel wird rundherum. 🐱

Schreiben bedeutet ….

Gedanken zum Schreiben an meiner/unserer Autobiographie:

„Schreiben bedeutet Transformation meiner/unserer Vergangenheit in eine Form, die für uns erträglich ist und mit der wir leben können.“ Benita Wiese

Ein Mann hat eine Erfahrung gemacht, jetzt sucht er eine Geschichte dazu — man kann nicht leben mit einer Erfahrung, die ohne Geschichte bleibt, scheint es, und manchmal stellte ich mir vor, ein anderer habe genau die Geschichte meiner Erfahrung. ….

Max Frisch: „Mein Name sei Gantenbein“, S 897

Sie verhalten sich nicht zur Gegenwart, sondern zu einer Erinnerung. Das ist es. Sie meinen die Zukunft schon zu kennen durch Ihre Erfahrung. Drum wird es jedesmal dieselbe Geschichte.

Max Frisch: „Biographie“, S 639

Leben mit DIS #10: „Warum immer so schüchtern?!“

Mit einer Tonlage zwischen Anklage und Ermunterung stellte der 88jährige Vater einer Freundin uns heute diese Frage.

Seit ungefähr 10 Jahren verbringen wir im Sommer mehrere Tage bis Wochen im Haus von C. Davor war es das Haus von O., der es bereits zu Lebzeiten an seine Tochter weitergab, so wie auch er es geerbt hatte. Es ist ein großes Haus. Sowohl O. mit seiner Frau als auch C. und deren Familie lebten hier. Nun sind C.’s Kinder ausgezogen. Neben den Haushalten der Eltern und der Tochter gibt es noch eine Gästewohnung, in der ich im Sommer unentgeltlich der Stadt mit Hitze und Lärm entfliehen darf.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen die es sich leisten können so großzügig agieren. Viele erkennen den eigenen Wohlstand nicht. So bin ich dankbar hier sein zu dürfen. Nachdem ich das gratis Haus sitten beendet habe, mach ich heuer einfach nur Urlaub.

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