Die Schwimmerin

Meditieren hat nicht nur Vorteile. Das könnte ich denken, wenn ich meinen momentanen Schmerz ansehe.

Dein Schmerz ….. ha, ha, du fühlst es doch eh nur mit, abgeschwächt, wenn überhaupt!

Ja, ich Erzählerinstimme. Wer bin ich denn?

Gestern waren wir das erste Mal in diesem Sommer im Schwimmbad. Es ist mein Lieblingsbad. Jugendstilambiente mit wunderschönem Ausblick. Und danach waren wir sehr müde, ja fast erschöpft, wie immer. Da es ein Thermalbad mit hohem Schwefelgehalt ist, ist auch dies für den Körper anstrengend, dachte ich immer.

Dennoch war an Schlafen nicht zu denken. Wir schauten fern. Noch dazu einen Film, wo es um eine Vergewaltigung und daraus folgende Schwangerschaft ging. …. Keine gute Idee, gar keine gute Idee!? Oder doch? Denn im Grunde war der Boden schon durch das Schwimmen aufbereitet. Jedes Jahr dieselbe Situation. Der Körper schwimmt. Es tut so sehr gut und  wir tun es sehr gerne. Wir kommen zurück und der Tag danach ist eine Katastrophe.

Nun beim Meditieren hatten wir klar gespürt, dass wir nicht wissen, wer diese Person ist, die da schwimmt. Ich kann mich an den gesamten Tag erinnern. An umgängliche Gespräche im Schwimmbad. Eine leutselige Person, die etwas angeberisch ist. Sie weiß, dass sie viel besser schwimmt als die meisten Badegäste.

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Leben mit DIS/DDNOS #19: Meine verdrehte Welt

Situation 1: Aufgrund einer Verlassenschaft habe ich derzeit vermehrten Kontakt zu meiner Mutter. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil je selbstverständlicher ich für sie erreichbar bin, desto eher behandelt sie mich wie früher. Das bedeutet ich muss bei jedem Treffen darum kämpfen, dass sie respektvoll mit mir umgeht. Sonst behandelt sie mich wie ein Ding, ihr Eigentum mit dem sie machen kann, was sie will. Ihre Antwort zu ihrem Lebensgefährten, der meinte: „Wie sprichst du denn mit „Benita“?“: „Ich darf mit ihr reden, wie ich will, das ist meine Tochter!“ Ja, ich kann mich heute dagegen wehren und habe es getan! Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Zusätzlich ist sie nämlich mittlerweile wieder dazu übergegangen mir bei jedem Telefonat oder Aufeinandertreffen zu erklären, welch wunderbarer Mensch mein verstorbener Vater war, der mich meine gesamte Kindheit bereits als Baby beginnend vergewaltigte, verkaufte für sexuelle Dienstleistungen und die gesamte Familie quälte mit seinem Sadismus und Jähzorn. Als ich ihr zuletzt sagte, sie solle damit aufhören, weil ich ihre Worte nicht so stehen lassen kann und wir dann nur streiten können, meinte sie: „Zu mir war er ja immer gut!“

Ich brauchte mehrere Tage und eine weitere Lobeshymne über ihn, die sie am Telefon sang, um zu erkennen, welch große Mutterliebe es bedeutet, wenn der Vater meine Kinder misshandelt und ihnen Gewalt antut, zu sagen, dass er zu mir als Mutter „immer gut war!“ Mir graut, wie wenig Liebe unsere Mutter für meinen Bruder und mich jemals hatte und bis heute hat.

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Leben mit DIS/DDNOS #18: Der Unterschied

Es gibt sie die Möglichkeit zu fühlen, dass da niemals Liebe war in meinem Leben. Also von Menschen. Ich wurde geschätzt, gemocht, von meinem Bruder (vielleicht auch von anderen?) ob meiner Fähigkeiten beneidet. Mein Bruder beneidet mich jedoch vor allem dafür, dass ich mich von den Eltern denen er hörig war und ist trennen konnte. Das war stets ∑mein Überlebenstrieb, ∑mein Wunsch zu leben. Ich tat was Not-wendig war, um zu leben statt zu vegetieren.

Das ist es, was uns immer wieder antreibt. Jetzt hat es uns offenbar zu dieser Meditation geführt, von der wir zuletzt berichteten.

Es geht momentan um das meditieren zum Thema Liebe. Den Unterschied, wenn ich mir bewusst mache, dass da keine Liebe war in meiner Kindheit und auch in meinem Leben als Erwachsene. Wenn ich mir das bewusst mache, tut es weh. Es tut so sehr weh, dass ich um dem Schmerz zu entgehen wütend werde. Ich benenne alle Schuldigen, die ich für meinen Schmerz verantwortlich mache. Ich hadere, vielleicht zurecht, aber was bringt es mir? Finde ich dadurch Liebe? Kann ich mich so lieben lernen? Eher nein! Ich tue mir leid, dass all dies so gekommen ist. Und weil meine Kindheit und Jugend so schrecklich war — und es war schrecklich ohne jeden Zweifel!!! — ist auch klar, dass ich heute keine Liebe in meinem Leben habe. Fazit: Ich tue mir leid und finde mich ab!!????

Und das habe ich lange getan. Ich dachte, dass ∑ich ja ohnedies nichts zu bieten habe für eine Liebe. Ich habe den überwältigenden Schmerz verdrängt und weg gelächelt. Als uns eine liebe Freundin vor einem Jahr fragte, wie ich denn ohne Beziehung, ohne Liebe leben könne, brach mir die Stimme. Ich winkte mit den Händen ab und antwortete nur: „anderes Thema, bitte!“ Das bedeutet, ich lebe damit. Nicht gut, sogar eher sehr schlecht, aber ich habe keine Wahl – dachte ich!

Jetzt meditiere ∑ich also seit einigen Tagen mit dem Fokus auf die Liebe in meinem Leben. Ich soll mir in dieser Meditation ja vorstellen, dass ich ein glückliches Leben führe und ich habe niemals gerne alleine gelebt. Dafür tue ich es bereits seit 27 Jahren. Es war die Entscheidung, besser alleine zu leben, als weiter Gewalt zu erfahren. Ich musste erst meine Erfahrungen ansehen, wollte nicht weiterhin in Beziehungen eine Fortsetzung unserer Kindheit/Jugend erleiden.

Ein glückliches Leben imaginieren bedeutet für mich in aller erster Linie geliebt zu sein. Was auch immer ich tue: Buch, Engagement, alles was ich mir an Tätigkeiten erträume, liegt Lichtjahre hinter diesem Wunsch.

Also üben wir uns in der Vorstellung geliebt zu sein. Täglich. Und wir fühlen den tiefsten Schmerz, ohne ihm zu entfliehen. Weil es in dieser Meditation keinen Ausweg des Zornes gibt UND DAS IST WUNDERVOLL! Also sehe ich diese geschundene Seele, spüre meine Übelkeit und das Würgen und begleite mich im Prozess mich selbst lieben zu lernen und eine Liebe in meinem Leben visualisieren zu wagen.

Was habe ich (mir) zu bieten? Vieles! ∑Ich bin es wert geliebt zu sein. Amen! (Ist nicht ironisch gemeint, seht es als Gebet?!)

Tröstliche Tränen

und ∑meine unterschiedlichen Methoden zur Heilung.

Von ganz tief unten formen sich Tränen und rollen leise und sanft die Wangen hinunter. Unaufdringlich und zärtlich tröstend streicheln sie die zarte Haut im Gesicht. Sie sind Zeichen von Schmerz und Trost zugleich. Trost, weil wir sehen dürfen, weil wir fühlen dürfen, was ganz tief begraben ist, was nur seltenst gefühlt werden darf und kann. Zuletzt und als bislang einziger schaffte es der geliebte verstorbene Kater uns dieses Gefühl zu schenken. Geliebt werden, einfach so.

Seit einer Woche meditieren wir täglich 23 Min. Davor hatten wir die Meditation vielleicht zweimal wöchentlich gemacht. Es ist eine geführte Meditation bei der es gilt den Fokus auf die Zukunft zu richten, zu imaginieren, wie es sein könnte.(*)  Mir vorzustellen, was ich mir wünsche. Anfangs war es einfach und erleichternd. Jetzt scheinen wir in tiefere Schichten vorzudringen. Die Wünsche verändern sich. Zumeist ist Heilung der Wunsch. Heute war es geliebt zu werden. Und es war anfangs nicht möglich mir dieses Gefühl vorzustellen. Da war nur diese Leere. Ein Nichts. Bis wir Timmis Liebe (der Kater) als einzigen Bezugspunkt fanden. Als Erinnerung geliebt worden zu sein. So ein Glück!

Obwohl das Einfühlen nun intensiver zu werden scheint, fühle ich mich sehr wohl mit dieser Meditation und wenn ich sie nur einen Tag aussetze, fehlt mir etwas.

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Das Dilemma und mein Weg hinaus

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Fotoausstellung Baden bei Wien

Oder: Darf es mir/uns gut gehen und was bedeutet „gut gehen“ für uns?

Seit das Trampolin Einzug in mein Leben gehalten hat, hat sich so vieles verändert. Das ist langsam nicht mehr neu und dennoch wundere ich mich jeden einzelnen Tag, wenn ich erwache und nicht mehr von dieser Schwermut geplagt bin, die mir noch vor drei Monaten täglich „Wozu lebe ich überhaupt?!“ in mein Gehirn schrie kaum dass ich die Augen öffnete. Stattdessen zu erwachen und zu denken: „Mein Leben ist in Ordnung!“ oder „Es ist gut!“ mit einem zarten Lächeln im Gesicht, ist eine Freiheit, die uns dennoch überlegen lässt.

So von einen Tag auf den anderen, ein neues Leben? Aber ist es ein neues Leben? Natürlich nicht! Darf es uns denn gut gehen? Das war stets die Frage unseres Lebens. Und so arbeiten wir uns auch hier am Blog an dieser plötzlich neuen Wahrnehmung ab. Bereits die letzten Beiträge handelten von nichts anderem.

Plötzlich geänderte Wahrnehmungen bei Leuten mit DIS/DDNOS sind auch mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja gar nichts anders und nur eine andere Person heraußen, die den Alltag übernommen hat? Das kann auch mehrere Monate andauern, dass sich eine Person oder mehrere in den Vordergrund kämpft bzw. kämpfen und genau dort bleiben. Die dunklen Monate von Mitte Oktober bis Mitte Jänner war das über viele, viele Jahre so bei uns.

Nein, so fühlt es sich nicht an. Es fühlt sich ganzer an, kompletter. Das Wohlfühlen scheint vielleicht nicht alle, aber doch viele zu betreffen.

Eine weitere Änderung in meinem Alltag ergibt das Lesen anderer Blogs von jenen, die Gewalt erlebten. Jene Blogs zu lesen erzeugte in mir immer wieder das Gefühl verstanden zu werden. Ein Empfinden von Verbundenheit. Ich fand mich vor allem dort wieder, wenn es darum ging mit schwierigen Gefühlslagen zurande zu kommen. Seit einiger Zeit ist das anders. Es fällt uns schwer, diese Blogs zu lesen. Es ist nicht so, dass wir plötzlich keinerlei Zugang mehr zu den Emotionen und Seelenzuständen hätten, vielmehr haben sie nur als Erinnerung mit uns zu tun. Ob das auf ein anderes Innenwesen in der Außenwelt spricht, oder „bloß“ auf mehr Distanz zu anderen Personen, was ein großer Heilungsschritt wäre? Ein mich nicht mehr auflösen in den Geschichten der anderen, sondern meine eigenen Grenzen wahren. Die ersten Gedanken beim lesen eines anderen Blogs mit dieser veränderten Wahrnehmung waren: „Ja, das ist alles ganz schrecklich, aber es ist nicht meine Geschichte. Es muss MIR nicht schlecht gehen deswegen!“ Früher war es so, dass Mitgefühl mit anderen für uns vor allem Mit-LEID hieß, was uns nicht bewusst war. Wir litten tatsächlich mit vielen schmerzhaften Blogartikeln mit und es gab uns eine Existenzberechtigung!

Als Kind war ich verantwortlich für das Wohlbefinden der gesamten Familie. Meine Mutter und mein Bruder waren zu ängstlich, sich gegen den sadistischen Vater zur Wehr zu setzen. Diese beiden galt es zu trösten und stärken, damit sie sich nicht schwach fühlten mit ihrem Unvermögen, obwohl sie es waren.

Und den Vater hatte ich auf vielfältigste Weise zufrieden zu stellen. Ich hatte ihm zu dienen, als Sklavin im Haushalt, als Sexsklavin, als intellektuelle Gesprächspartnerin (das war wohl das woraus ich tatsächlich auch profitierte), die jedoch niemals widersprechen durfte und ihn bloß stellen, auch wenn er Unsinn sprach. Letztendlich hatte ich bei allen dreien die Aufgabe ihre Probleme anzuhören und ihnen Mut zu zusprechen.

Wir haben nun den Verdacht, dass uns jenes Muster Probleme anzuhören und Mut zu zusprechen das Gefühl der Geborgenheit vermittelte beim Lesen schlimmer Erfahrungen auf anderen Blogs. Das Gefühl des wiedererkennen, des dazu gehören. Es war ein Gefühl von früher. Das Dilemma und mein Weg hinaus weiterlesen

Sein dürfen #1b: Auf dem Podest!

Folgenden Beitrag haben wir am selben Tag wie den zuletzt veröffentlichten geschrieben. Er ist also über einen Monat alt. Dann kam der Stress mit DSGVO und anderer und wir hatten keine Kraft und Worte übrig. Der Blog ist angepasst und das erleichtert.

Manches in diesem Beitrag beschriebene ist bereits mit meiner Therapeutin besprochen. Dennoch erachte ich den Text noch für interessant. Schäme mich zwar für manche Stellen, stehe aber dazu.

Ein wunderschönes Wochenende euch allen. Das Chaos um die DSGVO hat mir die Gemeinschaft der Blogger_innen noch näher gebracht. Ihr seid wunderbar. 😃❤️🌞🍀 Wie schön, dass es euch gibt. 💖🌻


Zitternd ging ich zur Psychotherapie. Ich erinnere nicht, ob ich schon einmal solche Angst davor hatte hinzugehen. Die Furcht begann erst als ich aus der Straßenbahn ausgestiegen war und die Straße zur Therapeutin entlang ging. Wir wollten nicht hin. Wir fürchteten, dass sie uns unser Erfolgserlebnis, unser Glücksgefühl wegnimmt.

Ich glaube wir haben meist Angst vor Therapie. Traumatherapie ist alles andere als angenehm. Sie tut weh, immer wieder und wer will das schon. Allein die Tatsache, dass sich mit den Jahren doch sehr vieles zum besseren geändert hat, gibt uns die Kraft es auf uns zu nehmen. Auch das Gefühl dieses Leben alleine (noch) nicht zu schaffen und was meine aktuelle langjährige Therapeutin betrifft auch die Tatsache, dass sie die beste Begleitung ist, die wir bislang hatten, wenn ich auch aufzählen könnte, was mir nicht passt. Das tue ich nicht gerne, schließlich liest sie mit (auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin – herzlichen Dank dafür!) und ich könnte ja eine andere Hilfe suchen, wenn ich unzufrieden wäre. Wenn ich die Hoffnung – oder sollte ich Phantasie schreiben ? – auf wirklich perfekte Therapie, die mich flugs heilt, am besten ohne Heilungsschmerz nicht bereits verworfen hätte. …. Da ist dieser unbändige Wunsch, dass irgendjemand das alles doch gut machen kann. Ganz gut, so als hätte ich eine andere Lebensgeschichte. Wann ich akzeptieren kann, dass mein Leben eben so ist, wie es ist? Es ist so schwierig anzunehmen!

Zudem habe ich zu viele Erfahrungen mit Therapien gemacht, die viel mehr schadeten als halfen. Diese hilft, auch wenn es mich immer wieder anwidert, wie mühsam es ist und wie lange es dauert, und, und, und.

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Sein dürfen #1a: Die Angst überwinden

und wie der „Zufall“ dabei mitunter hilft!

Was für eine Zeit, im positivsten Sinne — letztendlich! Soviel Angst und soviel Überwindung eben dieser. Und es ist mir passiert, sie zu überwinden. Bewusst wäre ich viel lieber davon gelaufen.

Zuerst war der Termin mit der Reperatur meiner Heizung zu überstehen. Das war die leichteste Übung, obwohl ich sie seit Monaten vor mir her schob, weil ich solche Angst hatte. Angst nicht bloß vor dem Handwerker der in meine Wohnung kommt, sondern auch davor, was alles kaputt sein könnte.  Die schlimmsten Horrorszenarien malten wir uns aus. Waren überzeugt, dass die Leitung etwas hat und wir den großen Kasten irgendwie von der Wand weg bekommen,  abbauben müssen. Letztendlich war es eine Kleinigkeit und der nette Handwerker war binnen 15 Minuten wieder aus der Wohnung draußen.

Die Heizugsreparatur geschafft zu haben trotz starker Belastung, die uns ein Treffen der Baugruppe nur drei Tage davor bescherte, war ein Grund zu großer Freude.

Wir trafen einige Leute der Baugruppe auf der Baustelle um zu sehen wie die Arbeiten voran gehen. Es war einer der ersten wärmeren Tage. Vielleicht lag es daran, dass viele meinten mich umarmen zu müssen.

Wir fühlten es bereits und sahen auch, dass einige Männer von unserer Gruppe anwesend waren. Ein Innenwesen meinte noch erschrocken: „So viele Männer!“ Noch bevor es gelang manche in Sicherheit zu bringen, passierte bereits ein Umarmungs-Marathon, gegen den wir keinerlei Chance hatten uns zu wehren. Umarmungen oder Berührungen von Männern sind enorm schwierig bis unerträglich für uns. Das geht nur langsam mit Vorwarnung und viel Achtsamkeit. Und es sollte bereits ein Vertrauensverhältnis bestehen. Sonst kann ich sehr gut darauf verzichten. Schon die Situation, dass sich ein zumeist wesentlich größerer Mann zu mir herunter beugt lässt einen Film von Gewalterinnerungen ablaufen, der einen Fluchtinstinkt auslöst. Leider bedeutet Flucht bei uns in den meisten Fällen dissoziieren, selbst wenn ein zurückweichen leicht möglich wäre. Bei diesen Umarmungen hätte uns wahrscheinlich sogar ein bloßes zurück zucken vor dieser unerträglichen Situation gerettet. Das konnten wir nicht. Wir haben keinen Impuls für angebrachte Reaktionen, wenn etwas triggert. In unserer Kindheit war Dissoziieren angebracht um die Gewalt zu minimieren. Heute erschwert es die Lage.

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Beziehungen ohne Gewalt: Ein schwieriger Lernprozess

Die Quelle des Bildes ist unbekannt. Bei rechtlichen Ansprüchen bitte um E-Mail und es wird sofort gelöscht!


Ich muss ordnen, was in meinem Inneren tobt. *switch*, das Gefühl spaltet sich ab, sobald ich es ausdrücken versuche. Das Innenwesen versteckt sich? Betrifft es nicht uns alle? Wurde jemand getriggert?

Seit mehreren Tagen folgt ein Trigger auf den anderen. Vielleicht hätten wir mehrere Beiträge von anderen nicht lesen dürfen. Es ging auf mehreren unterschiedlichen Blogs um Beziehungen, Familie und die Frage ob Menschen die komplex traumatisiert sind Kinder haben sollten. Es waren schwierige Gedanken oder glückliche Darstellungen harmonischer Situationen. Beides triggerte gleichermaßen.

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sexuelle Konditionierung

Am Wochenende hatte ich nach fast einem Jahr wieder Besuch von meinem lieben Neffen. Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag. Groß ist er und im Auftreten schon so erwachsen, obwohl er gerade erst dreizehn geworden ist.

Getrübt wurde der schöne Tag nur durch seinen Vater. Als er sich von seiner Frau trennte, hatte ich meinem Bruder gesagt, dass ich schon sehe, dass sie nicht zusammen passen und dass ich zu ihm stehe, auch wenn die Art wie er sich getrennt hatte nicht in Ordnung war. Und ich fügte an, sobald du jedoch deinen Sohn verletzt will ich nichts mit dir zu tun haben. Tatsache ist, dass er offenbar nicht anders kann, als andere Leute immer wieder zu verletzen. Sein Kind im Besonderen. Ich merke, dass ich meinen Bruder zu hassen beginne. Das ist unfassbar traurig. Er verweigert jegliche Therapie, will nichts von der Gewalt wissen, die auch er erlebte, weil es ihn ängstigt hinzusehen. Stattdessen wird er immer mehr wie unser Vater, lebt seine seelische Verkümmerung aus und kultiviert sie noch, damit ja nichts mehr weh tut. Das Kranke wird für gesund erklärt durch ihn. Die anderen sind falsch. Das ist immer der einfache Weg. sexuelle Konditionierung weiterlesen

Worauf mich Kommentare bringen

Ergänzung zu Leben mit DIS #14

Weiß nicht, ob diese Erinnerung vielleicht triggern könnte. Bitte passt auf euch auf, falls ihr lesen wollt!

Die lieben Rückmeldungen zum letzten Beitrag und Bemühungen mir mit eigenen Tipps und Tricks zum Schlafen weiterzuhelfen hatten Folgen.

Ich denke positive Folgen.

Wir hatten das Schlafproblem immer mit den Vergewaltigungen in Zusammenhang gebracht, die erst ab dem 14. Lebensjahr bewusst einordenbar waren.

Erst ab diesem Zeitpunkt war es uns möglich eine Gegenstrategie zu entwickeln, wie in der Nacht wach bleiben und abwarten, bis Papa eingeschlafen ist. So tief eingeschlafen, dass die Wahrscheinlichkeit dass er noch zu uns kommt geringer ist.

Damals haben wir öfter dick angezogen geschlafen. Einerseits, weil wir immer knapp am Nervenzusammenbruch lebten und daher permanent froren, obwohl wir unser Bett direkt neben dem Heizkörper stehen hatten und unser Vater die Wohnung tagsüber im Winter auf 28 °C heizte. Anderseits aber auch, weil wir uns sicherer fühlten, so eingehüllt.

Natürlich ist all dies auch nicht dazu angetan in einen friedlichen Schlaf zu sinken, aber zuvor kam eine Erinnerung an ein viel früheres Ereignis. Ein Ereignis zu dem ich bislang nur über einen Traum, den ich evtl. schon einmal erwähnte Zugang fand.

Ich hatte mein gesamtes Leben bis ich Traumatherapie begann, also ungefähr 35 Jahre einen Alptraum, der sich als Erinnerung entpuppte. Denn erst als ich ihn als das wahrnahm, verschwand er.

Der Traum war, dass Hände durch die Wand kommen und mich würgen. Länger brauchte die Erinnerung nicht sein. Als ich mir bewusst machte, dass uns unser Vater als Baby im Gitterbett liegend gewürgt haben muss, wofür es auch Beweise in meinem Bewusstsein gab, die ich nur wie Puzzlesteine zusammenfügen musste, waren Reaktionen meiner Eltern plötzlich verständlich, die darauf abzielten, dieses Ereignis vor mir zu vertuschen.

Die Hoffnung, dass ich mich eh nicht daran erinnere von meinem Vater in die Bewusstlosigkeit gewürgt worden zu sein ging nicht auf. Dass er mich auch wieder ins Leben zurückholen konnte war seiner sehr fundierten erste Hilfe Ausbildung zu verdanken.

Während der Beantwortung der Kommentare kam mir plötzlich die Erkenntnis, dass die Schlafstörungen auch mit diesem Erlebnis zu tun haben könnten. Die Angst, im Bett zu liegen in völliger Abhängigkeit von anderen Menschen. Und dann, falls ich aufwachen sollte und es geht mir schlecht und rufe um Hilfe, oder kann einfach nicht schlafen werde ich gewürgt. So war es damals. Das Bett als nahezu tödliche Falle. Wurde es so in meinem Gehirn abgespeichert? Die später hinzukommenden Erfahrungen bestätigten, dass mein Bett ein gefährlicher Ort ist. Der gefährlichste in der Wohnung.

Das ist eine gute Basis für eine Brainspotting-Sitzung um das Trauma Stück für Stück aufzulösen.

Vielen Herzlichen Dank allen, die mich mit ihren hilfreichen Kommentaren auf dem Weg zu dieser Erkenntnis begleiteten. 💖