Im Gegensatz zum letzten Beitrag ….

oder vielleicht auch nicht?!

Dr. Charmaine Liebertz referiert in diesem Vortrag an der pädagogischen Hochschule OÖ nicht nur über die Wichtigkeit von Humor in der Pädagogik, die Entwicklung des Humors in der Evolution, sondern spricht auch weit darüber hinaus über das Humorverbot in Diktaturen, die Clowns without borders, über Männer- und Frauenwitz bzw. das unterschiedliche Lachverhalten der Geschlechter und Vieles mehr im menschlichen Alltag und das äußerst unterhaltsam und kurzweilig.

Dieser Vortrag dauert 1:32h, aber sie lohnen sich.

Mehr solche WissenschafterInnen an Universitäten und in der Wissenschaftsvermittlung sind ein großer Gewinn.

Leben mit DIS #35: Soziales Miteinander in der Kindheit? ….. Fehlanzeige!

Hannah Arendt – dt. amerik. Philosophin und politische Denkerin

Unsere Therapeutin tätigte letzte Therapiestunde eine Aussage, die uns ins Mark traf, weil sie so wahr ist!

Wir sprachen darüber, weshalb uns „Freund*innen“ das „ihr“ (Mehrzahl) in der Ansprache verweigern, was aktuell oft geschieht und weshalb dadurch, dass wir uns nicht mehr verbiegen mögen, langjährige „Freundschaften“ nun demaskiert werden und weil wir Trigger erkennen aber in der Beziehung nicht klären können, nicht wissen ob bzw. wie diese Freundschaften weitergeführt werden können.

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Leben mit DIS #34: zu hohe Ansprüche?!

Dieses wunderbare Bild habe ich auf der Kunstmesse „Parallel 2019“ in Wien gesehen. Es stammt von Michaela Konrad und heißt SPACETIME. (Danke aquasdemarco für die Info.) Auf Wunsch der Künstlerin wird das Bild hier selbstverständlich gelöscht! Dafür bitten wir höflichst um Kontaktaufnahme. Es passt nur so gut zum Text, dass wir es verwenden. Wir bitten um Verständnis.

Wir hören von unserer Therapeutin immer wieder, dass wir so hohe Ansprüche an uns haben, dabei ist es so, dass wir mit aller Kraft und völlig ungenügend die Anforderungen der Umwelt, die zum überwiegenden Teil aus UNOs bestehen versuchen zu erfüllen.

Diese Anforderungen heißen, sie, die UNOs, nicht belästigen mit unserer Geschichte oder mit den Schwierigkeiten unseres Lebens, sowie akzeptieren, dass sie nicht gewillt sind, sich hineinzuversetzen wie es uns ergehen mag, wie es sich anfühlen mag von frühester Kindheit an sexualisierte und psychische Gewalt erlitten zu haben. Denn wenn wir versuchen, die Leute damit zu konfrontieren, verlieren wir sie als „Freunde“, werden auch aktiv ausgeschlossen aus einer Gesellschaft an deren Rand wir stehen, weil wir zu schwierig sind. Das ist bis auf vielleicht eine Ausnahme in unserem Leben die Realität der wir täglich 24h gegenüber stehen, nur unterbrochen von 1h Psychotherapie wöchentlich.

Ja, uns geht es auch auf die Nerven dies zu sagen, aber es ist unsere Realität. Und es sind Anforderungen, die uns nahezu täglich so enorm erschöpfen, dass wir kaum mehr Kraft haben, als gerade noch zu überleben und versuchen dennoch zu heilen. Wir wissen nur nicht, wie ein solches Leben der kontinuierlichen Retraumatisierung mit einem Heilen von DIS und Spaltung zusammen gehen soll?

Wir nehmen an, dass es vermutlich ein Gefühl der Überforderung ist, das Leute bewegt sich innerlich von unserer Geschichte so zu distanzieren, dass sie sich nicht einfühlen wollen. Aber dieses Wissen hilft uns nicht weiter, es schmerzt dennoch unerträglich stark. Und wir sind nicht der Ansicht, dass schwierige Lebensereignisse nur in Therapiestunden überhaupt eine Berechtigung haben erzählt zu werden, was auch schon an uns herangetragen wurde. Das ist auch ganz unmöglich. Dann nämlich mögen wir auch nicht mehr belästigt werden mit Seelenleid von UNOs, das uns fremd ist und wir uns dennoch einfühlen können. Was wäre das für eine Welt, wenn wir mit schmerzvollen Erfahrungen nur in Psychotherapien hoffen dürften gehört zu werden? Das ist das Tabu von Gewalterfahrungen, wenn derlei nur für diesen Bereich der Erfahrungen gälte.

Zurück zu den Anforderungen. Wir selbst haben im Grunde nur zwei. Leben lernen mit unseren Fähigkeiten und Interessen und gemocht werden, wie wir wirklich sind, mit dem was da ist. Ist das so viel? …. Stimmt das? Ja, denn hinter allen unseren Bemühungen stehen im Grunde diese Wünsche. Auch in den täglichen Anstrengungen zur Ruhe zu kommen und nicht durchzudrehen. Unsere eigenen Anforderungen umzusetzen gelingt irgendwie kaum, weil sie im Widerspruch stehen zu den Anforderungen, die wie oben beschrieben zugleich das Tabu Gewalterfahrung in sich tragen, die von außen an uns herangetragen werden.

Es ist zum Haare raufen, toben und verzweifeln.

Ist Abspalten von und in unangenehmen oder schwierigen Situationen ”normaler” Alltag?

Wir kommen immer wieder zu der Überzeugung, dass wir als DIS-Frau zwar extrem abspalten können in unterschiedliche Innenwesen, aber nach all den Jahren Traumatherapie uns dessen zumindest bewusst sind und die Situation wann wir spalten zumindest im Nachhinein wahrnehmen können und auch ohne Reflexion der Situation nicht überleben können.

Aber wir sind nicht alleine mit dem Spalten bei schwierigen Gefühlen und Situationen. Wir kommen vermehrt zur Überzeugung, dass die Tatsache, dass wir unser Abspalten reflektieren und versuchen uns dem zu stellen ein Problem im Alltag darstellt, wo ganz viele Menschen natürlich in einem viel geringerem Ausmaß als DIS-Leute spalten und verdrängen. Es scheint so sehr zum Alltag und zum zwischenmenschlichen Kontakt zu gehören, dass wir Menschen überfordern in unserem Wunsch nicht zu spalten bzw. in dem Glauben, dass Unos das im Griff haben, was uns so sehr quält.

Das scheint nicht der Fall zu sein.

Wir wünschen uns so sehr, dass ein reflektieren von Brüchen im zwischenmenschlichen Kontakt selbstverständlich würde. Oder Kontaktabbrüche im Gespräch zumindest nicht ignoriert werden und drüber gegangen wird, sondern ein solcher Bruch ein Nachfragen, ein Innehalten, Aufmerksamkeit bewirkt.

Wir haben schon öfters gehört, dass wir uns selbst sehr viel abverlangen. Mag sein, wir haben noch keinen anderen Weg gefunden zu überleben und leben zu lernen als enorm reflektiert zu sein. Wir wissen noch nicht, ob wir zuviel von anderen wollen. Wir können nicht anders existieren. Vielleicht gibt’s irgendwo Menschen, die das schätzen und mögen, vielleicht sogar lieben? Wer weiß?

„Wir haben das Recht zu existieren!“

Diese Erkenntnis hatten wir bei einer Behandlung unter unserem Kristallbett Anfang Februar gewonnen.

Seit fast drei Monaten schreiben wir an einem Thema, ohne auch nur einen der mittlerweile fünf oder sechs Entwürfe veröffentlicht zu haben.

Sie werden nicht fertig. Wir ziehen einen Teil Erkenntnis aus einer Schublade des Innen und finden den Bogen nicht. Der Text wird nicht rund, es gibt keine Conclusio. Eher scheint es als gäbe es dieses offene uns quälende Suchen, aber wonach?

Nach uns/mir?

Unser Vater setzte alles daran ∑mich in der Kindheit und Jugend als verrückt darzustellen und uns damit vernichten zu wollen.

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Lockdown über Monate als Single = Einsamkeit ¹⁰⁰

Ohne Nähe und Liebe lebte es sich im Alltag vor Corona bereits ziemlich schwierig und belastet. Der Lockdown treibt uns langsam zum Wahnsinn.

Ich habe Angst um uns. Wirklich große Angst. ….

Statt Schlafen laufen wieder einmal nur Tränen.

Nur einmal wöchentlich mit einem Menschen, nämlich der Therapeutin, zu sprechen ist einfach zu wenig.

Zwei, drei Worte beim zahlen an der Kasse des Supermarkt zählen wir nicht als Gespräch.

Verzeihung, ich weiß, dass es vielen schlecht geht und wir wollen nicht jammern, aber wir sind so erschöpft.

Auch wenn dieser Beitrag entbehrlich ist zu lesen, bitte verzeiht ihn uns.

Über den Mut nachts zu schlafen

Es braucht sehr viel Mut nachts zu schlafen – meist noch zu viel Mut sich gegen die Gespenster der Erinnerung zu stemmen, die unweigerlich hochkommen sobald wir uns früher schlafen legen. Wann würden Flashbacks und Panik aufhören, wenn wir uns täglich dazu zwingen könnten? Würden sie  jemals aufhören?

Es braucht sehr viel Mut zu UNS zu stehen, trotz der großen Gefahr und langjährigen Erfahrungen der Ablehnung und des Unverständnisses. Es braucht fast übermenschlichen Mut sich mit gestellten Fragen und mehr noch mit ungestellten Fragen und geglaubtem Verstehen der anderen oder deren Unwillen zu verstehen zu konfrontieren bei jeder Begegnung, die uns wichtig ist oder werden soll.

Es braucht sehr viel (mehr) Mut zu leben, statt bloß zu überleben und auf den Tod zu warten, Jahrzehnte lang und sich bis zu diesem Zeitpunkt weitgehend abzulenken.

Leben, vielmehr lebendig sein ist so viel schwieriger als wir es uns erträumt hatten.

Ob diese Erkenntnisse helfen die Kraft aufzubringen leben zu wagen, statt in Selbstaufgabe bzw. Selbstverleugnung und -verletzung zu verharren?

Hoffentlich! Noch suchen wir die Kraft für diesen enormen Kraftakt und das Wagnis – Sein!

Aber vielleicht geht es nur in ganz kleinen Schritten, zwei nach vorne und einen retour?

Ein Ende der Qual wäre schön!

Wir haben uns verändert ….

….. Und das ist gut!

Als Jugendliche hatten wir uns zum Ziel gesetzt, dass niemals jemand die oder der nicht an der Gewalt unserer Kindheit Schuld trägt, an den Folgen leiden sollte.

Ein hehres Ziel. Ein uneinlösbares Vorhaben. Ein Auftrag, der sich nur gegen mich/uns richtete. Denn um ihn umzusetzen hieß es unsere Bedürfnisse immer hinter jene der anderen zu stellen, mehr noch, sie zu verleugnen. Sobald wir jemanden mit unseren Bedürfnissen einem gewissen Druck aussetzen und die Person daraufhin mit Abweisung reagiert und sei sie noch so gering, zogen wir uns zurück, gaben uns die Schuld, wiesen uns den Fehler zu und blieben einsam in uns. Vor allem aber blieben wir in jenem Verhaltensmuster und Auftrag gefangen, den uns die Eltern aufgetragen hatten.

Wir sollten KEINE Bedürfnisse haben, die über Nahrungsaufnahme hinaus gingen. Aber auch die wurde von den Eltern bestimmt. Wann, was, wie viel. Schlaf war auch ein variables Bedürfnis, keines, das wir selbst bestimmen durften. Da wurden wir beispielsweise als Kleinkind mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, weil wir den Vater begrüßen mussten, der von einer Geschäftsreise heim kam. Das war eine Erzählung für die sich die Eltern brüsteten. Darauf waren sie stolz, dass wir mitten in der Nacht mit den Eltern die mitgebrachten Froschschenkel gerne verspeist haben. Welche Wahl hatten wir denn gehabt? Keine! Essen verweigern war verboten. Überhaupt war es verboten sich den Eltern zu widersetzen. Und der Vater war derart jähzornig, dass unser Widerstand tatsächlich lebensgefährlich gewesen wäre. Das haben wir bereits als Baby erfahren, als er uns fast tötete, weil wir zu laut weinten. Das war damals natürlich kein Widerstand, sondern die für ein Baby übliche einzig zur Verfügung stehende Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse kund zu tun und auf Hilfe zu hoffen. Eine Erfahrung, die wir ganz unüblich für dieses Alter, nie vergessen hatten, auch wenn sie verschlüsselt über einen Alptraum im Gedächtnis verblieb. Dieser Traum, dass Hände aus der Wand kommen und uns würgen quälte uns unsere gesamte Kindheit, Jugend und noch Jahrzehnte als erwachsene Frau. Er ging erst nach ganz vielen Jahren Therapie, Jahrzehnte später weg, als uns bewusst wurde, dass es eine Erinnerung an dieses frühe Nahtoderlebnis war und eben kein Traum.

Menschen, die einander nahe stehen verletzen einander, so ist das Leben. Das ist der Weg sich zu entwickeln, mit einander und von einander zu lernen. Wir reiben uns an einander und kommen darüber zu Erkenntnissen über uns selbst. Das Anderssein des Gegenübers unterdrücken zu wollen, bedeutet sich psychisch nicht entwickeln zu wollen. Da dieses Hinsehen auf eigene Baustellen und Fehler über den Spiegel der anderen mitunter sehr schmerzhaft ist, ist eine erste Ablehnung als Reflex verständlich. In diesem Reflex stecken bleiben ist ein sich aufgeben und sterben während man noch lebt. Unsere Eltern wollten genau dies, unser anders-sein unterdrücken, weil sie den Spiegel nicht ertragen wollten, in den sie sehen hätten müssen.

Und genau dies ist die für uns so wertvolle Erkenntnis. Wir selbst spielten dieses Überlebensmuster aus der Kindheit weiter und unterwarfen uns, um andere nicht zu „belästigen“ und brachten uns so selbst um unser Leben und auch um die Nähe mit anderen Menschen, die uns wohlgesonnen sind. Wir versteckten uns als Überlebensmuster, das uns das Leben bzw. die Lebendigkeit verboten hat, den Körper jedoch am Leben erhielt. Eine kluge, intuitive Entscheidung als Kind, wo es keinen anderen Ausweg gab. Eine fatale Angewohnheit und Überzeugung als Erwachsene.

Dies zu erkennen hat uns nun über Wochen extreme zum Teil physisch wahrnehmbare Schmerzen bereitet. Noch nie fühlten wir in dem Ausmaß, wie es uns fast das Herz herausreißt, dies einzugestehen, hinzusehen.

Es ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis unseres Lebens.

Zu sich selbst zu stehen gegen den Widerstand anderer Menschen ist allerdings eine Herausforderung, die wir noch üben müssen. Leicht ist das nicht. Und es geht einmal besser und dann wieder schlechter, denn abspalten oder switchen ist ein derart gut eintrainierter Automatismus geworden, den zu unterbrechen wir wohl immer und immer wieder beginnen müssen. Wir sind aber überzeugt, dass es einfacher wird mit jedem gelungenen Mal.


Dieser Text ist einer von mehreren, der in den letzten Wochen halbfertig als Entwurf auf Fertigstellung wartete. Heute ist es so weit. 🙂

Leben mit DIS#31: I C H???

Seit einigen Wochen fehlen uns die Worte. Im Grunde seit Anfang bzw. Mitte September. Oder doch schon davor?

Die Frage, ob es in Ordnung ist uns als UNS zu bezeichnen oder eben nicht beschäftigt uns nahezu täglich. Je nach freier Zeit und Gefühlslage mehrere Stunden am Tag oder kürzer.

Freilich wissen wir, dass dieses Leben mit mehreren Innenwesen eine Kopfgeburt ist die aus der Not entstanden ist. Das menschliche Gehirn bietet offensichtlich so viele Möglichkeiten sich zu strukturieren und in lebensgefährdeten Situationen eine Lösung zu bieten, die ein Weiterleben ermöglicht.

Es ist die Verunsicherung, die wir in den anderen auslösen, wenn wir uns als WIR bezeichnen und ebendiese Mehrzahl von Freund*innen erbitten, die uns doch sehr stresst.

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Geteilt: der behinderte Therapeut – von Kompensation und keinen Bock mehr haben

Nach einem gestrigen Treffen mit einer Blog-Freundin, wo wir versucht haben etwas von uns zu erklären und dankbar sind, dass sie sich die Mühe machte, es zu verstehen zu versuchen und tieferes Interesse zeigte, haben wir einen schweren Durchhänger. Wir wissen nicht, was angekommen ist und was nicht. Tränen der Überforderung laufen uns über die Wangen vor allem wegen der vielen Zweifel, da zum Schluss nach mehreren Stunden eine Frage kam, die uns verwunderte, weil wir sie niemals als unverständlich im Betracht gezogen hatten. Die klassischen Selbstvorwürfe, wir hätten es nicht geschafft, uns verständlich zu machen. ….. Dazu möchten wir in den nächsten Tagen schreiben. Vielleicht?

In dieser Phase haben wir den unten verlinkten Beitrag von H.C. Rosenblatt entdeckt, wo sie über ihre Therapieerfahrungen schreibt, was uns in diesem Bereich nicht so sehr betrifft. Im Versuch in Freundschaften Ver-Bindung zu erfahren aber umso mehr.

Herzlichen Dank H.C. Rosenblatt für diese klaren, starken Worte, die wir hier teilen dürfen.

Es empfiehlt sich zunächst den gesamten Beitrag zu lesen, weil es wichtig ist um den Zusammenhang in seiner Komplexität zu erfassen. Dennoch haben wir unten den zweiten Teil nochmals eingefügt, weil es jene Zeilen sind, die uns besonders nahe gehen und in ihrer Wahrhaftigkeit trösten, bei aller Ohnmacht und Verletztheit, die in ihnen stecken. Sie lassen uns erkennen, was es bedeutet sich immer wieder zu erklären ohne wirklich verstanden zu werden. Das ist keine Anklage sondern eine schmerzhafte Tatsache. Und was es bedeutet, wenn wir es aufgeben würden.

https://einblogvonvielen.org/der-behinderte-therapeut-von-kompensation-und-einen-bock-mehr-haben/

… Am Ende, auf Seite 8, schreibe ich ihr, dass ich gemerkt habe, was das eigentlich für eine Aussage ist, wenn ich sage, dass ich keinen Bock mehr habe, mich zu erklären. Ich habe erkannt, dass ich das nur zu anderen Leuten mit meinen Anstrengungen im Leben sagen kann, um ernsthaft darin verstanden zu werden – und alle anderen das als vorübergehende Motivationslosigkeit verstehen. Verstehen müssen, denn sie sehen die Anstrengung ja nicht. Sie begreifen ja auch gar nicht, was ich ihnen damit offenbare. Sie begreifen nicht, dass ich ihnen damit sage, dass ich mich ihnen nicht zeige, mich vor ihren Augen verstecke. Mich ihnen und ihrer Einsicht entziehe. Aus dem Kontakt gehe und ihnen nichts weiter als einen reflexhaft Phrasen und Satzteile ausspuckenden Fleischsack zur Interaktion verfügbar mache, in den sie m.eine Persönlichkeit hineinprojizieren, um ihrem eigenen Handeln Sinn und Raum zu geben. Niemand begreift diese Art von Suizid.

Meine Verweigerung ergibt sich nicht daraus, dass die Kompensation in der Kommunikation, in der Erklärung, zu anstrengend ist. Sie ergibt sich daraus, dass sie nicht dazu führt, dass ich verstanden werde. Daraus, dass sie so oft vergeblich ist.
Und man doch nie umhinkommt, denn ohne Kommunikation keine Ver_Bindung.

Aus: https://einblogvonvielen.org/der-behinderte-therapeut-von-kompensation-und-einen-bock-mehr-haben/