„Wir haben das Recht zu existieren!“

Diese Erkenntnis hatten wir bei einer Behandlung unter unserem Kristallbett Anfang Februar gewonnen.

Seit fast drei Monaten schreiben wir an einem Thema, ohne auch nur einen der mittlerweile fünf oder sechs Entwürfe veröffentlicht zu haben.

Sie werden nicht fertig. Wir ziehen einen Teil Erkenntnis aus einer Schublade des Innen und finden den Bogen nicht. Der Text wird nicht rund, es gibt keine Conclusio. Eher scheint es als gäbe es dieses offene uns quälende Suchen, aber wonach?

Nach uns/mir?

Unser Vater setzte alles daran ∑mich in der Kindheit und Jugend als verrückt darzustellen und uns damit vernichten zu wollen.

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Lockdown über Monate als Single = Einsamkeit ¹⁰⁰

Ohne Nähe und Liebe lebte es sich im Alltag vor Corona bereits ziemlich schwierig und belastet. Der Lockdown treibt uns langsam zum Wahnsinn.

Ich habe Angst um uns. Wirklich große Angst. ….

Statt Schlafen laufen wieder einmal nur Tränen.

Nur einmal wöchentlich mit einem Menschen, nämlich der Therapeutin, zu sprechen ist einfach zu wenig.

Zwei, drei Worte beim zahlen an der Kasse des Supermarkt zählen wir nicht als Gespräch.

Verzeihung, ich weiß, dass es vielen schlecht geht und wir wollen nicht jammern, aber wir sind so erschöpft.

Auch wenn dieser Beitrag entbehrlich ist zu lesen, bitte verzeiht ihn uns.

Über den Mut nachts zu schlafen

Es braucht sehr viel Mut nachts zu schlafen – meist noch zu viel Mut sich gegen die Gespenster der Erinnerung zu stemmen, die unweigerlich hochkommen sobald wir uns früher schlafen legen. Wann würden Flashbacks und Panik aufhören, wenn wir uns täglich dazu zwingen könnten? Würden sie  jemals aufhören?

Es braucht sehr viel Mut zu UNS zu stehen, trotz der großen Gefahr und langjährigen Erfahrungen der Ablehnung und des Unverständnisses. Es braucht fast übermenschlichen Mut sich mit gestellten Fragen und mehr noch mit ungestellten Fragen und geglaubtem Verstehen der anderen oder deren Unwillen zu verstehen zu konfrontieren bei jeder Begegnung, die uns wichtig ist oder werden soll.

Es braucht sehr viel (mehr) Mut zu leben, statt bloß zu überleben und auf den Tod zu warten, Jahrzehnte lang und sich bis zu diesem Zeitpunkt weitgehend abzulenken.

Leben, vielmehr lebendig sein ist so viel schwieriger als wir es uns erträumt hatten.

Ob diese Erkenntnisse helfen die Kraft aufzubringen leben zu wagen, statt in Selbstaufgabe bzw. Selbstverleugnung und -verletzung zu verharren?

Hoffentlich! Noch suchen wir die Kraft für diesen enormen Kraftakt und das Wagnis – Sein!

Aber vielleicht geht es nur in ganz kleinen Schritten, zwei nach vorne und einen retour?

Ein Ende der Qual wäre schön!

Wir haben uns verändert ….

….. Und das ist gut!

Als Jugendliche hatten wir uns zum Ziel gesetzt, dass niemals jemand die oder der nicht an der Gewalt unserer Kindheit Schuld trägt, an den Folgen leiden sollte.

Ein hehres Ziel. Ein uneinlösbares Vorhaben. Ein Auftrag, der sich nur gegen mich/uns richtete. Denn um ihn umzusetzen hieß es unsere Bedürfnisse immer hinter jene der anderen zu stellen, mehr noch, sie zu verleugnen. Sobald wir jemanden mit unseren Bedürfnissen einem gewissen Druck aussetzen und die Person daraufhin mit Abweisung reagiert und sei sie noch so gering, zogen wir uns zurück, gaben uns die Schuld, wiesen uns den Fehler zu und blieben einsam in uns. Vor allem aber blieben wir in jenem Verhaltensmuster und Auftrag gefangen, den uns die Eltern aufgetragen hatten.

Wir sollten KEINE Bedürfnisse haben, die über Nahrungsaufnahme hinaus gingen. Aber auch die wurde von den Eltern bestimmt. Wann, was, wie viel. Schlaf war auch ein variables Bedürfnis, keines, das wir selbst bestimmen durften. Da wurden wir beispielsweise als Kleinkind mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, weil wir den Vater begrüßen mussten, der von einer Geschäftsreise heim kam. Das war eine Erzählung für die sich die Eltern brüsteten. Darauf waren sie stolz, dass wir mitten in der Nacht mit den Eltern die mitgebrachten Froschschenkel gerne verspeist haben. Welche Wahl hatten wir denn gehabt? Keine! Essen verweigern war verboten. Überhaupt war es verboten sich den Eltern zu widersetzen. Und der Vater war derart jähzornig, dass unser Widerstand tatsächlich lebensgefährlich gewesen wäre. Das haben wir bereits als Baby erfahren, als er uns fast tötete, weil wir zu laut weinten. Das war damals natürlich kein Widerstand, sondern die für ein Baby übliche einzig zur Verfügung stehende Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse kund zu tun und auf Hilfe zu hoffen. Eine Erfahrung, die wir ganz unüblich für dieses Alter, nie vergessen hatten, auch wenn sie verschlüsselt über einen Alptraum im Gedächtnis verblieb. Dieser Traum, dass Hände aus der Wand kommen und uns würgen quälte uns unsere gesamte Kindheit, Jugend und noch Jahrzehnte als erwachsene Frau. Er ging erst nach ganz vielen Jahren Therapie, Jahrzehnte später weg, als uns bewusst wurde, dass es eine Erinnerung an dieses frühe Nahtoderlebnis war und eben kein Traum.

Menschen, die einander nahe stehen verletzen einander, so ist das Leben. Das ist der Weg sich zu entwickeln, mit einander und von einander zu lernen. Wir reiben uns an einander und kommen darüber zu Erkenntnissen über uns selbst. Das Anderssein des Gegenübers unterdrücken zu wollen, bedeutet sich psychisch nicht entwickeln zu wollen. Da dieses Hinsehen auf eigene Baustellen und Fehler über den Spiegel der anderen mitunter sehr schmerzhaft ist, ist eine erste Ablehnung als Reflex verständlich. In diesem Reflex stecken bleiben ist ein sich aufgeben und sterben während man noch lebt. Unsere Eltern wollten genau dies, unser anders-sein unterdrücken, weil sie den Spiegel nicht ertragen wollten, in den sie sehen hätten müssen.

Und genau dies ist die für uns so wertvolle Erkenntnis. Wir selbst spielten dieses Überlebensmuster aus der Kindheit weiter und unterwarfen uns, um andere nicht zu „belästigen“ und brachten uns so selbst um unser Leben und auch um die Nähe mit anderen Menschen, die uns wohlgesonnen sind. Wir versteckten uns als Überlebensmuster, das uns das Leben bzw. die Lebendigkeit verboten hat, den Körper jedoch am Leben erhielt. Eine kluge, intuitive Entscheidung als Kind, wo es keinen anderen Ausweg gab. Eine fatale Angewohnheit und Überzeugung als Erwachsene.

Dies zu erkennen hat uns nun über Wochen extreme zum Teil physisch wahrnehmbare Schmerzen bereitet. Noch nie fühlten wir in dem Ausmaß, wie es uns fast das Herz herausreißt, dies einzugestehen, hinzusehen.

Es ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis unseres Lebens.

Zu sich selbst zu stehen gegen den Widerstand anderer Menschen ist allerdings eine Herausforderung, die wir noch üben müssen. Leicht ist das nicht. Und es geht einmal besser und dann wieder schlechter, denn abspalten oder switchen ist ein derart gut eintrainierter Automatismus geworden, den zu unterbrechen wir wohl immer und immer wieder beginnen müssen. Wir sind aber überzeugt, dass es einfacher wird mit jedem gelungenen Mal.


Dieser Text ist einer von mehreren, der in den letzten Wochen halbfertig als Entwurf auf Fertigstellung wartete. Heute ist es so weit. 🙂

Leben mit DIS#31: I C H???

Seit einigen Wochen fehlen uns die Worte. Im Grunde seit Anfang bzw. Mitte September. Oder doch schon davor?

Die Frage, ob es in Ordnung ist uns als UNS zu bezeichnen oder eben nicht beschäftigt uns nahezu täglich. Je nach freier Zeit und Gefühlslage mehrere Stunden am Tag oder kürzer.

Freilich wissen wir, dass dieses Leben mit mehreren Innenwesen eine Kopfgeburt ist die aus der Not entstanden ist. Das menschliche Gehirn bietet offensichtlich so viele Möglichkeiten sich zu strukturieren und in lebensgefährdeten Situationen eine Lösung zu bieten, die ein Weiterleben ermöglicht.

Es ist die Verunsicherung, die wir in den anderen auslösen, wenn wir uns als WIR bezeichnen und ebendiese Mehrzahl von Freund*innen erbitten, die uns doch sehr stresst.

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Geteilt: der behinderte Therapeut – von Kompensation und keinen Bock mehr haben

Nach einem gestrigen Treffen mit einer Blog-Freundin, wo wir versucht haben etwas von uns zu erklären und dankbar sind, dass sie sich die Mühe machte, es zu verstehen zu versuchen und tieferes Interesse zeigte, haben wir einen schweren Durchhänger. Wir wissen nicht, was angekommen ist und was nicht. Tränen der Überforderung laufen uns über die Wangen vor allem wegen der vielen Zweifel, da zum Schluss nach mehreren Stunden eine Frage kam, die uns verwunderte, weil wir sie niemals als unverständlich im Betracht gezogen hatten. Die klassischen Selbstvorwürfe, wir hätten es nicht geschafft, uns verständlich zu machen. ….. Dazu möchten wir in den nächsten Tagen schreiben. Vielleicht?

In dieser Phase haben wir den unten verlinkten Beitrag von H.C. Rosenblatt entdeckt, wo sie über ihre Therapieerfahrungen schreibt, was uns in diesem Bereich nicht so sehr betrifft. Im Versuch in Freundschaften Ver-Bindung zu erfahren aber umso mehr.

Herzlichen Dank H.C. Rosenblatt für diese klaren, starken Worte, die wir hier teilen dürfen.

Es empfiehlt sich zunächst den gesamten Beitrag zu lesen, weil es wichtig ist um den Zusammenhang in seiner Komplexität zu erfassen. Dennoch haben wir unten den zweiten Teil nochmals eingefügt, weil es jene Zeilen sind, die uns besonders nahe gehen und in ihrer Wahrhaftigkeit trösten, bei aller Ohnmacht und Verletztheit, die in ihnen stecken. Sie lassen uns erkennen, was es bedeutet sich immer wieder zu erklären ohne wirklich verstanden zu werden. Das ist keine Anklage sondern eine schmerzhafte Tatsache. Und was es bedeutet, wenn wir es aufgeben würden.

https://einblogvonvielen.org/der-behinderte-therapeut-von-kompensation-und-einen-bock-mehr-haben/

… Am Ende, auf Seite 8, schreibe ich ihr, dass ich gemerkt habe, was das eigentlich für eine Aussage ist, wenn ich sage, dass ich keinen Bock mehr habe, mich zu erklären. Ich habe erkannt, dass ich das nur zu anderen Leuten mit meinen Anstrengungen im Leben sagen kann, um ernsthaft darin verstanden zu werden – und alle anderen das als vorübergehende Motivationslosigkeit verstehen. Verstehen müssen, denn sie sehen die Anstrengung ja nicht. Sie begreifen ja auch gar nicht, was ich ihnen damit offenbare. Sie begreifen nicht, dass ich ihnen damit sage, dass ich mich ihnen nicht zeige, mich vor ihren Augen verstecke. Mich ihnen und ihrer Einsicht entziehe. Aus dem Kontakt gehe und ihnen nichts weiter als einen reflexhaft Phrasen und Satzteile ausspuckenden Fleischsack zur Interaktion verfügbar mache, in den sie m.eine Persönlichkeit hineinprojizieren, um ihrem eigenen Handeln Sinn und Raum zu geben. Niemand begreift diese Art von Suizid.

Meine Verweigerung ergibt sich nicht daraus, dass die Kompensation in der Kommunikation, in der Erklärung, zu anstrengend ist. Sie ergibt sich daraus, dass sie nicht dazu führt, dass ich verstanden werde. Daraus, dass sie so oft vergeblich ist.
Und man doch nie umhinkommt, denn ohne Kommunikation keine Ver_Bindung.

Aus: https://einblogvonvielen.org/der-behinderte-therapeut-von-kompensation-und-einen-bock-mehr-haben/

Geteilt: Warum wir oftmals weder Empathie noch Hilfe bekommen – Traumaheilung

Hier ein ganz wichtiger Beitrag von Dami Charf den wir sehr gerne teilen möchten. Das ist im Grunde DIE alltägliche Erfahrung in unserem Leben seit Jahrzehnten. Solange wir NICHT darüber sprechen, was wir erlebten, wie es uns geht, sind Menschen in unserem Leben. Wenn wir aber „gesehen werden“ als Voraussetzung für eine Freundschaft festlegen, wären bzw. sind wir sehr einsam, weil dann selbst wenige, die bleiben obwohl sie von der Gewalt hören wegfallen müssten?!

Allerdings wissen auch wir, dass wir mitunter nicht hinhören können und abweisend reagieren, wenn eine Erzählung von einem Schicksal uns zu nahe geht.

Und bitte, vor allem jene Freundinnen, die hier lesen sind nicht gemeint, weil sie sich tatsächlich versuchen einzulassen.

Dami Charf sagt, dass Kinder, die sexualisierte Gewalt erlebten noch vor wenigen Jahren zumindest ca. 7 Leute ansprechen mussten, um Hilfe zu erhalten. In den 1970ern und frühen 1980ern war es nahezu unmöglich Hilfe zu erhalten. Vielleicht ist es diese Erfahrung, dass wir alleine gelassen wurden, die hier noch so tief in uns steckt. Dieser abgrundtiefe Schmerz auch außerhalb dieser gefährlichen Familie keine Rettung zu erhalten.

Hier der Text und das Video von Dami Charf:

https://traumaheilung.de/warum-wir-keine-hilfe-bekommen/

Leben mit DIS #29: Suchtverhalten

Ich sitze am Bett und spiele irgendein bescheuertes Handy-Spiel, statt ein Buch zu lesen oder schlafen zu gehen. Dialog innen: „Wozu leben wir?“ „Weil es Menschen gibt, die sich um uns bemühen?“ Haben heute mit einer Freundin gemailt zur Frage des DU oder IHR. Durchaus positiv, scheint uns. Und wir dürfen bereits viele Jahre gratis im Haus einer anderen Freundin/Bekannten wohnen im Sommer um der Hitze der Stadt zu entkommen und ein bisschen zu entspannen. Das kann sie geben. Verstehen wird sie uns vermutlich nie, obwohl sie als Künstlerin sogar eine Arbeit zu DIS gemacht hat. „Vielleicht ist unser großer Lebenswunsch, den unsere Therapeutin sieht nur die Unfähigkeit sterben zu können?” geht der Gedanken-Dialog weiter: „Vielleicht ist auch beides das gleiche?” Das bedeutet, dass wir klarerweise unfähig zu sterben sind, weil wir leben wollen.

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Der Verlust der Worte

Alles, was für ihn je gezählt hatte, waren Worte. Etwas existierte erst wirklich, wenn es benannt und besprochen wurde.


Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Tränen überfallen uns, als wir dies lesen. Es ist so wahr, ja wahrhaftig. Es betrifft uns. Wir fühlen uns gesehen, obwohl der Autor uns nicht kennt.

Er hatte es sich nicht ausgesucht, es war ihm zugestoßen und von Anfang an so gewesen. Oft hatte er sich gewünscht, ohne Worte bei den Sachen zu sein, bei den Sachen und den Menschen und den Gefühlen und den Träumen – und dann waren ihm doch wieder die Worte dazwischen gekommen. Er erlebe die Dinge erst, wenn er sie in Worte gefasst habe, sagte er manchmal, und dann sahen ihn die Leute ungläubig an.

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“/S 20

Nun, was Mercier hier weiter ausführt, trifft auf uns nicht mehr zur Gänze zu – oder doch?

Aktuell finden wir uns immer wieder in dem altbekannten Gefühl wieder, dankbar sein zu müssen, wenn überhaupt jemand mit uns spricht. Seit wir versuchten einer Freundin und einem Freund, die uns seit vielen Jahren begleiten, unseren Wunsch nahezulegen in Mehrzahl angesprochen zu werden, ist dieses Empfinden wieder da. Wir versuchten zu erklären, dass sie uns sonst nicht kennen, dass es eben nicht so ist, dass sie nur mit einer sprechen. Auch jetzt schon nicht. Die Ablehnung, das Erschrecken waren groß. Gehen unsere Freundschaften (wieder einmal) verloren, wenn wir aufhören uns anzubiedern und wir selbst sind? Nur damit jemand mit uns spricht, ist die Gefahr uns aufzugeben und nur beim Gegenüber zu sein groß, zu groß. So groß wie die Einsamkeit, die manchmal wie ein Fass ohne Boden wirkt. Bloß welche Freundschaft ist es, die derlei erfordert? Vielleicht verstehen wir das Konzept Freundschaft nicht? Vielleicht sind es bloß Bekannte? Vielleicht kann man mit uns nicht befreundet sein, wie es einst aus einer Freundin hervorbrach? Wir sind selten so beleidigt worden in unserem erwachsenen Leben. Aber vielleicht war es nur ehrlich?

Dabei war es lange so, dass wir einfach keine Worte mehr hatten, weil es niemanden gab mit der/dem wir sie wechseln hätten können. Zu viele unausgesprochene Worte, zu viel Unbenanntes ließ uns die Worte, die uns so wichtig sind, in uns ausradieren. Hoffentlich wird es niemals wieder so!

Es waren Bücher, die uns das Leben retteten und zwar in dem Sinne, dass sie uns davor bewahrten wahnsinnig zu werden oder uns umzubringen. Auch und vor allem als Kind. Nicht umsonst lernten wir autodidaktisch lesen bevor wir in die Schule kamen. In den Büchern, in der Schrift waren und sind die Menschen, die mit uns sprachen, die uns verstanden ohne uns zu kennen und sie sind noch heute dort zu finden.

Selbst wenn wir so viele Bücher, die wir besitzen noch nicht gelesen haben, weil oft die Kraft fehlt, oder die Ruhe, so ist ein Leben ohne von Büchern umgeben zu sein unvorstellbar. Sie beruhigen uns, haben eine besondere Schönheit, die im e-reader ihren Glanz verliert.

Vielleicht ist das erst das wirklich einsame Leben? Der Verlust der Worte ist es, der so einsam macht!

Leben mit DIS #28a: Die Frage nach dem „ich“ oder „wir“, dem „du“ oder „ihr“!

Gestern war es wieder einmal soweit, dass wir uns enorm unwohl fühlten, weil wir in einem Mail an die Baugruppe, also an jene Menschen mit denen wir kurz- bis mittelfristig nahe beisammen leben werden mit „ich“ über uns schrieben. Wir verleugnen uns, um uns zu schützen?! Früher oder später werden wir uns als DIS outen müssen, wenn wir uns wohl fühlen wollen und uns nicht in dieser Gruppe ständig verstecken wollen. Ganz oft fühlt sich das WIR einfach richtiger an als ein ICH. Ein ICH bedeutet ja auch etwas anderes. Es bedeutet nicht ∑ICH. Das ist wieder etwas anderes. Aber wie erkläre ich ein ICH ALS SUMME VIELER ICHS, die sich gerade einmal recht nahe sind, was aber oft nicht der Fall ist. Und ein ∑ICH bedeutet keinesfalls, dass in diesem Moment kein vereinzeltes ICH mehr im Körper herumschwirrt, das von alledem nichts mitbekommt. Ein komplettes Co-Bewusstsein aller Innenwesen und ein so nahe zusammenstehen, dass alle, wirklich alle zu einem ICH gerinnen kennen wir (noch?) nicht. Manchmal ist sich jedoch die Gruppe der Alltagspersönlichkeiten näher und ein anderes Mal wieder so fremd dass ein ∑ICH für diese Gruppe auch unmöglich erscheint. Und dennoch lassen wir es zu, von uns nahen Menschen als DU angesprochen zu werden.

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