sexuelle Konditionierung

Am Wochenende hatte ich nach fast einem Jahr wieder Besuch von meinem lieben Neffen. Wir verbrachten einen sehr schönen Nachmittag. Groß ist er und im Auftreten schon so erwachsen, obwohl er gerade erst dreizehn geworden ist.

Getrübt wurde der schöne Tag nur durch seinen Vater. Als er sich von seiner Frau trennte, hatte ich meinem Bruder gesagt, dass ich schon sehe, dass sie nicht zusammen passen und dass ich zu ihm stehe, auch wenn die Art wie er sich getrennt hatte nicht in Ordnung war. Und ich fügte an, sobald du jedoch deinen Sohn verletzt will ich nichts mit dir zu tun haben. Tatsache ist, dass er offenbar nicht anders kann, als andere Leute immer wieder zu verletzen. Sein Kind im Besonderen. Ich merke, dass ich meinen Bruder zu hassen beginne. Das ist unfassbar traurig. Er verweigert jegliche Therapie, will nichts von der Gewalt wissen, die auch er erlebte, weil es ihn ängstigt hinzusehen. Stattdessen wird er immer mehr wie unser Vater, lebt seine seelische Verkümmerung aus und kultiviert sie noch, damit ja nichts mehr weh tut. Das Kranke wird für gesund erklärt durch ihn. Die anderen sind falsch. Das ist immer der einfache Weg. sexuelle Konditionierung weiterlesen

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Worauf mich Kommentare bringen

Ergänzung zu Leben mit DIS #14

Weiß nicht, ob diese Erinnerung vielleicht triggern könnte. Bitte passt auf euch auf, falls ihr lesen wollt!

Die lieben Rückmeldungen zum letzten Beitrag und Bemühungen mir mit eigenen Tipps und Tricks zum Schlafen weiterzuhelfen hatten Folgen.

Ich denke positive Folgen.

Wir hatten das Schlafproblem immer mit den Vergewaltigungen in Zusammenhang gebracht, die erst ab dem 14. Lebensjahr bewusst einordenbar waren.

Erst ab diesem Zeitpunkt war es uns möglich eine Gegenstrategie zu entwickeln, wie in der Nacht wach bleiben und abwarten, bis Papa eingeschlafen ist. So tief eingeschlafen, dass die Wahrscheinlichkeit dass er noch zu uns kommt geringer ist.

Damals haben wir öfter dick angezogen geschlafen. Einerseits, weil wir immer knapp am Nervenzusammenbruch lebten und daher permanent froren, obwohl wir unser Bett direkt neben dem Heizkörper stehen hatten und unser Vater die Wohnung tagsüber im Winter auf 28 °C heizte. Anderseits aber auch, weil wir uns sicherer fühlten, so eingehüllt.

Natürlich ist all dies auch nicht dazu angetan in einen friedlichen Schlaf zu sinken, aber zuvor kam eine Erinnerung an ein viel früheres Ereignis. Ein Ereignis zu dem ich bislang nur über einen Traum, den ich evtl. schon einmal erwähnte Zugang fand.

Ich hatte mein gesamtes Leben bis ich Traumatherapie begann, also ungefähr 35 Jahre einen Alptraum, der sich als Erinnerung entpuppte. Denn erst als ich ihn als das wahrnahm, verschwand er.

Der Traum war, dass Hände durch die Wand kommen und mich würgen. Länger brauchte die Erinnerung nicht sein. Als ich mir bewusst machte, dass uns unser Vater als Baby im Gitterbett liegend gewürgt haben muss, wofür es auch Beweise in meinem Bewusstsein gab, die ich nur wie Puzzlesteine zusammenfügen musste, waren Reaktionen meiner Eltern plötzlich verständlich, die darauf abzielten, dieses Ereignis vor mir zu vertuschen.

Die Hoffnung, dass ich mich eh nicht daran erinnere von meinem Vater in die Bewusstlosigkeit gewürgt worden zu sein ging nicht auf. Dass er mich auch wieder ins Leben zurückholen konnte war seiner sehr fundierten erste Hilfe Ausbildung zu verdanken.

Während der Beantwortung der Kommentare kam mir plötzlich die Erkenntnis, dass die Schlafstörungen auch mit diesem Erlebnis zu tun haben könnten. Die Angst, im Bett zu liegen in völliger Abhängigkeit von anderen Menschen. Und dann, falls ich aufwachen sollte und es geht mir schlecht und rufe um Hilfe, oder kann einfach nicht schlafen werde ich gewürgt. So war es damals. Das Bett als nahezu tödliche Falle. Wurde es so in meinem Gehirn abgespeichert? Die später hinzukommenden Erfahrungen bestätigten, dass mein Bett ein gefährlicher Ort ist. Der gefährlichste in der Wohnung.

Das ist eine gute Basis für eine Brainspotting-Sitzung um das Trauma Stück für Stück aufzulösen.

Vielen Herzlichen Dank allen, die mich mit ihren hilfreichen Kommentaren auf dem Weg zu dieser Erkenntnis begleiteten. 💖

Leben mit (unvollständiger) DIS # 14: Angst und Dissoziation

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Oder: Das Drama mit dem Schlaf.

Ist meine Angst vor dem Schlafen eine Angst vor der Lebendigkeit oder dem Leben im Allgemeinen, oder ist es „bloß“ das tägliche Flashback, das nicht weichen will?

Es ist logisch und doch einigermaßen grotesk. Die Ängste werden weniger und dennoch fühle ich sie so viel mehr, dass es teilweise kaum zu ertragen ist. Wie das?

Wir experimentieren weiter mit den „night time“ – Kapseln und dem Tee der Firma Pukka. Die Wirkung ist, dass die Ängste zurückgehen und damit die Dissoziation. Ja, ich glaube, das ist die Reihenfolge und nicht umgekehrt.

Dadurch fühle ich die Ängste, die ich zuvor sofort abgespalten habe viel mehr. (Ängste anderer Innenwesen? Sind sie mir näher? Sind wir doch viel mehr eins, als ich dachte?) Ich fühle mehr, wie oft ich in einem dissoziierten Zustand gewesen sein muss im Alltag. Nicht im Körper, aber auch nicht vollständig zu einem Innenwesen gewechselt, denn Zeitlücken habe ich sehr selten, vielleicht max. eine Minute, sodass sie sich der Wahrnehmung fast entziehen. Solche Zustände des nicht Wahrnehmens habe ich selten, aber doch erlebt. Daher bin ich immer wieder so unsicher, bin ich DIS, oder DDNOS bzw. DSNNS oder DSNNB. Gemäß einer psychologischen Testung vor etlichen Jahren wäre DSNNS (also eine Dissoziative Störung nicht näher spezifiziert oder bezeichnet) die für uns geeignete Diagnose. Soll sein. Allerdings gibt es ja auch die Amnesie für die Amnesie. Und tatsächlich ist bereits öfters aufgetreten, dass mich jemand auf etwas ansprach, wo ich keinerlei Erinnerung daran hatte. Allerdings glaube ich, dass auch Leute mit dissoziativer Störung sich einfach an Menschen nicht erinnern dürfen, also ganz normal jemanden vergessen, weil die Begegnung offenbar nicht so interessant war, dass sie im Gedächtnis geblieben wäre. Klingt jetzt vielleicht überheblich. Ich denke, dass aufgrund des alltäglichen Stresses auch tendenziell unwichtige Begegnungen oder Erlebnisse eher in Vergessenheit geraten können, als bei Menschen mit weniger Alltagsstress. Leben mit (unvollständiger) DIS # 14: Angst und Dissoziation weiterlesen

Hinweis auf Blog: „Sofies viele Welten“

Die liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge hat auf ihrem Blog in den letzten Tagen mehrere sehr bemerkenswerte Beiträge veröffentlicht.

Am 12. Jänner schrieb sie

über PTBS bei DIS

Dieser Beitrag wurde von Melinas Schreibfamilie rebloggt und ergänzt und diese Ergänzung nochmals bei Sofie geteilt.

über Therapie von DIS – Melinas Schreibfamilie – Ergänzung zu PTBS bei DIS

 

Und nun am 17. Jänner veröffentlichte sie den wunderbar stärkenden und Mut machenden Beitrag

über Die Dimension der Heilung

Ich könnte etwas dazu sagen, wenn ich könnte. Mir fehlt die Kraft an allen Ecken und Enden um zu schreiben.

Ein gestern begonnener Beitrag hat nach einigen Stunden Schreibarbeit noch kein Ende gefunden. Vielleicht wird er noch?

Darum bin ich einerseits außerordentlich dankbar für diese so wichtigen und wundervollen Gedanken, die Sofie in Worte gefasst hat. Und ebenso für die Ergänzung von Melinas.

Ich ersuche euch Sofie und die bunten Schmetterlinge und Melinas um Nachsicht, dass ich mich bei euch so einfach bediene und hoffe, dass ihr meine lieben Leser_innen von dem Geschriebenen manches davon mitnehmen könnt.

Ich verstehe, dass einige von euch die Beiträge bereits kennen und hoffe, dennoch bei euch auf Interesse zu stoßen.

Es lohnt sich sehr diese Artikel zu lesen!

Herzliche Grüße an alle 🌺🧡🌺

Reblogg: die Ausnahmesituation

Hannah C. Rosenblatt hat bereits vor 14 Tagen den Beitrag die Ausnahmesituation veröffentlicht. Ich habe bereits vor 9 Tagen gemeint, dass ich ihn gerne auf meinem Blog teilen möchte.

Wie das Leben so spielt, durchkreuzten mehrere andere Auslöser und Situationen meinen Plan bislang. Themen über die ich auch gerne schreiben würde. Wie bereits öfters kann ich nicht sagen, ob es dazu kommen wird. Ob die Kraft reicht, ob die Ruhe dafür da sein wird. Und wann die Ruhe für eigene Beiträge wieder kommt. Ich hoffe sehr, dass es bald sein wird.

Inzwischen freue ich mich euch folgende Beiträge von einblogvonvielen zeigen zu dürfen, die mir nahe gingen. Insbesondere der erste Beitrag „die Ausnahmesituation“ ist mir besonders wichtig. Den zweiten Beitrag „Heim, Klapse, Knast“ möchte ich als Ergänzung dazu ebenso teilen.

Die Wichtigkeit eines anderen Umganges mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen und Psychiatriekritik sind mir große Anliegen.

Ich denke mittlerweile, dass das Problem großteils in der Unreflektiertheit des Großteils der Bevölkerung liegt. Wer sich selbst nicht kennt, erschrickt vor dem eigenen „Verrückten“ wenn die Person es in anderen gespiegelt sieht. Ich denke, dass es wohl ein politisches Anliegen ist, diese Unreflektiertheit aufrecht zu erhalten. Nicht von allen politischen Richtungen und Parteien, aber doch tendenziell von mehreren. Sei es, weil Angst vor eigener Reflexion besteht und daher vielleicht der Gedanke vorherrscht, dass derlei der „Masse der Bevölkerung“ nicht zugemutet werden könne, oder einfach weil sich Menschen mit Feindbildern leichter lenken lassen? Verständnis und Empathie geben so wenig her für politische Parolen. Ein AUS den Parolen, ein offenes Herz und Mut zum Hinsehen, das wünsche ich mir sehr.

Hier die wunderbaren, reflektierten und empathischen Beiträge von Hannah C. Rosenblatt. Viel Freude beim Lesen und reflektieren.

über die Ausnahmesituation

Heim, Klapse, Knast

 

Fühlen lernen

Zitternd liegen meine Finger auf der Tastatur. In mir vibriert es. Habe heute zwei Tage nacheinander Pukka-Kräuterkapseln genommen. Wir sind ausgeschlafener als in den letzten Wochen und die Dissoziation geht (dadurch?) zurück, das ist zum Teil kaum zu ertragen. Irgendwo stehen wir zwischen dem Wunsch, dass die Spaltung weniger wird und der Erlösung durch die Spaltung und dem Wunsch, weniger zu fühlen.

Seit einiger Zeit begleitet uns emotionales Kopfschütteln. Die Worte fehlen, nur der Kopf geht kaum sichtbar von rechts nach links und retour. Als wollte ich kontinuierlich sagen: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Tränen und Unwissen, was genau nicht wahr sein kann.

Es gibt ein frühes Kindheitsfoto von mir, als ich im Gitterbett liegend meinen Kopf auf meine Hände stütze. Wenn ich es heute ansehe, sieht es aus, als hätte ich genau dies gedacht. „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder auch „Was geht denn hier ab?!“ Vielleicht auch: „Ich bin im falschen Film, das kann nicht sein!“ Natürlich habe ich als Baby/Kleinkind all dies nicht gedacht, aber das Entsetzen, das Entsetzen von damals ist so nahe. Fühlen lernen weiterlesen

„Die Lebensende-Klinik“ – TV Doku

in memoriam C.

In der Nacht auf den 8. Dezember 2016 nahm sich C. das Leben. Sie war noch keine 40 Jahre alt.

Damals konnte ich es nicht verstehen, es tat mir unsagbar weh und das machte mich ärgerlich, auf mehrere Betroffene und auch auf C. Auch, dass ich nicht helfen konnte, dass ihr nicht geholfen wurde, von Stellen, die dafür eingerichtet wurden schmerzte so sehr. Auf Psychiatrien und bei anderen Kriseninterventionen fand sie keine Ruhe. Sie kämpfte um ihren Seelenfrieden und fand ihn nicht.

Auch die verordneten Psychopharmaka und Alternativmedizin brachten ihr nicht die ersehnte Erleichterung ihres Leides.

Mehrere Wochen war ich letztes Jahr von dieser tragischen Realität, dass sie gegangen war belastet. Gestern und heute ist uns diese Begebenheit wieder sehr nahe. Zuvor beim Yoga weinten wir um C., wieder einmal. Es ist so traurig, wenn eine so junge, kluge, körperlich gesunde und in sich sanfte Frau nicht weiter weiß und ihr Leben beendet.

Einen Tag vor ihrem ersten Todestag wurde im ORF eine Dokumentation zu Sterbehilfe ausgestrahlt. Vor einem Jahr habe ich einen Beitrag geschrieben, weshalb Suizid keine Option ist. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob das immer so ist. Ich möchte, dass es keine Option ist, aber ich akzeptiere, dass dies nicht für alle Menschen immer so gelten muss. Ich musste vor einem Jahr für mich Stellung beziehen, um mit der Situation umgehen zu können.

Die oben angekündigte TV-Doku zu einer „Lebensende-Klinik“ in Den Haag, wo der Wunsch nach selbst bestimmten Sterben von mehr als 40 Sterbehilfeteams geprüft wird und Sterbehilfe geleistet wird, hat uns sehr aufgewühlt. Es ist eine zärtliche Doku, die den Menschen ihre Würde lässt. Wünsche, die verstanden werden können oder nicht. Es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, sein Leben vorzeitig zu beenden.

Zuvor, als beim Yoga die Tränen kamen, war es nicht, weil C. gegangen war. Schmerzlich war, mir vorzustellen, dass sie diesen Weg alleine gehen musste, einsam, ohne Beistand. Vielleicht sogar mit Schuldgefühlen, bevor sie einschlief für immer!

DAS hatte sie nicht verdient. Niemand sollte so sterben müssen.

Hier geht’s zur Doku, die noch 4 Tage in der ORF/tvthek abrufbar ist:

http://tvthek.orf.at/profile/Weltjournal/5298609/WELTjournal-Die-Lebensende-Klinik-Sterben-auf-Wunsch/13956213

Ich möchte diese Doku teilen, weil ich die Debatte als schwierig, aber wichtig empfinde. Sie macht mir Angst und ich habe noch keine endgültige Meinung dazu.

Bitte passt auf euch auf, wenn ihr sie anseht.

Liebe C., ich hoffe sehr, dass es dir nun gut geht, wo du jetzt bist. R.i.P 🌻

„Mein“ Körper

∑Ich führe einen Kampf gegen meinen Körper. Das geht so weit, dass ich ihn nicht als „mein“ bezeichnen mag. Die Osteoporose, die als Folge der Krebserkrankung und erblich bedingt an meinen Knochen nagt, ist weiter fortgeschritten. Die Medikamente, die laut Testmethoden helfen haben eine Vielzahl an Nebenwirkungen, die uns enorm ängstigen. Einige davon haben wir bekommen. Acht Jahre haben wir unterschiedliche Präparate verabreicht bekommen, mit leichten Verbesserungen, ohne Krafttraining, das am besten für den Knochenaufbau sein soll. Seit 1 ½ Jahren haben wir die Therapie beendet, auf eigenes betreiben. Die Nebenwirkungen sind mittlerweile glücklicherweise verschwunden, leider wurde die Knochendichte wieder geringer. Es gibt Hinweise, dass das der Effekt des Medikaments sein kann. Ein Suchtmittel für den Knochen?

Der Körper, der uns trägt tagaus, tagein muss funktionieren. Zuvor wollte ich zum Krafttraining gehen, um gegen diese Krankheit anzukämpfen. Aber meine Seele war nicht dabei, ich war nicht dabei. Als wir den Körper aus der Wohnung bewegen wollten – entweder jetzt sofort, oder es geht sich heute nicht mehr aus – da rief es in uns: „Ich hasse diesen Körper, der Männer nur immer geil gemacht hat, uns aber niemals Liebe brachte.“

Ja, das war die Wahrheit. Dieser entsetzliche Kampf gegen diesen Körper in Worte gefasst. Wenn ich in den Spiegel sehe, sehe ich einen für sein Alter ansehnlichen Körper, aber lieben kann ich ihn kaum. Ganz selten nur. Meist ekelt mir und mir kommen Tränen. Der Schmerz ist nahezu unerträglich und es wundert mich nicht, dass der Körper an diesem nun langsam zerbricht, sich auflöst.

Gestern führten wir ein langes Telefonat mit einer Notrufnummer, weil wir verzweifelten an dem Befund, den wir Mittwoch abends aus dem Postkasten zogen. Wir verzweifelten, weil wir keinesfalls wieder diese grausamen Osteoporosemedikamente nehmen wollen. Weil aber Wirbelbrüche und Knochenbrüche als Folge der Osteoporose entsetzlich schmerzhaft sind, die wir uns so lange wie möglich ersparen wollen. Wir hatten noch niemals einen Knochen gebrochen. Außer einer angeknacksten Rippe.

Gestern dachten wir, dass wir evtl. nicht sehr alt werden. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Gestern hatten wir keinen Lebenswillen mehr, die Kraft zu kämpfen ist wirklich gering. Aber vielleicht geht es nicht mehr darum zu kämpfen? Sollen wir das kämpfen lassen? Lieben statt kämpfen?

Dieser Körper, der nichts, absolut gar nichts dafür kann, dass sich erwachsene Menschen an ihm vergriffen und ihn benutzten, bräuchte Liebe. Alles schreit aus ihm heraus: „Hab mich lieb!“

Leicht möglich, dass dann sogar Selbstheilungskräfte erwachen, die auch Krankheiten stabilisieren, vielleicht sogar heilen können, für welche die pharmazeutisch ausgerichtete Medizin nur sehr brutale Medikation kennt, die immer wieder als Körperverletzung beschrieben wird, wegen der Nebenwirkungen.

Wieder mehr auf meine Ernährung sehen, dankbar sein für diesen Körper, der uns trotz allem noch gute Dienste leistet. Weiter Krafttraining, Sport und alternative Therapien suchen. Er ordiniert noch unser TCM-Arzt, der uns bereits einmal so sehr geholfen hat. Und so lange es geht, wird es gehen. Wer weiß, vielleicht werde ich auf diese Art älter als eingespannt in ein straffes Therapieprogramm das mich unter pharmakologische „Drogen“ setzt?

Die Herausforderung heißt Urvertrauen. Vertrauen in das Leben selbst, dass dieses es gut mit mir meint. Gott ist das schwierig. Loslassen und Lieben statt kämpfen.

… möge ∑ich genug Mut dafür aufbringen können, das wünsche ich mir für uns.

Leben mit DIS #13: „Papa ist tot!“

„Er ist tot. Papa ist tot.“ Diese Worte gehen seit der letzten Therapiestunde in unserem Kopf herum. Werden als Mantra der Erleichterung und Bestätigung immer wieder betont. Selbst wenn es für uns keine Neuigkeit darstellt, schließlich ist er bereits vor über 16 Jahren verstorben, ist es sehr schwierig diese Tatsache wahrzunehmen und zu verarbeiten.

Das liegt daran, dass es Innenwesen gibt, die noch immer in ihrer Angst vor ihm feststeckten?!!! Darf ich es tatsächlich als Vergangenheit bezeichnen? Es wäre so schön. Eine Erleichterung, die ihresgleichen sucht! Eine sehr hilfreiche Brainspotting Sitzung brachte uns einen entscheidenden Schritt näher an dieses Ziel.

Es war ein Kommentar auf unseren letzten Beitrag, der eine Retraumatisierung und ein Flashback auslösten. Nun, das ist unser Risiko, bei den Themen mit denen ich mich an die Öffentlichkeit wage. Wir hatten überlegt, ob wir die Kommentarfunktion für den Artikel Leben mit DIS #12 ausschalten sollten, da er uns sehr nahe ging und es äußerst schwierig war zu schreiben. Wir haben es nicht getan und ich bin froh darüber. Zum einen herzlichen Dank für all jene stützenden und liebevollen Kommentare, die so gut taten, zum anderen kam da dieser schwierige Dialog, der uns aus der Bahn warf. So stark, dass eine telefonische Krisenintervention mit unserer Therapeutin notwendig wurde. Aber jeder Kommentar, der uns so destabilisieren kann, hat etwas mit uns zu tun. Selbst wenn wir nur nicht erkennen können, dass nicht alles in jenem Kommentar mit mir zu tun hat, sondern auch eine Bearbeitung eigener Schwierigkeiten ist, die mir mitunter übergestülpt werden.

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Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns

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ACHTUNG: Dieser Beitrag kann Betroffene evtl. in einzelnen Passagen triggern! Bitte passt auf euch auf, wenn ihr ihn lesen mögt.


Die Erinnerung ist nicht neu, sie ist nicht unbekannt, aber sie quält mich seit einer Woche.

Gestern haben wir über neun Stunden an einem Beitrag geschrieben und versucht sie in Worte zu fassen und schrieben doch nur darüber hinweg, daran vorbei.

Die Kräuter und der Tee helfen zur Ruhe zu kommen. Das ist wunderbar. Muss ich jetzt schreiben, dass Erinnern wunderbar ist? Im Grunde ist es das, wenn ich zulassen kann, was aus den Tiefen der Verdrängung hervorkommt.

Stress hilft sich nicht zu erinnern. Es ist DAS Mittel um Abzuspalten und zu Verdrängen. Der innere Friede ist damit verknüpft, anzunehmen, was ist, was war.

Darf ich es äußern? Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, vor fast einem Jahr. Es ist wieder soweit. Kurz vor dem Veröffentlichen des Artikels habe ich es erst entdeckt. So wiederhole ich mich etwas, wie sich die Erinnerungen wiederholen. Sie sind wieder da.

Als ich vor Jahren einer „Freundin“ darüber etwas anklingen ließ, verbot sie mir ihr davon zu erzählen. Eine andere Freundin meinte, dass sie es nicht erträgt es zu hören. Entschuldigte sich, aber sie war nach meiner Erzählung zusammengebrochen und hatte nur geweint. Auch meinen Yoga-Lehrer hatte ich schon zum Weinen gebracht, als er mir zuhörte. Danach, daheim. Er hat sich nie beschwert, nie etwas anklingen lassen. Seine Ex-Freundin hatte es mir erzählt.

In Therapie habe ich wohl darüber gesprochen, aber wir kommen nicht an jene Innenwesen heran, die es betrifft. Innenkinder, die ab Ende Oktober mehr und mehr die Kontrolle über den Körper übernehmen. Diese Lähmung ist bereits wesentlich besser als noch vor fünf Jahren, aber sie ist noch immer spürbar. Ihre Schmerzen und ihre Trauer belasten uns Woche für Woche mehr, bis sie am 24. Dezember schließlich alle Schwere, die sie seit Jahrzehnten mit sich tragen im gesamten System „Benita“ verteilen und das Leben prägen. Jahr für Jahr, versuchen sie sich mitzuteilen. Jahr für Jahr geben sie am 7. Jänner auf und verschwinden bis Ende Oktober. Dazwischen ist die Zeit vorbei an der sie leiden. Die Zeit in der es damals geschah. Wie oft geschah es? Wie viele Jahre hintereinander? Ich weiß es nicht.

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