Geteilt: Trauma? You Have To See This!

Leben mit DIS # 60: Selbstliebe, Schlafmangel und Dezembertief

Letzte Nacht haben wir nicht geschlafen, sondern noch ganz schnell black Friday Angebote genutzt, um Leuchten für die Wohnung zu bestellen.

Und schon wieder ein erstes Mal, dass wir etwas derlei „Unwesentliches“ für unsere neue Wohnung kaufen.

Bislang hatten wir in allen Wohnungen, die wir bewohnt hatten nur sog. „russische Luster“¹. Das bedeutet, es gab immer nur lose Fassungen an den Kabeln mit einer Glühbirne daran. Uns zu gestatten, für derlei Geld auszugeben, was ja tatsächlich nicht notwendig ist, weil es doch auch mit den bloßen Fassungen und Glühbirnen Licht gibt, ist etwas Außerordentliches. Es ist eine Herausforderung, die wir erst jetzt verstehen. Jetzt nach vier Stunden Schlaf am Nachmittag und Tränen der Erschöpfung, die fast in massiver Selbstentwertung endeten, erkannten wir es. Davor kamen wir nicht zur Ruhe.

Als wir 2023 die Küche kauften, war uns bewusst, dass wir einen besonderen Kauf tätigen, dass es auch psychisch eine Herausforderung wird, weil wir uns derlei noch nie leisten konnten und es wirklich schwierig war uns derlei zu erlauben.

Bei den Leuchten war uns der psychische Aspekt nicht bewusst. Die Besonderheit, die es für uns bedeutet.

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Leben mit DIS # 59: Vertrauensverlust

Stell dir vor, du bist noch kein Jahr alt und kannst deinen eigenen Eltern nicht mehr vertrauen, weil du bereits zu viel Gewalt und Vernachlässigung von ihnen in deinem kurzen Leben erleiden musstest.

Dass mein Leben so gewesen ist und ich mir Verhaltensweisen aneignete um diese frühe Lieblosigkeit zu überleben, ist in einem Ausmaß schmerzhaft, ich kann es nicht beschreiben.

Diese Erkenntnis der gestrigen Therapie Stunde erlaubt mir/uns wieder ein ein Stück Lebendigkeit zurück zu gewinnen.

Bei allen Tränen, die fließen, ist das ein großes Glück.

Leben mit DIS # 58: Innendialog mit dem „Tod“

„Wer bist du?“ „Ich bin der Tod.

Diese Antwort auf meine Frage nach innen, wer gerade durch meine Augen mit nach außen sieht, hat mich anfangs verängstigt.

Was sollte das bedeuten?

„Und was machst du hier?“

Ich bin da, um dich zu holen.

Die Antworten von innen wurden nicht besser.

Zunächst ein Schrecken, dann der Gedanke, „Wie soll das denn gehen?“

„Aber du bist doch im selben Körper, wie ich, wie magst du mich denn holen?“

Plötzlich ein Gefühl, dass es sich um ein Kind handeln dürfte.

„Wie alt bist du denn?“

Ich bin sieben.“ Die Augen vom Innenkind wirken traurig und beschämt.

Es spricht weiter: „Es ist besser so, das Leben ist zu böse.

Offensichtlich handelt es sich um einen kleinen Beschützer, der meint, der Tod wäre besser, als unser Leben. Allerdings scheint er an seiner Mission bereits seit Jahrzehnten schon im Ansatz zu scheitern, denn noch nie gab es auch nur einen Suizidversuch. Gedanken ja, aber keinen Versuch.

All diese Informationen bekomme ich mit seinen oder ihren(?) knappen Worten mitgeliefert. Jetzt beim Schreiben auch die Klarheit, dass der Tod geschlechtslos ist.

Ich spreche nach innen (das mag wie denken erscheinen, ist aber dennoch ein Dialog).

„Aber alles was du erlebt hast, ist heute schon ganz lange Vergangenheit, mehrere Jahrzehnte.“

Jetzt fühle ich eine so tiefe Traurigkeit und Verzweiflung, wie schrecklich das Erlebte wahrgenommen wurde, dass ICH als damals 7 jähriges Mädchen ein Innenwesen unbewusst abspalten musste, welches sich als Tod wahrnimmt, der die Erlösung bringt.

Es schnürt mir die Kehle zu und Tränen fließen. Tränen der Erlösung, denn sobald ein Gefühl von damals gefühlt werden darf, gehört es bewusst zu mir und darf gehen.

Hat der Tod, also doch Erlösung gebracht? Vielleicht auf eine ganz andere Weise, als Erwachsene sich das vorstellen. Vielleicht wurde der Name Tod auch nur gewählt, um aufzurütteln? Das ist gelungen. Danke lieber Tod.

Anmerkung: Dieser Dialog wurde im Einvernehmen mit  den inneren Beteiligten niedergeschrieben und veröffentlicht. Das ist wichtig für uns alle, damit es nicht als psychischer Übergriff wahrgenommen wird, der zu körperlichen Verletzungen führen könnte.

Leben mit DIS # 57: Die schlimmste Zeit des Jahres

Da ist sie wieder, die schrecklichste Zeit des Jahres. Allerheiligen, Geburtstag und Advent bzw. Weihnachten, das Triumvirat der geballten Gewalterinnerungen und Flashbacks.

Der Hundesitter hat S. dankenswerterweise abgeholt und bringt sie erst morgen zurück. Wir dürfen also weinen, ohne S. vor Angst zittern zu sehen. Das sind ihre Trigger, die mit unseren nicht harmonieren. Im Gegenteil. Ganz im Gegenteil.

Es tut so enorm gut,  zumindest einen Tag keine Verantwortung zu übernehmen für irgendjemanden außerhalb unseres Körpers. Wie so oft fühlen wir uns als Hundebesitzerin völlig überfordert. Dennoch bekommen wir einiges von ihr zurück. Aber wir geben oft mehr, als wir haben und funktionieren für sie, oder doch nicht?

Ich weiß es nicht. Seit S. bei uns ist, haben wir immer wieder massive Schmerzen in der Hüfte. Ich weiß nicht,  ob diese nicht nur psychosomatisch sind, weil wir nicht mit ihr hinaus gehen wollen oder eigentlich auch nicht können? Zumindest einige nicht.

Ein Innenkind meinte zuvor, dass sie (wer?) uns abholen werden zu unserem Geburtstag (nächste Woche). Ich sagte, dass das nicht so sein wird. Niemand holt uns, oder bringt uns irgendwo hin, wo wir vergewaltigt werden. Aber woher kommt diese Angst? Hat uns einmal jemand abgeholt? Davon weiß ich noch nichts. Von Papa zu anderen Männern hingebracht schon, aber doch nicht abgeholt, oder?

Dieser eine Tag

Die Welt ist grausam, aber ich habe hier und jetzt nur diesen einen Tag und er ist wunderschön und friedlich.

Ich sitze mit S. in der Sonne und erfreue mich an einem sonnigen Herbsttag.

Ich will und darf diese Tage genießen solange sie sich bieten und dennoch alles, was ich kann / was wir können dazu beitragen, dass diese Tage  in unserem Land möglich bleiben und für so viele Menschen wie nur möglich erlebbar werden weltweit. Auch wenn es vielleicht scheint, dass ich nicht viel tun kann.

Eine Frau geht vorbei sieht mich auf einer sehr gemütlichen Holzliege sitzen, S. auf dem Schoß, die wir streicheln und lächelt uns zu.

Vielleicht ist es auch nur dieser kleine Augenblick, der dieser Frau Kraft gegeben hat, Ruhe geschenkt hat, oder sie erinnert hat, selbst den Tag mehr zu genießen? Wie oft, hat uns der Anblick von in dem Moment zufriedenen Menschen einfach nur gut getan?

Wo beginne ich zu schreiben?

Es gibt mich noch. So viel hat sich geändert und tut es täglich, obwohl scheinbar außen alles beim ewig Alten scheint.

Seit meines Frankreich Aufenthalts hat sich mein Blick auf mein Leben geändert. Ich versuche das Erlebte und Gelernte hier daheim in den Alltag zu bringen und habe Erfolg und scheitere in gleichmäßiger Abwechslung.

Es hat sich so viel getan, dass es unmöglich ist, es in Worte zu fassen. Ich erfinde mich neu, oder versuche mich erstmals richtig zu finden? Dabei versuchte ich es stets, wusste bloß nicht, wo ich suchen sollte.

Ja, ich bin noch „wir“, aber was bedeutet es? Dennoch hat es wohl eine Art Integration gegeben. Ja, ich habe all das erlitten, was ich hier mehrere Jahre versuchte zu beschreiben. Ist es mir gelungen? Kann es je gelingen? Kann diese tiefe Emotion beschrieben werden, die massive frühkindliche und langjährige Gewalt auslösen? Was ändert es, wenn ich es tue?

Was genau wollte ich erreichen? Wollte ich ein Bewusstsein schaffen über Gewalt in der Kindheit? Das habe ich mir zumindest als Ziel vorgenommen gehabt. Sicher wollte ich mir Mut zusprechen weiter zu gehen und habe von euch, meinen lieben Leser:innen sehr viel Kraft und Mut und Liebe bekommen, die mir auf meinem Weg halfen und helfen.

Auch wenn alle Gewalterfahrungen immer Teil meines Lebens bleiben werden und mich in einer Art geprägt haben, die kaum zu beschreiben ist, ist es zugleich Zeit vieles loszulassen. Vor allem das Drama. Ob und wie dies gelingen wird, ist offen. Ich bin zuversichtlich, denn die chronische Depression hat sich außerordentlich gebessert.

Ich weiß noch nicht, was mein nächster Schritt ist. Schreiben ist ein Teil meines Lebens und ich möchte es weiterführen. Auch den Blog hier möchte ich weiter führen. Dennoch denke ich, dass sich manches hier ändern wird.

Ich bin selbst neugierig, wohin es mich treiben wird. Ziel des Blogs war auch mich zu begleiten ein Buch zu schreiben. Der Plan existiert noch. Die Ausführung, die Form, das Ziel sind mir nur zum Teil klar. Vielleicht ergibt sich auch mehr Klarheit im Prozess?

Dieser Text ist der Versuch eines Einstiegs nach einer längeren Zeit der Stille. Eine Stille, die einer sehr intensiven inneren Zeit geschuldet war. Ein herzliches Willkommen und Danke für die vielen Jahre des Lesens und eure Geduld auf Zeilen von mir zu warten.

Die größte Angst ….

Zuvor wurden wir in einem Gespräch mit einer Therapeutin gefragt, was denn unsere größte Angst wäre.

Wir sollten spontan antworten. Die Antwort hieß: „Zu leben.“

Das hat uns erschrocken. Das Innenwesen/Innenkind, das antwortete ist seither präsent.

Später fragten wir es, weshalb es das meint?

Die Antwort war: „Wir sollen nicht durch Mord oder Totschlag sterben.“ Das war die Gefahr der Kindheit.

Diese Frau stellt die richtigen Fragen. Wir sind neugierig, wie es sich entwickeln wird. Wir werden eine spezielle Therapie in Frankreich machen. Es wird spannend. Wir sind sehr zuversichtlich.

Leben mit DIS # 56: Selbstverletzung oder Rache von innen

Wir haben kurzfristig entschieden unseren Bruder entgegen der vorherigen Entscheidung doch zu unserer Mutter zu begleiten. „Es geht uns doch so gut und er hatte uns etwas mitgenommen, was wir unbedingt brauchten. Und nein, da können wir von ihm doch nicht erwarten, dass er einen Umweg zu uns macht.“ Er hatte es von sich aus vorgeschlagen. Dennoch war das ungefähr der innere Dialog, der uns bewog mitzufahren.

Das Treffen war gar nicht so schlecht, dachten wir, außer dass es eigentlich fast durchgehend darum ging, sich übereinander lustig zu machen. ….. Auch wir waren alles andere als nett zu unserer Mutter. Es wurde halt wie immer aneinander vorbei geredet und es gab keine seelische Verbundenheit, mehr ein abarbeiten eines Arbeitsprogrammes und vielleicht ein indirektes Ausagieren von Wut ihr gegenüber. So unehrlich und hinterhältig, wie wir es von ihr gelernt hatten.

Daheim hatten wir ein Problem, dass uns unmöglich war zu reflektieren, bevor wir handelten. War es ein Flashback, das uns antrieb und das wir mit Gefühllosigkeit bekämpfen wollten? Wir hatten Pralinen geschenkt bekommen in einem ganz anderen Zusammenhang. Diese wollten wir weiter schenken, da wir weder Kakao noch Haselnüsse vertragen. Wir bekommen von beidem Herzrasen.

Irgendwann wurde dann diese Packung Pralinen gefressen. Von essen oder gar Genuss kann hier keine Rede sein. 150g Selbstverletzung und damit die Unmöglichkeit zu schlafen und die Zerstörung der heutigen Therapie Stunde sind das Resultat dieses Exzesses. Sollten wir noch 3 h schlechten Schlaf hinbekommen, dann wäre es ein Gewinn.

Wir sind verwirrt und traurig.

Für heute

Herzlichen Dank, Paula Rabe! Das ist so wahr.

Auch wir wünschen allen Kraft, Ruhe und Frei-Zeit von diesem Alltag.

Erster Mai, “Tag der Arbeit”. Gleichzeitig: Du leistest jeden Tag “unsichtbare” Arbeit. Nur ein kleiner Teil deines Lebensalltags besteht vielleicht aus Erwerbsarbeit- oder auch aus Armutsbewältigung (die mehr Zeit und Kraft frisst, als manche meinen). Wann ist mal Pause? Gibt es so etwas wie Urlaub? Wie sieht der Lohn für diese Arbeit aus? Wer stärkt […]

Für heute