Das Wesen von DIS! – tägliches Erleben und doch Unverständnis auch bei uns!

Ein etwas sperriger Titel. Anders ließ sich der Inhalt nicht beschreiben.

Zumindest derzeit nicht, oder nicht von ∑mir.

Seit drei Wochen sind wir nun wieder in Wien. Drei intensive Wochen mit sehr viel Ablenkung, weil Terminen außer Haus.

Und da beginnt schon das Unverständnis. Wenn gute 14 Tage kontinuierlich ein Flashback mitläuft, das zur Ruhe kommen nahezu unmöglich macht und dennoch gibt’s Termine, die in Hinblick auf das Ausmaß der gefühlten Belastung nahezu mühelos oder doch zumindest anstandslos erledigt werden, dann sprengt das unser Verständnis. Zwar bin ich froh, dass dieses Programm ohne Migräne zu bewerkstelligen war, aber es bleibt die große Frage: „Wie geht das?“

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Hinweis auf Blog: „Sofies viele Welten“

Die liebe Sofie und die bunten Schmetterlinge hat auf ihrem Blog in den letzten Tagen mehrere sehr bemerkenswerte Beiträge veröffentlicht.

Am 12. Jänner schrieb sie

über PTBS bei DIS

Dieser Beitrag wurde von Melinas Schreibfamilie rebloggt und ergänzt und diese Ergänzung nochmals bei Sofie geteilt.

über Therapie von DIS – Melinas Schreibfamilie – Ergänzung zu PTBS bei DIS

 

Und nun am 17. Jänner veröffentlichte sie den wunderbar stärkenden und Mut machenden Beitrag

über Die Dimension der Heilung

Ich könnte etwas dazu sagen, wenn ich könnte. Mir fehlt die Kraft an allen Ecken und Enden um zu schreiben.

Ein gestern begonnener Beitrag hat nach einigen Stunden Schreibarbeit noch kein Ende gefunden. Vielleicht wird er noch?

Darum bin ich einerseits außerordentlich dankbar für diese so wichtigen und wundervollen Gedanken, die Sofie in Worte gefasst hat. Und ebenso für die Ergänzung von Melinas.

Ich ersuche euch Sofie und die bunten Schmetterlinge und Melinas um Nachsicht, dass ich mich bei euch so einfach bediene und hoffe, dass ihr meine lieben Leser_innen von dem Geschriebenen manches davon mitnehmen könnt.

Ich verstehe, dass einige von euch die Beiträge bereits kennen und hoffe, dennoch bei euch auf Interesse zu stoßen.

Es lohnt sich sehr diese Artikel zu lesen!

Herzliche Grüße an alle 🌺🧡🌺

Reblogg: die Ausnahmesituation

Hannah C. Rosenblatt hat bereits vor 14 Tagen den Beitrag die Ausnahmesituation veröffentlicht. Ich habe bereits vor 9 Tagen gemeint, dass ich ihn gerne auf meinem Blog teilen möchte.

Wie das Leben so spielt, durchkreuzten mehrere andere Auslöser und Situationen meinen Plan bislang. Themen über die ich auch gerne schreiben würde. Wie bereits öfters kann ich nicht sagen, ob es dazu kommen wird. Ob die Kraft reicht, ob die Ruhe dafür da sein wird. Und wann die Ruhe für eigene Beiträge wieder kommt. Ich hoffe sehr, dass es bald sein wird.

Inzwischen freue ich mich euch folgende Beiträge von einblogvonvielen zeigen zu dürfen, die mir nahe gingen. Insbesondere der erste Beitrag „die Ausnahmesituation“ ist mir besonders wichtig. Den zweiten Beitrag „Heim, Klapse, Knast“ möchte ich als Ergänzung dazu ebenso teilen.

Die Wichtigkeit eines anderen Umganges mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen und Psychiatriekritik sind mir große Anliegen.

Ich denke mittlerweile, dass das Problem großteils in der Unreflektiertheit des Großteils der Bevölkerung liegt. Wer sich selbst nicht kennt, erschrickt vor dem eigenen „Verrückten“ wenn die Person es in anderen gespiegelt sieht. Ich denke, dass es wohl ein politisches Anliegen ist, diese Unreflektiertheit aufrecht zu erhalten. Nicht von allen politischen Richtungen und Parteien, aber doch tendenziell von mehreren. Sei es, weil Angst vor eigener Reflexion besteht und daher vielleicht der Gedanke vorherrscht, dass derlei der „Masse der Bevölkerung“ nicht zugemutet werden könne, oder einfach weil sich Menschen mit Feindbildern leichter lenken lassen? Verständnis und Empathie geben so wenig her für politische Parolen. Ein AUS den Parolen, ein offenes Herz und Mut zum Hinsehen, das wünsche ich mir sehr.

Hier die wunderbaren, reflektierten und empathischen Beiträge von Hannah C. Rosenblatt. Viel Freude beim Lesen und reflektieren.

über die Ausnahmesituation

Heim, Klapse, Knast

 

Fühlen lernen

Zitternd liegen meine Finger auf der Tastatur. In mir vibriert es. Habe heute zwei Tage nacheinander Pukka-Kräuterkapseln genommen. Wir sind ausgeschlafener als in den letzten Wochen und die Dissoziation geht (dadurch?) zurück, das ist zum Teil kaum zu ertragen. Irgendwo stehen wir zwischen dem Wunsch, dass die Spaltung weniger wird und der Erlösung durch die Spaltung und dem Wunsch, weniger zu fühlen.

Seit einiger Zeit begleitet uns emotionales Kopfschütteln. Die Worte fehlen, nur der Kopf geht kaum sichtbar von rechts nach links und retour. Als wollte ich kontinuierlich sagen: „Das kann doch alles nicht wahr sein!“ Tränen und Unwissen, was genau nicht wahr sein kann.

Es gibt ein frühes Kindheitsfoto von mir, als ich im Gitterbett liegend meinen Kopf auf meine Hände stütze. Wenn ich es heute ansehe, sieht es aus, als hätte ich genau dies gedacht. „Das kann doch nicht wahr sein!“ oder auch „Was geht denn hier ab?!“ Vielleicht auch: „Ich bin im falschen Film, das kann nicht sein!“ Natürlich habe ich als Baby/Kleinkind all dies nicht gedacht, aber das Entsetzen, das Entsetzen von damals ist so nahe. Fühlen lernen weiterlesen

„Die Lebensende-Klinik“ – TV Doku

in memoriam C.

In der Nacht auf den 8. Dezember 2016 nahm sich C. das Leben. Sie war noch keine 40 Jahre alt.

Damals konnte ich es nicht verstehen, es tat mir unsagbar weh und das machte mich ärgerlich, auf mehrere Betroffene und auch auf C. Auch, dass ich nicht helfen konnte, dass ihr nicht geholfen wurde, von Stellen, die dafür eingerichtet wurden schmerzte so sehr. Auf Psychiatrien und bei anderen Kriseninterventionen fand sie keine Ruhe. Sie kämpfte um ihren Seelenfrieden und fand ihn nicht.

Auch die verordneten Psychopharmaka und Alternativmedizin brachten ihr nicht die ersehnte Erleichterung ihres Leides.

Mehrere Wochen war ich letztes Jahr von dieser tragischen Realität, dass sie gegangen war belastet. Gestern und heute ist uns diese Begebenheit wieder sehr nahe. Zuvor beim Yoga weinten wir um C., wieder einmal. Es ist so traurig, wenn eine so junge, kluge, körperlich gesunde und in sich sanfte Frau nicht weiter weiß und ihr Leben beendet.

Einen Tag vor ihrem ersten Todestag wurde im ORF eine Dokumentation zu Sterbehilfe ausgestrahlt. Vor einem Jahr habe ich einen Beitrag geschrieben, weshalb Suizid keine Option ist. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob das immer so ist. Ich möchte, dass es keine Option ist, aber ich akzeptiere, dass dies nicht für alle Menschen immer so gelten muss. Ich musste vor einem Jahr für mich Stellung beziehen, um mit der Situation umgehen zu können.

Die oben angekündigte TV-Doku zu einer „Lebensende-Klinik“ in Den Haag, wo der Wunsch nach selbst bestimmten Sterben von mehr als 40 Sterbehilfeteams geprüft wird und Sterbehilfe geleistet wird, hat uns sehr aufgewühlt. Es ist eine zärtliche Doku, die den Menschen ihre Würde lässt. Wünsche, die verstanden werden können oder nicht. Es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, sein Leben vorzeitig zu beenden.

Zuvor, als beim Yoga die Tränen kamen, war es nicht, weil C. gegangen war. Schmerzlich war, mir vorzustellen, dass sie diesen Weg alleine gehen musste, einsam, ohne Beistand. Vielleicht sogar mit Schuldgefühlen, bevor sie einschlief für immer!

DAS hatte sie nicht verdient. Niemand sollte so sterben müssen.

Hier geht’s zur Doku, die noch 4 Tage in der ORF/tvthek abrufbar ist:

http://tvthek.orf.at/profile/Weltjournal/5298609/WELTjournal-Die-Lebensende-Klinik-Sterben-auf-Wunsch/13956213

Ich möchte diese Doku teilen, weil ich die Debatte als schwierig, aber wichtig empfinde. Sie macht mir Angst und ich habe noch keine endgültige Meinung dazu.

Bitte passt auf euch auf, wenn ihr sie anseht.

Liebe C., ich hoffe sehr, dass es dir nun gut geht, wo du jetzt bist. R.i.P 🌻

Leben mit DIS#12: Über die Mühsal des Erinnerns

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ACHTUNG: Dieser Beitrag kann Betroffene evtl. in einzelnen Passagen triggern! Bitte passt auf euch auf, wenn ihr ihn lesen mögt.


Die Erinnerung ist nicht neu, sie ist nicht unbekannt, aber sie quält mich seit einer Woche.

Gestern haben wir über neun Stunden an einem Beitrag geschrieben und versucht sie in Worte zu fassen und schrieben doch nur darüber hinweg, daran vorbei.

Die Kräuter und der Tee helfen zur Ruhe zu kommen. Das ist wunderbar. Muss ich jetzt schreiben, dass Erinnern wunderbar ist? Im Grunde ist es das, wenn ich zulassen kann, was aus den Tiefen der Verdrängung hervorkommt.

Stress hilft sich nicht zu erinnern. Es ist DAS Mittel um Abzuspalten und zu Verdrängen. Der innere Friede ist damit verknüpft, anzunehmen, was ist, was war.

Darf ich es äußern? Ich habe bereits einmal darüber geschrieben, vor fast einem Jahr. Es ist wieder soweit. Kurz vor dem Veröffentlichen des Artikels habe ich es erst entdeckt. So wiederhole ich mich etwas, wie sich die Erinnerungen wiederholen. Sie sind wieder da.

Als ich vor Jahren einer „Freundin“ darüber etwas anklingen ließ, verbot sie mir ihr davon zu erzählen. Eine andere Freundin meinte, dass sie es nicht erträgt es zu hören. Entschuldigte sich, aber sie war nach meiner Erzählung zusammengebrochen und hatte nur geweint. Auch meinen Yoga-Lehrer hatte ich schon zum Weinen gebracht, als er mir zuhörte. Danach, daheim. Er hat sich nie beschwert, nie etwas anklingen lassen. Seine Ex-Freundin hatte es mir erzählt.

In Therapie habe ich wohl darüber gesprochen, aber wir kommen nicht an jene Innenwesen heran, die es betrifft. Innenkinder, die ab Ende Oktober mehr und mehr die Kontrolle über den Körper übernehmen. Diese Lähmung ist bereits wesentlich besser als noch vor fünf Jahren, aber sie ist noch immer spürbar. Ihre Schmerzen und ihre Trauer belasten uns Woche für Woche mehr, bis sie am 24. Dezember schließlich alle Schwere, die sie seit Jahrzehnten mit sich tragen im gesamten System „Benita“ verteilen und das Leben prägen. Jahr für Jahr, versuchen sie sich mitzuteilen. Jahr für Jahr geben sie am 7. Jänner auf und verschwinden bis Ende Oktober. Dazwischen ist die Zeit vorbei an der sie leiden. Die Zeit in der es damals geschah. Wie oft geschah es? Wie viele Jahre hintereinander? Ich weiß es nicht.

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Wunder geschehen: „Psychopharmaka“ aus dem Bio-Supermarkt

oder: Über die Kraft der Kräuter – richtig kombiniert und unsere Ablehnung von chemischen Psychopillen

ACHTUNG: Dieser Beitrag ist keine Empfehlung Psychopharmaka abzusetzen oder ärztliche Verordnungen zu ändern. Diese mögen bei anderen Menschen und anderen Krankheitsbildern ihre Berechtigung und Nützlichkeit haben. Für mich sind sie nicht geeignet, was ich auch mit einer Psychiaterin mit DIS-Erfahrung abgesprochen habe. Ich berichte hier nur über meine Erfahrungen und kann keinerlei Empfehlungen für andere Personen erteilen. Im Zweifelsfall ersuche ich euch ärztliche Hilfe einzuholen.

Es war an einem Tag vor etwas mehr als einer Woche, als sich zwei Begebenheiten ereigneten, die etwas in meinem Leben veränderten, das ich vielleicht als Meilenstein bezeichnen könnte.

Ich bin sehr vorsichtig mit solch großen Bezeichnungen. Leben und Heilung ereignen sich in einer Spirale, die sich langsam, ganz langsam nach oben dreht. Immer wieder gibt es Aufschwung und Verzweiflung. Sie wechseln sich ab. Dennoch wage ich diesen Begriff, weil sich quasi über Nacht Großes verändert hat.

Zunächst war dieser Tag als ein schwieriger in meinem Kalender eingetragen. Ein gemeinsames Mitagessen mit meiner Mutter war vereinbart. Dieses verdient es wohl, dass ich extra darüber berichte, weil es sonst diesen Beitrag sprengen würde. Nur so viel an dieser Stelle, ich konnte davor gegen allen Erwartungen tatsächlich für meine Verhältnisse gut schlafen.

Nachdem ich mich von meiner Mutter getrennt hatte, ging ich etwas spazieren. Der Regen hatte glücklicherweise gestoppt und alle Sicherheitsvorkehrungen, die in Therapie für diese Begegnung besprochen wurden griffen gut. Bewegung im Anschluss war einer jener Mechanismen, die helfen sollten das Erlebte gut zu verarbeiten. Ich entdeckte wie angespannt und dissoziiert ich gewesen war und langsam beruhigten sich die Innenwesen im Körper wieder und unser gewohntes Körpergefühl kehrte zurück.

Auch Kraftraining hatten wir uns vorgenommen, da es ebenso hilft Anspannungen abzuarbeiten. Auf unserem Weg zum Fitness-Studio kommen wir an einem Bio-Supermarkt vorbei, in dem wir selten aber mitunter doch einkaufen. Weshalb nicht noch einen Sprung hineinschauen und eine Kleinigkeit mitnehmen, dann haben wir ein anderes Mal weniger zu tragen.

Aha, eine Produktpräsentation nahe des Eingangs. „Pukka“ Tee wurde vorgestellt und zur Verkostung eingeladen. Ich hatte von dieser Firma bereits einmal Kräutertee gekauft und genossen. Ja, ich mag die ausgewählte Zusammenstellung der Kräuter sehr gerne, wie sie Pukka anbietet.

Nach dem anstrengenden Termin, den wir an diesem Tag bereits hinter uns hatten, lenkte die Verkäuferin unsere Aufmerksamkeit auf Tee und Kapseln mit dem klingenden Namen „night time“, welche beide mit unterschiedlicher Zusammensetzung an Kräutern eine friedliche Nachtruhe versprechen. „Es ist auch möglich, diese zu kombinieren, das ist aber viel zu stark.“, meinte die Vertriebsangestellte der Firma. Ich nicke und lächle in mir, „die hat ja keine Ahnung, wie schlecht ich schlafe, gut zu wissen, dass das geht!“

Davor wurde mir berichtet, dass eine Frau sogar ihre Psychopharmaka absetzen konnte, nachdem sie regelmäßig diesen Tee getrunken hatte. Klingt fast unglaublich, aber nachdem ich eine ganz besonders tiefe Abneigung gegenüber Psychopharmaka hege, die Resultat meiner schlechten Erfahrungen ist, war ich zwar skeptisch, aber doch geneigt ihre Worte zumindest einer Prüfung zu unterziehen.

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“Wir sind Viele” ~ Teil 4 ~

In meiner Verzweiflung wie ich mit dem umgehe, was sich derzeit in mir tut und welche Worte ich dafür finden kann, surfe ich herum und komme von einem Punkt zum nächsten.

Habe noch einen Beitrag zu schreiben begonnen, in dem ich Texte zu DIS verlinkte, die jedoch schon fast 20 Jahre alt sind. … Dazu im anderen Artikel, sofern ich ihn veröffentliche.

Auf meiner weiteren Suche nach Ausdruck in dem ich mich wiederfinden kann und damit auch stabilisieren kann, stolperten wir über einen Beitrag von Hannah C. Rosenblatt aus dem Jahr 2014, den ich unten teile. Dieser ist um einiges aktueller vom Datum her und hochaktuell angesichts des Inhaltes. Diese Überforderung von hochdissoziativen Patient*innen und die fehlende Hilfe ist auch 2017 in Österreich (für Deutschland und andere Länder kann ich nicht sprechen) brisant. Wobei hierzu zu sagen ist, dass es hierzulande kaum Traumakliniken gibt. Ob es Kliniken gibt, die mit Komplextrauma arbeiten ist mir ebenfalls nicht bekannt.

Hannah C. Rosenblatt schreibt über einen Vortrag dem sie u.a. zum Thema „stationäre Therapie bei Komplextrauma“ beiwohnte …

Der sehr lesenswerte Beitrag findet sich hier … Quelle: “Wir sind Viele” ~ Teil 4 ~

Ich zitiere hier, was mich besonders ansprach. Ob es ohne den vorherigen Text verständlich ist, kann ich nicht sagen. Ich bitte meine Leser*innen demnach dem Link zu folgen und den gesamten Artikel zu lesen.

Herzlichen Dank und liebe Grüße von uns.

(…) Am Ende gab es die Möglichkeit Fragen zu stellen und einzelne Punkte weiter auszuführen.
Ich meldete mich und fragte, wie auf das traumareaktive Muster der Vermeidung in der Klinik bzw. dem Konzept reagiert wird. Wenn in den Protokollen also eigentlich etwas stehen müsste, aber nicht steht, zum Beispiel, weil der/ die PatientIn die Angst vor der Angst mit Dissoziation vermeidet.
Eine fundamentale Frage, wie ich finde- haben wir doch gerade in dem Vortrag vorher gehört, dass sogenannte ANP’s (Alltagsnahe, (rein) funktionale Persönlichkeitsanteile/Innens/Innenpersonen/ etc. ) genau dieses Muster in sich tragen, um die Vermeidung der Annäherung an EP’s (Emotionen und Traumamaterial tragende Anteile/etc.) aufrecht zu erhalten (also strukturell zu dissoziieren, was man dann DIS nennt, was wiederum eine Folge von komplexer Traumatisierung ist, die dort in der Klinik behandelt wird).
Ich empfand die Antwort als ignorant und kann das auch jetzt, 4 Tage später, nicht anders nennen.
“Wir können nur mit dem arbeiten, was da ist”.
Meine Entgegnung jetzt: Ja, kann man- muss man aber nicht! Zumindest nicht, wenn man sich vielleicht mal fragen möchte, wem man eigentlich hilft und wem nicht. Wenn man sich mal kurz de Frage stellt, welche Menschen man allein lässt. Wieder. Nach all dem, was sie bereits allein durchstehen mussten.

So komme ich zu meinem eigenen “Vortrag”.

Ich persönlich, habe überhaupt gar keine Zweifel daran, dass solche Klinikonzeptionen Menschen helfen können und von Menschen auch als hilfreich wahrgenommen werden, selbst wenn keine Traumaexposition im stationären Rahmen passieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass diese Konzepte keine Luftschlösser sind und sicherlich auch ausführlich evaluiert wurden – allerdings nur mit PatientInnen, die da waren.

Die PatientInnen, die sich von vornherein gegen dieses Konzept entscheiden, nach Vorgesprächen gegen eine Aufnahme entscheiden und auch die PatientInnen, die an den Bedingungen zur Aufnahme scheitern (ihr erinnert euch an diesen Artikel? Das ist Bad Mergentheim gewesen), stehen für solche Erhebungen nicht zur Verfügung und ganz offensichtlich besteht auch kein Interesse daran, sich diesen zu widmen, zu befragen und Klinikkonzepte für komplex traumatisierte Menschen zu entwickeln, die auch mit (oder trotz?) kranker Kassenbegrenzung von einem stationären Rahmen der Psychotherapie bzw. psychosomatischer Medizin profitieren könnten.

Ich habe den Verdacht – oder vielleicht sollte ich von einer These, einer Idee sprechen, dass hier an diesem Vortrag sichtbar wurde, wie versucht wird, als unnormal definierter Dissoziation mit als normal definierter Assoziation zu begegnen.
Aufgegriffen wird, was der/ die PatientIn assoziiert und äußert – nicht was er/sie dissoziiert und ergo nicht konkret äußern/ benennen kann. Hilfreich ist, was da gewesene PatientInnen belegen- nicht das, was nicht dort behandelte PatientInnen als fehlend bezeichnen würden.

Wir haben ein Existenzproblem in unserer Gesellschaft. Ein Problem damit Minderheiten als sichtbar und existent und genauso wichtig, wertvoll, gewichtig wahrzunehmen und anzuerkennen, wie Mehrheiten. Es reicht nicht zu sagen: “Wir können nicht allen helfen.” um sich dann zu seinem Schreibtisch zu drehen und sich den Problemen, die seit Jahren als die Gleichen bestehen zu widmen. Ja, das wichtig. Ja, da muss auch etwas passieren und ja, es prima, dass es Menschen gibt, die das mit viel Kraftaufwand, Zeit und Herzblut tun. Vielen Menschen wurden so schon Leben gerettet, ermöglicht und/ oder verbessert.

Der Anspruch muss aber sein, dass tatsächlich alle Menschen die gleiche Chance auf Hilfe haben. Auch wenn es sich um eine – ausschließlich im Vergleich! – kleine Gruppe von Menschen handelt. An der Stelle beginnt moralische Verantwortung, der alle Menschen, meiner Meinung nach, nachzukommen haben, wenn das Ziel ein lebenswürdiges, lebenswertes Leben für alle Menschen gleich ist.

Es kann und darf nicht sein, dass wer nicht sichtbar ist, als inexistent gilt und zu bleiben verdonnert ist, weil es sich so leicht gemacht und nur Sichtbares aufgegriffen wird.
Es kann nicht sein, dass von hochdissoziativen Menschen gefordert wird, hochassoziativ zu agieren, wenn sie dieses als massiv lebensbedrohlich wahrnehmen (müssen- denn sonst hätten sie diese Struktur nicht entwickelt). Es kann nicht sein, dass Todesangst zum immanenten Teil des Heilungsbemühens in der Psychotherapie für auch nur einen einzigen Menschen gehört.

Ich will das vorgestellte Konzept wirklich nicht schlechtreden. Wirklich nicht.
Es wird Menschen helfen und so hatte es seine Berechtigung dort auf der Tagung gehört zu werden. Es wird aber den vielen die Viele sind und massive (von DBT- Elementen und Stabilisierungs-Intervalltherapiekreiseln in psychosomatischen Kliniken massiv verstärkten) Vermeidungsmustern der Persönlichkeitsstruktur nicht helfen. Und das nicht mindestens traurig zu nennen und zu Veränderungen in der konzeptionellen Gestaltung und auch der Kassenfinanzierungsgegebenheiten aufzurufen, ist ein Versäumnis, das ich in gar keinem Fall so stehen lassen will.

Vielleicht kann der Herr Prof. Dr. Plassmann in seiner Klinik nicht allen helfen.
Andere aber könnten das wollen.
Und genau diese Menschen sollten, meiner Meinung nach, gestärkt aus solchen Vorträgen heraus gehen.

Ich bin nur ernüchtert und wütend aus der Aula gegangen.

 

„lebendig werden …“ in Zeitschrift an.schläge VI/2017

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Ich fühle mich geehrt. Heißt es. Tue ich es? Gerade eben stresst es mich. Eigentlich freue ich mich sehr. Aber dann sind da noch ∑meine Ansprüche. Jene Ansprüche, die so hoch sind, wie meine Therapeutin uns immer wieder vermitteln versucht und dabei lächelt, weil wir es wieder einmal mit einer Handbewegung vom Tisch wischen. „So bin ich!“, heißt es dann aus unserem Mund. Und wir lachen mittlerweile mit ihr.

Aber jetzt? Was tun?

Worum es geht?

Unser Blog wird in der aktuellen Ausgabe der feministischen Zeitschrift an.schläge VI/2017 erwähnt. ∑Mein Blog als Lese-Empfehlung in einer Printausgabe eines Magazins. Hui, das ist etwas gaaanz Großes für uns.

Am Blog der an.schläge ein Einblick – Bloggen gegen das Tabu.

Ja genau, darum geht es uns – auch. Als wir gefragt wurden, ob das für uns in Ordnung ist, ob wir das wollen, wurden wir auch nach einem Begleittext gefragt, den wir verfassen können. Haben wir auch getan und erbaten uns den Artikel vor der Veröffentlichung lesen zu dürfen. Das gehört so. Also, wir wollten doch wissen, in welchem Zusammenhang wir da genannt werden. Wir gaben unser o.k. – was sonst.

In der erwähnten Ausgabe der an.schläge gibt es den Themenschwerpunkt Psyche & Gesundheit und in Rahmen dessen wird unter anderem dieser Blog vorgestellt.

Wir kennen die Zeitschrift aus unserer aktiveren feministischen Zeit. Es war jene Zeit vor unserer Krebs Erkrankung in der wir die erfahrene Gewalt heilen wollten, indem wir uns für ein Ende der Gewalt in der Gesellschaft über feministisches Engagement einsetzten. Bloß nicht an dem inneren Schmerz anstreifen. Abspalten half und im Kopf bleiben. Nur nicht zuviel fühlen. Denken ging besser, aber nicht gut genug. Unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit durch Flashbacks und Traumafolgen, sowie die Einführung von Studiengebühren zwangen uns zunächst unser Studium der Politikwissenschaft und Frauenforschung abzubrechen. Das war ein außerordentlich schmerzlicher Schritt. Davor hatten wir bereits um Berufsunfähigkeitspension ansuchen müssen. Dann kam die körperliche Krankheit und mit ihr das zurückgeworfen werden auf das verdrängte innere Leid. Seit der Krebs-Diagnose sind über elf Jahre vergangen und unser Leben hat sich in vielen Bereichen geändert. Ich bin feministischem Denken weiterhin verbunden und teile die Linie dieses Magazins. Zudem erwacht mit zunehmender Genesung auch wieder mein Wunsch nach politischem Engagement. Hinsichtlich Krebs gelte ich als geheilt, bzgl. Traumafolgen hat sich in den letzten Jahren vieles zum Positiven verändert. „lebendig werden …“ in Zeitschrift an.schläge VI/2017 weiterlesen

Reblogg über Trauma und Trigger

Diesen Beitrag hat Hannah C. Rosenblatt bereits Anfang Juli veröffentlicht. Ich finde ihn sehr hilfreich für Leute mit und ohne Trauma um manches zu verstehen. Herzlichen Dank nochmals an Hannah. Gerne wollte ich auch noch etwas Eigenes zu diesem Thema schreiben, aber das wird sich wohl noch verzögern. Uns ist anderes heute näher. Dennoch möchte ich diesen bemerkenswerten Beitrag vorschicken.

Er enthält sehr viel Information, also nehmt euch / nehmen Sie sich Zeit. Ich stimme nicht mit allem ganz überein, aber in sicher 90 % des Textes finden wir uns wieder.

Viele neue Erkenntnisse beim Lesen wünschen wir. 😊

Neulich stand ich mit einer Freundin in einem Laden. Aus den Lautsprechern dudelte “This Love” von den Maroon 5. Ein Song aus dem “Dragostei din tei-Sommer”. Dem Sommer, in dem wir 18 wurden und wussten, dass wir nie wieder einfach mal eben so in eine Psychiatrie abgeschoben werden konnten. Der Sommer, in dem wir zwischen […]

über Trauma, Trigger, Volvo fahren — Ein Blog von Vielen