Weihnachten 2018

 

 

Lyrics:

Wir schreibm Geschichte, såg bist bereit
Der Wöd zu erzähln, wonåch dein Herz schreit
Zeile für Zeile, es wird, wås es ist
Im Drehbuch des Lebens is keiner Statist.

Wir schreibm Geschichte, und ålles wås zählt
Is das wås wir sein wolln, ned das wås uns fehlt.
Mitten im Lebm, mitten im Traum
Vielleicht sama beides, solång ma drån glaubm.

Jeder Tåg is a Denkmål, für ewig erbaut
Wird doch imma kleiner, wennst in Rückspiagl schaust

Die Wöd draht si weiter und wir drehn uns mit
Wer kennt ned die Tränen in am låchenden Gsicht
So nei wie vergänglich
So alt wie unendlich
So schee wie du bist.
So schee wie du bist.

Wir schreibm Geschichte, auch zwischn die Zeiln
erzähl ma a Wåhrheit vom Werdn und Sein.
Mål schrei ma a Meinung,
mål schweign ma uns ån
weil ma hoffm und fürchtn, dass si ålles ändern kånn.

Jedes Heut wird zum Gestern, egal wås ma tan.
Und erst wenn ma z’ruck schau’n, werdn ma sehn, wer ma san.

Wir schreibm Geschichte, dein Blattl is leer
Bleibt eh ålles wie immer oder woll ma nu mehr?

Music video by Ina Regen performing Wir schreibm Geschichte (Live & Akustik Session). (C) 2018 Sony Music Entertainment Germany GmbH


 

Herzliche Grüße an alle meine Leser*innen. Danke, dass ihr hier seid, obwohl es hier gerade sehr wenig zu lesen gibt. Das bedeutet keinesfalls, dass ich nichts zu sagen hätte, im Gegenteil. Vieles tut sich. Und ich werde wieder schreiben, vielleicht heute noch?

Ob ich hier schreibe oder nicht, schreibe ich Geschichte, wie auch immer. Ich mag dieses Lied besonders gerne. Ina Regen ist eine hervorragende Musikerin. (Sollte der Text überhaupt nicht verständlich sein, kann ich ihn übersetzen. Vielleicht, so hoffe ich, geht er auch so zu Herzen. …. Bei Bedarf einfach einen Kommentar schreiben!)

Wunderbare Feiertage, Ruhe, Frieden, und eine Zeit, die ihr so verbringt, wie ihr sie verbringen wollt. Eine Zeit, die euch Kraft spenden kann und heilen. Das wünsche ich allen von Herzen! 💝💚💖

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Leben mit DIS/DDNOS #19: Meine verdrehte Welt

Situation 1: Aufgrund einer Verlassenschaft habe ich derzeit vermehrten Kontakt zu meiner Mutter. Das ist vor allem deshalb ein Problem, weil je selbstverständlicher ich für sie erreichbar bin, desto eher behandelt sie mich wie früher. Das bedeutet ich muss bei jedem Treffen darum kämpfen, dass sie respektvoll mit mir umgeht. Sonst behandelt sie mich wie ein Ding, ihr Eigentum mit dem sie machen kann, was sie will. Ihre Antwort zu ihrem Lebensgefährten, der meinte: „Wie sprichst du denn mit „Benita“?“: „Ich darf mit ihr reden, wie ich will, das ist meine Tochter!“ Ja, ich kann mich heute dagegen wehren und habe es getan! Allerdings mit mäßigem Erfolg.

Zusätzlich ist sie nämlich mittlerweile wieder dazu übergegangen mir bei jedem Telefonat oder Aufeinandertreffen zu erklären, welch wunderbarer Mensch mein verstorbener Vater war, der mich meine gesamte Kindheit bereits als Baby beginnend vergewaltigte, verkaufte für sexuelle Dienstleistungen und die gesamte Familie quälte mit seinem Sadismus und Jähzorn. Als ich ihr zuletzt sagte, sie solle damit aufhören, weil ich ihre Worte nicht so stehen lassen kann und wir dann nur streiten können, meinte sie: „Zu mir war er ja immer gut!“

Ich brauchte mehrere Tage und eine weitere Lobeshymne über ihn, die sie am Telefon sang, um zu erkennen, welch große Mutterliebe es bedeutet, wenn der Vater meine Kinder misshandelt und ihnen Gewalt antut, zu sagen, dass er zu mir als Mutter „immer gut war!“ Mir graut, wie wenig Liebe unsere Mutter für meinen Bruder und mich jemals hatte und bis heute hat.

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Das Dilemma und mein Weg hinaus

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Fotoausstellung Baden bei Wien

Oder: Darf es mir/uns gut gehen und was bedeutet „gut gehen“ für uns?

Seit das Trampolin Einzug in mein Leben gehalten hat, hat sich so vieles verändert. Das ist langsam nicht mehr neu und dennoch wundere ich mich jeden einzelnen Tag, wenn ich erwache und nicht mehr von dieser Schwermut geplagt bin, die mir noch vor drei Monaten täglich „Wozu lebe ich überhaupt?!“ in mein Gehirn schrie kaum dass ich die Augen öffnete. Stattdessen zu erwachen und zu denken: „Mein Leben ist in Ordnung!“ oder „Es ist gut!“ mit einem zarten Lächeln im Gesicht, ist eine Freiheit, die uns dennoch überlegen lässt.

So von einen Tag auf den anderen, ein neues Leben? Aber ist es ein neues Leben? Natürlich nicht! Darf es uns denn gut gehen? Das war stets die Frage unseres Lebens. Und so arbeiten wir uns auch hier am Blog an dieser plötzlich neuen Wahrnehmung ab. Bereits die letzten Beiträge handelten von nichts anderem.

Plötzlich geänderte Wahrnehmungen bei Leuten mit DIS/DDNOS sind auch mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht ist ja gar nichts anders und nur eine andere Person heraußen, die den Alltag übernommen hat? Das kann auch mehrere Monate andauern, dass sich eine Person oder mehrere in den Vordergrund kämpft bzw. kämpfen und genau dort bleiben. Die dunklen Monate von Mitte Oktober bis Mitte Jänner war das über viele, viele Jahre so bei uns.

Nein, so fühlt es sich nicht an. Es fühlt sich ganzer an, kompletter. Das Wohlfühlen scheint vielleicht nicht alle, aber doch viele zu betreffen.

Eine weitere Änderung in meinem Alltag ergibt das Lesen anderer Blogs von jenen, die Gewalt erlebten. Jene Blogs zu lesen erzeugte in mir immer wieder das Gefühl verstanden zu werden. Ein Empfinden von Verbundenheit. Ich fand mich vor allem dort wieder, wenn es darum ging mit schwierigen Gefühlslagen zurande zu kommen. Seit einiger Zeit ist das anders. Es fällt uns schwer, diese Blogs zu lesen. Es ist nicht so, dass wir plötzlich keinerlei Zugang mehr zu den Emotionen und Seelenzuständen hätten, vielmehr haben sie nur als Erinnerung mit uns zu tun. Ob das auf ein anderes Innenwesen in der Außenwelt spricht, oder „bloß“ auf mehr Distanz zu anderen Personen, was ein großer Heilungsschritt wäre? Ein mich nicht mehr auflösen in den Geschichten der anderen, sondern meine eigenen Grenzen wahren. Die ersten Gedanken beim lesen eines anderen Blogs mit dieser veränderten Wahrnehmung waren: „Ja, das ist alles ganz schrecklich, aber es ist nicht meine Geschichte. Es muss MIR nicht schlecht gehen deswegen!“ Früher war es so, dass Mitgefühl mit anderen für uns vor allem Mit-LEID hieß, was uns nicht bewusst war. Wir litten tatsächlich mit vielen schmerzhaften Blogartikeln mit und es gab uns eine Existenzberechtigung!

Als Kind war ich verantwortlich für das Wohlbefinden der gesamten Familie. Meine Mutter und mein Bruder waren zu ängstlich, sich gegen den sadistischen Vater zur Wehr zu setzen. Diese beiden galt es zu trösten und stärken, damit sie sich nicht schwach fühlten mit ihrem Unvermögen, obwohl sie es waren.

Und den Vater hatte ich auf vielfältigste Weise zufrieden zu stellen. Ich hatte ihm zu dienen, als Sklavin im Haushalt, als Sexsklavin, als intellektuelle Gesprächspartnerin (das war wohl das woraus ich tatsächlich auch profitierte), die jedoch niemals widersprechen durfte und ihn bloß stellen, auch wenn er Unsinn sprach. Letztendlich hatte ich bei allen dreien die Aufgabe ihre Probleme anzuhören und ihnen Mut zu zusprechen.

Wir haben nun den Verdacht, dass uns jenes Muster Probleme anzuhören und Mut zu zusprechen das Gefühl der Geborgenheit vermittelte beim Lesen schlimmer Erfahrungen auf anderen Blogs. Das Gefühl des wiedererkennen, des dazu gehören. Es war ein Gefühl von früher. Das Dilemma und mein Weg hinaus weiterlesen

Geh hinaus und leb dein Leben

Meine lieben Leserinnen und Leser,
Dieses Gedicht von Seelenkarussell fühlt sich für mich/uns so gut an. Es nimmt Bezug auf Gefühle, die knebeln und dennoch hinausgehen, und das eigene Leben leben.
Tatsächlich muss ich auch sagen, dass sich Vieles bei mir ändern momentan. Das tägliche Trampolin schwingen bzw. hüpfen und nun auch meditieren. Positives kommt in mein Leben und ich bin unendlich dankbar und freue mich. Es knebelt noch Vieles, aber da ist die Zuversicht einen Platz zu schaffen, wo ich glücklich sein kann. Selbst wenn es sogar ängstigt so etwas zu denken, gilt es diese Furcht loszulassen. Das ist mein Weg.
Diesen Platz wo ihr glücklich seid, wünsche ich euch allen und geht weiter, es ist möglich, das will ich sagen, auch dann wenn’s grad schwierig ist. Ich schicke euch ganz viel Kraft und Mut. Ich kann verstehen, wenn die eine oder der andere diesen Beitrag vielleicht sogar als zynisch empfinden mag in dunklen Augenblicken. Das ist nie meine Absicht. Habt Mut es gibt Zeiten wo es leichter wird, vielleicht sogar ganz leicht. Das darf sein.
Danke Gabi für dieses schöne Gedicht, das so schön beschreibt, lebendig zu sein.
Herzliche Grüße an euch. 🌼🍀🍀🍀❤️

Einen Moment innehalten

LebenGeh hinaus und leb dein Leben,
ohne Angst vor Niederlagen,
lass deinen Geist zum Himmel schweben,
und scheu dich nicht, stell deine Fragen.
Lass ab von allem Überfluss,
von dem, was deinen Geist vernebelt,
bring alles zu ’nem guten Schluss,
lös auf, was deine Seele knebelt.
Begegne Menschen mit Respekt,
sei hilfsbereit und fair,
halt die Gefühle nie bedeckt,
denn ohne sie wird’s Leben schwer.
Behandle Freunde wie ein Schatz,
was hilflos ist, beschütze,
such in der Liebe deinen Platz,
sie ist dir Halt und Stütze.
So geh hinaus, und leb dein Leben,
in dieser Welt bist du daheim,
du findest nicht den Garten Eden,
doch deinen Platz zum Glücklichsein.

Copyright seelenkaurssell

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Emotionale Hochschaubahn oder: Wird Depression zur Erinnerung für uns?

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Erstaunliches geschieht. Die letzten Monate waren mit Arbeit überhäuft. Seit unserer Entscheidung für eine neue Wohnung in Gemeinschaft vor über einem Jahr, geht es innen rund. Vor allem seit Anfang dieses Jahres laufen die Planungsarbeiten für die Errichtung der Gebäude auch für die Baugemeinschaft voll an. Garten und Gemeinschaftsräume wollen geplant werden. Die Zeit des Beschnupperns ist ebenso Vergangenheit, wie die Zeit des sehr zurückhaltenden Umgangs miteinander. Befindlichkeiten und Eigeninteressen drängen an die Oberfläche und reiben sich an ebensolchen der anderen.

Gute 20 Jahre leben in Zurückgezogenheit und auch Isolation haben ein nahezu abruptes Ende für uns genommen. Fast möchten wir sagen ein zu abruptes. Nichts ist selbstverständlich für uns. Das ist es auch für andere in der Gruppe nicht, aber für uns ist es vielleicht noch außergewöhnlicher?! Ein dazu gehören, obwohl wir in Berufsunfähigkeitspension sind, obwohl wir immer wieder sehr ängstlich sind oder uns gegen Umarmungen vor allem von Männern aussprechen. Auch, dass wir bei Gruppentreffen aufgrund immer wieder auftretender Überforderung weinen, ist kein Grund uns ablehnend zu begegnen. Vielmehr bekommen wir immer wieder Zuspruch, Unterstützung und Trost. All das ist besonders für uns. Langsam lernen die anderen uns kennen. Über unsere DIS/DDNOS wissen nur zwei zukünftige Mitbewohnerinnen Bescheid. Oder sollte ich schreiben: „Über unsere DIS/DDNOS wissen SOGAR zwei zukünftige Mitbewohnerinnen Bescheid?“ Wir sind sehr dankbar, dass es sich entwickelt, wie es sich entwickelt. Trotz aller Anstrengung und dem immer wieder auftretendem Gedanken, dass wir das nicht schaffen und überlegen, ob wir aussteigen sollten. Langsam aber merken wir, dass jene Aufgaben, die wir von uns selbst erwarten ohne Überforderung lösen zu können, auch diejenigen überfordern, die nicht an einer Traumafolgestörung leiden. Es liegt nicht an uns, dass wir nichts schaffen. Manches ist einfach zu viel. Menschen überfordern sich. Nicht nur wir! Heureka!!! Es nutzt eben nichts, dass uns unsere Therapeutin dergleichen seit bereits einer gefühlten Ewigkeit vermitteln will. Wir haben es nicht verstanden oder ihr nicht geglaubt.

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Sein dürfen #1a: Die Angst überwinden

und wie der „Zufall“ dabei mitunter hilft!

Was für eine Zeit, im positivsten Sinne — letztendlich! Soviel Angst und soviel Überwindung eben dieser. Und es ist mir passiert, sie zu überwinden. Bewusst wäre ich viel lieber davon gelaufen.

Zuerst war der Termin mit der Reperatur meiner Heizung zu überstehen. Das war die leichteste Übung, obwohl ich sie seit Monaten vor mir her schob, weil ich solche Angst hatte. Angst nicht bloß vor dem Handwerker der in meine Wohnung kommt, sondern auch davor, was alles kaputt sein könnte.  Die schlimmsten Horrorszenarien malten wir uns aus. Waren überzeugt, dass die Leitung etwas hat und wir den großen Kasten irgendwie von der Wand weg bekommen,  abbauben müssen. Letztendlich war es eine Kleinigkeit und der nette Handwerker war binnen 15 Minuten wieder aus der Wohnung draußen.

Die Heizugsreparatur geschafft zu haben trotz starker Belastung, die uns ein Treffen der Baugruppe nur drei Tage davor bescherte, war ein Grund zu großer Freude.

Wir trafen einige Leute der Baugruppe auf der Baustelle um zu sehen wie die Arbeiten voran gehen. Es war einer der ersten wärmeren Tage. Vielleicht lag es daran, dass viele meinten mich umarmen zu müssen.

Wir fühlten es bereits und sahen auch, dass einige Männer von unserer Gruppe anwesend waren. Ein Innenwesen meinte noch erschrocken: „So viele Männer!“ Noch bevor es gelang manche in Sicherheit zu bringen, passierte bereits ein Umarmungs-Marathon, gegen den wir keinerlei Chance hatten uns zu wehren. Umarmungen oder Berührungen von Männern sind enorm schwierig bis unerträglich für uns. Das geht nur langsam mit Vorwarnung und viel Achtsamkeit. Und es sollte bereits ein Vertrauensverhältnis bestehen. Sonst kann ich sehr gut darauf verzichten. Schon die Situation, dass sich ein zumeist wesentlich größerer Mann zu mir herunter beugt lässt einen Film von Gewalterinnerungen ablaufen, der einen Fluchtinstinkt auslöst. Leider bedeutet Flucht bei uns in den meisten Fällen dissoziieren, selbst wenn ein zurückweichen leicht möglich wäre. Bei diesen Umarmungen hätte uns wahrscheinlich sogar ein bloßes zurück zucken vor dieser unerträglichen Situation gerettet. Das konnten wir nicht. Wir haben keinen Impuls für angebrachte Reaktionen, wenn etwas triggert. In unserer Kindheit war Dissoziieren angebracht um die Gewalt zu minimieren. Heute erschwert es die Lage.

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Wunder geschehen: „Psychopharmaka“ aus dem Bio-Supermarkt

oder: Über die Kraft der Kräuter – richtig kombiniert und unsere Ablehnung von chemischen Psychopillen

ACHTUNG: Dieser Beitrag ist keine Empfehlung Psychopharmaka abzusetzen oder ärztliche Verordnungen zu ändern. Diese mögen bei anderen Menschen und anderen Krankheitsbildern ihre Berechtigung und Nützlichkeit haben. Für mich sind sie nicht geeignet, was ich auch mit einer Psychiaterin mit DIS-Erfahrung abgesprochen habe. Ich berichte hier nur über meine Erfahrungen und kann keinerlei Empfehlungen für andere Personen erteilen. Im Zweifelsfall ersuche ich euch ärztliche Hilfe einzuholen.

Es war an einem Tag vor etwas mehr als einer Woche, als sich zwei Begebenheiten ereigneten, die etwas in meinem Leben veränderten, das ich vielleicht als Meilenstein bezeichnen könnte.

Ich bin sehr vorsichtig mit solch großen Bezeichnungen. Leben und Heilung ereignen sich in einer Spirale, die sich langsam, ganz langsam nach oben dreht. Immer wieder gibt es Aufschwung und Verzweiflung. Sie wechseln sich ab. Dennoch wage ich diesen Begriff, weil sich quasi über Nacht Großes verändert hat.

Zunächst war dieser Tag als ein schwieriger in meinem Kalender eingetragen. Ein gemeinsames Mitagessen mit meiner Mutter war vereinbart. Dieses verdient es wohl, dass ich extra darüber berichte, weil es sonst diesen Beitrag sprengen würde. Nur so viel an dieser Stelle, ich konnte davor gegen allen Erwartungen tatsächlich für meine Verhältnisse gut schlafen.

Nachdem ich mich von meiner Mutter getrennt hatte, ging ich etwas spazieren. Der Regen hatte glücklicherweise gestoppt und alle Sicherheitsvorkehrungen, die in Therapie für diese Begegnung besprochen wurden griffen gut. Bewegung im Anschluss war einer jener Mechanismen, die helfen sollten das Erlebte gut zu verarbeiten. Ich entdeckte wie angespannt und dissoziiert ich gewesen war und langsam beruhigten sich die Innenwesen im Körper wieder und unser gewohntes Körpergefühl kehrte zurück.

Auch Kraftraining hatten wir uns vorgenommen, da es ebenso hilft Anspannungen abzuarbeiten. Auf unserem Weg zum Fitness-Studio kommen wir an einem Bio-Supermarkt vorbei, in dem wir selten aber mitunter doch einkaufen. Weshalb nicht noch einen Sprung hineinschauen und eine Kleinigkeit mitnehmen, dann haben wir ein anderes Mal weniger zu tragen.

Aha, eine Produktpräsentation nahe des Eingangs. „Pukka“ Tee wurde vorgestellt und zur Verkostung eingeladen. Ich hatte von dieser Firma bereits einmal Kräutertee gekauft und genossen. Ja, ich mag die ausgewählte Zusammenstellung der Kräuter sehr gerne, wie sie Pukka anbietet.

Nach dem anstrengenden Termin, den wir an diesem Tag bereits hinter uns hatten, lenkte die Verkäuferin unsere Aufmerksamkeit auf Tee und Kapseln mit dem klingenden Namen „night time“, welche beide mit unterschiedlicher Zusammensetzung an Kräutern eine friedliche Nachtruhe versprechen. „Es ist auch möglich, diese zu kombinieren, das ist aber viel zu stark.“, meinte die Vertriebsangestellte der Firma. Ich nicke und lächle in mir, „die hat ja keine Ahnung, wie schlecht ich schlafe, gut zu wissen, dass das geht!“

Davor wurde mir berichtet, dass eine Frau sogar ihre Psychopharmaka absetzen konnte, nachdem sie regelmäßig diesen Tee getrunken hatte. Klingt fast unglaublich, aber nachdem ich eine ganz besonders tiefe Abneigung gegenüber Psychopharmaka hege, die Resultat meiner schlechten Erfahrungen ist, war ich zwar skeptisch, aber doch geneigt ihre Worte zumindest einer Prüfung zu unterziehen.

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„lebendig werden …“ in Zeitschrift an.schläge VI/2017

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Ich fühle mich geehrt. Heißt es. Tue ich es? Gerade eben stresst es mich. Eigentlich freue ich mich sehr. Aber dann sind da noch ∑meine Ansprüche. Jene Ansprüche, die so hoch sind, wie meine Therapeutin uns immer wieder vermitteln versucht und dabei lächelt, weil wir es wieder einmal mit einer Handbewegung vom Tisch wischen. „So bin ich!“, heißt es dann aus unserem Mund. Und wir lachen mittlerweile mit ihr.

Aber jetzt? Was tun?

Worum es geht?

Unser Blog wird in der aktuellen Ausgabe der feministischen Zeitschrift an.schläge VI/2017 erwähnt. ∑Mein Blog als Lese-Empfehlung in einer Printausgabe eines Magazins. Hui, das ist etwas gaaanz Großes für uns.

Am Blog der an.schläge ein Einblick – Bloggen gegen das Tabu.

Ja genau, darum geht es uns – auch. Als wir gefragt wurden, ob das für uns in Ordnung ist, ob wir das wollen, wurden wir auch nach einem Begleittext gefragt, den wir verfassen können. Haben wir auch getan und erbaten uns den Artikel vor der Veröffentlichung lesen zu dürfen. Das gehört so. Also, wir wollten doch wissen, in welchem Zusammenhang wir da genannt werden. Wir gaben unser o.k. – was sonst.

In der erwähnten Ausgabe der an.schläge gibt es den Themenschwerpunkt Psyche & Gesundheit und in Rahmen dessen wird unter anderem dieser Blog vorgestellt.

Wir kennen die Zeitschrift aus unserer aktiveren feministischen Zeit. Es war jene Zeit vor unserer Krebs Erkrankung in der wir die erfahrene Gewalt heilen wollten, indem wir uns für ein Ende der Gewalt in der Gesellschaft über feministisches Engagement einsetzten. Bloß nicht an dem inneren Schmerz anstreifen. Abspalten half und im Kopf bleiben. Nur nicht zuviel fühlen. Denken ging besser, aber nicht gut genug. Unsere mangelnde Konzentrationsfähigkeit durch Flashbacks und Traumafolgen, sowie die Einführung von Studiengebühren zwangen uns zunächst unser Studium der Politikwissenschaft und Frauenforschung abzubrechen. Das war ein außerordentlich schmerzlicher Schritt. Davor hatten wir bereits um Berufsunfähigkeitspension ansuchen müssen. Dann kam die körperliche Krankheit und mit ihr das zurückgeworfen werden auf das verdrängte innere Leid. Seit der Krebs-Diagnose sind über elf Jahre vergangen und unser Leben hat sich in vielen Bereichen geändert. Ich bin feministischem Denken weiterhin verbunden und teile die Linie dieses Magazins. Zudem erwacht mit zunehmender Genesung auch wieder mein Wunsch nach politischem Engagement. Hinsichtlich Krebs gelte ich als geheilt, bzgl. Traumafolgen hat sich in den letzten Jahren vieles zum Positiven verändert. „lebendig werden …“ in Zeitschrift an.schläge VI/2017 weiterlesen

Helfen und Hilfe annehmen: schwierig – beides!

Weil es mich immer in meinem Leben begleitet. Weil es jedes Leben begleitet, aber traumatisierte Personen, die sich jahrzehntelang in sog. Hilfssystemen bewegen betrifft es umso mehr.

Dazu kommt, dass das permanente Misstrauen da ist. Das gelernte Misstrauen gegenüber allen Menschen wurde uns ja mit der Muttermilch mitgegeben. Nicht Urvertrauen, dass wir Hilfe verdienen und auch erhalten wurde uns gelehrt, sondern das genaue Gegenteil.

Niemand da, der unsere Bedürftigkeit sieht, was ein Baby dringend braucht um sich zu regulieren, sich zu beruhigen oder für etwas zu interessieren. Niemand da, die oder der Interesse an meinem Wohlergehen hat, nein mein Wohlergehen hat sich danach zu richten, was die anderen mögen, nicht wie ich mich fühle. Ich habe für die anderen da zu sein, für mich ist niemand da.

Diese Tatsache als Baby und Kleinkind, wo die eigenen Bedürfnisse zwar artikuliert werden jedoch auf höchstes Wohlwollen der nahen Bezugspersonen angewiesen sind um Erfüllung zu erhalten, rächt sich als traumatisierte Erwachsene. Wenn nicht gelernt werden konnte, dass das Leben sicher ist, weil andere Menschen helfen die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, wenn ich es nicht kann, ist es schwierig, dies als Erwachsene zu erlernen. Helfen und Hilfe annehmen: schwierig – beides! weiterlesen

Chronische Müdigkeit

Wäre nur nicht diese traurige Schwere in mir, die so müde macht. Chronisch müde. Bleischwer hängt sie an mir, weil Zeit und Kraft fehlen nachzuforschen, wer den Schalter der Schwere gedrückt hält, obwohl alles derzeit mehr als gut läuft! Und warum?  

Zuwenig Zeit für Innenkinder und Analyse? Bin ich im Zwang der Aufarbeitung der Kindheit gefangen? Einmal nur im Heute sein. Im Heute meiner kleinen Welt leben, ohne politische Lage oder vergangene Gewalterfahrungen, die stetig anklopfen am Tor meiner Bewusstheit.

Oder fordert meine laute Wohnung doch noch soviel Kraft, selbst wenn mein Herz bereits übersiedelt ist in die neue Bleibe? Noch drei Jahre durchhalten, organisieren, sparen und alles dafür tun, dass es so wird wie erhofft.