Berührungsmangel-Wahnsinn

Ende von Woche 6 der Corina bedingten Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen:

Wie schon die letzten Beiträge beweisen, kennt unser Denken derzeit kaum einen anderen Inhalt als Berührungen und deren Entbehrung. Während wir folglich überlegen, ob wir uns nicht auf einem öffentlichen Ort so sehr aufführen sollten, dass wir zwangsweise in die Psychiatrie eingeliefert werden, erschien ein bemerkenswerter Beitrag von Beatrix, in dem wir uns wieder fanden. (Link siehe unten)

Also der Plan mit der Psychiatrie war als Gedanke kurz da, weil uns dann nolens volens wohl jemand berühren müsste. Wobei diese Berührung bis zum Niederspritzen vermutlich wenig tröstlich und freundlich erfolgen würde. Gleich ob die Berührung von Polizei oder Krankenpfleger*innen käme. In unserem Fall am Besten von beiden.

Unsere Erfahrungen mit Psychiatrie erlauben uns auch nicht dort Hilfe zu suchen. Wobei wir brauchen ja keine Medikation sondern nur eine liebevolle oder zumindest respektvolle Berührung oder Umarmung. Wenn dieser massive Wunsch aktuell ein pathologisches Geschehen darstellen sollte, müssten wir sehr am Geisteszustand jener zweifeln, die solches attestieren.

Seit nachfolgendem Erlebnis am Ostersonntag macht auch spazieren gehen nicht wirklich Spaß. Auslöser für den Beitrag „Widersprüche“ war die Begegnung mit einer mir unbekannten Großfamilie auf einem Spaziergang, wo nach nur wenigen beiläufigen Worten uns sofort die Tränen kamen, wegen unserer aktuellen Vereinsamung, obwohl wir dachten, wir hätten die Psyche an diesem Tag im Griff und wären ausgeglichen gewesen.

Diese spielt derzeit jedoch komplett verrückt. Der Gedanke mit einem Schild mit der Aufschrift „free hugs“ neben einem Supermarkt oder besser noch einem Baumarkt zu stehen wird von uns ob der völligen Aussichtslosigkeit bei gleichzeitiger Gefahr einer Anzeige nach den Covid-19 Verordnungen ebenso verworfen, wie jener der Psychiatrie.

In Zeiten ohne Kontaktbeschränkung bevorzugen wir sehr genau zu wählen, wen wir umarmen und wann. So ein Gedanke mit „free hugs“ käme da nicht in Frage. Jetzt erscheint er uns prickelnd. Schon als Form des Protests.

Auch das Bedürfnis jemanden wg. Körperverletzung zu verklagen ist kontinuierlich in unserem Bewusstsein. Wenn wir nur wüssten wen genau und wie dies umzusetzen wäre?! Vielleicht sollten wir dazu juristische Beratung einholen? Wozu haben wir denn eine Rechtschutz-Versicherung?

Wir bleiben dabei, Menschen in 1-Personen-Haushalten wochen- bzw. monatelang, ohne Aussicht auf ein baldiges Ende jegliche Berührung zu untersagen ist und bleibt Folter. Ein hartes Wort, wir wissen das, aber gibt es eine andere Art dies zu beschreiben?

Hier geht’s zum sehr lesenswerten Beitrag von Beatrix: https://krebscoaching.org/2020/04/24/corona-ein-offenbarungseid/

Übrigens wenn ich vom Autolärm vor unserem Fenster ausgehe, erfreuen sich alle Geschäfte, die bereits offen haben dürfen eines Umsatzes wie in vor Corona-Zeiten. Oder wohin sonst sind all diese Autos in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen unterwegs? …. Also Ohropax in die Ohren, Abstand halten und ….. verkümmern.

Sorry dzt. kein positiver Ausblick. Das tut uns am meisten weh.

26 Gedanken zu „Berührungsmangel-Wahnsinn“

  1. Liebe Benita Wiese,
    Euren quälenden Mangel kann ich sehr gut nachempfinden! Ist es doch ein berechtigtes Grundbedürfnis, sich gegenseitig zu spüren. Umso mehr ist es für alle allein lebenden Menschen zur Zeit –zumindest bei Euren Regeln und deren Kontrolle– ein schmerzhafter Verlust.
    Spontan hatte ich den gleichen Gedanken, wie Anna, ins Auto sitzen, kommen, Euch im Arm halten. Geht leider nicht (ganz abgesehen davon, ob das für Dich passen würde …).
    Ich wünsche Dir / Euch, dass Ihr noch eine Weile durchhalten könnt und schicke derweil Meine Umarmung per Gedankenübertragung!
    Herzlichen Gruß, Michael

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    1. Lieber Michael,
      Vielen herzlichen Dank für deine lieben Worte. …. Du hast es auf den Punkt gebracht. Neben der harten Regeln gibt’s noch die strenge Kontrolle. Vor allem in Wien. ….. Es ist unzumutbar. Daher auch der Gedanke es nicht hinzunehmen, sondern mich zu wehren. Das gibt uns zumindest die Kontrolle über unser Leben zurück, statt dieser lähmenden Ohnmacht, die dazu kommt. Das gibt dann auch wieder Kraft. ….. Wir halten das schon irgendwie durch. Mit Ende April soll es Erleichterungen geben. Darauf hoffen wir jetzt.
      Danke für die liebe gedankliche Umarmung. 🤗 Wir umarmen zurück.
      Herzlich
      „Benita“

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  2. Oh je Benita, ja stimmt bei Euch in Austria, hat ja der strenge Kurz das sagen – in Bayern der Söder – bei uns in BW ist es nicht so schlimm und zum Glück habe ich den Garten, meine Vogelbeobachtungen, meine Gartennachbarn (überm Zaun, sind auch so Angsthasen, meine KG-Frau berührt und umarmt mich noch und einige furchtlose Freundinnen besuchen mich auch im Garten, (Psst das darf man ja auch nicht laut sagen). Und weißt Du die wahre Freiheit ist tief in uns. Meine Freiheit ist, dass ich keine Angst haben vor dem Sterben) Von einem Kurz ließe ich mir nix ungeprüft verbieten. Video-Konferenzen helfen auch drüber hinweg – ich habe wöchentlich 2. das hilft und lange Telefonate. Mir fehlt der VERNÜNFTIGE Austausch mit eigenständig denkenden Menschen.
    Vielleicht kannst Du einen Hund in der Nachbarschaft ausführen (und streicheln oder Nachbars Katzen) – oder dürft ihr das auch nicht – werden die jetzt alle geschlachtet? (Scherz) Sorry, ich weiß Dir gehts nicht gut, aber mit Humor geht doch alles auch besser. Liebe Grüße und virtuelle ganz laaaaaange Umarmung! Melina

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    1. Natürlich hilft Humor immer. 😃 Ich wohne ja in der Großstadt. Da gibt’s keinen Kontakt zu Kätzchen und Hunden der Nachbarschaft. Darf ja in keine fremde Wohnung und mein Bekanntenkreis ist mehr als überschaubar. Und in dem Wohnbau, wo ich noch wohne, kann ich auch ohne Corona Maßnahmen vereinsamen. Im Grunde habe ich außer der Therapeutin drei Freund*innen, die alle nicht in Wien wohnen. Für ein Treffen zu weit weg. ….. Garten ist immer super. Es geht nicht um verbieten lassen vom Hrn. Kurz, es gibt zum Teil wirklich unverhältnismäßig hohe unverständliche Geldstrafen. Und offenbar feiert auch das Denunziantentum fröhliche Urständ. …. Hier wird so mit Panikmache von Seiten der Politik gearbeitet, das ist wirklich schlimm. Daher meinte ich das mit Anzeige wirklich ernst. Müsste Mal das Verfassungsrecht und die Freiheitsrechte prüfen.
      Hast du noch deine Katze? Das hilft auch sehr. Allein die Telefonate sind etwas, was mich aufrecht erhält. Sowie online Yoga und Meditation. Hab eine geführte Meditation jede Woche online mit Mantren singen gemeinsam. Das tut gut.
      Auch dir liebe Grüße und wir umarmen dich virtuell ebenso lange retour.
      Herzlich
      „Benita“

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      1. Ja, ist schlimm ich weiß…. wollte tröstliches von mir geben in diesen trostlosen Zeiten. Grade hat mich eine furchtlose Freundin angerufen ob sie morgen in den Garten zu mir kann – dürfen täte sie das (wegen der Auflagen nicht – zu weit weg. Jetzt rächt sich bei mir auch, dass ich meine ganzen wichtigen Freunde mehr in Richtung Heidelberg habe und hier vor Ort – außer meinen Gartennachbarn eigentlich niemand auf meiner Wellenlänge (alle angstvolle, brave Lemminge, die Angst zu sterben haben oder gegen unsinnige Regeln zu verstoßen.) Bei meinen Gartennachbarn macht sich auch langsam der C-Koller bemerkbar. Meine Katze ist schon vor Jahren an Niereninsuffizienz gestorben, das war soooooo schlimm, deshalb will ich auch keine Katze mehr, nocheinmal halt ich das nicht aus. Aber mein Puschel ist immer noch um mich rum – ganz nah.
        Vielleicht richtest Du den Fokus auf die Schlupflöcher, mir hilft das im Moment und ich reg mich weniger auf. Alles Liebe für Dich und bleib tapfer „alles geht vorrüber“ und nun eine Doppelumarmung von mir.

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        1. Danke dir liebe Melina. Die ganzen lieben Kommentare und davor das darüber schreiben hat geholfen.
          ….. Wir sind gerne aufrichtig, weil in unserer Familie alles so verlogen war und ist. Da wurde immer alles zurecht gerückt.
          Leider ist dein Tipp Schlupflöcher zu suchen durchaus sinnvoll. Ja, es geht vorbei.
          Auch dir alles Liebe und eine herzliche Umarmung.
          „Benita“

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  3. Es gibt eine Möglichkeit:
    Falls es eine Person gibt, die wegen ihrer eigenen Situation infrage kommt:
    Diese Person zieht zu dir oder umgekehrt. Ihr macht gemeinsam 14 Tage freiwillig Quarantäne, sodass ihr danach als gesund und als gemeinsamer Hausstand durch geht.

    Nur so ein Gedanke, da gemeinsam lebende Personen ja zusammenleben, Kontakt und auch Nähe haben dürfen. Durch die Quarantäne garantiert ihr, dass ihr euch nicht gegenseitig angesteckt habt und es weiter verbreitet.

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    1. Liebe Lunis,
      Danke für deine Idee. In Österreich glaube ich nicht, dass das nach aktuellem Stand der Covit-19 Verordnungen erlaubt ist. Vor kurzem war ein Pärchen im TV, die erst vor kurzem zusammengezogen waren und vor den Ausgangseinschränkungen noch keine Zeit hatten, sich am gemeinsamen Wohnsitz anzumelden. Sie hatten also zwei unterschiedliche Meldeadressen und wurden deshalb angezeigt, weil sie gemeinsam laufen waren. ….. Gut sie haben Berufung eingelegt und sich am nächsten Tag umgemeldet. …. Wollen nur sagen, zu einer Freundin/Freund ziehen geht nicht, wenn die Meldeadresse nicht die gleiche ist. ….. Unrecht pur!

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      1. Nagut dann muss man im Endeffekt draußen aufpassen, wer einen zusammen sieht. Ja auch umständlich, unfair. Ungerecht. Die Singlehaushalte haben es jetzt grundsätzlich extrem schwer. Wobei das ständige aufeinander hocken auch zur zerreißprobe wird.

        Da euer Zustsnd so ja auch unaushaltbar ist, wär es wert, vor und Nachteile abzuwägen.
        Das Ö Recht in dem Fall ist mir natürlich nicht bekannt. Nicht, dass ich noch zur Illegalität aufrufe 😇

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        1. Naja, aktuell sollen die Ausgangsbeschränkungen hier mit Ende April auslaufen und dann Kontakte zu Freunden erlaubt sein. Was ja bei euch meines Wissens außer in Bayern immer erlaubt war zumindest eine Vertrauensperson auch persönlich zu treffen zum spazieren gehen. ….. Hier ist das untersagt. ….. Allerdings kann ich gut verstehen, dass die Enge zu zweit oder als Familie auch eine große Herausforderung ist. Ist halt eine andere Anstrengung.

          Wir hätten nicht gedacht, dass uns das so verrückt machen kann, keine andere menschliche Haut zu fühlen. Das ist schwer zu beschreiben, wenn’s nicht selbst erfahren wird. ….. Wir haben ja nicht einmal ein Haustier. ….. Genug gejammert.
          Vielen Dank für eure Anregungen und viel Kraft weiterhin 🍀🍀🍀🤗
          Herzliche Grüße
          „Benita“

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          1. Also was mich angeht, ist jammern absolut erlaubt und gerechtfertigt.
            Hier ist Treffen mit Freunden draußen und mit gebührenden Abstand erlaubt.
            Mit einer nicht dem Haushalt angehörigen Person.
            Aber mal ehrlich….selbst da es erlaubt ist, ist der Kreis, derer, die infrage kommen, auf genau eine Person begrenzt und da ich kein Risiko eingehen möchte auch eher nicht geschehen. Und wird wohl auch kaum geschehen, selbst wenn es bald wieder erlaubt ist.
            Ich meine….die Zahlen werden hoch springen, sobald die Lockerungen eintreffen und derjenige hat ein Grundschulkind. Die Ansteckungsgefahr also vervielfacht. Somit bleiben wir uns unserem kleinen …. Gefängnis. Klingt drastisch – fühlt sich einfach trotzdem so an.
            Zumal wir ja bereits seit 7 Monaten so leben. Aber das hast du ja vermutlich mitbekommen.
            Liebe Grüße und euch auch viel Kraft und Durchhaltevermögen.

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            1. Hier darf eben nur mit Leuten aus dem eigenen Haushalt persönlicher Kontakt gepflegt werden. ….. Allerdings ist selbst eure Variante ein Gefängnis, natürlich. Aber Fr. Merkel nennt es zumindest eine Zumutung, was euch abverlangt wird, während Hr. Kurz Angst schürt und droht, dass man an Toten schuld ist, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält. Daher nahm ich das Wort Folter in den Mund und meine das mit Anzeige wirklich ernst. ….. Wenn das irgendwie möglich ist.
              Vielen Dank für die Grüße und auch euch viel Ausdauer.

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        1. Das stimmt schon. Ende April sollen ja die Ausgangsbeschränkungen beendet sein, wobei noch niemand konkret etwas dazu gesagt hat.
          Aber es geht auch um die Qualität einer Berührung bzw. Umarmung. Daheim mit dem Hintergedanken etwas Unrechtes zu tun? ….. Das Biedermeier lässt grüßen.
          ….. Und es ist eben nicht unrecht, es ist ein menschliches Grundbedürfnis, das hier untersagt wird. Das regt uns eben auch so auf!

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      1. Liebe Anna,
        Vielen herzlichen Dank für deine Frage und dein Interesse. 💕😊
        Nun seit 1. Mai sind hier in Österreich ja die Bewegungseinschränkungen aufgehoben. (Weiß nicht, ob du das weißt, oder woher du schreibst.) Das tut einmal gut. Auch eine zusätzliche Therapieform (muss ich extra in einem Beitrag schreiben, ….. irgendwann) tut einiges und der Muttertag hat viel aufgewühlt. ….. Es geht also derzeit noch immer recht nach Hoch-Schaubahn fahren emotional, aber klar weniger depressiv als zu Zeiten der Isolation.
        Wir hoffen, es geht dir gut?!
        Alles Liebe und Gute 🍀🤗
        „Benita“

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