Leben mit DIS #38: Perfektionismus

Immer wieder hören wir von anderen Menschen, dass wir so perfektionistisch wären. Wir hören es als kritische Feststellung. Und es stimmt ja, bloß macht sich niemand die Mühe nachzuforschen weshalb es so ist. Zugegeben wir bislang auch nicht.

Nun die Erkenntnis: Wer sich in seinem Leben, vor allem in der frühen Kindheit keine Fehler erlauben darf, weil sie mit großer Wahrscheinlichkeit den eigenen Tod bedeuten würden, tut sich schwer locker an Aufgaben heranzugehen, denn die Todesangst steckt in den Knochen.

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Leben mit DIS #37: Warum Smalltalk für uns in die Schlaflosigkeit führt?

Es war ein netter Abend nach einer Vernissage. Wir saßen mit einigen netten Menschen beisammen in einem Lokal und plauderten. Es ging für uns als nicht-Künstlerin mehr um Smalltalk, als um künstlerischen Austausch.

Wollten wir dazugehören, ohne es zu tun? Anderseits gehörten wir dazu. Man kannte uns und hörte uns zu. Aber weshalb konnten wir einfach Nichts von uns einbringen?

Weil die Wahrheit über unser Leben die Stimmung dämpft und jedes lockere, entspannte Gespräch sprengt. Also erzählen wir von uns nichts Wichtiges. Geben nichts Preis von uns. Das erzeugt generell dann eher Misstrauen, was verständlich ist. Es ist also egal, ob wir von uns erzählen oder nicht, es ist unmöglich unbefangen zu bleiben. Es ist unmöglich, die Stimmung nicht zu ruinieren, wenn wir von uns berichten. Und es ist unmöglich, selbst wenn sich die anderen darauf einlassen nicht das Thema plötzlich zu bestimmen mit den Themen sexualisierte Gewalt und Gewalt an Kindern.

Es gibt also die Wahl zwischen selbst auferlegtem Schweigen oder Themensetzung auf das Gewaltthema und ein Zuviel an Aufmerksamkeit oder ein Ausschluss aus dem Gespräch dadurch.

Diese Auswahl ist beklemmend und kränkend alleine durch die Unmöglichkeit ein zwangloses Gespräch zu führen. Wir haben es wieder einmal versucht und sind insofern wieder einmal gescheitert, als wir uns selbst schon dadurch betrogen haben, dass wir das „ich“ gebrauchten um nicht aufzufallen. Das geht nur kurz, dann beginnen die Kopfschmerzen und die Übelkeit, die wir abspalten.

Und nachdem wir gestern sogar ein bisschen über uns und den Blog gesprochen haben, allerdings alles „brav“ in Einzahl, folgte bis jetzt eine schlaflose Nacht, trotz Müdigkeit.

Es ist zum Verzweifeln sich nicht einbringen zu können in einer Gesellschaft ohne groß aufzufallen und sofort einen Sonderstatus zu erhalten, im besten Falle. Anderenfalls folgt der Ausschluss, wenn die anderen auf den erzwungenen Sonderstatus nicht eingehen mögen. Was wir sogar verstehen.

Ein Leben mit DIS ist ein Leben als Ausgeschlossene, bis wir uns erklärt haben. Letzteres geht in einer Gruppe von ferneren Bekannten nicht. Vielleicht haben wir in solchen Gruppen nichts verloren? Rückzug aus Selbstschutz, die alt bekannte und verhasste Strategie. Wir umkreisen seit Jahren dieses Problem, ohne eine Lösung zu finden.

Im Gegensatz zum letzten Beitrag ….

oder vielleicht auch nicht?!

Dr. Charmaine Liebertz referiert in diesem Vortrag an der pädagogischen Hochschule OÖ nicht nur über die Wichtigkeit von Humor in der Pädagogik, die Entwicklung des Humors in der Evolution, sondern spricht auch weit darüber hinaus über das Humorverbot in Diktaturen, die Clowns without borders, über Männer- und Frauenwitz bzw. das unterschiedliche Lachverhalten der Geschlechter und Vieles mehr im menschlichen Alltag und das äußerst unterhaltsam und kurzweilig.

Dieser Vortrag dauert 1:32h, aber sie lohnen sich.

Mehr solche WissenschafterInnen an Universitäten und in der Wissenschaftsvermittlung sind ein großer Gewinn.

Die Taliban – ein Krieg gegen Frauen- und Menschenrechte

Die wunderbare Sandra Norak hat diesen Beitrag geschrieben, den wir sehr gerne verbreiten mögen. Wir werden auch die Petitionen unterzeichnen.

Nachdem unserem Kanzler Nichts besseres einfällt, als kategorisch auszuschließen Leute, ja auch keine verfolgten Frauen, aufzunehmen. Es ist nur erschütternd, wie kaltherzig unser Regierungschef ist.

Bitte helft auch mit, wo ihr könnt.

Vielen lieben Dank. 🍀

Es ist eine schreckliche Situation in Afghanistan. Ich bin gerade vom Schreibtisch aus in Fälle verwickelt, in denen versucht wird, Frauen aus Afghanistan, aus Kabul, rauszukriegen. Entweder schaffen es die Menschen gerade nicht zum Flughafen nach Kabul oder sie stehen (noch) nicht auf der Liste oder sie schaffen es zum Flughafen, aber wegen dem Massen-Chaos […]

Die Taliban – ein Krieg gegen Frauen- und Menschenrechte

Wenn ein Tier leidet

Es ist schwierig für uns zuzusehen, wenn ein Tier leidet. In unserem Feriendomizil sind wir seit Dienstag alleine um ein großes Haus, Garten und zwei Kater zu versorgen.

In diesem Haus ist es seit gut 60 Jahren nicht mehr vorgekommen, dass niemand der Familie anwesend war. Seit die beiden Kater unserer Bekannten hier wohnen, war ihre Mutter, die ebenfalls im Haus wohnt, noch niemals über Nacht fort. Ja, C. ist immer wieder einige Tage oder auch Wochen weg, aber die Mutter war immer eine Konstante, auf sie war Verlass. Nun ist es heuer aber so, dass die alte Dame vielleicht zum letzten Mal in ihrem Leben ihre Verwandten und Freun*innen in Deutschland besuchen fuhr.

Und einer der beiden Kater leidet enorm. Seit nunmehr drei Tagen sitzt er vor einer der beiden Wohnungstüren von U.s Wohnung und wartet und „weint“. Denn er maunzt nicht richtig, es ist ein unterdrücktes Wimmern und er schaut unfassbar traurig. Bislang haben alles gut Zureden und extra Streicheleinheiten noch nicht geholfen.

Zuvor haben wir ihn in die versperrte Wohnung von U. gelassen und ihm Zeit gegeben zu verstehen, dass sie nicht da ist. Er ging auf und ab, stieß seinen Kopf gegen den einen Türstock, dann gegen den anderen und gegen den Tisch. Aber er kam immer wieder zu uns und ließ sich streicheln und etwas trösten. Selbst nach einiger Zeit wollte er jedoch die Wohnung nicht verlassen. Er legte sich auf den Teppich in der Küche und schaute traurig. Sein Zustand war so bedauernswert, dass wir nur weinen konnten.

Dann hatten wir den Eindruck, er möchte in dieser Umgebung alleine sein, was wir ihm ermöglichten. Als wir zuvor ca. eine Stunde später nach ihm sahen, war er gegangen. Zumindest hatten wir ihn nicht gefunden. Hoffentlich haben wir ihn nicht in der Wohnung eingesprerrt. Wir werden nochmals nachsehen gehen. Wir hoffen sehr, dass wir ihm helfen konnten.

Wie wird es diesem Kater wohl ergehen, wenn U. Ende Oktober in eine Seniorenresidenz ziehen wird? Das wird hart für ihn. Er ist zwar C.s Kater, aber sein Herz gehört U.

Transgenerationale Traumata – Kriegsenkel*innen

https://www.kriegsenkel-kongress.de/

Das Thema „Kriegskinder“ und „Kriegsenkel*innen“ beschäftigt uns im Grunde seit unserem 15 Lebensjahr. Damals wurde uns bewusst, wie sehr die Aggressivität und Lieblosigkeit der Eltern auch mit ihren Erfahrungen im 2. Weltkrieg zusammen hingen. Uns wurde bewusst, dass sie traumatisierte Kriegskinder waren.

Der online-Kongress –  ”Kriegsenkel“ hat uns dies wieder ins Bewusstsein gerufen und erkennen lassen, dass wir mit diesem Lebensthema noch nicht abgeschlossen haben. Auch wenn uns einige Interviews nicht ansprachen, waren doch etliche dabei, die uns sehr viel gaben. Das geerbte Leid ist noch immer groß, wurde uns klar. Und es ist immer wieder schwierig, den eigenen Schmerz von dem der Eltern zu trennen und vor allem zu erkennen, dass wir/ich bei den Übergriffen nicht gemeint waren.

Was auch immer sie uns angetan haben, es war bzw. ist der Wahnsinn der Eltern. Auch Traumatisierte tragen Verantwortung für ihnen Schutzbefohlene. Die Einsicht darüber was Verantwortung für eigene Kinder bedeutet, hatten unsere Eltern nicht. Nahezu jedes Verhalten war doch so viel besser als eine Kindheit im Bombenhagel, Kälte und mit Hunger?! Nein, so ist das nicht!

Und die distanzierte und kühle Großmutter väterlicherseits? Auch sie mehrfach traumatisiert?! Da war der erste Weltkrieg als sie eine Jugendliche war und der zweite in dem sie ihr Kind alleine durchbringen musste und ihren bereits vor dem Kriegsdienst kränklichen, geliebten Mann kurz nach dem Kriegsende verloren hatte. Er hatte sich von seinem Einsatz nicht mehr erholt.

Der Großvater mütterlicherseits, der im 2. Weltkrieg an der Ostfront gekämpft hatte und sich in sich weitgehend zurück gezogen hatte. Vor oder nach dem frühen Krebstod seiner Frau kurz nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft, wissen wir nicht. Alleine mit einem Kind, das ihm nahezu fremd war, da es in seiner Abwesenheit geboren wurde. Ein Mädchen, das sich in einem der Hungerwinter als Kleinkind die Finger abgefrohren hatte. Unsere Mutter, hineingeboren in einen Krieg. Als Kleinkind im Luftschutzkeller, selbst schutzlos, da die Erwachsenen mit ihrer eigenen Todesangst beschäftigt waren. Was macht es mit einer Frau schwanger zu sein, in einem Krieg? Kann ein solches Kind ein Wunschkind sein? Betonte unsere Mutter deshalb immer wieder, dass unser Bruder und wir doch Wunschkinder seien? Fühlte sie sich als ungewünscht? Lebte sie deshalb ihr Leben nie wirklich? Was waren und sind ihre Talente? Wir kennen unsere Mutter nicht und es ist von ihr so gewollt. Denn jedes noch so vorsichtige oder auch vehemente Nachfragen führt nur dazu, dass sie mit Ablehnung reagiert und uns unterstellt sie analysieren zu wollen. Und was wäre schlimm daran zu analysieren und reflektieren? Es ist Teil davon jemanden zu verstehen. So wenig sie von sich preisgeben möchte, ist sie an uns interessiert, selbst wenn sie stets das Gegenteil behauptet. Sie lebt ihr Desinteresse an anderen Menschen.

Unsere Urgroßmutter, die ihre Tochter verloren hatte, erzog das pubertierende Mädchen (unsere Mutter), das ihre geliebte Mutter Mitte der 1950er verloren hatte, so gut sie es in ihrer eigenen Trauer vermochte.

Zärtlichkeit oder Geborgenheit konnten diese Menschen alle nicht geben. Zu sehr waren sie im eigenen Schmerz gefangen.

Lachen habe ich in dieser Familie kaum jemanden gehört, außer den Vater, der sich amüsierte wenn er andere z.B. mich(uns) quälte und damit zum Weinen brachte.

Es heißt, dass Traumata vier bis neun Generationen vererbt werden können. Vor allem sehr hartnäckige Beschwerden könnten geerbte Traumata sein. Hat unser Problem in der Nacht nicht schlafen zu können, noch einen Hintergrund von früheren Generationen?

Die Tatsache zuviel Verantwortung für andere zu übernehmen liegt sicher darin begründet, dass wir als Jüngste die Mutter der Familie waren für die Eltern und den älteren Bruder. „Benita, du musst härter werden!“, meinte die Mutter damals. Wie hätte ich so die Mutterrolle für die Familie übernehmen sollen, wären wir hart genug gewesen, diese massive Überforderung zurückzuweisen? Und DAS wollte die Mutter auch nicht. Projizierte sie doch stets ihre verstorbene Mutter in uns. Leben mit Widersprüchen, war eines der Dilemma unserer Kindheit. Im Grunde war jede Art der Anpassung an die Wünsche der Eltern falsch. Vielleicht ist uns unser Bauchgefühl bei Entscheidungen deshalb wesentlich wichtiger als auch noch so gute Tipps von anderen?

Auch (ungewollte) Kinderlosigkeit kann seinen Ursprung in der viel zu frühen Elternrolle vieler Kriegsenkel*innen haben. Als Erwachsene müssen sie nun ihr eigenes inneres Kind betreuen, da ist für leibliche Kinder keine Kraft übrig.

Es ist ein so weites Feld, das es hier zu erkunden gilt. Noch immer.

Leben in einem Wohnprojekt

Es bleibt die Frage offen, ob die Last, die wir mit uns tragen zuviel für die Gruppe wird, was wir spüren werden.

Oder auch ob die Anforderungen eines Zusammenlebens mit so vielen Menschen, in näherem Austausch zuviel für uns wird.

Werden wir uns abgrenzen können? Was aktuell oft sehr schwierig ist. Werden wir unsere Bedürfnisse nach Rückzug leben können? Werden wir uns auf ein liebevolles Miteinander einlassen können, ohne permanent getriggert zu werden? Denn erst dadurch, dass uns liebevoll und verständnisvoll begegnet wird, erkennen wir das Ausmaß der erlittenen Gewalt. Und das ist oft kaum zu ertragen.

So kam es letzten Donnerstag dazu, dass wir bei 37 Grad Hitze einfach eine Moderation eines Arbeitstreffens völlig vergeigt hatten. Was bei diesen Temperaturen schon verzeihlich ist. Ein Wunder, dass wir als Gruppe überhaupt irgendetwas klären und beschließen konnten.

Dennoch, es war für uns unverzeihlich, dass wir versagten. Was auch mit ein Trigger war, dem ein zweiter folgte. Und dem allem folgte ein Nervenzusammenbruch über drei Tage. Einen Tag weinten wir durch. Die folgenden zwei gab es glücklicherweise immer längere Pausen zwischen den Weinattacken. Und wir erkannten den ursprünglichen Trigger.

Fehler waren als Kind und Jugendliche verboten. Mehr noch, sie waren lebensgefährlich. Jeder Fehler konnte dazu führen, dass wir nicht überlebten, weil der Vater die Kontrolle zu verlieren drohte und uns im Affekt töten könnte.

Das war der Trigger mit dem wir konfrontiert waren, als wir merkten, dass uns die Moderation mehr als entgleitet. Wir hatten Todesangst. In einer solchen Gemütslage kann jedes Wort einen zusätzlichen Zusammenbruch bewirken. Und es entlud sich dann auch an einem anderen Thema, da wir unsere Todesangst ja selbst vor unseren Außenpersonen verstecken gewohnt sind. Normal ist das hilfreich, um die Situation zu verlassen, was irgendwie auch nicht ging. Wir moderierten ja ein Meeting.

Es waren die anderen Teilnehmerinnen des Treffens, die uns beruhigten so gut sie es konnten. Was beruhigend und aufwühlend war, denn es zeigte uns unser Leid der Kindheit so klar auf. Trost gab es damals niemals. Im besten Fall geschah nicht noch mehr Gewalt und Ablehnung. Das kam aber selten vor. Dieser Versuch aller uns beizustehen war so enorm viel an Glück.

Sich diesen Emotionen zu stellen war und ist eine große Herausforderung. Aber wir sind dankbar in diese Lage zu gelangen. Die Zeiten der Flucht werden geringer. Wir haben NICHT geswitcht. Welch enorme Leistung.

Wir haben noch niemals etwas so Großes zu erreichen versucht, wie dieses Wohnprojekt. Es ist so viel größer und intensiver als wir erwartet hatten. Und auch so viel komplexer.

Vermutlich war es gut, all dies nicht von Anfang an zu erfassen, sonst hätten wir es nicht gewagt.

Die große Herausforderung bleibt, dass wir nicht wegziehen können, falls es nicht passen sollte. Das erlaubt unser Budget nicht. Und jetzt wird es wirklich konkret. Im Herbst wird der Mietvertrag unterzeichnet.

Über Hass und Lebendigkeit

Das Webinar zum Schlafen hat uns dazu bewegt uns einem Schlafprogramm auf neurowissenschaftlicher Basis zu unterziehen das wir dort kennengelernt haben. Wir wollen noch nicht mehr dazu erzählen, weil wir uns erst im Teststadium befinden. Wir wollen hier auch keine Werbung machen und halten uns neutral. Wenn wir davon überzeugt sind, können wir auch auf Mail-Anfrage Infos dazu weitergeben. Noch ist es zu früh dafür.

30 Tage dürfen wir das Programm testen und bei Missfallen retournieren und bekommen alle Kosten ersetzt. Soweit so gut. Es war ein Anreiz uns drüber zu wagen, obwohl komplexe Traumatisierung von den Anbietern durchaus als schwierige Indikation gewertet wurde und wir mehrmals zur Vorsicht gemahnt wurden auch um Retraumatisierungen und Flashbacks zu vermeiden. Auch wurde uns dringend empfohlen das Training von einer Therapeutin / einem Therapeuten begleiten zu lassen.

Nun es ist freilich selbstverständlich, dass die Erfahrungen, die wir damit machen auch in der Therapie besprochen werden. Auch unsere durchaus fortgeschrittene Heilungssituation, ermutigte uns es bei allen Schwierigkeiten zu erproben. Und wir kennen unsere Grenzen nach über zehn Jahren Yoga und Meditation bereits sehr gut. Zudem ist es gerade die Vorsicht der Anbieter die sehr seriös auf uns wirkt. Es werden keine Heilsversprechen abgegeben und dennoch viel Mut gemacht auf Grundlage von validierten Daten einer Studie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Wir arbeiten nun seit nur drei Tagen mit diesem Schlaftraining und es hat uns mit einigem konfrontiert. Zunächst wurde uns klar, dass wir auch deswegen nicht schlafen, weil wir tatsächlich täglich darauf warten, dass wir „endlich“ vergewaltigt werden, damit wir dann in Ruhe einschlafen können und nicht mitten im Schlaf unsanft geweckt werden. Eine wichtige Erkenntnis, denn wir wurden seit Jahrzehnten nicht mehr vergewaltigt. Das Gehirn hatte es aber unbewusst noch immer so abgespeichert. Als nächstes klärte sich unser Verhältnis zum Hass auf unsere Eltern, für den wir uns immer enorm geschämt haben und uns dafür innerlich gegeißelt haben.

Es kamen folgende Gedanken: „Wir dürfen die Eltern hassen, aber sie sind es nicht wert!“ Was ohne Kenntnis über unsere Erfahrungen extrem klingt, ist doch sehr logisch bei allem, was wir erlebten bzw. erlitten.

Wir erkannten, wie sich der, noch dazu verdrängte, tiefe Hass den wir fühlen nur gegen uns richtet. Der Hass hält uns in der negativen Verbindung zu unseren Eltern. Ihn loslassen bedeutet unsere Eltern loslassen und unser Leben frei zu leben. Intellektuell wissen wir das bereits lange, aber das änderte noch nichts daran. Bewusst bekamen wir keinen Zugang zu dieser Emotion. Letzendlich bringt und das Loslassen von diesem tiefen Hass ein großes Stück weiter zu unserer Lebendigkeit. Möge es gelingen. Bei all dieser Anstrengung sind wir so aktiv wie schon sehr lange nicht.

Das Schlaftraining hat bislang einen logischen aber auch widersprüchlichen Effekt. Einerseits stresst es uns, da es auf einer unbewussten Ebene ganz tiefe Überlebensmuster von uns angreift und beginnt diese aufzulösen. Negative Gedanken, die wir so gewohnt sind, dass sie zu uns gehören werden uns vor Augen geführt und es ist sehr anstrengend sie loszulassen. Es findet also ein innerer Kampf statt, Vergangenheit gegen Zukunft, Leiden gegen Lebendigkeit und Freiheit. Anderseits aber führt uns genau dieses Erkennen und Loslassen zu einer inneren Ruhe die uns neu ist.

Wir fühlen uns aktuell also gestresst und ruhig zugleich.

Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zu DIS haben uns immer auch deshalb fasziniert, weil uns bei unserem Psychiatrieaufenthalt anno 1992 ein auffälliges EEG attestiert wurde, mit dem die Ärz*innen damals nichts anfangen konnten. DIS wurde nicht diagnostiziert. (*)

Wer weiß, wohin uns all dies führen wird? Wir bleiben neugierig!


(*) https://www.psymag.de/11355/neurowissenschaftliche-befunde-gespaltene-ich-dissoziative-stoerungen/

Ein Rätsel, das uns betroffen macht

Die Arbeit mit der Baugruppe wird nicht weniger. Seit Baustart Anfang März folgt ein Treffen dem nächsten. Gemeinschaftsräume wollen geplant und eingerichtet werden. Dazu braucht es einen Überblick über die Finanzen der Gruppe, was für niemanden wirklich eine Lieblingsbeschäftigung darstellt. Es ist ein ungeliebter und undankbarer Job auf finanzielle oder steuerliche Problematiken hinzuweisen.

Unsere Erfahrung als Jugendliche mit dem Konkurs des elterlichen Unternehmens und einigen gröberen Unannehmlichkeiten im Zusammenhang mit daraus folgenden gerichtlichen Exekutionen …. Ohje, das ist ein Thema, das tief geht und schlimme Erinnerungen auslöst. Erinnerungen an eine Delogierung noch während unserer Schulzeit bzw. kurz danach. Wir vergessen immer das Datum. Diese Situation zog sich über Jahre. Plötzlich standen wir quasi auf der Straße und die Eltern fanden keine Notwendigkeit eine Wohnmöglichkeit für uns zu finden. Schließlich waren wir bereits 19 Jahre alt. Das Fazit war, dass wir jemanden heirateten, nur um irgendwo wohnen zu können. Eine schreckliche Zeit, vielleicht schreiben wir ein andermal darüber weiter.

Auf alle Fälle ist dieses Erlebnis mit ein Grund, weshalb wir mit drei anderen in der Baugruppe uns des Themas Finanzen annehmen, obwohl wir dazu überhaupt keine Lust haben. Wir wissen um die Notwendigkeit finanzieller Transparanz und Sicherheit.

Und es ist ein weiterer Grund, weshalb die Arbeit hier kein Ende findet. Dabei geht es uns aber wirklich ganz gut. Anerkennung hat eine große Heilkraft, wogegen Isolation, die wir davor erlebten nicht nur kränkend ist, sondern tatsächlich krank macht.

Darüber wollten wir jedoch gar nicht schreiben, obwohl der letzte Absatz die Brücke zu unserem Thema darstellen kann.

Aufgrund all der Arbeit und auch Aufregung passierte es uns, dass wir Briefe nicht sofort geöffnet haben, wenn nicht auf den ersten Blick ersichtlich war, dass es sich um eine Rechnung handeln könnte.

So haben wir heute einen geschlossenen Brief mit einem dezenten schwarzen Kreuz unter Werbeprospekten gefunden. Hätten wir diesen Brief früher gesehen, wir hätten ihn geöffnet!

Wir erschraken. Es war ganz klar eine Todesanzeige. Wer war gestorben? Unser Herz pochte. Der Name der Absenderin sagte uns nichts, was ja nichts aussagen muss. Wer kennt schon alle nächsten Verwandten von Freund*innen oder Bekannten?

Als wir den Brief öffneten, fanden wir darin die Parte von keiner Geringeren als Friederike Mayröcker! Freilich wussten wir um den Tod der großen Schriftstellerin, aber weshalb wurden wir zu ihrem Begräbnis eingeladen? Wir kannten sie nicht persönlich. Der Brief war tatsächlich persönlich an uns mit vollständigem Namen und Adresse geschrieben. Mehrmals überprüften wir, ob der Brief an uns adressiert ist. Es ist so und in unserem Chaos hatten wir nun diesen Termin der Verabschiedung verpasst.

Wir dachten, dass wir evtl. bei irgendeiner Lesung uns auf einen Newsletter eingetragen haben könnten. Aber da hätten wir nicht unsere vollständige Adresse angegeben, sondern nur einen E-Mail-Kontakt. Vielleicht in Zusammenhang mit unserem Interesse für Literatur? Da bekommen wir mehrere Aussendungen.

Auch wenn es ein großes Begräbnis war mit Anwesenheit des offiziellen Österreich und Ehrengrab, werden doch nicht Leute eingeladen, die in irgendeinem Verzeichnis angeführt sind um Einladungen zu Literaturveranstaltungen zu erhalten?!

Es bleibt ein Rätsel, wie gerade wir zu einer solchen Einladung kommen und dann diese Trauerfeier auch noch verpassen, weil wir nicht in der Lage waren einen Brief rechtzeitig zu öffnen, mit dem wir nicht rechnen konnten.

Wir werden wohl an ihr Grab gehen und im Nachhinein Abschied von einer uns persönlich Unbekannten nehmen.

Es ist, als hätte sie aus dem Jenseits zu uns gesprochen und uns an unser Buch erinnert. Mysteriös und berührend.

Danke Friederike Mayröcker. Auf eine besondere Art sind wir ihr jetzt verbunden.

Schau dir „Lady Gender Gaga – Alles wird sich gendern (Glottisschlag) | Die Carolin Kebekus Show“ auf YouTube an

https://youtu.be/cqNzWOQ5hdQ

Einfach wunderbar! Weil wir so genau wissen, wie es ist nicht gesehen zu werden, wenn wir nicht sprachlich darauf drängen, stimmen wir Carolin Kebekus nur zu. Sie hat so Recht, dass der Glottisschlag, die kleine Pause vor dem „innen“ in vielen anderen deutschen Worten selbstverständlich ist und vollkommen problemlos.